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Enver Pascha.

Pari». 14. Sept. (WTB.) Dach einer Agenturmelduna auS Moskau hat Enver Pascha vor kurzem eine Schlappe erlitten. Er zieht sich in Eile nach Osten zurück. Seine ganze Artillerie soll in die Hände der Bolsche­wisten gefallen sein.

Das amerikanische Tarifgesetz

Reu York, 13. Sept. (WTB.) Durch Funk­spruch. Dach einer Meldung aus Washington ist der Bericht der Konferenz von Vertretern beider Häuser für die T a r i f b i l l dem Unterhause übermittelt worden. Gr stellt das Farbenein-- fuhrverbvt für ein Jahr wieder her. Der Bericht ermächtigt den Präsidenten, die Sähe auf Empfehlung der Tarifkommission zu erhöhen oder herabzusehen. Die Konferenzmitglieder sehen die Sätze in manchen Punkten etwas unter die Posi­tion des Senats herunter, im allgemeinen jedoch über die Sähe des Payne-Aldrichs-Tariss hin­aus. Die Sähe des Senats für Messerschmiede­waren wurden etwas, die Farbenzölle scharf her- untergeseht,- Zwischenfarben 50 Prozent vom Wert und 7 Cents je Pfund, fertige Farben auf 60 Prozent und 7 Cents, musikalische Instru­mente 40 Prozent vom Wert, Bleistifte 45 Cents das Groh und 25 Prozent, photographische Ka­meras 25 Prozent, Puppen, Spielwaren 70 Proz., Spitzen 90 Proz., Stickereien 75 Proz., Leder- laschen. Schulmappen und Taschentücher 30 Proz., Schreibpapier 3 Cents je Pfund und 15 Prozent, Similisteine geschnitten und fassetiert 20 Prozent. Bisilenlartentaschen, Zigarrenspitzen, Manschelten- tnöpfe und Bürstentaschen 80 Prozent, verzierte Irdene Geschirre 50 Prozent und Porzellan 70 Prozent Pottasche wurde auf die Freiliste gesetzt mit einer Abgabe von eineinhalb Cents je Pfund für die ersten drei Jahre nach Annahme der Gesetze.

Die Teuerrrnq in Wien.

Wien, 14. Sept. (WTB 1 Die Kosten der Lebenshaltung voin 15. August bis 14. Sep­tember sind nach den amtlichen Indexseststellungen um 91 Prozent gestiegen.

Deutsches Privateigentum hi Portugal.

Berlin. 14. 0ept. (WTB.) Dach richten aus Lissabon zufolge verzichtete das portugiesische Par­lament auf das Recht, in Anwendung ves S 18 Anlage 2 des Teiles 8 des Versailler Vertrages deutsches Privateigentum, ire'ches nach dem Inkrafttreten des Friedensvertra^cs nach Portugal gelangte, zu beschlagnahmen. Der Be­schluss der portugiesischen Regierung ist imDiario do Governo" vom 5.9. veröffentlicht worden

Aus dem Reiche.

Maßnahmen der Berliner Stadtverwaltncg für den Winter.

Berlin. 14. Sept. (WTB.) Der Magistrat hat die Einstellung aller Hoch- und Tief­bauten beschlossen, bei denen die Arbeiten noch nicht erheblich begonnen haben. Außerdem wurde beschlossen, eine bwöchcnlliche Unterbrechung des Schulunterrichtes im Winter zur Er­sparung der in dieser Zeit nötigen Heizungs- mengcn eintreten zu lassen. Dafür werden dir Herbstferien wegfallen. Ferner soll eine Zu­sammenlegung der gering besuchten Oberklassen Un den städtischen Schulen stattfinden.

f Der sächsische Landtag aufgelöst.

' Dresden, 14 Sept. (WTB.) Der säch- 'fische Landtag hat heute den Antrag des Rechtsausschusses auf Auflösung des Land­tags mit 53 gegen 39 Stimmen in namentlicher

Baalsfempel

JRoman von Margarete v. Oerhen- F ü n f g e l d.

