Ausgabe 
18.10.1922
 
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Mittwoch,

172. Zahrgang

meldet

Berlin,

2lu n t ia tu r erhält dis

der Münchener

insgesamt

Die Audienz des päpstlichen Nuntius beim früheren Kaiser

Beamten beschlagnahmten sie aber.

Anläßlich der Vorgänge am Zirkus Busch wurden am Sonntag un£> Montag insgesamt 16 3 Personen polizeilich festgenom-

redung mit dem tschechoslowakischen Gesandten Tusar, wobei auch der tschechische Generalstabs- obcrst Handel und ein militärischer Sachverstän­diger der russischen Legierung anwesend waren. Wie das Blatt weiter meldet, hatte auch Mer-

17. Oktober. (WTD.) Von

Aus dem Reiche.

Der Umlagegetreidepreis.

LautBerliner Tageblatt" ist dem Reichstag das Gesetz zugegangen, das den Preis für das erste Drittel der Getteideum- lage für die Tonne Roggen aus 20 500 Mark, für Weizen auf 22 500 Mark, Gerste auf 19 000 Mark, und für Hafer auf 18 000 Mk. festfetzt.

Vereinfachung der Postverwaltung.

Berlin, 17. Okt. (Wolff.) Unter dem Vorsitz des ÄaatSsekretärS Teu 6 e finden im Reichspostministerium mit dem Präsiden­ten der Oberpostdirektionen Beratungen statt, die wichtige Personal- und Dettiebsfragen be^ treffen, namentlich solche wegen Durchführung eines Vereinfachungsprvgrammes der Postverwaltung.

Kommunisten-Verhaftungen.

Berlin, 17. Okt. (Wolff.) Laut derCB.3.* wurden gestern abend im (Safe Bellevue am Potsdamer Platz vier Mitglieder der Redaktion derRoten Fahne", die sich dort zu einer Beratung zusammengefunden hatten, verhaftet. Es sind dies Heinrich Süßkind- Salvin und Worcwski, zwei Russen, sowie Dr Thalheimer, der frühere Chefredakteur derRoten Fahne", und der Unistenführer Brandler. 3n ihrer Gesellschaft befand sich noch der als einer der eifrigsten Agitatoren bekannte Kommunist Sievert, der gleichfalls verhaftet wurde. 3n dem Cafe hatten fick 10 Herren mit einer Aktenmappe eingefunden. Die eine halblaute Unterhaltung . -orten. Als die Kriminalbeamten erschienen, hatte ein Teil der Kommunisten das Cas6 bereits verlassen. Es waren nur noch fünf Herren an­wesend. Beim Eintritt der Beamten versuchten die Redaktionsmitglieder derRoten Fahne" die Aktenmappen unter dem Tisch zu verbergen. Die

Paris, 17. Okt. (WTB.) Havas aus Konstantinopel: Ein Communique des alli-

Nr. 245

Ersche.nl täglich, außer Sonn, unb Feiertags, Btt b<TSamstaqsbn!age: GiehenerFamilien blätter Monatliche Verna,preise: $Ul 102.- undMK. 8- Trüger lohn,durch biePost Mk. 125.-,auch beiNtcht. erscheinen einzelner Hum­mern infolge höherer Gewalt.- Fernsprech- Anschlüssen fürdieSchrift- kilung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Gieße».

voftscheatonto:

Krarirsutt a. DL 11686.

Germania" zu den neuesten Veröffent­lichungen des früheren Kaisers über den Verlauf des Besuches des päpstlichen Runtius P a c e l l i beim Kaiser im Grohen Hauptquartier im Sommer 1917 folgende Richtigstellung, die in der heutigen Abend­ausgabe erscheint: Neuerliche Veröffentlichungen über den Besuch des apostolischen Runtius Pacclli beim Kaiser Wilhelm II. zu Kreuznach am 29. Juni 1917 machen wenigstens in den haupt­sächlichsten Punkten eine richtige Darstellung des Verlaufes dieses Besuches erforderlich. Be­vor sich Pacelli zum Kaiser ins Große Haupt­quartier begab, reiste er nach Berlin, wo er am Vormittag des 26. 3uni vom Reichskanzler v. Dethmann-Hollweg empfangen wurde. Der Inhalt dieser Unterredung, in welcher der Runtius gemäß den erhaltenen Instruktionen sich über die Auffassungen der Berliner Regierung hinsichtlich des Friedens und über die deutschen Kriegsziele informierte, unb bei der er- unter anderem auch die Frage der belgischen Un­abhängigkeit und die F.age E l s a h - L o - th ringens berührte, ist bereits bekannt, da diese Unterredung in der Hauptsache in exakter Weise von Dethmann-Hollweg in seinenBe­trachtungen zum Welttriege" (2. Teil, S. 210 ff.) dargestellt wurde. Es wäre darum überflüssig, jetzt nochmals darauf zurückzukommen.

