Einzelbild herunterladen

Aeitag, 20. Januar 1922

Erster Blatt

172. Jahrgang

Eine bedeutsame Sitzung der sranzös ischen Kammer _ _ CL.___ .. X /XK

I

möglich von dem beklagenswerten Druck befreit werden, der auf ihnen lastet. Aber die Regierung betrachtet als wesentliche Bedingung eines all­gemeinen wirtschaftlichen Wiederaufbaus Len Wiederaufbau der verwüsteten Ge­biete, besonders in den beiden Ländern, die zu­erst von Deutschland angegriffen wurden und die unzertrennbar gewesen sind in der Prüfung, und die diese Prüfung auf ewig unzertrennbar gemacht hat- Belgien und Frankreich. Richt nur Gerechtig­keit ist es, die diesen allem vorangehenden Auf­bau erfordert, sondern auch das Weltinteresse an Frankreich und an Belgien, die zum Ruin ver­urteilt sind. Das Reparationsproblem beherrscht also alle anderen, und wenn Deutschland in dieser wesentlichen Frage seinen Verpflichtungen nicht nachkommt, werden wir nach Anhörung der Re­parationskommission die zu trcffeaden Mahnahmen zu prüfen haben, und die erste wird sicher sein die

Errichtung einer ernsthaften und wirksamen Kontrolle

über das Reichsbudget, die Papiergeldausgabe und die Ausfuhr, ohne Präjudiz der Pfände r und Garantien, die sich als notwendig er­weisen sollten. So bedeutend dies auch für die Zukunft Frankreichs sein mag, darf es doch nicht die anderen Klauseln des Friedensvertrages in Vergessenheit bringen, wie die Entwaffnung und die Bestrafung der Kriegs­beschuldigten. Solange sie nicht ausgeführt sind, haben wir nicht nur das Recht, restlos die Sanktionen aufrechtzuerhalten, die ergriffen worden sind, und wenn es sich als notwendig er­weisen sollte, neue zu ergreifen, sondern wären darüber hinaus auch berechtigt, zu erklären, dah die Räuwungs risten; d..s linkeRhein- ufer noch nicht zu lausen begonnen haben.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejcde Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höbe für Anzeigen v 34 mm Breite örtlich 70 Pf., auswärts 90 'Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 3^0 Pf. Bei Platz. Vorschrift 20" U2lufid)lag. Hauptschristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil: Karl Walther; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen.

Die Aussprache.

Paris, 19. San. (WLD.) 3n der heutigen \ Kammersihung, die einen großen Zulauf seitens des Publikums gefunden hat, hat Minrstcrprasi- < deut PoincarS die bereits gemeldete m i n i -- fier teile Erklärung verlesen. Als er die Kammertribüne bestieg, wurde er u n t e r Pro - test der Sozialisten des ganzen Hauses bis weit in die bürgerliche Mitte hinein begrüßt. Die Erklärung wu.de aufmerksam angehört. Fast ein» stimmig wurden die Stellen der Erklärung be­klatscht die von der Wiedergutmachung sprechen. Auch Die Verwahrung gegen eine schamlose Pro­paganda löste Beifall aus. Ferner die Stelle, dah das gesamte deutsche Volk für oic Staatsschuld hafte. Auch soll pach dem' Havasbericht die Stelle mit Enthusiasmus aus­genommen worden sein, die von den B.'sahungs- fristen des linken Rheinufers spricht. D.e Stelle der Rede die sich mit der Konferenz von Genua oeschästigt, hat den Protest der Sozia­listen hervvrgerufen.

Als erster Interpellant ergriff nach Ver­lesung der programmartigen Erklärung Abg. G i - r a r d das Wort, der im übrigen nur wenige Mi­nuten sprach. Er führte aus, dah seine Besorgnis hinsichtlich des Ministeriums für die Pensionen dadurch beseitigt wurde, dah man das Mini­sterium mit dem Kriegsministerium verbunden hat.

