Ausgabe 
18.4.1922
 
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Die deutsch-polnische Einigung.

Genf. 16. April. Aach zweilagiger Ver­handlung ist nunmehr zwischen den beiden Be­vollmächtigten Reichsminister a. D. Dr. Schisser und Minister Olszowski eine Einigung auch über die noch übriggebliehenen Streitpunkte erzielt worden, insbesondere über Rechtsschutz für Min­derheitsrechte und die Sprachen- und Schulfrage. Damit erübrigt sich ein Schiedsspruch Calvnders.

Kapp stellt sich bedingungslos.

Ein neues Schreiben an das Reichsgericht.

Berlin. 15 April. Genrrallondschaf sdirek- lor o. D. Kapp hat aus Schweden ein Schrei­ben an das Reichsgericht in Leipzig ge­richtet. in dem er mitteilt, daß er sich nun dem obersten deutschen Gericht bedingungslos zur Bersügung stellen wolle. Diese bedin­gungslose Selbststcllung ändere nicht das geringste an seinem grundsätzlichen Standpunkt, datz er einer Regierung Ebert wegen der Märzereignisse im (Zähre 1920 keinerlei Rechenschaft schuldig sei. Man habe in Deutschland scheinbar ganz vergessen, wer in Deutschland die Hochverräter seien. Die Männer vom Rovember 1918, schreibt Knapp, werden in der Geschichte immer als fluchbeladene Hochverräter dastehen. Kapp betont schließlich, daß er nur, um ein ihm von Pflicht Mtd Gd^sen atuferlegtes Gebot erfüllen zu tonnen, suy in den Machtbereich der derzeitigen deutschen Machthaber begebe, und dah er Ende April in Deutschland ein treffen werde.

Aus dem Reichs.

Bayerische Maßnahmen gegen die Teuerung.

München, 15. April, Es bestätigt stch, dah die Maßnahmen, die die 2tegierang gegen die Teuerung in Aussicht genommen hat. sich in erster Linie aus eine verbilligte Abgabe von Mehl an die Verbraucher beziehen. Durch die vorsorgliche Politik des La rdwirtschaftsministe- kiums konnte eine Getreidereserve geschaffen wer­den, aus der die Regierung unter dem heiligen Preis abzugeben in der Lage ist. Es stehen zu diesem Zweck 1800 Waggon Brotmehl und 117 Waggon Kochmehl »ar Verfügung. Die verbilligte Abgabe von Kartoffeln ist in der Weise geplant, dah durch Verwendung der vom Land­tag bewilligten 26 Millionen Mark die Fracht­kosten verbllligt werden und au herbem noch der Zentner Kartoffeln um 80 Mark. Hinsichtlich Milch und Milcherzeugnt'sse dofft man, dah die Reichsrogie>.nng sich bereitftn.en lassen wird, die Beschränkung der Ausführung ais Bayern, die eigenllich am 1. Mai crufhören sollte, auszudehnen.

Der Dienst in den Deichsbetriebea am 1. Mai.

Berlin. 15. April. (WTD.) Das Reichs- fabrnett stimmte für die Reichsvoft- und Eisenbahmverwaltung felgender Rege­lung des Dienstes am 1. Mai zu: Be­amte, Angestellte und Arbeiter, welche wegen der Teilnahme an der Feier des 1. Mai den Dienst oder der Arbeit fern bleiben wollen, haben rechtzeitig bei dem Dienftvorgesetzten um Befreiung vom Dienste nachzusuchen. Solchen An- . trögen ist grundsätzlich überall insofern zu ent­sprechen, als dadurch die notwendige Fortfüh­rung des Dienstbetriebes nicht in Frage gestellt wird. Bei der Entscheidung über derartige Gesuche soll nicht engherzig verfahren werden. Die so beantragte und bewilligte Freiheit ist bei Be­amten und Angestellten auf den Erholungs­urlaub anzurechnen, das gleiche kann auch auf Wunsch bei den Arbeitern geschehen. Wird von den Arbeitern jedoch nicht ausdrücklich um Anrechnung auf den Erholungsurlaub nachge­sucht. so wird nach den Bestimmungen der Lohn­tarife für die Dauer der Arbeitsversäumnis Lohn ' nicht gewährt. Für die Bezirke, in denen der 1. Mai landesgesehlich als Feiertag erfrört ist. werden besondere Anordnungen getroffen. Für «die übrigen Reichsverwaltungen sollen ent­sprechende Grundsätze gelten.

