Ausgabe 
18.11.1922
 
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Ein Mord in Konstantinopel.

London. 18 Nov. (WTD.) Aus Kon - stanttnopel wird berichtet: Der Präsident der türkischen sozialistischen Partei Hussein Hilmit Den wurde ermordet.

Aus dem Reiche.

Ei« Briefwechsel zwischen dem bayr­ischen Ministerpräsidenten und dem Reichs­präsidenten.

Berlin^ 17. Rov. (Wolffs Der neu- gewählte bayerische Ministerpräsi­dent richtete an den Reichspräsident folgendes Schreiben:

Hochverehrter Herr Reichspräsident!

Der bayerische Landtag hat mich zum Mi- : islervräsidenten gewählt. Och habe diese Wahl angenommen. Als Ressortminister führe ich das StaatSministertum des Aeuhern. Och möchte nicht verfehlen, Ohnen, Herr Reichs­präsident, hiervon, auch persönlich Mitteilung zu machen und hiermit die Ditte zu verbinden, Sie möchten mich in meinem aufrichtigen De- : reden, im Onteresse unseres gemeinsamen großen deutschen Vaterlandes wie auch Bayerns die besten Deziehungen zum Reiche zu pfleg en, unterstützen. Om etn- elnen gestatte ich mir hierwegen auf die Dar- 1 gungen In meiner Programmrede Bezug zu nehmen, die ich heute im bayerischen Landtag ^halten habe. Mit der Versicherung der aus­gezeichnetsten Hochachmng Euer Hochwohl­geboren ganz ergebenster

(gez.) Dr. v. Knilling.

Der Reichspräsident antwortete mit nachstehendem Schreiben:

Hochverehrter Herr Ministerpräsident!

Eurer Erzellenz sage ich verbindlichsten Dank für die persönliche Mitteilung von Ihrer Wahl zum Ministerpräsidenten. Och wünsche Ohnen aufrichtigen Herzens, daß Ohre Amts­führung dem Lande Bayern wie unserem ge­meinsamen deutschen Vaterlande zum Segen gereichen möge, und darf auch Ohnen gegen­über die Versicherung wiederholen, daß ich in der Erhaltung guter und ver­trauensvoller Beziehungen zwischen dem Reiche und Bayern stets die besondere Aufgabe meines Amtes erblicken werde.

Mit dem Ausdruck meiner vorzüglichsten Hochachmng bin ich Euer Exzellenz sehr er­gebener (gez.) Ebert, Reichspräsident.

Rücktritt des Vorsitzenden des Staatsgerkyls- hofeS.

Berlin, 18. Rov. Mehrere Blätter melden, daß der Vorsitzende des Staatsgerichtshofes zum Schutze der Republik, Senatspräsident Dc. Ha­gens von seinem Amte zurückgetreten sei. Die Ursache des Rücktrittes soll in dem Wunsche des Senatspräsidenlen, der von Haus aus Zivil­richter ist, liegen, wieder die Geltung des Zivil­senats beim Reichsgericht zu übernehmen, lieber die Rachfvlge Hagens ist noch keine endgüllige Entscheidung getrosten.

Kundgebungen »nd Plünderungen.

Berlin, 17. Rov Rach einer Meldung des BerlinerGokalanz." aus Braunschweig ist es dort gestern nachmittag vor dem Ministerium und vor der Marklhalle zu Teuerungsdemonstra­tionen gekommen. 3n den Betrieben soll heute die Arbeiterschaft zu einer allgemeinen Teue- rungskundgebung auf gefordert werden. On Berlin und Charlottenburg wurde, dem gleichen Blatt zufolge ein Blusengeschäst ausgc- plündert, weil der Geschäftsinhaber die preiswert ausgestellten Waren als bereits verkauft bezeich­nete und für andere Waren wesentlich höhere Preise forderte.

Au< dem bayerischen Landtag.

