fpd. Frankfurt a. M., 16. Juli. Auf Erund einer Anzeige, das) sich im Hause Große Sandgasse 12 das Bureau einer G e - heiDorganisation nach Art der „Or- g e fa)u befinde, wurde am Freitag von einem großen Aufgebot der Kriminalpolizei eine sehr gründliche Durchsuchung der Räume, die die Frankfurter Pfadfinder inne haben, vorgenommen. Die Durchsuchung verlief jedoch völligergebnislos. — In der Gulleut- strahe ging ein tobsüchtig gewordener italienischer Arbeiter mit dem Messer auf die ihm begegnenden Passanten los und verletzte einen Herrn durch Stiche leicht, ,-tnen anderen im Rücken sehr 'schwer. Der Italiener wurde schließlich von beherzten Männern überwältigt. — 3n einem V-Zuge von Frankfurt über Mainz nach Köln wurden vor einigen Lagen vier russische Polen auf frischer Tat bei der Berau- bungvon Mitreisenden erwischt, nämlich einer in Mainz, zwei in Koblenz und der -vierte in Remagen. Die Gesellschaft befand sich im Besitz beträchtlicher Beute.
mc. Frankfurt a. M.» 16. Juli. Die Tiere des Zoologischen Gartens werden jetzt ebenfalls zu Reklamezwecken ausgenutzt. Zn den letzten Tagen konnte man in den Straßen der Stadt Kamele und anderes Getier mit großen Plakaten auf dem Rücken marschieren sehen, wo für den Zoologischen Garten und andere Unternehmen Reklame gemacht wurde.
Derbandsregatta in Metzen.
'* Gießen, 17. Zuli.
Am Samstag vormittag, als der bindfaden- artige Regen niä>errauschte, hatte es wohl kaum jemand für möglich gehalten, daß aus der 3 9 Re- gatta des Süddeutschen Ruder-Ber- b a n d e s, die ihren Platz in Gießen auf der Lahn haben sollte, etwas werden würde. Dis in die Samstagmittagszeit hinein drohte die Gefahr des Ersaufens all der schönen Regattapläne, die der Gießener Ruderklub „Hassia" als Träger der Veranstaltung in umsichtiger Weise ausgearbeitet hatte. Aber alle diejenigen, die geneigt waren, für die zufriedenstellende Abwicklung des Regattaprogramms keinen Pfifferling zu geben, erfuhren eine — selbstverständlich angenehme! — Enttäuschung. Der Himmel hatte ein Einsehen, und als am Samstag nachmittag die ersten Vorrennen aus- gefahren wurden, lachte Frau Sonne gar freundlich aus die Landschaft und auf das muntere sportliche Treiben auf der Lahn herab. Dort wurde in eifrigem Wettkamvfe bis in den Abend hinein wacker gerungen. War auch die Temperatur für die Zuschauer in den Abendstunden etwas frisch, so entschädigte dafür der schöne Sport in hohem Maße, und er veranlaßte eine zahlreiche Zuschauermenge, bis $am Abschl iß des ersten Treffens unentwegt auszuharren.
Der Wettkampf in den Vorrennen am Sonntag morgen bot gleichfalls sehr beachtenswerte sportliche Leistungen und gewährte der zahlreichen Zuschauerschaft einen vollen Genuß. Von schönem Wetter begünstigt — merkwürdigerweise hatte der Wetterdienst bedecktes und regnerisches Wetter auf das Vormittagsprvgramm des Sonntags gesetzt! — nahmen alle Rennen einen so glatten, wohlgelungenen Verlauf, daß man schon gegen X/311 Uhr mit allen Vorrennen aufgeräumt hatte.
