Ausgabe 
16.5.1922
 
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Nr. U4

Zweites Blatt

Sietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Dienstag, (6. Mai 1922

das su erkennen ihm nicht gelang. Es sah nicht wie das Heidemädel aus, aber Heiner wußte auf eine unerklärliche Weife, daN cs das Heide­mädel war. Unbefianmert zertrat es die lieb­lichen Heideblumen zu feinen Füßen. Unö plötz­lich erkannte er, das) es gar keine Blumen waren, auf die es achtlos den Fuß setzte, sondern zap­pelnde. purzelnde Zwergmännlein, die vor dem Mädchen entsetzt auLeinanderstoben. Ein paar Dörfler waren darunter, die gebärdeten sich tote im Veitstanz und schrien unaufhörlich mit nadel- dünnen Stimmen:

.Dole Haar unb Erlenstecken

Wachsen auf kein 'guten Flecken!"

Heiner faß plötzlich aufrecht im Bett und staunte vor sich hin. Woher tarn ihm mit einem Male der ungereimte Einfall, bil> zwischen dem verschwundenen Wecbfeldalg von dem er gestern im Ärvf etwas halle läuten hören, und dem Heidemädul möglicherweise ein Zusammenhang be­stand. Er kniff sich in den 21rm, um sich zu über­zeugen, das) er noch wach sei. Er rieb sich die Äugen und fab sich um. Dämmrig sah der Morgen durch die Scheiben, bte ersten Vogel­stimmen waren wach.

CRotc Haar und Erlenstecken Wo hatte er diesen Spruch schon einmal gehört c Richtig! Der Weberhannes hatte ihn gebraucht, als er gestern seine Geschichte zum besten gab. Run er­innerte er sich wieder der Erlebnisse des Abends, des Spottes der Bauern, ihrer älnwissenheit und ihres Aberglaubens. Besonders der letztere gab ihm za denken! Es schien ihm, als ob er bxe unabänderliche Form ihres Denkens fet

Er sprang mit beiden Demen aus dem Bett.

Deutscher Reichstag.

210. Sitzung, 2 Uhr nachmittags.

Berlin, 15. Mai 1922.

Fortsetzung der Aussprache über den Poftetat.

2Cbq. Zubeil (Unabh. Soz.) meint, mit der Sparsamkeit bei der Post sei es schlecht be­stellt. Es wimmele dort von höheren Aufsichts­beamten, während Arbeitspersonal fehle Wenn nicht viele höhere Beamte durch mittlere erseht würden, werden sich trotz aller Gebührenerhöhun­gen keine groben Ersparnisse erzielen lassen. Be­amte einer Oberpostdirektion seien gezwungen worden, eine Glückwunschadresse nach Doorn zu unterschreiben. Darin liegt eine Verhöhnung der Republik Der Redner geht dann auf die Zu­stände bei den Berliner Postämtern ein und be­klagt, dast die Beamten vielfach bei der Ausübung ihrer politischen Rechte beschränkt werden Außer- dem Iritifiert er die fortdauernden Entlassungen von Helferinnen, welche über viele Familien Sor­gen und Entbehrungen bringen und die allem An­scheine nach zwecklos seien, da an die Stelle der Entlassenen junge 16jährige Mädchen treten würden.

Abg. OH obrat (D. Dpt.) regt an, bei der Tarifierung der Pakete entsprechend drö Wün­schen der Handelstreibenden die Staffelung von 5 Kilogramm aus 6, 7 und 8 Kilogramm vorzu- uehmen, statt gleich auf 10 und 15 Kilo. Der Redner wendet sich gegen die Forderung des sozialdemokrattschen Parteitages, alle Beamten zu entlassen, welche noch die alten Vordrucke mit den Worten Kaiserlich" verwenden. Diese Leute zeigen jedenfalls mehr Eharakterstärke, als alle die, welche bis zum 9. Rovember kaisertreu bis zum Knopfloch waren und sich dann plötzlich als Republikaner gerierten. 3m übrigen dürfe man von den Beamten nicht den Achtstundentag in wirklicher Arbeit verlangen, wenn für die Helfer schon der achtstündige Dienst als voll an­gesehen werde. Der Aufbesserung der Postagenten stimme er zu, nicht aber der Entschließung, daß Beamtinneir wegen unehelicher Mutterschaft zu entlassen seien.

