ni) in den zermürben Don fahren der Nachkriegs- -,cii erschöpft unb verbraucht. Mehr denn je ist i* Psl icht des Reichs und der Länder sowie ihrer berufenen Führer und Staats- männer, für die Erhaltung der deutschen olitischen Tagespresse, als eines der vor- , ehmsten Mittü zur Wahrung unserer Einheit und Wiederaufrichtung unseres Volkes und ©:aa» les, etnzutteteu Die traurigen Folgen der Entwicklung der letzten Monate zeigen sich in bedrohlichster Form auf dem Gebiete der Versorgung der Zeitungen mit Druckpapier. Ein sofortiges Eingreifen der öffentlichen Hand ist erforderlich, um eine erträgliche P eisbemessung, ausreichende Erzeugung und Verteilung zu ge- Lxihrlei^ten Hierzu erscheint geeignet: 1. Sofortige und gänzliche Sperrung der Ausfuhr von Zellstoff, bis eine ausreichende Delieferung der Druck- pa^ier,aoru:en un onana zu ang^mepencn Prenen durchgeführt urrd gesichert ist. 2. Zeitige Sperrung Oer Ausfuhr sämtlicher Papierarten, mit Ausnahme der Luxuspapiere, bis das Zeitungs- und Buchdruckergewerbe im Zn land dauernd und genügend mit Papier versehen ist. 3. Maßnahmen, die geeignet sind, eine Umgebung der die geordnete Papierausfuhr regelnden Destimmungen zu verhindern. 4. Maßnahmen der Regierungen von Reich und Ländern zur Senkung der ständig steigenden Preise für Papierholz, soweit es für die Herstellung des Bedarfes der politischen Tageszeitungen an Druckpapier erforderlich ist. 5. Befreiung der für die Dcuctpaplerer.e 'gung in wichtigen Hers e lu gögebie.en unentbchr L,en und bereits im Hcsp^un^slaade hochbesteierten böhmischen Braunkohle von der deutschen Kohlen- fleuer. 6 Sorge für eine bessere beschleunig'e Wagengestellung für Zeitungsdruckpapier und d e zu seiner Herstellung erforderlichen Rohstoffe. 7. Versetzung des rna ch.ne: g'atten Du p picrs in Tarisllasse 53 des Ei enbah gutertarifs, toie es der Reichstag bereits zweimal in Entsch'ießun- gen gefordert hat. Unbedingt erforderlich ist außerdem: 8. Beseitigung der ungerechten, durch nichts zu rechtfertigenden Sonderbesteuerung der Hrnsätze der Zeitungsanzeigen im Hrn- satzstenergeseh und 9 Unterla sung jeher weiteren Delasrnng der deutschen P e se durch behördliche und gesetzgeberische Maßnahmen, insbesondere Erhöhung ter Pvstzeitungsgebühren. Die mehrfachen Beweise eines starken Verantwortungsgefühls und tiefer Einsicht in die Lage und Ge° fahren für die deutsche Volksgemeinschaft, die von namhaften Vertretern dec dcu schon Regicrungcn und Parlamentariern bisher gegeben wurden, berechtigten den Verein deutscher Zeitungsvwlcger und seine Kreisvereine zu der Hoffnung und bestimmten Erwartung, daß an Hand der vor- geschlagenen und ähnlichen Maßnahmen es gelingen muß, dem Riedergang und Verkümmerung der deutschen politischen Tag?°p e le, wie lich bereits in vielen Fällen ersch.crkend d u.lich gezeigt hat, doch noch in letzter Stunde Einhalt zu tun, Minister Bauer über die zwei Seelen
der Presse.
