nach dem Dorbilde oeS augenblicklich zwischen, Polen und dem Reiche bestehenden Rechtsverkehrs unter Berücksichtigung der Danziger Wünsche den Rechtsverkehr zwischen Polen und Danzig zu regeln. Auf Grund dieses polnischen Zugeständnisses wird die Freie Stadt Danzig die Berufung zurückziehen, die sie gegen die 1921 gefällte Entscheidung des BöllerbundskommiMrS eingelegt hat. Diese Entscheidung sprach sich gegen die Ratifikation des bereite 1920 zwischen Danzig und Lein Deutschen Reiche abgeschloßenen Rechtshilfe- Vertrages aus. Der Völkerbund wird die heute getroffenen Vereinbarungen zwischen der Freien Stadt Danzig und Polen wahrscheinlich in der nächsten Sitzung zur Kenntnis nehmen.
2his dem Reiche,
DaS DerslcherungSgefrtz für Angestellte.
Berlin. 15. Mai. (WTB.) Der sozialpolitische Ausschutz des ReichStvirtschaftsrateS hat u. a. den Entwurf des Gesetzes über die Aenderung des BersicherungSge- seyes für Ange st eilte mit den Vorschlägen des Unterausschusses beraten. ES wurde eine Einigung dahin erzielt, datz die obere Grenze oes verftcherungSpflichtigen Einkommens auf 80 000 Mark erhöht wird. Die Abstimmung ergab für den Beschluß des Unterausschusses die Mehrheit. Erhöhung der Löhne der StaatsangesteNten
und -Arbeiter.
Berlin, 15. Mai. (Priv.-Tel.) Den Blättern zufolge haben im Reichöfinanz- mtnisterium Verhandlungen über die Erhöhung der Löhne der Staatsange- stellten und - arbeiter begonnen. Sollten die jetzigen Verhandlungen zu einem schnellen Abschluß gebracht werden können, so besteht die Möglichkeit, die neuen Löhne bereits mit Beginn des Juni auszuzahlen.
Ein kommunistischer Landrat.
Holle, 15. Mai. (WTB.) 3n der Sitzung des Kreistages wurde der kommunistische Arbeitersekretär Grabow in Halle mit 15 Stimmen zum Landra 1 des Saale- kreises gewählt. Der Demokrat Mutzak erhielt 10 Stimmen und der kommissarische Letter, Regienmgörat Müller (Soz.) 2 Stimmen.
Däckerstreik in Leipzig.
Leipzig, 15. Mai. (WTB.) Die Bäckergesellen sind in den Streik getreten. Die Bevölkerung ist ohne Brot. Die Bäckermeister haben die von den Gesellen verlangte Lohnerhöhung abgelehnt, tneil sich der Magistrat gegen eine Brotpreiserhöhung erklärte.
AuS der Reichsgewerkschaft Deutscher Eisen- bahnbeamten.
Vom Pressedienst der Reichsgewerkschaft Deutscher Gisenbahnbeamten und -Anivärter wird uns geschrieben:
Es gingen in letzter Zeit wieder einmal Meldungen durch die Presse, die einen Zusammenhang zwischen der Leitung der Reichsgewerkschaft und der Kommunistischen Partei Deutschlands zu konstruieren versuchen. So sagte man, datz in einem Rundschreiben der Partei ein- möglichst wohlwollende Haltung der kommunistischen Par- tetinitglieder gegenüber der Reichsgetverkschaft und ihren Bestrebungen empfohlen worden sei. Wir stellen demgegenüber fest, datz unsere Ge° wcrlschastsleitung von diesem Rundschreiben lediglich durch die Presse erfahren hat und datz keines unserer Vorstandsmitglieder zur Kommun stisch n Partei Deutschlands in irgendwelchen Beziehungen steht.
