Einzelbild herunterladen

Die Winternothttfe

Die vvn Tag gu Tag stärker anwachsende deutsche Wirtschaftsnvt zieht immer weitere Kreise in ihren Elendsbereich Unendlich grob and viel­gestaltig 'ind die Entbehrungen, unter denen immer mehr Familien zu leiden haben, aber das schwerste Schicksal lastet doch auf den Klern- imi> Sozialrentnern, den Kriegsinva­liden, Kriegerhinterbliebenen und verschämten Armen.

Diesen Brüdern und Schwestern trotz unser aller schwerer Rot Hilfe zu bringen, sie vor dem Zugrundegehen zu schützen, ist einfachste und selbst­verständlichste Menschenpflicht. Diese Hilfe im H e s s e n l a n d e auf die breiteste Grundlage zu stellen, hat sich Me Hessische Regierung, wenn auch etwas sehr spät, nun angelegen sein lassen Sie hat zu diesem Zwecke vor wenigen Tagen die Winternothilfe Hessen ins Leben ge° . irfcn, der von allen Seiten die tatkräftigste Unter- 'lühung zugesagt wurde.

In unserer Stadt soll diese Hilfsaktion _'yt in die Tat umgesetzt werden. Die Leitung -5 Unternehmens liegt m den Händen des Bei­ordneten Dr. Frey, des Dezernenten des -'dtischen Wohlfahrtsamtes, der auf gestern nach­mittag eine Sitzung von führerchen Damen und Herren aller Berufs- und Gesellschaftsklassen in das Stadthaus an der Südanlage einberufen hatte, um sich in diesen Damen und Herren eine tatfrohe Schar von H e l f e r n zu gewinnen. Sehr viele Berufsorganisationen, charitative und haus- wirtschaftliche Vereine, die Geistlichkeit aller Kon­fessionen, die Lehrberufe, Aerzteschaft usw. usw. waren vertreten.

Beigeordneter Dr. Frey gab zunächst einen Ueberblick über die Sachlage. Er wies besonders daraus hin, daß man in (Sieben schon vor dem Darms1Ä>ter Ausruf handelte, die Darmstädter Aktion komme also reichlich spät. Hier sei es vor allem die Handelswelt gewesen, die eine großzügige Hilfsaktion In die Wege geleitet habe. Den dankenswerten Bemühungen von Han­del, Industrie, Banken, Gewerbe und Handwerk sei es gelungen, in ganz kurzer Zeit etwa Ibis P/4 Million Mark, zum Teil in Waren, für die hilfsbedürftigen Gießener Mitbürger zur Verfügung zu stellen, und auch die Landwirtschaft habe nicht beiseite gestanden, denn sie habe Kar­toffeln unentgeltlich in die Stadt ge­schickt und weitere derartige Lieferungen zugesagt, . damit den Aermsten auch nach dieser Richtung hin Hilfe werden konnte. Vier Unterausschüsse hätten sich int Rahmen dieser Hilfsaktion an die Arbeit gemacht, um rasch zu helfen. Diese im Gange be­findliche und schon weit vorgeschrittene Aktion solle nicht gebremst werden, sie solle selbständig weitergehen. Das neue, allgemeine Hilfs werk solle sich organisch an das erste anschließen.

Der Redner ging nun näher auf die von Darmstadt gegebenen Richtlinien für das Hilfs­unternehmen ein. Im Sinne dieser Richtlinien, die in einer Sitzung unter der Leitung des Staats­präsidenten Ulrich angenommen wurden, bat Dr. Frey die Arbeiterschaft um die Lei­stung einer Wohlfahrts st un de, deren Geld­ertrag dem guten Werke zusließen solle. Der Gewerkschaftsvertreter sagte eine bal­dige Entscheidung der Gewerkschaften über diesen Vorschlag zu. Die Geistlichkett wurde von dem Beigeordneten gebeten, eine; Kollekte in

60 Prozent bewilligen. Die Angestellten haben sich mit diesen Zugeständnissen nicht einver­standen erklärt. Jetzt ist der SchlichtungSauS- schuh angerufen worden.

Vermischtes.

Aufgeklärte Millionendiebstahle.