Relchspostminifter Gtesberts (Ztr.): Die Ibrungtafte Entwertung des Geldes macht die Gebützrener Höhung unbedingt notwendig. Dtr Postkarte soll tm Ortsverkehr wie bisher 75 Pf kosten, tm Fernverkehr 1.50 Mk., Briefe im Orts- bertebr 1 Mk. statt bisher 1.25 Mt., im Fern­verkehr 3.00, 3.50 und 4.00 Mu, fc nach Ge­wicht Die Kosten für bte Drucksachen beginnen bei 50 Pf. Die Einnahmen Haden sich schon im März nach anfänglichem Rückgang über die Vor­anschläge hinaus vermehrt. Bei der Aufstellung der Dienstpläne mutz der Sei rat darauf achten, daß bte achtstündige Arbeitszeit auch restlos aus- genützt wird 3m übrigen wird das Hilfs­personal nicht einfach auf die Straße gesetzt, sondern erhält nach Ablauf der Kündigungsfrist noch einen Monat Gehalt. Die Wünsche der rntttseren Beamten hinsichtlich ticr Beförderungs­möglichkeiten sind berechtigt und muffen wohl­wollend verfolgt werden. Auch die Frage der ver- heirateten Beamtinnen wird sich hoffentlich noch regeln lassen. Es gibt aber auch Fälle, in denen die Beschäftigung einer Hausmutter geradezu in» <nbglid) ist Die monatliche Regelung der Zet- tungs-ZustellungSgebühr erfordert erhebliche Mehrarbeit, da die Listen dreimal so oft fertig- gestellt werden müssen. Für den Verleger kommt die Gefahr hinzu, mit weit mehr Abbestellungen und ilnregelmäfvtgtciten rechnen zu müssen. Gleich­wohl werden wir diese Frage im Auge behalten Pflichtbewusstsein und Verantwortlichkeitsgefühl treten wieder erhöht in die Erscheinung. Die 5älle von Postsachenberaubung sind gegenüber dem Vorjahre auf den zehnten Teil gesunken. Eine Densschrift über den Postscheckverkehr wird dem Reichstag vorgelegt werden. Die Fernsprech­einrichtungen weiden dauernd verbessert, da sie trotz Funkentelegraphie und Luftverkehr die zu­verlässigste und schnellste Rachrichtenübermittlung bleiben werden . Der Minister schließt mit der Erwartung, daß der Verkehr bald wieder seine alte Höhe erreicht haben wird.

Abg. Delius (Dem.) schildert die Erbitte­rung im Publikum über die sprunghafte Gebühren - erhohung und sieht den Hauptgrund in dem Um- stand, daß während des Krieges eine falsche Ge- bührenpvlltik getrieben wurde. Rentabel mühten die Betriebe sein, aber nicht mit Hilfe der Er­drosselung deS Verkehrs. Äritif an der Ver­waltung wäre nötig. Sie dürfe aber nicht zu ungerechten Angrissen führen. Hedenfalls kranke die Verwaltung an Personalüberfluh. Natürlich könnten aber jetzt nicht zehntausende von Beamten einfach abgeschoben werden. Wir müssen uns auf eine Verringerung der Hilfskräfte unter Vermei­dung von Härten beschränken. Der Redner tritt namentlich für die Sefretäre ein.

Staatssekretär im ReichSschahamt Teuken: Don der Gesamteinnahme werden nur 52 Prozent

für Dermal tu ngsz wecke verwendet. Wo eine grö­ßere Anzahl höherer Beamten vorhanden ist, handelt es sich keineswegs lediglich um Aufsichts­führung.

Abg Heidemann (Komm.): lleberall sehen Sie im Post wesen nur Rückschritt. Der Minister sollte sich darum deutlich zum Acht­stundentag bekennen. Er sollte als alter Gewerk­schaftler Vertrauen zu den Unterbeamten, den Ar­beitern, dem Proletariat haben und sich nicht immer- von der Bureaukratie der bis aus die Knochen reaktionären Monarchisten bei seiner Per- svnalpolitik einwickeln lassen. Derartige Dinge sollte er dem General Gröner überlassen. Beamte und Arbeiter sollten sich gegen die jetzige Stinnes- Regierung die Hand reichen.

