Ausgabe 
19.7.1922
 
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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Mittwoch, (9. Juli (922

Zweiter Blatt

Nr. (67

X1 tm Juli 1922,

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Dem Vorschlag des Präfi^enteir Lobe,

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Der kommunistische Einspruch wird nicht ais-

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(Nachdruck verboten.)

15. Fortsetzung.

(Fortsetzung folgt.)

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läge in standen, einseitig

die Sitzung neue Sitzung

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Gesetzentwurf gegen Dersamw.lungssprengung auf die Tagesordnung z i setzen, wird von den Kommunisten widersprochen.

Der Präsik-ent schlägt vor, kiesen Antrag aus die Tagesordnung einer nach 5 Min uten stattsindenden neuen Ätzung z.t setzen.

Abg. Müller-- Fra gen (Sozi erklärt dazu, seine Fraktion ser zwar gegen den Antrag, werde aber nicht Einspruch dagegen erhben, bat] er ans die Tagesordnung gesetzt wird.

Abg. K o e n e n (Komm.) erhebt Einspruch da-

Üt200-300900 Mk. m nut erstklassigem lluteruebmeu. SAstl. Angebote unter 07052 an sin Giehener Anzeiger.

der Ausschuhfassung sind wir einver- Sie kann in dieser Fassung nicht mchr irach einer Richtung angewandt werden.

Abg. Fehrenbach (Z.): Ich will auf die Persönlichkeit des Herrn Dazille nicht eingehen, aber seine Ausführungen verdienen eine kurze und entschiedene Zurückweisung. Was der Abg. Bazille hier vorgebracht hat, war sorgfältig prä­pariertes Gift, das er verspritzt 'hat zum Schaden des ganzen Volkes. (Lebhafte Zustimmung links und in der Mitte.) Sie (nach rechts gerichtet) haben diese Rede gehört. Können Sie sie billigen? (Abg. Graf Westarp: Jawohl! Stürmische Ent­rüst ungskundgebungen bei der Mehrheit.) Ich beneide diese Partei und diese Gemeinschaft nicht. Das deutsche Volk wird dafür lein Verständnis haben und es irirb auch in Ihren Reihen manchen geben, der mit einer solch verhetzerischen Rede nichts zu tun haben will. (Lebhafte Zustimmung bei der Mehrheit, Widerspruch bei den Deutsch- nationalen.)

Abg. Emminger lVayr. Vp) begründet hierauf nochmals die ablehnende Haltung, die seine Fraktion aus Gründen der bayerischen Staatshoheit gegen die Vorlage einnimmt.

Abg. Keil (Soz.): Es steht sest, das, der Abgeordnete Bazille von der württembergischen Verwaltung Gehalt verlangt und erhalten bat unter Verschweigung der Tatsache, daß er gleich­zeitig von der belgischen Zivilerwaltung besoldet wurde und daß er auch dec belgischen sjrvrlver- waltung den Empfang des württembergischen Ge­haltes verschwiegen hat. (Hört, hört! links.) Es trist: nicht zu, daß rch meine Kenntnis dieser Tatsachen aus gestohlenen oder Geheimakten ge­schöpft hätte. (Lauter Widerspruch rechts, laute Zwischenrufe der Abgg. v. Gräfe und Dr. Vecker (D. Dp.>. An dieser Stelle bin ich keinem Rechen­schaft über die Quelle meiner Wissenschaft schuldig. (Lärm rechts: Vizepräsident Dr. Dell ersucht um

reichend unterstützt.

Um 6.20 ilfjr beraumt Präsident Lobe dk nächste Sitzung auf 6.25 Utyr an.

Der Antrag wird hierauf gegen die Stimmen der Sozialisten dem Rechtsausschrtz überwiesen.

Ohne Aussprache wird in allen drei Lesungen die Vorlage angenommen, durch die die Diäten der Abgeordneten auf 1OOOO Mark monatlich er­höht werden.

Rach Erledigung von Petitionen nimml Abg Stresenrann (D. Vpt.) das Wort, um unter all- seitiger Zustimmung des Hauses dem Reichstags- Präsidenten Loebe den Dank auszusprechen für die ausgezeichnete Leitung der Verhandlungen, eine Aufgabe, der er sich mit Takt, Energie und Humor unterzogen habe.

