Ausgabe 
16.5.1922
 
Einzelbild herunterladen

Nr. m

(Erftheint täglich, außer Sonn» und Feieriaas, mit berSamstaqsbeilage: GießenerFamrlienblätter Monatliche Bejuaspreif«: Mk 18. und ifih. 2 Trägerlohn,durch di» Post Mk 2V.»auch bei Nicht» erscheinen einzelner Nurn» mern infolge höherer Gewalt.- Fernlprech» Anschlüsse: sürdieSchrift« leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach» richten. Anzeiger Stehen.

postscheklkonto:

Sranlfurt a. M. 11686.

Dienstag, ;6. Mai 1922

Erstes Blatt

172. Jahrgang

EM a. jJk '<3S*f f'X Tlnnanmv von Anzeigen

WM WM für die laqesnummer bis

yk. »x A a jk. a yA A A zum NachMiltag vorher

Z^A vS? 4\ xvk *< ohnejede Berdindlichüelt

MM 4>|T MM Hl yfll £Y Air .hobt

M 0 7 1 LA ly ffiOr | > H H Z 7 L fj |g ftjF B Anzeige., v mm Breite

Vtr : *v A fti |h er M H Bf M Mf

V\ I j 11M 65 «5 v-\ Xl > MM M I M M

BL k» I® HS FS I3v wjy idL tFmQL L.y Anzeigen von 70 mm

5tz7 y El H V ^Nr M V y V v Breit« «OPf. Bei Platz.

B AM Vorschrift20"Aufichlag.

<'w' VLF Hauptschriftleiter Slug.

General-Anzeiger für Oberhesien MW

Anzeigenteil HansBedt,

Drnd und Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Steinöruderci H. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchnlstrahe 7. sämtlich in Gr-ßen.

Die schwierige Einigung mit den Russen.

Dieeinladenden Mächte" hatten mit ihrer Abmachung für Haag die Rechnung ohne den Wirt, nämlich Rußland, gemacht, und dieses führt ihnen in «einer Protestnote setzt ganz einleuchtend zu Gemüte, daß das Ver­fahren nicht feine Zustimmung fände. In­dessen hat cd den Anschein, als ob eS den neuesten Interpretationen Lloyd Georges und SchanzerS gelingen würde, unter gewissen Voraussetzungen die Russen bei der Stange zu halten, damit die beiderseitigen Ausschüsse am 26. Juni 1922 im Haag zu gemeinsamen Beratungen zusammentreten können.

Die Vorschläge für eine Tagung im ßaai.

Genua, 15. Mai. (Wolff.) In der Villa Alberti fanden gestern vormittag und gestern nachmittag Besprechungen der ein­ladenden Mächte statt, an denen Lloyd Ge­orge, Worthington Evans, Barthvu, Colrat, Ishil, Schanzer und Zaspar, nachmittags auch Barriöre, teilnahmen. Die Vorschläge, die Lloyd George machte, wurden sämtlich angenommen. Dabei handelt es sich ins­besondere um folgendes: Je zwei Vertteter der in Genua vereinigten Mächte und je ein Vertteter der übrigen werden sich am 15. Juni im H a a g einfinden. ES werden 33 Nationen voraussichtlich anwesend sein, unter denen sich naturgemäß in der Mehrzahl Sachverständige für russ sche Fragen befinden werden. Diese 33 Nationen werden durch ihre Vertteter ihrerseits eine Sachverständigenkom- Mission wählen, über deren Stärke und Zusammensetzung Näheres noch nicht genau feststeht. Voraussichtlich wird die Kommission aber aus Z bis 8 Köpfen bestehen. Daß die Deutschen im Haag vertreten sein werden, ist nicht wahrscheinlich, da es sich um eine rein russische Frage handele. Die Kommission wird dann mit der von den Russen gewähl­ten Kommission zusammen die drei Fragen: Schulden, Kredite und Privateigentum prüfen. Die begrenzte Treuga dei soll für drei Mo­nate auf der Basis der Gegenseitigkeit Gel­tung haben. In dieser Zeit dürfen Svnder- verttäge mit Rußland nicht geschlossen wer­den. Der italienisch-russische Handelsvertrag wird dadurch aber nicht berührt. Lloyd Ge­orge sd)lug eine weitere Demarche bei den Vereinigten Staaten vor, damit auch diese Vertreter nach dem Haag entsenden möchten. Lieber alle.Punkte wurde man sich völlig einig.

