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Ur. 269 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Mittwoch, 15. November <922

Die Herweghs.

Eine rechtsrheinische Geschichte

von Liesbet 5>i 11

38. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)^

Bleibst du heute zu Hause?" fragte er.Ich dachte, du wolltest spazierengehen?"

Nein ich erwarte Liane." sagte Grete. Und da sie ein'gutes Gewissen Halle, fügte sie hinzu: Willst du eine Tasse Tse?"

Ernst nahm Platz am Feuer und rieb sich behaglich die Hände, es war kalt und häßlich draußen und er war erst eben aus Eppenhausen heimgekommen. Er freute sich, auch mal Liane wiederzusehen, und er blieb.

Da Liane sichtlich nicht gekommen war, um Ernst, sondern um Grete zu sprechen, und zwar allein, und Grete nur auf diesen Augenblick war­tete. machten sie Konversation und liehen Ernst von dem neuen Anglück berichten, das in Eppen­hausen cmgerichtet worden war durch den letzten Sturnr. , , _

Die neue Halle war niedergebrochen, und ev drohte ein Streik. Er wartete nur auf das Telephon, um wieder hinzufahren.

Du tätest doch gescheiter," meinte Grete, .lieber gleich ganz drauhen hinzuziehen, denn du liegst auf diese Weise mehr auf der Bahn wie hier."

'Baut euch doch eine Villa dort, die Back- steine habt ihr ja," riet Liane, zurückgelehnt in ihrem Sessel, die grüne Teeschale in der Hand, an der ein paar wundervolle neue Ringe funkelten.

Ich danke." fuhr Grete zusammen,einen Vacksteinfabpikanten habe ich nicht geheiratet, dann lasse ich mich scheiden . ...

Liane beobachtete di-'beiden scharf und sie s<ch, dah sie recht gehabt. Ihr Bruder wußte von nichts. Er ging sogar auf das Angebot Gretes lachend ein.Gut, laß dich scheiden, aber

Deutscher Reichstag.

266. Sitzung, nachmittags 2 Ahr.

Berlin, 14. November 1922

Präsident Loebe eröffnet die Sitzung, indem *c der befreundeten chilenischen Republik die tnrrigÄe und schmerzlichste Anteilnahme des Reichstages zu dem schweren Schtcksalsschlage aus­drückt, der viele durch die furchtbare Erdbeben­katastrophe getroffen hat.

Die Abgeordneten hatten sich von ihren Sitzen erhoben.

Sodann erledigt das HauS eine Reihe kleinerer Anfragen.

Auf eine Anfrage des Abgeordneten G r a e f - Thüringen (D.-N.) wird regierungsseitig erwidert, die Regierung wolle die Z i v i l p r v z eh­re f o r m möglichst beschleunigen, halte aber die Erleichterung des Schiedsgerichtsverfahrens durch ein Notgesetz nicht für zweckmäßig.

Auf eine Anfrage des Abgeordneten H e n - seI (D.-N.) wegen Verbots der öffent­lichen Vorführung des anläßlich der Reise Hindenburgs nach Ost Preußen hergestellten Films, wird erwidert, dah die Ent­scheidung der Filmoberprüfungsstelle einer Nach- vrüfung nicht unterliegt.

Auf eine Anfrage des Abgeordneten Graf Westarp (D.-N.) wegen Verletzung bestehender Gesehesvorschriften bei grundlosen Haussuchungen und Verhaftungen in rechtsstehenden Kreisen stellt ein Regie­rungsvertreter in Beantwortung der Anfrage einige der angeführten Fälle anders dar und er­klärt, zum Vorgehen gegen die Beamten läge ein Anlaß nicht vor.

Abgeordneter Graf Westarp (D.-N.) bringt in gincr weiteren Anfrage viele Fälle von Gewalttätigkeiten gegen rechts- gerichteteKreise vor und fragt an, ob gegen die Behörden, die sich Gewalttätigkeiten zu schulden kommen liehen, vorgcgangen werde und ob die Regierung nicht die Parole:Der Feind steht rechtsI", zurücknehmen wolle, da die Ne gung auf- gereizter Massen zu verbrecherischen Gewalttätig­keiten größtenteils auf diese Parole zurückzri- führen sei.

Ein Regierungsvertreter gibt hierauf eine ähnliche Antwort ab wie vorhin.

