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hab« in Cann«- mir einen vorläufigen Zahlungs­aufschub gewährte Wenn die Frage bet der Repa- rationSkvmmissivn bleiben werde, werde diese sich nach sorgfältiger P ü ung aller Einzelheiten des Problems und aller ihr zur Verfügung stehenden Auskünfte aussprechen.

Erhöhung der Mehl- und Brotpreise.

Berlin. 14. Jan. (WTB.) Bei der letzten Festsetzung des Brotpreises bestand bei der Regierung die Absicht den Pi°eis möglichst dis Ablauf des Wirt chastsiahres beizllehalten. Die Durchführung dieser Absicht erweist sich als un­möglich. und zwar in der Hauptsache aus zwei Gründen: Erstens infolge des ständigen Druckes der Entente auf Abbau der Reichszuschüsse, zweitens infolge der seit der letzten Festsetzung eingetretenen außerordentlichen Verschlechterung der Valuta.

Die letzte Festsetzung der Preise für Ge- treide und Mehl durch die AeichsgetreidesteNe wurde bei Deainn des neuen Wirtschaftsjahres Mitte August 1921 dorgenommen. Auf Grund- läge der damals festgesetzten Preise stellten sich . 1900 Gramm Brot durchschnittlich auf etwa 7 Mk.. in dielen Orten etwas niedriger, in anderen Orten, beispielsweise Berlin, etwas darüber. 'Die Versorgung der Bevölkerung mit rationiertem Brot erfordert rund 4*/2 Millionen Tonnen, wo­von 2'/- Millionen Wonnen durch Umlage, der Rest durch eingeführtes Getreide gedeckt werden soll. Die Kosten des Auslandgetreides liegen um ein Mehrfaches über dem Verkaufspreis der Reichsgetreidestelle. Der Abgabepreis entspricht dam Getreiderinkaufsvreis, welch?r nur wenig üre dem für ilmlcgegct eide gezahlten P eiÄ liegt. Der Abgabepreis konnte nur gehalten werden unter .erheblicher Zubuße von Reichsmitteln. Zu diesem Zwecke wurden für die Zeit bis zum 31. März 1922 im Reichshaushaltsplan 3,27 Milliarden Mark bewilligt. Infolge der starken Verschlech­terung der Valuta stellten sich die Kosten" für die Auslandskäufe sehr viel. höher als ver­anschlagt. Dem Beschluß des Reichstages folgend, wurde in der jüngsten Zeit von der Reichsgetreidestelle auch f'eies Inlands­getreide aufgekauft. Die QlufLue können aber schon mit Rücksicht auf die von ihnen zu besorgenden Preiserhöhungen nur mit Vorsich' erfolgen und nur beschränkte Mengen in öffent­liche Hand bringen. In der Hauptsache istchie Be­schaffung des Restbedarfes aus dem Auslande nicht zu vermeiden. Die Gesamtausgabe für Aus- landSgetreide wird sich voraussichtlich so stellen, daß bei Beibehaltung der bisherigen Abgabe­preise vom Reich an Derbilligungszufchüssen etwa 16.4 Milliarden Mark für das ganze am 15. August 1922 ablaufende Wirtschaftsjahr aufzuünnden sein würden, so dah au fier den be­reits bewilligten 3,27. Milliarden Mark noch weitere 13.5 Milliarden Mark erforderlich wür­den. Bei Berechnung dieser Summe wurde das bereits gekaufte Auslandgetreide mit dem tat* sächlichen Kaufpreis, der noch zu beschaffende Rest ' auf der Grundlage des voraussichtlichen Welt- Marktpreises und deS derzeitigen durchschnittlichen DollarckurseS eingesetzt. Bei einem Kursstand des Dollar- von 100 Mark würde die Zubuhe des ' Reiches für die Drvtverteuerun g immer noch über 12 Milliarden bis zum 15. August betragen, bei ' einem Kursstände des Dollars von 250 Mark - 20,2 Milliarden Mark.