München, 17. Rov. (WTB.) On der heutigen Vollsitzung des Landtags er­klärte Iustizminlster G ü r t n e r in Deantwor-

tung der Onterpellatwn der Sozialdemokraten über das Urteil im Fechenbach-Pro- zeß, daß an der Gerechtigkeit des Urteils kein Zweifel bestehen könnne. Cs sei kein unschul­diger Mann von einem ungerechten Urteil be­troffen worden, sondern einen gefährlichen Schädling des ganzen Volles habe die ver­diente Strafe erreicht. Ein nach den Aus­führungen des Iustizministers eingebrachter sozialdemokratischer Antrag, den kürzlich vor­gelegten Antrag auf Aufhebung der Volksgerichte sofort mit der Onterpella- tion zu beraten, wurde mit den Stimmen der bürgerlichen Parteien abgelehnt.

Reubesetzung der Münchener Nuntiatur.

Rom, 17. Rov. Der Papst hat Msgr. V a s a l l e zum RuntiuS in München anstelle des bisherigen RuntiuS Msgr. P a c e l l i er­nannt. Die Leitung der Berliner Runtiatur verbleibt In den Händen Pacellis.

Aus Stabt und Land.

Die hen, den 18. Rovember 1922.

Ein Mahnwort zur Wahl.

Während im Reiche die große Frage der RegierungSneubillmng jetzt zur Entscheidung steht, werden morgen dre Wahlberechtigten Hessens eine für die engere Heimat nicht min­der bedeutungsvolle Entscheidung mit dem Stimmzettel in der Hand zu fällen haben. Sie haben ihre Provtnzialparlamente, Kreistage und Kommunalparlamente auf die Dauer von drei Jahren neu zu bilden, eine Ausgabe, deren große Bedeutung von den Wählern sorgsam durchdacht werden muh, ehe sie ihre Stimme abgeben. Namentlich in der Gemeinde soll man sich die zur Wahl vorge- schlagenen Personen und die Motive, denen die Vorschläge entsprangen, sehr genau an* sehen, da ja in der Kommune alle Entschei­dungen von den Einwohnern unmittelbar und allein verspürt werden.

Die Reichspolitik und damit auch die Schicksalsgestaltung aller Reichsteile. Pro­vinzen, Kreise und Gemeinden steht im Zei­chen eines Wendepunktes. Die Grund­sätze der internationalen Soztaldemokra- t i e, dem deutschen Volle in der Revolutions­zeit und auch schon vorher von der Linken als Allheilmittel angepriesen, haben sich als un­tauglich im Ringen gegen die ständig ge­wachsene deutsche Rot erwiesen. Die Ollusionen der auf dem angeblich weltdeglückenden demo­kratischen Gedanken fußenden Kreise fanden in einem furchtbaren Erwachen ihr Ende. Der rasende Aufstieg des Dollars hat die breitesten Volksschichten aufgeklärt dar­über, wohin wir mit der bisherigen Politik, die ihre Schatten bis in die kleinsten Teile des Reiches geworfen hat, steuerten. Zur Umkehr wird jetzt im Reiche aufgerufen, eine neue Aera bricht damit auch für die Provinzen, Kreise und Gemeinden an. Die Politik der aufbauenden Arbeit, von der Arbeitsgemeinschaft der bürgerlichen Parteien schon seit langem gefordert, soll jetzt endlich aufwärtStretbende Tat wer- den. Ohr ist auch der Weg in die kleinen, in die örllichen Parlamente zu bereiten. Der politisch und wirtschaftlich auf­bauende Arbeitswille, der seine Auf­gabe n i ch t in der parteipolitischen Verengung und -in der Vertretung einseitiger Älaffen» Interessen, sondern In der Besserung des Loses aller Vollsschichten sieht, muß morgen zum Siege kommen. Aber nur bann kann der

Gießener Konzertverein.

Gießen, den 17. November 1922.

Kantaten von I. 6. Dach.