Auch in bezug auf die Reugründung einer Organisation,' die sich „Gewerkschaft Deutscher Reichsbahnbeamten" nennen soll, und angeblich schon 83 000 Mitglieder aus den Kreisen der mit der jetzigen Rcichsgewerlschastsleitung unzufriedenen Elemente zählt, werden die irreführendsten Meldungen verbreitet. Die Wahrheit ist. datz lediglich die durch satzungsgemätze Entscheidung der Hauptversammlung Glicht wiedergewählien ehemaligen Führer der Reichsgctverkfchaft unter Anschluß ihrer persö.nlichcn Anhängerschaft die genannte Reugründung betreiben. Der gemeldete Austritt ganzer Fachgewerkschaften aus der R. ©. ist gemätz den Reichsgewerkfchaftssatzungen ci'fl nach verhältnismä. ig. langer Frist möglich Von einem pl glichen Zerfall der Reichsgcwerkschast kann deshalb kcine Rede fein. Es sind vielmehr auch in einzelnen Fackgewerkfch.nften nur die augenblicklichen Vorstände, die gegen die Meinung des größten Teiles ihrer eigenen Mitgliedschaft zur Rettung ihres persönlichen gewerk- schaftlich'n Einilusses auf eigene Faust Zersplit c- rungspalitik treiben. Selbst von unserer Fach- gewerklchaft VI (her gehobenen mit leien Beamten) stehen noch heute große Teile fest auf dem Boden der Reichsgetverkschaft Deut cher Cisen- bahnbeamten und -Anwärter. Sie sind im Falle eines endgültigen Beschlusses ihrer Fachgewerkschaften. aus der R. G. aus u'' iden. ent chlossen, ihrer Stammorgant'alion als Cia e'.m tglieder bei--
zutrcten. Die letzte Hauptversammlung der R. G. hat diesbezügliche Satzungsänderungen bereits be- chlofsen.
Völlig irreführend, weil vollständig unwahr, ist die Meldung, datz die neu zu gründende Split- tero.ganisalion neben der Reichsgewerkschaft in den Deutschen Veamtenbund ausgenommen werden könne. Die Satzungen des Deutsch.'« Beamtenbundes verbieten ausdrücklich eine solche Aufnahme konlurrierender Verbände, und die Bundesleitung hat am 27. April ds. Zs. einen Antrag der Reugründer um Aufnahme in den D. B. B. in aller Form abgelchut. Es steht danach fest, datz die sogenannte „Gewerkschaft Deutscher Reichsbahnbeamten", falls sie wirtlich zustande känie, den gewünschten Anschlutz an eine Parti- politisch neutrale Spitzenorga.äjation ohne schü>ere Erschütterung des D. Bö B. niemals finden könnte.
, ■inn»i^B——1——--
Aus Stabt und Land.
Gießen, den 16. Mai 1922. Gesundheitszustand und Sterblichkeit im Streite (Anken im Jahre 1921.
Im Anschlutz an die Veröffentlichung über die Bevölkerungsbewegung und die Sterblichkeit in der Stadt Giehea teilt uns das Kreisgesundheitsamt aus der Statistik des Kreises Gietzen folgendes mit. In Klammern sind die entsprechm- den x3a0len des Vorjahres beigesügt.
Im Jahre 1921 sind in den 79 Gemeinden des Kreises Gietzen 2660 (2785) Kinder lebend geboren worden: hiervon kommen als Devölle- rungSzuwachs nicht in Betracht 438 Kinder, die in der Frauenllinil geboren als Kinder kreis- fremder Mütter alsbald wieder weggebracht wurden. so datz 2222 (2417) Kinder als Geburtenzuwachs anzusehen sind. Von diesen entfallen auf die Stadt Gietzen 704 (698) und auf den Landkreis 1518 (1719) Kinder: bei einer Einwohner- zahl von 97 600 des Kreises nach der letzten Volkszählung im Jahre 1919 kommen auf je 1000 Einwohner 22,7 Geburten (24,7). Für die Stadt Gietzen beträgt diese Zahl 21 %o und für den Landlreis 23,6"/oO.
Eheschließungen fanden im Berichtsjahr 1167 (1488) im Kreis Gietzen statt.
Die Zahl der Gestorbenen beträgt 1513 (1638). Rach Abzug der in den Gietzener Krankenanstal- ten Verstorbenen, die dem Kreis Gietzen nicht angehören, bleiben 1203 (1368) Kreisangehörige übrig, für die sich eine Sterblichkcitsziffer von 12,3" üll (1920: 14"/00, 1919: 13,7"/Oo) berechnet: es i st dies eine verhältnismäßig günstige Sterblichkeitsziffer.