Tagung des Deutschen Werkmeisterbundes.

Erfurt, 17. April. (WTD.) Der 25. Ab- 'georbnetentag des Deutschen Werkmeister- bundes nahm die vom Ausschuh für Sozial­politik vorgelegten Abänderungsanträge des So­zialprogramms an. Die Verbandssatzungen sollen einer Neuregelung auf Grund der Beschlüsse zu den vorliegenden Anträgen unterzogen werden. Das Mitglied des Reichskvhlenrat^, Busch­mann. wurde zum zweiten gleichberechtigten Vor­sitzenden gewählt. Die sozialpolitische Abteilung soll nach Berlin verlegt werden. Die bisherigen älnterstützungssätze wurden mehr als verdoppelt. Der Verbandsbeitrag wurde auf 30 Mark monat­lich festgesetzt. Die Debatte ließ den WUlen er­kennen, weiterhin die gewerkschafllichen Ziele des Verbandes zu verfolgen. Als Tagungsort für bei, nächsten Abgeordnetentag wurde Rottenburg ob der Tauber bestimmt.

Die Krise im amerikanischen Kohlenbergbau.

Von Virgll Jordan.

(F. P. S.) Dev allgemeine Bergarbeiter­streik, den dec amerikanische Bergarbsiterver- band. die llnited Mine Workers of America, dem bei- größere Teil der Arbeiter un Weich- wie im Harttohlenbergbau angehört, proklamiert und am 1. April begonnen hat, ist ber erste Streik, der von den Anthrazit- und den Weichkohle­bergarbeitern gemeinsam unteronmmen wird; vom Streik werben unmittelbar gegen 600 000 Bergarbeiter betroffen.

Ob ber Zeitpunkt des Streikbeginns von den Arbeitern klug gewählt worden ist, mag dahin­gestellt bleiben; fällt er doch mit dem Beginn ber Jahreszeit, in der der Bedarf an H ausbrand-- kohle eryeblich geringer wird; andererseits wird allgemein befürchtet, dah bet Streik auf die seit Jahresbeginn zu konstatiere-tde allgemeine Wie- deroelebung der Tätigkeit in ber amerikanischen Industrie eine verhängnisvolle Rückwirkung ausüben wird. Der Kohlenhandel und die Zechen-» besitzer behaupten demgegenüber, daß im Lause des Winters infolge der geringen Beschäftigung der Industrie und ber relativ milden Witts» rungsverhältnisse eine erhebliche Kohlenreserve angehäuft worden ist (vom 11. S. Gevlogical Survey auf 65 Millionen Tons geschätzt), bah bie Förderung ber nicht unionisierten Distrikte (d. h solcher, Deren Arbeiter nicht Gewerkschaften angehören), den halben Bedarf bes Landes sichern werde und bah die Eisenbahnen infolge bes Derkehrsrück^angs seit längerem schon Kohlen in Waggons bei den Schächten lagern haben, so bah im allgemeinen eine ernstliche Bedrohung ber Brennst ossVersorgung der Bereinigten Staa­ten nicht befürchtet zu werden braucht.

Die gröheren Entscheidungen, um die es dies­mal geht, betreffen die längst schon zur Lösung drängenden Fragen des wirtschaftlichen Status des Bergarbeiters und der Beziehungen zwi­schen seiner. Organisation und den Zechenbesitzera wie auch zwischen diesen beiden Parteien und Oer Regierung.

Diese Fragen sind durchaus nicht neu auf- getaucht. Sie waren bereits 1919 und 1920 akut gewesen und damals war bereits bie Regierung gezwungen gewesen, Sonderkommisfionen zu er­nennen. um bie Streitigkeiten zwischen den Ar­beiterorganisationen und ben Zeche.ibesitzern zu schlichten. Damals beschritten die staatlichen Be­hörden zum erstenmal den Weg gerichtlichen Ur­teils, um zu versuchen, den Streik zu brechen, welche Maßnahme aber nur dazu führte, Die Beziehungen zwischen den beiden streitenden Par­teien noch mehr zu verbittern und einen Protest ber gesamten Arbeiterbewegung des Landes aus­zulösen.