A'-geselen t>~n der Finanzlage d s Reiche*, welche die Au b ingung bcrtrli er Mi tei aus­geschlossen erscheinen^ck, zwingt der dauernde Druck der Entente zum Abbau dieser Zuschüsse als Voraussetzung für Erleichterung unserer Ver- pilichlungen. Aus di.sen Gründen sah sich d c Reichsregierung genötigt, dem Gedanken ctnei Erhöhung ter Mehl- und Brotpreise nähere- treten. Las Reichs abinett besch v \ die Abg. be- preise der Reich sgetreide'ele für M hl und Ge­treide mit Wirkung vom 16. Februar ab zi er­höhen. Die Erhöhung wird etie Steigerung de S Drvtpreis eS zur Folge hi! en, d'e nach den anaes e ltm Lu chchllttsberrch unsen auf etwa drei Viertel des lehtgen Prei­ses zu veranschlagen ist, wobei sich je nach den örtlichen Verhüt iifen in den einzelner Kom­munalverbänden Abweichungen nach -oder o"e unten ecg.fen körmen. Bei der Du ch chnitts- berechnung ist bi? voraus eddare Erhötzu g der Unkosten nach Möglichkeit bereits berücks chtigt. Auch bei dieser Erhöhung der Mehl- und Brot- Preise wird das Reich bei Zuzrunde'egmr d<S derzeitigen durchschnitilichen Dollarkurses für die Abdeckung her AuSlandeinkünfte immer noch 10,6 Milliar" er Mark, und se.b't rin em Dollar kurse von 10D Mart ncch 6/5 M II.a den Ma t auf^rwenden Haber, also selbst im letz en Falle noch etwa daS Doppelte der bisher bewillig en Summe. Die Erhöhung der Mehl- mb Bro p eise bedeutet zweifellos eine schwere, sehr bedauerliche Belastung der 2eb?n?ba tung der Bevöllerucg. Angesichts der Gestal ung der politischen und finanziellen Verhallnisse ist sie aber nicht ver­meidbar.

Reichsregierunfl und Moratorium.

Berlin, 14. Oanuar. (Wolff.) Die Reichsregierung sprach in einer Ehef- besprechung das von der ReparationS- kvmmisswn Deutschland gewährte Mora­torium durch. Eine endgültige Stellung­nahme der Reichsregierung kann jedoch, wie verlautet, erst nach der Rückkehr Rathenaus erfolgen, die für Sonntag erwartet wird. Am Montag wird voraussichtlich eine Kabinetts­sitzung stattfinden.

Berlin, 14. Jan. Aach der heutigen Besprechung des Reichskanzlers mit den Füh­rern des Zentrums, der Demokraten und der Sozialdemokraten darf derBossischen Zei­tung^ zufolge, ein Steuerkompromih zwischen den drei Koalitionspar- teien als gesichert gelten. Der raschesten Verabschiedung der Steuervvrlagrn durch den Reichstag, die wegen des vom Obersten Rat innerhalb einer Frist von 14 Tagen geforder­ten Reform- und Garantieplanes "für das deutsche Budget von 1922 erforderlich ist, stehe kaum etwas mehr im Weg.

Der Parteitag des Zentrums.

Berlin, 15. Jan. (WTB.) Set zweite AeichSpartettag deS Zentrums wurde heute im Reichstag durch eine B«-grußungs° ansprache des Vizepräsident en des breuhii. a Landtags. Dr. Porsch, ccöitnet. llntec den Teil­

nehmern befanden sich u. a. Reichstanzler Lw. j Wirth, Reichsarbeitsminister Dr. Braun und der frühere Reichskanzler Fehrenbach. Zum Vor­sitzenden wurde Dr. Porsch gewählt. Darauf sprach

Reichsarbettsminister Dr. Braun über die polillsche Lage.