Wie sich die Gestorbenen auf die einzelnen Altersklassen verteilen, ist aus der folgenden Tabelle ersichtlich, in welcher auch die in der Stadt Gietzen Verstorbenen den im Landkreis Verstorbenen gegenübergestellt sind:
ftrei-i ®*c6,n Stobt (Dieben Ponbhreiß (Bloßen nn ganzen
(07 000 (Cinto ) (33300 ffhnü.) (643VÖ (Finto.)
0-1 Jahr 188 = 15,6" 0 83 21.5% 105 - 12,8"/.. 1-5 „ 53= 4,5'7» 16 = 4,1% 37= 4,5" o
5 15 „ 42 3.5"/, 12= 3.2% 30= 3.7%
15-30 „ 130 — 10,8"'n 46 = 11.8"/0 84 = 10,4" 0
30-60 „ 232 = 19,2% 74 = 19,2% 158 = 19,3"/.,
60- 70 „ 213 = 17.8% 64 16.5% 149 = 18.3" 0
über 70 „ 345 - 28.6" „ 92 = 23,7" > 253 = 31.0"',
1203 " 100.0 387 = 100,0 816 = 100,0 Von den in der letzten Altersllasse Verstorbenen hatten 84 (91) Personen das 80. und 7 das 90. Lebensjahr überschritten (2 in Gietzen 92 b;w. 98 Jahre. Lollar und Wieseck 2 mit 94 Jahren. Bellersheim 93 I.. Alle idorf a. d. Lahn 92 I., Langd und Queckborn 91 I. und Lang- Göns 90 I.).
Betrachten wir die Todesfälle der Kreisangehörigen nach den wichtigeren Krankheitsgruppen geordnet, so ergibt sich'folgendes: Von den 183 (177) Säuglingen sind allein 84 (34) im Laufe des ersten Leb msmonats an Lebensschwäche (Bildung Je! l.u , Frühgeburt) g'storben, Darm- latarrh und Ernährungsstörungen sind bei 30 (14) Kindern als Todesursache angegeben.
Die namentlich dem Kindesalier gefährlichen ansteckenden Krantheiten haben in den letzten Jahren eine besondere Verbreitung und ein bösartiges Auftreten nicht gezeigt. Von 109 (84) uns gemeldeten Diphthevi .rcrnlungen sind 6 (8)
Fälle mit tödlichem Ausgang verzeichnet. Scharlach forderte von 170 (95) angemeldet en Srlran- kungssällen 2 (2), Masern 3 (4) und Keuchhusten, dessen Auftreten aus einigen Orten des Land- Ireifes gemeldet wurde, keine (10) Opfer. An Typhus erkrankten im ganzen im Kreis Gietzen 5 (6) Personen, und zwar alle in det Stadt Gießen: Paratyvhns wurde 27 mal (9 mal) gemeldet, davon 21 Fälle aus der Stadt Gietzen, 2 aus Wieseck und je ein Fall aus Klein-Linden, Steinberg, Lollar und Heuchrlheim. Alte diese Grkran- lungen gingen in Genesung über, desgleichen auch zwei Erkrankungen an epidemischer Genickstarre. An Wochenbettfieber starben 7 (7) und an anderen Folgen der Geburt 5 (1) Frauen.
An Tuberkulose sind im Kreis G.etzen 153 (159) Personen gestorben, und zwar entfallen auf Tuberkulose der Lungen Hl (115), auf Tuberkulose anderer Organe 34 (31) und aus Miliar- tuberkulöse 8 (13) Todesfälle. Unter den 78 Land- gemeinden des Kreises sind in 38 (40) Orten keine Tubeikulofetodes,älle vorgekommen.
An Lungenentzündung tzarben im Berichtsjahr 99 (150) und an Grippe und deren Folgen 17 (58) Personen. Erkrankungen der Atmungsorgane führten in 56 (60) und der Kreislauf» organe in 142 (131) Fällen zum Tod: Gehirn- schlag ist 59 mal (67 mal) als Todesursache angegeben. 8 mal (3 mal) endete Blinddarmentzündung tätlich. Krebs brachte 84 (98) und andere bösartige Reubildungen 10 (22) Todesfälle. Durch Selbstmord endeten 15 (26) Personen, und zwar 10 (20) Männer und 5 (6) Frauen. 27 (25) Personen starben an den Folgen einer Verunglückung.
Dr. Schupper t.