Don Berlin fuhr der Runtius nach Kreuz­nach nicht von .einem Kaplan, sondern von dem Uditore Her apostolischen Runtiatar. S ch i o p p a, begleitet, unb wurde am 29. Juni um 123/4 Uhr vom Kaiser in offizieller Audienz empfangen. Bei dieser Audienz, mit der Pacelli die ihm vom Heiligen Stuhl anvertraute Mission ausführte, war weder der Uditore noch irgend eine andere Person anwesend. Der Runtius über­reichte Wilhelm II. ein Schreiben des Heiligen Vaters Benedikt XV., worin dieser seiner großen Besorgnis Ausdruck verlieh wegen der Verlänge­rung des Krieges und wegen des daraus folgen­den ungeheuren materiellen und moralischen Elends.

Daran knüpfte der Runtius, ohne auf Einzel­heiten einzugehen, mündlich im Ramen Seiner Heiligkett warm empfundene Ermahnungen an den Kaiser, er möge doch fein Möglichstes tun, um den Schrecknissen des Krieges ein Ende zu bereiten, selbst wenn es dadurch nötig werden sollte, auf das eine oder andere oer von Deutsch­land verfolgten Kriegsziele zu verzichten. Wil­helm II., dessen Blick, Gebärden und Stimme Die Wirkungen Dreier langer angstvoller Krieas- jahre verrieten, antwortete, Deutschland habe den Weltkrieg nicht hervorgerufen, sondern es sei gezwungen gewesen, sich gegen die Dernichtungs- ziele Englands zu verteidigen. Er erinnerte an das Friedensangebot Deutschlands vom vergan­genen Dezember, indem er beklagte, daß der Papst damals nicht gesprochen habe, wie Wllson es getan. Rachdem dann der Kaiser von Gefah­ren geredet hatte, welche nach seiner Meinung

ist es zweiselhaft, ob ihre Sachverständigen bereit» I gen zwischen Rußland und Frank- zu dem genannten Datum in London sein können, reich. So hatte vor einiger Zett der Der'.mer Gewisse Bestimmungen des Vertrages von Sevres | Sowjetvertreter Krestinski eine längere Unter -

ierten Hauptquartiers befugt: Die Zurückzie­hung der griechischen Truppen erfolgt entsprechend dem festgesetzten Plan. Morgen wird Thrazien voraussichtlich bis zur Linie Life Tschorlu geräumt sein. Wetter wird aus Kon­stantinopel gemeldet: Lüle Burgas und Kirkilisse sind bereits fast völlig geräumt Die schleunige Ankunft alliierter Truppen ist notwendig. Heute gehen französische Truppen nach Adrianopel ab. Die Bevölkerung Thraziens ist sehr aufgeregt, doch sind keine Unruhen zu verzeichnen. Das kon- stantinopeler Rationalistenblatt berichtet, daß die Rationalvmlammlung beschlossen habe, amf der Abhaltung der Friedenskonferenz in Smyrna zu bestehen.

Aus einer Rede Lloyd Georges.

L o n d o n, 17. Oft. (WTD.) LlvydE> e- orge hielt gelegentlich der Eröffnung des neuen Amtsgebäudes der Londoner Hafen- behörde eine R e d e, in der er u. a. sagte, der Handel erhole sich nach und nach. Man könne wieder besseren Zeiten und größe­rer Wohlfahrt entgegensetzen.

Die Politik Hardings.