Stunden tiefster Offenbarung, vollkommener Weltentruckung bereitete die Aufführung dieser edlen Werke kirchlicher Musil. Gottesdienst der Seele I Und doch sind die Kantaten Bachs einer Zeit der Entwicklung des geistlichen Kon­zerts entsprungen, die längst den Boden des Kultus verlassen hatte und dem religiösen Drama, dem Oratorium zustrebte. Manches Kapitel könnte man der inneren Betrachtung widmen, manche weitausholende mufikhistorische Studie (z. D. über die konzertierende Orgel) schreiben, wollte man all den Empfindungen und Anregungen nach­gehen, welche das gestrige Konzert auslöste Richt nur das geheimnisvolle Fluidum jeder bedeuten­den Begebenheit entströmten ihm, es war auch deshalb ein Ereignis ganz besonderer Art, weil tm Rahmen des unter den augenblicklichen Ver­hältnissen in Gießen Möglichen eine Leistung von ungewöhnlicher Dollendung und Abrundung geboten wurde.

Der akademische Gesangverein reichte gewissermaßen die reifen Früchte der außerordent­lich durchdachten und methodischen Shorerztehung dar, die ihm sein Leiter in jahrzehntelanger systematischer Arbeit hat angedeihen lafsen. Mit welcher Ausdruckögewalt wurden gleich zu Ein­gang der Kantate Rr. 48 die verzweifelten Worte des siebenten Kapitels aus dem Römerbries: ,-,-3ch elender Mensch, wer wird mich erlösen" zum Dortrag gebracht, mit welch begeistertem Schwung, mit welch bezwingender Steigerung der Fugensähe im Einleitungschor der Schluhkantate gelungen! Die Ontvnation und die Prägnanz der Einsätze waren vorbildlich Uneingeschränkte Bewunderung verdient die Behandlung der Choralsähe, deren eigentlichstes Wesen weder bet eigene Sohn Dachs Philipp Emanuel, der sie ohne den dazu­gehörigen Text herausgab, verstanden hat, noch Karl Maria von Weder als Schüler des Abts Dogler (!) verstehen konnte. Man braucht nicht gleich vor dem Gespenst deS linearen Kvntru- punkts zu erschrecken, wenn man erkennt, daß Dachs Harmonisierungen vom Standpuntt der reinen Musik aus betrachtet oft ganz unerllärlich erscheinen. Bach harmonisiert nicht die Melodie, sondern deutet die Worte deS Textes musikalisch aus. Wie plastisch war gerade eines der präch­tigsten Beispiele für Bachsgefragte Harmoni- Üeuung, der tzhoral (in Kantate Ar. 48): .Solls

ja so sein, daß Straf und Pein" ausgearbeitet. Wären nur alle Bachdirigenten so tief von der richtigen Erkenntnis der Musik O ö. Bachs durch­drungen wie Professor Trautmann! Bachs Dtll ist nickt melodisch, sondern deklamatorisch: auch die vokalen Themen sind deklamatorisch Das Wunder der Schövferperfönllchkert Bachs verleiht ihnsn das melodische Gewand. Wie reizvoll es, dies im einzelnen zu studieren. Nie wird Bach durch den Reim oder das Bersmah gefesselt, immer geht er zurück zum inneren Bau des Satzes. Selbst der unmusikalischste Text (und mit wie vielen hat sich der Meister geplagt!) wird durch feine Ver­tonung gehoben und enthüllt so seinen wahren Sinn. Wort- und Tonmelodie sind bet Bach eins. Der Wortsatz ist geradezu im Tonsatz verankert.