*
** I m Lichtspielhause in der Bahn- hofstratze wird noch bis einschl. Donnerstag der Film „Kaiserin Elisabeth von O e st e r - reich" gezeigt, der nach den bisher unveröffentlichten Aufzeichnungen der Gräfin Larisch, einer Richte Elisabeths, abgefaßt ist. Interessant wird das Werk besonders durch die persönliche Mitwirkung der Gräfin und deshalb, weil zu den Aufnahmen Kostüme und Requisiten aus der Wiener Hofburg benutzt wurden.
Boruotizcn.
— Tageslalender für Dienstag. Astoria-Lichtspicle, ab heute: „„Die Schlucht des Grauens".
- Aerztekurs. Der Fortbildungskurs über das Mittelgebiet zwischen Krüppelfücsorgss, Kivderheillunde und Reirologie beginnt am Mittwoch, den 17. M a i, nachmittags 4 11 Ij r in der Kinderklinik.
Wettervoraussage für Mittwoch.
Ziemlich heiter, warm, Südwestwinde, Rei° flung zur Gewitterbildung.
Die Depression an der Westküste Englands zieht nordostwärts und beeinflutzt unsere Witterung nur schwach. Geringe Luftdruckschwankungen in dem Hochdruckgebiet über Deutschland bedingen Gewitterbildungen.
Landkreis Gicften.
' L a n g - G ö n s, 16. Mai. Am vergangenen Sonntag wurde die neue Orgel eingeweiht unter großer Beteiligung der Gemeinde ^ndvieler cuSlDärilger Gäste. D.r Ortsgeist.iche, Psar.er Weber, und Pfarrer Stumpf- Eschenrod breiten die Wcihepredigt.
— Hungen, 15. Mai. Im Saale des „Darmst. Hofes" gab gestern abend der Gern- b ardt sehe Zither- und Mandolinen- d) o r Gießen ein Konzert und bot damit den zahlreich erschienenen Zuhörern einen vorzüglichen Genutz. Datz man hier Verständnis für schöne, volkstümliche Musik hat, bewies die musterhafte Ruhe, die während der Vorträge herrschte, so datz alle Feinheiten und Pianostellen voll zur Geltung kommen tomitcn. Das reichhaltige gut zusammengestellte Programm wickelte sich in flotter Weise ab und die einzelnen Darbietungen ernteten lebhaften Beifall. Ramentlich der Sängerin, Frl. Pfaff- Gietzen, wurde geradezu stürmischer Applaus gespendet für ihre tief empfundenen, wirkungsvoll zu Gehör gebrachten Lieder, die Musiklehrer Gernhardt in präziser Weise auf der Zither begleitete. Die Sängerin, die über eine klangvolle Sopianstimme verfügt, mutzte sich daher zu mehreren Zugaben verstehen. Der Chor hgt sich mit diesem wohlgelungenen Abendkonzert hier einen guten Ra men geschaffen und wird bei seinem nächsten Besuche bei uns wieder vor einem vollen Saal konzertieren.
Kreis Büdingen.
)( Ortenberg, 15. M i - Gestern abend sprach in öf,en l eher Ver'amm u g R ich t gs- abgeoidneter Pfarrer Korell über „Genua and die deutsche Zukunft". Die Versammlung wurde vom D igwrdneten Landwirt Pfeiffer geleitet. In der AuZsprache vertrat Schneidermeister Schis, den Sta.idpunkt der mehrheitssozialdemotratischeu Partei.
Starkenburg und Rheinhessen.
* Mainz, 15. Mai. Der regelmäßige Personenverkehr aus dem Rhein wurde mit dem gestrigen Sonntag sowohl von der Köln- Düsseldorfer als auch von der Holländischen Linie aufgenvinmen. Das schöne, wenn auch noch etwas kühle Wetter hatte bereits zahlreiche Rheinreisende auf die Schiffe gelockt.
* Mainz,. 15. Mai. Bekanntlich ist vor einigen Wochen im städtischen Kranken- h ans G r o tz feuer ausgebrochen, das ziemlich große Dimensionen angenommen hat. Wie sich ic'.t bei den Wiederherstellungsarbeiten heraus- geftcltt hat. ist der Schaden viel bedeutender als man zuerst angenommen hatte. Die Wiederinstand'e un.isarbeiteii all in verschlingen eine Summe von mindestens zweieinhalb Millionen Mark und dazu kommen noch große Ausgaben für die Wiederbeschaffung der vernichteten Einrichtungen.