23. Fortsetzung. (Dachdruck verboten.)

Carmen flüchtete vor 3of£; in ihren dunkeln, weit aufgerissenen Augen starrte die Angst. Gr rannte ihr nach mit wilden, verzweifelten Ge­bärden.

Das ist zu arg," sagte jemand ganz laut irgendwo im Theater.

Weiter und weiter hochatmend stand er da. knitschend:So sprich ein lehtes Wort, Dämon I Folgst du mir?"

Carmens Brust hob sich in wilder Welle. Sie zerrte den Ding von ihrem Finger.

Der Direktor erhob sich leise und verlies) seine Loge. Man vernahm das gedehnte Seufzen der sich langsam öfsnenden und wieder schließenden Tür.

Er stürzte nach der Bühne. In den Kulissen drängten sich zitternde Menschen, kreidebleich in ihrer Verkleidung, Hälse reckend, rücksichtslos stoßend.

Platz!" zischte der Direktor.

Es war nur ein einziges Wort. Aber es wirkte wie ein Schlag, und alles war totenstill.

Am Boden lag Carmen. Jose lehnte abseits an einer Kulisse mit schlaff herabhängenden Ar­men, sein Blick war stier und finster, er rührte sich nicht. Ihm zu Füßen das Messer.

Von seiner Hand rannen langsam, langsam schwere rote Tropfen

Das Publikum klatschte Beifall wie toll. Man schrie, man rief:Güldewinl ClaßenI Güldc- winl"

Im Parkett, in den Dangen hatte man sich er­hoben und llatschte und gab nicht nach, und aas dem begeisterten Jubel, der tiefen Erschütterung wurde ein gebieterisches Fordern.

Füße trampelten, auf der Galerie setzte ein schüchternesHo, hol" ein, dem ein regelrechtes Johlen folgte.

Aber der Vorhang rührte sich nicht.

Dagegen stieg derEiserne" herab, mit dumpf rollendem Geräusch, das alles Rufen und Schreien übertönte.

Als die enttäuschte Menschenmasse, die in solchen Augenblicken einem einzigen tausendköpfi­gen Leibe gleicht, schon in der Garderobe Sturm lies, verharrten noch einige besonders zähe Eiferer in der leeren Höhle des Zuschauerraums, wie behext von dem Fanatismus einer Hochstimmung, die sich halb aus Sensationslust und halb ai« wirklicher Begeisterung zusammensetzte.

Man ahnte schließlich dunkel, daßetwas passiert" sei. 3n den Wirtshäusern und auf den Straßen wurde noch lange darüber verhandelt,

Abstimmung angenommen. Dafür stimmten die bürgerlichen Parteien und die Kommunisten. Der sozialdemokratische Antrag auf befristete Auf­lösung wurde abgelehnt. Präsident Fräsdorf ver­kündete das Abstimmungsergebnis mit den Wor­ten: Der sächsische Landtag ist ausgelöst, die Sitzung ist geschlossen!"

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 15. Sept. 1922.

Am 19. November Wahlen in Oberhcfscn.

Wie wir hören, sind die Wahlen der Stadtverordneten und Gemeinde­räte, sowie der Mitglieder der Kreis- und Provinzialtage der Provinz O b e r h e s - s e n' auf Sonntag, ben 19. Dovember an= beraumt worden.

Der Wiedcrbefchaffnttgsprcis.