Berlin, 16. Rov. Verschiedene QU 111 i o- nendiebstähle der letzten Tage sind von der Berliner Kriminalpolizei überraschend schnell auf- g e k l ä rt worden. So wurde bei einem Iuwelen- diebsiahl an einer griechischen Dame in einem Hotel am Potsdamer Platz als Täterin eine tn dem Hotel angestellte Direktrice verhaftet und des Diebstahls überführt. Die gestohlenen Schmuckgegenstände, so­wie eine Reihe weiterer Schmuckstücke, die wahr­scheinlich auch von Diebstählen herrühren, wurden bei der Verhafteten vorgefunden. In einer zwei­ten Diebstahlsangelegenheit wurde einem aus­ländischen Grobkaufmann in der Rachodstrabe von einem kurz vorher zugezogenen Kinderfräulein in Abwesenheit der Dienstherrschaft alle Wäsche, kost­bare Kleider, sowie bares Geld in Höhe von 17 Millionen Mark gestohlen. Die Diebin wurde ebenfalls von der Kriminalpolizei aufgespürl, die gesamte gestohlene Deute beschlagnahmt und dem Eigentümer zurückgegeben.

Raubüberfalle.

Mannheim, 16. Rov. (Wolff.) Zwei m a s- ktertejüngereMänner drangen vorgestern abend gegen 1 8 Uhr in die Dureauräumlichkeiten der K 0 h l e n h a n d e l s a e s e l t f chaf t A, Lan­den ein, hielten den noch anwesenden Dureau- angefteilten Revolver vor und zwangen den Kas­sierer zur Herausgabe der Schlüssel zum Kassen­schrank. Sie raubten aus dem Kassenschrank 700 000 Mark Dargeld und außerdem für 100 000 Mark Steuermarken. Von den Tätern fehlt bisher jede Spur. Auf die Ermittelung der Täter ist eine Belohnung von 50 000 Marl ausgesetzt.

Berlin, 16. Rov. (Wolff.) Der Bankbeamte König wurde in der vergangenen Rächt auf dem Wege nach feiner Wohnung im Westend »Grünewald) von drei Männern angehalten, die ihm eine Viertel Million Mark, die er bet sich- führte, zu entreißen versuchten. König zog eine Pistole und gab auf die Angreifer vier Schüsse ab, worauf diese die Flucht ergr.fr en und entkamen. Die Polizei nahm die Verfolgung auf, konnte aber die Täter nicht mehr ermitteln.

Hessen in Metzen.

den Kirchen zu Gunsten des LiebeswerkeS vor- Aunefcmen. Die Vertreter aller Konsessionen gaben bereitwilligst zusagende Erklärungen ab. Je­der Einwohner unserer Stadt, so erklärte Dr Frey weiter, der noch einigermaßen sein Aus­kommen habe, müsse jetzt die Pflicht zum Helsen fühlen, alle müßten sich anftrengen bei diesem Opfern. Die städtische Deamtenschast wolle nicht zurückstehen, sie werde alles tun, was in ihren Kräften stehe. Der gleiche frohe Opfersinn möge sich überall zeigen! Das in Gießenge - sammelte Geld werde in Dieben blei­ben, nichts werde nach auswärts gehen. Don dem eingehenden Gelde seien namentlich möglichst viel Waren für die Bedrängten anzukaufen, da­mit das Geld bei den heutigen Geldwertschwan­kungen nicht im Handumdrehen zerstiebe.. Zahl­reiche hiesige Geschäftsleute hätten sich be­reit erklärt, ihre Waren für dieses gute Wert zum Selb st kostenpreise oder sogar noch unter dem Einkaufspreise abzugeben.

Die Hilfe solle den Klein- und Sozialrentnern, den Kriegsinvaliden und Kriegerhinterbliebenen sowie den verschämten Armen zugute kommen. Wie grob die Rot namentlich unter den Klein­rentnern sei, könne man daran erkennen, dab Hunderte von Mitgliedern des Rentnerbundes nur ein Zinseinkommen von 24000 Mark hätten. Das seien wirklich erschütternde Zah­len. In diesen Kreisen herrsch; ein Elend, das grenzenlos fei, und dem mit den bescheidenen amt- lichrn Geldmitteln nicht gesteuert werden könne. Alle übrigen genannten Hilfsbedürftigen bedürf­ten natürlich in gleichem Maße der allgemeinen Fürsorge, denn auch deren Los sei überaus schwer und dunkel. Reich Land und Gemeinde könnten hier nicht alle Rot lindern, die breite Allge­meinheit müffe daran teilnehmen. Die Vereine aller Art bitte er, im Sinne der Richtlinien, unter ihren Mitgliedern z u sam­meln und den Ertrag dieser Maßnahmen an das Hilsswer? abzuliefecn. Das Geld, tas hoffent­lich aus allen Quellen recht reichlich fließen werde, solle dann bei den hiesigen Danken deponiert und nach Maßgabe der Beschlüsse eines ArbeitsaLs- schusses verwandt werden.

