Ausgabe 
14.10.1922
 
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(Siebener Stadttheater.

Der Dürgergeneral

S3ußTt*teI tn einem Aufzug von Goethe und

Der eingebildete Kranke.

Lustspiel tn 3 Qfften von M 0 liöre.

Gießen, den 14. Oktober 1922.

GS tixtr ein köstlicher Wend, den man gestern hn Stadttheater verleben durfte. Ehrlichem Stre­ben nach einem Ziel, das der Mühe lohnt, bleibt Anerkennung und Dank nicht versagt. So wurden die beiden Aufführungen zu einem vollen Erfolg, ihn so peinlicher wirkten wieder die vielen un­besetzten Plätze, die stumme und doch beredte Klage erhoben ob der unverdienten Interesse­losigkeit, die auf die Dauer leider die Fortsetzung der künstlerischen Darbietungen unseres Stadt- tHeaters ernstlich gefährden mutz. Mochte dieser Ernst der Lage endlich einmal voll erkannt werden.

GoethesDürgergeneral" ist noch von der vorjährigen Aufführung bekannt. Gestalten feiner Zeit hat hier der Dichter in fröhlicher Sa­tire gezeichnet. Es bedarf aber keiner geschichtlichen Studien, um diesem Lustspiel volles Verständnis entgegenbringen zu können. Mutatis mutandis findet man zu allen Zeiten und etwa nicht mrch in der unsrigen? solche Maulhelden und Schwindler, die aus der Leichtgläubigkeit ihrer Mitmenschen Rutzen zu ziehen suchen. Karl Dolck, der auch die Regie führte, stellte einen in jeder Hinsicht gelungenenSchnaps" auf die Dühne Erne gleich prächtige Figur gab Heinz Dechstern als Matten ab. Auch die Rollen der Rose (Karla Keller), des Gorge (G e o r g Heding), des Edelmanns (Karl Juhnke) urrd des Richters (Paul S ch u b e r t) waren aufS beste besetzt.

So sehr man die Feinheiten, die auch dieses kleine Werk besitzt, schätzen mag, in dieser Zu­sammenstellung des Programms konnte das Stück Goethes nur den Auftakt bilden. Der Meister selbst würde seiner Schöpfung im Vergleich zu MoliöresDer eingebildete Kranke" keine andere Bedeutung beimessen. Lustspiele nennen sich beide Werke, und doch wie wesens­ungleich sind sie, daß man kaum dieselbe Gat­tungsbezeichnung für beide dramatischen Arbeiten anwenden möchte! Hier zeigt sich, wie «Schicksal und Charakter der Dichter für ihre «Schövfungen

Der Prozeß Rathenau.

Leipzig. 13. Oft (Wolff.) Rathenau- Prozeß. Rachdem die Plaidohers beendet waren, erklärte der Vorsitzende, daß die nächste Sitzung zur Hrteilsverkündung ausSams- tag 12 Hhr mittags angeseht wird. Es ist aber mit der Möglichkeit zu rechnen, daß bis dahin die Beratung noch nicht zu Ende geführt werden kann. In diesem Falle erfolgt die Urteilsverkündung um 3 Uhr.

Der Verteidiger Goldstücker beantragt tVv'JtS für die Angeklagten Schütt und Diestel Frerspruch Der Verteidiger Dr. Bloch spricht für Tillessen und Plaas: Die Verhandlung hat keinen Beweis erbracht, dah Tillessen am Kom­plott beteiligt gewesen ist. Ich bitte nicht um wilde Auffassung, sondern um die klare Erkennt­nis: Freispruch Rach einer Pause ergriff Ober­reichsanwall Ebermaher das Wort und sagte in einer Replik, die Drohung Kerns an Techow, chn zu erschiehen, sei nicht vor dem Anschlag, son­dern nachher erfolgt Zu dieser Zeit habe die Mittäterschaft schon festgestanden.