Berlin, 17. Ian. (WTB.) Der Verein Deutscher Zeilungsverleger (Herausgeber der deutschen Tageszeitungen) hatte zu einem geselligen Abend am 17. d. M. in den Räumen der Deutschen Gesellschaft in Berlin die Spitzen der Behörden und Parlamente eingeladen, die auch der Einladung zahlreich gefolgt waren. Reben dem Reichspräsidenten war auch eine Reihe von Mitgliedern des Reichskabinetts erschienen. Kommerzienrat Krumbhaar begrüßte die Gäste. Daraus ergriff das Wort Vizepräsident des ReichSministeriumS Bauer, indem er zunächst namens der Reichsregierung für die Einladung herzlichen Dank ausfprach und das spätere Erscheinen deS Reichskanzlers ankün- digte. Er betonte den notwendigen 'Zusammenhang und Zusammenhalt einer gut geleiteten und gut fundierten Presse mit der Staatsverwaltung in einem demokratischen Staatswesen. Bon diesem Gesichtspunkt aus betrachtet die Regierung die Notlage der Presse als chre eigene Notlage und als Notlage des gesamten Landes. Die Presse habe gewaltige erzieherische Aufgäben auf kulturellem und nationalem Gebiet. Die Presse habe zwei Seelen, eine ideelle und geistige und eine wirtschaftliche. Aller Idealismus leide aber Schiffbruch, wenn die bittere Not die idealen Aufgaben unmöglich mache. (Sehr richtig l) Heber die Linderung der Notlage der Presse schweben Verhandlungen, die hoffentlich zu einem günstigen Ergebnis kommen und die Existenz der Presse sichern würden. Die Nolage unstereS Dolles, die mit der Notlage der Presse Zusammenhänge, habe außenpolitische Ursachen. Die Presse könne die Regierung in außenpolitischen Kämpfen wesentlich unterstützen und somit zur nationalen Wiederherstellung beitragen. Wenn die Presse den Gedanken der nationalen Einheit und der nationalen Selbständigkeit dem Volke immer wieder ins Gedächtnis rufe, könnten wir zuversichtlich einer besseren Zukunft entgegensehen. (Lebhafter Beifall.)
HeUstSttenverein für Hessen.
Aach einer durch den Krieg und die nachfolgenden Ereignisse bedingten Prüfe hat der Heilstättenverein für Hessen nunmch wieder einen Geschäftsbericht heraus- gegeben. Der Bericht gibt Auskunft über die Vereinstätigkeit der Jahre 1915—1920; in kurzer jufanunengebrängter Form wird über die Arbeiten des Verein« auf dem Gebiete der Tuberkulosebekämpfung in Hessen berichtet. Der Verein besitzt zur Zeit dieEleonoren-Heilstätte bei Winter- kästen t Odw. für weibliche Lungenkranke die Lupus-Heilstätte in Gießen die Kinderheilstätte in Hirschhorn für lunge.ifranfe Knaben und die Kinderheilstätten in Lampertheim und Wald-Michelbach i. Odw., für lungenkranke Mädchen. Ferner unterhält der Verein in Heubach i. Odw. eine Badeeinrichtung und einen Kindergarten. Diese Einrichtungen sind für die Heu' acher Kinder geschaffen und haben den Zweck, sie vor der in Heubach besonders stark verbreiteten Tuberkulose zu schützen.
3n der Eleonoren-Heilstätte waren wählend der Berichtszeit 2838 Pfleglinge mit 194 599 Pfl-'attaaen untergebracht. Beachtenswert ist bas starke Anschwellen der Zahl dcr Pfleglinge unb Pflegetage im Jahre 1920. Von
Den entlassenen Pfleglingen hatten guten Erfolg 22,2 Proz., befriebigenben Erfolg 53,3 Proz., geringen Erfolg 13,9 Prozent, keinen Erfolg 11 Proz. Die Ausgaben der Eleonoren-Heilstätte betrugen 1915 133 73Z.65 Mk., im Jahre 1920 waren sie auf 718 856.85 Mk. gestiegen; die Ausgaben für die Heilstätte während der Dcrichtszeit stellen sich auf 1 785 294.37 Mk.
Die Lupus-Heil st ätte hatte während der Derichtszeit unter besonders schwierigen Verhältnissen zu arbeiten. Der Besuch der Heilstätte war 1915 stark zurückgegangen, von 1916 ab war die Heilstätte jedoch wieder voll belegt. Bei einer Bettenzahl von 50 hat die Jahreszahl der Pflegetage stets 18 000 überschritten; öfters mußten Betten eingeschoben werden und die um Aufnahme Nachsuchenden längere Zeit auf ihre Einberufung warten, Hm den Betrieb der Heilstätte aufrechtzuerhalten, mußten alljährlich größere Zuschüsse geleistet werden. Dies war nur möglich durch erhebliche Zuwendungen von fetten des Staates, des Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose und privaten Personen. Die Zahl der Pfleglinge der Lupus-Hellstätte von 1915—1920 ist 1403, die der Pflegetage 103 745. Die Ausgaben für 1915 stellen sich auf 80 225.91 Mk.; sie waren 1920 auf 378 759.91 Mk. gestiegen. Insgesamt betrugen die Ausgaben der Heilstätte während der Derichtszeit 926 959.54 Mk.
