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Erster Blatt
172. Jahrgang
Samstag, 18. Zebrnor 1922
GiehenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
vnttk unö Verlag: vrühl'sche Univ.-Vllch- und Stelndruckerei R. Lange. $d)riftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchuistraße r.
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Wochenrückblick.
Der Reichskanzler Dr. Wirth und sein Kabinett führen nach der Abstimmung am Mittwoch die Geschäfte einstweilen weiter. Wir wissen nicht, ob sie das Ergebnis der „offenen Feldschlacht" als einen Sieg öder einen Erfolg betrachten. An der demokratischen Fassade wurde aus gewissen Fenstern zwar ein eil- feniges Viktoria geschossen, und die Kugeln prasselten noch ins verhaßte feindliche Lager. Wer im Feldherrnzelt selbst herrscht wohl eine etwas andere Stimmung. Zu einer „offenen Feldschlacht" ist eS eigentlich gar nicht gekvm- men. Die feindliche Streitmacht in ihrer Gesamtheit hat sich Herrn Wirth nicht gestellt. 26 Unabhängige und 16 Abgeordnete der Bayerischen Dolkspartei sind sozusagen nicht ins Gefecht getreten und sitzen in drohender Reservestellung. Herr Dr. Wirth hat den Platz behauptet, aber Lote und Verwundete hat eS nicht gegeben.
Besieht man sich den Schaden, so kommen ja allerdings keine frohen und hoffnungsvollen Gefühle auf. Aber so unerfreulich war die Sange Situation seit langer Zeit. Herrn Wirths ampfeömut gegen große Teile des deutschen Volkes hat die Krisen beinahe mutwillig her- aufbeschwvren. Zur Ernennung RathenauS zum Minister des Auswärtigen sind noch allerlei Einzelheiten bekannt geworden, die auf des Reichskanzlers Charakter ein eigentümliches Licht werfen. Um das Verhalten der Deutschen Volkspartei, die, abgesehen von 4 Krankheitsfällen und der Stimme des Abg. Dr. Heintze, geschlossen gegen Wirth stimmte, ganz verstehen zu können, muh man wissen, was in der „Ratl. Korresp." Der- öffenllicht wurde und bisher unwidersprochen blieb:
„Der Herr Reichskanzler hat den Vertretern der Deutschen Volkspartei an dem entscheidenden Rachmittage erklärt, Herr Dr. Walter Rathe- nau bestände auf seiner sofortigen Ernennung, die bis zum andern Tage mittags 12 llhr vollzogen sein müsse, wenn man überhaupt auf ihn rechnen wolle; er — der Reichskanzler — sei also in eine Zwangslage verseht und müsse die Ernennung sofort vollziehen. Zu derselben Stunde, da die Erklärung abgegeben wurde, hat Herr Dr. »Rathenau einem vertrauten Freunde und Amtsgenossen in der Industrie mitgeteilt, er habe große Bedenken gegen die Aussicht, Minister des Auswärtigen zu werden, und müsse es sich noch reichlich überlegen, ob er imstande sein werde, das Amt anzunehmen. Eine halbe Stunde darauf erhielt er zu seinem grenzenlosen Erstaunen die vollzogene Ernennung mit der Mitteilung, daß sie bereits der Oefsentlichkeit bekanntgegeben sei und Bedenken nicht mehr geltend gemacht werden könnten. Herr Dr. Rathenau hat seiner eigenen Angabe nach den Reichskanzler vier Tage vor seiner Ernennung nicht gesehen und gesprochen. Ferner wuhte der Herr Reichskanzler, als er noch mit den Führern der Deutschen Volkspartei über die große Koalition verhandelte, daß die Mehrheilssozialisten nicht dazu bereit waren. Aus Diesem ganzen Verhalten des Reichskanzlers geht mit vollster Deutlichkeit hervor, daß er selbst durch allerlei Winkelzüge sein Möglichstes getan hat, die Vertreter der Deutschen Volkspartei direkt vor den Kopf zu stoßen und das Zustandekommen der Koalition zu verhindern. Wenn er offen bekannt hatte, dah er ein Gegner der großen Koalition sei, hätte man ihn als politischen Gegner achten und bekämpfen können."