Als Resultat ber damals von Regierungsseite gemachten Bemühungen wurden zwischen den An­thrazit- wie den Weichkohle-Zecheübesitzern einer­seits und ben United Mine Workers Tarifverträge abgeschlossen, die am 31. März abgelaufen sind. Diese Abmachungen enthielten die ausdrückliche Verpflichtung für die Zechenbesitzer, vor Ablauf des alten Abkommens mit dem Verband wegen eines neuen zu verhandeln. Die Anthrazitberg- werksbesiher haben sich an diese Abmachung ge­halten und mit ihren Arbeitnehmern verhandÄt, wenn auch beide Parteien nicht zu einem Heber» einkommen gelangt sind, während die Besitzer ber bituminösen Zechen es abgelehnt Haden, mit Ver­tretern bes Dergarbeiterderbandes über Tarife mit Gültigkeit über das ganze Land zu verhan­deln. sich hingegen bereit erklärten, über lokale oder Distriktsabmachungen zu verhandeln. Es muh festgestellt werden, dah diese Weigerung den Hauptanlah zur Ausrufung des Streiks gege­ben hat.

Der Weichko hlenberabau behauptet, dah Ab­machungen mit Gültigkeit über das ganze Land ihn weiterhin nicht mehr möglich gewesen seien wegen der grundverschiedenen Produktions­verhältnisse in den verschiedenen DergbaudistrMen und wegen der unsicheren Lage ber amerikanischen Industrie im allgemeinen, welche Schwankungen in ben Kohlenpreisen unvermeidlich mit sich brin­gen müsse. Weite Distrikte, in denen bituminöse Kohle gefördert wirb, vor allem in den Ost­staaten. sind noch nichtunumiftert und die Ar­beitgeber in den unionifierten Distrikten behaup­ten mm, dah sie auherstande seien, mit den nicht unionisierten Zechen zu konkurrieren. Die Bergarbeiter ihrerseits erklären diese Weigerung, über allgemein gültige Lohnabkommen zu verhan­deln, für einen direkten Schlag gegen bie Stel­lung des Verbandes, der verhindert werden soll, für seine Mitglieder kollektiv zu verhandeln, und behaupten, dah das Ziel ber Arbeiterbewegung sei. durch eine Schwächung der Position ber Ge­werkschaft in den totalen Verhandlungen die Löhne herabzudrücken. Trotzdem nun die derzeitigen Löhne im Weichkohlenbergbau kaum ausreichen, um die Mittel für den Lebensunterhalt zu decken, fordert die Gewerkschaft nicht Lohnerhöhung, son­der n einen Sechsstundentag und eine Fünftage-

Die Pforte bes Paradieses.

Roman von Ingebvrg Dollquartz.

Berechtigte Uebcrfcfcung au3 dem Dänischen.

35. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Dreizehntes Kapitel.

Den 6. Oktober 19... Liebe Mutter!

Dank für Deinen Bries. Ich habe mich sehr darüber gefreut, wenn das, was Du über Vater geschrieben hast, auch traurig ist. Warum ist es denn so gefährlich, datz die Leber angegriffen ist? Aber das kommt wohl daher, datz Vater schon vorher feßr_ geschwächt ift Glaubst Du nicht, datz du zu ängstlich bist, liebe Mutter, denn ich meine wirllich, es sei Vater recht gut gegangen, als ich am Sonntag vor drei Wochen bei Euch war. Ich kann kaum glauben, datz das erst drei Wochen her ist; es kommt mir sehr viel länger vor

Min mutzt du ober nicht meinen, datz ich gar zu sehr Heimweh habe, liebe Mutter, aber datz ich häufig an Euch denke, kann ich nicht leugnen. Das kommt auch daher, weil ich hier noch nicht viele Menschen kenne. Aber die Abende vergehen doch ganz gut Wenn der Laden ge­schlossen ist, sitze ich im Kontor und lerne Buch­führung und sonst noch alles, was ich nicht ver­stehe. well ich doch in keiner kaufmännischen Lehre gewesen bin. Herr Thhstrup sagt übrigens, ich hätte sehr gute Anlagen, wie man sie selten finde Das schreibe ich nicht, um wichtig zu tun. sondern um Dir eine Freude zu machen, ü^be Mutter.

