Dienstag, 19. September 1922
172. Jahrgang
SietzenerAMger
General-Anzeiger für Oberheffen
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Nr. 220
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Ein neuer Weltkrieg?
Während m Paris noch um die deutschen | Reparationszahlungen gewürfelt wird, donnert das Orientgewitter immer näher heran, und mancher sieht in dem fahlen Licht der Blitze bereits baS Gorgonenhaupt eines neuen Weltkrieges. Auch die Regierungen der alliierten Mächte scheinen die ungeheure Gefahr zu erkennen. Sie bestürmen das Weihe Haus in Washington, sich doch endlich wieder mit den europäischen Angelegenheiten zu befassen, um den drohenden Riesenbrand zu verhindern. In Amerika hält man anscheinend den Zeitpunkt zum Einschreiten immer noch nicht für gekommen. Denn Kontreadmiral Bristol, der amerikanische Oberlommissar in Konstantinopel, hat von seiner Regierung die Weisung erhalten, zwar gemeinsam mit den Alliierten der Rot in Smyrna zu steuern, aber keinerlei politische Verpflichtungen einzug.hen England hat denn auch in der schwierigen Lage, in die es durch die griechische Riederlage geraten ist, die ganze Last der Verantwortung auf sich genommen und einen Appell an die Dominions gerichtet. Für A u st r a l i e n wurde der Appell durch den Hinweis verstärkt, dah Tausende von australischen Soldaten auf Gallipoli begraben liegen. Man sei es diesen Toten schuldig, die heiligen Gräber des letzten Krieges nicht in die Hände der Türken fallen ;u lassen Bon Australien e -fo'gte tat ächlich eine prompte Zusage, dem Mutter iande zu Hilfe zu eilen. Kanada dagegen zögert, um) in der Südafrikanischen .Union ist man anscheinend gegen den Kreuzzug nach Konstantinopel. Jedenfalls ist der Eifer Lloyd Georges und das Riesenausgebot englischer Kolonialtruppen sehr auffallend, ebenso ausfallend, wie die übertriebene französische Mahnahme, zur angeblichen Unterstützung der britischen OHIiicrtcn Truppen aus dem besetzten Deutschland, besonders aus Koblenz und Mainz, nach dem Orient zu senden. Um die Angoratürken an der Ueberschreitung der Meerengen und an der Besetzung von Konstantinopel zu hindern, genügt doch die Artillerie der briti- chen Schiffe am Bosporus, der Kemal Pascha nichts gleichwertiges entgegenzusetzen hat. Schlimmstenfalls können ja die Garnisonen von Gibraltar und Malta noch Derstärkungen liefern. Also wozu der allgemeine Aufwand? Traut keiner der herzlich Verbündeten dem anderen mehr? Das Organ Lloyd Georges, das „Daily Chronicle" betont mit merkwürdiger Schärfe, die Last neuer kriegerischer Aufgaben gegen Mustapha Kemal und Kleinasien ruhe eigentlich doch allein auf den Schaltern der englischen Armee und allenfalls derjenigen der Dominions. Aehnliches verkünden die bekannten Londoner Blätter „Daily Eppreh" u „Daily Telegraph", und die altliberale „Westminster Gazette" meint, die Haltung der Verbündeten sei bisher so „verschieden' gewesen, dah es nicht leicht sein werde, sie jetzt vor Konstantinopel unter einen Hut zu bringen. Soweit die englische Presse. Wenn also Frankreich, das mit Kemal verbündet war und es immer noch ist, Tmff)pen nach Konstantinopel entsendet, so