Er sagte u. a.: Trotz aller Ereignisse der letzten Wochen ist die außenpolitische Lage Deutschlands nach wie vor außerordentlich ungünstig. Wir sind in der Hauptsache immer noch Gegenstand der Wcltpolitll der übrigen Bölter, selbst aber nicht Träger weltpolitischer Entwicklung. Trotzdem ist Deutschland nicht jeglichen außenpolitischen Ein- slusses bar. Davon zeugen zunächst die wirtschaft­lichen Folgen des Versailler und Londoner Dik­tats. DaS Londoner Diktat richtet sich letzten Endes gegen seine Urheber. Der Versailler Friedensver­trag hat don europäischen Kontinent nicht nur wirtschaftlich über alle Maßcft geschwächt, auch seine politische Bedeutung gegenüber der ganzen Welt bat abtzenommen. Durch die Entwaffnung Deutschlands wurde die militärische Herrschaft Frankreichs herbeigeführt. 'Bei der Wiederherstel­lung Osteuropas l|t Deutschland sticht zu entbeh­ren. Das Zustandetommen der Konferenz in Can­nes ist ein Lichtblick, der auch durch das Obsiegen der Chauvinisten in Frankreich nicht gänzlich ver­dunkelt wird. Daß in Cannes unsere RevarationS- pflicht auf ein erträgliches Matz würde zicuck> geführt werden, weim auch nur für eine bc- Ilimmte Fri.'t, war yi erwarten. Das bedeutet aber mir eine vorläufige Erleichterung. Ein so­genannter Gaiantievertrag zwischen Frankreich und England baucht uns nicht zu bernruhigen. Wäre doch auf dem Boden ei.'es solchen Ver­trages eine gewisse Entparnu.g der politischen Aachtrieg?a1mi>sp-äre in Ea opa mög ich. D,ß Frankreich gerate dielen Vertrag oder die 'Be­dingungen, unter denen er zustande km men sollte, mit der Regie ungscrise beanteor ete. tonn Deutschland vorübergehend beträch liche Schwie- rigteiten machen. Aus die Lauer toiro sich aber Frantreich mit dieser Haltung selber schaden. Von uns muß eine Politikder Geduld undder klugen Mäßigung betrieben werden Wir haben uns gleich^whl nachdrücklich zu wehren gegen ofsenbures Unrecht und zweifellose Der- tragLveiletu.lg.m.

Minis er Braun sprach stdunn über in­nere Fragen. Regierung und Reich.tug müssen alles tun, um ein Ueberschich'.enabkomnuen int Steinkohlerb.rgbau zu ermöglichen. Wir hab n keinen 21itox, v m G.u tdsatz des Ach stunden tages ab ugehen. Wir hoffen zu'.erchchtllch nÄH Beiabschie ung der St eiert es r.n un­sere inneren Finanzbrdürfnis.e zu befriedigen und auch noch für die Zwecke der Kriegslasten Mittel zu gewinnen. Aber an die Erfüllung des Londoner Ultimatum» allein auf dem Wege dec Steuerreform kann nicht gelacht werden. Bei der Erörterung der Steuerfrage sagte der Minister: Der Staat hat unter Umständen das Recht und die Pflicht, in die Substanz des Ver­mögens einzugreisen. Aber d'e'e Eingriffe haben ihre Grenzen. Vor allem dürsen die Werte nicht in das bodenlose Faß der Repa­rationszahlungen geworfen werden. Der Minister sagte bann, es sei notwendig, mit der Sozialdemokratie zusammenzuarbeilen. Dagegen seien die Bestrebungen der Extremen von rechts und links abzuweisen.

Rach einer längeren Erörterung wurde eine Entschließung einstimmig angenommen, in der es heißt: Der Reichsparteitag spricht der Parteileitung und der Fraktion des Reichstags sein vollstes Vertrauen aus. 3n Anbetracht der schwierigen außenpolitischen Lage erklärt er sich rückhalllos einverstanden mit der von der Regie­rung geführten Politik der Klugheit und Waßi- oung, die. unbeirrt und zielsicher geführt, der wirt­schaftlichen Gesundung der gesamten Welt und der Zusammenarbell dec Völker die Wege ebnen wird. Er empfindet es mit großer Genugtuung, daß in den schwersten und entscheidensten Augenblicken des politischen Lebens die Führer der Zentrums- Partei frei von verwirrenden Einflüssen auf ver­antwortungsvollsten Posten ausgehalten haben, und daß die Partei selbst jederzeit bereit war, die Gesamtverantwortung für das Vaterland zu über­nehmen. Der Reichsparteitag ist ferner davon überzeugt, dah unsere Finanzpolitik energisch toehergefübrt werden muß unter Berücksichtigung der Grundsätze einer gerechten Lastenverteilung und der prak ischen Durchführbarkeit. Der Reichs- Parteitag erblickt In der entschiedenen Abweisung einseitiger politischer Richtungen der Rechten und Linken, die unser Vaterland nicht zur Ruhe kom­men laffen, das Gebot der Stunde. Rur eine weise Politikder Mitte vermag die Auf­gabe der Versöhnung aller Greife und öerEinigungallerDeutschenzu erfüllen.

