Ausgabe 
16.2.1922
 
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toorben )inb. Die Jtunbgebung der Gisenbahn- bireltion hofft, daß an dem gesunden Sinn der Mehrheit der Beamten diese neue Hetzerei wir- kungslos abprallen wird.

Die .Deutsche Allgemeine Zeitung" berichtet, daß auch in Berlin gestern sogar vor dem Reichstag aufreizende Flugblätter der Reichsgewerkschaft verteilt wurden, in denen wegen der Mastregelungen zum Streik auf- gefordert und die Reichsregierung beschimpft wird.

Wie der .Deutschen Allgem. Ztg." aus Dres­den gemeldet wird, hatte anlästlich des Streiks -er Lokomotivführer der Verband sächsi­scher Polizeibeamten an süne Mitglieder gewisse Richtlinien erlassen, die ihrem Sinne nach eine Anterstützung der streikenden Loko­motivführer bedeuteten. Deswegen haben. die Polizeivffiziere der sächsischen Landespolizei mit wenigen Ausnahmen ihren Austritt aus dem Verband erklärt.

Aus dem Reiche.

Lohnregeltmg

hn mitteldeutschen Dcaunkohlenrevier.

Derlin. 16. Febr. In einer vom ReichS- arbertSministeriurn angesetzten EinigungSver- handlung in Halle wurden für den mitteldeut­schen Braunkohlenbergbau neue Derein- barun gen getroffen. Danach erhalten männliche Arbeiter über 18 Jahre in den Kernrevieren 20 Mk. Zuschlag pro Schicht, in den Randrevieren 18,50 Mk.. Arbeiter unter 18 Jahren und Arbeiterinnen erhalten 6Mk. bzw. 5,10 Mk. Lvhnzuschlag. Bis zur neuen Festsetzung der Gedinge erhalten die Gedinge­arbeiter einen festen Lohnzuschlag von 11 Mk. in den Kernrevieren und 9,35 Mk. in den Randrevieren. Die Sätze für die Lehrlinge werden um 25 Mk. pro Woche erhöht.

Zur Flucht deS Oberleutnants Dithmar.

Berlin, 15. Febr. (WTB.) In Ant­wort des IustizministerS auf eine kleine An­frage der Mitglieder der kommunistischen Fraktion im preußischen ßanötag wegen der Flucht deS Oberleutnants Dith­mar, wird festgestellt: Bisher liegen keine Anhaltspunkte für ein Verschulden der Straf­anstaltsbeamten vor. Ein bestimmteres Urteil läßt sich erst nach Abschluß der eingeleiteten Ermittelungsverfahren, die mit Rachdruck be­trieben werden, abgeben. Die Kriminalpolizei verfolgt mit besonderen Beamten alle Spu­ren. Sie traf auch Vorkehrungen gegen das Entkommen Dithmars ins Ausland.

Aus Stabt unb Land.

Diesten, den 16. Febr. 1922.

L.A.DonderLandeS-Aniversi- t ä t. Der ordentliche Professor für Römisches, Bürgerliches und Handelsrecht an unserer Universität, Dr. Otto Eger, hat den an ihn ergangenen Ruf an die Universität Königs­berg i.Pr. abaelehnt.

Amtliche Persvnalnachrichten. Ernannt wurden am 10. Februar der Polizei­wachtmeister auf Probe Georg Winter aus Rußloch, Kreis Heidelberg, zum PolizeiwachV- mekster beim Polizeiamt Reu-Isenburg mit Wir- furcj vom 1. Januar 1922 an, der Polizeiwacht- memer auf Probe Karl Grünewa ld aus Eberstadt. Kreis Darmstadt, zum Pvlizeiwacht- meister beim Polizeiamt Offenbach a. M. mit Wirkung vom 16. Februar 1922 an. Über­tragen wurden am 3. Februar den Lehrern Franz Appelmann $u Fahrenbach, Heinrich Blast u G roh e n - L l nden, Emil Hahn zu Hun­gen, Wilhelm H e n h, z. Zt. Schulverwalter in Gießen, Heinrich Kraufch zu Bergheim. Otto 'Schneider zu Unter-Schmitten, 'Karl Theodor Zeltler zu Wald-Michelbach Lehrer- stellen, den Schulamtsanwärterinnen DoraD a u m aus Darmstadt, Marie Hoffmann aus Grün» berg, Lehrerinnenstellen an der Volksschule zu Giehen, am 7. Febr. dem Lehrer H. Roth zu Landenhausen eine Lehrerstelle an der Volks­schule zu Reiskirchen, Kr. Giehen, am 9. Fe­bruar dem Lehrer Augast Dollinger aa8 Ober-Gleen eine Lehrerstelle an drr Volksschule M Alsfeld, dem Lehrer Zakob Thomas zu Mosbachs eine Lehrerstelle an der katholischen Volksschule zu Groh»Zimmern. Kreis Drebirg. dem Schulamtsanwärter Georg Hebling aus Vobstadt eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Klein-Hausen, Kreis Vensl^im.

