Ausgabe 
18.7.1922
 
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Aus Hessen.

AuS dem Gesetzgebungsausschuß der Kammer.

rm. Darmstadt, 17. Juli. Der Gesetz- gebungsvassch Jth des Landtags beriet beite unter Vorsitz des Abg. Naß zunächst den Antrag der 2Ibgg. Kaul und Gen. betr. die (Srtläring des 11. 2t u a a st als gesetzlichen Feiertag, der mit Mehrheit Annahme fand. Zu dem Antrag der 2Ibgg. Kaul and Gen. betr. denSchch der Republik', der abgelehnt Wirde, fanden folgende Zusatzanträge die Zu stimm ing: Antrag des Zen­trums: Die leitenden Stellen der Ver­waltung und der 3 rstiz sind nur solchen Personen zu übertragen, die rückhalll>s bereit lind, rm Geiste der repudLktanischen Derfassang ihre Dienste ausziüben, ferner die sacht indig and entschlossen sind, ihr verantwortungsvolles Amt im Geiste der republiranischen Verfassung un­parteiisch ausziüben: ferner der Antrag des 2Tbg. Büchner (Dem.): Die Regierung möge an amt­liche Behörden eine Verordnung ergehen lassen, durch die alle Beamten, die jetzt noch glauben, ihr Amt nicht im Geiste der republikanischen Verfassung aisüben zu können, aifgefordert wer­den. ihre Versetzung in den Ruhestand innerhalb einer bestimmten Frist zu beantragen. Wer von diesem Angebot keinen Gebrauch macht, gibt da­mit zu, das) er der Republik in seinem Amt zu dienen bereit ist. Die weiteren Anträge derselben 2lbgeordneten betr. die Aenderung des Gesetzes über die Disziplinarverhältnis e der nichtrichter- lichen Beamten, betr. Erlast eines Gesetzes über btc Rechtsverhälinisse der Richter, sowie betr. der Schuh der Republik in den Sch ulen und Hoch­schulen werden abgeseht. Der Antrag Kaul und Den. betr. Verordnung über das Flaggen wird mit der Aenderung angenommen, dast neben den Londesflaggen bei besonderen Anlässen auch die Reichsflagge wehen soll. Der Antrag Kaul und Gen. betr. die disziplinarische Verfolgung von Staatsbeamten, welche die Ler>rdnung über di« Beseitigung der Hoheitszeichen nicht befilgt haben, wird durch die Verordnung des Reiches für erledigt erklärt. Die Vorstellung Hessischer R eg i m e n ts ve rei n e d ir. das Verbot von Regimentsfeiern wird zurückgestellt.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 18. Juli 1922.

Der Handel mit Kartoffeln

ist vom 1. August ab nur solchen Personen gestattet, denen eine besondere Erlaubnis zum Handel mit Kartoffeln erteilt worden ist. Dies gilt auch für die, die bereits die nach der Verordnung über den Handel mit Lebens- unb Futtermitteln vom 24. Juni 1916 vor- geschriebene Handelserlaubnis besitzen. Auf den Verkauf selbstgewpnnener Kartoffeln und auf Kleinhandelsbetriebe, in denen Kartoffeln nur unmittelbar an Verbraucher abgegeben werden, wird dagegen die Vorschrift nicht an­gewandt.

Einer Erlaubnis bedarf ferner vom 1. August an, wer beim Erzeuger Kartoffeln zum Wiederverkauf ober zur gewerbsmäßigen Verarbeitung oder für Gemeinden, Gemsinde- verbände, Betriebe oder als Beauftragter einer Mehrheit von Verbrauchern ankauft, sei es im eigenen oder fremden Namen, für eigene odqr fremde Rechnung.

** Amtliche Personalnachrich- trn. Am Z. Juli 1922 wurde Kanzleigehilfe 2pam IÜllich zu Birkenau zum Kanzlei­assistenten bei der Oberförsterei Birkenau vom L. April 1922 ab ernannt. Ernannt wurde am 12. Juli der Lehrer Adam Berg zu Ober-Mörlen zum Lehrer an der Volksschule zu Bad-Nauheim, Kreis Friedberg. Er­nannt wurde am 13. Juli der bayerische or­dentliche Professor i. R. Privatdozent Dr. Ludwig Schleiermacher aus Darmstadt zum außerplanmäßigen ordentlichen Honorar­professor an .der Technischen Hochschule zu Darmstadt.