Eine sehr interessante Entscheidung hat das Sch öffenge richt Offenbach in seiner Sitzung am vorigen Freitag gefallt. Es hat einen Tabakhändler, der für seine Waren den Wie­derbeschaffungspreis Devlanat und des­wegen einen Strafbefehl wegen Preis­treiberei erhalten hatte, f r e i g e s p r o ch e n. Die Freisprechung ist aber nicht erfolgt, lyeit das Gericht den Wiederbeschasfungspreis legali­siert, sondern, wie dieOffenbacher Zeitung" sagt, weil der Angeklagte in gutem Glau­ben nach der Anleitung seines Fachverbandes bzw. seiner Fachzeitschrift gehandelt hat. Das genannte Offenbacher Blatt berichtet über die be­deutsame Angelegenheit folgendes:

Gegen einen Offenbacher Tabak- und Zi­garrenhändler war ein Strafbefehl erlassen wor­den, weil er tm Mai d. I. 100 Gramm Tabak, die er früher zu 6.40 Mk eingekault, zu 14 Mk. weiterverkauft habe, mithin läge Preistreiberei im Sinne des § 1 Z. l der Verordnung vom 8. 'Mai 1918 vor. Den erhobenen Einspruch begründet der Angezeigte damit: 1. Preistreiberei liege nicht vor, der Tabak sei gemäß Preisliste zur Zeit des Berkaus» an den Verbraucher abge­geben. Gewin.n sei nicht zu erziele», denn er kaufe ja wieder viel teurer ein, als er den Tabal ab­gesetzt habe. Müßte er den Tabak so verkaufen, wie er ihn entsprechend der Zeit des ©intauf6 hätte absetzen sollen, dann bedeut' das den Ruin des Geschäftsmannes, und er müsse sein Ge­schäft, wie dies dann jeder Gelchästsmann in dieser Lage tun müsse, schließen. 2 Er habe im guten Glauben gehandelt, er habe sich nach den Preis­listen und nach den Mitteilungen in den Fachzeit­schriften gerichtet. Der als Sachverständiger horte Vorstand des Stadlwucheramts hält die Einwendung, daß der Händler alle Vorräte nicht zum alten Preis, abgeben könne, mil Rücksicht auf die inzwischen eingetretene erhebliche Gclo- enttoertung für beachtlich und hält es für un- billig, dem Händler zuzumuten, die Ware zum allen Preis abzugeben oder unter dem Preis, zu dem er neuen Tabak hereinbekommt, abzu­sehen. Dieser letzte Preis lWiederbeschaffungs- kosten) hätte nach Ansicht des Sachverständigen nicht überschritten werden dürfen. Das Urteil lautete auf Freisprechung. In den Ur­teilsgründen wurde ausgeführt, daß das Gericht sich auf die schwierige Frag" der Berechnung der Kosten nicht eingelassen bat und nicht einlassen konnte, weil dieser vorliegende Fall zur Herbei ­führung eine, prinzipiellen Entscheidung nicht geeignet ist, da in subjektiver Dichtung Frei­sprechung aus den Ginspruchsgründen zu 2 hätte eintreten müssen.

(Sünfditänfunfl bet Markeubrot Bczugsberechtigung.

Tie Hamburger Konferenz der Ernährungs­minister hat zu einer Verordnung über die

und schon um 1 Uhr nachts kursierten die wil­desten Gerüchte

Direktor Steinmann trat zur Seite, als zwei Bühnenarbeiter die Elasten ins Konversations- zimmer trugen, wo schon ein Arzt in Smoking und schwarzer Binde - ihrer wartete. Man batte ihn unbemerkt aus einer Loge im ersten Dang geholt.

Der Direktor ging auf dem Korridor auf und nieder.

Dis er sich plötzlich des Unglücklichen erin­nerte.

Wo ist Güldewin?"

Sie deuteten auf die schwach erleuchtete Bühne, die trostlos, öder und leer, schon halb in nächtlichem Schatten lag.

Da stand er noch immer, und niemand wagte, ihn fortzuweiseii oder auch nur anzFreden.

... - - Was haben Sie getan?"

Heinz Düldewm hob das aschfahle Gesicht Er betrachtete seine Hände, sah dem Direktor in die Augen

Ich weiß es nicht!"

Steinmann nahm den Inspizienten beiseite.

Sie lassen ihn nicht fort, bis der Arzt droben fertig ist I"

ilnb zu einem anderen:Sie telephonieren! Zwei Autos, sofort!"