Herr Thhstrup ist immer sehr nett gegen mich und was ist er doch für ein nchtiger Mann und so rüstig für sein Alter! Aber hier ist auch

eine sehr gesunde Luft, und er lebt so regelmäßig wie ein älhrwerk. Es ist ihm viel Daran gelegen, daß ich bald in die ganze Geschäftsleitung ein» geweiht werde, aber er will nicht haben, datz die Knechte und die Lehrlinge merken, wie wenig ich noch von dem Ladengeschäft verstehe, deshalb erklärt er mir abends, soviel er kann, und tagt itziiner: .Wenn Du etwas nicht weitzt, so frage immer nur mich. ' Und er hat auch gesagt, datz ich lieber durch den ganzen Garten zu ihm Laufen, als einen von den Lehrlingen etwas fragen soll. Aber ich verstehe jetzt auch bald alles Rötige, und wenn im Äovember der neue Ladendiener kommt, habe ich auch mit dem Ladengeschäft nicht mehr so viel zu tun. Die Kontorarbeit fällt mir sehr leicht, und Du mußt nicht meinen, sie sei mir langweilig. Es ist eigentlich eine sehr an­ziehende Tätigkeit, und wenn ich sie richtig trei­ben könnte, weißt Du, sie mehr ausdehnen Dürfte auf neue Zweige und derartiges, so wäre es eine Lebensaufgabe, die sich wohl mit jeder andern messen könnte. Abends unterhält sich Herr Thh­strup gern mit mir und erzählt mir allerlei von Groß ater, Der?^ sehr geschäht und geachtet hat. Habe ich Dir schon erzählt, datz er ein großes Bild von ihm über seinen Schreibtisch im Kontor hängen hat? Er spricht auch von Vater und sagt, er sei ein bedeutender Mensch. Ich mag es gern, wenn er von Euch spricht, aber es macht mich auch wieder traurig, denn dann ibei.om.me ich, Heim­weh noch Euch, und wenn er auch ein sehr lieber alter Herr ist, so kann er mir Euch doch nicht er­setzen. Wenn ich daran denke, wie schön es noch vor einem Jahr gewesen ist, wo Orla, Ellen und ich noch alle zu Hause waren! ilnb nun sind wir so weit getrennt, und so vieles ist verändert. Aber

Woche und zwar als Mindest- und nicht etwa als Höchstbeschäftig-ungszell!

Die Anthrazitbergarbeiter haben in ihren Verhandlungen eine 20proze.itige Steigerung der Löhne ber Allordarbeiter und eine Erhöhung der Taglöhne um 1 Dollar gefordert. Die Ar­beitgeber dagegen halten eine Herabsetzung der Löhne für erforderlich, die seit 1914 stark ge­stiegen und gegenwärtig denen der Industrie- und der Eisenbahnarbeiter weit überlegen sind. In der Tat stehen auf Grund des gegenwärtigen Abkommens die Durchschnittswochenlohne ber Anthrazitoergarbeiter um rund 160 Prozent über dem ütanD von 1914 bei ziemlich gleichbleibender Beschä, tigung <ni<b in der Deprestionszeit. Dem­gegenüber betrug Die Steigerung der Wochenlöhne in der Industrie im Juli 1921 b3 Prozent und die für die Eisenlahner 102 Prozent im Ortober 1921. In beiden Fallen ist die Beschäftigung seit 1914 um 7 Stunden wöchentlich zurückgegangen; die Anthrazitvergarbei.er hingegen aroe.teten Im Ok­tober 1921 nur P/2 Stunden wöchentlich weniger als 1914.

Bei jeder Betrachtung der Lage im ameri­kanischen Kohlenbergbau muß der große Unter- schied zwischen den Verhältnissen im Anthrazit- und denen im Weichkohlenbergbau stets im Auge bes»alten werden. Die AnttzrazitDistrikte sind ver­hältnismäßig klein und im Besitz von einigen wenigen Eisenbabngesellschaften. Die Arbeitsbe­dingungen und Die Beschäftigung sind hier im allgemeinen weit besser als im Weichkohlenberg- bau. der über das ganze Land sich vertellt. was natürlich jede Regelung der Drehungen zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerschaft hier wesent­lich komplizierter gestaltet. Daß die Arbeiter der bituminösen Zechen im Höchstfall jährlich 200 Sage beschäftigt sind. läßt ihr Jahreseinkommen hinter dem der Anthrazitbergarbeller erheblich Zurückbleiben.