** Milchpreis. Der Kleinverkaufs­preis für 1 Liter Vollmilch wurde infolge Er­höhung des Stallpveises sowie der allgemein gestiegenen Unkosten mit Wirkung vom 17. Fe­bruar auf 6,60 Mk. festgesetzt..

Die Blüchernichten.

Roman von HannS von Zobeltitz.

30. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Indessen falbt und knetet der junge Hüns- wanger, und der alte treue Bieseke steht beob­achtend dabei und nickt dann und wann Bei­fall, -un-al wenn der H;-r Feldmarfchall unter den Arzthänden hüb.ch stöhnt und schimpft. Da­zwischen ratschlagt Blücher mit Gneisenau, gibt Befehle und Weisungen aas. Die Armee soll also bis Wavre ?urückgehn, sich dorten sammeln, naher zu Wellington, rem Eisernen Herzog, her­an. De Ad.utanten müssen in den Sattel, dast jede Truppe rechtzeitig ihre Ordres erhalte. Durch die Rächt jagen sie davon. Auch zu dem Eng­länder geht Meldung ab.

3n frühester Morgenslunde aber hebt sich Blücher von feinem Schmerzenslager, verlangt Sabel und Mantel und Mutze and ein Pferd. Mögen die Herren Dolloren bedenkliche Annen machen: er will, und es must fein. Er will's, und der greife Heldenkörper gehorcht. Wohl schmerzen die Knochen, Dein, Seite und Rücken, aber der Herr Feldmarfchall weist schon, was es hellch die Zäh. e ^ufammenbristen. Wenn es gilt. Mögen andre in bequemer Equipage fahren: er will, er muh sich den Truppen zeigen, dir ihm vertrauen, auf ihn bauen, za ihm auf- schauen, wie Kinder zum guten Vater.

So ritt er auf Iba r,re zu. an den mar­schierenden Regimentern, Schwwdronen, Dattecun vorbei, unb hat für jeden Teil ein aufmuntern- deZ Wort, einen klingenden, tröstenden Zu.uf. »Laßt's nur gut fein, Hungens! Gestern gab's

Reue Höchstpreise für Kohlen unb Koks werden in einer Bekanntmachung des Brennstoffamtes in unserem heutigen An­zeigentelle veröffentlicht.

** Gas- und Koksmangel als Fol­gen des Streiks. Don zuständiger Seite wird uns geschrieben: Der anfangs dieses Mo­nats ausgebrochene Streik der Eisenbahner ist zwar seit einigen Tagen beendet, die F^gen jedoch machen sich jetzt unb wohl auch noch in nächster Zeit in der Industrie und verwandten Geschäftszweigen in weitgehendster Weise nach­teilig geltend. Durch die während der Streiktage unterbliebene Instandhaltung zahlreicher Loko­motiven, namentlich auch unter dem Einfluß des in diesen Tagen herrschenden anhaltenden Fro­stes, sind starke Beschädigungen derselben einge­treten die eingreifende Reparaturen erfordern. Unter diesen Umständen ist der vorherige regel­mäßige Verkehr, insbesondere der Güterzüge, nicht durchführbar. Eine der empfindlichsten Fol­gen hiervon ist das Ausbleiben der Kohlensendun­gen. was bereits Arbeitslosigkeit auf zahlreichen Gebieten unb damit verbundene umfangreiche Ar° beiterentlaffungen so z. D. auch bei den Hütten­werken in Wetzlar mit sich gebracht hat. Wie in anderen Städten, so hat sich auch beim hiesigen Gaswerk der Kochlenvorrat derart verringert, daß sich letzteres gezwungen sieht, wieder Sperr­stunden. deren Festsetzung noch näher bestimmt wird, einzuführen. Ein weiterer Mißstand ist die durch die Einschränkung in der Gaserzeugung eintretente erheblich geringere KoksPro­duktion, die durch den ilmftanb, daß die hie­sigen Kohlenhändler weder Vorrat an Brenn­material haben noch in absehbarer Zeit erhalten werden, von der Bevölkerung sehr unangenehm empfunden wird. Die hierdurch dem Publikum erwachsenden Anannehmlichkeilen sind neben zahlreichen weiteren Schädigungen ebenfalls als eine Folge des Eisenbahnerstreiks anzusehen.

