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Erstes Blatt 172. Jahrgang Mittwoch, 19. April 1922
GietzenerAilzeiger
General-Anzeiger für Oberhesfen
Die neue Wendung in Genua.
Als erste Wirkung der LInterzeichnung eines deutsch-russischen Vertrages zeigt sich natürlich in der ganzen Welt und besonders unter den Alliierten eine ungeheure Heber» raschung. Unter diesem Eindruck sind die bisherigen Aeußerungen verantwortlicher und unverantwortlicher Stellen in England und in Frankreich zu würdigen und zu begreifen. Man ärgert sich, man hat uns das nicht zugetraut. Wir haben uns gegen den (Sc i ft des Vertrages von Versailles einmal offenkundig vergangen, denn dieser Versailler Vertrag bezweckte ja nichts anderes als die Niederhaltung Deutschlands in dauernder, trostloser Abhängigkeit und Versklavung. Einige kluge Engländer verdächtigen aus dieseml Anlaß auch einmal wieder die deutsche Intelligenz, kritisieren die mangelnde Vorstellungskraft, das minderwertige psychologische Verständnis der deutschen Politiker. Aber so wenig ermutigend die ersten Meldungen aus Genua, London und Paris auch lauten, zweifellos hat die deutsche Politik diesmal einen Schritt getan, der wohl von allen deutschen »Parteien gebilligt und begrüßt wird. Fux uns ist es keine besondere Aeberraschung, daß unsere Regierung sich endlich entschlossen hat, das ganz natürliche und selbstverständliche Verfahren einzuschlagen, das uns allein übrig bleibt, um der uns peinigenden Zange der Westmächte zu entgehen oder ihr entgegenzuwirlen. Wenn die Herren Engländer auf den Markt schreien, wir hätten eine mangelnde Vorstellungskraft gezeigt, verräterisch an dentz Geist der Genueser Konferenz gehandelt, so ist ihnen in aller Ruhe zu entgegnen, daß ihre Vorstellungskraft von der dauernden Inferiorität der deutschen Politik sich als verhängnisvoller Rechenfehler in der an Irrtümern und Unsinnigkeiten so reichen RachkriegSperiode gezeigt hat. Wie können die Völker sich wundern, daß gegenüber der dauernden Versklavungspolittk der gegenwärtigen Entente die Mittel und Wege gesucht werden, diesen ungeheuren^ von der Welt allmählich offen als schreiendes Unrecht bezeichneten Druck auf Europa zu beheben. Wir zweifeln nicht daran, daß die Folgen des neuen Vertrages mit Rußland in ihren Vorteilen alle die Rachteile bei weitem überwiegen werden, die naturgemäß jetzt auf der Oberfläche liegen und von Organen wie der „Times" ängstlichen Gemütern natürlich mit graulichsten Farben ausgemalt werden. Kommt eines Tages ein Wechsel in der Regierung deS.russischen Reiches, so wird daS deutsch-russische Verhältnis sich kaum erheblich ändern, im Gegenteil, wir dürfen die Annahme hegen, daß dann der grade große Weg unserer auswärtigen Politik erst recht wieder aufgefunden werden kann, von dem leider in den 90er Jahren eine kurzsichtige und unfähige deutsche Auslandspolitik abgewichen war.
Die Wirkung des deutsch - russischen Abkommens. (Sitte Entcntenote an Deutschland.