Als zweiter Interpellant besteigt der Sozialist Alexandre Da renne die Rednertribüne. Er erklärt, Poincare habe mit der Tradition ge­brochen, dah ein ehemaliger Präsident der Repu­blik sich ins Privatleben zurückziehe. Er sei zur Schlacht zurückgekehrt, aber nach Aniicht der So­zialisten von der falschen Seite, und deshalb seien sie seine entschlossenen Gegner. Die Ueber- nahme der Regierung habe grohe Erregung ge­schaffen. (Man ruft auf der Rechten und in der Mitte: Deutschland!) Abg. Varenne verwahrt srcy gegen die Unterbrechung und verlangt den Schuh des Kammerpräsidenten. Er fährt fort, eine Le­gende umgebe Poincare. Die Konstituierung seines Ministeriums und seine Erklärungen seien nicht dazu angetan, in entschiedener Weise zu beruhigen. An Stelle eines Ministeriums der nationalen

muh. i

Aber so energisch unsere Anstrengungen sein i können, wir können versichert sein, wir werden die französischen Finanzen nur ret- t e n wenn Deutschland, für das wir bereits so viele Milliarden vorgestreckt haben, endlich die Verpflichtungen erfüllt, die es übernommen hat. und den Schaden toieber gutmacht, den es verursachte. Es wäre die skandalöseste Unge- rechtigleit, wenn ein Land, das einen unentschuld­baren Angriff zu erdulden hatte, und von dem zehn Departements durch die, Invasion verwüstet wurden, nach dem Sieg auf eigene Kosten die Ruinen wieder aufbauen mühte, die ein vier­jähriger Krieg auf seinem Gebiet verursacht hat, und wenn seine Steuerzahler die regelmäßigen Zahlungen der Pensionen und Zuwendungen an die Kriegsopfer, die Witwen und Waisen, Pen­sionäre und Kriegsverwundeten und an die Fa­milien der durch den Feind füsilierten Zivilper­sonen auf sich nehmen mühten. Eine sinnlose Propaganda, deren Urheber unschwer zu fin­den sind, macht sich heute gegen Frank­reich geltend und bemüht sich, seine Haltung und seine Absichten zu entstellen. Man stellt uns so dar. als ob wir von einer Art imperia­listischem Wahnsinn befallen wären, und klagt uns an. dah wir insgeheim verdächtige Ab­sichten hegten, als ob der Krieg uns nicht genug Opfer auferlegt hatte, als ob wir nicht teurer als alle andere den Frieden erkauft hatten, den wir konsolidieren sollen.

Wir verlange« nur die Erfüllung der Verträge,

die das Parlament ratifiziert hat. der Verträge, die außer der Unterschrift Deutschlands die Unter- schrift Frankreichs und aller anderen alliierten Länder tragen. Wir verlangen nur das, was man uns schuldet. Wie könnte Frankreich in dieser lebenswichtigen Frage nachgeben? Deutschland be­hauptet, dah es zahlungsunfähig sei, während es tatsächlich seine Staatseinnahmen syste­matisch vergeudet. Es ist weniger mit Steuern belastet als Frankreich und zieht nicht einmal regelmäßig diese Steuern ein. Es macht übermäßige Ausgaben und seine Papiergeldaus­gaben. die seine Währung herabdrücken, begün­stigen' seinen Export. Es läßt seine Großindu­striellen ihre ausländischen Devisen in auslän­dischen Unternehmungen anlegen. Aber während es dermaßen ein scheinbares Elend orga­nisiert, verteilen seine Gesellschaften ungeheure Dividenden, seine Fabriken sind in vollem Betrieb, seine Wirtschaftskraft steigert sich mit jedem Sage, und während der Staat sich ruiniert, bereichert sich das Volk. Aber es ist die gesamte Ration, die mit ihrem Vermögen und ihren Einkünften für die Staatsschulden haftet, denn im Ramen der Völker sind der Friedens­vertrag, der Zahlungsplan, der von der Repara­tionskommission aufgestellt wurde, und die im Monat Mai in der kollektiven Aufforderung der Alliierten festgelegten Bedingungen angenommen worden.