Die Beschlüsse von der Villa Alberti sol­len heute vormittag der Llnterkommission der politischen Kommission unterbreitet und in ihr zur Abstimmung gebracht werden. Es ist an» zunehmcn, daß die Annahme erfolgen wird. Die Konferenz kann sich dann ihren weiteren Ausgaben widmen und wird dazu noch etwa acht Tage gebrauchen.

Genua, 15. Mai. (Spezialbericht des Verttetcrs des WTB.) Die Antwort an die russische Delegation ist heute nachmittag über­sandt worden und zwar in derselben Form, wie in dem Entwurf der einladenden Mächte vorgesehen war. Von französischer Seite war gestern gemeldet worden, der erste Teil der Antwort werde eine Zurückweisung des polemischen Teils der russischen Rote enthalten. In der heutigen Sitzung der politischen Llnterkommission wurde aber be­schlossen, diesen Gedankenaufzugeben, wie es heißt mit der Begründung, daß einige Mächte erklärt haben, sie könnten die Ant­wortnote nicht unterzeichnen, weil sie an der Absendung des Memorandums auch keinen Anteil hätten.

Ein energischer Einspruch der Russen.

Genua, 15. Mai. (WTB.) Die russische Delegation hat an den Präsidenten der Kon­ferenz das folgende Schreiben gerichtet:

Herr Präsident! Die heutigen Zeitungen rer- öffentlichen. o f z eile Commui.iques und Tlach- richten über Vorbesprechungen. die gestern zwi­schen gewissen Mächten, die in der politischen Llnterkommission vertreten sind, stattgesunden haben, und zwar über den Vorschlag der russi­schen Delegation, die in ihrer Antwort vom 1. Mai die Bildung einer gemischten Kom­mission Vorsicht, der die weitere Prüfung der finanziellen Probleme übertragen werden sollte. Rach Informationen sollen diele Michte beabsich:-g.rn, sr tuende Entschließung anzunehmcn: 1. Die Vertteter Rußlands von der Kom­mission auszuschliehen und ihnen nur be­ratende Stimme zuzuerkennen. wenn es den übri­gen Mitgliedern der Kommission angebracht er­scheinen sollte: 2. die an der Konferenz von Genua teilnehmenden Staaten zu verpflichten, keine Sonderabkommen mit Ruh'and zu schlie­ßen, solange die Arbeiten jener Kommission an- Lauern. Die russische Delegation sieht sich dadurch der Möglichkeit beraubt, offizielle Informa­tionen über die Beratungen der Anterkommission,

insbesondere über die vorgenannten Entschließun­gen zu erhalten, in Anhetrachl der Bedeutsamkeit der Vorgänge ihren durchaus unannehm­baren Charakter für Ruhland zu unter­streichen. Dor allen Dingen muß die russische Delegation ihr Bedauern darüber auödrücken. daß sie nicht eingeladen wurde, um ihre Ansicht über den Vorschlag, den sie selbst machte, darzulegen Was den eigentlichen Kern dieser Entschließungen, die man fassen will, anlangt, so muh die russische Dele­gation feststellen, daß diese Entschließungen, an­statt die Einigung zwischen den Mächten und Ruß­land zu erleichtern, nur dahin führen können, die Annäherung zwischen den Machten und Ruß­land, wie sie durch die Konferenz von Genua erfolgt ist. wieder zunichte zu machen und die Art des Vorgehens für die Lösung des russischen Problems, die sich bisher nicht nur als fruchtlos, sondern auch als schädlich erwies, wieder aufzunehmcn. Der Ausschluß Rußlands von den Arbeiten der Kommission würde dieser Kommission jeden objektiven Charakter und jede moralische Autorität entziehen, und zwar nicht, nur in den Augen des russischen Volkes, sondern auch in den Augen der unparteiischen öffent­lichen Meinung.

