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Dienstag, |7. ©ttober 1922
112. Zahrgang
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
vnnk NN» Verlag: vrühl'sche Untv.-Vvch- NN» Stetnönideref H. Lange. Schristlettnng, «eschästsftelle und vruderel: Schnlpraße 7.
Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis jum Nachmittag vorher ohnejede DerbindlichKett. Dreis für 1 mm höhe für Anzeigenv 27mm Breit« örtlich 600 Pf., auswärts 800 Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Brette2800Pf. Bei Platz. Vorschrift 20",, Aufschlag Hauptschriftleiter: Aug Goetz Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz für den übrigen Teil Emst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gietzen.
m. 244
Erscheint täglich, «nch« Sonn, und Feiertags, eit berSamstagsbeiloge: Giehener^amilienblätt« «snatliche Vezvqspreisr: Mk. 102. - und MK. 8.- Trügerlohn,durch dieDost 5JUl 125. - .auch beiNtcht- erscheinen einzelner Num- »em infolge höherer De»alt. — Fernsvrech. Anschlüsse: fürdieSchrift- Zeitung 112, für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehe».
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Note Sonntage...
Unfer Berliner Mitarbeiter schreibt wrS:
Die Stvahenkämpfe — .Ausschreitungen" wäre zu wenig gesagt —, die sich am vergangenen Sonntag m Berlin abspleiten, geben einen Vorgeschmack dessen, waS man im kommenden Winter vielleicht noch in grober Auflage erleben wird. Es war kein zufälliger Krawall, der sich an eine politische Versammlung anschloh, sondern ein tooblDorbereiteter kommunistischer Vorstoß mit bezahlten Statisten. Der Vorstob richtete sich gegen den .Bund für Freiheit und Ordnung", der eine Sagunfl im Zirkus Dusch abhielt. Dieser Dund -wurde schon feit Tagen von der kommunistischen Voten Fahne in einer Kette wütender Leitartikel als reaktionärer Zusammenschlub früherer Mitglieder des Selbstschutzes und alS .bewaffneter Aufmarsch der Orgesch" gebrarrdmarkt. Tatsächlich ist .er dies nicht. Der Dund verfolgt den Zweck, -in unruhiger Zeit das Wirtschaftsleben und die bürgerliche Ordnung aufrecht^uerhalten, falls die Technische Aothilfe nicht ausreicht. Die verschiedensten bürgerlichen Dichtungen s)nd in der Vereinigung vertreten. Dem Vorstand gehört ein >Zentrumsvertreter und ein Demokrat an,
und es ist bezeichnend, dab der sozialdemokratische .Vorwärts". das einzige
Derliner Dlatt, das vor dem blutigen
-Sonntag warnte, seinen Parteigenossen den dringenden Rat gab, zu Hause zu bleiben. Die Versammlung des Dundes für Freiheit und Ordnung tat auch nicht das geringste, was sie mit der Republik und deren Schuhgeseh irgerrdwie in Konflikt gebracht hatte. Die Redner verlangten als Ausweg aus den wirtschaftlichen Voten: Mehr Arbeit!, sie erwarteten auch von den Arbeitgebern: Mehr soziales Verständnis I Und wenn zuletzt in einer Entschließung Hindenburg gebeten wurde, die Präsidentfchaftskandi- datur anzunehmen, so war auch dieser Schrttt Las gute Recht einer politischen Versammlung im Zeichn der Republik. Dem Kommunismus aber, dem infolge des Zusammenschlusses der sozial- demokralischen Parteien Stoff und Atem auszugehen droht, kam es nur darauf an, einen kleinen Bürgerkrieg einzuleiten und durch Aufhetzung des Lumpenproletariats politische Geschäfte zu machen. 3n aller Morgenfrühe, ehe auf bürgerliche,. Erite irgend jemand an blutige Zusammen'» 'stöbe dachte, wurden bolschewisttsche Sanitäts- depots eingerichtet und aus den Insassen des Slschen Obdachlosen - Asyls, die 13,50