Eine so gespannte Atmosphäre mußte zur Entladung kommen. Angenommen, das Kabinett Wirth wäre gestürzt worden, so wäre die Mißstimmung der Parteien gegeneinander zwar fast unheilbar gewesen. Dem Zustandekommen eines neuen Kabinetts hätten sich die mannigfachsten Schwierigkeiten entgegengestemmt. Allein schließlich fallen ja die Dwge und nicht die Personen entscheidend ins Gewicht. Das MißtrauertSvotum der Deutschen Vollsvartei richtete sich gegen die Per - son des Kanzlers: in der einzuschlagenden Politik stellte sie keine unerfüllbaren Forderungen. Ein Zentrumsparteimann mit etwas versöhnlicheren Qualitäten als Dr. Wirth hätte vielleicht ein neues Einvernehmen, eine breitere Basis der Regierung, herzustellen vermocht. Es brauchte durchaus keine Sensation für das Ausland daraus zu entstehen, und der ZentrumSabgevrdnete Dr. Marx, der vor der Abstimmung für den Fall des Kanzler- sturzeS Zwangsmaßnahmen der Entente an die Wand malte, hat sich unverantwortlich an den Zitteressen und Rechten seines Dolles vergriffen. Die in der Annäherung begriffene „große Koalition“, die doch wohl a u ch an den Linien der bisherigen Gesamtpvlitik manches ändern würde, sollte vielleicht ebenfalls sich feige verflüchtigen, weil die Entente manche ihr sieb gewordenen Züge im Antlltz des offiziellen Deutschland vermissen konnte? Ein „Verdienst" des jetzigen Reichskanzlers ist unbesttitten: er hat der Erwetterung des Kabinetts nie laut widersprochen, er hat sogar über die große Koalition wirklich verhandelt, allerdings nicht sehr hingebungsvoll. Alle sind mit dem Gedanken vertraut. Wenn er nun ver
wirklicht werden sollte — würde es ein Mn- glück oder eine besondere Wendung verheißen, wenn Herr Dr. Wirch nicht mehr an der Spitze erschiene? Man sollte sich unter dem „Vertrauen des Auslandes" für die | Wirthsche Kanzlerschaft nicht ein gar so großes Kapital vorstellen! ES ist, wie so viel anderer Besitz, durch die Mngunst der Zeit stark ent- wertet worden. Ein deutscher Reichskanzler, der draußen Ansehen einflößen soll, muß vor allem im eigenen Volke einen ausreichenden Schatz von Derttauen aufweisen können . . .
Mnmittelbar vor der Entscheidung des Reichstags waren im Beisein des Reichskanzlers noch merkwürdige Verhandlungen geführt worden, die viel Nachdenkliches an sich haben. Zentrum und Demokraten vertraten, wie in der „Köln. Zig.“ zu lesen ist, Herrn Dr. Wirth gegenüber „mit großer Wucht" den Vorschlag, Über die Scherereien der letzten Tage hinweg die grohe Koalition aufzurichten. Die Deutsche Dolkspartei wurde eingela- den, zu einer Besprechung Vertreter zu entsenden. Das lieh sich tote ein wenig würdiger Kuhhandel an, aus dem denn auch nichts geworden ist, weil die Sozialdemokraten keine unbedingte Aotwendigkeit empfanden, an der Seite des innerlich widerstrebenden und noch amtsfreudigen Reichskanzlers so etwas mitzumachen. Immerhin haben nach der „Köln. Ztg." die Führer der sozialdemokrattschen Fraktion bei diesen Besprechungen erklärt, dah sie zur großen Koalition bereit seien, daß aber die Mehrheit der Fraktion ihnen noch nicht folge. Auf der anderen Seite heißt es, die überraschten Vertteter der Deutschen Volkspartei hätten auf dem Rücktritt Dr. Wirths betäuben und weitere Entschließungen erst an den offen dargelegten Standpunkt der Sozialdemokraten anknüpfen wollen.