Die zweite Entschließung, die die Mächte ver­pflichtet, mit Ruhland, solange die Arbeiten der Konferenz dauern werden, keine Abkommen zu schließen, ist selbst, wenn dieses Verbot sich nur auf politische Abkommen bezieht, nichts weiter als eine neue maskierte Blockade, die sich gegen die Interessen des russischen Volkes richtet, das in dieser Entschließung nur einen neuen Akt der Feindschaft gegen seine politische Existenz und seine Lebensintercssen sehen könnte, plebrigens würde eine derartige Entschliehung vollkommen im Widerspruch zu einem anderen Vorschläge stehen, von dem in demselben Com- munique die Rede ist. in dem es heiht, daß die an der Konferenz beteiligten Mächte verpflichtet sind, auf alle Handlungen der Feindschaft unter­einander zu verzichten, so daß also die in Rede stehende Entschliehung eine Erneuerung der Feindschaftspolitik gegen Ruhland bedeuten würde, die zwei Zähre vor der Konferenz von Genua eingestellt wurde.

Die imssi'che Delegation stellt erneuf mit Be­dauern fest, daß jedesmal, wenn eine Einigung zwilchen Rußland und den anderen Mächten ein­zutreten tm Begriff ist, gewisse Mächte ihre In­teressen über die allgemeinen In­teressen Europas und Ses Friedens stellen, indem sie verbuchen, die g-memlamen Anstrengungen zunichte zu Machen und dir Be­ziehungen zu Rußland und anderen Mächten a if den Standpunkt znrückzuführen, auf dem sie sich vor der Konferenz von Ge.ma drfanden. Durch­drungen von dem Gefühl ber Achtung und von von dem Verlangen, das Eintreten neuer 'Ver­zögerungen zu verhindern, wie sie drrch das Hinzießen der einsei igen Beprechungm o! ne jede Aussicht auf Erfolg in die Konferenz hinein» getragen werden, betrachtet es dir ruf ische Dele­gation als ihre Pflicht, die sofortige Ein­berufung der politischen Kommis­sion zu verlangen, damit sie dort thron Vorschlag bezüglich der Schaffung einer gemischten Kommt f on darleg?n und cn Wicke n kann. Dte Einbe u,u"g der Kommission muh a len Mächten die Möglichkeit geben, zu dem Vorschlag Stellung zu nehmen. Genehmigen Sie, Herr Präsident usw.

Tschitscherin.

Eine llnfcrrcbiinq Schanzcrs mit Tschitscherin.

Genua, 15. Mai. (Spezialbericht des Vettreters des WTB.) In der heutigen Vor- mittagssiyung der Anterkommission erklärte Schanzer nach Verlesung des Briefes Tschitscherins, er habe diesem heute vottnit- tag u. a. auseinandergelegt, daß man keines­wegs die Absicht habe, die Russen von den Verhandlungen im Haag auszuschließen, son­dern im Gegenteil hoffe, daß die Russen kom­men würden, um auf dem Fuße völliger Gleichberechtigung zu verhandeln. Der Umstand, daß die Vertreter der Mächte vor den Grüssen zusammentreten, sei darin be­gründet daß erst die Kommission gewählt wer­den müsse. Außerdem müßten die Mächte, die in der Kommission nicht dertteten sein würden. Gelegenheit haben, ihren Standpunkt zu erklären und zu sagen: was sie zur Wah­rung ihrer Interessen für nötig halten. Er habe Tschitscherin ferner darauf hingewiesen. dop die Bestimmung betreffs des Richt- abM'licßenS von Sonderverttägen keinesfalls in die russische Souveränität eingreife, son- d'ern lediglich eine Behinderung der Arbeiten der Sachverständigen vermeiden solle. Bar- '.hou sagte noch zu TschitscherinsBrief. dieser bedeute einen Angriff auf Frankreich, den er zurückweisen m ü s s e. Frankreich sei für die einladenden Mächte bemüht, ein Abkommen zu ermög­lichen und arbeite an diesem Ziel mit vollem Herzen mit. Z a s p a r schloß sich dem Protest V-arthous an. Hierauf wurde das Dokument, wie gemeldet, angenommen und beschlossen, die Russen für morgen vormittag 10*/? Uhr zur Sitzung der Unterkommission einzuladen. Nunmehr erklärte Batthvu, er werde an die­ser Sitzung nicht teilnehmen, da die franzö­