Auf eine Anträge des Abg. Schiele (Dntl.) wegen der durch Wagenmangel hervorgerufenen Ka r tof f e lkna pp h e i t in den Groß­städten wird erwidert, dah von einer Kartosfel- knappheit in den Grohstädten zm? Zeit über­haupt keine Rede sein könne.

Auf eine Anfrage der Sozialdemokraten wird rwidert, dah gegen die Marineoffiziere, welche in der Marineschule in Mürwik das verboteneEhrhardt- und Löwenfeld-Lied" nesungen hätten, eingeschritten werde. Es seien rber keine Offiziere der Marineschule selbst dabei *eteiügt gewesen.

Auf eine weitere Anfrage der S o z i a l i st e n liegen der angeblichen Ausfuhr eines für die Ehefrau des ehemaligen Kaisers bestimmten Diadems wird geantwortet: 5 ine Ausfuh:-erlaubnis für ein solches Diadem sei lllgends beantragt worden. Die Nachforschungen näcten ergeben, dah das Diadem von einem schlesischen Grafen einem Berliner Juwelier zur Umarbeitung überwiesen worden sei und im Eigen­tum der Familie in Deutschland verbleibe.

Abg. Schulz- Dromberg (Dntl.) beantragt eine neue Sitzung anzuberaumen, in der die Re­gierung dem Lande Rechenschaft über das gebe, was sie tn der R e Par a t i o n s fr a ge getan habe.

Abg. Köhnen (Komm.) unterstützt den An­trag, da er Erklärungen der Regierung darüber vermiht, was sie gegen die Hungersnot getan habe, was wichtiger sei als der Kuhhandel über die grobe oder die kleine Koalition und darüber, dah die Sipo in Düsseldorf auf hungernde Ar­beiter geschossen habe. Der Antrag wird gegen die Stimmen der Rechten und der Kommunisten abgelehnt.

Das Hauis beschäftigt sich sodann mit der neuen Geschäftsordnung des Re ichs- tag e s. Die R.dezell soll im a tgemeiien auf 3/* Stunden beschrankt un) die Disziplinargewalt des Präsidenten erheblich verstärkt werden. Bei grobe ec Verletzung der Ordnung soll ein M tglied von der Sitzung au geschloßen werden. DeiWider- setzlichkeit kann der Ausschluß auf 8 oder 20 Sitzungstage ausgedehnt weraen.

Die Redner aller Parteien begrüßen die , neue Geschäftsordnung. Speziell der Aog-Löwe lSoz.) bezeichnete die Beschränkung der Redezeit als einen Erfolg, der am besten geeignet sei, das Aitsehen des Parlamentes im Volke wieder zu heben. Es werde dem Ansehen des Parlamentes mir nützen, wenn die Zahl der Parlamente. die Zahl und die Länge der Reden auf die Hälfte vermindert würden.

Die Abgg. Dühringer (Dt. Vpt.) und Pfeifer (Ztr.) stimmen dem Entwürfe zu.

Abg. G r a e f-Thüringen (Dtnatl.) ist zwar rnll der Verstärkung der Disziplinar­gewalt des Präsidenten einverstanden, kann aber die grundsätzliche Beschränkung der Redezeit auf 3 . Stunden nicht billigen. Er bean­tragt die Einführung einer Par kamen ts wache, tvelche den Weisungen des Präsidenten den nöti­gen Nachdruck geben könne.

Abg Dr. Kahle (D. Vp.) dankt der ®c-- schäftsordnungskommission für die gediegene Ar­beit, die sie geleistet habe, möchte aber die Rede­zeit der Disttissionsredner auf eine halbe Stunde herabgesetzt sehen.

Abg. Eichhorn (Komm.) wendet sich gegen den Entwurf, den er als ein Instrument für oia Vergewaltigung der Minderheit bezeichnet.

Ein Antrag L e d e b o u r (äl.) auf Vertagung wird ohne Widerspruch angenommen.

Präsident Loebe erbUtet Ermächtigung für den Fall, dah die Regierung im Reichstage mit­teilen werde, daß sie schon morgen ihre Er­klärung abgeben könne, diesen Punkt als ersten auf die Tagesordnung zu sehen. Außerdem soll die Hilfeleistung der Verdrängten, die Interpella- tion über die Not der Wissenschaft und der Schluß der Geschäftsordnungsdebatte auf die Tagesordnung kommen. Das Haus stimmt dem zu. Schluß gegen 1 Ahr.