Eine außerordentlich segensreiche Tätigkell haben die K i n d e r h e i l st ä t t e n des Vereins entfaltet Die Nachfrage nach Plätzen war so stark, daß die Kranken oft allzulange auf die Einberufung zur Kur warten mutzten. Der Verein hat deshalb im Jahre 1917 zu den bereits vorhandenen beiden Heilstätten eine neue in Wald- Michclbach t Odw. eröffnet 3n den 3 Kinder- Heilstätten wurden während der Berichtszeit 1416 Kinder mit 104 514 Pflegetagen verpflegt; bei der Zahl der Pflegetage ist zu berücksichtigen, daß diese erst ab 1916 gezählt wurden. Die Kur in deki Kinderheilstätten dauert 13 Wochen. Der Kur- erfolg war durchweg gut nur sehr wenige Kinder wurden ohne Erfolg entlaßen.
Die Zahl der Mitglieder des Heilstättenvereins ist leider etwas zurückgegangen, Ende 1914 waren 1517, im Jahre 1920 nur 1210 Mitglieder zu verzeichnen. Gleichfalls zurückgegangen sind die Mitgliederbeiträge; sie betrugen 1915 12 052.60 Mark, im Jahre 1920 nur noch 11 513.65 Mk.
3n Anbetracht der steigenden Teuerung war dieser Rückgang für den Verein besonders fühlbar. Der Verein sah sich deshalb gezwungen, den Mindestjahresbeitrag, der seither 2 Mk. betrug, im Zähre 1920 auf 5 Mk. zu erhöhen. Seine segensreiche Tätigkeit konnte der Verein nur durchführen, indem ihm hohe Zuwendungen von privaten Personen und auch erhebliche Zuschüsse vom hessischen Staat zuteil wurden. Der Staatszuschuß betrug 1918 und 1919 je 20 000 Mk., im Jahr 1920 25 000 Mk. Durch diese Spenden war es dem Verein möglich, seine Hnterstützungstätigkeit weiter auszubauen und auch den ländlichen Fürsorgestellen Zuschüsse zu geben. Für allgemeine Fürsorgemahnahmen verausgabte der Verein in der DÄchtszeit insgesamt 173 655.41 Mk.. die gesamten Ausgaben des Vereins in den Berichtsjahren betrugen 3 000 033.27 Mk. Trotz der hohen Zuwendungen von Staat unb privaten Personen war es nicht möglich, diese Ausgaben aufzubringen. unb d-rhcllb mart' Verein Anleihen ii Höh: von 82 000 Mk aufnehmen, um die Ausgaben decken zu können.
Alles in allem zeugt der Bericht von einer intensiven Arbeit die auf dem Gebiete der Tuberkulosebekämpfung in Hessen geleistet worden ist Hm diese segensreiche Tätigkeit auch weiterhin zu gewährleisten, ist es unbedingt erforderlich, daß wieder mehr Mitglieder gewonnen unb dem Verein allseitig reichere Zuwendungen zuteil werden.
Aus Stabt unb Land.
Gießen, den 18. Jan. 1922.
Vom ^He-Aufgebot.
Man schreibt uns von zuständiger Seite: Die meis en Brautleute hege en den Fehler, daß sie an die Beschaffung der zum Aufgebot erforderlichen Hrkuaden zu spll Herangehen. D e Folge davon ist, bah der von ihnen meist vor- bcft türmte Ehesch ie u^gslermtn ver ch den werden muh, denn das S anbesamt darf bas 2L'f gebot erst anordne', nachdem alle E.'ordernis'e für die Ehefchlie u g — also alle Papiere — dorliegen. Wenn ins Au'gebot nur an einem Orte zu erfolgen hat, dann ist das Verfahren in der Regel in etwa 3 Wochen erledigt. Ist es aber an mehreren Orten bekanntzumachen, beispielsweise, well die Terlcbten ver chiedene Wohnsitze oder diese innerhalb der letz en 6 Monate gewechselt unb neben dem Wohn ih sonstwo noch einen gewöhnlichen Aufenthalt beben, bann muß zur Erledigung des Aufgebotsverfahrens mit einer Frist von 4—5 Wochen gerechnet werden. Es kann den Brautleuten deshalb nicht dringend genug geraten werden, die nötigen Papiere s.chr z- tt g zu beschaffen, und das Aufgebot mindestens 1 bis 2 Monate vor dem Eheschlie ungstermin Irim Standesamt zu beantragen. Das Aufgebot bteibt 6 Monate in Gültigkeit.