** Feldpolizeiliche Anordnung Die Stadtverwaltung gibt in unserem heutigen Anzeigenteil bekannt, dast sämtliche in der Feld- gemarfung der Stadt Gießen gelegenen offenen und eingefriedigten bepflanzten Grundstücke bis zum 15. September in der Zeit von abends 9 bis morgens 5 ülhr und vom 16. September ab in der Zeit von abends 8 bis morgens 6 ülhr geschlossen sind. Allen Personen, auch den Eigentümern, ist daS Betreten der Felder in der Sperrzeit ver­boten. Ausgenommen von dem Verbot sind nur HausgIrken, die mit dem Wohnhaus unmittelbar verbunden sind. Durch Einsetzen von Nacht- patroMllen wird die Durchführung dieser Anord­nung streng überwacht.

* Hühnerdiebstahl. Aus einem Hühnerpark wurden in der letzten Nacht 35 meist schwarze Kücken int Alter von 8 bis 10 Wochen entwendet. Dor Ankauf wird ge­

warnt. Sachdienliche Mitteilung nimmt die Kriminalabteilung entgegen.

** Geschäftsführer P. Drescher, der nahezu 30 Jahre in Diensten der Sek­tion VI der Hess.-Nass. Daugewerks-Berufs- genossenschaft gestanden hat, ist in den Ruhe­stand getreten. 3n jahrzehntelanger Arbeit hat er die Derwallungsgeschäfte der Sektion geführt. Als Nachfolger wurde Sekretär Kirchner zum Geschäftsführer der Sektion gewählt.

** Fridericus Rex, das in der Oefsent- llchkeit viel genannte, von politisch linksstehender Seite in manchen Städten abgelehnte große Film­werk. ist feit gestern nun auch In Gießen zu sehen. Die Astoria-Lichtspiele bringen diese pak- kende Kinoschöpfung in drei Vorstellungen an jedem Lage bis einschl. Sonntag zur öffentlichen Vorführung. Der gestrige erste Aufführungstag zeitigte bet jeder Vorstellung ein ausverkauftes Haus, worin sich das hohe Interesse äußerte, das man diesem Film in den weitesten Kreisen entgegenbringt. Das Werk schlägt einige außer­ordentlich eindrucksvolle Seiten der altpreußischen Geschichte auf, es führt in die Zeit des preußischen Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. und in die Kronprinzenjahre Friedrichs deö Großen zurück. Es bringt ein bewußtes Bekenntnis zur nationalen Staatsausfassung zum Ausdruck, irgenbebie par­teipolitische Färbung, die die Abneigung gewisser Kreise gegen dieses rein historische Filmwerk rechtfertigen konnte, ist dabei in ihm nicht ent­halten. Man kann den Besuch dieser Filmvor­führung allen Mitbürgern empfehlen. Die Lei­tung der Astoria-Lichtspiele machte gestern aus­drücklich darauf aufmerksam, daß die Vorführung dieses Film nach wie vor gestattet ist.

Wettervoraussage

für Mittwoch:

Wechselnd bewölkt, meist trocken. Temperatur wenig verändert.

Die tiefe Depression ist weiter nach Osten ge­zogen und hat keinen erheblichen Einfluß mehr auf unsere Wetterlage. Dagegen werden Teilauswufer, von denen einer heute bereits über dem Kanal liegt, der andere sich über Schottland entwickelt, auch morgen noch unbeständiges Wetter bringen.

Bornotizen.

Tageskalender für Dienstag. Stadttheater, 71/.. lUjr:Das deutsche Volks­lied". Astoria-Lichtspiele:Fridericus Rex".

Goethe-Bund. Auf die heute und morgen abend im Stadttheater stattfindenden AufführungenDas deutsche Volkslied" sei hiermit nochmals empfehlend aufmerksam ge­macht.