* Offenbach, 15. Mai. Das hiesige Gaswerk soll einer bedeutenden Grweite - r u n g unterzogen werden, da sich die derzeitige Anlage als dm Verhältnissen nicht mehr entsprechend täglich mehr bemerkbar macht. Die Stadiverordnetenversamml mg l:at daher in ihrer letzten Sitzung beschlossen, für die Erweiterung der Ofenanloge eine Summe von 22 Millionen Mark bereitzustellen.
Hessen-Nassau.
Selbsthilfeorganisation des Mittelstände-.
Frankfurt a. M., 15. Mai. Private Kreise und Magistratsmitglieder hielten am Samstag eine Besprechung ab, in der be- chlvssen wurde, eine großzügige Selbsthilfe- organisation in die Wege zu leiten, um auch denjenigen Kreisen, die keinen genügenden Beisicherungsschutz genießen, den Besuch einer Erholungsstätte zu ermöglichen. Zur Durch- ührung der gefaßten Beschlüsse wurde ein Komitee gebildet: der Berein „Altershilfe" hat dem neuen Unternehmen gleich 50 000 Mark zur Verfügung gestellt.
* Frankfurt a. 1, 15. Mai. Gestern and hier einFrankfurterZugendtag takt, der am Vormittag zahlreiche Knaben und Mädchen zu einer Morgenfeier im.,Saalbau vereinigte. In der Paulskirche hielt Hermann Schafst-Messel eine kernige Ansprache an die Jugend, und am Rachmittag wurden gemein- am schöne Stunden bei Gesang und Spiel im Hutparl verlebt. Abends veranstalteten die Teilnehmer an dem Iugendtag einen großen Fackelzug durch die Straßen der Stadt.
fpd. Kassel, 15. Mai. Ein 22jübriger Kaufmann hat einem hiesigen Geschäft, bei dem er in ©iellung war, 30 000 Mk. unterschlugen und ist damit flüchtig gegangen. In seiner Begleitung befinden sich wahrscheinlich zw.u „Damen". ---
Landwirtschaft.
Protest der oberhess'schen Dauern gegen die Getreideumlage.
Gleichzeitig mit Bersammlungen der Bauern- bereinigungen Htarkenburgs in Darmstadt (siehe unseren gestrigen Bericht) und Rheinhessens in Albig bei Alzey sand in Gießen auf Textors Terrasse eine Protestkundgebung der ober hessischen Bauernschaft statt, die von dem Landesvorsitzenden des Hess. Bauernbundes, Dr. von Helmolt, mit einer Begrüßungsansprache eröffnet wurde.
Als erster Redner sprach Dr. Dauer, der darlegte, aus welchen Gründen eine Fortführung der Zwangsbewirtschaftiing des Getreides im volkswirtschaftlichen und bäuerlichen Interesse unbedingt abzulehnen sei. Seit dem Zutritt Deutschlands zum Weltmarkt hat jede Zwangsbewirtschaftung ihre Berechtigung verloren und greift unnatürlich in das lebendige Geschehen des Wirtschaftslebens ein. Sie ist weiterhin abzulehnen, weil sie ungerecht erscheint angesichts der Tatsache, daß sie nur einen Stand, die deutsche Land» wirtschaft, unter Zwang stellt. Die Zwangsbewirtschaftiing vermindert aber vor allem die Erzen- gungsföhigkeit d?S deutschen Bodens an Getreide, indem sie Bodenfläche und Ertrag für diese Frucht verringert und führt außerdem zur Extensivität des landwirtschaftlichen Bewiebes, indem sie den Landwirt verleitet, an Düngemitteln und Arbeitskräften zu sparen. Man solle durch Beseitigung der Handelszwischengewinne und durch eine Auslage auf die Gesamtheit der besser gestellten Schichten unseres Volkes eine Verbilligung des Brotes für die wirklich Rotleidenden in Deutfch- land bewerkstelligen, nicht aber einem Stand die Kosten für eine Senkung des Biotpreises nuf- bürden. Der Bauer verlange mit Recht, daß ihm sein Getreide mit dem Tagespreis befahlt werde.
