«reu Räch Feststellung her Personalien unb nach der polizeilichen Vernehmung wurden 148 der Festgenommenen von der Abteilung la des Polizeipräsidiums wieder entlassen. Die 15 Fest- genommenen wurden dem Richter vvrgeführt, und zwar wegen Landfriedensbruchs, Körperverletzung und Widerstands gegen die Staatsgewalt. Wegen weiterer 18 Personen, die am Dienstag früh verhaftet wurden, schweben noch die polizeilichen Ermittlungen.
Aus der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion.
Berlin, 18. Oki. Die sozialdemokratische ReichStagSfraktion hat sich gestern nachmittag neu konstituiert. Es wurde einstimmig ein Vorstand von 15 Mitgliedern gewählt. Zu FraktionSvorsitzenden wurden ebenfalls einstimmig gewählt: HermannMül- ler,Dittmann,Wels,Sck)eidemann und Henke. Geschäftsführende Vorsitzende find Hermann Müller und Dittmann. Zu Sekretären der Fraktion wurden Kahmann und Dr. Hertz gewählt.
Deutscher Reichstag.
(257. Sitzung. 3 Uhr nachmittags.)
Berlin, 17. Oktober.
Präsident Lobe eröffnet um V24 Ahr die erste Äeichstagssitzung nach der Sommerpause mit einem von den Abgeordneten stehend an<- gehörten Rachruf für die verstorbenen Abgeordneten Riecke und Pinkau.
Hierauf stimmte der Reichstag ohne Debatte in allen drei Lesungen der Erhöhung der Gebühren in Musterregistersachen zu.
Gegen den dann folgenden Gesetzentwurf über die Abgaben auf dem Kaiser-Wilhelm-Kanal erhob Abg. Thomas (Komm.) Einwendungen wegen der Höhe der Abgaben, dann Über auch des Ramens wegen.
Die Vorlage wurde auf Antrag Müller <Soz.) dem Haushaltsausschuh überwiesen.
An den Sozialpolitischen Ausschuh ging der Gesetzentwurf auf Verlängerung der Geltungsdauer der Demobilmachungsverordnungen bis zum 31. März 1923.
Um 1/25 Uhr vertagte sich das Haus auf Mittwoch 2 Uhr nachmittags. Auf der Tagesordnung. stehen neben kleineren Vorlagen Interpellationen über die ZirkuS-Dusch-Krawalle und über die Rot der Wissenschaft.
Berlin, 17. Ort. (Wolfs.) Der Aelle st c n r a t des Reichstages beschloh, dah mit 'Rücksicht auf den in den nächsten Wochen statt- s indenden deutsch nationalen Partei- 1 a g vom nächsten Dienstag eine Pause in den Plenarsitzungen gemacht wird. Diese sollen am
Rovember wieder ausgenommen werden. Morgen wird neben kleinerer'. Gesetzen die Desoldungs- ribnung, Rachtragsetat, und die Getreideumlage auf die Tagesordnung gesetzt. An den folgenden Tagen schließen sich daran die Kleinrentner-An- srage, die Ansehung des Termins für die Reichspräsidentenwahl und der Gesetzentwurf zur Ab- änderung des Angestelltenversicherungsgesetzes. Ferner soll noch eine Anzahl Anträge zur Regelung der Teuerung inbezug auf die Hausbrand- kohk, Gisenbahntarife, die Anzeigensteuer usw. beraten werden.
i Aus Stadt und Land.
r Gießen, den 18. Oktober 1922.
Der Verkehr mit Kartoffeln.