* Steuererklärungen für 1921. ES sei nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß in der Zeit vom 15. Februar bis zum 15. März die Steuererklärungen für das Ka­lenderjahr 1921 beim Finanzamt eingereicht werden müssen. Wer unter 24 000 Mk. Jahres­einkommen hatte, ist zur Abgabe einer Steuer­erklärung nicht verpflichtet, aber berechtigt.

* Der Landesverband der hessi­schen Hausbesihervereine nahm in ferner letzten Tagung, die aus allen Teilen Hessens sehr zahlreich besucht -war, Stellung zu den neuesten Vorgängen auf dem Wohnungs­markt und im Mietwesen. il. a. standen zur Verhandlung der neue Mieterschuhgeseh- e n t to u r f. Die Bekanntgabe des Gesetzentwurfs mit seinen vernichtenden Bestimmungen für den Hausbesih löste stürmische Entrüstungsrufe der Versammlung aus. Es war der einmütige Wille der Versammlung, sich eine derartige Vergewal­tigung unter keinen Ahnftänben gefallen zu lassen unb ihr mit allen Mitteln enlgegenzutreten. Es müßte ber Regierung wie der Volksvertretung zum Bewußtsein gebracht werden, dah sich die Hausbesitzer, die das finanzielle Rückgrat der Gemeinden bildeten, nicht ohne weiteres an die Wand drücken lassen. Der Gesetzentwurf wurde von allen Anwesenden als unannehmbar be­zeichnet und eine scharfe Entschließung, die Re­gierung und Volksvertretern überreicht werden soll, einstimmig angenommen. An nächster Stelle stand der Reichsmietengesehent- w u r f zur Beratung. Rach eingehendem Vortrag, wobei fest gestellt wurde, daß den berechtigten Wünschen der Hausbesitzer in kaum nennens­werter Weise entsprochen worden sei, dagegen die Mieterwünsche weitgehendst berücksichtigt worden seien, wurde ber Entwurf in seiner jetzigen Fassung ebenfalls als unannehmbar bezeichnet unb der Standpunkt des hessischen Hausbesitzes in einer ebenfalls einstimmig gefaßten Entschlie­ßung niedergelegt. Von allen Seiten wurde ber Abbau der Zwangswirtschaft verlangt. Rur dadurch sei es möglich, in absehbarer Zeit wieder zu einigermaßen geordneten Zuständen auf dem Wohnungsmarkt zu kommen. Die künst­liche Riedrighaltung der Mieten verewige die Wohnungsnot, schaffe neue Deamtenheere, die die gesammelten Daugelder aufzehrten, so daß für das Bauen kaum etwas übrig bleibe. Die Mieter mühten durch die Daukvstenzuschläge im Laufe der Zeit wesentlich mehr zahlen, als sie bei freier Wirtschaft an eigentlicher Miete zu zahlen hätten. Der Staat werde niemals das Wohnungsbedürfnis befriedigen können. Hoffent­lich käme diese Einsicht nicht erst, wenn es schon zu spät wäre. Die ganze Zwangswirtschaft im Wohnungswesen verstoße gegen die Reichsver­fassung Mit den neuen Gesetzen wurden die Hausbesitzer außerhalb der Verfassung gestellt.