Vorsitzender:Dann habe ich die Angellagten zu fragen, ob fie noch etwas zu ertTären haben." Ernst Werner Techow:Ich tann nur wiederholen, dah ich die volle Wahrheit gesagt habe. Ich kann gar nicht schildern, welche Selbst- vorwürfe ich mir gemacht habe. Hm mein Ge­wissen zu beruhigen, habe ich offen bargelegt, was ich getan habe. Ich kann deshalb vertrauens­voll metne gerechte Sühne in Ihre Hande legen." Die HrterlsVerkündung findet Samstag um 12 Hhr oder um 3 Hhr nachmittags statt.

Berlin, 13. Oft Am Schlüsse der heutigen Vormittagssitzung des Rathenau-Prvzesses verlas Iustizrat Hahn einen Drief von Frau Rathe- nauandieMutterTechows.der folgenden Wortlaut hat:In namenlosem Schmerz reiche ich Ihnen, Sie ärmste aller Frauen, die Hand. Sagen Sie Ihrem Sohne, dah ich ihm im Ramen und Geists des Ermordeten verzeihe, wie Gott Ihm verzeihen möge, wenn er vor der irdischen Gerechtigkell ein volles und off-neS Bekenntnis ablegt und vor der göttlichen bereut. Hätte er meinen Sohn gekannt, den edelsten Menschen, den die Erde trug, so halle er eher die Mordwaffe auf sich selbst gerichtet als auf ihn. Mögen diese Worte Ihrer Seele Frieden geben!*1

Aus dem Reiche

Die Wahl des Reichspräsidenten.

Berlin, 13. Oft. (Priv.-Telegr.) Aus der Aussprache in der heutigen Vorstands­sitzung ergab sich laut derZeit", dah der Parteivorstand der Auffassung zustimmt, dah nicht empfehlenswert erscheint, die Reichspräsidentenwahl am 3.De­zember vorzunehmen. Der Parteivvrstand ist der Meinung, daß wir in der inneren Politik zur Zell die Einheit nicht durch Wahlleiden­schaften gefährden dürfen, und dah die ruhige Entwicklung auch mit Rücksicht auf außen­politische Fragen nicht gestört werden darf. Die Deutsche Volkspartei wird ihre Bemühun­gen weiter darauf richten, dah die Wahl des Reichspräsidenten durch einen Reichstags­beschluß noch hinausgeschoben wird.

Berlin, 14. Oft. In einer vom Ka- cholikenausschuß der Deutschnatio- nallen Volkspartei einberufenen Ver­sammlung sprach gestern der Parteivorsitzende Hergt über die Stellung der Deutschnatto- mrlen zur Reichspräsidentenwahl. Er sagte nach demLok.-Auz." u. a.: Wir Deutsch- Niationalen haben nie daran gedacht, Hin­denburg als Parteikandidaten aufzustellen. , Wir wissen aber aus ttefster Seele, dah von unserem Standpunkte aus Hindenburgs Wahl nichts entgegensteht, daß er allen unseren An­forderungen entspricht. Aber zunächst mühte er selbst aus seiner Reserve heraustreten. AuS dem Dolle heraus muß der Ruf nach einem unparteiischen Präsidenten immer lauter erschallen. Darum: die Parteien, Finger weg von der ReichSpräsidentenwahl.'

Die Maßnahme« zur Stabilisierung der Mark.

Berlin, 14. Oft LautVorwärts" be­schäftigte sich das Reichsk-abinett gestern nachmittag mit der Beratung weiterer Maß­nahmen, die zu einer Stabilisierung der Mark führen sollen. Besprochen wurde u. a. der Plan der Währung sanleihe. Die Ver­handlungen sollen in den nächsten Tagen fort­gesetzt werden.

Ein englischer Schritt gegen die Daluta- zuschläge.

Die Gebühren, die in den verschiedenen deutschen Freistaaten den Ausländern für die Erlangung der Aufenthaltsgenehmigung auf­erlegt werden, haben, lautGermania", zu Vorstellungen bei den deutschen Behörden seitens der englischen Regierung ge­führt. Das englische auswärtige Amt sieht darin einen Verstoß gegen den Friedens­vertrag. Die Beschwerde bildet zur Zeit Gegenstand der Beratung bei den zuständigen Stellen in Berlin.

Aus SLadt und Land.

Gießen, den 14. Oktober 1922.