Die immer wiederkehrenden Krisen im ameri­kanischen Kohlenbergbau werfen ein scharfes Licht auf dessen choatische Verhältnisse. Am gegen­wärtigen Bedarf des Landes gemessen (wie sich jetzt neuerdings herausstellt, nachdem die eng­lische Kohle wieder auf dem Weltmarkt stark in die Erscheinung tritt) gibt es viel zu viele Zechen und auch zu viele Bergarbeiter, so daß der gesamte Kohlenbergbau durch eine große Ver­schwendung belastet erscheint. Jahr um Jahr wird die Frage dringlicher, ob nicht ein gewisses Ma,tz von staallicher Kontrolle im Interesse der Zechen und der Arbeiter wie auch bed Publikums gelegen ist. Diesbezügliche legislatorische Vor­schläge aber sind trotz aller Kommissionsberatun­gen immer wieder gescheitert und zwar zumeist an dem Widerstand der Amerikaner gegen jeden paternatismus", jegliche Form staatlichen Ein­greifens in das oft geradezu anarchisch anmutenbe Wirtschaftsleben des Landes.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 18. April 1922.

Frühling in Feld, Garten und Haus.

Rach den Schnepfen tarnen nun am Ostersamstag die Schwalben an, ebenso die Rot­schwänzchen. Trotz zeitweisem Rordwind herrscht eine sommerliche Wärme. Es war aber auch die höchste Zeit, daß Luft und Boden erwärmt wurden. Gegen das Vorfahr sind wir mit Dem Wachstum um einen Monat zurück. Hält Die Wärme an, ist das bald nachgeholt. Der Samen, Der Jetzt in die Erde gebracht wird, keimt und treibt Dann um so rascher. Auch mit Den Früh­kartoffeln ist noch nichts versäumt. Für Die Spät- kartosfeln gilt Das alle Sprichwort:Kartoffel im April, kommt wann fe will; Kartoffel im Mai, kommt glei! Die Pfirsiche stehen im reichen Flor, Die Dirnen entfalten an geschützten ©teilen Die ersten Blüten. An Die Spätfröste muß man aber immer Denken und Matten und Tücher zum Schuh für Die Rächt bereit hallen.

Auch in Der Kleintierzucht regt es sich. Die ersten Küken werDen schon vielfach Da sein. Wie Die Störche, so brüten auch Die Tauben. Die Ziegen, Die bei Den jetzigen hohen Milchpreisen für manchen Haus hall unentbehrlich geworden sind, werden auch meist schon Kitzlern haben. 14 Tage nach Der Geburt konnten sie Das Oster­lamm abgeben, nach 6 Wochen können sie ab ge­wöhnt werden, und Dann ist die ganze Milch für Den Haushall verfügbar. 7 Schoppen sind hierbei Die Regel, oder sollten es wenigstens fein, wenn rechtzeitig für Rachwuchs gesorgt wor­den ist. Bei Den hohen Fleischpreisen ist ein Ziegenböckchen als Braten nicht zu verachten. Die Juden wußten Das schon lange, währenD anders­wo noch Vorurteil bestand. Das Fell verschleu­dere man nicht, wie es bei Feldhasen aus iln» kenntnis oft geschah. Das Ziegenfellchen bringt wenigstens 6070 Mark. Auch gegen Die Ziegen­milch besteht teilweise em Vorurteil. Hält man Die Ziege sauber unD ist sie von guter Raße, z. D. Saaner, so ist Die Ziegenmilch sogar wohl- schmeckender wie Kuhmllch und Dabei, weil fetter,

nahrhafter. Auch Käse kann man aus ihr be­reiten.

Die Zahl Der Verehrer Der Stallhasen hat sehr zugenommen. Fleisch unD Fell lohnen hier Die Arbeit.

Etwas an Kleinvieh sollte Jedermann, Der irgendwie Raum Dafür hat, halten, schon um den Abfall Der Küche zu verwerten. Jetzt, wo das Pfund Spinat 8 Mark, Die beliebten Rüsserchen" sogar 30 Mark kosten, jede Kar- tvfselschale einen gewissen Wert hat, für Hühner Die Knochenwo man hat" geschroten werden können, sollte man nihtZ verkommen lassen. Freilich zu mehr wie einer Älemherforte wird es für einen kleinen Haushalt nicht reichen. Da müssen Die besonderen Verhältnisse entschei­den, zumal das fast in allen Fällen nötige Zu- futter an Körnern, Heu usw. erschreckend teier ist. Möge auch hier bald das Grünsutter Den Ersatz unnötig machen, oder wenigstens em« schränken! * " --