Bornotizen.

Lageskalender für Donners- t a g: Reue Aula, 8 Ahr: Oeffentlicher Licht-

Schläge, morgen zahlen wir sie zurück! Mit Zin­sen, versteht sich!" ... Ist noch nicht aus, das Stück! Runter muh der Rapoleon! Was, Kinder, da sind wir dabei! Sapperlot, mir wollten sie auch an den Kragen. Aber seht ihr h er bin ich! Bei euch! Wollen s ihm schon zeigen, dem Em- pereur, was 'ne Harke ist und wie die Preußen das Harken verstehn!" >

And sie jauchzten und jubelten ihm zu und sind wieder voll Vertrauen und Mut

In Wavre hat er dann ein Stündchen oder zwei ruhen müssen, weil ber gestrenge Bieseke es defa-hl. Horcht aber immer hinaus auf den Marsch­schritt der vorüberziehenden Bat'i.lone, aus das Rasseln und Rumpeln der Geschütze, auf jeben Trommelsch'.ag. Hälfs doch nicht mehr aus, schreit nach Tinte und Gänsekiel und schreibt nach Ber­lin, an die Frau Fürstin, sein Matchen:

«Rapoleon hat mich gestern nachmittag 3 Ahr mit 120 000 man Ilnien Truppen ange­griffen dah geleckt dauerte bis in die nach.', beide armeen haben ville Menschen ve lohnen; ich habe mich beutle mehr an den lord Welling­ton gezogen, und in einigen Sagen wird es wahr scheinlich wieder zur Schlacht komtnen alles ist Volt muht und wenn Rapoleon noch einige solcher Schlachten liffert. so ist er mit seine armeh 0. . . Du kannst diesen triff in Berlin be­machen und nuhr sagen, dah sie negstens mehr erfahren sollten, den schlagen werden wihr uns nun öffter bis wir wider in Pcv is . .

3a, da hätte der Frechdachs, die Lore Giese, Wohl wieder ihr spitzes Zünglein legen können, tc«nn Z ie Frau Fürstin denb i f" etwa nach ber Breitenstrahe in die Mansarde gebracht haben würde: Onkel Blücher mühte eigentllch noch mal

blldervortrag der Deutfchnationalen VvlkS- partei. MarkuSsaal, Kirchstraße 9, 8 Ahr: Lichtbildervortrag des Wartburgvereins. IchanneSsaal, 8 Ahr: Vortrag des Bundes für HauS und Schule. Astoria-Lichtspiele, ab heute:Der Zirkuskönig" undCharly Chaplin". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, ab heute:Der Weg in die Welt",Der Van- kee-Duddler", undShackletonS Südpolar­expedition".

Vortragsvereinigu n g. Der für den Sonntag gewonnene Vortragskünstler Willi Braun aus München ist nicht Humorist in bed Wortes allgemeiner Bedeutung, weit entfernt vom derben Spaßmacher. Sein Humor ist immer in liebenswürdige Form gekleidet. Er versteht es. alle Mittel ber Vortragskunst in den Dienst einer fröhlichen Heiterkeit zu stellen unb verfehlt niemals bie Wirkung. Es finben zwei Der- anflaltungen statt, nachmittags unb abends wie dies aus ber heutigen Anzeige ersichtlich ist wobei für jede Vorstellung ein neues Programm aufgestellt ist.

Heber General Gras v. b. Goltz und feine Tätigkeit in Finnland schreibt General von Frehtag-Loringhofen:®er Zweck ber Ent- fenbung ber deutschen Ostseedivision unter dem Grafen Goltz nach Finnland ist vollständig erreicht worden. Wir haben dadurch bie Dankbarkeit Finn­lands in so hohem Maße erworben, daß diese auch nach unserem Zusammenbruch bestehen blieb unb wertvolle Beziehungen für bie Zukunft erhoffen läßt. Als Retter unb Befreier finb unsere Truppen von biefen braven Rorblänbem begrüßt worben." Graf v. b. Goltz spricht am Samstag, 18. Febr., in ber Reuen Aula (siehe Anzeige).