Neber enLEuschte Sensationslust in Doorn

berichtet sehr eindringlich ein Rotterdamer Mitarbeiter derRhein.-Westf. Ztg.":

Sell Jahr und Tag haben die Entente­blatter ihren Lesern den Kaiser als den größ­tenVerbrecher" hngeftellt, den je die Sonne beschienen. Sie haben verlangt, daß er wie ein gemeiner Mörder gehenkt werden sollte, und schließlich, als dieser Wunsch nicht in Erfül­lung ging, haben sie erklärt, es feidie größte Strafe für diesen eitlen Komödianten auf dem Kaiserthron", daß er jetzt unbeach­tet dort in einem holländischen Bauerndorf vergessen werden sollte. D'.eselben Zeitun­gen surd es, die bei jeder sich bietenden Ge­legenheit ihrebesten" Berichterstatter nach Doorn schicken, um lange Spalten mit dem erbärmlichsten Klatsch füllen zu können, wie wir es jetzt wieder erlebt haben! Sollte man es überhaupt für möglich halten, daß eine große amerikanische Nachrichtenagentur in Doorn einen ständigen Korrespondenten un­terhält, der das ganze Jahr über nichts wei­ter zu tun hat, als den Park des Kaiserhauses zu umkreisen, um zu sehen, ob er irgendwo et­was sehen oder hören kann, aus dem sich eine sensationelle Geschichte herausdrehen liehe? In Doorn ist außerdem fast jeder, der lesen und schreiben kann, Spezialberichterstatter für Kaisersensationen für irgend eines der hollän­dischen oder ausländischen Blätter. Bei sol­chen Gelegenheiten wie dieses Mal kommen dann obendrein noch die großen Sensations­helden aus aller Herren Länder in Scharen herbei. Nahezu zweihundert waren jetzt in Doorn versammelt, doppelt so viele wie neu­lich zu der Haager Konferenz kamen, und das abgesehen natürlich von den Filmoperateuren, die übrigens in mancher Beziehung noch viel schlimmer sind als die schlimmsten amerikani­schenIkournalisten". Ein französischer Kor­respondent war dieses Mal direkt aus Smyrna nach Doorn dirigiert worden, und die meisten englischen und amerikanischen Zeitungen sandten neben ihren ständigen holländischen Korrespondenten nochbesondere" Leute. Die Times", dieDaily Mail" und andere Lon- ' doner Blätter hatten sich sogar L u f t f a h r -

Die Kohlenversorgung des Landkreises Gießen.

Gießener Anzeigers.)

von 13 869 Haushaltungen knapp 16 Zentner je Haushalt. Diese Menge würde für das Land wohl hinreichend erscheinen, wenn man bedenkt, daß der Landkreis Gießen zu den waldreichen Gegenden gehört, die über einen ziemlich be­deutenden Holzeinschlag verfügen. Viele Haus­haltungen dürften hier vorhanden fein, die gar feine oder doch nur wenige Kohlen verbrauchen.

Das obengenannte Iahreskontingenl wird je­doch seit drei Jahren niemals voll geliefert. Der Reich skohlenkommissar überweist jeweils Reichs- hausbrandbezugsscheine, und zwar in verschie­denen Raten zu je einem Zwölftel des Kontin­gents 2m Wirtscha tsjahre 1920 21 wurden für den Landkreis Gießen 8 Reihen Bezugsscheine, also 8/v des Kontingents ausgegeben, beliefert wurden "aber nur sechs Reihen, also nur die Hälfte des gesamten Kontingents. Im nächsten Jahre wurden 6 Reihen Bezugsscheine über­wiesen, beliefert wurden aber nicht ganz vier Reihen Die übrigen Reihen sind vom Reichs- kohlenkommissar am Schlüsse des jeweiligen Wirt­schaftsjahres (30. April) für verfallen erklärt worden.

3m laufenden Wirtschaftsjahre sind bis letzt 1 Reihen Bezugsscheine verausgabt worden. Wenn man bedenkt, daß bis jetzt erst 2 Reihen beliefert sind und die Reihe 1 volle vier Monate zur Belieferung in Anspruch genommen hat, so ist günstigstenfalls mit einer Belieferung von drei Reihen, also mit einem Viertel des Iahres- kontingents zu rechnen.

Natürlich muß sich dann auch der Ver­teilungsplan auf ein Viertel redu­zieren. und in erster Linie sind es da die Haus­haltungen, die den leidtragenden Teil darstellen. Dem Kommunalverband als örtliche Derteilungs- behörde ist nämlich vor geschrieben, z. B. die Land­wirtschaft mit Druschkohlen bevorzugt zu be­liefern, und hierzu sind 1430 Tonnen nötig.

