Ausgabe 
17.6.1922
 
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Samstag, 17. Zunl 1922

Erstes Blatt

172. Jahrgang

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| Deutschlands Trauer um Oberschlesien. |

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Euer Heimatland zerreißt, die

Bruder vom Bruder trennt, reicht Euch das ganze deutsche Bolt Hand."

einem Gebiete, auf dem Gebiete Schuldfrage im Kampfe gegen

ihm nicht mehr verlangen. 6. Aufhebung des Meistbegünstigungszwangs. Er macht die deutsche Arbeitsleistung zum ohnmäch­tigen Spekulationsobjekt der fremden Konkurrenz und schließt darum eine Genesung unsrer Wirt­schaft bis zur Zahlungsfähigkeit aus.

Rur Erfüllung mindestens dieser sechs For­derungen könnte Deutschland befähigen, seine Schuld abzutragen. Wer in der heutigen Mensch­heit noch Empfinden für Recht und Billigkeit oder in den Völkerschicksale gestaltenden Poli­tikern Verständnis für Weltwirtschaft vermutet, würde sich mit den sechs Punkten nicht bescheiden. Ohne ihre Erfüllung steht Deutschland früher oder später vor unbezahlten Gläubigern als Bankrotteur oder gar Desperado, der das Innere seiner leeren Laschen nach aufton zieht und mit Aselzucken erklärt:Hier steh' ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir!" Auch seine Rachbarn aber wird schwere Rot -zu spät dann Beten und Einsicht lehren."

Vorläufig scheint die Einsicht bei unseren Gläubigern noch im weiten Felde zu liegen, wie diencueÄote derReparationS- tommiffion beweist. Auch ihre Fvrdermr- gen halten sich an das nun in (Paris schon ge­nügend erprobte Prinzip, durch Anilarheit neue Verwirrung zu schaffen und Unmögliches oder doch kaum zu Leistendes zu verlangen. Die 40 Milliarden Einnahmen, die wir durch die Zwo ngS an leihe bis zum l. Januar 1923 schaffen sollen, werden sich zum rnin- desten in der gestellten Frist wahrscheinlich nid)' aufbringen lassen, wozu noch kommt, daß vorläufig ein Weg. wie man die Zwange- anleihe überhaupt in einer für unser Wirt­schaftsleben erträglichen Form durchführen soll, sich nicht .zeigen will. Ebenso steht cs mit der Beseitigung des Defizits un­serer öffentlichen Betriebe, das zu beseitigen unter den heutigen politischen Verhältnissen auch weiterhin sehr schwer sein wird. Was crwiich in der Frage der Auto­nomie der Reicksbnnk gefordert wird, bedeutet in seiner Auswirkung eine so weit­gehende Beseitigung der Finanzhoheit des Reiches und müßte unserer Finanzpolitik solche Schwierigkeiten bereiten, daß ein Eingehen auf das Verlangen der Revarationskvmmission und als nicht möglich erscheint.

Do man also auch hinsieht, herrscht nach wie vor Verwirrung, Krisenstimmung und offene oder versteckte Feindseligkeit zwischen den Völkern der Erde. Schlechte Auspizien für die nun beginnende Konferenz im Haag. 3n Paris ist das Wort geprägt worden, es handele sich jegt um einen Zweikampf zwischen Lloyd George und sioin - care. Dieses Wort kennzeichnet tatsächlich recht gut die heutige Lage. 3m Haag sind im wesentlichen dieselben Mächte beteiligt wie vorher in Genua, aber es besteht doch zwischen beiden Konferenzen ein bedeutender Unter­schied. Deutschland ist ausgeschieden, well es in Rapallo sein Verhältnis zu Rußland, dem ja die Haager Konferenz gilt, schon wenigstens nn Prinzip geregelt hat. Amerika ist nur als Beobachter anwesend, Frankreich und Belgien sind zwar amllich vertreten, wollen sich aber ebenfalls nur auf dasB e - o b a ch t e n beschränken. Ob bei dieser Sach- läge sich hn Haag wird etwas erreichen lassen,

ist zweifelhaft. Viel wird davon abhängen, was bei der Zusammenkunft Lloyd Georges mit Poincare herauskvm- men wird.