Landkreis Gietzen.

Hungen, 18. Juli. Am Samstag­abend fand seitens der sozialdemokratischen Ortsgruppe eine Versammlung imDarm- tädter Hof" statt, in welcher Landtagsabge­ordneter W. Widmann aus Offenbach in längerer Rede über die innerpolitische Lage und die Ziele seiner Partei sprach.

Lauter, 15. Juli. Die Kirschen­ernte ist eben in vollem Gang. Der Ertrag der Früchte steht denjenigen der letzten Jahre nicht nach. Dies kommt unserem Gemeindesäckel sehr zu gut, denn unser Waldbesih ist sehr gering. Die Anforderungen an die Steuerzahler sind nicht ge­ringer geworden, so daß der Ertrag der Kirschen­ernte für uns von besonderer Wichtigkeit ist. In Dankbarkeit müssen wir hierbei unseres früheren Bürgermeisters Feldmann gedenken, dessen unermüdlicher Tätigkeit unsere ausgedehn­ten und wertvollen Obstpflanzungen zu verdanken ind. Die Basaltlager oberhalb des Fried­hofs an der Straße nach Laubach find seit einiger Zeit wieder in Betrieb gesetzt, was der Bautätig­keit in unserem Dorfe zugut kommt. Jedoch ist dieses Steinmaterial als nicht hervorragend zu bezeichnen und steht dem anderweitigen Basalt bedeutend nach

Kreis Alsfeld.

¥ Alsfeld, 17. Juli. Der Kreistag hat in seiner jüngsten Sitzung den B o r a n s ch l a g der Kreiskasfe Alsfeld für das Rechnungsjahr 1922 einstimmig genehmigt. Die Rechnung schließt iin Einnahme und Ausgabe mit 5 138 967 Mark gegen 2274627 Mk. im Vorjahre ab. Die Ein­nahme aus der -Umlage ist auf 3 0C0 000 Mk. berechnet, aus der Provinzialkasse erwartet man zu den Straßenunterhaltungskosten 1 150 750 Mk., zu den gleichen Zwecken rechnet man mit einem Zu­schuß aus der Hauptstaatskasse in Höhe von 650 000 Mark. Zahlreiche kleinere Einnahmeposten schlie­ßen sich diesen großen Beträgen an. Auf der Ausgabenseite sind u.a. anaeseht 432 100 Mark für Besoldungen, 160 850 Mart für die Kriegsbeschädigten- und Hinterbliebenenfürsorge, 300 000 Mi. zur Fürsorge für Geisteskranke, Taub­stumme und dauernd kranke Kinder, 500 000 Mk

Beitrag zur Provinziallasse, 3 011 500 Mk. zur Unterhaltung der KreissttaI>Ln. 194 500 Mk. Zu- schuß zu den Betriebskosten des Kreiskranken­hauses, 69146 Mk. für Beihilfen an ehemalige Kriegsteilnehmer.

Kreis Schotten.

^.Schotten, 17. Juli. Der erste dies­jährige Ausflug führte dieVereinigung Vo­gelsberger Geschichtsfreunde" aufs 3äger = haus zwischen Schotten und Laubach. Hier hielt Professor Dr. Röschen aus Laubach, der beste Kenner der Geschichte des Vogels­bergs, einen Vortrag überR u t h a r d s- hausen und die übrigen Wüstungen des Amtes ßaubacf) . An den Vortrag, der eine.rege Aussprache auslöste, schloß sich eine Besichtigung und Erklärung des hinter dem Jägerhaus liegenden Kirchenstumpfes der Kirche des dicht am Jägerhaus gelegenen, ausgegangenen Dorfes Ruthardshausen.

£ a u b a d), 16. Juli. Der Ertrag der Wohltätigkeitsaufführung zugunsten des Iohann- Friedrich-Stifts, die am Samstag letzter Woche im großen Saale des Solmser Hofs stattsand, hat ein günstiges finanzielles Ergebnis gehabt, was im Interesse der wohltätigen Anstalt sehr zu begrüßen ist. Das Stift hat, wie fast alle öffentlichen An­stallen des Landes, um seine Erhaltung schwer zu kämpfen.