Präsident Loebe dankt für die Anerkennung und schließt um 1/48 Ähr die Sitzung mit dem Wunsche, das) künftig ruhige Zeiten für Reich und Reichstag kommen mögen.

Der Präsident erbittet und erhält die Ermäch­tigung, den Reichstag einzuberufen, wenn es die politische Lage verlangt, spätestens jedoch am 17. Oktober 1922.

Fälle geprüft sein werden, wird das Disziplinar­verfahren eingeleitet werden. (Lärm rechts.) Es ist ein Gebot der politischen Reinlichkeit und Rot­wehr, solchen Moralhelden die Maske vom Gesicht zu reihen und sie zu entlarven, als moralisch ver­kommene politische Brunnenvergifter. (Deisall linls, Pfuirufe rechts.)

Abg. Fehrenbach (Zentr.) beantragt, die­ser unerträglichen Debatte ein Ende zu machen, wenn Abg. Dazille noch einmal antworte.. Der Reichstag sei nicht das Forum zur Entscheidung jeder persönlichen Angelegenheit.

Abg. Dazille (Dntl.) erllärt, drh er mit Rücksicht aus das angekündigte Disziplinarver­fahren auf weitere Aeuherungen zu dieser An­gelegenheit verzichte.

Die Abstimmung ergab in allen Fällen die Annahme der von den Regierungsparteien ge­stellten Aendcrungsanträge mit einer Mehrheit, die aus den beiden sozialistischen Fraktionen, dem Zentrum und den Demokraten besteht. Für die Beschlüsse in der zweiten Lesung stimmt auch die Deutsche Dolkspartei. In der namentlichen Schluh- abstimmung wird das Gesetz mit 303 gegen 102 Stimmen bei vier Stimmenthaltungen angenom­men. Dagegen stimmen neben den Deutschnatio­nalen, den Kommunisten und den beiben baye­rischen Fraktionen noch einige Mitglieder der Deutschen Volkspartei, darunter Abg. Koch, (Abg. Stinnes fehlt), Ernährungsminister Fehr stimmt im Gegensatz zum Bayerischen Bauernbund, dem er angehört, mit Ja.

Präsident Löbe stellt fest, daß die ver- fassungsmähige Zweidrittelmehrheit für das Ge­setz erreicht ist. (Beifall.)

Die Einsetzung des ttntersuchungsausschausses für die gegen die Reichswehr erhobenen Anschul­digungen wird mit der verfassungsmäßigen Mehr- ^h-ett schlossen.

Das Gesetz über die

Pflichten der Beamten zum Schutze der Republik

wird mit einigen Abänderungen in namentlicher Schlußabstimmung mit der nach der Verfassung nötigen Zweidrittelmehrheit angenommen. Dafür werden 278, dagegen 137 Stimmen abgegeben bei einer Stimmenthaltung.

Cs .folgt die dritte Beratung des Reichs- kriminalgesehes.

Abg. Siemvns- Franken (11.) verwert zur Begründung der Rot Wendigkeit des Gesetzes auf einen Bericht desD. T", wonach dir beiden Rathenaumörder vor ihrer Entdeckung schon Füh­lung mit Münchener Helfern genommen haben sollen, die sie mit falschen Pässen Über die tschechische Grenze schaffen wollten.

Abg. Hamm (Dem.) legt Verwahrung da­gegen ein, dah eine durch nichts bewiesene Zei­tungsnotiz zur politischen Drunnenvergiftung be­nutzt wird.

Das

Diesen Gedanken habe ich natürlich er­wogen", entgegnete Perzelius,habe ihn jedoch nach kurzer llebeclegung wieder verworfen. Der Fellache ist sicher nicht in die Wüste geflohen, und wenn wir seiner habhaft werden können, ist es am Rll."

Ich verstehe das durchaus nicht", antwortete Eduard kleinlaut,der Möglichkeiten sind doch unendlich viele."

In diesem Punkt nicht", meinte der Doktor, denn Sie müssen bedenken, dah wir keinen ge­wöhnlichen Mädchenrüuber vor uns haben, son­dern einen ganz bestimmten, sozusagen einen ritu- ellen. Der Fellache verkaufte seine Beite nicht nach dem Sudan hinüber."