In Verteidigung seiner Rechte geht Frankreich loyal vor, demi es verteidigt dadurch die inter­nationalen Abkommen und es gehorcht weder dem Geiste der Rancune, noch dem Geiste des Hasses, noch egoistischen Motiven. Es hat den lebhaften Vunsch, dah Europa und die Welt so früh wie

Das ist die These, die die französische Re­gierung fortgesetzt vertreten hat. Mehr denn je muh sie aufrechterhalten werden in diesen ver­schiedenen Fragen und in allen yaderen. die sich noch stellen werden, wenn wir unü-wemühen, uns loyal mit unseren Alliierten zu verständigen. Wir werden die Prüfung der Angelegenheiten wieder aufnehmen, die vorübergehend Mißverständnisse hervorzurufen schienen. Wir werden uns bemühen, sie unverzüglich bei­zulegen. Eine wirksame Garantie für den Frie­den ist das Bestehen von Abkommen zwischen den Völkern, die aus der Gemeinsamkeit der Interessen herausgeboren werden, wie die Kleine En - t e n t e, deren Geburt Frankreich freudig begrüßt und deren Fortschritte es mit dem Vertrauen und Sympathie verfolgt.

Die Regierung wird es sich zur Ehre an­rechnen, durch ihre tätige Mitwirkung den Völ­te r b u n d zu unterstützen. Die Ergebnisse, tue er schon erzielt hat, lassen die Dienste ermessen, die die Welt mit Recht von ihm erwarten kann. Die Einladungen zur

Konferenz von Genua

wurden von den alTierten Mächten versandt. Wir werden na^drüc lichst fcrdri, da^ Pie tm Programm von Cannes festgelegten Bcdingu'grn von den Deleg'e ten vor jeder an'eren Deba te angenommen oder abgelehnt werden u"'b_ Latz keine Bestimmung der Verträge, selb st nurindirek t, aufder Konferenz in die Debatte gezogen wird. Wenn wir in dieser Hinsicht keine genauen Garantien er» halten. w röen wir g z :u gen sein, uns Hand­lungsfreiheit vvi^ubehalten. Wir treten ir.s sehr glücki ch schätzen, wenn das Ab^mmen. das der Fe ig ng te? Sri d n? de ei s l . da.d g.t von Frankreich u d Enga d u te zeuch et Ver­den kann. Wir zweifeln nuu daran daß e- -wischen den beiden Ländern aus absoluter Gleich» berech tigung unterzeichnet werden kann, da cs beiden Ländern nützen soll. Wir zoei eln auch nicht daran, dah es ohne Einschränkungen die gegenwärtigen und künftigen Garantien belbehält. Sie die Friedensvrrtrage anerte nen. W r wer­den uns gleicheitig mit ^aben und E. g.and z i verständigen hiben. um zu versuchen, im Orten t die Wiedbrru nähme der F.indse tg e t-rn zwi ch n Griechen und 'Suiten zu ve hn ern, wu im Ein­verständnis mit u seren De bi becen den Ruhen miä, dem Abkommen von Angora oll g ehen, und endlich wieder 'Ruhe an den Tiuien ^pns zu schaffen Wir können auf diese All unfet Mv_n tet in' Syrien freier ausuben, ohne zu grotz< Aufgaben und für das Wohl die zu allen Zeiten treue

touren forg.-n. Wir brauchen nicht hrnzuz ischen, teß £i uns bemühen wwden, dre freundichast- lichsten Beziehungen mit allen and. en Bo k^rn zu pflegen die an unserer Seite für die Rechte der VMh-i kümpt-n. M X'-irü -> n »inaten (Staate r, deren Mitwrrku. g so viel ja dem gemeinsamen Siege beitrug, rnd d e jeßt bei ber Konferenz in Washington einen so deut' lichen Beweis ihrer edlen Eeslnnung 9'n heben G gen alle u seren Derbundeten w rd n tor fcauemö bemüht sein, de Sprache der

ft inu na der Offenheit und fmnb s ch a f t zu führen, and wir wissen, baß fie s ick nie daran stoßen werden, i> toir höflich und entschlossen die Interesstm ö-ant- ^chs vertreten, wie sie ihre eig nen vertreten In diesem nationalen Werk ^nnen wir nur mit Unterstützung Erfolg haben. Mr wenden uS an aVe unter Ihnen, die sich des Ernstes der Stunde bewußt sind, mit der Au forderung, sich in der Achtung ter Gesche der R P b v zur Wahrung der Rechte Frankreichs zu samme.n.

Die ministerielle Erklärung Poincares.