Warum frage ich es, bei einer Besprechung auf diese intimen Einzelheiten der Tonsprache DachS hinzufreisen and weiterhin noch, wenig­stens mit Schßrgworten, heroorzuheben, von welch elementarer Wichtigkeit für ein tieferes Ver­ständnis des Meisters eine klare Anschauung von dem Ehavakter seiner Tonspvache, von der Bedeutung der Motive und des Malerischen seines Stiles ist. dessen liebevolle Darstellung wir be­sonders Schweitzer verdanken? Damit die Größe Bachs bartun zu wollen, vermesse ich mich ntdyt. Gr redet durch sich selbst, tn seinen Werken sollen wir nur ihn suchen. Er ist ewig und un­ergründlich. Rein, es galt die Schwierig­keiten zu beleuchten, die gestern von unferm Aka­demischen Gesangverein und dem ganz hervor­ragend geübten kleinen Orchester der Gie­ßener Musikfreunde. bas durch Mitglieder der Reichswehrkapelle ergänzt war, gemeistert wurden.

Die Solisten gaben der Ausführung Glanz und stilvolle Weihe. Herr Antoni Kohmann,' der hochgeschätzte OratorieiTtenor, brachte die blitzenden Akzente und die lichtvolle Deklanralion der Rezitation zu eindringlichster Wirkung. Ganz in Bachschem Geist erschien mir die Verzückung der ArieVergibt mir Jesu meine Sünden^ wiedergegeben Hier war wirklich der Ton- rhythmuS richtig erfaßt! Eine, ganz grandiose Leistung vollbrachte Die Altistin Fräulein Ruth Arndt. Mit ihrer prachtvollen dunklen Alt­stimme, die über einen staunenswerten Umfang und auch in der Höhe über sehr tragfähiae weiche Töne verfügt, sang sie nicht nur ihre Pai ne in den drei Thorküntaten (geradezu erschüt­ternd wirkte in der Dchkustkantate, in der auch Herr Kohmann »dem frohen Getöne zum Lobe

Erfolg errungen werden, wenn alle, die bis­her niedergedrückt und verdrossen beiseite stan­den, sich diesmal aufraffen, die früher so oft beobachtete Wahlgleichgültig- keitab st reifen und ihre Pflicht und Schul­digkeit als Wähler tun. Wer das mor­gen unterläßt, soll hinterher nicht mit Klagen über schlechte Politik und mißliche Zustände kommen.

Wochenmarktbericht.

Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Weiß­kraut Pfund 810 Mk., Rotkraut Pfund 1320 Mark, Wirsing Pfund 1012 Mk., Blumenkohl Stück 15-20 J;i£, Winterkohl Pfund 10 Mk., Rosenkohl PfunS 30 Mk., Oberkohlrabi Stück 3 bis 10 Mk., Unterkohlrabi Pfund 4-5 Mk., Gelbe Rüden Pfund 68 Mk., Rote Rüben Pfund 7 bis 9 Mk., Endivien Stück 24 Mk., Schwarzwurzeln Pfund 40 Mk. Sellerie Stück 1025 Mk., Lauch Stüa 34 Mtt Aepfel Pfund 59 Mk., Dirnen Pfund 810 Mk., Kartoffeln Zentner 650 Mk., Butter 900-1000 Mk.

Der neue MilchprekS.

rm. Aus Darmstadt, 17. Rov., wird uns berichtet: Das Schiedsgericht zur Festsetzung der Milchpreife trat heute unter Vorsitz deS Oe- konomierates Leithiger und unter Mitwirkung der Beisitzer, Bürgermeister Kappus- Offenbach unb Oefonomlerat Hensel- Dortelweil hier zu­sammen. Es setzte den S t a l l p r e i S auf 70 Mk. je Liter fest, wozu eine VerkaufSpreisfpanne von 40 Prvz. kommt, so daß sich der Verkaufspreis auf 98 Mk. je Öfter stellen wird. Der erhöhte Preis wird voraussichtlich am 21. d. M. in Kraft treten.