Auch diese Vorgänge erweisen es, daß die jetzige Koalition nicht etwa mit Siegerfreude in den parlamentarischen Entscheidungskampf gezogen ist. Mnd heute noch sticht das Verhalten der maßgebenden Kreise dieser Parteien recht lebhaft ab gegen die gehässigen Hetzereien des „Berliner Tageblattes" und der „Frankfurter Zeitung", die eS darauf anlegen, jedes Zusammenarbeiten in einer Volksgemeinschaft zu vereiteln. Schon vorher waren beide Organe in heftigen Artikeln über StinneS hergefallen, in dem sie zweifellos einen unbequemen Konkurrenten RathenauS erblicken. SttnneS, der Privatmann, ist öffentlich überhaupt nicht hervorgstteten. Meber feine Londoner Reife, deren Ziele und Ergebnisse, hat er gleich nach seiner Rückkehr den führenden Männern des Kabinetts eingehenden Bericht erstattet. Die „Franks. Ztg." will feststellen können, StinneS habe den Vorschlag gemacht, die deutschen Eisenbahnen in Privatbesitz zu bringen und sie sodann der Entente gegen eine Anleihe zu verpfänden. Sttnnes bestritt diese Angaben und lehnte eS ab, mit seinen Plänen oder Vorschlägen an die Oefsentlichkeit zu treten. Wir haben keinen Anlaß, uns für ihn oder seine uns unbekannten Ideen ins Zeug zu legen; vielleicht befindet er sich damit in der Tat auf einem falschen Wege. Wer Ton und Art der Angriffe in der „Frankfurter Zeitung" sind geradezu re- volverblattmäßig, umsomehr, da sie auf unsicheren und, wie das Blatt zugibt, durchaus lückenhaften Informattonen beruhen. ES ist ihr augenscheinlich darum zu tun, neue Zwietracht zu säen unb mit Sttnnes auch die Politik der Deutschen Volkspartei, der jener sich zuzählt, zu verdächtigen.
Die maßgebenden Instanzen der Demokratischen Partei gehen andere Wege. Sie erkennen die Aotwendigkeit einer Volksgemeinschaft und wollen sie nicht verbauen. Die „Franks. Ztg." selbst erklärt, unmittelbar nach der Abstimmung sei in Zentrums- und demokratischen Kreisen der Gedanke der großen Koalitton wieder hervvrgetteten. Das war ihr ärgerlich und unerwünscht, und darum schreibt sie heute einen neuen Artikel „Die koalittonSlüsteme Deutsche Dolkspartei", worin sie zum Schluß unter Hinweis auf die Entwicklung bei den M n - abhängigen „andere Möglichkeiten für die Stabilisierung des Regierungskurses" empfiehlt. Gestern noch hatte das Blatt die „Aatl. Korresp." zitiert, in der die Erklärung stand für überflüssige und aussichtslose Derhand- lungen sei die Deutsche Dolkspartei nicht zu haben; sie sei vorläufig Oppositionspartei und weiter nichts. Wer die demokratischen Außenseiter geraten bei ihren temperamentvollen Sprüngen auch in einen Gegensatz zur Sozialdemokratie ! Herr Scheidemann beteiligt sich keineswegs am Diktoriaschießen. Er legt im „Vorwärts" dar, die Lage sei noch genau so verworren wie vorher. Er schätzt auch die Möglichkeiten bei den Unabhängigen weit geringer ein als die „Frankfurter Zeitung", denn er schreibt, „die Deutsche Dollspartei spiele auf der Rechten die gleiche Dolle wie
die U.S.P. auf der Linken und auf keine dieser beiden Frakttonen sei Derlah". An den Schluß seiner Bettachtungen stellt Scheidemann den Satz: „Wie wett die Erweiterung der Koalition durch die Deutsche Dolkspartei in Bettacht kommen könnte, ist vorläufig nicht abzusehen, nachdem sie erst gegen das Kabinett ein Mißtrauensvotum beantragt hat." Der Reichstag steht vor den wichttgen Steuerberatungen, und da kann man nur wünschen, daß nicht der Haß, sondern die ruhige Vernunft im Interesse des DolkSganzen die Führung übernehmen wird.