Zu dem Höhepunkt des Festes, den H a u v t - rennen am Sonntag nachmittag, hatte sich, angelockt durch den verheißungsvollen Sport und das angenehme, wenn auch etwas reichlich stürmische Wettei, eine so außerordentlich starke Menschenmenge eingefunden, daß Herren mit Erfahrungen auf diesem Gebiete erklärten, das sei der größte Regattabesuch, der bisher in Gießen dagewesen sei: er übertreffe alle Erwartungen. Uno in der Tat drängte sich auf dem Festplatze sowie an beiden Ufern, namentlich aber am Ende der Rennsttecke, eine sehr große Desuchermenge, die vom Anfang bis zum Ende mit vollstem Interesse die Rennen verfolgte. Flotte Abwicklung des Programms, guter Sport mit mehrfach recht spannenden Kämpfen unb angenehme Unterhaltungsmusik hielten die vielen Gäste des „Hassia"-Ruderklubs in bester Stimmung Die wettfahrenden Rudermannschaften hatten es allerdings nicht so angenehm, ihnen machte der st a r k e Gegenwind, der mehr-fach sturmartigen Charakter annahm und ziemlichen Wellengang zeitigte, reichlich viel zu schaffen. Man konnte denn auch verschiedentlich vom Ziel- richterstand aus bemerken, daß mancher der Wettruderer mehr als sonst üblich mitgenommen war von der harten Anstrengung des Kampfes. Es war für alle Kämpen eine harte, jedoch ehrenvolle Leistung! Mehrfach kam es auch zi Kollisionen, erfreulicherweise ging aber alles ohne Unfall ab. Zwei Erei-g Nisse such aus dem Verlauf der Wettlämvfe besonders herauszuheben, nämlich die endgültige Inbesitznahme des Ehrenpreises des Süddeutschen Ruderverbandes durch den. Arb.- Ruder- und Schwimmverein „Vorwärts"-Offenbach, der diesen Preis zweimal nacheinander gewann und dadurch Eigentümer der wertvollen Stiftung geworden ist, und sodann der eindrucksvolle Sieg des Ruderklubs ,.H a s s i a" - G i e h e n i m Großen Achter. Dieses Rennen, der Höhepunkt des Programms, lag am Schluffe der Wettkämpfe. Es wurde im Regen ausgefnhren, der unmittelbar vor Regatta- schluß eingesetzt hatte, aber doch nur wenige veranlaßte, gerade in dieser spannendsten Fünfminutenzeit den Platz zu verlassen. Und die zahlreiche Menschenmenge, die da im Regen ausharrte, kam durch den prächtigen Kampf der Giehener„Hafsia" mit dem Offenbacher „Vorwärts" reichlich auf die Kosten. Es war ein äußerst scharfes Rennen um den großen Preis, das mit Hergabe der vollen Kraft uird unter Aufbietung aller Technik bestritten wurde. Beide Kämpen setzten' sich bis zum Letzten ein Mit ganz knappem Vorsprung (Luftkastenlänge) sauste die Bootsspihe der „Hassia" durchs Ziel, die heimische Mannschaft hatte den voertvollen Preis in hartem, aber schönem Kampfe erstritten! Brausender Jubel der hunderte von Zuschauern an beiden Ufern zeigte den Siegern, wie groß und allgemein die Freude über diesen glänzenden Sieg der Gießener war. Aber hohe Anerkennung fand auch der nur unter größter Anstrengung knapp besiegte Offenbacher Gegner. Beiden dankte man einen sportlich außerordentlich genußreichen, fairen Kamps.
Im Anschluß an die Rennen fand auf dem! Festplatze die PreiSvertellung statt, die der Zielrichter Herr K. Zimmermann- Offenbach vor- nahm.
Der Ruderklub „Hassia" darf mit dem wohlgelungenen Verlauf der unter seiner Verantwortung stehenden Regatta sehr zufrieden sein.
Die Einzelheiten der Rennen.
Zielrichter: K. Zimmermann-Offenbach, F. Hanusch-Wetzlar. Schiedsrichter: Otto Ihrig-Fianlfurt, Franz Schoub-Osfenbach. Starter: Fritz Müller-Frankfurt, Fritz Gäde-Giehen.
Dahn länge für alle Rennen 1900 Meter stromabwärts, nur der Schüler-Vierer hatte fliegenden Start auf 1000 Meter. Start am „Felsen", Ziel am Festplah auf der Schürzschen Bleiche.
Dorrennnen am Samstag.