Für uns Deutsche bleibt auch weiterhin die Pflicht, mit gespanntester Aufmerksamkeit die Verhandlungen zu verfolgen und unsererseits alles zu tun, um für die deutschen Belange zu wirkest. Dazu gehört aber besonders, daß wir alles daran setzen, Klarheit zu schaffen auf

Schuldlüge. Erfreuliche Ansätze dazu konnte man in der letzten Zeit festststellen. Das Erscheinen der ersten sechs Bände der diplo­matischen Akten des Auswärtigen Amts steht im Zeichen dieses Kanrpses um die Wahrheit. Der so eingeschlagene Weg muß zielbewußt weiter gegangen werden, von selten der Regierung, aber auch von jebeni einzelnen von uns. Jetzt, wo es sich um das Leben un­seres Volles handelt, muß jeder in den Dienst unserer Sache treten im Streben nach dem Ziele, die Lüge von unserer Allein- schuld auszudeden. Poincare hat es deut­lich genug gesagt:Wenn die Deutschen den Glauben erwecken können, daß auch die ande­ren Rationen einen Teil der Schuld tragen, dann wäre die erste Grundlage des Vertrages (von Versailles) beseitigt, und sie wären zu allen Hoffnungen berechtigt."

Nr. HO

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Treue um Treue!

Berlin, 16. Juni (WTB.) Der Reichs­präsident, die Reichsregierung und die I preußis che Staats regierung erlassen folgenden Aufruf:

(3m Trauertag ist angebrochen, den zu vermeiden wir drei Jahre heiß kämpften! Ein Teil Oberschlesiens wird heute einem fremden Staats­verband einverleibt; ein Teil des Landes, dessen Unzertrennbarkeit so oft von den Staats­männern und Sachverständigen aller Länder, am meisten aber von den Oberschlesiern selbst betont wurde,

ein kostbares Stück deutscher Erde, das tjt jahrhundertelanger Arbeit durch deut­schen Fleiß und deutsche Tüchtigkeit zur höchsten wirtschaftlichen Blüte gebracht worden ist, wird dadurch vom Mutterlands losgcrifsen. Rach den ersten Friedensbedingungen sollte ganz Oberschlesien kurzerhand Polen zugesprvchen wer­den. Eine der wenigen Aenderungen, die in Versailles durchgeseht werden konnten, war das Zugeständnis der Abstimmung. Die Oberschlesier wissen, unter wie vielen Hemmungen unb Be­drohungen, ja wie selbst unt er Gefahr für Leib und Leben die deutsche Bevölkerung an vielen Orten abftimmen mußte. Trotzdem und trotz der wenig verlockenden Lage Deutschlands sprach sich eine große Mehrheit für das alte Vaterland aus. Runmehr aber hieß es plötzlich, daß Oberschlesien teilbar sei. Vergeblich waren unsere Bemühungen, di: Widersacher zu überzeu­gen, daß nicht mir di: Verpflichtungen des Ver­sailler Vertrages, sondern auch das Gebot der wirtschaftlichen V.'rnuffk die Einheit fordere. Der Geirfec Spruch zerschnitt diesen blühenden, leben­digen Organismus grausam. Gegen diesen Spruch legten wir

W Kreises, ^schreiben |U Erfahren.

notwendig, die Cann er Beschlüsse als Grundlage für die Haager Konferenz zu nehmen. Die Rote erklärt sich mit dem Vorschlag Frankreichs einverstanden, das Programm auf drei Punkte, nämlich Kredit, Schulden und Pri­vat b e s i tz, zu beschränken. Deshalb sei eS un­nütz, von neuem auf der Zurückziehung deS ruffi» chen Memorandums zu bestehen.