Paris, 19. Ian. (Wolff.) Die mini­sterielle Erklärung, die beute mittag Mi­nisterpräsident Poincare in der Kammer, und der Just izminister Darthvu im Senat abgegeben haben, hat folgenden Wortlaut:

Dom Präsidenten der Republik dazu berufen, die Regierung unter ernsten Umständen zu übernehmen, hat das Kabinett, das sich Ihnen heute vorstellt, keinen anderen Ehrgeiz, als in enger Zusammenarbeit mit den Parlamenten den Respekt vor den Verträgen, die die Friedensbedingungen festsehen, sicherzustellen. Um unser Programm zu verwirklichen, werden wir uns einfach der schönen Worte erinnern, die bei Eröffnung Ihrer Session der Senatsprasident und der Kammerpräsident ausgesprochen haben. Um das Werk zu vollenden, dessen große Züge sie meisterhaft gekennzeichnet haben, hat die Re­gierung Ihr Vertrauen notig und ich hoffe, daß Sie es ihr bewilligen wollen. Durch eine Arbeitsanstrengung haben Sie das Budget des beginnenden Jahres zur richtigen Zeit verab­schiedet. Diese Rückkehr zu der allzulange auf­gegebenen Regelmäßigkeit wird Ihnen gestatten, unverzüglich die dringenden Gesetzentwürfe zu erledigen, die auf der Tagesordnung der beiden Kammern stehen, und die insbesondere die Zurück­gabe der wiederzuerlangenden Ausgaben zum Ziele haben, ferner die Organisation der natio­nalen Verteidigung, die Herabsetzung der mili­tärischen Dienstzeit und die Errichtung der sozia­len Solidarität. Die glückliche Beseitigung ber provisorischen Zwölftel erleichtert auch dem Kabi­nett die Aufstellung des vorläufigen Budgets für das Jahr 1923 und macht es ihm zur Pflicht, die Reformen einzusühren, die unsere F i - nanzlage erfordert: eine Rechnungsablegung in Ordnung zu bringen, die der Krieg in Unord­nung gebracht hat, die notwendigen Verbesserun­gen in der Veranlagung und Einziehung der Steuern, aufrichtige Sparsamkeit, die besonders in andauernder Vereinfachung und rationeller Zentralisierung der Verwaltung gesucht werden

Sitzung dauert an.

Abg. Darenne fährt fort: Ich teile Ihnen mit daß einige meiner Freunde im 2lu95^tnu2 De'utschland bereisen und von der Volts- menge freundlichst begrüßt werden. Ich verlange, daß Sie nicht den Teil der öffentlichen Meinung in Deutschland entmutigen, der reparieren will Ich habe auch die Ueberzeugung, daß, werm Sie alle anderen Lösungen versucht haben, Sie früher oder später, ich glaube zu spät, zu den Losungen zurückkehren, die praktische Menschen allem für realisierbar halten, nämlich, daß Deutschland be­zahlen muß, was es mit Geld bezahlen kann, unv den Rest mit internationalem finanziellen Bei­stand mittels einer Wiederaufbaupolitik Europas aufzubringen hat, so wie die Konferenz von Genua beschließen will. Ich frage: Gehen Sie risch Genua? Ich glaube aber, Sie w«d«' läßlich selbst hingehen. Denn ich nehme nicht an, daß Die die Politik betreiben wollen, um berettoiUen ge­wisse Leute Sie mit Vergnügen haben kommen sehen Ich glaube, daß Sie gezwungener- weise Seite an Seite mit England und Amerika marschieren werden lMinisterpräsident Poincare niat zu st im mend mit dem Kopf.) Da^nne fahrt fort: Sie I werden das Ruhrgebiet nicht besetzen und viel

früher nach Genua als nach Berlin gehen. Sie werden dieselbe Politik wie Ihr'Vorgänger be­treiben, vielleicht mit etwas mehr Steifheit. (Leon Daudet ruft:Und mit weniger Lügen!" Er wird zur Ordnung gerufen.) Varenne schließt, indem er ausruft: Erkennen Sie doch an, daß die Zivili-* faiion unfähig ist, gegen die periodische Krankheit des Krieges sich zu verteidigen und nicht einmal verlohnt, verteidigt zu werden. Ich habe Ihnen nun, so erklärt er, gegen Poincare gewendet, die absolute Opposition unserer Gruppe angekündigt, und ich ende mit einem Worte von Iaures: Par cela et par vous. Die gesamte sozialistische Kammergruppe springt auf und llalscht minuten­

lang Beifall.