Genua, 18. April. (MTV.) Die in der Villa Raggio versammelten Vertreter von England, Italien, Frankreich, Belgien, Japan, der Tschecho-Slowakei, Polen. Jugoslawien und Rumänien haben nach Besprechungen, die den ganzen Lag - gedauert hatten, den einstimmigen Beschluß gefaßt, eine Rote an die deutsche Delegation zu richten, in der es heißt:
Die unterzeichneten Mächte müssen der deutschen Delegation in freimütigster Weise ihre Meinung zum Ausdruck bringen, daß der Abschluß eines solchen Vertrages (wie des russischen), während die Konferenz noch tagte, eine Verletzung der Bedingungen bedeutet, die Deutschland selbst sich auferlegt hatte. Als es nach Genua cingeladen und ihm angeboten worden war, in jeder Kommission auf dem Fuße der Gleichberechtigung vertreten zu fein, haben die einladenden Mächte einen 'Beweis von ihrer Bereitwilligkeit gegeben, die Erinnerungen bc8 Krieges beiseitezusetzen und Deutschland die Gelegenheit eines chrenvollett Zusammenarbeitens mit seinen früheren Feinden zu geben. Auf ein derartiges Angebot guten Willens und der Solidarität hat Deutschland mit einem Akt geantwortet, der den Geist gegenseitigen Vertrauens zerstört. Während die Konferenz noch tagte und während Deutschland in den Kommissionen und Unterkommissionen vertreten war, die auf der Grundlage der Bedingungen von Cannes den europäischen Frieden mit Rußland behandeln sollten, haben die deutschen Vertreter ohne Wissen ihrer Kollegen insgeheim einen Vertrag mit Rußland geschlossen, der jene speziellen Fragen ins Auge saßt, die die deutschen Delegierten in loyaler Zusammenarbttl zu erörtern verpflichtet gewesen wären. Dieser Vertrag ist nicht abhängig gemacht worden von irgendeiner Prüfung oder Bestätigung durch die Konse.ei^. Wir müssen annehmen. Laß er endgültig ist. Es handelt sich also in Wahrheit um eine Verletzung einiger der Grundsätze, auf denen die Konferenz beruht. Unter diesen Umständen betrachten es die Unterzeichneten als
nicht gerecht und billig, daß Deutsch-1 land, das eine besondere Abmachung mit Rußland geschlossen hat, an der Erörterung einer 216-1 machung zwischen ihren Ländern und Rußland teilnehmen könnte. Sie schließen also daraus, daß die Delegierten die Absicht haben,
auf die fernere Teilnahme an der Erörterung von Abmachungen zwischen den verschiedenen, auf der Konferenz vertretenen Ländern und Rußland zu verzichten.
gez.: Lloyd George. Facta. Darthotz. Theunis. Denesch. Skirmunt. Rimtschitsch. Diamandy. Ishi.
Paris. 19. April. (WTB.) Die Havas- agen t ur schreibt, offenbar beeinflußt, aus Genua, die Alliierten hatten übrigens nicht, wie S ch a n z e r gewollt habe, das deutsch-russische Abkommen einer Prüfung unterzogen. Sie hätten sich auch mit Recht ferner gehütet, dessen Annullierung zu verlangen. Für sie bestehe das Geheimabkommen mit allen seinen Konsequenzen, die es füglicherweise für seine Urheber nach sich ziehen müsse. Jede andere Prozedur hätte die Alliierten notwendigerweise dazu führen müssen, indirekt eine Diskussion zu eröffnen. Die Reparationskommission werde in aller Souveränität die Frage dieses 2lbkommens und seine Beziehungen zum Vertrag von Versailles zu berücksichtigen haben.
* * ■
Die Haltung Frankreichs.