Die russischen Delegierten.

London, 16. Juni. (Wolff.) Reuter erfährt, daß die Delegation der Sowjetregierung ür die Haager Konferenz sich folgendermaßen zu- ammenseht: Litwinow (Vorsitzender), K ra s- fi n, Krestinski, Rakowski und S o k o l n i- l o w. Die Delegation werde von einem Stab von 11 Personen begleitet.

Englisch-französische Befriedigung.

London, 16. 3unl (WTB.) Reuter meldet aus dem Haag, nicht nur in britischen, son­dern auch in französischen Kreisen herrschte ein guter Eindruck bezüglich der Ausstchten der Konferenz. Der französische Gesandte im Haag, D e n o i st, habe P o i n c a r 6 telegraphisch eine Befriedigung zum Ausdruck gebracht.

London, 16. Juni. (WTB.) DläUermel- dungen aus dem Haag zufolge sei es kein Ge­heimnis, daß alles getan werde, um die Ver­handlungen nicht a* kehr zu beschleu­nigen, bevor Lloyd George und Poin- c a r 6 am Montag in London zusammengetroffen seien, da die russische Frage zwischen den beiden Premierministern sicher erörtert werde.

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für alle Zeiten gültige Verwahrung ein.

Oberschlesier, die Ihr heute von uns scheiden müßt. Euch rufen wir die letzten Abschiedsgrüße zu. Habt Dank für Eure Treue! Die Gefühle, womit Ihr diesen 2ag erlebt, teilt mit Euch das deutsche Volk Wir bemühten uns, durch ein Abkommen mit Polen Euch und ganz Ober­schlesien nach Möglichkeit zu halfen. Auf klarer Rechtsgrundlage soll Euch vor allem das Gut erhalten werden, woran Ihr hängt wie wir: die deutsche Kulturgcnreinschaft, die deutsche

Sprache, daS deutsche Heimatgefühl.

Oberschlesier, die Ihr bei uns bleibt, die 3f/r nach jahrlangem Dulden und Harren der Fesseln der Fremdherrschaft ledig werdet: Seid gewiß, baß wir Euch nach Kräften helfen werden, tic schweren Wunden zu heilen, welche Euch die Zaire der Bedruckung geschlagen haben. Unter dem Schutze des Rechts und der Frei­heit werdet Ihr wieder Eurer friedlichen Be­schäftigung nachgehen und mit uns an dem Wiederaufbau unsere« Vaterlandes arbeiten. Ihr werdet Euch durch die berechtigte Erbitterung zu keiner ungesetzlichen Handlung verführen las­sen; 3hr werdet das in Genf geschlossene Ab­kommen wahren. 3hr wißt, chaß eine Kommis­sion unter neutraler Führung über den Schch der Rechte der Polen Hier und der Deutschen dort wachen wird und daß 3hr Euren Dolks- genossen jenseits der neuen Grenze keinen Dienst leisten würdet, wenn 3hr für das Erduldete Ver­geltung üben wolltet.

Oberschlesier! 3n der Schicksalsstunde, die

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lerßtn tm Trüben zu fischen.

Durch Frankreichs Schuld ist also die AeparationSkrise erneut verlängert worden. Da unsere seinerzeitigen Zugeständnisse in Paris nur unter der Bedingung ge­macht worden waren, daß wir eine Anleihe er­hielten, ist die Lage wiederum völlig ungeklärt und sehr ernst: Wir sind vor neue, schwerwiegende Entschlüsse gestellt.