n pro Kopf erhielten, sowie aus
Arbeitslosen, die 20 Mark Löhnung erhielten, eine Art Rote Garde zusammenge- steilt. Woher die Gelder stossen? Die Untersuchung lvird es klären. Schon heute steht es fest, dab die Aufwiegler und Unteroffiziere des kommunistischen Aufmarsches Russen waren. Sie boten in ihrer rutinierten Tätigkeit ein Dild. Las an die roten Putsche der Jahre 1918/19 und 1920 erinnerte. Da Schubwaffen durch die Auslieferung und Kontrolle etwas seltenes geworden sind, bewaffneten die bolschewistischen Funktionäre ihre Leute mit Totschlägern, Dolchen. Gummiknüppeln. Schlagringen und ähnlichen „Argumenten" für ihre politische Anschauung. Plan- mähig und militärisch organisiert ging der Ileber- fall vor sich. Der Rest allerdings war Pöbelei und Plünderung. Die roten Krankenträger beteiligten sich aktiv am Angriff, ganz wie seinerzeit im Ruhrgebiet. Die Polizeipatrouillen tour- den von ihren Rädern gerissen und mit ihren eigenen Waffen halbtot gestochen. Die Räder verschwanden als gute 'Deute. Harmlose Paffanten wurden ausgeraubt und die zufällig gerade stattstndende Rektoratsübergabe in der Universität wurde benutzt, um die auffahrenden Studenten xu überfallen und den Versuch zu machen, diese „Festung der Reaktion" zu erobern. Es war ein regelrechter Putsch des kommunistisch organisierten Sttabenmobs, der sich im Sinne des Strafgesetzbuchs als schwerer Landfriedensbruch darstellt. Werden die Behörden die Verfolgung einleiten? Für den Prozeh fft statt des Schwurgerichts der Staatsgerichtshof zuständig, wenn sich aus der Untersuchung ergibt, dab ein kommunistischer Anschlag gegen den Destand der deutschen Republik geplant war. 3m Ratchrnauprozeh zu Leipzig hat sich trotz eifrigen Forschens nicht per-ausgestellt, dab eine rechtsgerichtete Organisation für das Verbrechen der Kern, Fischer und Zechow verantwortlich gemacht werden kann. Hat das bcrüfjmte Wort: Der Feind steht rechts! noch Gülttgkeit? Angesichts des neuesten Komm unisten- krieges kann man mit viel gröberer Berechtigung sagen, dab der Feind links stecht. Die Behörden wollten dies vor dem „roten Sonntag" nicht glauben. Darum versagte auch der Schutz der Polizei: Sie hielt eine Froitt gegen links nicht nötig. Run wird hoffcmlich Klarheit geschaffen und neues Unheil verhütet.
Berlin, 17. Oft. 3mVerlause der polizeilichen Ermittelungen über die blutigen Zu- sam men stöhe beim Zirkus Dusch fand gestern abend laut .Lokalanzeiger" eine Durchsuchung sämtlicher Räume der .Roten Fahne" statt. Es wurde Material beschlagnahmt. das sofott einer Prüfung unterzogen wurde. Der »Voss. Ztg." zufolge wurden gestern abenb weitere 30 Personen festgenommen und 'einem Verhör unterzogen. Dei fast allen Verhafteten ergaben die Ermittlungen, dab sie in Versammlungen zu Gewalttätigkeiten aufgefordert wurden, die sie dann am Sonntag begangen haben. Alle bei dem Strahenkampf verletzten Personen sind bereits außer Lebensgefahr. Die beiden Polizeiwachtmeister, deren Zustand zunächst zu Besorgnissen Anlaß gab, sind bereits wieder dienstfähig geschrieben worden. 3n einer gestern abend
abgehaltenen kommunistischen Protestversammlung, die in Ruhe verlies, wurde beschlossen, dah heute vormittag die (Betriebsräte der Groh-Berliner (Betriebe beim Polizeipräsidenten vorsprechen und vom Polizeipräsidenten Richter fordern sollen, sämtliche Verhafteten sofort freizulassen. Werde dem Verlangen nicht Folge gegeben, so werden am Mittwoch sämtliche (Betriebe stilliegen.
Die Reichspräsidentenwahl.