Wetterberatung Dienstag vormittag 11 Ubr. Vorher Anfragen. Schluß gegen 8 Uhr

Eine außenpolitische Woche der deutschen Presse.

Goslar, 15.Mai. (Wolss.) Unter Leitung des langjährigen früheren Reichstagsabgeordneten Dr. Hugo B o e 11 i g e r und der Reichstags­abgeordneten Frau v. O h e i m b findet vom 15. bis 20. Mai die außenpolitische Woche der deutschen Presse, veranstaltet vom außenpolitischen Ausschuß der deutschen Presse sowie von der deutschen Hochschule für Politik und deren Leiter, Prof. Zäacl, in Goslar statt. Die Veranstaltung, die von einer Reihe führender Journalisten aller Parteien angeregt wurde, ver­folgt den Zweck, der Presse in einer Vortrags- folge Richtlinien für die auswärtige Politik zu vermitteln.

Eröffnet wurde die Veranstaltung mit einem von Frau von Oheimb geleiteten Begrüßungs­abend. Als Erster begrüßte Dr. B o e 11 i g e r die anwesenden Vertreter der Behörden, der Par­teien und der Presse und teilte mit, daß wegen zu starken Andranges ein Teil der Pressevertreter an dem ersten Kursus nicht teilnehmen konnte und daß er deshalb bald wiederholt werden soll. Die Presse müsse an ihrer Vervollkommnung arbeiten und sich ihrer Verantwortung vor allein in der auswärtigen Politik bewußt sein. Der Kursus sei nicht mit einer Tendenz belastet, weshalb er auch Unterstützung aus den verschiedensten Kreisen erhalten habe. Der Kursus soll dem Ausgleich zwischen rechts und links auf dem Gebiete der äußeren Politik dienen. Hierauf verlas Ge­sandter Rauscher als Vertreter des Auswär­tigen Amtes ein Telegramm Aathenaus, m welchem dieser in der Hoffnung, daß dieser Kursus für die Außenpolitik von Rutzen sein möge, die Tagung mit seinen besten Wünschen begleitet. So­dann hob der Gesandte u. a. folgendes hervor: Die außenpolitische Woche der deutschen Presse ist eine Reflexerscheinung des Erlebens der lehtenZahreund der Erkenntnis, daß in der inneren Politik Fehler gemacht werden können, die wir wieder richtig­zustellen vermögen, daß aber Fehler in der aus­wärtigen Politik etwas anderes bedeuten, nämlich, daß uns der nächste Augenblick die Verfügung aus den Händen nehmen kann. Jahrzehnte lang waren wir Deutsche die sogenannten gelernten 3nnenpolitiker. Seither ist es anders geworden. Hetzt wissen" wir, daß in politischer Beziehung einem häufig der Rock näher ist als das Hemd. Richt die Querelie dAllemana ist für unser Schicksal maßgebend, son­dern die Maße für unsere Entwicklung sind in der Außenpolitik gegeben. Bet diesem Kurs handelt es sich nicht am Herstellung einer Ein­heitsfront, nicht am ein in sich verschwimmendes Feldgrau der Ansschten. 3m politischen Alltags­leben bin ich Gegner der sogenannten Einheits­front, da eine solche sehr oft brüchig ist. Etwas anderes ist Disziplin in der Kritik. Etwas an­deres ist es, den Wunsch unterdrücken zu lernen, sein Licht leuchten zu lassen. Etwas anderes ist es, den richtigen Zeitpunkt für seine Kritir zu wählen. Wenn ich den Sinn 3hrer Veranstaltung richtig verstehe, dann handelt es sich darum, in dieser Goslarer Woche Krikiker heran» zabilden, die Sachkenntnis haben und fruchtbar mitarbeiten können. Eine Regierung kann sich Anhänger verschaffen. Sachkundige Krittler müssen dagegen herangebildet werden. Aus der Beherrschung des <5toffeS heraus zu urteilen, das ist es, was wir brauchen. Daraus kann das Ge­fühl des Schicksals der Gemeinschaft entstehen and das Gefühl der Gemeinschaft der Rationen. Wenn aas dieser Tagung sich etwas entwickeln sollte wie ein Geist von Goslar, dann möchte ich wünschen, daß er ein Geist der Verantwortlichkeit fei, der an die Stelle beS nur zu oft vorhandenen Besser­wissens in Zukunft das bessere Wissen setzt. Zam Schluß seiner von lebhaftem Beifall 'begleiteten Ausführungen sprach Rauscher Fraa v. Ohcimd als der Protektorin der Woche seine bestenWünsche für den gedeihlichen Fortgang des begonnenen Werkes aus.