Ich sehe aber nicht ein", erwiderte Eduard, woraus Sie das so sicher annehmen könnten."

Dann will ich es Ihnen sagen", sprach nun Perzelius.Sie erinnern sich des Ortes, wo wir die erste Rächt auf unsrer Reise zubrachten?"

Eduard nickte.

Weiter erinnern Sie sich natürlich unsres unangenehmen Zusammenstoßes mit dm Einge­borenen in jenem Grabraum. Dies» Eingeborenen waren Fellachen, wie man an ihrer Kleidung er­kennen konnte. Sie mochten eine schöne Wut bekommen haben, als wir ihren entwischten. Warum haben sie uns nicht weiter verfolgt? Weil.sie sonst auch in die Hütte des Dorfvor­stehers hätten eindringen muffen, wodurch brr dem entstehenden Lärm natürlich der ganze Ort alarmiert worden wäre. Damit wäre das Ge­heimnis verraten gewesen. Aber weiter. Wenn

Eduard erstaunt.

Drei Wochen dauern die Vorbereitungen zu dem "Fest für welches die Baronesse bestimmt ist. Bis dahin ist sie so sicher, wie man nur wün­schen kann," erwiderte der Doktor,,das weih ich aus meinen ethnologischen Studien."

Eduard war bläh bis in die Handwurzeln. So ricktig ihm auch alles erschien, was Perzelius vorbr/tzte die Ruhe des Doktors vermochte er dennoch nicht in sich aufzubringen. Wenn nur ciu einziges Glied in der langen Kette von Schlüssen

n3Sttten.

drei Wochen vorbeigingen. ohne dah man an ein Ziel kam? Eduard schauderte inneklich, wenn er diese Gedanken verfolgte.

Wir haben heute Wache gestanden," frhr Perzelius weiter,um keme Möglichkeit außer acht zu lassen. Es hätte ja sein können, dah der Räuber seine Beute erst hier irgendwo in Sicherheit hätte bringen wollen. Da heute nichts derartiges erfolgt ist, scheint es mir auch weiter­hin ausgeschlossen. Ich glaube vielmehr jetzt dah sich der Fellache nach den oberen Ril- gegenden gewendet hat."

Aber Aegypten ist groß, wie sollen ton da ein geraubtes Mädchen finden?" gab Eduard trostlos zurück.

Wir werden es finden, weil wir die Spuren haben. Wichtig ist nur, dah wir den ZeitpunS nicht versäumen," entgegnete Perzelius sachlich

Eine Pause entstand. Der semitische Schiffer redete immer noch heftig auf die Fischer und Bovtsknechte ein, die an seinem Tisch sahen.

Da öffnete sich die Türe, und ein braun« Knabe trat herein in seltsamem Auszug. Er war fast unbekleidet, nur um die Lenden trug er einer» klirrenden Zierrat aus kleinen Dronzeplatten. Ge- sicht und Körper waren über und über in der kunstvollsten Weise bemalt, das halblange schwarze Haar fiel in steifen Locken herab.

Eduard und der Doktor beachtefer den Ein- tretenden kaum, und auch die Seeleute schienen wenig Rotiz von ihm zu nehmen. Bettelnd« Gaukler konnte man oft genug in den Schenker sehen.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 19. Juli 1922

Neue Poft-Beftimmungeu.

der Republik erklärt Stöcker (K.), die jetzt be­schlossenen Gesetze zum Schuhe der Republik seien im Gegensatz zu der ersten Regierungserklärung nicht zu Kampfinstrumenten gegen rechts ge­worden, sondern die revolutionäre Arbeiterschaft sei dadurch bedroht.

Die Vorlage wird hierauf ohne weitere Aus­sprache mit groher Mehrheit angenommen.

Der ersten Beratung eines Antrags der Mittelparteien auf

Abänderung des Strafgesetzbuches

(Mahnahmen gegen Sprengung von Versamm­lungen), dar nachträglich eingebracht wurde, wider­sprechen die Kommunisten.

Präsident Löbe schlägt vor, aus die Tages­ordnung einer neuen Sitzung diesen neuen Antrag zu setzen. Auch das wird durch den genügend unterstützten Einspruch der Kommunisten unmög­lich gemacht.