Derlin, 16. Ott. (Wolff.) Heute vormittag sand eine Besprechung der Fraktionsführer der Koalitionsparteien, der Deutschen Volkspartei und der Bayerischen Volkspartei beim Reichskanzler über die Wahl des Reichspräsidenten statt. An der Sitzung nähmen auch Vizekanzler 'Bauer, der Reichsminister des 3nnern Köster und Reichstagsprästdent Löbe teil. Der Vertreter der Deutschen Vollspartei, Stresemann, machte in längeren Ausführungen die Bedenken geltend, die feine Partei gegen die Vornahme der Wahl an dem vorgesehenen Termin hat. Die Vertreter der übrigen in der Sitzung anwesenden bürgerlichen Parteien schlossen sich entsprechend ihrer Stellungnahme in früheren Beratungen des Gegenstandes diesen Bedenken an, die zu- püclzustcllen sie sich nur bereit erklärten, tosrm eine Verschiebung der Wahl aus versafsungsmähigen Gründer, umnöglich wäre. Der Vertreter der Sozialdemokratie lehnte eä namens seiner Fraktion ab, dem Vorschläge auf Verschiebung der Wahl und bamit einer Verlängerung der provisorischen Stellung des Reichspräsidenten zuzu- sttmmen. Seine Partei sei nach wie vor für die Vornahme der Wahl an dem vorgesehenen Ter- inin. Rur ein verfassungsmäßiges Gesetz, das die provisorische Stellung des Reichspräsidenten in ein verfassungsmähiges Definttioum umwandle, könne, da die Entscheidung dem Reichstag zustehe, die Lage ändern. Ob seine Fraktion diesen Weg betreten werde lasse er dahingestellt. De. Reichskanzler stellte fest, daß die Aussprache mit den Parteien insofern eine neue Situation geschaffen habe, als die beteiligten bürgerlichen Parteien nochmals den Versuch unternommen hätten, eine Wahl in kurzer Frist zu vermeiden. Durch die Erklärung der Sozialdemokratie sei jÄrvch der Vorschlag der Deutschen Volkspartei,den Wahltermin einfach hinauszuschieben, hinfällig geworden. Die Parteiführer erflärten, sie würden über die Lösung der Situation durch ein verfassungsmäßiges Gesetz mit ihren Fraktionen Rücksprache nehmen. Die Aussprache wurde alsdann auf übermorgen vertagt.
Der „Vorwärts" teilt mit, dah der Reichs- parteiausschub der Zentrumspartei dem von Dr. Stresemann gemachten Vorschlag auf Verschiebung der Retchspräsidentenwähl im Prinzip zugestimmt habe, falls sich die Verschiebung aus verfassungsmäßigen Gründen rechffertigen lasse. Der „Lokalanzeiger" will wissen, daß die Deutsche Volkspartei kaum bereit sein werde, dem mehrheitssozialistischen Vorschlag auf Verlängerung der Amtsperiode Eberts bis 1926 zuzustimmen. Die Volkspartei wolle vielmehr dabei bleiben, daß die Wahl nur bis zum Jahre 1924 verschoben werde.
Berlin, 16. Olt. Aus Grund des Ergebnisses der heutigen interfraktionellen Besprechung beim Reichskanzler hält es das „Berliner Tageblatt" für wahrscheinlich, dah die Koalitionsparteien zusammen mit der Deutschen und der Bayerischen Volkspartei in der Mitt- wochsitzung bed Reichstages eine gemeinsame Erklärung abgeben, in dem dem Reichspräsidenten das Vertrauen ausgesprochm und er ersucht wird, das Amt vorläufig weiterzuführen.
Die Reichsfinanzlage.