tut es dies nicht, um gegen die bisher begönnerten Angoraleute zu marschieren, sondern um auf alle Fälle gerüstet zu fein. Zu dem Begriff ..alle Fälle" gehört natürlich auch die russische Frage. Die Orientkrise hat eine neue und gefährliche Wendung 'durch das Telegramm erhalten, das Kemal Pascha nach Moskau richtete und worin er erklärt, dah er an dem russisch-türkischen Vertrag vom 16. März 1921 festhalte. Jener Vertrag stellte eine bolschewistische-mohammedanische Front durch Kleinasien bis Persien, Turkestan und Afghanistan her und erhielt die bedeutsame Bestimmung, dah Kemal nur gemeinsam mit Moskau Orientverhandlungen mit den Entente-Westmäch- ten aufnehmen dürfe. Kemal erwartet also Mos- kaus Beteiligung an den kommenden Verhandlungen, und die Russen werden nicht zögern, ihren Vlatz am Verhandlungstisch zu beanspruchen. Seit Dem Rapallovertrag Rathenaus ist nicht ein so wichtiger Schachzug auf dem Spielbrett der internationalen Diplomatie getan worden I! Kara- chan, der z. Z. in Vertretung Tschitscherins die auswärtige Politik Sowjetruhlands leitet, hat bereits in einem Rundspruch an die Ententemächte die Sympathien Ruhlands für die Türkei und "den endgültigen Verzicht Ruhlands auf Konstantinopel erklärt. Tschitscherin, der heute noch in Berlin weilt, in den nächsten Tagen aber nach Moskau reist, wird das weitere besorgen, und es ist wohl nicht zuviel gesagt, wenn man jetzt von Ruhland eine Aufrollung derjenigen Fragen erwartet, die der Versailler Vertrag unerledigt lieh. So hat die Gefahr eines neuen Weltkrieges vielleicht das eine Gute, dah sie die Revision der Ergebnisse des alten Weltkrieges erzwingt. Hoffentlich nur auf diplomatischem Wege!
' Paris, 18. Sept. (WTB.) Im Anschbuh an die Reu ternote bemerkt das „Journal des Debats", dah es an seinem Standpunkt festhalte und verlange, dah Frankreich im Sinne der englischen Rote handle. Gs handle sich keineswegs Datum, Krieg gegen die Türken zu führen, sondern nur darum, ein neutrales Gebiet, das von einem Einfälle bedroht sei. militärisch: zu besetzen und im Einklänge mit den früheren genauen Verpflichtungen die Internationalisierung der Meerengen im gemeinschaftlichen Interesse aller Mächte mit Einschluß der Türkei sicherzustellen. Darin liege nichts, tvas die Türkei zur Verzweiflung treiben könnte. Es liege ebenso im türkischen wie im französischen Interesse, dah auch Frankreich in der neutralen Zone entsprechend vertreten .sei. Man toenbet ein. dah man auf die Mähigung der Türkei zählen könne, die sich hüten werde, Konflikte 'hervorzurufen. Dasselbe habe man im xMire 1914 gesagt und noch vor wenigen Tagen
habe man im Quai d'Orsay versichert, dah die Christen in Smyrna nichts zu befürchten hätten und ruhig schlafen könnten. Es wäre äuherst kindisch, derartigen Versicherungen nach dem, was vorgegangen sei, zu trauen. Eine Kriegsgefahr werde nicht aus eurer Besetzung der Meerengen entstehen. Sie könnte vielmehr im Gegenteil dann entstehen, wenn infolge irgendeines Zwischenfalles die Türken sich in Gallipoli einnisten sollten und man gezwungen sei, sie daraus wieder zu verjagen.
Die Antwort der Kemalisten an die Entente.