G a st v i e r e r. 1. Abt.: 1. Wassersportverein Ludwigshafen 6:53,4; 2. Arb.-Ruder- und
Schwimmverein „Vorwärts" Offenbach 7:22. Leicht gewonnen. — 2. Abt.: 1. Flörsheimer Ruderverein 1908 6:45,4: 2. Wassersportverein „Vorwärts" Mannheim 6:55,6. Mit *!>/■ Längen gewonnen. Ruderklub „Fortuna" Mainz nicht gestartet.
Anfänger-Vierer. 1. Abt.: 1. Ruderverein 1919 Wetzlar 7:15; 2. Arb.-Ruder- und Schwimmverein „Vorwärts" Offenbach 7:15,2; 3. Ruderklub „Hassia" Gießen 7:15,4. Geschlossenes Rennen, Wetzlar entscheidet es im Endkampf knapp für sich. — 2. Abt.: 1. Ruderklub „Hassia" Gießen 7:25; Vöassersportverein „Vorwärts" Mannheim auf gegeben. Rudergesellschaft 1921 Flörsheim und Ruderklub „Undine" Frankfurt nicht gestartet.
Zungmann-Vierer. 1. Abt.: 1. Ruderklub „Möve" Groß-Auheim 6:54; 2. Ruderklub „Hassia" Gießen aufgegeben. — 2. Abt.: 1. Rudergesellschaft „Borussia" Frankfurt 6:10; 2. Arb.- Ruder- und Schwimmverein „Vorwärts" Offenbach 6:25. Bei durchgehender Führung sicher gewonnen. - 3. Abt.: 1. Fechenheimer Rudergesellschaft 1910 7:00; 2. Rudergefellschaft 1921 Flörsheim aufgegeben. Richt gestartet. Wassersport- verein Ludwigshafen, Ruderklub „Germania" Offenbach, Rudecfportverein „Amicitia" Frankfurt.
Ermunterungs-Vierer. 1. Abtlg.: Ruderverem 1919 Wetzlar (1. Doot) 7:05; 2. Ruderklub „Hassia" Gießen 7:22; 3. Arb.-Ruder- und Schwimmverein „Vorwärts" Offenbach 7:44. Sicher gewonnen. 2. Abt.: 1. Rudergesellschaft 1921 Flörsheim 6:55: 2. Wafserfportverein „Vor- wäits" Mannheim 7:20. Leicht gewonnen. — 3. Abt.: 1. Rudergefellschaft 1910 Fechenheim 6:50,4; 2. Ruderklub „Hassia" Gießen 7:00. Dei wechselnder Führung mit 2V_> Längen gewonnen. Richt gestartet: Ruderverein 1919 Wetzlar (2. Doot), Ruderklub „Germania" Offenbach, Wafserfportverein „Vorwärts" Mannheim, Ruderklub „Undine" Frankfurt.^
Zurückgezogen hatten: beim Junior- Vierer: Wafserfportverein Ludwigshafen. Rudergefellschaft „Borussia"-Franks rrt; beim Zunior-Einer: Raderkltt» „ German ia"- Offenbach, ferner schied der Ruderklub „Has- sia"-Gießen (Benzler) durch Sreg ais, der in Frankfurt die Verbandsmeisterfchaft errangen hatte; beim 1. Senior-Vierer: Ruderklub „ Fortuna"-Mainz; beim 2. Senior-Vierer: Waf fers Portverein Ludwigshafen. Die für drrfe Konkurrenzen angesetzten Vorrennen fielen infolge der vorstehenden Verzichte aus.
Dorrennen am Sonntag vormittag.
Junior- Achter: 1. Abt.: Ruderkliv „Germania" Offenbach 6:08; 2. Rudersportverein „Amicitia"-Frankfurt 6:15,4. Bord- an Bord-Rennen bis auf halbe Strecke, Offenbach geht vor und gewinnt mit guter Länge. — 2. Abt.: 1. Wasserfportverein „Vorwärts"-Mannheim 6:05,6; 2. Rudergefellschaft „Bor Ma" - grantfint 6:15,2. Rach anfänglich schärfstem Rennen sicher gewonnen.