Berlin, 16. Ott. (WTB.) Der Reichsrat hat heute u. a. den vierten Rachtragsetat für das 3ahr 1922, der zunächst im Laufe des Sommers und Herbstes gewährte Teuerungszuschläge legalisieren soll, angenommen und die Kreditermächtigung für den Reichssinairzminisler um 120 Milliarde Mark erhöht, die zum überwiegenden Teile wegen Zahlungen aus dem Friedensvertrage notig sind. Während auf Grund des Moratoriums vom 21. März 1922 720 Millionen Goldmark an Barzahlungen und 1450 Millionen in Sachleistungen zu bewirken waren, die nach dem llmrechnungsvsrhältnis von 1 zu 70 zusammen 151.9 Papiermilliarden _ ausmachten, muh heute ein Llmrechnungsverhältnis von 1 zu 700 zugrunde gelegt werden, wodurch die Ansätze sich auf 1519 Papiermilliarden erhöhen. Wie der Berichterstatter hervorhob, sind das Forderungen, die jedes Der» nünftige Maß überfteigen und denen man eigentlich nur noch fassungslos gegenüberstehen kann. Ein weiterer Kredit von 120 Milliarden ist für die Reichsgetreidest ekle zur Bezahlung des 11m- lagegetreides und des ausländischen Getreides vorgesehen, wird j^vch durch die späteren Verkäufe wieder einkommen. Die bisherigen Rentensätze für Kriegsinvaliden sollen verdoppelt werden. Gegen die Stimmen Sachsens, sowie der drei Hansastädte wurde ferner eine Regie rungsvvrläge über die Verminderung der Lasten des Reiches aus der Gesetzgebung über die Entschädigung im Ausgleichsverfahren aus Anlaß des Vertrages von Dcusailles angenommen. Der Reichsrat erklärte sich weiterhin mit einem Gesetzentwürfe einverstanden, wonach der Betrag des unpfändbaren Lohnes auf 100 000 und die weitere bewegliche Grenze auf 3 000 000 Mark I erhöht werden. Die Regierung soll ermächttgt werden, zukünftig Erhöhungen im Derordnungs- I wege vorzunehmen. Angenommen wurde schlieh-
lich ein Gesetz, wonach die Gebühren und Tagegelder für Zeugen und Sachverständige erhöht werden.
Das wertbeständige Goldmark-Papier.
Berlin, 17. Ott- DaS Reichskabinet t beschäftigte sich gestern laut .Vorwärts" mit dem Entwürfe eines Gesetzes zur Schaffung eines toert- beständigen Geldpapiers. Wie das Blatt schreibt, handelt es sich um ein Zahlungsmittel, das im 3nlande zu dem jeweiligen Werte des Dollars in Zahlung genommen werden soll. Die Beratungen des ReichSkäbinetts sind noch nicht abge- schlossen.
Die Neuregelung der Deamtenbesoldung.
Berlin, 16. Ott. (Priv.-Tel.) DerR eichs- ra t nahm gestern in dritter Lesung den Entwurf über die Neuregelung der Beamtenbesoldung an, der im Gegensatz zu den Forderungen der Organisationen die Frauenzulagen prozentual abstuft.
Vor Neuwahlen in England?
London, 17. Oft. (WTB.) Es verlautet, dah infolge der verschieoenen gestern in der Sotoningftreet abgehaltenen Konferenzen die Lage sich etwas geändert hat. Die unionist ischen Minister sollen sofortigen Reuwahlen abgeneigt sein. Die Gesamtlage hänge von dem Ergebnis der unionistischen Zusammenkunft am Donnerstag ab Wenn die Wstimmung auf der Zusammenkunft zugunsten der Aufrechterhaltung der Koalition ausfalle, werde die Regierung dem Parlament am 14. Rovember gegenübertreten können, und es würden in diesem Jahre leine Wahlen stattfinden. Weim ftch die Versammlung dagegen der Beibehaltung der Koalition feindlich gesinnt zeige, erwarte man, daß Cham- berlain und die übrigen unionistischen Mitglieder des Kabinetts zurücktreten werden und daß dies die Krisis sofort herbeiführen werde.
London, 16. Ott. (WTB.) „Evening Rews" zufolge ging heute nachmittag das Gerücht um. dah Die Einheit derunionistifchenPar- tei ernstlich bedroht fei. Don mahgebender Sette wurde mitgeteUt, dah Chamberlain am nächsten Donnerstag dafür eintreten werde, dah die Regierung vor das Land als Koalitionsregierung treten solle. CS sei äußerst zweiselhaft, dah auch nur die geringste Einigkeit darüber erzielt werde, und es werde für möglich gehalten, dah Chamberlain die Führung der Partei niederlege. Sollte sich diese Voraussage bestätigen, so stehe die Möglichkeit einer sofortigen Bildung einer Zentrumspartei mit Lloyd George, Chamberlain, Winston Churchill und Sir Robert James als Führer bevor.