Im Anschluß an diese Darlegungen des WohlsahrisdezecneNten gaben sämtliche Organi­sation^- und ^Körperschaftsvertreter und -Ver­treterinnen die Erklärung ab, daß sie die Hilfs­aktion mit aller Tatkraft fördern und innerhalb ihrer Organisationen ungesäumt entsprechende Sammlungen In die Wege leiten würden. Die Sammelaktion soll spä­testens bis zum 8. oder 10. Dezember abgeschlossen fein, da die Stadtverwaltung bis zum 15. De­zember nach Darmstadt berichten muß, um vvn dort aus die Landesbeihllfe zu erlangen. Zum Ansporn der hiesigen Spender sei bemerkt, dab die Landesbeihilfe sich nach dem Umfang der hiesigen Gabe richtet; je gröber diese ist, desto höher wirdauchdie Landesbei­hilfe ausfallen. Man strenge sich also bei 6er Bemessung seiner Spende nach besten Kräf­ten an.

Rachem man noch einen Arbeitsaus- schuß eingesetzt hatte, schlob Beigeordneter Dr. Frey mit Dankesworten für die zugesagte tat­kräftige Unterstützung die Sitzung.

öüAertnd).

Der Zensor. Erzählungen von Egon Frey. (Okrlag von Gebr. Enoch, Hamburg.) Diese lebendigen Erzählungen führen In Form und Inhalt über gewöhnliches Erleben hinaus and bergen erzieherische Absichten.

Gerhard Stallings Verlag in Oldenburg i. O. legt wieder einige hübsch ausgestattete Reuerschei- mrngen seiner Volks- und Jugendbücher- fammlung auf den Büchermarkt: Daniel Defoe, Leben und Abenteuer des Robinson Crus e. Rach den besten deutschen Uebersehungen neuerzählt von Will Vesper. Geschmückt mit 91 farbigen getuschten Federzeich­nungen vvn Hans Pape - Sagen vom deut­schen Rhein. Erzählt von Else Franke. Geschmückt mit zahlreichen Federzeichnungen von Karl Miersch. 2lus dem reichen Sagens<chitze des Rheinlandes sind hier-die innigsten, tiefsten und anschaulichsten vereint worden. Gustav Schalk, Rordisch-germanischeGötter- und Heldensagen. Geschmückt mit 44 zum Teil farbigen Holzschnitten von Karl Stratil. Die kräftige Schrift fügt sich gut zu den von innerer Spannung erfüllten Holzschnitten Karl Stratils. Will Vesper, Fröhliche Märchen. Fabeln und Ränke, Märchen und Schwänke aus aller Welt neuerzählt. Geschmückt mit 40 Feder­zeichnungen vvn Willi Harwerth. Was Vesper erzählt, kennen wir alles schon dem Kern nach, aber wie alles nacherzählt wird, mit sprudelnder Leben­digkeit, das weckt neues Leben und QJergnügen.

Sonnenschein und Dlumenduft, das ist ein Vergnügen. Liebe Klnderreime aus allen Jahreszeiten. Für Mutter und Kind herausgegeben vvn Charles Dieck, mit Bildern von Else Wenz-Vietor. Rümberger-Dilderbücher- Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg t O. Hier sind die allerbesten Gedichte für das Kind, die uns vor allem von Hoffmann vvn Fallersleben, Robert Reinick, Ludwig Uhland, Matthias Claudius, Viktor Dlüthgen, Heinrich Seidel, Ludwig Finkh gesungen wurden oder die noch aus des Knaben Wunderhorn stammen, zu einem schönen, farben­frohen Bande vereint. ßlse Wenz-Vietors Buben und Plädchen sind kerngesunde, treuherzige kleine Wesen, die als Dllderschmuck Qhige und Herz er­freuen. Sie hat auchRe st Häkchens Wun­de r h 0 r n", ein köstliches Dilderbüchlein des glei­chen Verlags, mit den schönsten alten Kinoer- reimen, in der anmutigsten Weise illustriert.