DieSakramentshex. Roman von Warte Kerschensteiner.

21. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

-3er respektwidrige Ton verstimmte Heiner, er brach das Gespräch ab. Unö während die 'Verstimmung in ihm nachwirkte, hörte er mit halbem Ohr eine langatmige Erzählung, die der alte VöeberHanries an seiner Seite vom Stapel ließ, eine Erzählung, die von Wunderdingen strotzte aiib in der ein Pfarrer, em Bub, ein Wechselbalg and eine Kirchweih eine erh.bliche Rolle spielte. Sie interessierte ihn nicht, deshalb machte er sich ein wenig brüsk von dem Alten los, zahlte sein Bier und ging.

Ein Wust von Stimmung und unvollendeten Gedankeng>ingen spatte ihm im Kops. Zu Hause angelangt, legte er sich unverzüglich ms Bett, er hoffte die Mißstimmung zu verschlafen. Er schlief auch gleich ein, nachdem er sich die Kissen in der gewohnten Weise unter dem Kopf zurecht ge­stopft hatte.

3n dieser Rächt hatte Heiner einen seltsamen Traum: 3n der Heide sich ergehend, sah er plötz­lich einen seiner ehemaligen Examinatoren aus der Ferne daherkommen. Er wünschte diesem Herrn aus dem Weg zu gehen, weil er das Gefühl hatte, schlecht vor ihm bestanden zu ha­ben. Aber der Professor kam mit Windeseile auf ihn zu, es gab kein Entrinnen. Er trug auf dem Kopf statt des Hutes loderndes Feuer. Unb als Heiner genau hinsah. war es gar nicht mehr der Professor, sondern em weibliches Wesen,

Frau v. Oheimb dankte dem Regierungs- Vertreter für die freundlichen Worte und betonte, daß es ihr bei allem Machtverlust in Deutsch­land so erscheine, als ob wenigstens eine Macht geblieben sei. die Macht der Presse, die sich ient einmal einheitlich bewährte, nämlich bei den Der Handlungen in Genua Eie hoffe von dieser Olkacht, daß sie den Weltfrieden und die allgemeine Ge­sundung fördern werde. Hierauf ergriff Regie rungsrat Kusserow das Wort, um den Er­schienenen die Grüße der Provinzialregierung und die besten Wünsche für den erfolgreichen Derlaus der Tagung zu übermitteln. Ramens der Stadt Goslar drückte Bürgermeister K l e n g^c den Wunsch aus, daß sich die Teilnehmer der Tagung in der tausendjährigen Stadt wohlfühlen möchten. Er verwies auf die alte Tradition GoslarS und den Geist, der stets die Reichsherrlichkeit im Auge gehabt habe, und der auch über der jetzigen Ta­gung schweben möge. Das Wort von derGroß­macht Presse" sei kein leerer Wahn. Ze länger und intensiver die Fühlungnahme Saluten den bedeutendsten Männern des poli­tischen und wirtschaftlichen Lebens mit den Män­nern der Feder ausgebaut werde, desto enger und nachhaltiger werde sich der Staatsbürger in einer Richtung bestimmt ausgeprägter Politik beein­flussen lassen, damit sich die Einheitsfront des Ge­dankens eines großen starken Deutschlands gegen­über dem Ausland durchsetze. Rach Ansprachen der Vertreter verschiedener Parteien erklärte der Vertreter des Reichsverbandes der deutschen Zeitungsverleger v. B o e 11 i ch e r. die gesamte deutsche Verlegerschaft bringe der heutigen Er­öffnung der außenpolitischen Tagung ganz be­sonderes 3nteresse entgegen. Richt nur die Re­dakteure trügen eine schwere Verantwortung gegenüber der Volksgemeinschaft, sondern ebenso die deutsch? Verlegerschaft. deren Präsident Dr. Faber nur durch Erkrankung verhindert fei. per­sönlich seine aufrichtigen Wünsche für den er­folgreichen Verlaus der außenpolitischen Woche darzubringen.