Die Befolgung dieses Rates wird den Verlobten wiederholte Gänge zum Standesamt und auch viel Verdruß ersparen. Das Aufgebot kann jeden Werktag (ausgenommen Samstags) vormittags von 8 bis 10 Hhr und nachmittags von 3 bis 4 Hhr beim Standesamt bestellt werden. Welche Papiere hierzu erforderlich sind, kann aus dem nachstehenden Verzeichnis ersehen werden. Es empfiehlt sich jedoch, in dem einzelnen Falle vorher eine mündliche Auskunft beim Standesamt einzuholen. Nötig sind folgende Papiere: 1. Im allgemeinen: die Geburtsurkunden der Verlobten (vom Standesamt des Geburtsorts); Nach- weis des jetzigen und früheren Wohnsitzes in den letzten sechs Monaten (durch polizeiliche Be- schrinigungen); Staatsangehorigle tsausweis;Ein- willigungserllärung vom Vater — Mutter — Vormund (nur bei Minderjährigen); Beamte: Erlaubnis der zuständigen Behörde; Militärpersonen: Erlaubnis der zuständigen Militärdienst- stelle; Ausländer: Derehelichungszeugnis des Heimatsstaates; Zustimmung des nicht erschienenen Verlobten (Vollmacht); Militärpapier (bis zum 25. Lebensjahr). 2. Bereits verheiratet Gewesene außerdem: Sterbeurkunde des früheren Ehegatten; Schsidungs-, Aichtigkeits- oder Todes- e'klä'ungsurteil (mit der Bescheinigung der Reck'skrasi versehen), Zeugnis des Vormund- schaftsgerichts (nur beim Vorhandensein von minderjährigen Kindern); Befreiung von den Ehehindernissen gemäß den 1312 unb 1313 des Bürgerlichen Gesetzbuches, trenn erforderlich.
*
। ** Amtliche Personalnachrich-
iten. Ernannt wurde am 7. Januar 1922 der Gefangenaufseher auf Probe Wilhelm Balser in Gießen zum Strafanstaltsoberwachtmeister an dem Landgerichtsgefängnis Gießen. — Am 12. Januar wurde der ehemalige elsaß-lothringische Gewerbelehrer K. Becker, zur Zeit in Gießen, zum überplanmäßigen Gewerbelehrer an der Gewerbeschule zu Gießen mit Wirkung vom 1. Januar 1922 an ernannt.
* * Freie Forst wart st eile. Erledigt ist die Forstwartei Feldkrücken in der Oberförsterei Hlrichstein. Bewerbungen sind bis Ende ds. Mts. bei der Ministenalabtei- lung für Forst- und Kameralverwaltung einzureichen.
* • 500 Mark Belohnung. Gestern gegen 7 Hhr morgens wurde aus einem Korridor eines Hauses im Seltersweg ein schokoladebrauner Pelzsportmantel mit Biberkragen und Futter aus Hamsterfellen, im Werte von 10 000 Mk. gestohlen. Für den Wiederbringer ist die vorstehend genannte Belohnung ausgesetzt worden. Sachdienliche Mitteilungen 'nimmt die hiesige Kriminalpolizei entgegen.