Ruhe.) Die Hauptsache ist, dah Herr Bazille - <. ~ .

die Richtigkeit meiner Angaben nicht bestreiten ^n, dah der Antrag aus dre Tagesordnung kann. (Sehr wahr! links.) Sobald alle einzelnen ^i .uitg g^Öt ixnrö.

Präsident Löbe schlieht Uhr und beraumt eine

Uhr an.

255. Sitzung, 1 ,6

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Allmählich begann sich das Lokal zu leeren. Auch an dem Tisch, wo Perzelius und Eduard sahen, erhoben sich die Männer und wankten singend und knurrend zur Ture. Schließlich war nur noch ein einziger der Tische vollbesetzt. Es waren Fischer, wie man sie alltäglich mit ihren plumpen Kähnen auf dem Ril fahren sehen konnte. Dronzefarbene Eingeborene, Mohamme­daner, wie man an ihrer Kleidung und ihrer Enthaltung vom Alkohol beobachten konnte, an dessen Stelle sie einem Getränk zusprachen, das Samuel Chajim als Selterwasser verkaufte. Rur ehr einziger unter ihnen, der semitischer Abkunft schien, hatte ein grohes Glas Grog vor sich stehen, aus dem er in gierigen Zügen trank, während er eifrig auf seine Genossen einsprach

Perzelius benützte die Gelegenheit, mit Eduard unbehvrcht sprechen zu können und sagte: Wenn unser Wachestehen auch morgen zu keinem Ergebnis führt, müssen wir zum Angriff Vor­gehen."

Eduard schien nur die Anrede des Doktors erwartet zu haben und begann nun sofort:Ich sehe noch absolut nicht, woraus Sie hinaus wollen. Wenn wir, wie es doch allen Anschein hat, in dem Fellachen den Räuber vor uns haben, können wir doch nicht annehmen, dah er so töricht sein wird, uns fein Opfer hier in Kairo in die Hände zu spielen. Er wird viel eher damit in die Wüste geflohen fein."

werden, wenn die am Kopf der Vorder­seite stehende Absenderangabe auf die rechte Hälfte der Vorderseite übergreift. Es macht dabei keinen Unterschied, ob auf der Karte ein Teilungsstrich angebracht ist oder nicht. Ferner soll, um den Aufbrauch von Vor­räten, die den Bestimmungen nicht ent­sprechen, zu ermöglichen, bis auf weiteres auch bei Postkarten und Drucksachen in Kar- tenform mit geteilter Aufschriftseite, deren linke Hälfte für Mitteilungen verwendet ist, über das Uebergreifen der Absenderabgaben auf die rechte Hälfte der Vorderseite hinweg­gesehen werden. Es ist jedoch davor zu war­nen, beim Reudruck von Karten mit geteilter Vordersette die Llbfenderangabe mit auf die rechte Hälfte setzen zu lassen, well so be­schaffene Karten keinen genügenden Raum zur Anbringung der Stempelabdrücke und der pvstdienstlichen Vermerke bieten, wenn die Karten nach- oder zurückgesandt werden müs­sen. 'Diese Erleichterungen gelten nicht für den Verkehr mit dem Auslande, well die Bestimmungen des Weltpostvertrags ent- gegenstehen.

Postkarten zu 75 und 150 Pf. stellt die Reichsdruckerei jetzt her. Als G e -

SZL--.

Bei Postkarten und Drucksachen Kartenform, deren Vorderseite nicht für Mitteilungen, sondern nur für die An­schrift verwendet wird, soll es künftig im Inlandsverkehr nicht mehr beanstandet