*

** Ausscheiden be Stadtverord­nete. Man schreibt uns: Die Ausstellung der Kandidatenlisten für die Stadtvervrdnetenwuhl hat den bürgerlichen Parteien große Schwierig­keiten gemacht, da es für verschiedene Kreise des Bürgertums, die die Hauvtträger unseres Wirt­schaftslebens sind, nur schwer oder überhaupt nicht möglich war, ihre maßgebenden Vertreter zu bewegen, für die Stadtverordnetenfrahl zu kandidieren. Das ruhige Leben eines Stadtver­ordneten der früheren Zeit ist abgelöst worden durch die aufregende, sorgenschwere Tätigkeit der Neuzeit. Das Amt eines Stadtverordneten ist für den, der es ernst nimmt, zu einer fast unerträg­lichen Last geworden. Man kann daher auch verstehen, daß ein Teil der seitherigen Stadtver­ordneten geglaubt hat mit Rücksicht auf ihre Derufsgefchäfte oder ihre Gesundheit ihre Par­teien bitten zu muffen, von ihrer Wieberaufstel- lung abzusehen. So verliert die Deutsche Dolkspartei in den Herren Landgerichts­direktor Neuenhagen und Prof. Dr. Gme- lin zwei Mitglieder, deren Mitarbeit als be­währte Juristen von der Stadtverwaltung und Stadtverordnetenversammlung besonders geschätzt wurde. Ebenfalls freiwillig zurückgetreten find die Herren Wagnermeister L. Faber (Dnatl.), Professor Dr. Ebel (Demokrat), Kaufmann August Noll II. (Dem.), Uhrmacher Heinrich Marx (Dem.) und Schneidermeister Johannes Diehl (Dvz.). Ferner kandidieren nicht mehr: Buchhalter Conrad Sichert, Geschäftsführer Heinrich Fourier, Prvf. Karl Michel, Schnei­der Adam Bolz. Einige weitere Mitglieder deS jetzigen Parlaments sind schon seit etlicher Zeit von hier verzogen, haben es bisher aber unterlassen, ihr Mandat niederzulegen.

Oberhof fischer Kunst verein. Morgen, Sonntag, von 111 Uhr ist die Wanderausstellung der hessischen Arbeitsge­meinschaft für bildende Kunst zum letzten Male geöffnet. Die Ausstellung, die von drei- wöchenllicher Dauer war, hatte fortgesetzt re­gen Besuch. Erfreulicherweise wurden einige Kunstwerke angekauft: sie gehen tn hiesigen und auswärtigen Privatbesttz über. Nächste Woche bleiben die Ausstellungsräume wegen

des Höchsten" die volle Pracht seiner Stimme lieh, ihr Rezitativ und die Arie:Mund und Herze steht dir offen"), sondern an zweiter Stelle der Vortragsordnung auch noch die emp­findungstiefe Svlokantate für Alt:Vergnügte Ruh, beliebte Seelen last", die nicht nur wegen der Triobegleitung(obligate Orgel für zwei Manuale), der Arie:Wie utmmetn mich doch..." und wegen des fehlenden BahsundamenteS außer­ordentlich bebeutfam ist. Hierin bewies Frl. Arndt eine überragende Kultur des Vortrags, eine mühe­lose Registerbehandlung und eine staunenswerte Atemtechn'ck. Doch all diese Kunst erstarb vor der ergreisenden Innigkeit, vor dem tiefen Erleben, mit welcher die Künstlerin Bachs Seele seelisch erfühlte. In Abgrundtiefen des Empfindens ent­schwindet die Materie: Einzelheiten tauchen in der Gesamtauffassung unter: nur langsam kommt die Erinnerung an ganz große Borbilder, an Maria Philippi, an Georg A Walter.

In der anschließenden Shvrkantate:Komm, du süße Todesstunde", wohl einer der schönsten überhaupt, welche Dach komponiert hat, erreichte das Zusammenwirken aller Kräfte seinen Höhe­punkt: Es stand ganz unter dem gewaltigen Eindruck ber mystischen LiebeSglut der Tonsprache deS Meisters, vorn scHnenden Zwiegesang der beiden Flöten zu Beginn bis zu den triumphie­reirden Zwetur^>drrißigsteln, welche den Grab- gefang umspielen. 3n dieser Kantate, in der die warme liebliche Melodie der QHtarie von der Ghoralstrophe geisterhaft untermalt wird, ist das Orchester, tote fast in allen Kantaten 5eß Mei­sters, zu äußerst feiner Charakterisierung ver­wendet (nicht nur die konzertierenden Instru­mente!). Ich möchte hier mir an die berühmte Stelle tm zweiten Rezitativ, das von Fpl. Arndt in weltabgeschiedener Verklärung gefangen wurde, erinnern;So schlage doch, du letzter Stunden- schlcur