Der Bürgerverein

hielt, tote man uns schreibt imPostkeller" eine schwach besuchte Mitgliederversammlung ab. Der Vorsitzende, Rektor Müller, gab zu­nächst die Gründe bekannt, die zu längerem Ruhen der Vereinstättgkell Anlaß gegeben hatten, dabei besonders bedauernd, daß die Mitglieder den Vereinsbestrebungen so wenig Interesse entgegen­bringen. Sodaim legte er der Versammlung zwei Fragen vor: 1. Soll der Bürgerverein weiterbe st ehen? 2. Erscheint es empfehlens­wert, zu den bevorstehenden Stadtverordneten- wahlen Stellung zu nehmen und evtl, eine eigene Liste aufzustellen? Die erste Frage wurde nach eingehender Aussprache von der Versammlung mitJa" beantwortet. Heber die Frage bezüg­lich der Betelligung an den Stadtverord­netenwahlen entspann sich eine rege Aus­sprache, bei der mehrere Redner für Beteiligung, evtl, durch Ausstellung einer eigenen Liste ein» traten, während andere mit Rücksicht auf das geringe Interesse der Mitglieder und das längere Ruhen jeglicher Vereinstätigfeit Bedenken gegen die Aufstellung einer eigenen Liste zum Ausdruck brachten. Es wurde beschlossen, zu versuchen, mit den politischen bürgerlichen Parteien und den Handwerkerorganisationen eine gemeinsame bürgerliche Liste zustande zu bringen.

Mieter-Protest

gegen den Mietzuschlag von 614 Proz.

Eine außerordentlich stark besuchte öffent­liche Mieterversammlung, einberufen vom Vor­stand des Mietervereins, nahm gestern abend im Katholischen Vereinshaus Stellung zu dem auf 614 Prvz. bemessenen Gießener Mistzuschlag auf die Friedensmiete.

Der Vorsitzende Weihbecker gab gleich einleitend bekannt, dah es zwischen den Vertretern der Hausbesitzer und den Wortführern der Mieter zu keiner Einigung gekommen ist. Die Forde­rungen der Hausbesitzer, pie auf das Zehnfache der heutigen Miete hinausgelaufen seien, hätten die Mietervertreter ablehnen müssen. Die Forde» rungen der Mieter seien nun inzwischen durch die rapide Geldentwertung auch überholl worden. Die Stadtverwaltung habe jetzt einen Vorschlag gemacht, der den Mietzuschlag auf 614 Proz. festsetzen wolle. Der Vorstand des Mietervereins habe diesen Vorschlag abgelehnt, ebenso aber auch die Hausbesitzer, weil sie bei diesem Satze nicht bestehen könnten. Die Mieter würden gern mit den Hausbesitzern zusammengehen, wenn die Wohnungen und die Häuser wenigstens in besserem Zustande wären als heute. Jedoch die Häuser seien in den letzten Jahren so tn Verfall geraten, dah für die Mieter eine große Last entstehe, wenn sie jetzt helfend eingreifen müssen. Hier müsse der Hausbesitz selbst unbedingt mll zur Tragung der Lasten herangezogen werden, denn er habe »die Wohnungen tn hohem Maße verlottern