DieDeutsche Allgemeine Zei­tung" veröffentlichte unter der Lieberschrift Deutschlands sechs Punkte" zu dem Bericht des Anleiheausschusses eine Aus­lassung, die uns tatsächlich durchaus das Rich­tige zu treffen scheint, wobei man noch be­rücksichtigen muß, daß die Zeitung, die be- kannlltch Hugo StinneS gehört, vermut­lich die Auffassung der führenden, wirtschafts­politischen Kreise wiedergibt. 'Das Blatt schreibt u. a.:

.Unser Entschluß, auch die brüdenbften ein­mal übernommenen Verpflichtungen abzu­tragen, bleibt unwandelbar. Doch ist der deutsche Wirtschaftskörper augen­blicklich nur noch ein T v r s o, dem Willkür und Vertragsbruch seit dem Dersalller Frieden tag lich Lebensblut rauben und immer wieder neue Glieder entreißen, deren Arbeit doch die uns aufgebürdeten Schulden tilgen soll. Wir können arbeiten nur mit den verlorenen Gliedern und können zahlen nur ohne den täglichen Aderlaß Solange die Gläubiger uns der Möglichkeit zu ersprießlicher Arbeit berauben, werden wir et­waigen Anleihevergebern nicht als kreditwürdig gelten. Wer von Deutschland Milliarden er^ wartet, muß uns daher zugestehen: 1. Räu­mung von Duisburg, Düsseldorf, Ruhrort und Fortfall der 26prozentigen Ausfuhrabgabe Primitivstes Rechts­empfinden gebot, wie seinerzeit die öffentliche Meinung besonders in England zum Ausdruck brachte, 2lufhebung dieser ^Sanktionen", als Deutschland sich dem Londoner Ultimatum beugte. 2 Räumung der besetzten linksrheinischen Lande. Gleichzeitig Milliarbenschulden abzutragen und ben fremben Militarismus zu füttern, ist für Deutschland un­möglich. Die Denkschrift des Reichsfinanzmini- fterhimS über bic Defehungskosten nennt schier groteske Einzelziffern des täglichen Aderlasses am Rhein. 'Die Iahressummme kommt nahezu dem gesamten Lieberschuß der deutschen Volks­wirtschaft der Vorkriegszeit gleich. Das muß uns zahlungsunfähig machen. 3. Räumung des Saarlandes. Der Versailler Friede ver­traute das Saargebiet bis zur Rückgabe an Deutschland der Obhut des Völkerbundes an. Trotzdem bereitet eine rein französische Verwal­tung durch Aushungerung und Verdrängung der 3nbuftric der Bevölkerung die Annexion vor, besteht für die kerndeutschen Saarländer kein Selbstbestimmungsrecht. Anspruch darauf sicher' ten ihnen mindestens jene 34 Punkte". die uns tm Herbst 1918 verführten, die Waffen nieder­zulegen. Eine Mehrheit unsers Volks traute dem Wort eines Präsidenten der Vereinigten Staa­ten und baute auf den nationalen Ehrsinn der Wnerikancr. die wir noch heute durch das feier­lich aller Welt verkündete Versprechen ihres damaligen Staatsoberhauptes gebunden betrach­ten. Ungehemmter Handelsverkehr mit einem nicht geknechteten Saarland und deutsches Ver­fügungsrecht über die Saarkohlen würde das Abträgen unsrer Kriegsschulden beschleunigen. 4. Freigabe des deutschen Handels m i t Danzig und durchdenÄorriöo r, wie in Versailles stipuliert worden ist. Die Be­engung unseres Handels bezweckt lediglich die Abschnürung Deutschlands voii einer unentbehr­lichen Kornkammer. Wir sollen arbeiten, aber dürfen nicht offen. 5. Grenzregulierung in Oberschlesien gemäß Versailler Frie­den. Die Widersinnigkeit der willkürlichen Zer­reißung wirtschaftlicher Einheiten, die nur in Geschlossenheit Werte schassen und Schulden- tilgung fördern können, entlockte sogar in Ober­schlesien weilenden Engländern von Amt und Rang Worte dec Empörung vor deutschen Ohren. Brutaler Vertragsbruch entriß unserem Wirtschaftskörper das vielleicht noch träftigfte seiner Glieder. Wer einem Schuldner die rechte Hand abhackt, darf Qlrbcit und Bezahlung von

General-Anzeiger für Gberhessen

Druck unb Verlag: vrllhl'sche Univ, vuch- und Sfehtbrnderci R. Lange. Schriftlettung, Geschäftsstelle unb Druckerei: Zchulstratze 7.