* * „Die große Lüg e“. Das war das Thema, über das am Montagabend Dr. Kas - parson auf Einladung der „Liga zum Schutze der deutschen Kultur" sprach Tie unmenschlichen Lasten, die man dem deutschen Volke auferlegt hat, gründen sich auf die Schuldfrage am Weltkriege. Auf Grund der 14 Punkte Wilsons entwaffnete sich Deutschland; da kam der erste Betrug, das Friedensdittat, Deutschland wurde genötigt zur Anerkennung der Allein- schuld. Die ganze Welt schwieg zu dieser Erpressung. Die Ankläger sind zugleich Richter und Gerichtsvollzieher. Ein ganzes Gespinst von Lüge hat man um das deutsche Volk gewoben. Hnb wir schweigen gegenüber diesen furchtbaren Anschuldigungen. An Hand von Aussprüchen hochstehender Diplomaten und aus deutschen, russischen, belgischen und serbischen Dokumenten, beweist der Webner, daß es unwahr ist, wenn behauptet wird, Deutschland habe vorsätzlich den Krieg gewollt und entfesselt. Die Gegner vielmehr schloffen einen Ring um Deutschland. Der belgische Diplomat Greindl schreibt: „Der Dreibund hat über 30 Jahre den Frieden gesichert, weil er unter der Führung Deutschlands steht, die neuen Mächte (Entente) aber werden eine Revision des Zustandes Europas herbeiführen." Auch die Bezeichnung, Deutschland allein sei gerüstet gewesen, ist eine Hnwahrheit. — Der Redner widerlegt weiterhin die Schlagwörter vom „deutschen Imperialismus" und „Militarismus". Der Militarismus war in Frankreich großer als bei uns, Frankreich hatte eine Friedensstärke von 792 000 Mann, Deutschland 788 C00 Mann; in Frankreich waren 2 Prozent, in Deutschland 1,1 Prozent unter den Waffen. Ein französischer General sagte: „Hätte Deutschland seine wehrfähigen Männer (Ersatz reserve) alle ausgebildet, bann hätte es keine Marne- schlacht gegeben." Lloyd George hat vor bem Kriege (1908) gesagt: „Deutschland liegt zwischen zwei Großmächten, seine Armee ist das für Deutschland, was für uns die Flotte ist." Auch von einem deutschen Imperialismus kann nicht gesprochen werden. Auf 1 Quadratmeter Deutschlands tarnen 5 Quadratmeter Kolonien, bei Frankreich stehen diese Zahlen 1: 16, bei England 1: 110. Hnb dabei hat Deutschland eine stark anwachsende Bevölkerung. Auch das Märchen von der Barbarei unb ben angeblichen Grausamkeiten der deutschen Soldaten stellt der Redner richtig. — Der Neutralitätsbruch gegenüber Belgien war für Deutschland eine Lebensnotwendigkeit; außerdem ergab sich bald, daß Belgien in Wirklichkeit nicht neutral war. Wir verlangten von 'Belgien nichts als freien Durchmarsch, den es schroff ablehnte. — Der Redner erläuterte schließlich, wie es möglich war, den jahrhundertelangen Haß zwischen England und Frankreich zu überbrücken. Neid unb Rachsucht gegen Deutschland brachten beide zusammen. Im Auslanbe sinb bereits viele Stimmen laut geworben, die Deutschlands Alleinschuld am Kriege ablehnen; aber das deutsche Volk schweigt. Sie warten darauf, daß wir reden. Wir müssen es laut in die Welt rufen, daß Deutschland nicht nur nicht die Alleinschuld am Kriege trifft, fon- baß es weniger Schuld daran trägt, als die Gegner. Llkchd George aber sagt: „Der Friedensvertrag ist aufgebaut auf der Alleinschuld Deutschlands; fällt diese, so stürzt das ganze Gebäude zusammen. — Mit lebhaftem, langanhaltendem Beifall dankten die aufmerksamen Zuhörer den sachlichen Ausführungen. Da sich zur Aussprache niemand zum Worte meldete, schloß der Vorsitzende Dr. Renner mit Dankesworten an den Redner die Derfammlung.