Der Bureauchef I"

Er war schon da. Er war immer da, wenn man ihn brauchte.

..Und Sie sorgen mir dafür, daß nichts in die Zeitung kommt! Keine Silbe! Verstanden?"

Der Bureauchef kratzte sich bedentlich hinter den Ohren.

Herr Direktor, ich fürchte"

Fürchten Sie ruhig. Sie sehen mir gleich­lautende Roten für alle Blätter auf! Oder gehen (Sie selbst auf die Redaktionen, die (Nachtdienst hoben zu den andern in frühester Stunde Schluß!"

Eine Garderobenfrau rief den Herrn Direktor ins Konversationszimmer.

Der Doktor wusch sich die Hände in einem Waschbecken, das auf einem Plüschsessel stand.

Die Claßen sah aufrecht in Carmens kniste>n dem, rotseidenen Prunkgewand, blaß und still auf dem Sofa, unter dem Bild des Landesherrn.

Richt der Rede wert," sagte sie in einem selt­sam dunklen Ton.Rur eine Schramme, weiter nichts man soll lieber nach Güldewin sehen

Dem Direktor gab es einen Stoß. Ec wandte sich kurz ab.

Doch der Doktor trocknete sich die Hände. Seine Augen fragten:Wo?"

Dann entfernte er sich leise.

»Ra, mein lieber Herr Güldewin?" sprach er schallend und klopfte dem Willenlosen auf die Schulter.Das war mal heule gespielt! Donner­wetter! Run gehen Sie aber hübsch nach Hause

öffentliche Drotversorgung geführt. Die Anordnung, die vom 8. September datiert ist, bezweckt eine Verringerung des Kreises der Markenbrotberechtigten. Von einer gewissen Eintcmmensgrenze ab soll die Ver­sorgung mit Markenbrot nicht mehr gestattet sein. Diese Grenze wird nach der Einkommensteuer­veranlagung festgestellt. Da die Einkommensteuer­veranlagung für 1922 noch nicht erfolgt ist, wurde das steuerpflichtige Einkommen für das Kalender­jahr 1921 als Grundlage angenommen. Die Sin* lommensgrenze, die in Frage kommt, beträgt für das vergangene Jahr für einzelne Personen 30 000 Mk.. zuzüglich 15 000 Mk. für jeden in dem gemeinsamen Haushalt verpflegten Haus­haltsangehörigen. Allen Personen, deren Ein­kommen sich gegen diese Höchstgrenze von 1921 in diesem Wirtschaftsjahr um nicht mehr als das Vierfache vergrößert hat, bleibt die Möglichkeit, Markenbrot zu beziehen. Als be- 1 echligt zum Bezug von Alarkenbrot sind folg­lich Alleinstehende mit einem Einkommen in diesem Jahre bis 120 000 Mk., ferner Ver­heiratete ohne Kinder mit einem Ein­kommen bis 180C00 Mk., Verheiratete mit einem Kinde bis 240 000 Mk., Verheira­tete mit drei Haushaltsangehöri­gen bis 300 000 Mark usw. Die Durchführung der Verordnung ist Sache der Kommunalver- bände Am 16. Oktober soll die Verordnung in Kraft treten.

Die Koßlenproduktion in Hessen.

Die nronatliche Statistik der Kohlenpro­duktion des Volksstaats Hessen weist für den Monat August 1922 folgende Zahlen nach: An Rohbraunkohlen wurden gefördert 56 930 Tonnen, verkauft wurden davon 18 268 Ton­nen; der größte Teil der Rohkohle wurde wei­ter verarbeitet oder war zur weiteren Verar­beitung bestimmt. Aus den verarbeiteten Roh­kohlen wurden neben Scbwelerciprodukten er­zeugt: 2977 Tonnen Braunkohlenbriketts, 2324 Tonnen Raßpreßsteine. Außerdenn wur­den in Hessen erzeugt 10 195 Tonnen .^tein- preßkohlen.