Genua, 18. April. Havas. Es liegt Grund zu der Annahme vor, daß B a r t h 0 u, als er sich heute morgen zur Sitzung begab, in der Lage war, seinen Kollegen den amtlichen französischen Standpunkt klarzulegen. Obgleich keiner der französischen Delegierten in dieser Hinsicht die geringste Erklärung abgeben wollte, bevor sie mit den alliierten Vertretern Fühlung genommen haben, ist doch nicht anzunehmen, daß Frankreich, das ohne Hintergedanken nach Genua gekommen ist. mit dem ausdrücklichen Wunsche, an den Erfolg der Konferenz mitzuarbeiten, durch eine übereilte und unwiderrufliche Entscheidung ihren Ausgang endgültig gefährden könnte. Man darf demnach sticht erwarten, daß es seine Mitarbeit an dem gemeinsam begonnenen Werk sofort einstellt, ohne vorher versucht zu haben, es weiter zu verfolgen, wenn die Ereignisse die Möglichkeit dazu bieten, sich in den mit der Wahrung feiner Würde und feiner Interessen vereinbaren Grenzen zu bewegen. Augenscheinlich kann ein Resultat nur erreicht werden, wenn die neue durch den 2lbsch'uß des deutsch-russischen Vertrages geschaffene Lage sofort geändert wird, beispielsweise durch einfache Aufhebung dieses Abkommens unter Zustimmung beiderTeile. Wenn Frankreich heute von den Alliierten fordert, gemeinsam mit ihm die Aufhebung des deutsch-russischen Vertrages zu fordern, so tut es im Grunde nichts anderes, als daß es die Verteidigung des DerfaillerDer- träges nochmals in die Hand nimmt, der unbestreitbar durch mehrere Klauseln des Sonderabkommens verletzt worden sei. Wie dem auch sei, die Zusammenkunft, die heute morgen statt- finden sollte, war abbestellt worden.
Paris, 18. April. (WTB.) Heute vormittag hat unter dem Vorsitz von P 0 incarö ein Kabinettsrat stattgefunden, in dem über die Vorfälle in Genua verhandelt wurde. Im Kabinettsrat waren außer dem Ministerpräsidenten nur die Minister des Innern, des Handels, der befreiten Gebiete und der Arbeit anwesend.
Hierzu bemerkt Havas folgendes: Aus Grund der von Poincare ihm gegebenen Richtlinien habe der französische Delegierte in Genua. D a r t h 0 u. schon fetzt die stärksten Einwendungen vom französischen Standpunkt gegen den Abschluß des deutsch-russischen Vertrages vorbringen können. Wenn der französische Ministerpräsident im Besitz aller Rachrichten über den gestrigen Tag in Genua sein werde, werde er mit seinen Kollegen eine Entscheidung treffen und Darthou endgültige Anweisungen zugehen lassen können. Wahrscheinlich werde heute abend eine neue Sitzung des Kabinettsrats ftattfinden.
Der Standpunkt Englands.
Paris, 18. April. (Wolfs.) Havas gibt Zer» tungsmeldungen wieder, wonach der Standpunkt der britischen Abordnung in Genuader sei, daß der deutsch-russische Qkrtrag eine Vergewal tigung in flagranti des allgemeinen Grundsatzes sei, der die Genueser Konferenz beherrsche, obgleich man noch gar nicht sagen könne, ob er einen Verstoß gegen die Bestimmungen des Dersalller Vertrages darstelle. Die betreffende Genueser Drahtmeldung wird in den Äondoner Zeitungen als Ausdruck von den amtlichen britischen Kreisen der Konferenz bezeichnet. D?r englische Korrespondent fügt hinzu, daß der Abschluß dieses Abkommens eine ge-cn Europa gerichtete Heraussorde mnz darstelle, da der Konferenzgedanke der sei, die Bildung zweier feindlicher Sager in Europa zu vermeiden und well der 2lbschluh dieses Vertrages sich gegen dieses Ziel wende.
London, 18. April (Wolff.) ,W e st m i n - st er 'Gazette" sch-eibt in einem Leitartikel: Der rusillch-deutsche Vertrag sei hinter dem Rück:n der 2llliierten abgeschlossen worden und verändere anschnnend die europäische Lage. Die in ®e-,ua versammelten Stea smän er s ien vor eine vollendete Tatsache gestellt, die nicht nur die Grundlage ihrer Beratungen in großem Maße verändere, sondern ihnen jeden Toden unter den Füßen wegnehme. Die Möglich! iten des deutsch- russischen Vertrags seien unbegrenzt. Die Zukunft Europas sei aus den Händen derer, die sie zu lenken begehrten.