Wochenrückblick.

Ohne zu einem greifbaren Ergebnis seiner \ Beratungen gekommen zu sein, hat sich der Anleiheausschuß in Paris vertagt. Die Anletheverhandlungen sind ge­scheitert, und die ReparativnSkrise ist wieder akut geworden.

Durch wessen Schuld? Darauf gibt wenn es überhaupt jnotwendig war, noch einmal festzustellen, was ohnedies schon jeder wußte, so geschah es hierdurch der Be­richt des Anleiheausschusses über die Gründe seiner Vertagung, den Morgan in einem Interview noch unterstrich, unzwei­deutig die Antwort: Durch Frankreichs Schuld. Der französische Widerstand in der Frage der Regelung der Reparationen ist es gewesen, der die Anleiheverhandlungen be­wußt sabotiert hat. Dem in Paris regieren­den Klüngel der Chauvinisten um Poincare ist ja auch an einer Lösung der Krise nichts gelegen; denn wenn eS so gelungen wäre, Deutschlands finanzielle Leistungsfähigkeit auf eine gesunde Grundlage zu stellen, so wäre ihnen die Möglichkeit genommen worden, wei-

Die Haager Konferenz.

Cine Kommission für die russischen Angelegenheiten.

Haag, 16. 3uni (WTB.) (Riederländi­sches Korrespondenzbureau.) Heute vormittag 11 Uhr trat die Konferenz zu einer Sitzung zu­sammen zur Besprechung der Beschlüsse ber Genueser Konferenz Es wurde eine Kommission für die russischen Angelegen­heiten ernannt, die in drei ilnterf ommif - Honen zerfällt, eine für die Staatsschul­den, eine für das Privateigentum und eine für dieKredite. Die Sitzung dauerte bis 1 ilßr.

Heute nachmittag 4 ilßr werden die Beratun­gen fortgesetzt werden. Dann werden die Me­thoden festgelegt werden, die die russische Kom­mission befolgen soll. Rach Schluß der Sitzung werden.sich mehrere Delegierte nach ihren Län­dern begeben, um mit ihren Regierungen die Beschlüsse des heutigen Tages zu beraten. 3n der Sitzung vom Montag soll dann mitgeteilt wer­den. ob die verschiedenen Regierungen mit den heute gefaßten Beschlüssen einverstanden sind, damit endgültige Beschlüsse festgelegt werden können.

Die italienische Note.

P a r i s, 16. 3unj. (Wolff.) Ha va s meldet: Die italienische Antwortnote auf das französische Memorandum ist für eine weitgehende Auslegung der Feststellungen der Sacl verständigenkvnserenz, um es dadurch jeder Regierung zu ermöglichen, die befähigten Persön­lichkeiten zu bezeichnen. Es sei wünschenswert, daß die Delegierten zu der Konferenz, von der bu Russen ausgeschlossen seien, auch an der Kon­ferenz teiUuneßmen. zu der die Russen ringt- laden feien. Die erstere Konferenz hätte sich dar­auf befchräickt, ein Verfahren für den Zusammen­tritt der zweiten Konferenz festzulegen. Es sei

PoincarSs Abreise nach London.