Die Versammlung, die eine namhafte An­zahl hervorragender Vertreter des öffentlichen Lebens vereint hatte, schloß mit einem ange­regten Meinungsaustausch.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 16. Mai 1922.

"DieDvrderseitederPo st karten. Es wird vielfach nicht beachtet, daß bei Post­karten die rechte Hälfte der Vorderseite für die Anschrift des Empfängers, der Freimarken und die dienstlichen Vermerke (Einschreiben usw.) Vor­behalten ist. Am häufigsten axirb gegen diese Dor­schrift dadurch verstoßen, daß die Angabe des Absenders sich über die ganze Breite der Dorder- seite erstreckt. Dies führt tm Derkehr mit dem Ausland, besonders mit den Rrederlanden, zu er­heblichen Unzuträglichkeiten, weil solche Postkar­ten als Briefe behandell und demgemäß mit hohen Rachgebühren belegt werden. Denselben hohen Rachgebühren unterliegen Postkarten nach dem Ausland, deren Ausdehnungen 14:9 Zentimeter überschreiten. Größere Karten (bis 15,7: 10 7 Zentimeter) sind nur tm 3nlanb und im Derkehr mit Danzig. Memel und Oesterreich zugelassen. Auf die 3nnehaltung obiger Dorschristen werden daher die Versender im eigenen Ruhen erneut dringend hingewiesen.

Landkreis Gießen.

Beuern. 15. Mai. Don dem Reinertrag der in Steuern gegebenen Meist erbilder- anda cht konnte Herr Zordan dem Dotts- bildungsveiein 520 Mk. zur Verfügung stellen.

Kreis Schotten.

E. La u bach. 14. Mai. Die heute dahier ab» gehaltene Dürgermei st erwähl erbrachte folgendes Ergebnis. Don den sieben aufgestellten Kandidaten erhielten Stimmen: 1. Böhm. Zul. Johann, 372 Stimmen, 2. Emmelius, Aug., 32 Stimmen, 3. Kreider, Wilh., 135 Stimmen, 4. P i h, Wilh. II., 105 Stimmen, 5. Schmidt. Otto II., 203 Stimmen, 6. Stotz, Karl Konrad, 29 Stimmen, 7. Schreiner, Wilh., 10 Stimmen. Da die Abstimmung eine absolute Stimmenmehr­heit nicht erbrachte, wird eine Stichwahl zwischen den zwei Höchstbestimmten stattfinden müssen. Don 1170 Stimmberechtigten wurden 886 Stimmzettel abgegeben.

Starkenburg und Rheinhessen.

tob. Bingen. 14. Mai. Ein Wald- branb entftanb stn Distrikt Kreuzbach im Binger Wald. Die Ursache ist noch nicht be­kannt. Das Feuer dehnte sich trotz der Feuch­tigkeit des Laubes verhältnismäßig schnell aus. Ein ziemlich großes Stück Wald ist ver- 6 Damit.

Dingen. 14. Mai Eine Hamster« plage in Rheinhessen veranlaßt die Gemeinden, mit allen Mitteln zu versuchen, sich dc- ge­fährlichen Ragers zu erwehren, der jetzt besonders an den jungen Saaten großen Schaden anrichtet. So haben z. B. die Gemeinden Gimbsheim und Mettenheim fürjeden HamsiereinePrä- mie von 15 Mark ausgesetzt.