Zur Sicherstellung des Bedarfs an Kar- • löffeln für die einheimische Bevölkerung hat das Hessische Gesamtministerium soeben angeordnet:
Der Versand von Kartoffeln in Mengen von über 50 Zentnern nach Orten auh er halb des folgenden Wirtschaftsgebietes: Städte und Gemeinden des Volksstaates Hessen und die preuhischen Städte Frankfurt a. M., Fulda, Gelnhausen, Griesheim a. M., Hanau, Höchst a. M., Homburg v. d. H., Kreuznach, Wetzlar, Wiesbaden darf in der Zeit vom 17. Oktober bis 4. Rovember nur auf Frachtbriefen erfolgen, die mit dem Genehmigungsvermerk des zuständigen Kreisamts versehen sind. Zuständig ist dasjenige Kreisamt, in dessen Bezirk die Versandstation liegt. Gegen die Versagung des Genehmigungsvermerks von fetten des Kreisamts ist Beschwerde an das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft, Abteilung für Ernährung und Landwirtschaft zulässig; die Beschwerde hat keine aufschiebende Wirkung.
Der Versand in Mengen von über 50 Ztr. nach den genannten auherhessischen Orten darf in der Zeit vom 17. Oktober bis 3 Rovember nur auf Frachtbriefe erfolgen, die mit einem Sichtvermerk des für die Versandstation zuständigen Kreis-
Die Herweghs.
Eine rechtsrheinische Geschichte von Liesbet Dill.
H. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
Grete hatte den Teetisch im Salon gedeckt, vor dem Gaskamin, und ihr feinstes Service aufgestellt. Ueberall lagen frische Spitzendecken ausgebreitet und dufteten Orchideen in hohen Gläsern.
Das Teewasser siedete in dem zierlichen silbernen Kessel, denn Liane tronf nur selbst- bereiteten Tee. Das Wasser mußte erst wallen, die Teekanne durfte um Gottes willen nicht aus Silber fein, denn sonst schmeckte der Tee nach buhpomade, und die Porzellankanne mußte erst mit kochendem Wasser ausgespüll werden. Der -ee wurde nach dem ersten Aufguß raf$ wieder abgegossen und von dem Staub befreit, dann erft goß Liane das kochende Wasser tropfen- weise auf den Tee, es wurde ein köstliches Gezänk. Das ganze Zimmer duftete danach „Von dir kann man wahrhaftig noch etwas lernen," sagte Grete.
Und dieses Teekleid von Liane, wie es ihr um die feinen Schultern floh? Ein Gedicht aus gelblichen Spitzen, rosia getöntem Chiffon unter blahgrünem Crepe de Chine, an der feinen Taille steckte ein Bukett violetter Parmaveilchen. 2lch ja . . . wenn Grete doch einmal das Geheimnis dieser Tolletten ergründet hätte, die sich Liane selbst erfand! Sie waren zwar nur lose geheftet, und aus die Hüte steckte sich Liane meist erst im Wagen die Reiher mit Stecknadeln fest Cte sie Liane kannte, hatte sie diese unvergleichlichen Gewänder als „front Meyer an der Äurprnmc
amts versehen sind Der Sicytvermerk ist nur dann zu versagen, wenn begründete Vermutung besteht, daß der Bestimmungsort nicht als endgültiger anzusehen ist. Gegen die Versagung des Sichtvermerks von feiten des Kreisamts ist Beschwerde an das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft, Abteilung für Ernährung und Landwirtschaft, zulässig; die Beschwerde hat keine aufschiebende Wirkung.
Die auf hessischem Gebiet erzeugten Kartoffeln dürfen in Mengen von über 50 Ztr. nur auf 6 tationen zum Versand gebracht werden, die in Hessen liegen; Ausnahmen können durch das für den Erzeuger ort zuständige Kreisamt bewilligt werden.
Die auf Grund einer Bescheinigung der Reichsregierung für die Versorgung der saarländischen Bevölkerung bestimmten Kartoffeln find ohne den Genehmigungsvermerk zu befördern.
Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis bis zu einem Jahr und mit Geldstrafe bis zu 100 000 Mark oder mit einer dieser beiden Strafen bestraft. Kartoffeln, die ohne die vorgefchrie- benen Bescheinigungen auf die Bahn auf geliefert werden ober den Bestimmungen zuwider zum Versand gebracht werden sollen, sind durch das zuständige Kreisamt für verfallen zu erklären. Gegen die Verfallserklärung ist binnen einer Frist von einer Woche Beschwerde an das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft, Abteilung für Ernährung und Landwirtschaft, zulässig. Die Beschwerde $at keine aufschiebende Wirllmg.