mitbestimmend werden. Goethe erzählt mit gut­mütigem Spott ohne Bitterkeit eine hei­tere Episode. Molieves Lustspiele verbergen Unter dem fröhlichen Kleide ttefsten Emst. Ein Mann, dem das Leben übel mitge» spielt hat, geißelt die menschlichen Schwächen mit ätzender Schärfe. Man versetze einmal die Helden der Moliäreschen Lustspiele von der Bühne ins Leben, und man wird erkennen, daß man statt von Komödien eher von Tragödien sprechen müßte, über die nur Schadenfreude fechen kann Doch man erlebt ja nicht wirkliche Schicksale sondern Theater, und der Lustspielcharakter wird überdies durch die Rebenversonen und reiche Si° tuationskvmil gewahrt. Auch die Darstellung des MoliSreschen Stückes erreichte unter der Leitung Adolf Telekys wahrhaft künstlerische Höhe. Rudolf Goll erzielle als Argan zahlreiche Heiterkeitserfolge. Auf diese Gestalt trifft ohne Einschränkung das zu, was wir oben über Mo- liöres Hauptpersonen sagten. Die Rolle des Kran­ken in der Einbildung kann nur mit ungemein (einem Verständnis wirklich gut gespielt werden. Jede gewollte Komik muß streng vermieden wer­den. Sonst wird der Eindruck verwischt, daß man es hier eigentlich mll einem tief unglücklichen und bedauernswerten Menschen zu tun bat. Eine große Leistung war Karla Kellers Beline Die heuchlerische Zärtlichkell, deren niedrige Mo­tive nur dem blinden Gatten verborgen bleiben, und der brutale Triumph, als das Ziel scheinbar erreicht ist, vervollständigten in ihrer Darstellung das Charakterbild dieser falschen Frau. Elsa Engel war als Angelique manchmal etwas un­frei, während Kl. Castein als Louison das kindliche Wesen mit vollster Natürlichkeit traf. Ergötzliche Figuren erblickte man inKarlVolck (Dr. Diafoirus) und Martin Jakob (Thomas Diasoirus). Auch Paul Mehnert ließ als Dr. Purgon keinen Zweifel daran, daß der Dichter in diesem Werke die Aerzte seiner Zeit karikieren wollte. In der Dienerin Toinette fand Cläre Türk wieder die dankbarste Betätigung ihres Talentes. Man kann sich dieses vorlaute und schlagsertige Mädchen nicht besser verkörpert den­ken. Die übrigen Rebenrollen waren ebenfalls glücklich beseht. Es sind als deren Träger noch zu nennen: Karl Juhnke (Derald), Georg Heding (Cleant), Heinz Dechstein (Fleu- rant) und Oskar Feige! (de Bonnefvi).

Beide Aufführungen fanden die vollste An­erkennung des Publikums, das feinen Beifall oft und sehr lebhaft äußerte. tr.

lassen". Obwohl seit Ende 1918 die Miete immer höher geworden sei, habe man von der Vornahme von Reparaturen meist nichts toahrgenommen. Ob man mit den Hausbesitzern eine Einigung erziele, könne heute noch nicht gesagt werden.