Schüler-Vierer: 1. Abt.: 1. Arb.- Ruder- und Schwimm-Verein „Vorwärts"-Osten- bach 4: 40; 2. Wassersportverein „Hellas"-Gieden 4:42. Rach scharfem Rennen mit halber Länge gewonnen. — 2. Abt.: 1. Ruderklub „Hafsia"- Gietzen (2. Doot). Aufg?geben Rrdrrckl tt> «Has- sia"-Gießen (1. Doot). — 3. Abt.: 1. Ruder- gesellschaft 1921 Flörsheim 4:40; 2. Wafserfportverein „Vorwärts"-Mannh im 4: 42,4. Scharfe; Rennen bis ins Ziel, Flörsheim gewinnt mit halber Länge.
Senior-Einer: 1. Abt.: Ruderklub „Has- sia"-Gießen (Drnzler) 7:40; 2. Wafsersportvrrein „Hellas"-Gießen (Baumann) > 8:02; 2. Abt.: Rudersportverein „Amicitia" Frankfurt (Gwin- ner) g&)t allein über die Dahn, 8:11,2.
Großer Achter: 1. Abt.: 1. Ruderklrb „Hafsia"-Dießen 6:04; 2. Rudersportverern „Amr- citia"-Frankfurt 6:09. Scharfes Rennen bi3 ms Ziel. „Hassia" führt und gewinnt mit einer Länge. — 2. Abt.: Arb.-Ruder- und Schwimmverein „Vorwärts"-Offenbach geht allein über die Dahn, 6:15,6. WassersPortverein Ludwigshafen hat zurückgezogen.
(Den Dericht über die gestrigen Haupttennen muhten wir wegen Raummangels bis morgen gurückstellen. Die Schriftltg.)
Turnen, Sport und Spiel.
Der Berliner Fußballmeister in Schweden geschlagen.
Das Jubiläums-F^ßballtrrnier in Rorr- köping, das die dort auf affigen Vereine SleiP- ner und Kcnnraterna veranstalteten, führte zunächst Rorden-Rordwest-Derlin mit Kamcatema zusammen. Die Schweden gewannen überraschenderweise reichlich hoch mit 6:2 (3:1). Montag und Trvtschinski waren bet den Berlinern die besten Leute. — Der Schiedsrichter konnte nicht gefallen. *
* Straßenrennen „Rund um Wies- bade n". August Deibel voin Gießener Radfahrer-Verein 1885 errang bei dem gestern statt- gesundenen schwierigen Dergrennen „Rund um Wiesbaden" 201,5 Klm. bei einer Beteiligung von etwa 100 Fahrern den 4. Ehrenpreis Die Rennstrecke führte die Fahrer von Wiesbaden über die 6 Klm. steigende Eiserne Hand nach Langenschwalbach Limburg, Weilburg, Weilmünster. Neuweilnau, Idstein, Kastel, Eltville, Schlangenbad wieder zurück nach Wiesbaden. Ergebnis: 1. S t r o h-Frankfurt a. M.. 2. S chme l- n e r-Schweinsurt, 3. Mathei s-Mcünz, 4. Deibel- Gießen uslv. .
Schlichtungsausschust der Provinz Ober Hessen.
Sitzung vom 13. Juli.
In der Antragssache des Zentralverbandes der Steinarbeiter gegen die Firma Leimbach
u. Eo., Schweinfurt i. Bahern^Bettieb örten-1 berg, wegen Weiterbeschäftigung zweier jugend-I lichen Steinbruchsarbeiter konnte dem Cinfpruch weder nach dem Detriebsrätegefeh, weil er verspätet eingelegt, noch nach der 'Demobiltnachungs- verordnung stattgegeben werden, weil die Entlassung nicht erfolgt war, um Arbeitsplätze freizumachen und die Arbeitnehmerzahl au vermin- oem, sondern aus anderen Gründen, die nach der Demobilmachungsvervrdnung eine Derücksichti- gung nicht finden können
Da zwischen 'Betriebsleitung und Arbeiterrat der Duderusschen Eisenwerke in Lol- l a r über die Umlegung der Arbeitszeit für einen Dell der Arbeiter keine Einigung erzielt worden war, entschied der Schlichtungsausschuh auf Anruf durch Schiedsspruch dahin: Die Betriebsleitung der Duderusschen Eisenwerke in Lollar ist berechtigt, frühestens nach Ablauf von 14 Tagen die Aenderung der Arbeitszeit in der Kessel- gießerei derart vorzunehmen, daß in Doppelschicht von 8 Uhr vormittags bis 5 Uhr nachmittags und von 4 Uhr nachmittags bis 1 Uhr nachts gearbeitet und eine Schicht zur Dedienung der Kupelöfen von mittags 12 Uyr bis 9 Uhr abends eingeführt toirb.