Kreis Wetzlar.

el. Wetzlar. 15 Mai Dom 12. bis 14. Zant wird hier das 150jährige Zubilaum an Goethes Aafenihalt in Wetzlar ge­feiert werden, und zwar am 12. durch einen Rezitationsabend im Kasmo, am Dien-taz, den 13. Zuni, durch Festakt rm 10 Uhr, gemeinsames Mittagessen am 1> ? Uhr und Konzert am 8 Uhr abends, alles im Schutzengarten. am Rachmittag wird ein Aasslug nach Garbenb nnWahlheim gemacht. Am 14 Z.rni um 9 Ubr ein Bef rch des ReichslammergerichtS-Archivs. des Doms. d?S Zerasalemhauses und anderer SedenSwürdig- teiten der Stadt, Mittagessen tm Kaftno, nach mittags Abflug nach Vo pell-Hausen and dm Kirschenwäldchen. Di? Fvstkarte lollll 30 Mt.. die für 2 Personen gilttge Familien karte 50 Mt Diese berechtigen zu allen Veranstaltungen inb zum Eintritt in alle Sammlungen. Preis für die einzelne Darbietung 15. 10 und 5 Mk., Preis des Mittagessens etwa 35 Mt Es ist sehr wünschens­wert. daß die Karten früh bestellt w?rden and die Teilnahme am Mittagessen möglichst bald beim Bürgermeisteramt zu Wetzlar angem?lbet wird.

Handel-

Frankfurter Echlachtdiehmarkt.

Frankfurt a. 1, 15. Mai. (Amtlich.) Marktverlauf: Bei langsamem Handel wurden Rinder unb Kleinvieh ganz, Schweine nahezu ausverkauft. 3m einzelnen ist zu bemerken: Aufgetrieben waren 1059 Rinder (einschl. 18 aus Dänemark), darunter 95 Ochsen, 38 Bul­len, 926 Färsen unb Kühe, ferner 535 Käl­ber. 214 Schafe unb 1433 Schweine. An Prei­sen wurden angelegt pro Ztr. Lebendgewicht: für Ochsen 1800-2950 Mk., für Bullen 1800 bis 2700 Mk., für Färsen unb Kühe 2000 bis 2950 Mk. für beste Färsen unb bis 2100 Mk. für beste Kühe, für Kälber, beste Qualitäten, 24002800 Mk., mittlere Qualitäten 2000 bis 2300 Mk., geringe Qualitäten 15001900 Mark, für Schafe von 10002000 Ml., für Schweine unter 80 Kilogramm Lebendge­wicht 26003000 Mk., von 80100 Kilogr. 30003400 Mk.. von 100120 Kilogr. 3200 bis 3400 Mk., von 120150 Kilogr. 3200 bis 3400 Mk., Fettfchweine über 150 Kilogr. 3200- 3400 Mk., für Sauen unb Eber von 26003100 Mk. Die Marktpreise Liegen um so viel über den Stallpreisen, als sie die nickt unerheblichen Gewichtsverluste, Spesen und Händlergewinn in sich schließen. Des Himmel- fahrtsfestes wegen wiro Der Markt von Don­nerstag, 25. Mai, auf Mittwoch. 24. Mai, verlegt. 3n der Pfingstwoche wird der Haupt­markt auf Dienstag, 6. Juni, verlegt.

Frankfurter Getreidemarkt.

Frankfurt a. M., 15. Mai. Begründet wurde heute die große Zurückhaltung durch die Bewegung der ausländischen Zahlungs­mittel. Das Geschäft blieb klein. Selbst der wenig befriedigende Saatenstand für das Deutsche Reich konnte zu lebhafteren Geschäft Anregung geben. Etwas Rachfrage besteht eigentlich nur für Roggen. Für Weizen halten die Käufer zurück, da die Mühlen scheinbar gedeckt sind, unb der Absatz an Mehl zu wünschen übrig läßt. Bescheiden waren die Umsätze in Hafer, da der Konsum nur geringe Nachfrage zeigt. Mais liegt schwächer. Bes­sere Kaufneigung war für Kleie, ebenso bleibt für Rauhfutter infolge der unbeständigen Wit­terung, die Stimmung gut behauptet. Die Ten­denz im Bormittagsverkehr war infolge der lustlosen Haltung behauptet, die Preise der letzten Olotierungen zeigen geringe Berände- rungen. Preise: Weizen 15501565 Mk., Rog­gen 12001225 Mk., Sommergerste für Brau» zwecke 14001420 Mk., Hafer 12751300 Mark, Mais Mixed 10251035 Mk., Weizen­mehl südd. Spezial 0 18502110 Mk., Wei­zenmehl nordd. 70prvz. Ausmahlung 1750 bis 1950 Mk. bei Waggvnbezug ab Mühlenstation, Roggenmehl, nordd. 13001375 Mk., Weizen- und Roggenkleie 825 Mk., Speiseerbsen, je