** Der Demokratische Beamten- a u s s ch u ß hatte, wie uns vom Vorstand der hiesigen Demokratischen Partei geschrieben wird, am Montag zu einer öffentlichen Versammlung im Hotel Großherzog mit einem Vortrag des Reichstagsabgeordneten S ch u 1 d t aus Berlin eingeladen, die besonders aus Deamtenkrelsen gut besucht war. Die Ausführungen des Redners umfaßten im Rahmen der heutigen allgemeinen Politik besonders die Ortsklassen- unb Teuerungsfrage, das Deamtenrätegeseh sowie die Pläne zur Entstaatlichung der Eisenbahnen. Der zur Verfügung stehende Raum verbietet eine ausführliche Darstellung des auf gründlichster Sachkenntnis beruhenden, in vornehmem Tone gehaltenen Referats. Der Redner, der als seitheriger Vorsitzender der Reichsgewerkschaft deutscher Eisenbahner und als demokratisches Mitglied des 23. Ausschusses des Reichstags im Mittelpunkt der Verhandlungen über Die Beamtenfragen steht, suchte die von ihm behandelten Fragen aus der ($n*e parteipolitischer Einstellung herauszuheben und sie als staatspolitische Angelegenheit des ganzen deutschen Volkes aufzuzeigen. Nach einer eingehenden Aussprache, die sich auf der Hohe des Vortrags hielt, wurde die Versammlung nach Mitternacht geschlossen.
Bornotnen.
— Tageskalender für Mittwoch: Stadttheater, 7 Hhr: „Turandot". — Astvria- Lichtspielr: „Goliath Armstrong" und „Sträflingsketten". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das große Radiumaeheimnis".
— Hermann-Löns-Abend. Räch' e, Sonntag veranstaltet der Dun) zur P le e d r Musik und Literatur zugunsten der Denk rnalspende der Hniversität einen Löns- adend, zu dem der bekannte Locis-Rezitator Dr., Castelle aus Breslau gewonnen werden ist..
;tn einer kurzen Einführung wird Castelle Die Entwicklung unb Bedeutu g des Dichters dar fielen, dann aber ihn selbst sprechen laisew Lieber ii.ib Balladen bi,den den Auftakt zu den D rträgen, beten Hauptstücke im ersten Teil die ergreifende Tcaumgechichte „Der Grasga ten" unb baS Schlutzkapiiel aus dem „Werwolf", der Sturm ber Schweden auf die Bauernbarg, sind. 3m zweiten Teil erzählt Castelle heitere T er- und Mensch engeschichtchen. Das obengenannte Sch ulk kapitel aus dem „Werw If“ spricht Ca, ecke nach einer unveroffe Nichten S izze, Li? er als Vermächtnis des Dichters, seines Freundes, veßtzt. (S.ehe heutige Anzeige.)
— Der Wartburgverein veranstaltet am Sonntag den 29. d. M., abends 71/» Hhr, in der Turnhalle am Oswaldsgarten zum Desten der Jugendfürsorge ein Wohltätmkeits- konzert, bei dem Werke von Schubert, Mozart, Mosgkowski und Chopin zum Vortrag kommen. Fräulein Aenne Hochhuth vom ÄDsJerbatortum Frankfurt a. M., der ein guter Rus als Sängerin vorausgeht, hat ihre Mitwirkung zugesagt unb wirb mit den Liedern „Ave-Maria" — Schubert, „Meine Liebe ist immer grün"—Brahms, „Drossel und Fink" — DAlbert und „Arie aus Carmen — Bizet zur Ausgestaltung des Abends beitragen.
Wettervoraussage
für Donnerstag:
Dunstig meist trocken, Nachtfrost, Tags etwas milber, wechselnde Winde.
Das Tief über ber Nordsee hat sich heute ausgefüllt. Von dem allantischen Ozean her erscheint ein neues Tief, das morgen nur unwesentliche Olenberungen in der Wetterlage Hervorrufen wird.
Landkreis Gießen.
gr. Röthges, 17. Jan. Am vergangenen Sonntag hielt nach fast dreijähriger Pause der hiesige Kriegerverein seine erste Der- sammlung wieder ab. Der langjährige Präsident des Vereins, Gg. B u t t e r o n I., legte aus GesundheitS- und Altersrücksichten sein Amt nieder. An seine Stelle wurde Schreiner- meister Heinrich Möll III. gewählt. Von einem Mitglied wurde der Antrag auf Auflösung des Vereins gestellt, der jedoch von den anderen anwesenden Mitgliedern abgelehnt wurde. —i Der im vergangenen Jahre gegründete Männergesangverein, der eine starke Mitgliederzahl aufweist, hält am nächsten Mittwochabend seine Generalversammlung ab. Gegenwärtig ist man damit beschäftigt, einige Theaterstücke einzuüben, umi Anfang Februar wieder einen allgemeinen Hnterhaltungsabend veranstalten zu können.