Landwirtschaft.
eb. Aus dem Vogelsberg, 14.Juli. Die Heuernte, die hier noch im Gange ist, fällt weit besser aus, als anfänglich erwartet wurde. Infolge der Regenfälle der letzten Wochen ist das Gras noch ziemlich dicht zusammengewachsen, so daß auf vielen Wiesen bessere Erträge als im Vorjahre erzielt werden. Besonders erttagreich sind die Wieseit mit rauhem Boden, denen die Frühjahrsfröste nichts anhaben konnten. Die guten Grundwiesen versagten völlig, da hier im Frühjahr der junge Graswuchs erfror. Die einschürigen Wiesen sind mit der Maschine gar nicht mähbar, und so sieht man wieder zahlreiche Mäher mit Sensen ausrücken.
Vermischtes.
Leichenräuber.
Berlin, 15. Juli. Rach einer Sten- daler Meldung des „Lok.-Anz." sind gestern nacht in die Kirche von Schönhausen Diebe eingebrochen und haben die S ä r g e der dort ruhenden Familie Bismarck erbrochen. Sie suchten jedoch vergeblich nach Wertsachen.
Der Zoologische Garten in München ausgelöst.
Berlin, 15. Juli. Rach dem „Lok.- Anz." wird der Zoologische Garten in München nach langen vergeblichen Rettungsversuchen in der nächsten Woche aufgelöst.
Riesenbrand in Spandau.
In der Rächt zum Sonntag brach in Spandau ein riesiges Feuer aus, das einen Millionenschaden anrichtetc. Die Waggonbauanstalt der Firma Oren st ein & Koppel ist völlig niedergebrannt. Etwa 20 neue Eisenbahnwagen sind eingeäschert worden. Die übrigen Gebäude des Fabrikgeländes konnten gerettet werden. /Heber die Entstehungsursache ist noch nichts bekannt.
Einsturz einer Eisenbahnbrücke.
Bukarest, 16. Juli. (WTB.) Als heute der Schnellzug Bukarest über die Praheva- brücke bei Sinaia fuhr, brach diese zusammen. Zwei Personen wurden getötet und 24 verletzt. Der Sachschaden ist bedeutend, der Verkehr vorläufig unterbrochen.
•
wd. Koblenz, 14. Juli. Die Stadtverordnetenversammlung hat gegen die Stimmen der Sozialdemokraten deren Anttag ab - gelehnt, verschiedene Straßennamen in Erzberger-, Rathenau-, Republikstrahe usw. zu ändern. Der Dezernent der Stadtverwaltung glaubt nicht, daß durch eine Aenderung der Sttahennamen die Republik gefestigt werde; praktische Bedenken bezüglich der Postbestellung usw. sprächen gegen den Antrag.
wd. Oppau, 14. Juli. Der Gemeinderat faßte -in seiner letzten Sitzung den Beschluß, den denkwürdigen 21. September in sinnvoller Weise zu feiern. Es soll ein K a - tastrophendenkmal auf dem Friedhof errichtet werden und das Andenken der auf dem Felde her Arbeit und der im g r o h e n Kriege gefallenen Helden zusammen geehrt und verewigt werden.
fpd. Betzdorf, 16. Juli. Du b en - Hände steckten die Seilbahn auf dem Käusersteimel in Brand. Sämtliche Förderwagen sausten zu Tal und stürzten hier zerschellt in die Tiefe. Der Brand zerstörte das gesamte Holzlager, die Schreinerei und die sehr erheblichen Holzvorräte sowie 2 Dynamomaschinen. Der Schaden beläuft sich auf mehrere Millivnenn Mark. Das Werk müßte still gelegt werden. Die Arbeiter sind brotlos.
fpd. Reustadt a. H., 16. Juli. Ein Anttag der mehrheitSsvzialifttschen und kom- munistiscben Stadttäte, den Reichstagsabgeordneten Dr. Helfferich, einen geborenen Reustädter, aus der Ehrenbürgerliste der Stadt zu streichen, wurde mit allen gegen die Stimmen der Antragsteller bzw. mit Uebergang zur Tagesordnung abge- lehnt.