Die Druschkohle ist in Steinkohle zu liefern, ebenso ist für Schmiede und Spengler, meist auch für Schulen und Behörden nur Steinkohle ver­wendbar, so daß für die Haushaltungen wenig oder auch gar keine Steinkohle übrig bleiben wird.

Bis jetzt sind auf jede Haushaltung 8 Zentner Brennstoff für die Versorgungszeit genehmigt worden. Diese Menge wird aber wohl nicht ge­liefert nxrben können. Für die Haushaltungen werden auch nur Braunkohlen, d. h. älnionbriketts in Betracht kommen.

Zufammenfassend ist also zu sagen, daß sich die schon sehr schlechte Kohlenversorgung im vorigen Winter in diesen Wintermonaten noch bedeutend verschlechtern wird.

(Eigener Bericht des

Die außerordentlich schwere Not der deutschen Versorgungslage toirft sich auch in der Kohlen- beliefern ng immer schlimmer aus. Wäh­rend unsere Industrie bei der Versorgung mit deutscher Kohle unendlich schwer beeinträchtigt ist. so daß sie sich im Interesse der- Aus recht- crhaltung der Betriebe zum Bezüge teurer Aus­landskohlen gezwungen sieht, während das Klein­gewerbe aller Art und der Hausbrand in un­erhörter Weise notleiben müssen, rollen täglich Zehntausende Tonnen Kohle als Reparationskohle gen Westen. Dort hat man, nach mehrfachen glaubwürdigen Berichten, gar keine Verwendung ür die ganze Menge der deutschen Kohlen, man wirft sie zum großen Teil auf den Markt in Deutschland aber leidet man Not.

Unter dieser Ungunst der Verhältnisse leidet auch unsere engere Heimat in empfindlichster Weise. Wie groß das Ausmaß dieses Mangels und Leidens ist, kamt man an der Versorgung des Landkreises Gießen mit Kohlen ermessen. Zu diesem gehören alle Städte und Dörfer des Kreises Gießen mit Ausnahme der Provinzialhauptstadt Gießen, die einen eigenen Dersorgungsbezirk bildet, die aber, das sei gleich bemerkt, in puncto Kohle auch nicht auf Rosen gebettet ist.

Wie wir auf Anfrage an unterrichteter Stelle hören, läßt sich die Kohlenversorgungslage mit wenigen Worten und Ziffern kennzeichnen: sie ift sehr ungünstig, und es dürfte ratsam fein, im Kohlenderbrauch wellmöglichste Beschränkung zu beobachten. Aus Grund von Erhebungsbvgen, die jeweils von dem Versorgungsbezirk aufzu­stellen sind, seht der Reichskohlenkommissar be­kanntlich das Iahreslontingent für die einzelnen Bezirke des Reiches fest. Für das Wirtschafts­jahr 1922. das diesen Winter umfaßt, beträgt dieses Kontingent für den Lan dkreis Gie­ßen an Steinkohlen 5940 Tonnen, an Braun­kohlen 10 980 Tonnen, zusammen also 16 920 Ton­nen: als Braurckohle werden hauptsächlich die älnionbriketts bezogen. Von der Menge von 16 920 Tonnen ist zu versorgen: der Haus­brand, der die Haushaltungen und das Kleingewerbe (a. B. Bäckereien, Schmieden, Spengler u. bgl.) in sich faßt: Behörden, Schulen und sonstige Anstalten: die Landwirt­schaft (Oxer insbesondere Druschlohlln) und die Industrie, soweit diese ihren Bedarf nicht auf Meldekarten deckt, d. h. weniger als 10 Ton­nen im Monat verbraucht. Für diese Gruppen liegt folgender Derteilungsplan für 1922 zu Grunde: Kleingewerbe 2410. Landwirtschaft 1430, Behörden und Anstallen 2595. zusammen also 6435 Tonnen Es verbleiben hiernach für die Haushaltungen rechnerisch bei Zugrundelegung