SandeL

s Berlin, 16 Rov. Dörsenstimmungs- b i l d. Am Devisenverkehr zeigte sich heute vor­mittag etwas Oiachfrage, so dah die Auszahlung Reuyork bis ungefähr 8100 bezahlt wurde. Später aber kam, anscheinend infolge besserer Beurtei­lung der innerpolitischen Lage, etwas Angebot an den Markt, das die Kurse, und zwar Reuyork dis auf 7600, zurückdrückte. Die Umsätze hielten sich aber nach wie vor in bescheidenen Grenzen. Im Effektenverkehr wurde der Kursstand von den in geringer Anzahl anwesenden Interessenten als ziemlich unverändert gegen gestern beurteilt-

Frankfurt a. M.» 16. Rov. Börsen- st i m m u n g s b i l d. Das Wiederanziehen der Kurse der ausländischen Zahlungsmittel machte im heutigen Dormittagsverkehr von Bureau zu Bureau anfangs mäßige Fortschritte. So zog der Dollar bis auf 8500 an, im Verlaufe wieder schwächer 78007400, dann wieder erholt, 7525. Für den Effektenverkehr blieb die C&örfe heute geschlossen. Im Verkehr von Dank zu Dank war ein weiteres Rachlassen der Kaufordres und ein Zunehmen der Derkaufsaufträge zu bemerken. So­weit Kurse genannt wurden und das war nur wenig be$r Fall lagen Montanpaprere gut be­hauptet. Chemische Aktien wurden zu den gestrigen Schlußkursen genannt. Die Tendenz blieb im all­gemeinen abwartend und das Geschäft ruhig.

Frankfurter Devisenmarkt.

(Telegraphische Auszahlung.)

Amtliche Rotierungen.

Datum:

Antw.-Brüssel . Holland London Paris Schweiz Sonnten Jialien VtHnbon-Oporto Dänemark.... 9/ormenen .... Schweden .... Helsinafors.... Neunork......

Deutsch-Oesterr. Budavest Prag Sofia

15. November 16. November Geld Brief Geld Briri 458£5 461.15 458,85 461,15

2992.50 3007.50 2945,10 2959,90

33915.- 34085, 33915,- 340X5,-

505,70 50 <,30 508,45 511.05

1393.- 1402,- 1396,50 1403,50

1157,10 1162,90 1142,10 1147,90

350,60 352,40 339,15 340,85

153045 1537'85 1518,65 1526.35

1390,50 1397,50 13S1.50 1388,50

2020,90 2031,10 2004,95 2015,05

7531'10 75158/*0 750645 7543*85

9,97 10,03 10,07 10,13

300,- 311 - 301,50 303,50

241,40 242,00 244,35 245,65

Märkte.

Frankfurter Schweine- und Klsinviehmarkt.

Frankfurt a. M.. 16. Rov. (Amtlich.) Marktverlauf: Kleinvieh bei lebhaftem Geschäft geräumt; Schweine bei langsamem Handel ge­ringer Ueberstand. 3m einzelnen ist zu bemerken: Aufgetrieben waren: 548 Kälber, 855 Schafe und 263 Schweine. An Preisen wurden angelegt pro Zentner Lebendgewicht: Kälber beste Qualitäten 29 00031 000 Mk., mittlere Qualitäten 26 000 bis 29 000, geringe Qualitäten 24 COO26 000, ge­ringste Qualitäten 20 00022 000, Schafe 12 000 bis 21 000. Schweine unter 80 Kilo Lebendgewicht 35 00044 000, von 80-100 Kilo 45 00050 COO, 100120 Kilo 52 00057 000, 120150 Kilo 52000 bis 57 000, Fettschweine über 150 Kilo 52 000 bis 57 000 Mk. Auberdern wurden 18 Rinder ohne amtliche Preisnotierung gehandelt. Die Preise liegen um soviel über den Stallpreisen, als sie die nicht unerheblichen Gewichtsverluste, Spesen und Händlergewinn In sich schließen.

Berliner Produktenmarkt.