Hierauf ergreift der Kommunist Mar- cell Cachin das Wort und spricht zuerst von der Konferenz von Genua. Frankreich werde hin- gehen und dort Sowjetrußland begegnen. Die Vertreter Rußlands würden mit am Kon­ferenztisch sitzen und mit den anderen Völkern auf dem Fuße der Gleichheit diskutieren. Unter Hinweis auf die Resolution Mac C o r m i ck s er- llärt der Abgeordnete, daß man schließlich doch zur Beschränkung der Rüstungen kom­men müsse, und daß 'Frankreich nicht imstande sein werde, lange ein Heer und eine Marine zu unter­halten, die seine Kräfte übersteigen. Man müsse wissen, ob Frankreich jetzt eine Politik der Isolie­rung betreiben wolle.

Cachin erinnert an die P ol t t i t, diePoin- car6 im Jahre 1914 getrieben habe und an die Briefe, die Iswolski an Sass o» now gerichtet habe.

Minisrerprä, ident Poincare erw dert:Ich setze las formellste Dementi t> efen B le­sen entgegen Ich habe sie niemals ge­sehen. Sie existieren nicht."

Abg Cachin erwidert:We.rden Sie sich an Iswolski." (Mehrere Abgeordnete ru,en: .Der ist tot")

Ministerpräsident Poincare erklärt: .Ich bedauere, Laß auf der Kamme t büne Te a p^ tungen ausgestellt werden, die nicht mehr lernen- tiert werden können. Diese Briese editieren nicht, und wenn sie existieren, dann sind sie sol ch. Uekrigens wird d e Kammerein Gllbbuch" über alle Ereignisse auf Lern Balkan erba ten.

Abg. Cachin erkürt: .Wir glauoen an G.lö­blicher nicht mehr/'

Ministerpräsident Poincars erwidert:.v)ch autorisiere Sie, felb't die D<pe chen dur.hzaM bieten, die sich am Quai d'Otjay befin e i.

Cachin vollendet seine Rede, inbe.n er er­klärt, Las Proletariat sei gegen jede Pollt.k, d:e wieder zum Kriege führen tonne.

Hierauf ergreift der Abg. Mart ©onanier das Wort. Er sagt, man würde Poincare beleibt- gen wenn man glauben würde, daß der Minister­präsident mit dem Schriftsteller der Reoue des deux Mondes überein stimme, aber der Mitarbeiter ber Revue des deux Mondes habe die augenblick­liche Lage viel düsterer bargefteUL Es gäbe In Deutschland nicht nur Menschen von schlechtem Willen, es gäbe auch dort ehrenhafte Menschern (Abg. Bellet ruft dazwischen: .Wir sagen, daß es nicht einen in Deutschland gibt, der nicht die Revanche will.")

Sangnier bemüht sich In längeren Dasein andersetzungen zu beweisen, daß es in Deutsch­land zahlreiche überzeugte Pazifisten gebe und daß entgegen den Behauptungen yewlsser Qeuie baä feine Camouflage sei. Die Friedensfreunde sei-w zahlreich. Diele Deutsche hätten gegen bie breuß^ Beherrschung gekämpft. Man dürfe sie nichr durch die Haltung tn Frankreich entmutigen. Er be­teuere, daß über die Reparationen in Frank­reich gefeilscht werde. Schließlich verlangt er den Eintritt Deutschlands m den Völkerbund. Es dürfe auf keinen Fall geschehen daß Deutsch and bi den Völkerbund gegen den Willen Frankreichs «n- trete im Gegenteil, es müsse von Frankreich be­rufen werden. Die Sitzung dauert an.

Ser Abgeordnete Wart Sangnier spricht als- ! dann von der Konferenz in Genua Es sei un- möglich Europa ohne Deutschland und ohne Ruß­land wieder aufzubauen, oder gegm sie. Der Wie- , deraufbau fei nur mit ihnen möglich. Er glaube, daß. wenn Frankreich den Krieg gewonnen habe, well es Sympathien befaß, es den Frieden nur : gewinnen könne, wenn es sich diese Sympathien erhalle. Die Kammer wird unruhig, so daß bet Abgeordnete feine Rede schließt, indem er erklärt: An dem Lage, an dem Frankreich sich von den großen internationalen Problemen fernhalte, be­deute das für Frankreich das Ende.