Washington, 17. Okt. (Wolff.) Prä­sident H a r d i n g erklärt in einem Schreiben, es sei unrichtig, zu behaupten, daß die Vereinigten Staaten sich abseits von den Weltereignissen hielten. Die Bestimmungen des neuen Zollgesetzes lieferten die Möglich­keit, dje Zollsätze im Einklang mit den wirt- schafllichen Strömungen abzuändern, und seien deshalb für den Außenhandel der Vereinig­ten Staaten von Vorteil. Der Präsident et> klärte wörllich: Uns abseits von der übrigen Welt zu halten, wäre das letzte, was uns in den Sinn käme. Wir wünschen uns nützlich zu machen und anderen gefällig zu sein, um die aus dieser Politik gezogene Kraft zur Mit­wirkung am allgemeinen Wohl der Menschheit zu verwenden.

Paris, 17. Oft. (WTD.) Rach einer Havas- meldung aus Toledo (Der. Staaten) hat der Han- delssekretär Hoover in einer Rede erklärt, die Ablehnung der Rückzahlung der Kriegsschulden bei den Vereinigten Staaten würde das ganze Gebäude von Treu und Glauben im internationalen Verkehr er­schüttern. Er glaube nicht, daß irgendeine amt­liche Persönlichkett in Amerika oder im Auslande eine derartige Beseitigung der Schulden billigen könnte oder wollte Die Kriegsanleihen stellten eine Schuld gegenüber den Steuerzahlern dar. Sie seien auf direktes Ersuchen der Anleiheaufnehmer unter dem feierlichen Versprechen, sie zurückzu­zahlen, kontrahiert worden, und müßten indi­viduell betrachtet werden. Die Amerikaner hätten weder an den Reparationen noch an den anderen, aus dem Friedensvertrage hervorgeganqenen Vorteilen Anteil gehabt. Die Frage einer mora­lischen oder vertragsmäßigen Verpflichtung komme gar nicht in Betracht. Hoover erklärte sich für überzeugt, daß, abgesehen von einigen weniger erheblichen Summen, die etwa 5 Prozent be­tragen, die Schulden in einem vernünftigen Zeit­raum zurückyezahlt werden könnten, ohne den Schuldnevnattonen Schwierigketten zu verschaffen.

Russisch-französische Wirtschaftsbeziehungen?

Berlin, 17. Okt. (Privattelgr.) Rach dem Achtuhr-Abendblatt sollen in Berlin Besprechun­gen zwischen Vertretern der Tschechoslo­wakei und der russischen Svwjetregie- r u n g stattgefunden haben, die das Blatt in Ver­bindung bringt mit Verhandlungen über die Wte- I Herausnahme von Wirtschaftsbeziehun-

Die französischen Gegenvor­schläge in dec Reparationsfrage.

Paris, 18. Oft. (WTD.) Der »Pettt Pa- riften schreibt, man wisse, daß Barthou in der Reparationskommission angekündigt habe, daß er dieser Tage französische Gegenvor­schläge hinsichtlich des Marksturzes unterbreiten werde. Diese Gegenvorschläge seien nun durch die französischen Sachverständigen in der Repara­tionskommission, unterstützt von Sachverständigen des Finanzministeriums und des Außeiiministe- riums, unter Leitung Barthvus, vorbereitet wor­den. Gestern nachmittag habe im Quai d'Orsay eine Konferenz über diese Fragen stattgefunden, .jedenfalls werde Pvincarä heute nachmittag Kenntnis von den Vorschlägen nehmen, und es sei zu erwarten, daß sowohl von ihm als auch von Barthou Abänderungen verlangt würden. Bei dem augenblicklichen Stand Der Arbeiten scheine es, daß man sich fvanzösischerseits nur für Die Organisierung einer schärferen Kon­trolle über Die Deuts chen Finanzen, evll. begleitet von Pfands ist ungen oder Sanktionen, orientiere. Es sei übrigens wahr­scheinlich, daß man einen viel eingehenderen Ent­wurf ausarbeiten wird, als derjenige, welcher von der französischen Delegatton anläßlich Der Lon­doner Konferenz im August ausgearbeitet worden sei. DerMattn" erflärt, Die Vorschläge Dar- thous mürben sich strikte auf Kontrvllmaynahmen beschränken.