Anter Berücksichtigung der aus den Vor­monaten übernommenen Bestände, sowie des Absatzes und Selbstverbrauchs verblieben am Monatsschluß absatzfähig: 5341 Tonnen Roh­kohlen, 2587 Tonnen Naßpreßsteine, zusammen 7928 Tonnen Braunkohlen und Brauulohlen- produktc im Gesamtwert opn 6 333 559 Mk.

ib.. II. V v n d e r L a n d e s - A n i v e r s i - tat. Das neuerrichtete Extraordinariat für medizinische Poliklinik an unserer Landeöuni- versität wurde Vern Oberarzt in der medizini­schen Klinik, Professor Dr. Stepp, von der hessischen Regierung angeboten, das neuerrich­tete Extraordinariat für Experimentalphysik dem außerplanmäßigen a. o. Professor Dr. Cermak dahier.

** Frachtermäßigung für Kar­toffeln. Für die Zeit vom 1. September 1922 bis 15. Mai 1923 tritt ein Ausnahmetarif für frische Kartoffeln bei Ausgabe als Frachtstückgu: zunächst zwischen den Stationen der deutschen Deichstxrhn in Kraft Die Ausdehnung auf deutsch - Privatbahnen erfolgt später. Die Fracht Wird für das halbe wiitllche Gewicht nach den Frachtsätzen der ermäßigten Stückgulk.asse II be­rechnet.

** D i e ® ü 111 g f c 11 der Eisenbahn- f a b r f a r t c n wird wegen der Preiserhöhung für die Zeit vom 28 bis 30. h. Mts. dahin beschränk t, daß di: Reise am ersten Tage der Geltungsdauer angetreten werden muß. Mit Fahrkarten für den 28. und 29. September kann

- da oben die Kleinigkeit - es ist nichts ein hannloser Schnitt wollen Sie sehen? Rein? Ra, dann morgen! Run schlafen wir hübsch aus was?"

Von der Straße klang das atemlose, stoßweise Schnaufen der wartenden Autos Heinz Gülde­win erwachte wie aus einem tiefen Schlaf. Er wußte nicht wer da mit ihm sprach. Seine Blicke blieben auf einem dunklen, feuchten Fleck dort auf den staubigen Brettern haften und langsam stieg das Entsetzen in sein sich neu be­lebendes Gesicht.

Der Doktor schob freundschaftlich seinen Arm in bett des Sängers, als kenne er ihn schon feit Jahren, und führte ibn fort.

Es hatten sich Reugierige eingefunden, Theaterarbeiter, Garderobiers allerlei Leute vom Bau.

Güldewin war wieder vernünftig geworden. Es stand nichts mehr ;u befürchten. So ver­staute man ihn in sein Auto, gab die Adresse an. bezahlte auch gleich den Chauffeur and das Keuchen der Bestie, die in jedem Motor lauert, verklang auf der langen, weißbeleuchteten asphal­tierten Straße, hinter schlafenden, in Rächt ge­tauchten Häusern.

Der Doktor kehrte langsam in das Konver­sationszimmer zurück. Er klopfte an und war­tete noch eine Sekunde, trotz des sofortigen Herein".

Direktor Steinmann stand mit verschränkten Armen neben den erkalteten Gewinden der Dampf­heizung, die Claßen sah zusammengeduckt in ihrer Sofaecke doch kein Ausruhen war in diesem Geducktsein, dieser lautlosen Stille.

Herr Güldewin ist nach Hause gefahren. Ich kann mir noch kein Urteil bilden und werde morgen nachsehen. Jedenfalls hat er im Affekt gehandelt"

Der schöne Panther reckte die Tatzen. Die rote Seide knisterte, knisterte wie kleine zün­gelnde Flämmchen und reizte den Mann mit den unerschütterlichen Mienen und dem uner­schütterlichen Willen: zu Haß. vergiftet durch Liebe zu Liebe, vergiftet durch Haß . . .