genommen worden und die Initiative^ liege endgültig jetzt bei Rußland und Deutschland. ,
„Da ily Telegraph" schreibt in einem Leitartikel: Die 'Nachricht zum Abkommen des v deutsch-russischen Vertrages habe in Genua un- ( geheures Aufsehen erregt und kompliziere sehr. Die bereits heikle Lage. Der Zweck der bolsche- | wistischen Delegierten sei Har. Sie wollen die auf, f der Konferenz vertretenen Mächte zwingen, eine 1 Anerkennung in demselben vollen Maße zu gc- währen, wie sie ihnen von Deutschland zugestan- I den worden ist. Die Aktion Deutschlands und' Rußlands sei ein Versuch, um eine der Hauptfragen der Konferenz zu präjudizjeren. Das Abkommen zwischen Deutschland uyd Rußland sei ein Beweis für die Schlauheit der russischen Delegierten und für die kurzsichtige Torheit ihrer deutschen Kollegen. Es könne nur das in Deutschland gesetzte Mißtrauen vergrößern.
„Morning Post" schreibt, die wirlliche Bedrohung des Friedens Europas sei die Möglichkeit einer Kombination zwischen Deutschland und Rußland.
Wickham Steed drahtet der „Time s" aus Genua, unter der britischen Delegation herrsche wegen des deutsch-russischen Ertrages Bestürzung. Die Ansicht der französischen Delegation könne nicht in parlamentarischer Sprache ausgedrückt werden.
London, 18. April. (Wolff.) Einer weiteren, gestern abend von Genua abgegangenen Meldung des Sonderberichterstatters des Reuters ch en Bureaus zufolge, seien alle in Genua über den Abschluß des deutsch-russischen -Vertrages wütend. Man sei jedoch nicht der Ansicht, daß dieser Zwischenfall zum Abbruch der Konferenz führen werde. Dem deutschen Vertreter, der eine Abschrift des Vertrags nach dem Hotel der britischen Selegation überbrachte, sei sofort zunp, Ausdruck gebracht worden, daß LloydGeorg« die 2lltion der Deutschen sehr ernst beurteile und daß er nicht verstehen könne, weshall' die Deutschen hinter dem Rücken der Mächte gehandelt hätten.
London. 18. April. (WTB.) Die Aeuhe- rungen der Abendpresse lassen auf eint ruhigere Beurteilung des deutsch-russig scheu Verttages schließen. Dem „S t a r“ zufolge läßt die in Genua entstandene Krise nach. Sü: britische Regierung sehe die Lage auf der Geh nuefer Konferenz nicht als ernst an und hoffe, daß das deutsch-russische Llbkommen keinerlei Einwirkung auf die Fortsetzung der Konferenz habe. In den amtlichen Londoner Kreisen werde t)eg: deutsch-i-ussische Vertrag nur insoweit für be> bäuerlich erklärt, als er Frankreich Grund z^i einem Aergernis gebe. Von hoher diplomatischer Seite wurde darauf hingewiesen, daß das deutsch russische Abkommen gar nicht so verschieden feji von dem Abkommen, das Lloyd George bereift fein würde abzuschließen, wenn er vollkommen freie Hand hätte. Die französische Regio- rung werde nunmehr in die Lage versetzt, deut französischen Volke die Erklärung zu geben, daji sie ein wirtschaftliches Bündnis zwischen Deutschland und Rußland vorausgesehen und daß möglicherweise darauf ein militärisches Bünd- n i s folgen werde, und daß daher der Stand« puntt. daß die Lllifrechterhaltung. .eines großen französischen Heeres notwendig sei, gerechtfertigt war. Diese Ansicht sei natürlich k e i n e S f a 11Äi die der maßgebenden Kreise in L 0 n -- don. Der deutsch-russische Qkrtrag gebe jedoch dem .Quai d'Orsay die notwendige Rechtsertd- gung.