Am Donnerstag wird eine wichtige Konferenz der unionistischen Minister und Parlamentsmitglieder im Carltonclub abgehalten. Alle unio- niüsch.n Rcgicrungsmitglicder werden zur Teilnahme aufgefordert, desgleichen über 350 unionist ische Parlamentsmitglieder. Chamberlain wird, wie die Blätter melden, eine Erklärung über die politische Lage abgeben, und es wird eine Abstimmung über die Politik der Partei bei den bevorstehenden Reu Wahlen vorgenommen werden. Die Jahresversammlung der unionistischen Verbände wird, tote vereinbart, am 15. Rovember stattfinden. Lloyd George wird feine nächste politische Rede am Samstag in Reu cast le halten.
Die französische Reparationspolitik.
Paris, 17. Ott. (WTB.) Das „Oeuvre" schreibt, man habe angefünbigt, Darthou werde einen französischen Reparations- gegenvorschlag dem Plane Dradburys vor der Reparationskommission entgegenstellen. Die französische Regierung habe nach üeberiegung auf diese Methode verzichtet. Poincarä verzichtet nicht auf die (Brüsseler Konferenz, der in London das Studium der Reparationsfrage übertragen worden fei. und er habe keineswegs die Absicht, den Obersten Rat durch die Reparationskommission ersehen zu lassen. Baitthou werde sich Nimit begnügen, her ReparatiOnsi°c Emission v^usch agm. sie möge s ch darauf beschränken, ein Kontrvchystem über das deutsche Budget, das Sir John Bradburh vor- geschlagen habe, zu studieren und doch den Regierungschefs die Sorge überlassen, sich über ein Moratorium auszusprechen, das Deutschland nicht einmal verlangt habe.
Neue enalische Stimmen.
London, 16. Ott. (WTB.) Mac Kenna erklärte nach seiner RüÄehr, Die Reparationsfrage interessiere die amerikanischen Bankiers mehr als jede andere Frage. Die Amerikaner seien der Ansicht, daß sich die europäischen Regierungen erst umstellen mühten, bevor Amerika ein? (Unterstützung gewähren könne. Zur Entwertung der Mark erklärte Mac Kenna, die deutsche Regierung tonne nicht dafür verantwortlich gemacht werden. Wenn man auswärtige Zahlungen zu leisten habe, müsse man Mark verkaufen. 3hr Verkauf im Aus lande drücke aber ihren Wert Dies sei unvermeidlich
London, 16. Oft (WTB.) Lord Deaver- brook veröffentlicht in dem Blatte .Sunday Expreß" einen Artikel unter der äleberschrift „Die WahrheitüberDeutschlan d". Er chrcibt, das britische Doll müsse erkennen, daß Deutschland bankrott sei. Wenn das jetzige Moratorium am 15. 3anuar 1923 ablaufe, werde Deutschland nicht zahlen tonnen. England müsse Frankreich gam offen sagen, daß es für den Augenblick kein Geld mehr von Deuffchand erwarten forme
Die Mitschuld Englands am Weltkrieg.
Stockholm, 16. OIL (WTD.) „Stock- Holms Dagblad" führt aitS: Die Rede des englischen Ministerpräsidenten hat, folveit sie auf die Politik des ehemaligen englifck>en Ministers des Aeuhern, Grey, im Hochsommer 1914 anspielt, eine welthistorische Bedeutung, weil in ihr ein deullicheS Eingeständnis derenglischenMitschuldamKriege liegt. Die Polittk, die 1914 Deutschland in Unkenntnis der Haltung Englands getrieben hat, war eine Gedulsprobe gewesen.Deshalb brach der Krieg in vollen Flammen aus. Es bedurfte erst einer innerpolitischen Explosion in England, damit dies Eingeständnis einmal gemacht worden ist. Aber nun ist es gemacht; die Menschheit, die im Versailler Frieden die Arsache der langen Leldenszeit erkannt hat, hat nun einen Grund mehr, die Revision des schändlichen Machwerkes zu verlangen, das Deutschland allein die Schuld auferlege, nachdem jetzt die Entente selber durch einen ihrer ersten Vertretereinen sehr großen Anteil an der Verantwortung am Kriege auf sich genommen hat.