Paris, 19. Sept. (WTB.) Wie der „Petit Parisien" zu wissen glaubt, hat die Angora- Regierung sich beeilt, auf den von Frankreich. England und Italien unternommenen Schritt in einem mäßigen, aber festen Tone zu antworten. Die Antwort geht dahin, dah die Zone, zu deren Respektierung die Kemalisten aufgefordert werden, in einem Dokument festgesetzt worden sei, das die Kemalisten nicht kennen, nämlich den Friedensvertrag von Sevres. Llebrigens sei dieses Dokument für die Entente auch nicht mehr mahgebend, da es nicht ratifiziert worden fei, und da die Alliierten bereits aus eigener Initiative eine Revision dieses Vertrages ins Auge gefaßt hätten. Unter diesen Voraussetzungen erkennen die Kemalisten stillschweigend die Anwesenheit der Alliierten an den Punkten an, an denen fich die Alliierten bereits seit drei Jahren festgesetzt hätten. Die Kemalisten hätten auch nicht die Absicht, auf Konstantinopel, nach Gallipoli oder nach Thrazien vorzumarschieren. Aber die Alliierten sollten die Kemalisten nicht hindern, Punkte zu besehen, an denen die Alliierten bisher nicht gewesen seien, sondern an denen bisher nur die griechische Armee stand.
Wie der „Petit Parisien" weiter zu wissen glaubt, legt die französische Regierung in Anbetracht der britischen Methoden einer Regelung des Orientproblems, die sie immer verfolgt habe, Wert darauf, jede Möglichkeit eines Konfliktes zu vermeiden, dessen Folgen verhängnisvoll sein könnten. Deshalb werde die französische Regierung ihre in Tscharnak stehenden Truppen in Kürze zurückziehen und auf das Südufer der Dardanellen schaffen. Instruktionen m diesem Sinne seien bereits dem französischen Vertreter in Konstantinopel übergeben worden.
Lloyd George über die Unverletzlichkeit Gallipolis.
London, 19. Sept. (WTB.) Lloyd George sandte folgendes Telegramm an den Premierminister von Australien: „Wir empfingen mit tiefer Genugtuung Ihre schnelle Antwort auf unsere Anfrage wegen Entsendung von Truppen, die nötig sind, um jeder Bedrohung der Freiheit der Meerengen und der Ll n - Verletzlichkeit Gallipolis zu begegnen. Das Britische Reich kann nicht zugeben, dah die Ergebnisse der Känrpfe und Siege seiner Truppen in der Levante zerstört werden."
Rußland nnd die Dardanellenfrage.
London, 18. Sept. (WTB.) In Erw de ung auf die Dalfournote vom 3. Juli be;üglich der Dardanellen unS der Tätigkeit der russischen Schwarzen Meere erk ä;t der Volk k. mm ssa Ka - rachan, dah das Moskauer Sowjet das türkische Abkommen mit der Sowjetregierung über die Dardanellen und den Bosporus, das in Moskau 1922 unterzeichnet wurde, anerkenne. Er versicherte, dah alle zukünftigen Verträge unter den Rachbarstaaten, betreffend die Meerengen, den weiterentfernten Mächten fern Recht zur Einmischung geben.
Der serbische Minister des Aeuhem hat nach einer Besprechung zwischen dem König von Serbien und Poinrare sowie Ferid Bey, Lord Har- dinge und dem Pariser Berichterstatter der „Sundah Expreh" erklärt, die serbische Regierung sehe die türkischen Erfolge mit Besorgnis an und würde jedes Vordringen der Türken nach Europa als ernste Bedrohung auffassen. Er selbst fahre heute nach England und werde die Frage mit Lloyd George und Lord Curzon erörtern. Der Berichterstatter will erfahren haben, dah der König von Serbien in einigen Tagen inkognito nach Rom fahren werde, um die Lage mit der italienischen Regierung zu besprechen.