Die CBerorbnung tritt mit dem 5. Rovember 1922 außer Kraft.
Die Zuckerversorgurig in Hefsen.
Der parlamentarische ErnährunaSbeirat tagte im Landtagsgebäude, um Beschluß darüber zu fassen, wie die durch Reichsgesetz beschlossene Rationierung für Hessen zu tätigen sei. ES wurde beschlossen, dah ab November pro Kvpfund Monat jeeinKilo Zucker auf Grund einer Bestellkarte allen Bezugsberechtigten tzugesichert wird. Der Aus-- landszucker dürfte für die Konsumenten vollständig verschwinden. Außerdem wird auch für ein entsprechendes Ouantum Einmachzucker garantiert.
ß. il. Von der Landes-Aniversi- t ä t Gießen. Der planmäßige ordentliche Professor für Mineralogie und Petrographie an unserer Universität Dr. Hans S ch neide r h ö h n hat den an ihn ergangenen Ruf an die üniberfitäi Hamburg abgelehnt.
•* Im Straßenbahn - Fahrplan, der in Rr. 233 unseres Blattes abgedruckt wurde, sind einige Richtigstellungen vorzunehmen. Der Wagen der Linie I verkehr! am Marktplatz nicht 7.36 Ahr, sondern 7.30 Ahr. Der vorletzte Wagen abends ab Schützen Haus fahrt nicht 9.27 Ahr, sondern 9.20 Ahr, und der vorletzte Wagen ab Wiesecker Weg fährt anstatt 9.31 Ahr schon 9.23 Ahr. Die Wagen treffen 9.37 Ahr am Bahnhof ein.
*° Bier Fahrräder an einem Tage gestohlen. 3m Laufe des gestrigen TageS wurden hier vier Fahrräder gestohlen. Gins davon wurde in der Rächt in der Grabenftraße gefunden und konnte dem Eigentümer wieder ausgehändigt werden.
** Ein gestohlenes, geschlachtetes Kalb beschlagnahmt. In der Rächt zu gestern beschlagnahmten Polizeibeamte am hiesigen Bahnhof ein in eine Kiste verpacktes, geschlachtetes Kalb, welches einem Landwirt in Lang-Göns gestohlen worden war. Dem Täter gelang eS, sich der Festnahme durch die Flucht zu entziehen, während ein Helfershelfer festgenommen wurde.
A Der Lehrfilm _5>er Fluß Von der Quelle bis zur Mündung" wird gegenwärtig im Palast-Lichtspiel gegeben. In oieser Woche besuchen die Gießener Schulen den Film, nächste Woche werden die ländlichen Volksschulen zur Besichtigung eintreffen.
** Der Hess. Polizei- und Schuh- Hund-Verein, Zweigverein Gießen, veranstaltete unter der Geltung seines 1. Vorsitzenden Mechow seine diesjährige Verbands- Vorprüfung. Als Richter fungierten Pol.-Wachtmeister Jäger- Darmstadt.und Oberschuhmann Kissinger- Griesheim, al5 Richteranwärter Rechtsanwalt Rh ode - Darmstadt und Stabt» baucbcrfefretär Matth eis- Gießen. Zur Vorführung kamen 13 Hunde, die in ihren Hebungen durchweg Gutes leisteten. Als Preise und Auszeichnungen wurden Wertgegenstände und Geldpreise verteilt, und zwar erhielten: 1. Preis mit der Bewertung „Vorzüglich" Dello (Benno) vom Vogelsberg, Bef. und Führer Willi ©an » tenberg-Gießen; 2. Preis mit der Bewertung „Vorzüglich" und einen Führerpreis Cerno v. Pfungstadt, Bef. und Führer W.W a ß- m u t h - Seehe'm; 3. Preis mit der Bewertung
nabe“ stammend gehalten, dem Hoflieferanten, der nur für Erlecs und Amerikanerinnen und die ganz großen Koketten arbeitete. Den anderen Sterblichen war er zu teuer.