Dir Wünsch? Bayerns sind weitgehend^ berück­sichtigt worden. Immerhin bringt das Gesetz emp­findliche Eingriffe in die bürgerliche Freiheit. Wir werden alle dafür sorgen müssen, dah bei der Durchführung nicht schikanös und parteiisch vorgegangen wird. (Beifall rechts.) Es geht nicht an, dah wegen eines Angriffes gegen einen Polizeipräsidenten ein Blatt, Li. die Magde­burger Zeitung, auf längere Zeit verboten wird. (Zustimmung rechts.) Die Mehrheit meiner Frcunde wird deshalb der Vorlage zustimmen, weil sie den Ersah des unsicheren Zustandes, der Rotverordnung, durch den gesetzliche Zustand wünscht. Wir bedauern, dah der Staatsgerichts- r-f nicht aus einem Senat des Reichsgei ichts be­steht. Die Laienbeisitzer- sollten nich' nach Partei- politischen Gesichtspunkten ausgewählt werden. Der Gedanke der- Reichseinheit sollte auch in Bayern lebhaft beachtet werden. (Lebhaft.- Zu- flin-.mung.) Wir werden zu einem Wiederaufbau niemals kommen, wenn zu all dem ilnglürf der Zerrüttung noch der Streit um die Staatsform tritt. (Beifall.) Verlangen Sie nicht von uns, dah wir Rovember-Republikaner werden. Ich freue mich, dah auch die deutschen Burschenschaften einen Aufruf an die Jugend erlaffen haben. (Beifall.)

Abg. Eisenberger (Dayr. Bbd.t erklärt die Zustimmung seiner Freunde zu allen drei Maßnahmen, die geeignet sind. Gewaltangriffen gegen die Republik entgegenzutreten. Wenn der Bauernbund trotzdem nicht der Vorlage zustimmen könne, so deshalb, weil er darin einen Eingriff in die Selbständigkeit der Länder und in die Justiz- und Polizeihoheit erblicke.

Abg. Ko en en (Komm.) macht dem Abg. Bazille den Vorwurf, dah er mit seiner Rede die Mordstimmung unreifer Hakelkreuzler geschürt habe. Es sei bezeichnend, dah die Mörder sich in der Rühe der deutschen Kapp-Städte Raumburg und Kösen aufgehalten haben.

Abg. Henke (11.): Das Gesetz bedeute trotz aller Mängel einen gewaltigen Fortschritt gegen den bisherigen Zustand. Das werde durch den er­bitterten Widerstand der deutschnationalen Re­gierung Bayerns bestätigt: Jetzt müsse durch eine geschlossene Front des Proletariats die Durchfüh­rung des Schutzgesehes gesichert werden. Die Ar­beitsgemeinschaft der sozialistischen Parteien diene diesem Zweck, und den Kommunisten werde es nicht gelingen, die Einheitsfront des Proletariats zu: zerreihen. Der Schutz der Republik sei notwendig nicht nur gegen die Deutschnationalen, sondern auch gegen die anlackierten Republikaner der Deutschen Volkspartei, wie Professor Kahl. Der Geist, der die Mörder geleitet habe, fei der Geist der beiden Parteien Der Rechten gewesen. So lange die Deutschnationalen Leute bei sich behalten wie Wulle und Bazille, sind sie verantwortlich für den Mord. Bei der Deutschen Vollspartei findet man genau dieselbe deutsch-völkische Hetze. Schon der drohende Zusammenschluß der beiden sozialistischen Parteien hat die Feinde des Proletariats enger zusammengeführt. Redner fährt fort: Wir werden in den nächsten Monaten mit Argusaugen die Durchführung des Schutzgesetzes überwachen, und wir werden die Arbeiterschaft zum Kampf auf- rufen, wenn es gegen die Arbeiterschaft mißbraucht wird. (Lebhafter Beifall bei den Sozialisten.)

Abg. Bazille (Dittl.): Der Abg. Ä.ii hat hier als württembergischer Arbeitsministrr ge­sprochen, der gegenwärtig die Ehre hat, mein Vorgesetzter zu sein. (Zuruf: Schöne Ehre!) (Große Heiterkeit.) Er hat Auszüge aus meinen Personalakten vergeb rächt. Herr Minister Keil, Sie waren nicht berechtigt, das Amtsgeheimnis

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ist nicht durch Gewalttaten zu verwirklichen. Auch wir leben in der schwersten Sorge, dah sich solche Attentate wiederholen könnten.

Abg. Di tt mann (tt. Soz.) iurt Wulle hetzt schon wieder! Auf einen Zwischenruf des Abg. Löwenstein (tt.Soz.) antamrL-t^ Der Redner: Sie, lieber Freund aus dem Alten Testa­ment, sollten ganz ruhig sein! (Zuruf des Abg. Kuhn t (tt. Soz.): Sic unverschämter Lu,np! Präsident Löbe ruft die Abg. Bazille und Ksthnt zur Ordnung.)