Kreis Friedberg.

* Butzbach, 17. Juli. Die Posttraf t- wagenlinieDutzbach-Bad-Nauheim hat in der kurzen Zell ihres Bestehens schon einen Fehlbetrag in der Detriebsrechnung tn Höhe von 224 000 Mk. ergeben. Die hiesigen und die Nauheimer Gemeindekörperschaflen haben es ab- aelehnt, sich an der Deckung des Defizits zu be- teillgen. Was die Ppstverwaltung nun Un wird, ist noch nicht bekannt. Einstweilen sind aus be­triebstechnischen Gründen die Postauto- fahr ten nach Wetzlar an den Sonntagnach­mittagen eingestellt worden.

hr. Ossenheim, 17. Juli. Am gestrigen Sonntag fand im Offenheimer Wäldchen das Iahresfest des Zweigvereins Wetterau der Gustav-Adolf-Stiftung statt. Um 2 Uhr begann der Festgottesdienst. Pfarrer Bogel (Reichelsheim) hielt eine packende Ansprache, wo­raus der Kirchengesangverein Stammheim und die Schullinder von Ossenheim Gesänge vortrugen. Nach einer Kaffeepause, für die die Offenheimer Bürgerschaft reichlich guten Kuchen stiftete, begann die Nachfeier. Professor D. Dr. Diehl hielt da­bei in seiner humorvollen Art die Festrede. Pfar­rer Vogel erstattete den Jahresbericht des Zweigvereins, der ein Vorwärtsschreiten der Gustav-Adolf-Sache erkennen ließ. Dazwischen fangen die Kinder und der Kirchengesangverein Stammheim, gesellet von L:hrer Frank, zeigte unter dem Beifall der vielen Anwesenden noch in meh­reren Liedervorträgen sein großes Können. Drei Kinder trugen Gedichte vor. Daß in der ganzen Umgegend viel Verständnis für die Arbeit des Gustav-Adolf-Dereins besteht, zeigte neben dem guten Besuch des Festes auch die Festtollekte, die den Betrag von 1600 Mark erbrachte.

Hessen-Nassau.

Sturmlauf gegen die Frankfurter MictS- zufchläge.

fpd. Frankfurts. M 17. Juli. Die Magistratsverordnung über die ^Festsetzung der Zuschläge zur Grundmiete in Höhe von 345 Prozent auf die Friedenssätze hat in der Bürgerschaft einen Sturm der Ent­rüstung entfacht, umsomehr als die magistrat- lichen Bestimmungen im Widerspruch zu dem Reichsmietengesetz stehen. Die sozialdemokra­tische Fraktton hat die Sache bereits zum Ge­genstand einer dringlichen 'Besprechung in der Stadtverordnetensitzung gemacht und außer­dem beim Regierungspräsidenten Einspruch gegen die Magistratsverordnung erhoben. Die Bürgerschaft ruft Protestversammlungen ein.

Die städtischen Arbeiterlöhne in Frankfurt.

wb. Frankfurt a. M, 17. Juli. Nach den zwischen dem Magistrat und den Arbeit organijationen getroffenen Devrinbarungen be­trägt der Stundenlohn für über 24 Jahre alte gelernte Arbeiter 29,10 Mark, für angelernte Arbeiter 28,25 Mark und für angelernte Ar­beiter 27,70 Mark.

Kampf gegen den Schnaps.

fpd. Frankfurt a. M., 17. 3ult Nach Feststellungen der Polizei wird in einer großen Anzahl von Wirtschaften, namentlich Dielen und Bars, ein Ausschank von Schnäp- en und Likören betrieben, wofür die In­haber keine polizelliche Erlaubnis besitzen. Die Kriminalpolizei veranstaltete nun dieser Tage eine umfassende Streife in den bekanntesten Nachtlokalen und stellte hier in vielen Fällen den unbefugten Ausschank von Likören fest. Sie beschlagnahmte sämtliche vorge- sundenen Vorräte, die teilweise sehr bedeuten­

den Wert darstellten, und oerffegelte "|fe antt«** lief). Gegen sämtliche Wirte wurde beim richt ein Strafverfahren wegen unbe­fugten Schnapsausschankes und die Einziehung der Bestände eingelellet. Wie wir hören, wir? die Polizei ihre Tätigkeit in dieser Richtung auch auf sämtliche anderen Wirtschaften der Stadt ausdehnen und eine fortgesetzte Auf­sicht führen. Im Interesse der Dollsaesund- hell und der Volkswirtschaft ist dieser "Kamps gegen die Schnapsbuden aufs wärmste zu be- grüßen.