„Warum könnt ihr denn nicht eure paar Fähnchen selber zuschneiden?" sagte Liane, in die seidenen Kissen hingegossen. „Ich brauche das nicht zu können. . 7‘
Ha, wahrlich, Liane würde doch einmal einen Prinzen oder einen Industriemagnaten heiraten.
„And wenn mirs mal ganz übel geht, mach' ich einen Laden auf,“ sagte die Schwägerin, „und lehre euch Männer behandeln . . ."
Zu jeder neuen Toilette trug Liane ein neues Schmuckstück. Es war ein Glück, daß sie dichten konnte, sie erfand nicht allein Kleider, sondern auch Verse in wundervoll hinreißendem Rhyt- mus und einer glutvollen Sprache, deren Poesie man der kühlen Liane nicht zugetraut hätte.
Liane lächelte ihr undurchdringliches Lächeln. Sie dichtete, gewiß, aber sie hatte von diesen Gedichten noch nie viel mehr gehabt als die Ehre, in einem modernen ästhetischen Blatt gedruckt zu werden, das nur ein auserwählter Kreis sich hielt. And solche Blätter pflegen meist schlecht oder gar nicht zu bezahlen.
Ihre Mutter glaubte, daß Liane in der Pferdelotterie gewonnen habe. Herbert hatte immer solch zerknitterte Lose in feiner Hosentasche, die er Gott und der Welt anbot und auf die doch einmal einer oder dar andere hereinfiel.
Liane und Lutz waren eben Glückskinder.
Grete glaubte nicht an bidc „Lotterie". Viele Rätsel umgaben Liane. Dieses Prin^essinnen- leben, das Liane führte, man brachte ihr schon den Tee morgens ans Bett, duldete Fran von
<3ebr gut" und einen Führerpreis Harras v. Jägerhaus. Bes. und Führer E. Aachrn-Damu ftabt; 4. Preis mit der Bewertung „Sehr gut“ und den Führer-Ehrenpreis Rolf. Des. und Führer Hans P. Petersen-Gießen; 5. Preis mit der Bewertung „Sehr gut“ Ella v. Klostergarten. Bes. und Führer Adam Bohn-Wetzlar; 6. Preis mit der Bewertung „Sehr gut“ und einen Führerpreis Werra v. Oberrab, Des. P. Swll- Franksur.-Ob.mad, Führer A Hercherg r-Offen- bach; 7. Preis mit der Bewertung „Sehr gut“ Max, Des. und Führer Assistent Sttehloa>-Wetzlar; 8. Preis mit der Bewertung „Gut" Restor v. Gartseld, Bes. und Führer A Sänger- Gießen; 9. Preis mit der Bewertung „Gut" Aimo v. Schillingshof, 'Des. Ing. A. Schlepper, Führer Wachtmeister Decker-Qf'enbach: V. Prcis mit der Bewertung „Gut“ und einen Führerpreis Berga v. Langenstein. Des. und Führer Assistent Schmidt-Biedenkopf; 11. Preis mit der Bewertung „Gut“ Roland, Des. und Führer Karl Schäfer-Gießen; 12. Preis mit der Bewertung „Gut“ Sachs, Des. und Führer Wachtmeister Schwab-Offenbach. 13. Preis mit der Bewertung „Genügend" Bärbel v. d. Lahnmühle, Des. und Führer A. Müller-Gießen.
Bornotizen.
— Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater, 7 Ahr: „Der Dürgergeneral“ und „Der eingebildete Kranke“. — Astorta-Lichtspiele: „Reuhorker Schreckensnächte". — Lichtspielhaus. Bahnhofstraße, ab heute: „Der Graf von Monte Christo“, 2. Teil: „Der Schatz von Monte Christo". — Palast-Lichtspiele: „Heinrich Heines erste Liebe“ und „Die Hexe".