Redner such' unter stürm sche H i er ei! de'. Linken aus dem Alten Testament nachz.iweisen, dah die Juden den politischen Mord verherrlicht hätten, wie dies der Fall Iudtth beweise. (Abg. Stampfer (Soz.) wird wegen eines Zwischen­rufes zur Ordnung gerufen.) Die Sozialdemo­kraten verlassen den (5aaL

Redner richtet heftige persönliche Angriffe gegen den Reichskanzler, (□teuer Entrüst urgs- fturm links.) Abz. Giebel «Soz ) ruft: Elender Heuchler und Verle rinder! Präsident Löbe erteilt Ordnungsrufe ind bedauert, dah der R-dre in dieser Stunde so schwere persönliche Angriffe gegen die Mitglieder der Regierung gerichtet habe, dah sie auf der Rechten Entrüstung er­regt hätten. Er ersucht den Redner dringend, nicht von neuem Sturm im Hanse und im Land? zu entfachen.

Redner erklärt, er würde es bedauern, wenn seine Ausführungen als persönliche Angriffe auh gefaßt würden. Die Deutschnationale Volks Partei wolle weder den gewaltsamen ttmsturz noch den Revanchelrieg Das Recht der Kritik jedoch w?rde sie sich nichi nehmen lassen.

Abg Keil (Soz.): Der Abg Bazille ist besonders Berufen, hier gegen die internationale (Sfef Innung zu wettern und seine deut ch-völk^che Auffassung zu betonen. Ich mache nich: ism zmn Vorwurf, dah er französischer Abstammung ist, dah er sich als wärttsmbergischer Staats­beamter in jedem Jahre regelmässig beurlauben lieh zu Reisen in Frankreich und zum Stidium in der llntoerfität Grenoble. Als der Krieg aus- brach, wurde Herr Bazille Zivilgouverneur tn der belgischen Provinz Limburg. Dort hot er während des ganzen Krieges neben seinem Be- amtengehalt eine Tageszulage von 4) Mk. be­zogen. Dafür hat er das Eiserne Kreuz 2. Kl. und den württembergischen Hausorden bebmmen. Er hat sich tapfer versorgt mit den Rahrungs- mitteln, die für die Truppen drauhen bestimmt waren. (Rufe bei den Kommunisten: Etappen­schwein!) Im Dezember 1918 kehrte der Abg. Bazille zurück, lieh sich zum Abgeordneten wählen und meldete sich zum Wiedevettttritt in sein toürttembci gisches Amt. Er tat zwar keinen Dienst, erhielt aber seinen Gehalt. Erst nachträg­lich kam heraus, dah er zu derselben Zeit noch den Gehalt von der belgischen Zivilverwaltung be­zog. Ich nenne den Abg. Bazille einen Betrüger. (Präsident Löbe rügt diesen Ausdruck.) Dann nenne ich seine Handlungen Betrug. (Lebhafte Zustimmung links.) Die Alten über diesen Fall sind merkwürdigerweise bei der Zivilverwaltung Belgiens verschwunden, 'mb Herr Lewald hat auch diese Beträge an Herrn/Bazille als Sonder­zulagen nachträglich bewilligt. (Hört, hört, ttnks.) Der Mann will hier als Moralheld auf treten; ihm muh der Spiegel vorgehalten werden. (Prä­sident Löbe bedauert, dah bi? Ausführungen des Abg. Bazille eine so unerq sittliche Aussprache hervorgerufen haben.)

Deutscher Reichstag.

254. Sitzung vom 18. Juli, 10 tt!hr norm.

Das Luftverkphrgeseh wird ohne Aussprache tn allen drei Lesungen angenommen, ebenso in dritter Beratung das Gesetz gegen die Rotlage der Presse, dieses gegen wenige Stimmen der Deutsch-nationalen. Darauf folgt die dritte Be­ratung des Gesetzentwurfes zum

Schutze der Republik.