Der Abg. Bonnet hält alsdann eine Rede, von der die Havasagentur behauptet, daß ihr niemand zuhörte.

Poincare ergreift hierauf das Wort: 6ie haben mich, so erklärt er, nicht nach meiner Ver­gangenheit, sondern nach meinen zukünftigen Handlungen zu beurteilen. Ich habe nichts zu tetecouieren, denn ich wollte stets dem Lande dienen. Ich war Ministerpräsident, als die erften Wollen auf dem Balkan aufstiegen. Wir haben alle unsere Anstrengungen ba-auf vcr- , wendrt das Gewitter fernzuhalten allit , dem Präsidenten der Republik, Fallieres^ anirbem ; ausnahmslosen Beistand d er Deputierten haben wir uns bemüht, die Gefahr zu beso-woren. Gegw die französische -Regierung ist berStocQ ausae- brochen^Lebhafter Beifall, mit 2lusnahme ber > äußersten Linken. Alle A.geordneten erheben s^ und Natschen Beifall.) ?^Mann man?,

. als den mich Cachin h ingestellt hat sc'wurde ich mich selbst verabscheuen. (Lebhafter Beifalls Don der Linken wird gerufen: Die Geschichte

nur

Der Siebener Snjetaet erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags. Moaatlichevezugrpreise: Mk. 9.50 einschl. Träger- lohn, durch die Post Mk. 10. - einschl. Bestell­geld, auch bei Nichterschei­nen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Druckerei, Verlag und Geichaflsstelle 51. Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Stehen.

Postscheckkonto: Zrankfürl a. M. 11686.

GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für GberWen

Druck und Verlag: Vrühl'sche Univ.-vuch- und 5teindruckerei R. Lanze. Zchnftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulftrahe 7.

Union habe er ein Ministerium des na­tionalen Blocks geschaffen. Er habe das Ministerium Briands ohne Briand gebildet. Sollten sich die Mitarbeiter Briands zu Poincares Politik bekehrt haben? Dann hätte man Unrecht getan, das Ministerium Briand zu stürzen. Der Abg. Darenne stellt alsdann fest, daß Poincare von" seinem Vorgänger wesentlich abweiche, be­sonders in bezug auf den Obersten Rat. Er stützt sich hierbei auf Zeitungsartikel Poincares, die er verliest. Die internationalen Konferenzen bedeuten einen wesentlichen Fortschritt gegenüber den alten Methoden. Die Sozialisten seien der Ansicht, es bedeute eine ungeheure Gefahr, wenn man darauf verzichte. Die Verträge, die Frankreich abgeschlollen hätte, müßten besonnen dis utiert we.den. Der Frie­densvertrag von Versailles fei nicht nur zwischen Frankreich und Deut'ch and abge­schlossen worden, sondern zwischen den Alliierten und Deutschland. Wenn die Alliier en in dcr Politik Les Zwanges Frankreich richt folgten, was werde Frankreich tun Y Werde es allein vorgehen? Entweder werde Deutschland sich toiterteßen oder es werde sich weigern. Im erften Falle werde die f anzösllche Reg erung die A li­ierten nickt an ihrer Seile haben. Die andr'e Politik habe den Vorteil, daß die Alliierten m.t Frankreich gingen, während die Po.itir Poin­cares zur Isolieeung führe. Varenne fordert schließlich 21usklärung über das X l mm en von Wiesbaden und über das A.k mmen von Cannes. Er wünscht 'U wissen, ob die Kiw serenz von Cannes u.iterbrocke i worden sei, toe; die Regierung durch eine Depesche gestürzt wor­den sei. Habe man Vorteile uid als Koinpew sation Las Moratorium er ieit ? Es sei niema d in der Kammer, der die R^fwendig''eit in F age stelle, daß F.xlnkreich die Reparationen erlangen müsse, auf.die es ein Recht habe. D e sozialistische Politik der Reparationen habe gegenüber der Politik Poincares den Vorteil, baß_ sie schon die Zustimmung eines Teiles der öffentlichen Meinung in Deutschland gefunden habe. Die