Landwirtschaft.

Der zweite Nassauische Kartoffeltag bereinigt feit gestern zahlreiche Landwirte aus Nassau und Oberhessen in unserer Stadt. Die ~agung begann gestern vormittag in der Aeuen Aula der -Universität. Der Vertreter der Landwirtschaftskammer Wiesbaden, Herr von Gose eröffnete die Verhandlungen mit Lern Hin­weis auf die große Bedeutung des Kartosfelbaues Hir die Ernährung des deutschen Volles und dankte dem Landwirtschaftlicken Institut Gießen für das Entgegenkommen und die Mitwirkung bei öcr Tagung. Geheimrat Gisevius sprach hieraus der Universität und dem Rektor derselben Dank aus für Die tteberlassung der Aula und wie- auf die günstige Entwicklung des 1903 gegründeten Lchwwirtschaftlichen Instituts an der Universität Gießen hin. Besonders begrüßte er den Vertreter der Landwirtschaftskammer Darmstadt, Herrn Hensel (Dortelweil).

Die Bedeutung der Kartvffel- zuch tung und -Pf lege f ür den Ertrag" war das Thema, über welches nunmehr Geheimrat Prof. Dr. Gisevius sprach. Er behandelte in gedrängter Form die wichtigsten Gebiete des Kar­toffelbaues: Bodenbearbeitung, Düngung, Saat­gut und Behandlung. Sell dem Kriege ist ein Rück­gang des Kartoffelbaues eingetreten, zum großen- Schaden der Dollsernährung. Heute ist die Kar-- toffelernte nut halb so groß wie 1913. Die Anbau­fläche ist infolge der verlorenen Gebiete zurück­gegangen. Doch auch in dem verbliebenen Reich kann der Anbau noch erheblich gesteigert werden Im linksn^sinischen Gebiet beträgt der Anbau an Kartoffeln 44 v. Hdt. der Ackerfläche, in H e s s en 33, in Sachsen 28, in Schlesien 25, in Nassau 23 v. Hdt., also etwa i/t vom Getreide. Mecklen­burg und Oldenburg zeigen sogar nur 16 bzw. 13 von Hundert. Die Erträge auf den Hektar können noch gesteigert werden. Üm die fehlenden mensch­lichen Arbeitskräfte zu ersehen, muß die Ver- Wendung von Masd) inen eingeführt werden, sonst besteht die Gefahr, daß die Kartoffeln nichts alle eingebracht werden und im Felde erfrieren Hinsichtlich der Düngung ist der Stallmist infolge der schlechteren Fütterung der Haastiere im Werte zurückgegangen. Es maß mehr Gründüngung an­gewendet werden, bis die Tierhaltung d irch bes­sere Fütterung rnd auch in der Zahl sich wieder gehoben hat. Die Kartoffel ist für Gründüngung: ehr dankbar, llnfcre chemische Industrie hat inS leit Stickstoff, der wahrend deö Krieges abge* perrt war, aus der Lift gewonnen. Durch eine Anwendung werden Wachstum rnd Er­trag bedeutend gesteigert. Kali ist unbedingt not* wendig zur Knollenbildung "ini> auch Phosph >r- äurc braucht die Kartoffel. Kall ist nicht yjy vergessen, da unser Boden an Kallarmll leidet. Die Knollen sind flach zu legen, möglichst ni die obere Krume. Die Saatmenge beträgt aif berc Mlngen mindestens 12 Zentner, jeder Zentner darunter liefert 10 Zentner Ernte weniger. GS war ein Fehler, daß die Behörde während deS Krieges nut 8 Zentner für den Morgen ver­schrieb. Die Sortenwahl ist vm größter Wich­tigkeit für den Ertrag. Im Landwirtschafttuhen Institut ist man von anfangs 270 ©orten aif jetzt 100 heruntergegangen, nur die beftgeeigneten werden auf der Versuchsstation angeflonzt und dann an die praktischen Landwirte weiter gegeben. Das Soatgut mufr für die verschiedenen Gebiets ausaewählt werden, z. B. Rheingau, Wetteva^. Ried, Westerwald. Vogelsberg und Odenwald. Die Industrie ist die ertragreichste Sorte, aber auch für Gebirgsgegenden wegen ihrer spätLNi Reife nicht geeignet. Es müssen überall 'Kar» tvffelanbaustellen geschafsen werden. D^rch ge­eignete Sorten können wir den Ertrag mindestens verdoppeln. Der Landwirt muß drrch ©teiger mg der Erträge die Dollsernährung sicherstellen. In 10 bis 15 Jahren müssen die Rückgänge der NachkriegSjahre überwunden sein. An den! Vortrag schloß sich eine lebhafte Aussprache übea Sortenwahl, Beschaffung von Saatgut. Düngung. Krankheiten und deren Bekämpfrng, sowie üben Beschaffenheit, Große und Gewicht des Saat­gutes. »