— Aus dem Stadttheaterbureau. Rochmals sei auf das morgige Tanzgastspiel von Tamara Gamsakourdia, Alexander Demi dof f und Wassllij Orlof f hingewiesen, in denen wir erste Kräfte des ehemaligen Moskauer Kaiserlichen Theaters begrüßen können, deren Kunst besonders in Tanzpantomimen zur Wirkung kommt. Die Gäste besuchen zur Zeit — von ihrer Tournee durch Frankreich — noch einmal die großen süddeutschen Bäder, z. D. Wiesbaden, schon xum dritten Wale, und dieser Amstand Ermöglicht es, diese außergewöhnlichen Gäste auch für Gießen zu gewinnen.
Wettervoraussage
(.ür Donnerstag:
Wolkig, leichte Riederschläge, kühl, Rvrd- vstwind.
Eine Depression über Frankreich und Rord- itaiien wird durch ihre Randbildungen zeitweilig leichten Regen bringen.
e
Landkreis Gießen.
* Alten-Duseck, 17. Ott. Am Sonntag sand hier eine lokale Obstausstellung mit Preisbewertung statt. Die Früchte waren durchweg sehr schön und die Bewertung entsprechend schwierig. Der Besuch der Schau war sehr gut, und allgemein war man entzückt über das schöne Obst. 2lm Abend vorher sprach ©arten* baulnspektor Rentsch- Friedberg über „Sortenwahl, Daumpflege, Obst Verwertung und Daum- büngung" und wußte seinen Zuhörern, recht viel praktische Ratschläge und Anregungen zu geben. Der Obstbauverein gewann eine größere Zahl neuer Mitglieder.
bs. Lich, 15. Oft. Dieser Tage wurde bei einem hiesigen Einwohner ein Ginbruchsdieb stahl gemacht. Reben Lebensmitteln fiel noch ein größerer Geldbetrag in die Hände der Diebe.
Kreis Lauterbach.
tz. Freien-Steinau,.16. Oft. Auch im hiesigen Orte werden sich die Bewohner der Bequemlichkeiten des elektrischen Lichtes bald erfreuen können, da die OrtS- leitung sowie die Fernleitung ihrer Vollendung entgegen gehen.. Zn 4—5 Wochen hofft man, mtt den Arbeiten fertig zu sein, so dah der Strom eingeschaltet werden kann.
* Ilbeshausen, 16. Oft Einer Fragens- Person, die sich vor einigen Tagen bei Dem hiesigen Gastwirt und Metzger H. Oed) ler unter dem Hamen Frau Dr. v. Ratschewill einlogierte, stahl dem Gastwirt als die Famllie auf dem Felde beschäftigt war, einen Posten Bettwäsche und verschwand damit unter Hinterlassung einer Zechschu 1 d im Betrage von etwa 15 00 HlL Die Spur der Gaunerin führt über Schotten und Alrichstein.
Kreis Schotten.
tz. Gedern, 16. Okt. Beim Fußballspiel verunglückte gestern dahier ein junger Mann vom Düdelsheimer Fußballklub. indem er das Schienbein brach.
Kreis Büdingen.
)( Ortenberg, 17. Oft. In einer der leti» ten Rächte wurden hier zwei schwere Dieb-
Herwegh nur, „weil Liane immer ein zartes Kind gewesen“. „Jawohl.“ sagte Liane, „Lutz und ich wurden mit der Flasche aufgezogen, das rächt sich jetzt für Emst war eine Amme da. deshalb steht er auch robuster dem Geben gegenüber wie wir. And wenn Herbert nicht erschienen wäre, wäre die Menschhett auch nicht ärmer.“ „Lest ihr nur eure Leihbibliotheksrvmane mit den Wanzen, ich will das Leben kennen lernen." „Aber ist das nicht gefährlich?" fragte Grete. Liane zuckte die Achseln. „Einige tauchen unter und schwimmen weiter, andere bleiben auf dem Grund.
Augenblicklich interessierte Liane Rassenhygiene. Sie war seit einiger Zeit von dem hohen Adel abgefommen und zu der Wissenschaft übergegangen.