Die Verhandlungen des Völkerbundsrates.

Ein erschreckendes Bild der Gefundheits- verhältniffe in Osteuropa und nament­lich in Rußland entwarf in der heutigen öffent­lichen Sitzung des Völkerbundsrates der Leiter des hygienischen Ausschusses Dr. Rajchmann. Aus dem Bericht Dr. Rajchmanns geht hervor, dah sich die Lage seit zwei Monaten erheblich verschlechtert hat. Die starke russische Auswanderung nach Polen hat eine Schwächung der polnischen Sicher- heitsmahnahmen zur Folge gehabt und ein An­wachsen des Typhus verursacht. Auherdem seien auch Cholera und ähnliche Krankheiten zu befürch­ten. Da im kommenden Frühjahr zirka 700 000 russische Flüchtlinge in Polen und den anderen Randstaaten zu erwarten seien, mühten schon jetzt alle erforderlichen Mahnahmen getroffen werden, um die Ausbreitung von Seuchen zu verhindern.

Genf. 14. Jan. (WB.) 'Sie 16. ordentliche Tagung des VölkervundSrates nahm Helle nach mittag ähren Abschluß. Die Tagung zeichnete sich von den blshe'-iaen Tagungen vor al'em durch ihre öfsent ich m Li u gen aus. ß.:e aro e A - zahl organisatorische F agen wurde erledigt, eine Reihe anderer Prob cme will die nächste Tagung verschoben, so ver chie ene Minderh itsongeleen- heiten. De wichtigsten politischen Er­gebnisse waren: Die Ablehnung des deutschm Einspruch« ?u kem beamten Be'ch' der Re g e ungscmnmissivn des Saargebiets in der Saarbewohnerfcage, die Wiederernennung bei. vier Mitglieder der Regier ungsllrnmissivn des Saargebiets, die CBeftätlgung verschiedener Dan­zig betreffenden Betrüg-. das ofliell Ei.r- geftändnis, daß die Ve mittelungsallion des Völkerbundes in dem Wil naerKonflikt ge­scheitert sei, die für Frankreich verbindliche Ent ftfelkbuiig betreffend die Armenier in Cilicien und ti<* Aefolution des Rates in der ottto'.'rllfcheii Frage.

3n seiner letzten heutigen nrchtöffenllichen Beratung forderte der BölkerbundSrat den Fi­nanzausschuß auf, auf der nächsten Tagung einen Bericht über die bisherigen Ergebnisse der tute r- nationalen Kreditaktton und über seine Pläne für die Zukunst einzureichen. Er befchloß ferner die Ernennung eines Ausschusses zum Stu­dium der Organisation der geistigen Arbeiten und lud Dänemark, Spanien, Eng­land, Frankreich, Italien, Japan, Polen, Ru- mänlen und Uruguay ein, Vertreter in die neu- gebildete Kommission zur Bekämpfung des Kin­der- und Mädchenhandels zu entsenden. Der Rat vertagte die Besprechung der Minderheits­frage in Estland, Lettland und Litauen und nahm einen Bericht des Generalsekretärs über die sta­tistischen Ergebnisse zur Abrüstungsfrage entgegen, die gegenwärtig organisier toeroeu soll. Ec er­nannte endlich den japanischen Botschafter in Brussel. Adatzi, zur Vorsitzenden der mit der Untersuchung des DchlichtungsversahrenS beauf­tragten Kommission. Die nächste Tagung wird am 25. April in Genf unter dem Vorsitze des brasilianischeti Dotschasters in Paris stattfinden.

Kiautschou.

Washington, 14. Jan. (WTB.) Die chinesische und die japanische Dele­gation einigten sich, dah Tsingtau und das ganze Gebiet von Kiautschou dem Handel aller Rationen unter gleichen Bedingungen offen stehen soll.

Washington, 14. Han. (Wolff.) Japan hat der Unterstellung Kiautschous unter chinesijcheVerwaltungzugesti mm t.

England und Irland.