Die Claßen schlängelte sich enipor.Laßt den Mann in Ruhe! Er hat gehandelt im Affekt, sagen Sie! Was tut's? Die paar Blutstropfen mehr oder weniger ich hab' immer noch ge­nug. Immer noch zu viel! Aber die die keines Affektes fähig sind das sind meiner Meinung nach die wahrhaft Grausamen die wahrhaft Bejammernswerten zugleich! Blut­lose, unpersönliche Lebensmaschinen!"

Direktor Steinmann sah sich um. Der Doktor hatte sich französisch empfohlen

Wollen Sie die Güte haben? Ich habe Ihnen ein Auto bestellt wenn Sie wünschen, fährt die Schulz mit.

jedoch die Reise bis zum 30. September an­getreten werden. Für Oktober werden im Sep­tember Fahrkarten nicht ausgegeben.

rm. Der Tabak- und Zigarren­verkauf in den Wasser Häuschen an Sonntagen. Aus Darmstadt wird berichtet: Das Oberlandesgericht hat jetzt in der schon feit zwei Jahren schwebenden. Streitfrage, ob die Verkämet in den Wasserhäuschen an den Sonn- und Feier tage n auch Tabak und Zigarren usw. verkaufen lönncn, ent­schieden, daß dies nicht gestattet ist. Beianntlich wurde die Frage durch einen Offenbacher Besitzer verschiedener Wasserhäusche i angeschnitten, und die verschiedenen vorausgehenden Instanzen waren verschiedener Awicht. Jetzt dürfte der Fall endgültig erledigt fein.

** Rückgang des P v st v c r k c h r s. In einem Artikel über die neuen Postgebüh­ren in derKobl. Ztg.", in dem vor ilcbcr= spannung der Sätze gewarnt wird, teilt der Reichstagsabgevrdnete M o r a t h mit, daß laut Feststellung des ReicchspvstministeriumS am 1. Januar d. I. der Rückgang des Post­verkehrs gegenüber dem 8. Mai 1920 betrug: bei Ortspostkarten 55,8, Ortsbriefen 49,1, Postkarten im Fernverkehr 22,5, Briefen im Fernverkehr 35,7, und beim Paketverkehr in der Rahzone 39,7 und in der Fernzone 11,8 Prozent.

Das Pilzsammeln ist in den Wal düngen um Gießen in letzter Zeit sehr üblich ge­worden, und täglich trifft man Leute, welche bic wohlschmeckenden Pilze suchen. Sie sind sehr wohl geeignet, einen nahrhaften Ersah für das teuere Fleisch abzugeben. Gegenwärtig findet man am häufigsten die Steinpilze, Herrenpilze, Champig­nons, Drautchäubchen, Zregenbärte und Birken­pilze.

* Aliceschul-Derein, Abt. Frö- bel-Seminar Von Samstag. 16. Septem­ber, bis einschließlich Mittwoch, 20. September, findet in den Räumen des Oberhessischen Kunst­vereins am Brandplah eine Ausstellung von Schülerinnenarbeiten aus dem Fröbel-Seminar des Aliceschul-Vereins fiatf. An Laubsäge-, Papp- und Flechtarbeiten, Fröbelbcschäsligungen sowie Handarbeiten werden die Schülerinnen des Kin- dergärtnerinnen-Semin.irs und der Kinderpflege­rinnenschule zeigen, was sie in einem ls',jähri­gen Kursus im Werl-, Belchäftigungs- und Hand­arbeitsunterricht gelernt haben. Die Ausstellung ist geöffnet von 11-1 Uhr vormittags und 3 bis 5 Uhr nachmittags. Der Eintritt beträgt 2 Mk. für Erwachsene, 1 Mk. für Schüler. Gleichzeitig sei darauf hingewiesen, daß am Montag. 9. Oktober, die neuen Kurse für das Kindergärtnerinnen- Seminar und die Kinderpflegerinnenschule be­ginnen. Anmeldungen dazu werden noch entgegen­genommen. Rähere Auskunft im Seminar, Gar- tenstraße 30. Prospekte sind auch in der Aus­stellung erhältlich. Man beachte den heutigen Anzeigenteil.