Paris, 18. Okt. (WTD.) Die' offizielle Sitzung der Reparationskommission gestern nachmittag war ausschließlich der Erledi­gung der laufenden Angelegenheiten gewidmet, wie gewisse Lieferungen von Wiederaus biumate- rlal zur Wiederherstellung Der Bibliothek von Löwen usw. Es folgte keine halbamlliche Sitzung. Erst am Freitag wird eine solche ftattfinDen und Dabei Die Prüfung der Lage infolge des weiteren Marksturzes und des Vorschlages von Sir John Dradburh vorgenommen werden. Es bestätigt sich, daß Barthou einen Gegen­vorschlag betreffend Kontrollmaßnahmen über Die deutschen Finanzen vorlegen wird.

die Tätigkeit Der internationalen S o zialdemokratie zugunsten des Friedens Erstellte, gab er dem Gedanken Ausdruck, der Heilige Vater möge einen feierlichen Er la h herausgeben, gerichtet nicht an Die Regie­rungen, sondern an Den Klerus und an die Gläu­bigen Der ganzen Welt, worin er Gebet unb unablässige Arbeit für Den Frieden vorschreibe Der Runtius, welcher in betreff eines derartige.: Vorschlages keine Instruktionen besaß, brachte demselben gegenüber weder Einwendungen vor noch akzeptierte er ihn, auch machte er keineswegs die Aeußerung, daß es für den Heiligen Vater wegen seiner Stellung der italie­nischen Regierung schwierig wäre, im Sinne des erwähnten Vorschlages zu wirken. Roch weniger äußerte etwa der Runtius, daß eine Derartige päpstliche Ermahnung bei verschieben en Episko­paten keine günstige Aufnahme finden werde. Vielmehr beschränkte sich der Runtius dar auf, dem Kaiser zu versichern, er werde darüber (wie es seine Pflicht war und wie er es Dann auch getan hat) an den Heiligen Stuhl berichten.

In derselben Audienz bat Pacelli Wil heim II. namens des Heiligen Vaters außerdem inständig, anzuordnen, daß den D e p o r t a tionen belgischer Arbeiter ein Ende gesetzt werde, indem er an Die dem Heiligen Stuhl bereits gemachten Versprechungen erinnerte. Er betonte, daß Die Deportationen in bet ganzen Welt einen sehr ungünstigen Eindruck hervor- gerufen hätten und baß ihr Aufhören daher Deutschland nur zum Vorteil gereichen würbe Der Kaiser suchte die Deportationen vom recht lichen Gesichtspunkte aus zu rechtfertigen, infolge des Drängens Pacellis aber versprach er, sich mit der Frage zu befassen. Dor- stehendes findet sich auch in Den obenerwähnten Betrachtungen" Bethmann-Hollwegs, der sich an jenem Tage ebenfalls in Kreuznach befand.

Rach beendigter Audienz zog der Kaiser Pacelli zum Essen hinzu, an Dem der Uditore Der Runttcttur, Prinz Heinrich von Preußen mit seinem Sohne Prinz Waldemar, der Reichs tangier von Dethmann-Hollweg mit seinem Schwiegersohn Graf Zech und Die zum Gefolge des Kaisers gehörigen Herren tellnah men. Rach Dem Essen begaben sich die Geladenen auf den Balkon, wo sie sich, wie es bei ähnlichen Gelegenheiten Brauch ist, einige Zett der Unter Haltung Hingaben, welche abwechslungsreich ohne offiziellen Charakter war. Der Kaiser nahm hierbei einen zwanglosen familiären Ton an und sprach übersprudelnd, indem er wiederholt recht eigenartige Dinge erzählte. Hierauf zog er sich zurück. Damit hatte die Konversation ohne irgendwie dramatischen Charakter angenom­men zu haben, ihr Ende erreicht.

Die Hochzeit des ehemaligen Kaisers.