• Wiederzunahme des Alkohol- mißbrauchss und seiner Folgen. In der Bremer Krankenanstall muhten 1921 95 männliche und drei weibliche Personen als Aikoholller ausgenommen werden. Das bedeutet gegenüber dem Vorjahre mit auch schon 60 Aufnahmen wieder eine erhebliche Steigerung um fast zwei Drittel, gegenüber dem letzten Kriegsjahre 1918 mit 9 Fällen gar eine Erhöhung um das Elf- fache. Dabei springt namentlich auch die starke Zunahme der Fälle von Säuferwahn von 2 im Jahre 1920 auf 8 im Jahre 1921 ins Auge. Die überwiegende Mehrzahl jener Personen stand tot den besten Iahven, itoi-
töen 20 imb 50, bdbön 40 zwischen 4t TRÄ 50 Jahren. Der sechste Tell der Einlieferungen entfiel bei den Männern auf die Sonntagnacht. — 3n gleicher Richtung weisen die Zahlen der Bremer Irrenanstalt. Dort bewegten sich die Ziffern der Ausnahmen wegen durch Trunk verursachten Geisteskrankheiten von 1904—10 tra ganzen in aufsteigender Linie, um von 1914 einigermaßen, von 1915—19 (Kriegszeit mit Allo« holbeschränkungen) beträchtlich abzusinken (36, 16, 10. 5, 5 Fälle). Seitdem zeigt sich wieder ein rasches Ansteigen: 1920 waren es 12 Manner, 1921 schon 23 Männer und 3 Frauen. Hierbei ist, wie von ärztlicher Seite ausdrücklich hervor^ gehoben wird, zu berücksichtigen, daß die tatsächliche Zunahme des AlkoholmihbrauchS in diesen Zahlen noch nicht zu ihrem vollen Ausdruck kommt, well die Entwicklung der alkoholischen Geisteskrankheiten längere Zeit in Anspruch nimmt,
* Eine Flucht, die 900 Millian den gekostet hat. In Reuyork ist em Bankier aus Odessa angekvmmen, namens Arkadi Ossipowitsch Tziprinsky, der früher für einen der reichsten Leute in Rußland gegolten hat. Er ist nur unter großen Schwierigkeiten aus seinem Vaterlande entflohen unb hat sich diese Flucht auch etwas kosten lassen. Wie er den Ausfragern mittellte, hat seine Flucht die Summe von 900 Milliarden Rubel verschlungen. In dieser Riesenrechnung befinden sich u. a. die folgenden Kosten: Ausbruch aus dem Gefängnis in Sebastvpol im Jahre 1919 2 Millionen Rubel, Flucht aus demselben Gefängnis 6 Monate später 250 Millionen Rubel, Bestechung der Beamten im Dienste des Generals Wrangel, von dem er zum Tode verurteilt worden war, 250 Millionen Rubel, Befreiung seiner Frau aus Odessa und Fahrt nach Konstantinopel 200 Millionen Rubel. In der Türkei verpfändete Tziprinsky die Juwelen, die seine Frau bei Ausbruch des Krieges dorthin geschickt hätte, und verschaffte sich so das Geld, um nach Amerika zu reisen. Die geradezu „asttono- mische" Zahl von 900 Milliarden schmilzt in ihrem Werte freilich gar sehr zusammen, wenn man bedentt, daß es Rubel waren
Handel.
Frankfurt a. M. 17. Juli.
Berliner Devisenmarkt.
Geld Brief Gelb Briet
Datum: 14. Juli. 15. Juli.