„Die Sorte Lutz kenn' ich nun.“
In ihrem Wortschatz kamen Ausdrücke wie „plaie sociale", „Lombrosische Theorie", „Analogie griechischer Hetären" und so weiter vor. sie las jetzt Peladons Vive Supreme und Le petit art d’afmer „zum Dessert".
„Wer gibt dir denn diese Bücher. Liane?" „Ein Freund" sagte diese ruhig.
Gin Freund? Eine märchenhafte Perspektive int sich vor Grete auf. Der arme Rickert war es sicher nicht. Der hatte ja auf ihrer Hochzeit von .Liane einen Korb bekommen. Sie hatte ihm erklärt: „Wir passen nicht zusammen, Herr Doktor, Sie würden mit ntfr sehr unglücklich werden, denn ich tauge ebensowenig zur Ehe wie Sie zum IunggesellLn. Verheiraten Sie sich recht bald und tragen Sie meine Offenheit Warna nicht nach denn die liebt Sie nun einmal."
stähle ausgeführt. Dem Mehgermeister Htr- z e l wurden aus seinem abgeschlossenen Hofe 18 Paar Strümpfe gestohlen, ferner wurde aus einem Flur des Schulhauses dem Gerichtsasfiften- ten Kraft etn neues, sehr wertvolles Fahrrad gestohlen. Beide Diebstähle können nur von Orts- hmbigen ausgeführt fein, die genau mit den Verhältnissen vertraut waren. Von dem oder den Dieben hat man noch kein« Spur.
Kreis Friedberg.
ss. Friedberg, 17. Oft In einer gut besuchten Hauptversammlung der „Deutschen Volkspartei wurde gestern abend die Kan- diLatenliste für die Stadtverordnetenwahlen, sowie auch für den Kreis- und Provinzialtag festgestellt Die Liste zur Stadtverordnetenwahl, die Vertreter der verschiedenen Berufsstände bringt beginnt mit den seitherigen Mitgliedern des Stadtparlamentes Landtagsabg. und Zimmermeister Füller und Frau Kloos, die weiteren Ramen sind Ober bahn fefretär Loth, Kaufmann 21 b t e r und Professor Werner; im ganzen sind 12 Ramen auf der Liste. Für den Kreistag ist als Spitzenkandidat der seitherige' Vertreter Geh. Iustizrat W i n d e ck e r und für den Provinzial- tag Daurat Hauck bestimmt Auf der demokratischen Liste zur Stadtverordnetenwahl werden an den drei ersten Stellen Rektor Koch, Kaufmann Hirsch und Frau Direktor Philipps erscheinen. Die Zentrumsliste bringt die Ramen Bauunternehmer M o r s ch l und Rechtsanwall Schröder. Eine Gruppe von Handwerkern hat eine eigene Liste auf- gestellt, an deren Spitze die Ramen Schlosser- meister Heß und Malermeister Ferber stehen Auch die Mieter wollen eine eigene Liste bringen und haben zu diesem Zwecke auf heute abend eine Versammlung einberufen; es wird also an Auswahl nicht fehlen, da außer ter so- zialdemolratischen Liste auch eine sogenannte parteilose erscheinen soll.
Hessen-Nassau.
ra. Bieber bei Rodheim, 17. Oft An- mittelbar an der Haltestelle der Diebertalbahn wird durch die Firma Richards, Essen, G. m b. H. ein neuer Kalksteinbruch eröffnet Mit den Abdeckungsarbeiten wurde sofort begonnen.
spd. Frankfurt a. M., 17. Olt Die Frankfurter Kriminalpolizei deckte in einer Wachstuchfabrik im benachbarten Griesheim sehr erhebliche Diebstähle von Wachstuchen auf. Als Haupttäter kommt der in der Fabrik tätige Lagerverwalter Ebert in Frage, der in der letzten Woche allein für mehr als 250 000 Mark Waren gestohlen und diese bem Fabrikspediteur Ferdinand Otto zur Weitergabe an den Handelsmann Kirch veräußert hatte. Kirch verkaufte dann das Diebsgut an Händler und Private. Bei den ®ieben und Hehlern konnte noch eine größere Menge der gestohlenen Sachen beschlagnahmt teerten. Sämtliche an den Diebstählen beteiligten Personen wurden verhaftet nach Stellung einer größeren Dürgschaftssumme aber wieder entlassen.