Dublin, 14. Jan. (Wolff.) Das süd- irische Parlament hat heute den V e r- trog mit England einstimmig ge­nehmigt. Die Anhänger de BaleraS hielten sich der Sitzung, fern. Die einstweilige Re­gierung unter der Leitung von Collins wurde mit der Ausführung des Vertrages beauf­tragt. Griffith bleibt anscheinend Präsident des Dail Eireann, das gleichzeitig mit der) einstweiligen Regierung bis zu den allgemei­nen Wahlen in Tätigkeit bleiben wird.

Aus dem Reiche.

Die Desolduugsverhandlungsu.

Berlin. 14. Jan. (WTB.) Die Presse­abteilung des Deutschen Beamtcnbun- d e s teilt mit: Der Vorstand des Deutschen De- amtenbundes bat den Bericht seiner Vertreter über die Besotdungsverhandlungen mit der Re­gierung entgegengenommen und erkennt deren Haltung an. Obwohl festzustellen ist. dah die von dem Deutschen Beamtenbund ausgestellte For­derung nach sozialerer Gestaltung des LeuerZings- Zuschlages prinzipiell verwirklicht werden soll, tonn cu nach Prüfung aller Verbältnissse dem Vorschläge seiner Vertreter auf Annahme der von der Regierung angebotenen Regelung nicht betreten. Ec lehnt sie deshalb im Endergebnis ab.

SudenSorff und der Kapp-Putsch.

Berlin, 14. Januar. (WTB.) Der R e i ch s j u st i z rn i n i st e c teilte in ausführ­licher Antwort auf eine Anfrage der 2lbgg. Ledrbvur und Dr. Rosenfeld über die Beziehungen des Generals Ludendorff zu dem Kappschen tzochverratsuntcr- nehmen mit, es ergebe sich der Eindruck, dah Ludendvrsf über die politischen Nnschiu- ungeit und Ziele der am Kapp-Putsch haupt­sächlich Beteiligten im allgemeinen unter­richtet gewesen sei und das Unternehmen selbst mit sichtvarem Interesse begleitete. Anderer­seits deute der Brief des Direktors Dewitz daraufhin, daß Ludendorff von jeder Ver­quickung mit derartigen Angelegenheiten für den Fall eines Zugriffs der Regierung be­wahrt bleiben wollte, damit fein Einfluß, gleichgültig, ob er im entscheidenden Augen­blick offiziell oder hinter den Kulissen aus- geübt werde, dann ungemindert einsetzen könne. ES scheine die Absicht der Führer deS hochverräterischen Unternehmens gewesen zu fein, bis zum entscheidenden Augenblick zu vermeiden, dah die Anteilnahme Luden­dorffs zu einer tätigen Mitwirkung werde. Diese Absicht wurde, soweit fick) nach dem Beweisergebnis übersehen lasse, erreicht. Der Oberreichsanwalt verneinte unter Würdigung dieser Umstände die Frage, ob ein ausreichen­der Verdacht für eine strafbare Beteiligung LudendorffS an dem Kappschen Unternehmen gegeben fei, und betonte, dah jedenfalls kein Anhalt bestehe, dah er sich als Urheber oder Führer im Sinne des Gesetzes über die Ge­währung der Straffreiheit vorn 4. August 1920 betätigte. Der ReichSjusttzminister trat dieser Auffassung bei.

Die Agitation der Unabhängigru.

Berlin, 15. Jan. (WTB.) Die Be­zirksgruppe der Unabhängigen Partei Deutschlands veranstaltete heute eine inter­nationale Kundgebung für die Verbrüde­rung des Proletariats und gegen den Gewaltfrieden. Der Andrang war außerordentlich groß. sprachen PauÜ Faure-Frankreich, Archur Crispien-Deutsch- land, Robert Grimm-Schweiz, Pierre«Renau-- öel - Frankreich, Abramowitsch - Rußland, Grumbach-Frankreich, Friedrich Adler-Oester- reich und Ledebour-Deutschland. Ihre Aus­führungen gipfelten in der Verurteilung des Gewaltfriedens und in der Forderung nach ?tnem internationalen Zusammenschluß des Proletariats zur Bekämpfung des Kapitalis­mus und zur Aufrichtung der Weltrepublik.

Eine Wasserbau-Ausstellung in Essen.