03ertIn, 16. Rod. Produktenbericht. Die Preisgestaltung am Produktenmarkt wird nach tote vor von den Devisenkursen bestimmt und ent­sprechend deren Schwankungen gingen auch die Preise herauf und herunter. Mittags überwogen die Offerten. Besonders in naher Ware war die Rachfrage wesentlich, so dab sowohl Weizen tote Roggen eine schwächere Tendenz auftoiefen. Für die anderen Artikel war die Rachfrage gering. Am meisten bestand solche noch für Hafer. Weizen, märkischen 13 40013 200, ost preußischen 13 000 bis 13 100 (matt); Roggen, märkischen 11 500 bis 11 400 (unregelmäßig); Sommergerste 13 400 bis 13 300 (schwächer): Hafer, westpreußischen 13 000; Mais, La Plata loko Berlin 13 200 (abgeschwächt); Weizenmehl (100 Kllogr.) 39 00037 000 (matt), Roggenmehl (100 Äilogr.) 34 00032 COO (matt), Weizen kiele 69506700 (matter), Roggenkleie 6950 bid 6750 (matter); Raps 21 00020 000 (behaup­tet); Vtktvriaerbsen 22 00023 000; Kleine Erbsen 20 00021 000; Peluschken 14 50015 500; Acker­bohnen 14 00014 500; Wicken 18 SCO19 500; Lupinen, Hau 14 00015 000, Lupinen, gelb 15 500 bis 16 500; Rapskuchen 78008200; Trocken- schnrhel 60006200. Rauhfutter. Weizen- und Roggenstroh, drahtgeb. 50005100, Haferstroh, drahtgeprebt 50005100, Stroh, strohsellgebünd kl 47004800, Wiesenheu, gut, gesund und trocken, Vormahd 31003300, Rachmahd 28502900.

(In einem Teil der Auflage wiederholt.)

Die Wahlen in England.

London, 16. Rov. (WTD) Reuter. DiS

heute morgen 3 Uhr lagen folgende Wahl­ergebnisse vor: Konservative 152, Rational- liberale 20, Liberale 23, Arbeiterpartei 63, Unab­hängige 6. Die »Times" veröffeirtlichen eine Liste, wonach 148 Konservative, 28 Asquith-Liberale, 22 Lloyd George-Liberale, 62 Arbeiterpartei, 2 un­abhängige Unionisten, 1 Genossenschaftler, 1 Un- abbängigcr und 1 Rationalist gewählt worden sind. Dos Reutersche Dureau^nirätzet um 3,20 Uhr mor­gens die bisher vorliegenden Wahlergebnisse aus den Stählen und den Industriegebieten. Die von der Arbeiterpartei erzielten Gewinne, die um zwei Uhr morgens 34 betrugen, werden voraussichtlich heute, wenn die Ergebnisse aus den Provinzen und vom Lande vorlicgen, keinen groben Umfang mehr zeigen; denn in zahlreichen dieser Wahlkreise haben die Arbeiter keinen Kandidaten aufaestellt. Die bemerkenswertesten Siege erzielten die Ar­

beiter tu dem Bezirk von Glasgow. Bisher hab« die Konservativen 7, die Qlclümalliberalen 1, die Liberalen 11 und die Arbeiter 34 neue Sitze ge­wonnen.

Meuter meldet um 2.27 morgens: Asquith wurde in Paiskey gegen den Arbeiterkandidaten gewählt, jedoch nur mit einer Mehrheit von 318 Stimmen. Die beträchtliche Zahl der Gewinne der Arbeiterpartei wird au8 den verschiedenen industriellen Mittelpunkten, besonders aas Glas­gow, Sheffield und Rewcastle gemeldet. Donar Law wurde mit einer Mehrheit von 2540 Stim­men gegen den Arbeiter- und liberalen Kan­didaten gewählt Das erste Mitglied der Regie­rung, das eine Riedeclage erlitt, ist Oberst Stanley, ein Bruder von Lord Derby, der Unterstaatssekretär im Ministerium des Innern ist. Gr wurde in Preston von dem liberalen Kan­didaten geschlagen Der Haupteinpeitscher der Unionisten, Oberst Leslie Wilson, wurde in Westminster von einem unabhängigen Konser­vativen geschlagen, der eine Mehrheit von 4000 Stimmen erhielt. Lewis Astor wurde in Ply­mouth wiedergewählt. Der frühere Schatzkanzler §0 r n e wurde in Glasgow mit beinahe 5000 timmen Mehrheit wiedergewählt. Der Arbeiter- führet Clyne, der zwei Gegenkandidaten Halle, siegte mit einer Mehrheit von 800 Stimmen.

London, 16. Rov. (WTD.) Wie dieDläller melden, ist Kennworthy in Hüll als Kan­didat der unabhängigen Liberalen wiedergewählt worden. Der bekannte Pazifist Hudson ist als Kandidat der Arbeiterpartei gegen den konser­vativen Kandidaten Accrington gewählt wor­den. Der Arbeiterführer Den $iIle t siegte in Rorth-Salfvrf mit einer Mehrheit von nur 21 Stimmen. Der frühere Kriegsminister Seely, der von den Rationalliberalen als Kandidat aus­gestellt worden war, ist von einem Arbellerführer geschlagen worden. Der Handelsminister Lloyd G r e a m e wurde wiedergewählt.