sische Delegattvn an der Absendung des Me­morandums keinen Anteil hatte. Aber wenn Rußland annchmen werde, so werde die fran­zösische Delegation ihrer Regierung die An­na Hine der Bedingungen der Anterkommifsion empfehlen.

2Bic Lloyd Gkorfle die Russen beschwichtigen will.

London, 16. Mai. (WTB.) Einer Reu­termeldung aus Genua zufolge sagte Lloyd George auf eine Frage bezüglich der Rote der Mächte an Rußland, Deutsch­land sei von der Haager Kommission a u S- g e s ch l o s s e n, da es ein besonderes Abkom­men mit Rußland .abgeschlossen habe. Die Rote sei tatsächlich in ihrem Kern eine An­nahme des russischen Vorschlages. Die Ver­tteter Rußlands und die anderen Vertteter würden sich nach dem 26. Juni alle auf der Basis einer absoluten Gleich­heit zusammenfinden. Wenn, erklärte Lloyd George, Rußland ablehne, im Haag zu er­scheinen, dann haben wir nichts mehr zu sagen. Die britische Delegation fei indessen der An­sicht, daß die Russen die Lage mißverstanden haben, daß durch Erläuterungen dieses Hindernis beseitigt werden kann.

Cine Erklärung Nakowcikis.

Genua. 15. Mai (Spc ialbe icht des Ver­treters des WTB.) Das Mi.glied der rttssischen Delegation, Rakowski, hat heute nachmittag Prcstevertretern folgende Erklärung abgegeben: Wir haben die Mi t Jhtng des Cvmmuni^ues der Alliierten noch nicht empfangen, fennen aber den Inhalt. Wir muten unser Erstaunen ausdrücken, daß man zwar unseren Vorschlag angenommen hat, uns aber bei der Beantwortung nicht fragte, wie wir uns die Sache gedacht hätten. Hätte man das getan, hockte man eine ungeteilte gemischte Kommission vorgeschlagen. Wir fürchten, daß das, was man jetzt mit getrennten Kommis!ionen ma­chen will, einen schlechten Erfolg haben wird. Man wird aneinander vor bei reden und sich mit Roten bombardieren, also die Methode beibehalten, die sich in Genua als un­fruchtbar erwies. Wir fürchten, daß drese Riethode ba^u führen wild, die Gegensätze zu vertiefen, aber nicht dazu, eine Drucke zu schlagen. Wenn man eine einheitliche Kommission gehabt hatte, hätte man sich gegenseitig viel näher kom­men können. Trotzdem werden wir nach dem Haag gehen und dort jede Gelegenheit benutzen, unfern guten Willen zu zeigen. Richt annehmbar ist für uns die Bedingung, wäh­rend der drei Monate der Kommission.beratungen keine Verträge zu schließen. Haag ist uns als Tagungsort nicht sehr sympathisch, weil wir mit Holland keine Beziehungen haben: auch Haden wir keine Perträge mit Holland. Die Stadt liegt uns sehr unbequem, noch un' ciuemer als Genua. Wir hätten Riga oder Stockholm vorgezogen, weil sie für uns bequemer liegen.

Die Zerstörnngspolilik Poinear^s.