Landwirt S ch ö n s e l d - Wendc'sheim überbrachte die Grütze der rheinhessischm Bauern, Landtagsabgcordneter Glaser die der Siarken- burger. Für dos besetzte Gebiet sproch Secker, während Abgeordneter Fenchel zur Einigkeit mohnte.
Rachdem noch eine Reihe weiterer Redner zu Worte gc-konrmen war. sprach Dr. von Hel- mol t das Sch n':wort. Bei einer erneuten Umlage sei es dos gute R -hl des Bauernstondes, seine Mithllse in jeder Fvrmi zu verweigern. Die Landwirte wären bereit, für die wirklich Minderbemittelten sorgen zu helfen, im übrigen aber kämpften sie für sich und damit für das Wohl des deuischen Volkes, das auf einem gesunden Bauernstand bernt.e. 2luf seinen Vorschlag wird ein Protesttclegrcrmrn an den Reichsernähiungs- miniflev abges.rndt.
Rochstehende Cntschlietzung wird einstimmig angenommen:
„Die Landwirtschaft der Provinz Oberhessen, Starkenburg rind Rt-einhessen, lehnt jede Form der Zw-rngsbewir-tschoftung landwirtschaftlicher Erzeugnisse, besonders auch des Getreides ab. Die Zwongswii-Ischaft Verteuert die Preise, wirkt produktionshemmend und ist nicht geeignet, die Ernährung des deutschen Volkes sicherzustellen. Das Hilfswert der deutschen Landwii4schaft mützte naturgemätz untergraben werden.
Die unsachliche und ungerechte llmlogc des letzten Jahres, die völlig verfehlte Preispolitik, hoben in de>- hef i'ch m Landwi tschäft eine solche Erbitterung hervcrg..rufen, da>tz i ie la dwirtschost- lichen Organisationen nicht mehr in der Lage sind, die Landwirte zu einer erneuten zwangsweisen Ablieferung zu bewegen. Jeder Versuch einer neuen Wi 'dereinsiihrung wird scheitern.
Wir fordern unbedingte Einlösung des im Vorjahre seitens der Regierung gegebenen Ver°
Feuilleton.
Frankfurter Opern-Araufführungen.
Frankfurt a. M., 15. Mai.
Das Frankfurter Opernhvrus machte in trefflichen (reichstentschrn) Urauffüh.ungen mit zwei Schäpfunee i des ungarischen Komponisten Vc la Dartäk bekannt. Eia ernst Begabter, sucht dieser angesehene Künstler neue Wege, indem er sich in vergangene Musikperioden versenkt und aus den primitiven Tonarten und Bruern- und Rationalmelodien Bereicherung für den Nang- lichen Ausdruck hervorzuheben bemüht isl. Dar- töf kommt so zu vielfachen Dissonanzen und Kakophonien, die ober nich als Selbstzweck oufzufossen sind: seine Musik will nicht einfach untermalen und illust.ie.en. wohl ober den ©timmung8geb.il f der Dichtring wiede: spiegeln lösten. Den Opernalt „Herzog Blau vor ls Burg" (Tert von Dela Dolttü) 1 rennt von der naiven Gruseilegende des franz si'chen Bolksinäi chens die V rbrämung mit Symbilck der nur schwer beizukornmen ist. Ein drarnolischer Impuls fehlt dies in Dialog zwischen zwei Personen völlig, und das Mo'iv von den Türen, die Judith öffn, l sind damit die geheimen .'be'-zenSkomme n deS Mann v gemeint?- fJ :t\ ich! we i( ;e alS fibcamol w eder Vom 5. Bild an wird die Vertonung lebendiger und lyarmci; sie ist, an Wcigner und ivob.psn gebildet, das Werk eines eigcnailig begabten
n, dem jvk dramatische und iben• tralische Gestoltungslrieb abgel t.
Um einige Grade leichtflüssiger ist das Tonbild zu beni Tanz!Piel ..'S) c r holzbeschnitzte Prin z" Mi er graz ösen 5a mlosiglett . o o o artiger Liebcsszeueir sch.loert die pantomimische Vorlage das Werben eines Märchenprinzen um seine Prinzessin, und der KompOirist, der hier die il) ämische Bewegu'rg recht glücklich trifft, findet einige Male die Ansätze zri frstcher und unmittelbarer Melodiengestal'ung. Freilich, Dann ver° sinken sie wieder in den Tonfluten, und, bei seiner AnspruchZlosigkeil, ist das Tollett, zum Schaden der Wiilung. viel zu breit ausgesponnen.