Im Anschluß an den Vortrag fanden De­ichtigungen aus dem landwirtschastlichen Der- >.:chsselde und in den Scheunen und Hallen bet Wieseck statt. Hiermit verbunden war eine Vor­führung landwirtschaftlicher Maschinen. Beson­deres Interesse erregten die ausgestellten zahl­reichen Kartoffelsorten des landwirt'chaftlichen In^ stituts. Abends traf man sich im Kathollschen? Dereinshaus bei einem von den Studenten ver-. anstalteten Festkommers.

Die Dinkelsbühler Kinderzeche.

Die Kinderzeche in Dinkelsbühl wird in diesem Jahre wieder im allen älmfang und mit allen Festlichkeiten begangen und damit ein deutsches Vollsfest lebendig erhalten, das zu den eigenartig­sten im Festeskvanz unserer Heimat gehört. Die Kinderzeche" verdankt ihren Ursprung einem halb geschichllichen, halb sagenhaften Dorgange, der an die Mär von den Hussiten vor Naumburg erinnert und eine Errettung der Stadt aus höchster Kriegsnot durch die Kinder enthält. Das Fest ist ein uralter Brauch, denn es wird schon in den Kirchenpfleaeakten von 1635 alsaltes Herkom­men" bezeichnet und geht wahrscheinlich auf eine alldeutsche Sommerfeier zurück, toteste wohl schon in heidnischen Zeiten den guten Göttern der Fruchtbarkeit dargebracht wurden. DieKinder­zeche" ist also älter als das historische Ereignis, mit dem sie in Verbindung gebracht wurde. Da­durch aber, daß man die fröhliche Feier mit der Belagerung der Stadt durch die Schweden von 1632 verknüpfte, erhielt sie erst ihren eigen» tum liehen Eharaller, wurde zu dem historischen Stadtsest, das den Höhepunkt des gesamten Din­kelsbühler Lebens bildet und so rechi zu diesem wundervollen Stadtdenkmal aus der Bergangen­hell Paßt. Schon wochenlang vorher werden eifrige Vorbereitungen getroffen. Auf dem Festplah, dem sog Schießwasen vor der Stadt, wachsen die

Schau- und Wirtsbuden empor, der Rahmen für den Festtrubel. Der eigentliche Festtag ist stets >r dritte Montag im Juli, und so wird denn auch diesmal das Fest am 17. Juli gefeiert. Kanonendonner von der Höhe des Gal- genberges und von den Türmen verkündet früh morgens den Anbruch des großen Tages. Die Hauptpersonen beim Feste, die Knabentruppe, die noch Uniformen vom Ende deS 18. Jahr­hunderts. aus den letzten Tagen der Reichsstadt Dinkelsbühl besitzt, eröffnen die Feierlichkeiten, indem ihre Kapelle fröhliche Weisen spielt. Der Höhepunkt des Tages ist die Aufführung des Fe stsp ie ls, das der Münchener Drama­turg Pros. Ludwig Stark geschaffen hat. Die Vorstellung erfolgt in dem fast 1000 Personen fassenden Festspielsaal, der im Schrannengebäude am Marktplatz liegt.