Die Konferenz von Genua.
Paris, 18. Febr. (WTB) Der halbamtliche „Petit Parisien" schreibt, hinsichtlich der Konferenz von Genua habe gestern in London der Eindruck vvrgeherrscht, daß die Zusammenkunft der Sachverständigen grundsätzlich entschieden sei und in London stattfinde. Die Staaten der Kleinen Entente würden nur durch ihre diplomatischen Vertreter, nicht aber durch Sachverständige an den Beratungen teilnehmen.
Paris, 18. Febr. (WTB.) Havas veröffentlicht eine halbamtliche Erklärung, in der es heißt: Die diplomatischen Kreise in Paris hätten einige Ueberraschung gezeigt über die Aachrichten aus London, die britische Regierung hatte auf den französischen Dor ch'ag die Vettreter der Hel» n en Entente zur Beteiligung an den Vorarbeiten für die Konferenz von Genua einzuladen, eine Antwort erteilt. Dis jetzt sei keine Rote des Foreign Office in Paris eingetrvffen. Es sei richtig, daß die Verhandlungen zwischen den beiden Kanzleien fortgesetzt würden, ohne daß es, wie es scheine, zu einer endgültigen Präzisierung der Absichten des englischen Kabinetts über die Modalitäten, unter denen die Sachverständigenkonferenz erfolc.en solle, gekommen sei. Ebensowenig sei eine Einigung über die Garantien erfolgt, die der Ministerpräsident Poincarä in seinem Memorandum vom 6. Februar über die Konferenz von Genua verlangt habe.
Berlin, 17. Febr. (Priv.-Tel.) An knüpfend an die Meldung des Berliner Vertreters der »Associated Preß", daß wahrend der letzten Tage in Berlin zwischen Vertretern der deutschen Regierung und drei Vertretern der Qotojetrcgierjng (Krassin, Radek und S.wman akosf) Verhandlungen ftattgefunben, die nicht einem gemein- famen Vorgehen auf der ©enuaer Konferenz, sondern der künftigen Er- schliehu ng Rußlands galten, schreibt die .Deutsche Allgemeine Zeitung", daß de Verhandlungen zu beiderseitiger Zufriedenheit verlaufen sind. Beide Parteien stellten die Aussicht auf eine Verständigung fest.
Eine neue Ministerkonferenz in Paris.
Paris, 18. Febr. (WTB.) Der politische Redakteur der Havas-Agentur meldet: Lord Curzon hat dem Minister des Aeuhern P v i n» c a r e mitgeteilt, er habe den Wunsch, mit ihm in Paris jur Besprechung der Frage des Friedens im Orient zusammenzukommen, sobald die ministerielle Lage in Italien dem italienischen Minister des Aeuhern erlaube, an dieser Beratung teilzunehmen.
Die neue Zahlung von 31 Millionen Goldmark.
Paris, 18. Febr. (Havas.) Die Repara- tionslommi sion veröffentlicht folgendes Communi- que: Gemäß der in Cannes am 13. Januar getroffenen Entscheidung der Reparationskommission hat Deutschland in fremden Devisen an die vom Garantieausschuh bezeichneten Danken eine Reparationszahlung von 31 Millionen Goldmark geleistet.