Der „Manchester Guardian sagt ut einem Leitartikel, der Abschluß des deutsch-rulH - schen Vertrages sei die unvermeidliche Folge Da? Systems der Alliierten. Deutschland zu isolierqa und zu vernichten. Cs sei angebracht und natürlich, daß Deutschland bei der Wiederherstelluw z des russischen Wirtschaftslebens die Führung übernehme, denn Deutschland verfüge über dr e besten technischen und geographischen Vorteile
London. 18. April. (Wolfs.) Einer gestern abend 10 älhr abgegangenen Reutermeldung folge ist Lloyd George in der gestrigen Rachmittagssihung beredt für ruhige Hebe;:- l c g u n g eingetreten und hat erllärt, daß fein« Aktion unternommen werden dürfe, bevor fite ernst erwogen worden sei.
Der Widerhall in der italienischen Presse.
Genua. 18 2lp-il. (Spezialbericht des V«> treters des WTB.) Der Widerhall, den der Ak,'- schluh des deutsch-russischen CBertra*- ges in der italienischen Presse find« t, ist außerordentlich stark und vorwiegend unfreundlich. Die bürgerlichen Blätter sind ziemlich einmütig in dem Urteil, Dafj das Abweicht m Deutschlands von feiner bisherigen Politik der Zurückhaltung we ig glü lich. t ob'-ortan oder gar unkorrekt sei. Vereinzelt wird auch d:as Wort „illoyal" gebraucht. Mm befürchtLt offenbar, daß Frankreich diesen Anlaß zu-.m Vorwande nehmen könnte, die Konferenz zu spre n- gen. und hätte es lieber gesehen. Wenn Frarck- reich in seiner Isolierung verblieben wäre, ails daß jetzt Deutschland isoliert ist. Diele Kritik beschränkt sich fast ganz auf die formelle u-nd tak ische Seite des deal chen Vorgehens. Mit dem Inhalt des Vertrages beschäftigt mm sich faetm und man weih offenbar auch nicht viel Dänin auszusetzen.
Um so lebhafter beschäftigt sich die sozialistische Presse mit dem Inhalt des Vertrages unb findet ihn außerordentlich glücklich und rxtr- heißungsvrll Der -Avanti" nimmt in einer Betrachtung der Sage, die sich durch den Abschluß des Ertrages ergeben habe, Bezug auf die Machenschaften Frankreichs, das einen Grund 5um
Bruche suche und die CBcrantarortung dafür den Russen oder Deutschen zuzuschiebcn uünsche. Die Behauptung der französischen Presse, der Vertrag sei eine Verletzung des Versailler Vertrages, sei unrichtig. Es scheine auch, daß bei der gestrigen Sitzung des Obersten Rates axDer die englische noch die italienische Delegation, wenn sie auch die Lage als ernst betrachteten, ihren ftanzosi schen Freunden aus diesem Gebiete folgen wollten Von einer Verletzung des Versailler Vertrages könne keine Rede fein; ebenso liege keine Verletzung seines Geistes vor. Wenn etwas vergewaltigt worden sei, so sei es der Geist von Genua und zwar durch Frankreich. Ülngeachtet aller schönen Worte habe man die ungesunde Atmosphäre von Paris wiederhergestellt, wo die Geschäfte Europas aus dem allgemeinen Beratutzgs- zimmer in die Salons einiger Minister verlegt würden, und jetzt behaupte man, Deutschland und Rußland hätten den Geist der Konferenz verletzt. Cs bestehe kein Anlaß, sich aufzuregen, da der Q3crtrag nur ein natürlicher Akt sei, dessen Vollziehung man als natürlich bezeichnen müffe, und der auch vorauszusehen war. Die Ruhe werde mit einem klareren Verständnis der Dinge wiederkehren und vor allem durch die Erkenntnis, in welche Lage Europa durch einen Bruch geraten würde.
Cine amerikanische Stimme.