** Der Hessische Landesgewerbe» verein hält am kommenden Sonntag seine dies­jährige Hauptversammlung in Gießen ab. Die Tagesordnung enthält folgende Punkte: Geschäft^ liebe Mitteilungen. Rückblick auf das 85. Vereins­jahr. Die Erhaltung des Gewerbeblattes, Er­höhung des Mitgliederbeitrages auf 30 Mark. Die gewerbl. Fwlbilduugsschulen. Verschiedene kleinere Angelegenheiten. Der Tagung wird morgen eine Au.schußsihung des Landesgewecd - Vereins vorausgehen.

Bornotizcn.

Tageskalender für Freitag. Lichtspielhaus, Vahnhofstriß", ab heute:Die Entlarvung" undLebenshunger". Palast- Lichtspiele, ab heute.Die vom Zirkus" und Kindesunterschiebung".

Ich danke. Ich brauche niemand. Rur meinen Mantel! Meinen Pelz!"

Dieser Mantel und dieser Pelz nun waren es, die Herrn Direktor Steinmann stets gefährlich wurden. Aus jedem einzelnen Haar dieser Felle sprang ein Funke zu ihm hinüber, der seinen Starrsinn zu brechen drohte.

Run stand er hinter ihr, den Mantel m den hockerbobenen Händen, denn er gestattete seiner Sprödigkeit nicht auch einen Mangel der landes­üblichen Ritterlichkeit.

Der Mantel war mit heliotropfarbener Seide gefüttert, und er atmete einen feinen Duft von wilden Blumen, wilden Tieren und französischem Puder.

Er legte ihn um die verbundene Schulter der schönen Carmen und sagte, ohne sie anzusehen:

Sie haben ihn wütend gemacht!"

Die Claßen wandte sich nicht um. Sie stand ganz still. Ein prickelndes Gefühl von Seligkeit rieselte durch ihre Adern, über ihre Haut, wie Sektperlen, wie stechend feine Eisnadeln.

Er ist eifersüchtig!" dachte sie.

Direktor Steinmann trat zurück. Er traute sich nicht mehr.

Das Theater stand so leer, nur die Wache harrte des Augenblicks, wo auch der Direktor ging und man endlich fertig machen konnte.

Die Claßen schmiegte sich erschauernd in die dunkelblauen Kissen ihres Autos.

Der Direktor zögerte eine Weile. So kurz dies Zögern war, so empfand die Claßen es doch mit dem Instinkt eines mit verdoppelten Sinnen sehenden Weibes.

Gute Rächt!" sprach er schroff und schmetterte den Schlag zu.

Dav Auto fauchte von bannen.

Wie eisig diese Stunde im Herzen der Rächt!

Roch lein Ende? Der Direktor knipste noch einmal das Licht an auf seinem Bureau.

Mit steinernem Gesicht suchte er sich einen großen Bogen, Tinte, Feder zusammen.

Die Feder kratzte über das Papier.

>)eht endlich war Ruhe in dem großen, stolzen, ragenden Gebäude die Seele war daraus entflohen.

*

Der Dureauches wurde auf den Redaktionen mit dem erwarteten höflichenZu spät!" empfan­gen. Es kam doch in die Zeitungen Und der Herr Bureauchef war darüber gar nicht einmal unzufrieden. Was erreichte man denn mit dem künstlerischen" Arbeiten? Die Klassiker machten leere Häuser, die Galerie rannte lieber in die Kinos.

®r rieb sich die Hände, bemerkte an der Vor­verkaufskasse einen Ansturm für den Abend und aus seinem Schreibtisch einen Berg von Anfragen darunter auch solche von Damenhand.

(Fortsetzung folgt)