London, 18. Sept. (WTB.) Die „Times" meldet aus Riga, angesichts der letzten türkischen Operationen hätten die Do schewisten eine außerordentliche Konferenz des revo'uti närenMinisterrates einberufen, bei der Trotzki den Vorsitz führe. Die Verhandlungen seien geheim, es werde jedoch versichert, dah die Konferenz beschlossen habe, unverzüglich alle Streitkräfte der kaukasischen Republiken, die russischen im Kaukasus befindlichen Streitkräfte und di? Sowjetflotte im Schwarzen Meere zur Aktion vorzubereiten. Ern Korps Sow'etstre tkräfte sei bereits an der Grenze der asiatischen Türkei auf gestellt und bereit, Mustapha Kemal beim Vormärsche auf Konstantinopel zu Hilfe z u k o m m e n. Anderen Meldun }en zufolge verpflichtet ein Vertrag zwischen Moskau und Angora die Sowjetregierung, mit den türkischen Rationalisten bei der Wiedergewinnung der Dardanellen zusammenzuwirken, wofür Ruhland als Kompensation die völlige Handelsfreiheit im Schwarzen Meere erhält.
Amerika und der Orient.
London, 18. Sept. (Wolff.) „Sunday Expreß" berichtet aus Reuhork, dah dort den Berichten aus dem Orient das größte Interesse entgegengebracht werde. Die Vereinigten Staaten erblickten bi jedem Versuch Mustapha Ke
mals, nach Europa überzusetzen, eine große Gefahr. Man erwarte ein sofortiges Eingreifen Amerikas in die Orientkrise nach der Rückkehr Hughes am 24. September.
Paris, 18. Sept. (WTB.) Rach einer Havasmeldung aus Athen haben die Abgeordneten Thraziens im griechischen Parlament an Lloyd George und Poincare sowie H a r b i n g Telegramme gerichtet, in denen sie inständig bitten, Maßnahmen zur Rettung der Christen Thraziens zu ergreifen.
Die Hnltuug Rumäniens.
London, 19. Sept. (WTB.) Reuter erfährt, dah die rumänische Regierung noch keine endgültige Erklärung über ihre Politik abgegeben 'hat. Es bestehe aber Grund zu der Annahme, daß Rumänien mit der Politik der englischen Regierung betr. Konstantinopel und dieMeer- engen durchaus einverstanden sei. Da Rumäniens einzige Verbindung mit den Alliierten durch das Mannara-Meer und die Dardanellen führe, habe es ein vitales Interesse an der Freiheit der Meerengen.
Der Brand in Smyrna.
London, 19. Sept. (WTB., Reuter meldet aus Smyrna, dah nach den letzten, vom Samstag datierten Berichten aus Smyrna die Meldungen über die Zähl der Todesopfer (ein Bericht sprach von 100 000 getöteten Christen) sich nicht bestätigen. Doch steche fest, daß zahlreiche Armenier sich unter den Opfern befinden. Die Gesamtzahl der Flüchtlinge beträgt 200000, in der Mehrzahl Griechen und Armenier. Am Samstag dauerte der Brand der Stadt noch an.
Paris, 18. Sept. (WTB.) Rach einer Meldung des „Jntransigeant" aus Smyrna soll es dort noch dreihunderttausend Menschen geben, die darauf warten, dah sie abtransportiert werden.
Die Mücktlinqe.
Paris, 18. Sept. (WTB.) Rach einer Havasmeldung aus Athen haben französische und italienische Schiffe gestern ungefähr 10 000 Flüchtlinge aus Kleinasien gelandet. Der armenische Bischof, besten Ermordung durch die Kemalisten gemeldet worden war, sei heil in Athen angekommen. Die griechische Regierung habe die Verstärkung der Trupperi an der thrazischen Grenze beschlossen. Die ans Kleinasien kommenden Flüchtlinge sollen von jetzt an nach Kreta und den anderen Inseln geschickt werden.
Ein russisch-japanisches Abkommen.
London, 19. Sept. (WTB.) Reuter meldet aus Tschangtschu, daß auf der gestrigen russisch-japanischen Konferenz die Delegierten den Entwurf für ein Abkommen geprüft hätten, das folgende Punkte umschließe: 1. Beiderseitiger Verzicht auf Propaganda und fe'ndliche Aktionen. 2. Freie Einreise und Reisefreiheit innerhalb der beiderseitigen Gebiete. 3. Garantie des Lebens und des Eigentums der Untertanen beider Länder.