Essen. 14.. Jan. (Wolff.) Die Wasser­bau- und Vinnenschissahrtsausstel- (u n g in Essen fand bei den weiteren Vorarbeiten auherocdentlich starkes 3nteref(e in weiten Kreisen der beteiligten Industrie, des Kanalvereins ferner bei Staats- und Kommunalbehörden. Firmen wie Philipp Holzmann in Frankfurt a.M.. Attirn- Tefellfckast für Hoch- und Tiefbau, Dykerhpsf u. Wiedmann. Deutsche Werke, Gute Hoffnungr>- hülle, Maschmensabrit Augsburg-Aürnverg, Ma- Ichinenfabiäk Ehlingen. Fried. Krupp mit Ger­

mania coerst, Grusonwerk Union, Rheinmetall, Dc- mag, Mannesmann und andere große Firmen meldeten bereits bedeutende AuSjiellungen an. Die Eröffnung der Ausstellung ist auf den 31.März festgesetzt und sie wird einen Monat dauern.

Aus Hessen.

Mainz, 14. Januar. (Wolff.) Sei hessische Handelskammertag be=> schäftigte sich in seiner Sitzung vom 12. d. M. mit der Frage der Befreiung der Ge­nossenschaften von der U m s a tz st e n e r, wie sie durch-einen Beschluß des Steueraus­schusses des Reichstags beabsichtigt ist. Ent­sprechend dem bereits von der Stadt Mainz erlassenen Protest hat der Handelskammertag wiederholt seiner Entrüstung darüber Aus­druck gegeben, dah die Gleichheit vor dem Ge­setz zugunsten der Genossenschcksten durch­brochen werden solle, indem diese von Lasten befreit werden, die der selbstälidige Handel zu tragen hat.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 16. Jan. 1922

Gefrierfleisch ist, tct2 uns nütgetelH wird, wegen der hohen Fleischpreise von der hie­sigen FlÄscherinnung beschafft wvrpen und zu wesentlich billigerem Preise zu haben.

** Der Umzug der Studenten­schaft zur Feier der Reichsgründung findet niDtaen nachmittag statt. Ausstellung 4 Uhr am Ludwigsplatz, Umzug durch die Stadt über Reuen-Baue, Seltersweg, Süd-Anlage. Lud- wigstraße bis zum Bismarckturm. Dort wird Professor Laqueur die Festrede halten.

' Der Wartburgverein veranstaltete gestern einen Familienabend, der sich eines recht guten Besuches erfreute. In gefälligem Wech el lösten wusitalich: Darbieturg^n, boa denen ein mit fe'.rum Kunstverständnis to.-'et ajeneö Violin- foio besonde'.e Erwähnu g ve.die.ck, und Rezita­tionen einander ab. Letzte e wurden da g b^en vvn Frau Direttor Mendelssohn-Bart­holdy. die in recht glücklicher Auswahl ErnsteS und Heiteres einer gespannt lauschenden - atyörer= schäft vortrug. Dec rechlich gespendete B.ifeU be­wies. wie sehr sie es verstand, ihnen zu gefallen. So verlief der Abend in fchönster Harmonie and wurde das, was der Bvrfitzende im Schlnhwart mit freudigem Dank hervarhrben konnte, ein rech­ter Familienabend. Dio nächste grö­ßere Be.anstaltung des Wartburgvececns. ein Konzert, findet am 29. Januar in der Turnhalle (OSwaldSgarten) statt.

Lrornoiizen.

Lageskalender für Montag: CafS Leib. 8 äkhr: Oeffentlicher Dorlrag der Liga zum Schutze ber deutschen Kultur. Astorsti - Lichtspleie ab heute bis einschließlich Mittwoch: Goliath Armstrong", 3. TeilDas Haus bei tausend Qualen" und .StraftingSketten" 2. Dell Das Geständnis vor dem Tode". Lichtspiel-' Haus, Bahnhofstraße, ab heute bis einschließlich Donnerstag:Das große Radrumgeheimnis", ö.TellDer Schicksals tanz in derSchmu^gliw-Ball und@tne angeorochrne Ehe".