Die Vertragspflicht Deutschlands, Handelsschiffe für die Entente zu bauen.
Bonbon, 17. Febr. (WTB.) 3n Erwiderung einer Anfrage erklärte im Anterhause D a l d v i n, Deutschland sei durch den Dersaillev Vertrag verpflichtet, während fünf Jahren für Rechnung der alliierten und assoziierten Regierungen Handelsschiffe im Gesamtraum von 200 000 Tonnen jährlich zu bauen Grohbritannien verzichtete seinerseits formell auf jeden Anspruch und auf irgendeinen Anteil aus dieser Tonnage.
Die italienische Kabinettskrisis.
Rom, 18. Febr. (HavaS.) Das Ministerium Bonomi ist in der Kammer mit 295 gegen 107 Stimmen in der Minderheit geblieben.
Die Zwischenfälle in Oberschlesien vor der französischen Kammer.
Paris 17. Febr. (WB.) In der heutigen Kammer s'itzung steht an erster Stelle Je Interpellation des Abg. Boa teil le über de Zwischenfälle von Petersdorf und Gleiwitz auf der Tagesordnung.
Ministerpräsident Poincare beantwortet die Interpellation und erllärt, das. was in Petersdorf vorgefallen sei, sei nur eine der Episoden der zahlreichen Attentate, die gegen die französischen Truppen in Oberschlesien gerichtet seien. Er verliest eine lange Liste der Attentate, die gegen die Truppen in Oberschlesien begangen worden sein sollen. Er spricht auch von den zahlreichen Wafiendepots, die man ent
deckt habe, und die den Beweis lieferten, tote prekär der Friede in Oberschlesien sei. Die deutschen Banden befreiten die Gefangenen. So habe man auch den Mörder des Äummanbantcn Mon- talegre aus dem Gefängnis herausgeholt. Der Ministerpräsident schildert alsdann die Vorgänge in Petersdorf im einzelnen und erllärt, er habe von General Lerond verlangt, dah die Koinmis- sion die erforderlichen Feststellungen mache und dah sich raschest in Anwendung deS Friedensvertrages die Botschafterkonferenz mit der Angelegenheit befasse. Gr habe auch D o r st e (l u n- ge n durch den französischen Botschafter beim Reichskanzler erheben lassen, und wenn bewiesen werde, dah der Angriff in Petersdorf erfolgte unter Mitwirkung von Elementen, die von Deutschland gekommen seien, oder sogar mit Waffen,die aus Deutschland gekommen seien,sei die Verantwortlichkeit der deutschen Regierung nachgewiesen. Indemnitäten und Sanktionen würden von der französischen Regierung gefordert werden. Der Ministerpräsident gibt sodann Kenntnis von den ErgebnAfen der Haussuchungen und Derhaf- tungen, die in Petersdorf und Umgebung unternommen wurden. Er zweifle nicht daran, dah die Botschafterkonferenz, wenn Mitschuldige aus dem Deutschen Reiche festgestellt worden seien, strenge Sanktionen erlassen werden. Ti.- französische Regierung habe beschlossen, energische und strenge Maßnahmen zu verlangen. Man müsse in Betracht ziehen, dah Petersdorf und Gleiwiy zu dem Gebiet gehörten, das an Deutschland zurückgehe. das aber augenblicklich unter der ausschlieh- lichen Autorität der interalliierten Kommission stehe. Die deutsche Regierung habe eine Enquete versprochen, deren Ergebnis, wie zu erwarten war, negativ ausgefallen sei. Aber die interalliierte Kommission setze ihre etoene Untersuchung fort
Ein französisch-russisches Ueberctnfomincii ?