zeuge gemiete t.umdiePho ogräphien.die am Sonntag in Doorn ausgenommen werden sollten, noch rechtzeitig für die 9Nontag-Mor- gen-Ausgaben in London zu haben. ZrhnTagc lang haben diese Leute das Kaiserhaus umla- gert, trotzdem ihnen am er st en Tage gleich gesagt worden war, es sei dafür gesorgt worden, daß sie nichts zu sehen oder zu hören be­kommen sollten. Ihrer Meinung nach blieb ihnen also nichts weiter übrig, als noch mehr zu erfinden wie sonst ihre Ge­pflogenheit ist, und die Leute zu belästigen, die sie in der Nähe des Hauses Doorn antrafen. Es ift geradezu unglaublich, was in dieser Beziehung geleistet worden ist! Man hat den Automobllen, die nach dem Kaiserhaus fuh­ren, plötzlich den Weg versperrt, damit die Insassen photographiert werden konnten, und um solche aufzunehmen, die man nicht zu sehen bekam, hat man Kollegen verkleidet in Autos gesetzt und sie danngefilmt". Ein rme- rikanischer Filmoperateur erschien eines Tages wie weiland der Rattenfänger von Hameln mit einer ganzen Schar Dorfkinder, die er, wie er sagte,gekauft" hatte, für ein Bild, Die Dorfjugend begrüßt den Hochzeitszug"; sie muhten auf die Mauer und die Bäume klettern und die Mützen schwenken, bis ein holländischer Polizist der Komödie ein Ende machte.

Airs Slaot und Land.

Gießen, den 15. November 1922.

Dic Brot und Mehlpreise für den Landkreis Gießen

find durch Beschluß des Kreisausschusses mit Wirkung vom 16. November ab wie folgt festgesetzt worden:

Der 4-Pkund-Laib Brot kostet 100 Mark, der 2-Pfund-Laib 50 Mk. Das Pfund Wei­zenbrotmehl kostet 28 Mtt, daS Pfund Rog­genmehl kostet 26 M.

Das Berkaufsgewicht des Brvtes muh noch 24 Stunden nach seiner Fertigstellung vorhanden sein. Das vom Kommunalverband gelieferte Mehl darf nur gegen Brotmarken abgegeben werden. *

* Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurden am 31. Oktober: der Ober» assistent bei dem Amtsgericht Mainz Heinpich Lösch zum Iustizsekretär: die Kanzleiassistenten: bei der Staatsanwaltschaft Giehen Otto Out« jahr, bei dem Amtsgericht Worms Johannes Pfeil, bei dem Amtsgericht Bad-Nauheim Heinrich Lottig zu Oberaffiftenten; die Kanz­listen: beim Amtsgericht Zwingenberg Konrad Kempf, beim Amtsgericht Alzey Johann Baußmann zu Kanzleiassistenten: am 6. Nov.: der Finanzpraktikant Karl Jack zu Mainz mit Wirkung vorn 1. Llpril 1922 zum Rentamtsober- felretär an dem Rentamt des Mainzer Uni­versitätsfonds: am 1. Nov.: der Schulamtsanwär­ter Karl Decker aus Cassel-Dessenhaufen zum

so einfach ist das nicht. Ich mache Schwierig­kellen.'

Oh, ich sitze ja an der Quelle," meinte Grete, den Tee aufgießend.Unb wenn du nicht willst, so geh ich zu deinem Todfeind Ehrlich. Der scheuet mich sofort."

Außerdem muß man triftige Gründe haben," warf Liane ein.

Die kann man sich auch schaffen. Ich werde mir schon Material zu besorgen wissen." Grete machte es sichtbar Spaß, mit dem Feuer zu spielen, und während sie über diese Frage scherzten, suchte jeder des anderen geheime Gedanken hinter der Stirn zu enträtseln. Endlich ging Ernst.Also lebt wohl, ich höre schon wieder das, Telephon. Ja, ich komme schon. Ach, Liane, ich bin ein Arbeitstier geworden." Er verabschiedete sich und sagte im Hinausgehen zu Grete:llnb vergessen Sie das Deweismateruck nicht, gnädige 5rau, das ist erforderlich, es genügt ein Brief . . . vielleicht schreibt dir ihn Lutz."

Die beiden Frauen blieben bestürzt zurück. Hatte Emst diese Worte nur so hingeworfen, oder . . . wußte er bereits? Grete war erblaßt. Hatte sie jemand verdächtigt? Waren sie ent­deckt? Hatte Lutz eine Unvorsichtigkeit begangen, was war geschehen?

Endlich sagte Liane:Grete, ich will lerne langen älmschweife machen, ich habe wie auf Kohlen gesessen, denn ich habe etwas gefunden, das ich dir geben möchte," und sie entnahm ihrem Täschchen einen kleinen rosa Brief. Grete nahm wortlos den Brief entgegen und entfaltete ihn, er strömte ein leises Parfüm aus, und sie starrte ihre eigenen Worte an.

ilnb sei um drei älhr wieder mit dem Wagen an den Kolonnaden . . las sie, das übrige wußte sie, allein die Unterschrift batte genügt, alles zu verraten.