Hierauf erstattete Reallehrer Hebermehl eingehend Bericht über die Verhandlungen mit der Stadt und den Hausbesitzern über Die Zu­schläge zur Grundmiete. Die Verhandlungen unter dem Vorsitz des Beigeordneten Dr. Seid hätten schon bald gezeigt, daß Hausbesitzer und Mieter nicht zuemanderkommen konnten: obwohl nur drei Sitzungen stattgesunden hätten, seien sie mit jeder Sitzung weiter auseinander gekommen. Deshalb wurden die Verhandlungen abgebrochen und die Festsetzung der Zuschläge von Amts wegen cm- geleitet. Hausbesitzer und Mieter hatten ihre Vorschläge hierzu etnzureichen. Die Hausbesitzer forderten insgesamt 894 Proz. Zuschlag, die Mieter kamen in ihrer Berechnung auf den Satz von 180 Proz.. Durch die mittlerweile ein­getretene Geldentwertung ist dieser Sah natürlich überholt worden. Die Stadtverwaltung hat dann auf Grund amtlicher Ermittlungen etwa die Mlltellinie zwischen den beiden Forderungen ge­zogen und die Zuschlagshöhe auf 614 Proz. festgesetzt. Hiernach berechnet wird die künftig zu zahlende Miete das Sechsfache der Miete vom Juli 1914 betragen. Auch die Mieten für möblierte Zimmer werden in recht fühlbarem Ausmaß erhöht toerben. Redner beschäftigte sich nun eingehend mit den Einzelheiten der Zu­schlagsberechnung und zeigte hierbei, dah die An­sichten der Hausbesitzer uni) der Mieter über die Angemessenheit der einzelnen Zuschläge in der Tat sehr stark voneinander abtoeichen. Da die Be­rechnung der gesetzlichen Miete auf die im Juli 1914 gezahlte Miete aufgebaut werde, diese aber heute vielfach nicht mehr bekannt sei, sollten die Mieter sich gegenseitig durch Auskunfterteilung über die Höhe der damals gezahlten Miete unter­stützen. Bei den Beratungen habe die Mieter­vertretung auch beanstanden müssen, daß die vor­gesehene Ortsfatzung nichts enthalte in bezug auf die Schaffung einer Mietervertretung. Diese sei unbedingt notwendig und ihre Existenz müsse in der Ortssahung festgelegt werden. In allen Häusern mit mindestens drei Mietwohnungen sei diese Mietervertretung einzurichten, für die Häuser mit nur einer oder zwei Mietwohnungen plane der Mieterverein die Schaffung einer ftraf}en» oder bezirksweisen Mietervsrtretung. Bon der Er­richtung von Hauskonten für die großen Instand» sehungsarbeiten wolle die Stadt einstweilen in­soweit Abstand nehmen, als es sich um Häuser mit nur zwei Wohnungen handle: maßgebend für diesen Entschluß sei die ungeheuer große Arbeits­last und die enorme Kostenhöhe, wenn für alle Miethäuser diese Konten geschaffen werden sollten. Für Häuser mit zwei bis drei Mietwohnungen würden die Konten aber eingerichtet. In der Gesamtheit betrachtet, hätten die Mieter an der Durchführung des Reichsmietengefehes, wie sie hier geplant sei, noch mancherlei berechtigte Aus­stellungen zu machen. Ramenllich sei es die enorme Höhe der Zuschläge, die zum Widersprach heraus­fordere. Rur der Zusammenschluß aller Mieter könne bewirken, dah die Interessen der Mieter­schaft s o vertreten werden könnten, wie es notig sei. An den mit lebhaftem Beifall belohnten Vortrag schloß sich eine längere Aussprache an, in der einhellig zum Ausdruck kam, daß die Mieterschaft gegen die Hohe der Zuschläge sich wehren müsse. Schließlich wurde einstimmig beschlossen, gegen die von der Stadtverwaltung geplante Zuschlagshöhe Verwahrung einzulegen und dabei zu fordern, dah 1. die Zuschläge der vom Mieterverein vorgeschlagenen Hohe sich an» nähern sollten und 2. Die Mieter Vertretungen ein­zurichten seien. Wenn dieser Schritt keinen Erfolg habe, solle beim Kreisamt, als der Aufsichts­behörde, Protest erhoben werden.

Man hörte hierauf einen Vortrag des Justiz - inspektörs Schroeder über dasMietrecht der Gegenwart" und beschäftigte sich in vorgerückter Stunde noch mit den S ta d t v e r o r d et en » wa h len. Bei diesen will der Mieterverein mit einer eigenen Liste vorgehen.

Die (Hictzeuer Volksbochschultagunq.

Zu der heute beginnenden Volkshoch- schultagung in Gießen im gut geheizten großen Hörsaal der Hmversität sei noch bemerkt: Der Vortrag, den Profeffor Hamann-Mar­burg heute, Samstag, abends 8 Hhr, über Deutsche Köpfe des Mittelalters" halten wird, bringt in neuen eigenen Aufnahmen des Vortragenden Beispiele des stärksten, was deutsche Kunst des Mittelalters "hervorgebracht 'hat. Hnbekannt, teils im künstlerischen ©egenftanb überhaupt, teils in der neuen Ansicht des Kopfes, offenbaren diese Aufnähmen eine Kraft und Fähigkeit der Versenkung in das Eigen- und Innenleben der Menschen, die einen vollwertigen 'Begriff von der Höhe deutscher Kunst im Mittel- alter geben. Jeder, der die künstlerische Ver­gangenheit seiner Ration femten zu fernen wünscht, fei deshalb auf diesen Vortrag hingetoiefen. Auch die Referate am Sonntag über wichtige Fra­gen der Volks Hochschularbeit dürften weitere Kreise interessieren, zumal die Möglich­keit einer Aussprache geboten ist.

Wo enmnrktsbericht.

Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete Weißkraut das Pfund 35 Mk Wir­sing das Pfund 45 Ml., Rotkraut das Pfd. 610 Mk Spinat das Pfd. 12 Mk., Blumen­kohl das Stück 1030 Mk., gelbe Rüben das Pfund 46 Mk., rote Rüben das Pfd. 25 Mark, Endivien das Stück 25 Mk., Ober- Kohlrabi das Stück 23 Mk., Anter-Kohlrabi das Pfd. 1.504 Mk., Tomaten das Pfd. 25 bis 30 Mk., Russe das Pfd. 3040 Mk., Aep- fel das Pfd. 58 Mk., Birnen das Pfd.' 5 bis 7 Mk., Zwetschen das Pfd. 6 Mk., Kartoffeln das Pfd. 4.705.00 Mk., Butter das Pfund 360400 Mk., Eier das Stück 22 Mark.

*

** Neue Quittungskarten für die Invaliden - und Hinterbliebe­nenversicherung sind mit dem 1. Okto­ber eingeführt worden. Die alten Vorräte kön­nen aber aufgebraucht werden. Die Quittungs- karte A ist für Pflichtversicherung und Wei­terversicherung bestimmt, die Karte B für Selbstversicherung und ihre Fortsetzung. Vor­gesehen ist fernerhin je ein Raum für die Ver­sicherungsanstalt, die Ausgabestelle, die Liste der Quittungskarten, den Tag der Ausstel­lung und die Zeit, seitdem die Karte verwend­bar war. Wiedergegeben werden die §§ 1424, 1425 und 1495 der ReichsversicherungSvrd-

raing. Auf der Karre für die Selbstversicyerung wird dargelegt, wer dazu bis zum vollendeten vierzigsten Lebensjahr berechtigt ist. 2luf der Rückseite sind die üblichen Felder und Raum für die Aufrechnung der entrichteten Beiträge.

* * Der Brotpreis wird nach einer Bekanntmachung in unserer heutigen Ausgabe mit Wirkung vom 16. Oktober auf 44.50 Mk. für 1900 Gramm erhöht.

* * Sin Liter Vollmilch kostet vom 16. Oktober ab im Kleinverkauf 47 Mark.

* * Die Trockenanlage des Elek­trizitätswerkes ist am kommenden Mitt­woch zum letzten Male für die Annahme von Frischware geöffnet.

_.2 5jähriges Dienstjubiläum. Frt. Lma Vogt von hier feiert am Montag, 15. ds.

25jährigeS Dienstjubiläum bei derPutz- fe^bft °>e,IXrrCn^rma -N^Mlde Rachmann hier-

** Das Fest der ftIberrt-en Hoch- £ei£ feiern heute der Schaffner t R. Leon-

=a erbig und Frau geb. Schmitt, Aster- to?g 59; ferner morgen die Ehegatten Wilhelm -w e n t m elfter und Frau, geb. Mühlich, und ochrelner Georg Beck und Frau, geb. Daum.

Gemeindeabend der Mat­thaus-Gemeinde in der Stadt- kirche. Am morgigen Sonntag, 15. Oktober, abends 8 Hhr, veranstaltet die Matthäus-Ge­meinde in der Stadtkirche einen Gemeinde- abend. Der bekannte hessische Bauersmann und Schriftsteller H. Raumann, Mitarbei­ter der Sohneyschen Dorfzeitung und vieler Sonntagsblätter, Verfasser der gemütstiefen Bucher:Vom Heimatacker",Mein stilles Tal , spricht über das Thema:D e r große Gewinn in armen Tagen". Naumann ist, so schreibt man uns, ein vortrefflicher Red­ner und in Stadt und Land gleich gern gesehen. (Siehe Anz.)

ruotizen.

2 Tageskalender für Samstag. Großer Hörsaal der Hniversität, 8 Hhr: Vortrag Prof. Dr. Hamann. Astoria-Lichtspiefe, ab heute:Der Mann aus Zelle 19" undIm Kampfe gegen ätzbermacht". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, heute und morgen:Der Graf von Monte Christo". Palast-Lichtspiele, ab beute:Heinrich Heines erste Liebe, und Di- Hexe".