Paris, 15. Mai. (WTB.) Eine Ha- vasmeldung aus Genua besagt, daß die gestern in Genua vereinbarte Regelung, daß die französische und belgische Delegation ihren Regierungen empfehlen sollen, sich im Haag in dem Sachverständigenausschuß ver- ttcten zu lassen, falls die Sowjetvertreter das ihnen vvrgeschlagene Verfahren annehmen, der französischen Auffassung entspreche, die der Fortsetzung der Konferenz in anderer Form ohne Pause, der Ernennung der Sach­verständigen durch die Konferenz selbst und der Zulassung der Russsen in den zukünftigen Ausschuß immer ablehnend gegenüberge­standen haben. Diese Punkte seien jetzt sämt­lich zu ihrer Zufriedenheit geregelt. Außerdem sei die französische Regierung durch keinerlei Entschließung der Genueser Konfe­renz gebunden, und es stehe ihr deshalb vollkommen frei, der Empfehlung ihrer Abordnung sich im Haag in dem Sachver­ständigenausschuß vertteten zu lassen, nach­zukommen oder nicht. Selbst wenn die Regie­rung beschließen würde. Sachverständige zu entluden, werde sie inaner noch berechtigt sein, sie zurückzurufen, und sich nicht mehr als nötig frei den Besprechungen zu verpflichten, wenn die Vorverhandlungen vom 25. bis 26. Juni nicht ihren Absichten zu entsprechen scheinen.

Paris, 15. Mai. (WTB.) DerTemps- schreibt unter der Aeberschrift:Das Testa­ment der Konferenz": Was den nach Beendi­gung der Konferenz einzuschlagenden Weg be­trifft, so kann Frantteich auf seine Handlungs­freiheit nicht verzichten. Wir unterstehen weder einer Konferenz noch einem Ausschuß, noch einem Kvnsottium, noch einem Aeberstaat. Wir sind Bürger, Bürger eines Landes, das sich selbst regiett und wünschen, daß alle Länder wie Frantteich Herren ihres Besitzes bleiben. Wir erwarten also den letzten Wil­len der Konferenz in Ruhe und bemerken nur, daß es gut sein wird, die Schluhformalitäten nicht in die Länge zu ziehen.

Aus dem englischen Unterhaus.

London, 16. Mai. (WTB > Lambert ersuchte die Regierung, die Bedingungen und den Zeitpunkt der Einladung zur Erörterung der Frage mitzuteilen, welche gemeinsame Aktion gegenüber Deutschland h ter- nommen werden soll, wenn eS seinen Repara­tionszahlungen nicht nachkonrme, und ob die Re­gierung die Gründe mitteilen könne, mit denen die Regierung ihren ablehnenden Standpunkt er­klärte. Chain berlain erwiderte: Am 26. 4. ersuchte Llovd George Dtttl-rm, tie Zusammen­kunft der alliierten S'aaten und der Llntcrzeich- ner des Vers »iller F i dmsre. t ages m g - noch vor Abbl-uch Oer Konferenz in Genua statyinden, um die Haltung zu erörtern, die am 31. 5. ge­genüber Deutschland eingenommen werden soll. Die französische Regierung LiKe durch 'Barthon mit, daß sie keinerlei Anteil an (rgcnO einer Konferenz vor dem 31. Mai weder in Genna noch sonst an einem Orte nahmen werde. Auf weitere S a;en gab Ctzamb rl i i yar Antwort: Zwischen Barthvu und denr Prea.ierinlnister wur­den keinerlei Dokumente aus<,etauscht. Dte Mitteilungen waren auf beiden Seiten Ve.bolnoten. Lambert frage, ob Cham­berlain wisse, daß viele Mitglieder des Parla­ments mit Besorgnis der wachsender, Spannung zwischen Frankreich und England entgegensehen. Chamberlain er­widerte. auch er sei der Erörterung von Ereig­nissen, die zu einer Entfremdung bei tragen oder Schwierigkeiten erzeugen könnten, nicht günstig gesinnt. Kenworthy ersuchte um die Versiche­rung. daß eine Erörterung im älnterhause flatt- finden werde, bevor irgendeine Aktion mili­tärischer Art gegen Deutschland vor- genommcn werde. Der Sprecher wandte ein, daß diese Anfrage angemeldet werden möge. Cham­berlain teilte auf eine Anfrage unter Beifall mit, daß die britisck-e Regierung nicht beabsichtige, irgend eine Anleihe an Sowjetrußlarid zu gewähren. Auf verschiederrc Anfragen bezüg­lich der Konferenz von Genua antwortete Cham­berlain, die Antwort der Sowjetregierung auf das Memorairdum vom 3. Mai sei eingegangen. Sie sei von den Mächten geprüft worden. Zu einer Zeit, da die letzten Informationen abge- scmdt wurden, sei es wahrscheinlich gewesen, daß die Mächte über die geeinigte Methode der Be­handlung dieser Antwort Übereinkommen würden. Er, Chamberlain, verfüge über keine offizielle In­formation.