Abg Bazille (Dnt.) wendet sich gegen das Gesetz Der Reichskanzler habe in seiner Kampf­ansage gegen rechts in einer Minute mehr ge­sagt als er in fernem ganzen Leben verantworten könne (Gelächter links.) Alle unheilvollen Fol­gen fielen auf sein Haupt, (Unruhe und Ruse bei den Sozialdemokraten: Das war eine B.- drohung des Reichskanzlers!) Wtt haben f:it Jährzehnten zwei Deutschlands: ein monarchistisch­nationales und ein republikanisch-intemati males. Ohne die tteberwindung dieses Gegensatzes ist der Wiederaufbau Deutschlands unnröglich. Das vorliegende Gesetz hindert aber jede Verständi­gung In diesem sog. Gesetz zum Schutze der sog. deutschen Republik . . . (Stürmische Ent- rüstungskundgebungen links. Präsident L ö b e er­sucht den Redner, die Stimmung im Hause nicht unnötig zu verschärfen. Der allgemeine Lärm leg! sich erst allmählich.) Die dcutsch-völkifch^ Bewegung ist die notwendige Reattion gegen den Internationalismus. Der republikanische Gedante

Abg. Dr. Stresemann (D. Vp.) wendet sich scharf gegen die Rede des Abg. Bazille, die nur dazu geeignet gewesen fei, die Leiden­schaft zu schüren. (Beifall rechts.) Mit der^Vor-

zu verletzen. (Stürmisches Gelächter links und Zurufe: Das ist Verteidigung.) Arherdem sind die gegen mich erhobenen Vor würfe unwahr. Die Lebensmittel aus Belgien habe ich in Belgien gekauft. (Gelächter links und Rrfe: Schieber!- Rach Beendigung meiner Tätigkeit in Belgien traten für die belgische Zivilverwaltung noch immer einige Aufgaben z t erledigen, md dafür habe ich die Hälfte eines Monatsgehaltes, näm­lich 500 Mari erhalten, dir mir später als recht­mässige Zuwendung z rgebilligt wurden. (Hört, hört! rechts.) Wenn ich für eine im Auto eines Betannten zurückgelegte Fahrt die Eisenbahn- tcflen 2. Klasse liquidiert habe, so war das kerechsigt, denn ich muhte doch dem Ebaufse rr ein Trinlgeld zahlen. (Stürmisches Gelachte, bei der Mehrheit, ironisches Händeklatschen links.) Das Ministerium des Innern hat entschied.n, dah meine Auffassung richtig ist. (Stürmisch»? 1, hört! rechts. Gelächter links.) Abg. Höll.in (Komm.): Es lebe die Schieberei!

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Reichskriminalgesetz

wird dann mit großer Mehrheit angenommen.

Zur dritten Beratung der Vorschläge über die Bewilligung von 75 Millionen zum Schutze

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det, glauben Sie dann, daß das ganz ohne Zu­sammenhang mit jenen unterirdischen Ereignissen steht? Der Zusammenhang ist natürlich absolut sicher. Jener Fellache war ein Abgesandter der Rotte, die uns verfolgt hatte. Unter einem er­logenen Vorwand gelang es ihm, für kurze Zeit in den Dienst des Barons zu treten, um seinen Raub ausführen zu können. Aus diese Weise nahm er Rache an uns und setzte sich obendrein in -den Besitz des schönsten Mädchens, das je einem Gölte dargebracht worden ist."

Eduard erblaßte bei diesen Worten. Die Er­wägungen des Doktors schienen gar keine andre Schlußfolgerung zuzulassen.

Sie brauchen deshalb nicht gleich zu er­schrecken und sich der Verzweiflung zu über­lassen," begütigte der Doktor.Es ist sogar besser' so als wenn wir den Knecht irgend eines SNavenh'ändlers vor uns hätten. Denn erstens haben wir nun eine genaue Fährte und zweitens können wir mit aller Ruhe und Vorsicht unfern Plan verfolgen, denn wir haben Zeit. In drei Wochen läßt sich viel erledigen."

Wie tommen Sie auf drei Wochen?" fragte

SeEf mf Briefumschlags «WS

Heirat

*V ,u treten.

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nun am nächsten Tage bei uns ein Fellache a if=

taucht und nach Mitnahme einer so kostbaren . .. x

Beute, wie die Baronesse ist, wieder verschwin-1 nicht Stich hielt, was dann t ttnd teeren die