Amstd.-Rotterd. 16'77.2518222,76 17128,6617171,46 Druffel-Antw 3570,50 3579,50 3435 75 34*4,30 Ehristiania . ' . 7730,30 7746,70 7320,30 7339,20 Kopenhagen 9997,45 10022,55 9488 15 9491 35 Stockholm. . . . 12081,8512115,15 11395,7011424,30 HelsingforS 958 80 961,23 951,80 95450 Italien 2067,40 2072,60 1992,50 1997,50
London 2052,4a 2057,60 1955,05 1259,96
Reuhork .... »56,92 45b,08 438,45 439,56
Paris 3755,40 3764,70 3640 40 36tfiJ50
Schweiz .... 8813,95 8836,05 8424-45 8443.55
Spanien 7141,05 715b,95 6831,45 6848,55
Deutsch-Oesterr. 1,58 1,62 1,50 1,55
Prag . . . 1088,60 1091,40 996,75 999,25
Budapest .... 24.85 34,95 34,70 34,80
Buenos Aires . 163,27 163,72 156,42 15632
Bulgarien . . . 294,60 295,40 284,60 285,40
Japan 209,60 210,50
Rio de Janeiro 6192,- 6208,- 5932,- 6068.- Züricher Devisenmarkt.
15.7. 16.7.
Wechsel auf Schweizer Franke?
Holland 100 FI. = 202.40 202.10
Deutschland 100 QRt = 1.12 1.19
Wien 100 Kr. = 0.017 0.17
Prag 100 Kr. = 11.85 11.7t
Paris 100 Fr. = 42.275 43.20
London I £ — 23.17 23.19
Italien 100 L. => 23.575 23.85
Brüffel 100 Fr. = 40.45 40.85
Budapest 100 Kr. — 0.42 0.40
Reuyork 100 $ = 521.50 521.75
Agram 100 Kr. = 1.52 1.537
Warschau 100 Kr. --- 0,095 0,095
(In einem Teil der Auflage wiederholt.) Zeitungsverbote in München.
München, 14. Juli. Die kommunistisch« „Reue Zeitung" in München und bis „Bayrische Arbeiterzeitung" in Augsburg find wegen einer Kritik an der Rede oeS Mi ckstelp Lsid.'nten Lerchenfeld über Demo« Eratie, über die wir kürzlich berichteten, vom Minister des Innern auf drei Tage verboten! worden. Das Verbot ist auf Grund der Verordn nung des Reichspräsidenten zum Schuhe der Republik ergangen.
Zusammentritt des Völkerbundsrates in London.
London, 15. Juli. (WTB.) Am Montag wird der Völkerbundsrat in London zu« fammentreten. Die Beratungen sind zum größten Tell nicht öffentlich.
Amerika und die französischen Schulden.
Paris, 14. Juli. (WTB.) lieber die gestrig» erste Besprechung der französischen Finanzdelegierten Par mentier. ßen o neu und Boyer mit dem amerikanischen Schahsekretär Mellon erfahrt der Havasvertreter in Washington, daß das amerikanische Schatzamt Parmentier um Einreichung von Berichten über die französischen Budgets des vergangenen, laufenden und kommenden Jahres, um die Statistik der stanzosischen Produktion, des franzöfifchen Handels, der französischen Aus- und Einfuhr ersucht habe, die ihm nur unvollständig vorlägen. Selbstverständlich könnten auch alle anderen übrigen zweckdienlichen Auskünfte beigefügt werden. Rach Zusammenfassung des Aktenstückes werde Mellon sofort die Kommission zusammenberufen, vor der Parmentier die nötigen Erklärungen abgeben werde.
Schließung der britischen Postämter in Ehina.
Schanghai, 14. Juli. Die BH- tischen Postämter in Ehina werben am 31. Dezember d. IS. geschlossen werden
Eine Feuersbrunst iu Lille-Tourcoiug.
Lille. 15. Juli. (WTB) Eine heftige Feuersbrunst hat mehrere Gebäude^in Tour« coing zerstört. Der Schadeir beträgt Über eine Million Franks. Die Ursache des Brandes ist noch unbekannt