Alls Einzelnen (den trefflichen Organisten Herrn Otto Görlach nicht zu vergessen 1), alle besonders ins Gewicht fallenden Einzelheiten kann ich nicht hervorheben. Erwähnt sei etwa noch die M/r prägnante AuSfüh.una des Klagemotivs zu den Worten: Ich elender Mensch, üxt wird mich erlösen, der Quintenkanon der Oboe und Trom­pete in der Shoralmelodie:Herr IesuS Christ, ich schrei zu Dir", die Soloi ioline u|u>.

Innerstes Bedürfnis ist es mir jedoch, mit allem Nachdruck darauf hinzuw-eisen, daß die mufikalifche Gemeinde Gießens diese bedeutende musikalische Darbietung vor allem den hiesigen

vollständigem Wechsel der Gemälde geschlos­sen.

Metalldiebstähle in Gießen. Vor einiger Zeit wurden aus einem hiesigen Betriebe ein Gleichstrommotor und Kupser- teile im Werte von über 1 Million Mark ge­stohlen. Die Diebe, vier jung« Leute aus Gie­ßen, wurden in Hast gebracht. Das gestohlene Gut konnte bei Hehlern und Wtederverkäu fern teilweise beschlagnahmt werden. Da bie Diebe stets bereitwillige Abnehmer finden häufen sich die Metalldiebstähle in letzter Zeit erheblich.

" Ste neue Brotpreiserhöhung wird im heutigen Anzeigenteil bekarrntgegebe.i

Die Sperre der Gnauthstraßc von der Lessing- bis zur Goethestraße, ist aus­gehoben.

** Optanten aus dem deut sch-dän i> scheu Olbtretungägebief'feien auif eine für sie wichtige Bekanntmachung Im neuesten Amtsverkündigungsblatt aufmerksam gebracht. Dir Frist zur Option ist bis zum 31. De^mber d. I verlängert worden. Das Kreisamt erteilt ben Interessenten jede gewünschte Auskunft.

** Die Neufestsetzung de« Orts lohnes wird tm heutigen Anzeigenteil bekannt gegeben.

Der Konzertverein hat fein fii morgen vorgesehenes Konzert mit Rücksicht au die Wahlen verlegt. Es wird am 3. Sietem ix stattfinden.

Bornotkzen.

Tageskalender für SamStag Astvria-Lichtspiele, beute und morgen:Seeptra- ten", 3. Teil. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, heute und morgen:Unter ben Goldgräbern vor Dawfon-Cith" undSchuld unb Sühne".

TageSkalender für Sonntag Stadttheater, 3Vs Uhr:Der Biberpelz"; 7 Uhr Der letzte Walzer".

Aus dem Stadtlheaterbu« reau: Die Aufführung der Diebskomödie D e r D i b e r p e l z", die zu Gerhart Haupt­manns 6V. Geburtstag etnftubiert wurde und fo außerordentlichen Anllang gefunden hat, wird morgen, Sonntag nachmittag 3*4 Uhr voraussichtlich zum letzten Male wiederholt. Am Mittwoch, dem 22. November (Pr. Buß­tag) finden zwei Vorstellungen statt. Nach­mittags 31/2 Ähr wird die Künneksche Operette Verliebte Leute", abends 7 Uhr das neueinstudierte Werk von OScar StrausDer letzte Walzer" gegeben.