Lichtbilber-Vortragvon Forst- n e r. Auf den heute abend 8 Ahr in der Reuen Aula stattfindenden A -Boot-Vortrag wird noch­mals hingewiesen. Erwähnt sei noch, baft bas von bem Korvetten-Kapitän von Forstner kom­mandierte A -Boot, bas neueste ber bei Kriegs­ausbruch fertigen deutschen A-Doote, als eines ber ersten in ben Atlantischen Ozean entfanbt wurde. Viele Lichtbilder von Torpedierungen, Sprengungen und Beschießungen feindlicher Schiffe ergänzen den Vortrag. Der Saal ist geheizt.

Die Deutsche Vvlkspartei veranstaltet am Sonntag, 19. Februar, nach­mittags eine Familienzusammenkunst im Schützenhaus. Bereitwilligst haben sich Mit­glieder der Ortsgruppe zur Verfügung ge­stellt, um durch gesangliche und dellamatvrische Darbietungen das Beisammensein zu ver­schönen und die Ansprache zu umrahmen, die die Gießener Landtagsabgeordnete Frl. M. Birnbaum übernommen hat.

Wettervoraussage

für Freitag.

Dunstig und wolkig, strichweise Riederschläge, Tag mild, später kühler, westliche und nordwest­liche CEBtnbe.

Das Tiefdruckgebiet über ber Ostsee füllt sich allmählich auf. AÄer ben britischen Inseln hat sich ein neues abgeschlossenes, flaches Tiefbruck- gebiet entwickelt. Es zieht langsam ostwärts unb wird uns weiterhin mildes Wetter bringen

Landkreis Gießen.

ri. Niederbessingen, 15. Febr. An­ter Leitung von Lehrer Graulich hielt der hiesige Zweigverein des Alice- srauenvereins, der im Kriege fleißig für unsere Soldaten gearbeitet und gesam­melt hat, einen Familienabend mit reichhaltigem Programm oft. Der Ortsgeistliche, Pfarrer Schvrlemmer von Lich, hielt einen Vortrag über seine Erlebnisse in An­garn, Lehrer Graulich gab einen Aeber- blick über die Tätigkeit des Zweigvereins im Krieg. Daran schlossen sich in bunter Reihen­folge kleine Aufführungen und Vorträge und gemeinsame Lieder.

Kreis Alsfeld.

tzAnter-Seibertenrod, 16. Febr. Erst Wasser, bann Licht, so sagte sich unsere Gemeinbe unb legte erst ihre Clöa Verlei­tung an, Die mm fertiggestellt ist. Die Anlegung der Wassersammelstelle oberhalb des sogen. Hemmbergs verursachte große Mühe und Kosten, aber bie Gemeinde scheute sie nicht. Jetzt schreitet man zur Anlage ber elektrischen Kraft; die Hausinstallation hat bereits begonnen.

Kreis Lauterbach.

Lauterbach, 13. Febr. Angesichts der schweren Rotlage ber Hausbesitzer fanb eine Ver­sammlung der Interessenten statt. Es würbe ein­stimmig die Grünbung eines Hausbe­sitzervereins beschlossen.

in die Schule. Hätte aber diesmal sicher das niedliche Schnäuzlein nicht geöffnet, mußte ja ihr Herz in beiden Händen haben um ihres Bause willen, der nun auch in Rot und Gefahr war. Hätt 'auch gewiß die lecke Zunge gezähmt als gute Preußin vor des alten Blücher herrlichem, festem Siegeswillen: ,bis wihr toiber in Paris find'. Das ist doch ein Wort gewesen, ein ganzes, herzerhebendes Wort!

Am 18. Zuni also ist ber Tanz wieder los­gegangen, der blutige, schwere Tanz.

Hat der Eiserne Herzog feine Brigaden in trefflicher Schlachtstellung das verstand er ausgebaut, verstärkt und ausgebaut, vom Darse Diaine-l'Alleub etwa bis zum Schlosse Friche- mont, mit dem festen Oertchen St. Zean ungefähr in der Mitte, mit em paar Pachthvsen, Schlössern und Farmen, Papelotte und St. Haye, La Haye Sainte und Hougomont, vor der Front vorgescho­ben. Bei Mont St. I«m hielt der Eiserne auf seinem braunen Schlachtroh, das Perspektiv in der Hand. Wartend.