London, 16. Rov. (WTD) Rach derWor- ningpost" rechnet man damit, dab die Arbeiter­partei «im neuen Un terhause 160170 Sitze erhalten werde. Wenn auch die Asquith- ßiberalen ihre Stellung weiter so verstärken, so werde mit einer Mehrheit der Asquith- Liberalen undder Arbeiterpartei zu rechnen sein.

Streik an der deutschen Universität Prag?

Prag, 15. Rov. Zum Rektor der deut­schen Universität Prag wurde im Juni Professor Dr. S t e i n h e r z gewählt, woraus die arische Studentenschaft einen formellen Protest einbrachte, der vom akademischen Senat zurück- aewiesen wurde. Wie die Dlätter melden, ha» die deulsch-arische Studentenschaft der deutschen Universität Prag die Angelegenheit neuerdings aufgegriffen und für heute den Streik an der Universität proklamiert. Zur Verhinderung der Vorlesungen besetzten sie die Eingänge der Uni­versität und mehrere Lehrkanzeln. Vor dem ana- tomischen Institut kam es zu Schlägereien, so daß die Polizei eingreifen mußte. Der Unterricht bei einzelnen Fakultäten ist eingestellt. Der Senat wird heute abend über die Lage beraten. Die arische Studentenschaft der deutschen Technik be* absichtigt, morgen sich dem Streik anzuschlieben.

Die HschverratSprozefsr in Athen.

Athen, 15. Rov. (Wolff.) Im Hochver- ratsprozeß begann gestern vormittag die Zeugenvernehmung mit einer langen Aussage

des Oberstkommandierenden P a p u 1 a s. Dieser erklärte, daß seine Vorschläge, die unfähigen Offi­ziere abzurufen und durch kriegskundige Offiziere zu erfetzen, von der Regierung nicht berücksichtigt worden seien. Der Befehl zu den drei Offensiven sei von der Regierung erteilt worden. Der

Marsch auf Angora sei vvn dem Kriegsrat unter Vorsitz des früheren Königs Konstantin trotz des Abratens des Oberkommandos und des Generalstabes der Armee in Kleinasien, die die Schwierigkeiten der Verbindungen bargelegt hät­ten, beschlossen worden. Die Regierung habe sich besonders auf die Ansicht des Generals D u s- manis gestützt, der geglaubt habe, daß die Armee bis nach Kisit-Irmak vorrücken werde. Das Scheitern dieser Unternehmung habe die Moral der Truppen in Mitleidenschaft gezogen, die während der Kampfhandlungen Beweise von bctounbernStoertem Mute abgelegt hätten, als sie, trotz Mangels an Lebensmitteln, mehrere Tage im Rah kämpf gestanden hätten. Papulas sagte aus, er habe keine Kenntnis von den Roten der Großmächte vom Rvvember 1920 gehabt, in denen sie Griechenland vor den Ge­fahren einer Rückkehr des früheren Königs warn­ten; andernfalls würde er die Verantwortung des Oberkommarrdos über die Armee nicht über­nommen haben. Aus die Frage wegen feiner vor dem Untersuchungsrichter abgegebenen Erklärung, daß er die Politik der leitenden Männer des Regimes Konstantins als einen Akt des Hoch­

verrats betrachte, erwiderte der Zeuge: Sicherlich waren sie gewissenlos und verbreche­risch." Papulas tadelte insbesondere die Ernen­nung des als unfähig bekannten Generals H ad- ja n e s t i s zu seinem Rachsolger. Durch diese Ernennung fei der Geist der Armee erschüttert worden, wie auch die Veröffentlichung des Demo- bilifationsdekrets vom 3. September 1922 auf die Moral des Heeres verhängnisvoll getoirft habe.

Darauf wurde der frühere Generalstabschef der Armee in Kleinasien, General Pa11is, ver- nommen._________________________________

Sic husten nun schon wochenlang und haben immer noch nicht das richtige Mittel dagegen gefunden. Wir raten Ihnen, aus 50 Gramm echtem Fagosot-Ertrakt durch Aufkochen mit '/«Pfd. Zucker und 11 Wasser eine preiswerte, prompt wirkende Hustenmedizin selbst herzustellen. Echter Fagosot-Extrakt ist sicher erhältlich: Univ. »Apotheke zum goldenen Engel, Marktplatz. °,ss