London, 18. April. (WTB.) Einer Reutetmeldung aus Reuyork zufolge schreibt der „Rewy 0 rk H e r a l d" zu dem deutsch- russischen Vertrag: Da Rußland aus den Rationen auSgestoßen und Deutschland durch die Bestimmungen des Versailler Vertrages gefesselt sei, da das deutsche Gebiet von drohenden und aufpeitschenden fremden Heeren besetzt sei und Deutschland mit der Spitze des Bajonetts gezwungen werde, Abkommen zu un-.erzeichnen, in denen es sich verpflichtet, unmögliche Reparationen zu leisten, war das Zusammen rückenDeutschlandSund Rußlands unvermeidlich.
Paris, 19. April. (WTB.) Rach einer Meldung der »Chicago Tribüne" aus Washington macht der deutsch-russischeVertrag Dort in amtlichen Kreisen keinen besonderen Eindruck Er biete nach deren Ansicht weder Deutschland noch Rußland bei den Verhandlungen mit Den Verbündeten in Genua einen Vorteil und berühre nicht die Interessen der Vereinigten Staaten.
(Sitte einfältige Bemerkung Beneschs.
Paris, 18.'April. (WTB.) Der tschechoslowakische Ministerpräsident De ne sch hat dem Sonderberichterstatter des „Intransgigeant" in Genua erklärt: Der russisch-deutsche Vertrag ist nur eine neue Bekundung des völligenMan^ gels an pfychologis-chem Verständnis bei dem deutschen Volt. Er befiegelt den Block aller Verbündeten aufs neue und ruft Japan auf den europäischen Schauplatz, das zwei Jahre lang unseren Angelegenheiten ferngeblieben ist.
Ein Schritt der Neutralen.
Genua, 18. April. (Spezialbericht des Vertreters des WTB. in Genua.) Der hiesige Q3cn treter der Schweizerischen Depeschenagentur erfährt, daß die Mitglieder der Hntertonuniffion der ersten Kommission der Konferenz, die Herren B r a n t i n g (Schweden) und Motta (Schweiz) beabsichtigen, dem Präsidenten der Konferenz Minister Schanzer mitzuteilen, daß es ihnen opportun erscheinen würde, wenn dir Llnterlommisfion zu- fammen treten würde, um Informationen einzu- ziehen, um dadurch zu einer normalen Weiterführung der Konferenz beizutragen. Dieser Schritt ist angeregt worden durch einen Meinungsaustausch zwischen den Delegierten Dänemarks, Spaniens, Rorwegens, der Riederlande, Schwedens und der Schweiz, um die durch den deutsch-russischen Vertrag geschaffene Lage zu prüfen.
Japan.
London, 18. April. (Wolff.) Die „Times" meldet aus Tokio, daß die japanische Regierung, wie behauptet werde, den Wunsch gehabt habe, als erste Reg elung die Svwjetregierung anzuerkennen. Es werde mitgeteilt, daß die Zustimmung des japanischen Rats bereits erteilt worden sei und daß die japanische Delegation in Genua in diesem Sinne insttuiert worden sei.
Der Erzbiitpof von (Yenua beim Reichskanzler.
Genua, 18. April. (Spezialbericht des Vertreters des WTB.) Der Kardinal-Erzbischof von Genua hat heute mittag dem Reichskanzler im Eden-Hotel seinen Gegenbesuch abgestattet. Der Kirchenfürst hat auch diese Gelegenheit wieder benutzt, um dem Kanzler des Deutschen Reiches seine herzlichsten Wünsche für die Zukunft Deutschlands sowohl im allgemeinen wie für den Fortgang seiner Sache auf Der Konferenz von Genua zum Ausdruck zu bringen.
Ter Vö!kerb«ndsrat und die Niinderheilsfrage.
Berlin, 19. April. BlättermelDungen zufolge beginnen heute in München Die Verhandlungen Der ilntertommiffion Des Völkerbundsrates über Die Minde h:its- frage unter Dem Vorsitz des Engländers Dicken- s 0 n. DeutschlanD wird Durch den Reichsminister a. D. Dr. Simons vertreten.