Anten aber, tn der Ebene, am Pacht Hof La Belle-Alliance, hart an der großen Straße auf Brüssel, sitzt der Smpereur auf einem einfachen Holzstuhl, vor sich einen Tisch mit Karten, die Füße auf ein Bund Stroh gestemmt gegen den von endlosem Regen aufgeweichten Erdboden. Den grauen -Ueberrocf hat er an, den er bei 3ena, bei Austerlitz, bei Smolensk getragen, den dreieckigen Hut desKleinen Korporals" dazu.

Er wartet, er sinnt, er zögert. Besteigt endlich sein Schlachtroß, reitet zu den Truppen, die gleich­wie zur Parade, in elf Kolonnen zur Schlachtord­nung ziehen. Die Trommeln wirbeln, die Trom­peten schmettern, die Musikanten spielen die Mar-

Kreis Schotten.

eb. Schotten, 15. Febr. Tie Mvkteret» genvssenschaf t Hoherodskopf ta Schotten lieh in allen Orten ihr^ Liefer­bezirks Dor träge halten, die sehr gut besucht traten und reichen Beifall fanden. Landwirt- schafislehret Frech aus Darmstadt sprach über bie Vorteile genossenschaftlichen Bezugs ovn Dünger- und Futtermitteln, von Saatgut und Sä­mereien und machte mit ber Anwendung neuerer Etickstoffdüngemittel bekannt.

e. Schotten, 15. Febr. Anläßlich der am letzten Sonntag stattgefundenen Win­terwanderung des hiesigen Zweigvereins vorn Vogelsberger Höhenclub über den Schellnhof nach Eichelsdorf wurde von den Teilnehmern der ansehnliche Betrag von 2700 Mk. für die Wiederherstellung der Klubhäuser auf dem HohervdSkopf gezeichnet.

eb. Schotten, 15. Febr. Selbst in ber wald­reichen Umgebung von Schotten find bie H^l z- Preise sogar noch höher als bisher im®. QL von anderen Orten berichtet wurde. InEichels- dorf galt 1 Rm. Duchenscheitholz 350400 Mk.. an ber Kreisst raße Schotten Gebern wurde für Ahorn-, Kirschbaum-, Eschenbrennholz 250 Mark unb mehr für das Raummeter Schell­holz gelöst. Die Gemeinde Wingershausen erzielte für Bauholz (Fichten) 1500 Mark für das Festmeter.

eb. Eichelsdorf, 15. Febr. Gelegentlich des Flugtags der Dienen anfangs Februar haben viele Bienenzüchter unserer Gegend Völker mit Ruhr auf ihren Ständen festgestellt. Man schreibt diese Krankheit dem Honig des letzten Rachsommers zu, der für die Aeberwinte- rung ungeeignet gewesen zu sein scheint. In höher gelegenen Orten sind die Dienen besser durch den Winter gekommen, obgleich sie infolge der großen Dürre des vergangenen Sommers auf Zucker überwintern mußten.

ck. Gonterskirchen, 14. Febr. Bei der hier stattgefundenen Holzversteigerung des Gräflichen Forstarnts Laubach wurden folgende P e se ep i Vi: Ech.iter für das Raum­meter 400500 Mk., Knüppel 300400 Mk., Stöcke 250300 Mk. Am Frellag fand in Hungen eine Verhandlung zwischen Vertretern der hiesigen Landbewerber, des Gräflichen Hauses Solms-Laubach und des hessischen LandeSsiedelungsamtes statt, wobei den hie­sigen Landbewerbern seitens des Gräflichen Hauses 62 Morgen Wiesenland in Dauerpacht mit Kaufanwartschaft abgetreten wurden.

ck. Gonterskirchen, 13. Febr. Gestern abend fand im gutbesetzten Saale der Gast­wirtschaft Graf ein Theaterabend des hie­sigen Gesangvereins statt. Es gelangten zwei Theaterstücke ernsten Charakters,Anschal- big undAlte Schuld" zar Aufführung; bie Darsteller ernteten reichen Beifall. Aus den um- tiegenben Ortschaften waren zahlreiche Beuchet erschienen, ein Beweis, daß sich bie hiesigen Ttzetterausfuhrungen allgemeiner Belieb h.ll er­freuen.