Die Zurückziehung des amerikanischen Bcsatzuugsheeres?
Washington, 16. Olt (WTB.) Havas Von zuständiger Sette wird bekannt gegeben, dah infolge einer Konferenz zwischen dem Präsidenten Har- bing, dem Kriegssekretär Weeks unb dem General Pershing wahrschrinlich die Regierung demnächst bas amerikanische Besatzungs- Heer aus dem Rheinlanbe zurück- rufen wird. Das Datum der Zurückziehung, bas noch nicht festgestellt ist, wirb balb bekannt- gegeben.
Die Ueberreichung der neuen sälligen Goldschatzwechse».
(Berlin, 16. Oft. (WTB.) Die am 5. Oktober nach dem mtt Belgien geschlossenen Abkommen fälligen Gvlbschahwechfel werben heute der Reparationskommission in Paris übergeben. Die Wechsel lauten unter Berücksichtigung der Deutschland aus anderen Leistungen zu machenden Gutschriften auf einen Gesamtbetrag von 47 445 155 Golbmark.
Verzögerter Rückzug der griechischen Truppen.
Paris, 17. Oft. Rach einer Meldung der „Chicago Tribüne" aus Athen teilt der Oberbefehlshaber der griechischen Armee in Thrazien mit, daß infolge des unzulänglichen rollenden Materials der französischen Eisenbahn- gesellschaft, die die griechischen Truppen aus Thrazien abbefördert, beten Rüctzug behindert sei und nicht innerhalb der festgesetzten Frist durchgesührt werben könne.
Aegypten und die Orientpolitik.
London, 16. Oft. (WTB.) Die „Times" berichtet, aus Kairo, es werde offiziell beftätkjt, daß Aegypten die Forderung gestellt habe, auf der kämmenden Friedenskonferenz vertreten zu sein, da sich diese Konferenz mit Fragen befallen werde, an bAnen Aegypten intern effiert sei. Die ägyptische Regierung stehe auf dem Standpunkt, daß Aegypten als unab ängiger und souveräner Staat zur direkten Vertretung berechtigt fei.
Aus dem Reiche
Ein Vorschlag zur Verbilligung des Brots getreides.
Berlin, 16. Oft. (WTB.) Der amtliche preußische Pressedienst schreibt: Die preußische Regierung beantragte beim Reichsrat die Erhöhung des Preises für das 11 m t a g e g c t r e i b e an die Landwirte in Form von Chilt- s a l p e t e r auszuzahlen. Das Reich soll die Sticke ftoffbünger vom Ausland beziehen, wo er rn Form von Chilisalpeter in fast unbeschränkter Menge zur (Beriügung stehe. Rach dem Vorschlag würde dadurch schon die 1923er Ernte um 3 bis 4 Millionen Tonnen Getreide erhöht. Rur dieser Weg dürfe nach der Begründung des preußischen Antrages eine Verbilligung des Brotpreises für die nächste Zukunft ermöglichen.
Thomas Mann für die Republik.
Berlin, 14. Oft. (Wolff.) Dor cuiSge» wühlter Zuhörerschaft gab ThomasMann gestern im Beethvvensacll ein Bekenntnis für die RepublikundDemokratie ab, die gleichbedeutend seien mit wahrer Humanität. Er begann mit dem Hinweis auf Gerhart Hauptmann, der im Onland wie Ausland als geistiges Haupt des republikanischen Deutschland angesehen werde. Ein Teil der heutigen Jugend habe sich zum Haß gegen die Demokratie verschworen, obwohl in den Burschenschaften Patriotismus und Demokratie eng- stens verbunden wären. Die Republik sei kein Ergebnis der Niederlage und Schande, sie sei vielmehr entstanden in der Stunde der Eingebung, in der auch alle Jugendlichen sie begrüßten. Die deutsche Republik sei noch innner vor allem Deutschland. Vater Ebert, dieser bescheidene würdige Bürger, der immer aufs neue beweise, dah die Demoftatte etwas deut-