* Amtliche Personalnachrichten. Dem mit der Vertretung Der Hessischen Regierung bei Der Zentralkommission für Die Rheinschissahrt beauftragten Geheimen Daurat Professor Dr.- Ing. e. h. Alexander Koch wurde am 11. April 1922 Die Amtsbezeichnung Staatsrat verliehen. Ernannt wurden am 6. Aprll die Polizeiwacht­meister auf Probe Rikolaus Adler, Franz Dewald, Johann Valentin Hofmann,, Johannes L a i st, Johannes Lang, Jakob Weidner, Franz Winkler, sämtlich a is Viernheim, Wilhelm Weis aus Schweisweiler (Pfalz) zu Polizeiwachtmeistern bei dem Polizei- nmt Viernheim mit Wirkung vom 1. April 1922 an.

** Der Ankauf von Gold für das Reich durch die Reichsbank und die Post erfolgt in der Woche vom 17.23. d. M. unverändert wie in der Vorwoche zum Preise von 1200 Mk. für ein Zwanzigmaickstück, 600 Mk. für ein Zehn­markstück. Für die äusländischm Goldmünzen werden entsprech nd Pr.i e gezahlt Der Ankauf von Reichssllbermünzen durch die Reichsbank und Post findet unverändert zum 21 fachen Betrage des Rennwertes statt.

* * Das Ende der Reisebrotmarken. Rach einer Mitteilung des Direktoriums der Reichsgetreide stelle werden die Destimmungen über die Einführung von Reichsreisebrotmarken und über die Drotversorgung im Reiseverkehr mit Wirkung vom 1. Mai 1922 aufgehoben. Es werden danach alle Reisebrotmarken mit Ablauf des 30. April 1922 ungültig. Rach diesem Zett­punkt Darf aus Reisebrotmarken Brot weder ab­gegeben noch entnommen werden. Inhabern von Reichsgetreidestclle werden die Bestimmungen bis zum 30. April 1922 zum Einkauf von Brot zu verwenden.

* Festgenommene Diebe. In Der Rächt zum zweiten Feiertag wurde etn hiesiger Bewohner Dabei betroffen, als er versuchte, in Der Bahnhofstraße ei en Hühnerdiebstahl aus- zuführen. In seiner Wohnung wurde alch noch ein gelbes Zwerg, uhn ausgesunden, das zweifel­los ebenfalls durch Diebstahl in seinen Besch gelangt ist. Der Eigentümer wird ersucht, sich dieserhalb mit Der hiesigen Kriminalpolizei in Verbindung zu setzen. Ferner wurde noch ein Fahrraddieb festgenommen, Der versuchte, ein aus­wärts gestohlenes Fahrrad abzusetzen.

* * Silberne Hochzeit feiern morgen Die Eheleute Heinrich Erb und Frau Helene geb. Rieolai, In Löbershof 9.

2-ornotizeu.

Lageskalender für Dienstag. Stadttheater, 6XA älhr:Die blaue Mazur". Astoria-Lichtspie^e:Das Geheimnis von San Franzisko" undWiedererwachen". Lichtspiel­haus, Bahnhofstraße:Die Verschwörung zu Genua" und ..Leos Eheroman".

D i e Theatergemeinde des Büh­nen Volksbundes hat am Samstag, 22. d. Mts., ihren zweiten Theaterabend. Die Karten­ausgabe erfolgt gegen Vorzeigen der Mitglieds­karte am Mittwoch, dem 19. ds. Mts. Infolge Der erheblichen Preissteigerung muß auf jede Karte eine Mark Zuschlag erhoben werden. Am Stadttheater nicht abgehvlle Karten können bis Doimerstag einschließlich Ludwigstraße 59 l abgeholt werden; ab Freitag wird anderweitig darüber verfügt. (Siehe Anzeige.)