Ti. Aufnahme der beiden Werk: war freundlich gemessen. In „Herzog Blaubarts Burg" fangen mit bewährter Künstierschaft Robert vom Schlldt und Else Gentner-Fisch er: in die Regie teilte sich mit Dr. fiert Ilse Petersen, die dem Ballett graziöse Formung zu geben mutzte. Liebevolle Vorbereitung hotte der Dirigent Eugen Szenkor beiden Stücken ongedeiheu losten. Mit den Sängern, der Tonzss i lleit -rin und dem Ko- pellmllsler konnte Velo Vollöl mehrfuck>en Hervorrufen Folge leisten. Dr. Georg Schott.
Ein Schnitzler-Abend.
DoS Reue Theoler Hot zu Schnil lerS 60. Geburtstag seine (Einakter „P o r o c e l s u s", „D i e Cefährti n", „D er grüne Kotod u" ncu- einfluDieit und damit einen guten Griff getan.
Für des Dichters nochbenkliche, etEs müde Skepsis wie für die Atmosphäre des wellenden Aliösterrcieh sind sie bez-i hnend wie kaum ein anderes seiner Werke. Richt der Gegensatz, sondern das Ineinandergleiten von Traum vnö Wachen, Schein und Sein, Spiel und Leben be- schäfllgt diese Welt, die selbst dahingeht iiyic ein Traum. Eine reizvolle, tultuvierte Welt, die aber deutlich die Spuren des nahenden Verfalls auf- weist. Die Spielleitung Robin Robe ts l>erstand es. namentlich das zweite und dritte Stück zu doller Wi'kaino zu bringen und wurde dabei durch die tüchtigen Cinzelleistungen der Herren Gerdcs, Stanchi.a, Grotzmonn, Hennings. Weber, der Damen Reiter und Rohde unterstützt, p. sch.
Gustav Frenssen in den Vereinigten Staaten.
Aus Reuyork wird dem Deutschen Ausland- Institut berichtet:
In einem längeren sympathisch gehaltenen Artikel über Gustav Frenssen sagt die Reu Yorker Evening Post, daß die Amerikanische Hilsa- kommission keine geeignetere Persönlichkeit hätte finden können, um den Amerikanern Interesse iü' die hungernden Kinder in Deutschland einzu- flötzen. Frenssens Programm sch'ietzt Vorträge in einigen zrvcmzig Hochschulen (Colleges) und Universitäten zwischen dem Hudson und der Pa- zilischen Küste ein. wozu dann eine Reihe von Klubs und Gesellschaften hinzukommen.
In einem Interview mit dem Vertreter deS genannten Blattes sprach er seine Ueberzeugung aus, datz Deutschland binnen 10 oder 30 Jahren seine frühere nationale ..Sauberkeit" wieder erlangen werde. Der amerikanische Interviewer berichtet, Frenssen sei lange ein Gegner der Auswanderung gewesen, nun wolle er während seines Aufenthaltes in den Vereinigten Staaten vor allen Dingen den deutschen Farmer treffen. „Ich weitz, datz er ein Amerikaner ist. Aber ich will sehen, was geistig aus ihm geworden ist."
Der Artikel fährt fort: ..Als ich ihn verliest, nachdem vor mir eine andere Menge bei ihm gewesen war, kam schon eine andere Menge herein." Er seufzte: „Ist das aber eine Wirtschaft."
*
nn. Darmstadt, 15.Mai. Ehrenvolle Berufung. Der Obersprelleiter für Opern am hiesigen Landestheater, Jean Hehthekker, wurde zum Generaldirektor der „generale opera“ in Amsterdam, Haag und Rotterdam zum 1. Juni d. I. zu sehr günstigen Bedingungen ernannt. H. kam im Jahre 1919 von Straßburg nach hier, vorher toar er als Ober- regiffeur an der Metropolitan Oper in Reuyork mit bestem Erfolge tätig. H. beabsichtigt in seinem neuen Wirkungetreise deutsche Opern in deutscher Sprache zur Aufführung zu bringen.