Ungarn in den Völkerbund ausgenommen.
Genf. 18. Sept. (WTB.) Die Völkerbunds-Versammlung nahm heute einstimmig Ungarn in den Völkerbund auf, nachdem der tschechoslowakische Delegierte Osusky im Hamen der gesamten kleinen Entente noch einmal in einer längeren Rede allen Bedenken gegen die Aufnahme Ausdruck verliehen hatte.
Nansens Anträge in der Völkerbunds Versammlung.
Genf, 18. Sept. (Wolff) 3m Verlaufe der heutigen Sibung der Völkerbunds-Versammlung wurde ein Sch reiben Ransens verlesen, in dem dieser anregt, erstens den Flüchtlingen von Smyrna, die in Konstantinopel für die russischen Flüchttinge geschaffene Organisation zur Verfügung zu stellen, und zweitens die Vermittlungsaktion des Völkerbundes oder andere Maßnahmen zur sofortigen Einstellung der Feindseligkeiten zwischen Griechenland und der Türkei zu ergreifen. Beide Vorschläge werden dem Initiativkomitee zugehen, das über ihre Verweisung an die einschlägigen Ausschüsse der Döl- kerbundsversammlung zu beraten hat.
Die Lösung der Streitfrage mit Belgien.
‘Berlin, 18. Sept. (WTB.) Rach der Rückkunft des Reichsbankpräsidenten Haven st ein aus London fand heute nachmittag eine Kabinetts sitzung statt, in der die Frage der an Belgien auszusteilenden Schatzwechsel behandelt wurde. Havenstein teilte mit, daß die Reichsbank nunmehr bereit fei, die sechs - monatigenSchahwechsel, fällig vom 15. 2. bis 15. 6. 1923, mit ihrer 11 n t e r f d> r i f t z u versehen. Das Reichskabinett nahm die Er- klärurg Havensteins entgegen und beschloß, der belgischen Regierung sofort entsprechende Mitteilungen zu machen.
Der ,^Tag" bemerkt: Das Ergebnis der । Londoner Reise ist fast ein voller Erfolg; Havenstein hat an der Themse seine Absichten I beinahe im ganzen Umfange erreicht. Die
Dank von England wird die Garantie für die deutschen Schatzwechsel binnen sechs Monaten übernehmen und von der Reichsbank wieder eine GarantiefürdieSchatzwechselbin- nen 18 Monaten erhalten.
Berlin, 19. Sept. Die Blätter begrüßen den von dem Reichsbankpräsidenten Havenstein in London erzielten Erfolg als eine wesentliche Entspannung unserer außenpolitischen Lage. Da zu wiederholten Malen betont worden ist, dah die Reichsbank nicht gewillt sei, einen Teil ihres Goldbestandes zu verpfänden, so halten es die Blätter für selbstverständlich, daß die Besprechungen in London unter dieser Voraussetzung geführt worden sind.
Die „Voss. Z t g.“ schreibt: Da nunmehr die Forderung der belgischen Unterhändler, von der deutschen Regierung Schatzwechsel mit nicht länger als sechsmonatiger Laufzeit und mit der Unterschrift der Reichsbank zu erhallen, erfüllt ist, muß der Konflckt über die Garantiefrage als beendet und die von der Reparationskommission verlangte Einigung zwischen Deutschland und Belgien als erzielt angesehen werden.
Auch der „V o r to ä r t s" glaubt aus der bisherigen Haltung der belgischen Regierung, die sich anerkennenswert versöhnlich und sachlich gezeigt habe, schließen zu können, daß sie sich mit dieser Losung jufrie&en geben wird, und hofft, daß diese Lösung eine gewisse Stabilisierung des Markkurses zur Folge haben werde.
Die Ausgleichszahlungen.