3a, das sind solche Geschichten," sagte endlich Liane, während sie in das summende Gas schaute.

waren Begriffe für einen Lutz, ünb sie dachte an ihre ersten stürmischen Jahre. Da hatte auch sie solche Männer betört und geliebt, die aussahen wie L^'y, schön und verführerisch wie er. plc hatte seitdem viel erlebt und viel gelernt Unb sie war wieder auf die Verläßlichen zurückge­kommen, auf die Charaktere.

Ernst tat ihr leid, mit seinen blauen Kinder­augen und dem Herzen eines Träumers.

Bleib ihm treu, Grete," sagte Liane,denn er ist gut."

Ja, er ist gut," schluchzte Grete,aber den anberen habe ich lieb."

Liane ging. In diese Gedankenwelt konnte sie sich nicht mehr zurückversetzen Wenn man ihr vor Jahren gesagt hätte, daß sie jenen ersten, der sie fast an den Rand des Verbrechens ge­bracht, um sie In dem Augenblick, als sie verloren schien, feige zu verlassen, lassen solle, ehe daS Ereignis eintrat, das sie so kühl und klarblickend gemacht, sie hätte dem Warner ins Gesicht ge­schlagen. Man war dazu da, Liebe zu schenken und zu leiden. Das war Gesetz. Sie schritt wie im Traum durch die belebten Straßen nach Haufe, mit ihren Gedanken bei Ernst.

Wer hat den Smaragd damals gestohlen und wie ist er wiedergekommen? dachte sie auf einmal, ilnb das Unerklärliche umspann sie mit seinem Zauber.

Sie verstand Grete und verstand ihren Bruder Ernst.

Jede Ehe war ein Experiment. Sollte sic Grete deshalb verurteilen, weil sie sich etwas stahl, das ihr der andere nicht gegeben hatte? DasWarum" lag tiefer. Es lag vielleicht bei Ernst.

Soyez sage, si vous voulez etre heureuse, schrieb Maria Theresia ihrer königlichen Tochter nach Versailles . . . Ach ja, es war entschi«>en leichter, Moral zu predigen, als danach zu leben.

(Fortsetzung folgt)

Wer hat ihn dir gegeben? fragte Grete tonlos.

Ich hab' ihn in unserem Wohnzimmer unter dem Tisch gefunden."

QBann?

Vor einigen Tagen."

Ah und warum hast du ihn mir mcht gleich gegeben ?"

Weil ich warten wollte, bis sich mein Ver­backt bestätigt hatte. ' Du muht dein Parfum wechseln. Es braucht ia nicht immer Deckchen zu sein. Es stand zwar i in Name darunter, aber Deine Schrift ist sehr charakteristisch. Er ist Lutz wahrscheinlich aus der Tasche geglitten. Seid vor­sichtig in Zukunft," setzte sie hinzu und erhob sich.

Nein, so darfst du nicht gehen!" rief Grete, wahrend sie den Brief in Stücke riß.du darfst mir nicht böse sein, Liane. Was soll ich denn tun, um alles wieder gutzumachLn?"

Liane zuckte die schmalen Schultern.Es gibt nur einen Rat, aber den wirst du nicht hören wollen."

,Ich will alles tun, Liane, wenn du mir nur wieder gut bist," schluchzte Grete. Sie warf sich auf das weiße Fell vor Lianes Füße nieder.

Mach keine Szene, Grete, ich liebe das nicht, wemi man vor mir kniet, ich bin dir gar nicht böse. Ich verstehe nur nicht, wie man, wenn man die Wahl hat zwischen einem" sie sah nach der Türe, durch die Ernst eben verschwunden war und einem Lutz . . . daß man sich dann für einen Lutz entscheidet ..."

Oh. du kennst Lutz nicht, chr lennt chn alle nicht! Ich Liebe ihn so, daß ich für ihn in den Tod gehen würde, wie er für mich. Ja, denn das hat er selbst gesagt."

Clane hörte schweigend den Beteuerungen zw Du lieber Gott, wie vielen Frauen mochte Latz schon von dieser Kugel erzähll haben, die er sich für sie durch den schmalen Schädel jagen wollte, und wie viele Briefe mochte er schon mit seiner einigen Liebe beschrieben haben. Liebe und Treue