Die Ueberlegungen, die auf ihn ein stürmten, mach­ten ihn aufs äußerste gespannt. Hetzt erinnerte er sich, daß auch die Dörflerrn. die ihm auf­wartete, einmal von einem Kind erzählte, das auf rätselhafte Weise verschwunden sei. Es lockte ihn, tzen realen Hintergrund dieser sagenhaften Erzählungen ausfindig zu machen, und er tarn unter dem Einfluß seiner Stnnmung zu den aben­teuerlichsten Schlüssen. Stand das Heidemädel in Zusammenhang damit Y Auf jeden Fall nahm er sich vor, Licht in die Sache zu bringen. Daß die unumgängliche Voraussetzung dafür war, das Heidemädcl wiederxus ehen, gab feinem Vorsatz die nötige Schwungkraft. Unb weil es mit dem Schlafen ohnedies ein Ende hatte, kleidete er sich an und ging hinaus in die Heide, über die der Morgentau als ein lichtgrauer Schleier lag mit silbernen Taoverlen besetzt.

Zenseits des Moores, das den dem Markt­flecken zugelehrien Rand des Sakramentswaldes begrenzt, in dem noch unbeleckteren Teil des Hochwaldes, stand tiefversteckt eine Hütte, in der ein alles Weib hauste, von den wenigen, bte es lannten, das Wurzelfräle genannt. 3m Heide- borf war es nur dem Hörensagen nach bekannt. 3m Winter lebte das Wurzelfräle in ferner Be­hausung wie ein Höhlenbär, durch Frost und Schnee oft mondelang in den kümmerlichen vier Wänden sestgehalten. Währenddessen vertrieb es sich die Zeit, indem es aus getrockneten Kräu­tern und Wurzeln heilsame Essenzen hersteltte, die es im Marktflecken dem Apotheker verkaufte. 3m Sommer trug die Alte aus Heide, Wald und Moor die Stosse zusammen, die fee zur Herstellung

der Heilmittel bedurfte. Man rühmte rhr große Geschicklichkeit nach.

Dor Zähren hatte ste auf der Suche nach gewissen Spätlingen des Herbstes, weit drrnnen in der Heide ein Mädchen leblos zwischen den abgestorbenen Heidelbcecstauden gefunden. Allein es war nicht tot, wie sie bei näherem Hinsehen' bemerkte, einer schwacher Atem belebte noch seine Brust. Kurz entschlossen hatte sie es ass ihrs lastgewohnten Schullern geladen und hrimgelra- gen. Dort war es ihrer Pflege gel ingen, Lene denn diese war eS, zum Leben zurück; i rufen.

Als Lene die Augen cussschlug, bemächtigtr sich ihrer die größte Verwirrung. Wo war sie', Was war das für em altes Gesicht, das sich von Zeit zu Zeit über sie beugte? Harte Hände han- tierten an ihr herum. Wohltun ging von ihnen aus. Unb sie träumte nicht, wohlig fühlte sie das neuerwachende Leben durch die Adern strömen. Aber ihr Geist fand lange nicht den Weg von der Gegenwart zu dem Vergangenen zurück. Ernes Tages aber stand alles vor ihr! Mit einem Hammerlaut begrüßte sie die Erinnerung. Da war eS, daß die Alle zum erstenmal dei Mund vor ihr auftat. Rauhe Worte sprach sie, doch es klang ein vertrauenerweckender Ton darin, es war nicht die Herzlichkeit der allen Christ ine, aber auch nichts von dem werktätigen Eiter der Walds- ackerin. Reugierig sah Lene von ihrem Lager aus sich die neue Umgebung an. Ein rauchiger Raum war es, in dem sie lag und in dessen einer Ecke ein Kessel hing, dem feltfame Düfte entstiegen.

(Fortsetzung folgt)