~ Tageskalender für Sonntag. Stadttheater, 3 Hhr:Der Bürgergeneral" und Der eingebildete Kranke"; 7 Hhr: Schwarzwald» mäbel. Großer Hörsaal der Hniversttät, ab Vs10 Hhr vormittags und 4 Hhr nachmittags: Oeffentliche Vorträge über Volkshochschulfragen. ©tabtfirche, 8 Hhr: Gemeindeabend das Wat­thausgemeinde, Vortrag des Herrn Raumann. Markus-Saal, Kirchstraße, 81 . Hhr: Lichtbilder» Vortrag des Evangelischen Arbeitervereins.

Rus dem Stadttheaterbureau. Am kommenden Donnerstag, dem 19. Oktober fenbet ein Gastspiel des Moskauer Balletts von Tamara Gamsakourdia, Alexander De- midofs und Wassilij Orlofs statt. (Siehe Anzeige.)

Wettervoraussage

für Sonntag:

Tells klares, teils nebeliges Herbstwetter mit leichten Nachtfrösten.

Das Hochdruckgebiet hat sich noch wettet verstärkt und wird für die nächste Zeit die Witterung beherrschen.

Landkreis Gießen.

s. Trohe, 13. Oft. Ein junger Knecht an der Mittelsmühle benutzte die Abwesen- hett seines Herrn, um mit dessen Fahrrad und 5000 Mark in bar zu verschwin­den. Das Rad ist ein Schweizer Fabrikat und an der schwarzen Lenkstange leicht zu erkennen.

- Kreis Schotten.

§ nlrich stein, 13. Olt. Zu den hier stattonierten Personen-Pvstautos ist jetzt noch ein st a r k e s F r a ch t a u t o ^ur Be­förderung schwerer Frachten hinzu gekommen. Der Verkehr in der Personenpost zeigt neuer­dings eine starke Beschränkung.

Kreis Friedberg.

fpd. Oberer(enbad). 13. Oft. Infolge Versagens des elektrischen Stromes erfolgte in dem Schacht der Hessischen B r a u n I o h l ß n 21.=©. ein Wassereinbruch. Die Verwal­tung mußte deshalb d.e Kohlenförderung vorübergehend ein stellen, am die Strecken entwässern zu können. Hm in der Zwischen- zeit gegenüber den Ansprüchen der Gläubiger geschützt zu sein, hat sich die Verwaltung ent- chlossen, die Geschäftsaufsichl zu beantragen, die unter Berücksichtigung der besonderen Hmftänbe vom Amtsgericht Vilbel auch genehmigt wurde.

Starkenburg und Rhein hegen.

' Darmstadt, 12. Oft. Die mangelnde Rentabilität der Straßenbahn hat jetzt zu Betriebseinschränkungen und damit zu Entlassungen von Arbeitern und Angestellten geführt. Mehrere Linien werden ganz eingehen, andere stark eingeschränkt werden. Von den 210 Angestellten werden ,112 einschl. Verwaltung entlassen. Zum Teil werden die Ent­lassenen in anderen Betrieben der Heag 2fer- Wendung finden.

» Alzey, 12. Ott. Als Hrsache des E i s e n. bahnunglücks auf dem hiesigen Bahnhof a-urbe ermittelt, daß die Hmsteklung der Weiche zu früh erfolgte. Dadurch stürzte ein Wagen vierter Klaffe um und schleifte auf dem nebenanliegenden Gleise. Auf letzterem stand ein Rangierzug, und prallte der umgestürzte Wagen des Personenzuges mit voller Wucht gegen die Rangiermaschine, so daß er tn die Maschine ein­gekeilt und teilweise zertrümmert wurde. Die Ra­inen der Toten sind: Anton Riedel-Wies­baden, Gustav D a ft e r t» Dingen und Frau Käthe Hudelmaier - Alzey. Hüter den Schwerverletzten befindet sich: Frau Dastert-Din» gen, Frau Marie Hornick-Alzey und Heinrich Schmidt-Rieder-Saulheim, bei den leichter Ver­letzten: Frau Otto Reu-Alzey, Frau Elise ®an-

Seutiger Stand des Dollars

10 Hhr vormittags.

Berlin 2725, Frankfurt 26752725.