2aubad>, 14. Febr. Die ungewöhnliche andauernde Kälte hat die H o l z- undKohlen- Vorräte in unserer Stadt sehr vermindert. In dankenswerter Weise läßt die hiesige Fvrstbehörbe R o t h o l z (aus dürren, abständigen Bestanden) hauen, wodurch dem dringendsten Bedürfnis einigermaßen abgeholfen wird. Der hiesige Frauenverein hat auch in diesem Winter eine eifrige Tätigkeit entwickelt. Auf klärend über die gemeinnützigen Ziele dieses Vereins wirkte ber Vortrag, ben Fräulein Stork unlängst in ben Räumen ber hiesigen Kasino-Gesellschaft gehalten.

ed. A u s b e m V o g e l s b e r g, 15. Febr. Die Schaf besitzen der Vogelsbergorte, in denen der Futter- und Wassermangel des vergangenen Sommers besonders groß war, erleiden dadurch großen Schaden, daß eine sehr hohe Zahl von Mutterschafen »gelt" ist, d. h. keine Zungen wirft. Rachder.» die Schneedecke ge- schmclzen ist, wurde festgestellt, daß die W r n t e r= frucht sehr gut steht, aber ber Raps wieder einmal, wie schon so oft, aud getointert ist.

Kreis Friedberg.

2$. Butzbach, 12. Febr. Der Buren- kornrnandant Zoo sie stattete auf fetnei Vvrtragsreise durch Oberhessen auch uns einen Besuch ab und sprach in gedankentiefrn Aus­führungen überDie Tugenden und Fehler der Deutschen". Sin klares Bild zeichnete er dabei von deutscher und englischer Koloni­sierungsarbeit, die erstere als einSchaf­fen", die letztere als einRaffen" kennzeich­nend. Der GesangvereinOrpheus" verschönte die Veranstaltung durch den Vorttag einiger Lieder. Ein erhebendes Schlußwort sprach Pfarrer Loos.

feillaife. Zuibelnd, sie^esgewiß jauch en die Regi- meuter dem Kaffer zu: Vive I'empereur. Vive Pempereur! Auch in seiner Seele mag wieder Siegeszuversicht ei.iziehen. A.ll> doch zögert ei wieder mit bem letzten Befehl zum Angriff. Der große Schlachtenmeister verliert kostbare Zell, sitzt wieder sinnend, grübelnd bei der Meierei Ros- somme unwett Belle-Alliance und wartet.

Erst gegen Mittag sprengen die Adjutanten: En avant! Die Kanonen dröhnen, die Infanterie tritt an.

Stoß auf Stob, Angriff auf Angriff. Helden­haft schlägt sich ber F anzmann, heldenhaft zäh hält ber Brite stand. Der Kanchs wogt herüber, hinüber. Stunde auf Stunde rinnt. Der Abend senkt sich. Da scheint sich die Entscheidung' za nahen: die Franzosen erobern La Haye Sainte. Vergebens hat Wellington seine zwanzig Reiter­regimenter unter Ponsonbh and Axbridge ern- gesetzt. Seine Infanterie ist ' u'ammenge chmolz.m im harten D utringen. S ines Heeren stolzester Kern, die britllchen, irischen, schottischen Regi­menter, sind gelichtet; zertrümmert die wack ren Braunschweiger and Hannove aner, kamp unföh'g die Rieberländer. Die Geschütze zur Hälfte zer­schossen, die Munition knapp, hinter der dünnen Front ein unheilverkündendes Zurück,luten von Verwundeten, Flüchtenden, die Straßen verstopft mit Trains und Kolonnen.

Sehnsuchtsvoll späht berEiserne" gen Osten. Mag wohl gesagt haben, hat's sicherlich gedacht: ,Ich wollte, es wäre Rächt oder die Preußen kämen!" Die Rächt: das war die Mogllchkeit des Rückzugs; die Preaßen: das war der S.egl

(Forffetzung fotgt.1