Kreis Alsfeld.
l. Eudorf, 17. Jan. Anläßlich seines jech- zigjährlgen Bestehens veranstaltete der hiesige Gesangverein im Pfeiferschen Saale eine wohl^elungene Feier mit Theateraufführungen Die fünf gespielten Stücke, darunter bas bekannt^: „Wer lieben will, muß leiden" stellten an die Darsteller hohe Anforderungen, die aber von ihnen iN gelungenster Weise gelöst wurden. Geleitet wurde der Abend von Lehrer G u n b r u m, ber trotz seines hohen Alters keine Arbeit und Mühe gescheut hatte, seiner Gemeinde, deren Angehörigen zum größten Telle schon bei ihm in die Schule gingen, einen seltenen Genuß zu schassen.
Kreis Büdingen.
)( Ortenberg, 17. Jan. Der Hnterhaltungsabend, den der Gesangverein Frohsinn, der in diesem Jahr sein 80. Jubiläum feiert, seinen Mitgliedern und Freunden bot, nahm einen wohlgelungenen Verlauf. Der Saal erwies sich für die zahlreichen Besucher viel zu klein. Die vorgetragenen Ehöre zeugten von einer vorzüglichen Schulung und kamen infolgedessen unter der sicheren Leitung des Dirigenten, Kapellmeisters Acke rmann, zum wirkungsvollen Vortrag. Die beiden Theaterstücke wurden flott gespielt, alle Darsteller boten ihr Bestes und fanden deshalb lautesten Beifall, auch die Bühne war sehr schön hergerichtet. Die einzelnen gesanglichen und theatralischen Darbietungen wurden durch musikalische Vorträge der Kapelle Ackermann, des Herrn Kautz und die schönen Einzelgesänge auswärtiger Gaste umrahmt. Der Vorsitzende, Rechner P f e i f- fe r, begrüßte und dankte; ein Tanz schloß sich an.
bs. Hnter-Widdersheim, 17. Ian. Vor einiger Zeit hat sich hier ein Gesangverein gebildet, dem sofort 28 Sanger beitraten. Als Dirigent wurde Lehrer Bramm gewonnen.
Kreis Schotten.
tz. VomhohenVogelsberg, 17. Ian. Schon am vorigen Freitag hatte sich prächtiges Winterwetter eingestellt, das sich am Samstag und Sonntag durch vermehrten Schneefall noch bedeutend verbesserte. Infolgedessen konnte man schon am Samstag zahlreiche Sportfreunde dem Hohe- rodskopf zueilen sehen. Am Sonntag, gegen Mittag, entwickelte sich dann bald ein reges Leben und Treiben auf der Skibahn, wie es seit Jahren hier nicht gesehen Iworden ist. Jung und alt tummelte sich bis zum späten Abeud auf der Ski- und Rodelbahn des Hoherods- kopfes. Die alten Skier fühlten sich wieder jung und suchten mit der Jugend zu wetteifern.
Kreis Friedberg.
'2$. Bad-Rau heim, 17. Ian. Der MonM Januar ist die Zeit ber Generalversamrn - langen ber zahlreichen hiesigen Vereine. Jetzt finben wöchentlich mehrere derartige Veranstaltung gen statt. Obwohl sich viele Vereine vorher t>cn ständigen, ist es doch nicht immer zu vermeiden, daß an einem Abend zwei oder gar mehrere Iah resversammlungen stattfinden. Die diesjährigen Hauptversammlungen zeigen säst durchweg, daß das Vereinsleben, das durch ben Krieg schwe> gelitten hatte, sich wieder in aufwärtssteigender Linie bewegt. In allen Vereinen mußten die Mit gllebsbeiiräge der Zeit entsprechend erhöht werden. Von den Versammlungen der letzten Tage erfreute sich vor allem die des Sportvereins eines sehr guten Besuchs. Die Mitgliederzahl ist auf 449 gestiegen, Spiele wurden im vergangenen Jahre 109 ausgetragen. Vorsitzender bleibt auch fürs nächste Jahr Kaufmann L. G e n z e l. Die Rechnung wartete mit Zahlen auf, die den Vor-