Landtrci4 Gietzen.

xh. Hausen, 15. April. Einen überaus kecken, gleichzeitig aber recht plumpen Schwin­del leistete sich hier ein dreister Gauner. Er erschien vor ungefähr 14 Tagen in Der hiesigen Mühle und bezeichnete sich als Kriegskamerad des Müllers. Er gab an, Max Ebert zu heißen, als Feldwebel in russische Gefangenschaft geraten und erst vor einigen Wochen aus Sibirien zurück» gekommen zu fein. Er entstamme einer Dauern» familie aus dem an Polen abgetretenen Telle Westpreußens. Man habe ihn für tot gehalten und Der Schwester das 60 Morgen große Gut Der Eltern zugesprochen. Run feien ihm aber doch über 350 000 Wk. für jetzt und noch 100 000 Marl für später zuerkannt worden. Die Polen

ich'darf mich ja nicht beflogen, Denn ich kann doch wenigstens für Stunden nach Hause kommen. Ellen hat es nicht so leicht. Ich glaube übrigens, Daß es ihr Dort Drüben recht gut geht. Sie hat mir neulich geschrieben, man lerne die Iütländer nicht so leicht kennen wie Die Seeländer, aber wenn sie einmal Linen gern hätten. Dann seien sie ganz aus­gezeichnet. Ich glaube nicht, Daß ihr Das Unter» richten Der kleinen Kinder große Freude macht, ater sie fährt mit Dem großen Mädchen viel RaD, unD es ist ein junger Pfarrgehilfe Dort, für den sie ein wenig schwärmt, wie ich glaube, Denn ihre Briese sinD sehr hochtrabend und ermahnend, lieber Dem letzten stand ein ganzer Vers aus Dem Gesangbuch Weißt Du noch, wie Orla immer von seinem künftigen Pfarrhaus erzählle, wie Du Dort gute Tage haben solltest, und wie Vater auf Dem Kirchhof spazieren gehen unD Die Grabschrif­ten lesen sollte, und Ellen einen Gutsbesitzer bet­raten, Dei sich in Der Kirche in sie verguckt hatte? Jetzt kann es wohl so werDen, Daß Orla Ellen in ihrem Pfarrhaus besucht. Es geschieht ja immer das Gegenteil von Dem, was man sich aus- DenEL Liebe Mutter, ich habe Das nicht geschrie­ben, um mich zu beklagen; ich habe erst bemerkt, nachdem es geschrieben war, Daß es so aussehen könnte.

Von Orla habe ich gestern einen Brief be­kommen. Er ist sehr befriedigt, nur Den Verwalter kann er nicht leiden, und es ist Dumm, Daß das geraDe Der Mensch ist, mit Dem er am meisten zu tun hat: aber Orla ist ja auch nicht übermäßig ge­duldig, und etwas zu Hagen hat man überall.

Liebe Mutter, wenn ich nur letzt bet Euch sein könnteI In Dem großen Haus ist es Doch ein wenig einsam, und Die alte Köchin versteht

es gar nicht, uns Das Leben ein wenig behag­lich zu machen. Aber im Winter werbe es besser werden, meint Herr Thhstrup; da wollen wir abends Karten spielen, Das heißt, wenn ich keine Stunden habe. Denn ich will meine Sprachkennt- Nisse nicht einrosten lassen und habe Dreimal, in der Woche älnterrichb Liebe Mutter, warte einen Augenblick, eben kommt Die Post.

Liebe Mutter, soeben habe ich Deinen Brief erhalten. Ich bin sehr betrübt, zu hören. Daß es Vater schlechter geht. Ich habe sofort mit Herrn Thhstrup gesprochen und er meint, ich sollte sofort abreisen. Ich komme also morgen nachmit­tag und bleibe einige Tage. Ich bin sehr traurig, liefe Mutter, Denn Dein Dries klang sehr be­kümmert. Herzliche Grüße an Dich und Vater. Wenn cs ihm doch bald besser gehen wollte!

Dein Dich liebenDer Sohn

Mogens Dorris."

Frau Dorris legte diesen Brief aus Den Tisch und blieb still sitzen, während ihr Die Tränen über die Wangen liefen. Sie mußte immer weinen, wenn sie einen Brief von Demkleinen Kauf­mann", wie Bkalwine sagte, erhielt.

Dann 'ächtete sie sich horchend auf unD sah nach Dem Bett hinüber, und Dann fingen ihre Tränen von neuem an zu fießen.

V)ie sah ihr Mann mit Dem gelben, schlaffen Gesicht Doch so krank aus!

Inger!" rief Der Hauptmann mit schwacher Stimme, unD Frau Borris eilte an sein Bett. Sie setzte sich auf Den nieDeren Sestel, Der Da­neben stand, und ergriff die HanD' ihres Mannes.

Da bin ich," sagte sie fanft.

..Was hast Du getan? fragte Der Kranke und hielt ihre Hand fest. (Fortsetzung folgt.)