Das deutsch-polnische Abkommen.

Genf, 15. Mai. (WTB.) Heute nachmittag wurde das deutsch-polnische Abkommen über die Regelung der älebergangsverhältnisse in Oberschlesien von den DevollnMchtigter' des Deutschen Reiches und der Republik Polen in öffentlicher Schlußsitzung unterzeichnet. Reichs­minister a. D. Schiffer dankte dem Präsidenten und seinen Mitarbeitern für ihre wertvoll- Hilfe. Bor allem, erklärte er, fei die oberschlesische Be­völkerung dafür dankbar, daß Calonder sich per­sönlich in ihr Land begeben habe, um dort dio Verhältnisse zu studieren, während man es vor der Entscheidung des Votschafterrates n'cht für angezeigt erachtete, mit der Bevölkerung hi Füh­lung zu treten. Er betonte dann, daß, wenn er auch die Genugtuung des Präsidenten über das vollbrachte Werk verstehe, er als Deutscher keine ungetrübte" Befriedigung empfinden könne, da Deutschland nicht aus freiem Willen nach Genf zu den Verhand­lungen kam, sondern unter dem Zwange der Entscheidung der Botschasterkonferenz, und da der Derttag außerdem den Tagen näher rücke an dem abermals Taufende von Deutschen vom Reiche getrennt werden Die Rech'sverWah­rung, die gegen den Beschluß der Dotschafter- konscren» (ingcl.gt wurde, besiehe daher fort und werde nicht durch die älnlerschrift unter daS gegenwärtige Abkommen berührt. Rich sdesto- uxmiger habe Deutschland alles getan, was in feiner Macht lag, um günstigere Bedingungen zu schaffen, unter Denen das verwundete oberschle- sische Volk fortleben könne, und er hoffe nun­mehr, daß der Vertrag gute und aufrichtige Be­ziehungen zwischen Deutschland und Polen und eine allgemeine internationale Beruhigung schaf­fen werde.

Kurz nach Beendigung der Konferenz schritten Reichsminister a. D. Schiffer und Minister 01- szowski zur Unterzeichnung zweier Son- derablommen. die zwar im Zusammenhang mit dem großen Vertrage, aber in völlig selb­ständigen und unmitt [baren Verhau? langen zwi­schen den beiden Staaten abgeschlossen worden waren, nämlich des Posts ' eckabkommens und des Abkommens über das Grenzpaßwesen.

Genf. 15. Mai. (WTB.) In der heutigen Sitzung der Polnisch-Danziger Kom- nf i f f i on, an der außer den beiden Abordnungen auch der Dölkerbundskommissar für Danzig teilnahm, wurde über ba£ Rechtshilss - abkommen zwischen Danzig und dem polnischen Reiche folgende Vereinbarung erzielt: Polen erklärt sich bereit, auf der Grund­lage des deutsch-polnischen UeberleiiungSabfom- men« ein ähnliches äleberleitungsabkommen zwi­schen Danzig und dem Deutschen Reiche unter Berücksichtigung der Wünsche der dr-tz Staaten abzuschließen. Gleichzeitig erklärt sich polnische Abordnung bereit, ü er den Abschluß eines Rechts- Pfleg eabkommens zwischen Danzig u. Polen einer­seits und dem Deutschen Reiche andererseits sofort in Verhandlungen einzutteten und unverzüglich