Berlin, 18. Sept. (Priv.-Tel.) Den Blättern zufolge überwies die deutsche Regierung zehn Millionen Goldmark, Die auf Grund der letzten gemeinsamen Rote der Alliierten als Abschlagszahlung auf dic in Wirklichkeit fälligen Ausgleichszahlung e n in Höhe von 28,4 Millionen zu zahlen waren, den Ausgleichsämtern der Alliierten.
Ein süddeutsches Sachlieferuugs- adkommen.
(Stuttgart, 19. Sept. Die Stuttgarter Süddeutsche Zeitung teilt zu einer Blättermel.'- düng über den Abschluß eines süddeutschen Sachlieferungsabkommens mit, daß tatsächlich am 2. September ein Vorvertrag zwischen einer französischen Gruppe und der Würt- tembergischen Rohstoffgesellschaft m. b. H. unterzeichnet worden sei. Da aber noch wesentliche Voraussetzungen zur praktischen Verwirklichung fehlten, seien die Verhandlungen noch nicht endgültig abgeschlossen. Falls das Abkommen zustande kommen sollte, werde es für die toürttem-- bergische Industrie große Bedeutung haben. Es sehe die Lieferung aller erforderlichen Baumaterialien in Hohe von 200 Millionen Franken vor.
Der sozialdemokratische Parteitag.
WTB. Augsburg, 18. Sept. Vor der Aufnahme der eigentlichen Parteiverhandlungen begrüßte heute der Vertreter der Aaslandabordnung der russischen Sozialrevolutionäre, «Senfe n o to die bevorstehende Einigung der deutschen Sozialdemokratie. Reichstagsakgeordneter Adols Braun erstattete sodann den Bericht des Parteivorstandes:
Die Schwierigkeiten für Anhänger der größten Arbeiterpartei Deutschlands sind unermeßlich. Der Grvhkapitalismus ist heute mächtiger denn je, und schwer ist der Kampf gegen feine Herrschaft. Man braucht nur an Stinnes und feine letzten Leistungen zu erinnern. Die zunehmende Geldentwertung stellt uns vor schwere Ausgaben. Man muh schon ein Redakteur der Roten Fahne sein, um zu glauben, dah man diese Aufgaben durch Revolutionen, Putsche und Flugblätter lösen könne. Die gewaltige Masse der Arbeiterschaft hat eingesehen, dah unsere nüchterne, mit den Tatsache rechnende Politik der Arbeiterschaft am besten dient. Darum folgten sie uns und nicht den Kommunisten, die sie mit politischem Schnaps berauschen wollen Mi! Gewalt wird nichts erreicht. Wir wissen, dah die deutsche Politik in hohem Grade abhängig ist vom Versailler Vertrag und vom Ausland. Aber wir wollen nicht fatalistisch den Dingen ihren Lauf lassen, sondern ohne Rast arbeiten. Wir sind nicht so wahnsinnig, aus der Verelendung der Arbeiterllasse revolutionäre Kräfte zu erwarten. Auf den Tiefstand Räteruhlands wollen wir nicht sinken. Wir beklagen diefurchtbareRot derPresse. Die sozialdemokratische Presse ist glücklicherweise seit Görlitz nicht zurückgegangen, und alle 139 Parteizeitungen bestehen fort Die Stimmung der Arbeiterschaft ist durch die schwere wirtschaftliche Rot sehr herabgedrücjt worden. Es ist aber unberechtigt, wenn dem Parteivorstand und der Reichstagsfraktion vorgeworsen wird, sie hätten nicht genug zur Linderung dieser Rot getan In Deutschland geht alle Gewalt vom Volk aus tn£ nicht von den Abgeordneten. Die Massen selbst sollten sich mehr rühren. Es ist bedauerlich, daß
Heutiger Stand des Dollars
10 ilbr vormittags.:
Frankfurt a. M. 140w
Berlin: Telephonische Verbindung gestört