Doorn, 17. Okt. (WTD.) Riederländische Telegraphen-Agentur. Dei der Hochzeit dec.' ehemaligen deutschen Kaisers, die auf Sonntag, 5. Rovember, festgesetzt worden ist, wird der Dürgermeister von Doom die bürgerlich Trauung In der Halle von Haus Doom voll ziehen. Die kirchliche Trauung wird im Vestibül des Hauses ftattfinDen. Ungefähr 50 Personen sind zu der Feier eingeladen, von denen einige bereits eingetroffen sind. Dem Vernehmen nach wird Prinzessin Hermine am Donnerstag, 2. Rv vember, abends, in Doom ankommen.

rlot auf der Rückreise von Rußland nach Paris in Paris bedeutsame Besprechungen, Deren Zweck Die Einbeziehung Der tschechischen Industrie in die ranzösisch-russischen Pläne war. Einige Vertreter der tschechischen Industrie weilten bereits in Rußland. Der russische Volkskommissar für Außenhandel, Krassin, wird nach demDerl. Tagebl." nächste Woche zu einem kurzen Aufent­halt in Berlin erwartet.

Rheinische Industrielle in Rußland.

Berlin, 17. Oft. Wie dieReue Berliner Mittagszeitung" hört, begibt sich dieser Tage eine große Kommission rheinischer Indu­strieller unter Führung von Alfred Haniel, Generaldirektor Eltze und anderen führenden Per­sönlichkeiten im Auftrage der Lokomottvabnahme- kommisfion nach Rußland. Allein aus Düsseldorf Dürfte ein halbes Hundert Interessenten dorthin abreifen.

(Sitte internationale Eisenbahn- konfcrenz in Paris.

Paris, 17. Oft. (WTB.) In Puris hat heute nachmtttag unter dem Vorsitze des französischen Ministers für öffentliche Arbei­ten eine internationale Eisenbahnkon- f e r e n z mit ihren Arbeiten begonnen. Die deutsche Eisenbahnverwaltung ift durch eine aus Staatssekretär Stieler, Mini- sterialdirettor Vogel, Ministerialrat Wolf und Ministerialamtmann Hamel bestehende Dele­gation vertteten. Es handell sich um die Aus­führung eines Beschlusses der Transportkom­mission auf der Konferenz von Genua, eine internationale Eisenbahn-Union zu schaffen, die nicht nur die europäischen Eisenbahnen umfassen soll, sondern zu der auch bereits die chinesischen und japanischen Eisenbahnen zu­gelassen zu werden wünschen. Die Konferenz wurde mit einer Begrüßungsrede des Mini­sters für öffentliche Arbeiten eröffnet.

Franklin-Bouillon gegen Lloyd George.

Paris, 17. Oft (Wolff ) Franklin- Bouillon gab gestern vor Vertretern der französischen und Der auswärtigen Presse eine lange Erklärung über seine Mission nach dem Orient ab. In Der er u. a. ausführte: SechsundDreihlg ©tunDen nach meiner Zusam- m en fünft mit meinem Freunde Muftapha Kemal hatte ich es fertig gebracht, in Smyr ° n a die Annahme eines Abwmmens von großen Zügen zu erreichen, das den Stillstand der mili­tärischen Operationen und gleichzeitig die Be­setzung Thraziens durch die Türken vorsah. Das Protokoll von Mudania enthält nur geringe Abweichungen von diesem Abkommen. Während 48 Stunden war die Lage in Mudania äußerst ernst. Eine Armee von 150 000 Mann, die in zwei Wochen ihren Gegner vernichtet hatte, stand vierzig Kilometer von ihrer Hauptstadt. In diesem Augenblick sagte Frankreich: Bleibt stehen! Dies mußte natürlich Mißtrauen und Entrüstung Her­vorrufen. Die Welt verdankt den Frieden der bewundernswerten Weisheit Kemal Paschas und Der Vertragstreue Der Türken, Die keine Bestim­mung des Abkommens von Mudania verletzt haben. In Tschanak waren unsere englischen Freunde in einer gefährlichen Lage. Selbst die tapfersten Helden hätten sich dort nur halten können, wenn sie nach Hunderttausenden gezählt hätten. Auf unser Ersuchen allein haben die Türken jeden Akt Der Feindseligkeit unterlassen Jetzt ist die Gefahr beseitigt. 'Während acht- undvierzig Stunden war der Krieg so gut wie ausgebrochen " Franklin-Bouillon fügte hinzu, er glaube, General Harrington werde es sehr schmerzlich empfinden, wenn er die überraschende Rede Lloyd Georges lesen werde, die er (Bouillon) gestern bei seiner Landung zu seiner Ueberraschung gelesen habe. Franllin-Bouillon betonte weiter, die Konf erenz müsse schleu­nigst zusammentreten. Es gebe zwei Politiken: Die Der Gewalt und die der Vernunft und Ge­rechtigkeit. Frankreich habe den Frieden gerettet.