Gedächtnisspende der Univer­sität. Am nächsten Sonntag nachmittag um 4 Uhr veranstalte! der Bund .zur Pfleye vvn Musit und Literatur im Auftrage des Giehener Studenten = Ausschusses einen Herma n n - Löns-Abend, de-sen Reinertrag der Gedäch- nisspende dec Universität zugute kommen wird. Wie in den vergangenen Semestern so ist wohl- auch für dieses Semester zu erwarten, daß von allen Seiten unserer Gießener Bürger'basl d.e er, eic.em wohltäägen Zwecke dienenden 'Der . anstaltung Te-lnahmc entg^gengebracht wird. Als Rezitator ist der unseren hiesigen Kunstfreunden vom ersten Abend im Wintersemester 1919 für unsere GedächtnisspenLe her betonnte H.-Löns-. Rezitator Dr. Friedrich Castelle aus Breslau gewonnen worden. Dr. Castelle war dein als 48jähciger Kcieasfreiwilliger vor Reims gefalle­nen Dichter in Lebensfreundschaft verbünd'n und ist mit einer Biographie des Dichters beschäftigt. Ec ist also Wohl der berufenste Deuter der starken, eigenartigen Perfönlicht eit. die in Her­mann Löns nach Gestaltung des tiefsten mensch licken Schicksals rang. (S. heutige Anzeige.)

Sonder io nzert des Konzert- veceins'. Heinrich Hcnsel, der berühmte- Wagnersänger, wird uns am Samstag, dem-, 21. Januar 1922, in dec Reuen Aula der Uni rcrsität mit einem S.rau'?-'Äagner-A. e id er­freuen. Kammersänger Hensel zählt unter b.c ersten Denöre Deutf-chta ds. Eb:nso geht seinem. Begleiter, dem Km e tptanisten Wich..cl Ros fort aus Minchen ein a'isge^ich eter Ruf vcr aus. Man wird mit hochZefpannten Erwartunqeu dem Konzert entgegc.afet-en dürfen, u id es sich empfehlen, sich rechtzeitig mit E ntritt: Litten im Borveitaiif zu versehen. (S.eh-e Anzeige)

Kreis Schotten»

A Gedern, 15. Jan. Die Provinziale Geflügelausstelllung für Oberbeff en fand gestern und heure hier statt. Unter den Aus- > ftellern befanden sich auch bekannte Geflügel­züchter aus Gießen. Dem ChrenauSschu^e get;6r.en> die Bertreter der Behörden und dec Landwirt-- schaftstommer an, die auch an der Eröffnung! teilnahmen. Die Ausstellung war sehr reichliw beschickt, und das vorbandene Zuchtmaterial fonntej als vorzüglich bezeichnet werden. Aus dem Er-' gebnis der Preisvecteilung entnahmen wir so!-- gende Auszcichnungen: I. Abteilung Hüh­ner: a) Silber-Brackel: Ehrenpreis P!'-> dl er-Rieder-Gemünden; b) Plymouth Rocks: Ehrenpreise Lehrer Steffan Maar A Remy-Gedern; c) Hamburger: M) - er. , preis; Fr. Iöckel-Grünbecg; d) Brahma. Eh.enpreiS L. Samuel- Gedern; e) Orping - ton: Siegerpreis und Ehrenpreis Hch. G a n » Gedern, Ehrenpreise R. H o p p e - A .ten'tadt und F.. Leuck ll.-Weckesheim; f) Wyarrdottcs: SiegerpreiZ Rothenberge r-Ge ecu und P!'. Södler-Rieder.-Gemünden; g) Ahvdelän der: Ehrenpreis G erbig - Schlitz: h) Anda lusier: Ehrenpreis A). Heß-Echell; >) 7Bi; ixorta: Ehrenpreise H Maul--WeckeSheim A. Lauer-Gedern, H. Bind in g - Echzell! k) Italiener: Siegerpreis H. K ö n i g-Glau-i berg; I) Zwerahühner: Ehrenvreis R; Hoppe-Altenstadt. O. S ö d l e r - Xur'^cr^c* münden, R. Diehl-Gedern. II. Abteilung (Sa mm elklasse): a) Plymouth-RockS:

I Siegerpreis Lehrer Steffan - 'TRaax; b) 3 ta» 1 liencr: Ehrenpreis Ioh. Schäfer UI,-Gießen,