3m Lichtspielhaus, Bahnhof ff r a 6 e, wird in der nächsten Woche ein Film W i l d - D f r i k a" gegeben, der von der schwr> dischrn Firma Svenska Diogva'tsatern auf einer eigenen Expedition nach Dritisch-Ostafrika unter der Leitung ihres erprobten Photographen Oscar Olsson hergestellt wurde. Die Wunderwelt der afrikanifchen Großtierwelt, Sitten und Gebräichc der dort anfäffigen DvlkSstämme, die ebenso arte die Tierwelt Immer mehr dah-rnfchtotnden, treten uns in diesem Film entgegen. Trotz feiner w-issen- fchaftlichen Form ist der Film auch für jeder­mann verständlich

Wettervoraussage

für Sonntag:

Vorwiegend bedeckt, vereinzelte Regenfälle Temperaturen wenig verändert, nordwestliche bis nördliche Winde.

Das tm Nordvsten erscheinende Tief nimmt allmählich an 3ntenfität zu und drängt das Hochdruckgebiet nach Westen zurück. Unter feinem Einfluß werden wir mit trübem, regnerischem Wetter zu rechnen haben.

Heutiger Staub des Dollars

10 Uhr vormittags:

Berlin 6650, Frankfurt a. M. 6800.

Musikfreunden verdankt, welche unter Heran zie^ung von Mitgliedern der Reichswehrkapelle Vas Gctne vorzüglich spielende Orchester bildeten Sie waren, sie sind die eigentlichen Getreue», die rechte Hand Trautmanns, der mit be­neidenswerter Ruhe und Ueberlegenheit vom Flügel auS den komplizierten Apparat leitete. Angesichts unserer Notlage erübrigt es sich, die Streitfrage, wie stark das Orchester Bachs tnt VerHälinrs zum Thor besetzt sein .müsse, auf- zurollen. Eine Dachauffühcung bringt ohnedies Schwierigkeiten genug (Instrumentatton, Trom­peten (!), Fehlen der Bezifferung in Bearbei­tungen und Kl.-A).

Es gilt in dieser Stunde klar zu erkennen: Mit dem Orchester steht und fällt die eigentliche boden­ständige MusitübuTig größeren Stiles in Gießen Das Reifet: Wir brauchen ein einhetmisches Orchester. TrcmtmannS Großtaten in früheren Zähren wurden durch auswärtige Orchester er­möglicht (Frankfurt, Darmstadt, Beethovens Missa folemnis mit der Meininger HofkapeHelM Wer weiß, was das bedeutet, der wird diese Leistungen nur noch höher bewerten. Rur ein Finanz-Krölls würde heute ein auswärtiges Orchester nach Gießen beordern können. Ss ist also unmöglich. Ohne Or­chester aber keine Symphonie, ohne Orchester lein Oratorium Laßt uns bedenken, welch' liebevolle Pslege Professor Trautmann z. D. gerade dem Oratorium hat angedeihen lassen: bedenkt, daß er seit Jahrzehnten sich tiefgründig in das Studium Bachs versenkt, daß er, der glühende Brahmsver- ehrer, von Gießen aus ein Wegbereiter Regers gewesen ist. Laßt uns diesem Mann ein Orchester gründen helfen damit er es als ein feiner D^eutung und Meisterschaft würdiges Instrument fjeranbilbe. Wir hören von Rat aemeinfchaften für die deutsche Wissenschaft, für deutsche Kunst, für deutsches Schrifitum. Wir Hörei' auf der anderen Seite von Orchesterprvben, trtr 20 Minuten vor dem Ende einer Symphonie ab­gebrochen werden mußten, weil die tarifmäßig fest­gesetzte Probezeit verstrichen war. So rufe ich in dieser Stunde zur Bildung eines Orche­sters der Musikfreunde in Gießen auf Laßt uns zurückkehren zu einer praktischen frei­willigen Musikudung, wie sie in den ersten Zeiten oes akademifchen Vereins bestanden hat. au dienender begeisterter Hingabe an eine große Sache. Oft war die Rücllehr zur Quelle schon der Ausgangspunkt neuer größerer Blüte.

Dr. Heinrich Roes«.

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