Paris, 17. Oft. (Wolff.) In seinen Presse­vertretern gegebenen Erklärungen sagte Frank­lin-Bouillon noch u. a.. Der Brand von Smyrna sei von den griechischen Truppen verschuldet worden. Er sei für die Abhaltung der Konferenz in Smyrna etngeireten. Auf eine Anfrage wegen derfranzösischen Riederlage in Cilicien", von Der Lloyd George in seiner Rede gesprochen habe, erflärtc Franklin-Bouillon, die Franzosen seien in Cilicien siegreich gewesen und hätten das Land freiwillig verlassen. Es habe sich herausgestellt. daß entgegen den Statistiken die Provinz türkisch sei, und aus diesem Grunde habe Frankreich nicht dort bleiben wollen und Die Provinz Den Türken zurückgegeben. Dieser Akt der Gerechtigkeit habe Frankreich die moralische Stärke gegeben, die es in Mudania zur Erhal­tung des Friedens verwandt habe.

Eine Sachvcrftändigenkonferenz in London.

London, 17. Oft. (WTD.) Die bri­tische Regierung hat der französischen und der ttalienischen Regierung vorgeschlagen, am 20. Oktober in London eine Konferenz von Sachverständigen zusammentreten zu lassen, um die wirtschaftlichen Bestimmungen des neuen Friedensvertrages mit der Türkei vorzubereiten. Die ttalienische Regie­rung hat diesen Vorschlag angenommen, doch

18. Gttobtt 1922 Hnnahmt von anjtigcii für die lagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohntjtde Verbindlichkeit. Srets für 1 mm höht für nzeigen o 27 mm Breit« örtlich 600 Pf., auswärti 800 'Pf.; für Reklame Anzeigen von 70 mir Dreite2800Pf. Dei Platz- Vorschrift 20"/, Aufschlag Hauptfchriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteri: Hans Beck, sämtlich in Bietzen

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vn«i mid Verlag: Brüt)IW Univ.-Such- »n!> Neindruderei B. Lange. Schristlettung, Selchästrftelle und Drudcrei: Schulfteatzi 1.

müssen vollkommen umgefialtet und andere er­gänzt werden. Das Arbeitsfeld der vorgeschla­genen Sachverstänbigenllmferenz ist sehr ausge­dehnt. Es umfaßt vor allem sämtliche Fragen, die sich auf die ottomanische Schuld, auf die Regie, auf Die Ueberwachung des Budgets, die Häfen, die Eisenbahnen usw. beziehen. Die mit den Kapitulationen zusammenhängenden Fragen können nur durch ein internationales Abkommen gelöst werden.

Paris, 18. Okt. (WTD.) Eine Havasmel- dung aus London besagt, daß die Zusammenkunft der Sachverständigen nicht am 20. Oktober be­ginnen kann und daß sie voraussichtlich bis Mitte der folgenden Woche verschoben werden muß.

Paris, 18. Oft. (WTD.) In einer Ant­wort auf den englischen Vorschlag, am 20. Oktober in London eine Konferenz von Sachver­ständigen zusamm.mt e en zu lassen zur Vor­bereitung der wirtschasttichen und finanziellen Be­stimmungen des Vertrages mit der Türkei, wird Die französische Regierung einer Havasmelbung zufolge auf die Rachteile Hinweisen. Die sich von vornherein aus der Wahl von London ergeben könnten, und wird mit Rücksicht auf Die jüngsten antitürkischen Kundgebungen Paris Vorschlägen. Der Havasvertreter in London mel­det, Die Zusammenkunft der Sachverständigen werde nicht vor Mttte nächster Woche erfolgen können. Die englischen Scuhverständigen sollen unter Den Spezialisten für Orientfragen gewählt werden. Ihnen werden Beamte des Außenmini­steriums beigegeben.

Die Zurückziehung der griechischen Truppen.