Paris 16. Juni. (WTB.)Ministerpräsidenk Poincare ist heute nach London abge­reist. 3n einer Hotu von offiziösem Anstrich streitet dieLiberte^ der vorgesehenen Zusam­menkunft Poincares mit Lloyd George die poli­tische Bedeutung ab, die ihr zugeschrieben worden ist. Poincare gehe auf die Einladung eines nichtvfsiziellen Vereins privatim nach Lon­don. Erst am Montag werde er auf Einladung Lloyd Georges in der Downing Street frühstücken, jedoch lasse nichts die Behauptung zu, daß sich hieran eine politische Unterredung anschließen werde Poincare sei deshalb auch ohne alles Aktenmaterial und ohne einen Be­amten des Ministeriums für auswärtige Ange­legenheiten mitzunehmen, abgereift. Das Blatt dementiert die englischen Rachrichten, daß die Be­sprechung sich auf das französisch-englische Garan­tieabkommen beziehen würde, und daß der fran­zösischen Regierung ein Memorandum hierzu übergeben worden wäre.

Anfragen

in der französischen Kammer.

Paris, 17. Juni. (WTB.) Der sozialistisch« Abgeordnete Leon Blum hat eine Interpel­lation eingereicht über die Art und Weise, wie die französische Regierung bas Reparations­problem auffaßt, und wie sie nunmehr den Ver­sailler Vertrag und den Londoner Zahlungsplan anzuwenden gedenkt. Andererseits hat der rechts­sozialistische Abgeordnete A u r i l ebenfalls eine Interpellation eingebracht, die als die Folge des Entschlusses des Anleiheausschusses bezeichnet wer­den tonn. Auch dieser Abgeordneter wünscht Aus­kunft über die Vlaßnahmen, die die Regierung zur Wiederherstellung der finanziellen und wirt­schaftlichen Lage Frankreichs zu treffen gedenkt, damit in praktischer und endgültiger Weife das Reparationsproblem einer Lösung ent­gegengebracht werde.

Aus dem Reiche.

Neuwahl des Reichspräfidenten Anfang Oktober.

Berlin, 16. Juni. Wie eine Parlaments« korrespondenz wissen will, sei nach den bisherigen Besprechungen zwischen den Reichstagsparteien und der Reichsregierung anzunehmen, daß An­fang Oktober die Reuwahl des Reichs­präsidenten erfolgen werde. Vorher werden dem Reichstage noch zwei mit der Wahl zu­sammenhängende Entwürfe zugehen, von denen der eine die PensionsVerhältnisse des Reichs­präsidenten regelt. Ueber die Aufstellung von Kandidaten fanden Besprechungen noch nicht statte

Besprechungen der Koalitionsparteien.

Berlin, 16.Juni.(Wolff.) Heute vorrnit-q tag 11 Ahr hatten im Reichstage die Koa-- litivnsparteiert Besprechungen über die Zwangsanleihe, die Erbschaftssteuer und die Getreideumlage. Heute nachmiftag wird der Reichskanzler mit verschiedenen Par­teiführern sich über die Lage besprechen.

Die TeuerungSzuschlage der Beamten.

Berlin, 16. Juni. (Wolff./ ImBeamten* ausschuß des Reichstages erklärte R.gierungs- rat Schilling im Auftrage des RLichssinanz- Ministeriums $ur Frage der Teuerungs­zuschläge für die Beamten, baß die Reichs-» rcgieiung die Rotwendigkeit der Teuerungs- zulchläge nicht verkenne. Eine abschließende Stel­lungnahme sei aber noch nicht möglich, da zunächst noch mit den wirtschaftlichen Verbänden der Be-» amten, Arbeiter und Angestellten Fühlung genom*1 men werden müßte. Dies solle am 20. 3unj geschehen. Im allgemeinen würden sich die Maß­nahmen in der Richtung der Erhöhung der Teuerungszaschläge bewegen. Der Ausschuß rahm darauf et ei Antrag Morath-Dr. Schisser lD. Dp.) an, nach dem die Vorlage über die Teu-, erungszuschläge [o zeitig ctrguErtngen ist, baß be*

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