London. 18. Febr. (WTB.) Der Berliner Berichterstatter des „Daily Telegraph" schreibt. Die Bolschewisten versuchten anscheinend auS Deutschland endgültige Verpflichtungen äu erpressen, indem sie es mit einem | r a n j ö l i Jco- russischen Übereinkommen bedrohten. Rach den erhaltenen Mitteilungen jedoch bestehe wenig Wahrscheinlichkeit, dah die deutsche Regierung sich durch diese Drohungen bewegen lassen werde, ihre Politik deS internationalen Zusammenwirkens in Ruhland aufzugeben; und es bestehe noch weniger Wahrscheinlichkeit, dah.Frankreich trgenb etwas unternehmen werde, was diese Drohungen rechtfertigen könnte.
Eine Staatsbürgerfteucr zur Linderung der Htingersnot. Moskau, 16. Febr. (Wolff.) Zur Hilfe tüt die Hungernden zum Stampf gegen die Sei- djen und zur Besser rng des Loses der vom Staate unterhaltenen Kinder wird für 1922 tn allen Teilen Sowjet rußlands eine allgmn-me Staatsbürgersteuer von allen ardeitsfäh gen Personen erhoben. Von der Steuer befreit werden lediglich die Angehörigen der Roten Armee und der Miliz, die sich im aktiven Dienst befinden, die Schüler her staatlichen Unterrichtsanstalten und die Fvauen. die mehr als ein Kknd intzr 14 Jahren zu erhalten haben. Der Betrag der Steuer wird in der Dorkriegsgoldwährung festgesetzt.
Deutsche Konsulate in Amerika.
Berlin, 17. Febr. (WTB.) Die neuen deu tschen Konsularbureaus in den Vereinigten Staaten von Amerika, die Generalkonsulate in Reühork, Chicago, San Francisco und die Konsulate in St. Louis und Rew-OrleanS, find im Laufe des Januar eröffnet worden.
Aus dem Reiche.
Einfuhr von AnSlandSmehl?
Berlin. 17. Febr. (Priv.-Tel) Laut Lsb.-Anz. verlangen die Zentralen der Däckereivcrbänd'.' u d Genossenschaften in einer Eingabe an das Reichs- ernährungsministeriuin und die Reichsgetreidestelle, daß die Einfuhr von Auslandsmehl vorübergehend freigegeben wird. Sie be- Sünden die Forderung damit, dah in Berlin das uslandsmehl bei einem Stand des Dollar zu 200 etwa 1250—1350 Mk. kostet, während deutsche Qualitätsmehle mit 1400 Mk. und darüber an- geboten werden.
ReichSkonferenz der DollSbildwngSnttnisiet.
Berlin, 18. Febr. Wie daS ,Derl. Tagebl.“ auS Weimar meldet, werden heute im SitzungS- faale des Thüringischen Landtages die Dolks- bildungsminister aller deutschen Länder zu einer Konferenz zusammentreten. Die Konferenz. an der auch die F i n a n z m i n i st e r der Länder tellnehmen werden, wird sich u. a. mit der Frage der Lehrerausbildung beschäftigen.
Die Maßregelungen der Eisenbahner.
B e r l i n, 18. Febr. (WTB ) Der Vorstand der Reichsgewerkschaft deutscher Eisen- bahnbeamten versendet folgen?e Mitteilung. Der erweiterte Vorstand der Reichsgewerkschaft beutfcfcrr Eisenbahnbecimten und Anwärter Hal in zweitägiger Sitzung zu der aus der Streikbewegung sich ergebenden Sachlage Stellung genommen, insbesondere sur Frage der Disziplinierungen. Aus allen Ländern und Direktionsbezirken tagen Berichte über die wachsende, tiefgehende Erregung infolge der Mafsenmahrege- (ungen vor. Alle Delegierten waren einmutig der Meinung, dah diese Mahnahmen Im Wider-' l sprach stehen zu den Versprechungen, die der ! Reichskanzler den Vertretern der Reichsgewett- | schass gegeben bat und die zu dem fofortigen Ab-