spd. Frankfurt a. M, 17. Oft Infolge ter Steigerung ter Löhne und ter Materiell- preise reichen die für den Reubau der Alten Drücke kürzlich bewilligten 28,5 Mill. 2Harf nicht, aus. Der Magistrat beantragt deshalb bei ter Stadtverordnetenversammlung, die Bewilligung von weiteren 38,450 Millionen Mark. Es hantelt sich hierbei nur um die Fortführung ter Arbeiten unter Wasser, die nicht unterbrochen werten dürfen. — Die süddeutschen Brauereien haben ten Preis für das Hektoliter Lagerbier um 1200 Mk., Gzportbier um 2000 Mk. erhöht Die Flasche Bier kostet jetzt im Äletnbautet 2 8 Mark, E^portbier 36 Mart — Das weitbekannte Christsche KInder Hof Pi tat mutzte infolge ter Angunst ter Zeit seine Pforten s ch l i e tz e n.
Landwirtschaft.
Die Maul- und Klauenseuche.
3m Hinblick auf die in Griedel herrschende Maul- und Klauenseuche hat das Kreisamt Gießen in allen bis 15 Kilometer in der Luftlinie von Griedel entfernten Orten des Kreises, nämlich: Lang-Göns, Gro- ßen-Linden, Klein-Linden, Leihgestern, Watzenborn-Steinberg, Hausen, Garbenteich, Grü- ningen, Holzheim, Dorf-Güll, Eberstadt, Ober- Hörgern, Muschenheim, Birklar, Lich, Annerod, Albach, Langsdorf, Bettenhausen, Hungen, Inheiden, Trais-Horloff, Atphe den Handel mit Klauenvieh verboten.
Heutiger Stand des Dollars
10 Ahr vormittags:
Berlin 2915, Frankfurt a. M. 2900.
Sie hatte mit dem armen Rickert auf gute Kameradschaft angestoßen, aber dieser hatte nur ihr Glas mit dem feinen l^cht berührt und es dann weggeseht, unb war bald darauf still gegangen.
Er war tödlich gefränft.
And tote das so ist bei ten Gutmütigen, es dauerte lange, bis sie gekränkt sind, aber find sie es etnmat so kann keine Wacht ter Welt sie wieder umstimmen. Er fünbigte feine Wohnung Ecke Mattier Straße, verzog in die obere Taunusstraße und schickte Frau Kollin seine Rechnung, die übrigens recht bescheiden ausfiel.
Herr Kollin bedauerte sehr, daß man durch diese verrückte Liane einen Mann, der so famose Kartenkunststücke wußte und ein so vortrefflicher Skatspieler war, aus dem Kreise verlor. Aber auch seinen jovialen Anzapfungen auf ter Kur- hauspromenate gelang es nid#, ten Gekränkten umzu stimmen.
Auch Frau von Herwegh tat es leid, aber wenn Liane „es doch nicht konnte", so war daran nichts zu ändern.
Von ter Tessy konnte Grete nie genug hören.
Diese Düsseldorferin war schon zweimal geschieden. Ihr erster Mann sollte etn russischer Großfürst gewesen sein, ter sie zur linken Hand geheiratet und ihr den Ramen einer Gräfin Tesstz gegeben hatte, ter zweite, von dem ihr Reichtum stammte, hatte gjne Fayencerie bei Paris gehabt und war gestorben, ter dritte war ein betzarabischer JSrinA, mit dem die Gräfin einige Jahre in Konstantinopel gelebt und von dem sie sich getrennt hatte. „Cs lag ein Land dazwischen."
(Fortsetzung folgt.)