Das Fest spiel schildert die geschichtlichen Vor­gänge in ihrer sagenhaften Verbrämung. Im Jahre 1632 belagerte der Schwedenobrist Klaus Dietrich von Sperreuth die von den kaiserlichen Truppen verlassene Reichsstadt, und im Rat der Stadt herrschte Zwiespalt darüber, ob man dem Kaiser die Treue halten oder sich ergeben solle. Unterbetten flieg die Llot immer höher! der nach Regensburg zum kaiserlichen General Allringer entsandte Stadtsyndllus Äkemminger kehrte ohne jede Hilfe zurück, und so blieb nichts anderes üb^

rig, als sich dem übermächtigen Feind auf Gnade und Hngnabe zu ergeben. In biesem tragischen Augenblick soll nun ein schlichtes Mädchen aus dem Volte, die sog. Kinderlore, des Türmers Töchter­lein, auf den Gedanken gekommen sein, an der Spitze der ganzen Kmderschar von Dinkelsbühl den Sieger um Gnade anzuflehen, und die rührende Ditte fand Gehör, well dem Obriften wenige Tage vorher das einzige Söhnchen durch den Tod ent­rissen worden war. An diese Szenen, die im Fest­spiel anschaulich bargestellt sind, schließt sich bann ein historischer Festzug, bei dem die Knabentruppe voranmarschiert und sämtliche Kinder der Stadt, die Mädchen in weihen Kleidern mit Dlumenkörb- chen in den Händen, die Knaben mit bunten Fah­nen hinterher ziehend DerObrift des Kinder­bataillons sagt einen alten Spruch: ein Festgesang wird angestimmt, und damit schließt der offizielle Teil der Feier, dem dann allgemeiner Jubel und Tanz der Devöllerung folgt. Die Knaben werden mit Bier und Bratwürsten bewirtet: daher auch der Name: die Kinder zechen. Am nächsten Tag, dem Dienstag, erfolgt noch ein weiterer älmzug der Kinder. Das Fest erfreute sich vor dem Kriege der größten Beliebtheit: von Nah und Fern kamen Besucher herbei, und bei der Aufführung des Fest­spiels, die fett 1897 stattfindet, war der Saal stets ausverkauft. Auch Diesmal wird das Fest seine alte Anziehungskraft beweisen.

Die bedrohte Alhambra. Diq Alhambra, eins der wundervollsten Bauwerke, die Spanien besitzt, ist seit Jahren so baufällig, daß die Bewohner von Granada in ständiger Angst leben, dieses berühmte maurische Denkmal könne vollständig zusammenstürzen. Die De» Mühungen des Staates um die Erhaltung des Bauwerkes sind bisher sehr spärlich gewesen. Schon 1915 wurde darauf hingewiesen, daß der Hof des Harems und der Pavillon, der die Gräber von Ferdirrand dem Katholischen und Isabella von Castillen birgt, zu zerfallen drohen. Die gleichen Anzeichen schwerer Beschädigung wurden in den nächsten Jahren beimPavillon der Gemälde" und beimSamenturm bemerkt. Die Wiederherstellungsarbellen hätten nach einem Kostenanschlag von 1918 rund 450 000 Peseten erfordert, aber erst 1921 wurden ganze 36 000 Peseten bewilligt, mit denen nicht einmal die wichtigsten Ausb.sserungen notdürftig vvrgenom- men werden konnten. Nun ist diese nationaler Angelegenheit, wie imCicerone" berichtet wird. Gegenstand einer Interpellation im spanischen Senat gewesen. Daraufhin hat der LnterrichtS- minifter zugesagt, daß er sich an Ort und Stells vom Stand der Dinge überzeugen und bann die notwendigen Mittel in das Budget einstellen wolle.