Ausgabe 
13.11.1922
 
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Montag, J3. November 1922

172. Jahrgang

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitüts-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und SefchSft5stelle: Schulstratze r.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v. 27 mm Breite örtlich 600 Pf., auswärts 800 Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Br eite2800Pf. Bei Platz- Vorschrift 20 °/0 Aufschlag. Hauptschriftleiter: Ang. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für ben Anzeigentetl: Hans Beck, sämtlich in Gießen.

Nr. 267

Erscheint täglich, außer Sonn, und Feiertags, mit derSamstagsbeilage: GietzenerFamilienb lütter Monatliche vezuarpreife: Mk. 185.- u. Mk. 15.- Trägerlohn,durch diePoft MK.200. - .auch beiNicht- erscheinen einzelner Num- mern infolge höherer Gewalt.- Fernsprech» Anschlüsse: für die Schrift­leitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Sietzen.

poftscheätonts: firantfnrt a. M. 11686.

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.Feine Regierungs- Krisis"?

Während bisher bei parlamentarischem System die Umbildung des ReichskabinettS die I Ausgabe der Parteien war, während man bis­her dachte, daß dazu eine neue Koalition not­wendig sei, versucht der Reichskanzler einen anderen Weg. Sein Ruf ergeht nach Persön­lichkeiten, nicht nach Fraktionsmitgliedern. Er braucht einen Außenminister, einen Ehes für das Wiederaufbau-Ministerium, und drittens ! unter Umständen einen Minister ohne Porte- feuMe. Mit letzterem ist bereits angedeutet, daß die Zustimmung der einen oder anderen Partei zu der Erweiterung deS Kabinetts er­kauft werden muß. 3m Zeichen der republi­kanischen Verfassung und auf dem Boden der parlamentarischen Regierung geht es eben nicht ohne die Parteien. Minister aus den | Wolken des GeniereicheS holen zu wollen, wäre ein Rückfall in die Verhältnisse der kaiserlichen Zeit. Ob dieser Rückfall in An­betracht der zerfahrenen Zustände nicht viel­leicht ganz wohltätig wäre, soll hier unent­schieden bleiben. Genug, die Parteien des Reichstags müssen die betreffend Persön­lichkeiten als genehm bezeichnen, sonst ist eine ersprießliche Ergänzung des Kabinetts un-

1 möglich. Wie denken nun die Parteien über , den Fall? Die Deutsche Dolkspartei i ist im Verlaufe der Regierungsverhandlun­gen mit der Reparationskommission von dem i Kabinett Wirth merklich abgerückt, während i sie sich vorher doch schon deutlich genähert hatte. Wenn es dem Reichskanzler gelingt, Manner in das Kabinett zu ziehen, die der Deutschen Volkspartei nahestehen, dann

! wird es nur ein Streit um Worte sein, ob die ! Partei zur neuen Koalition gehört oder nicht. ! Die Sozialdemokratie jedenfalls wird den :Volkspartei-Ersatz" ernst nehmen, und sofort ! ist wieder der Bruch und die Krise da. Die vereinigten Sozialdemokraten sind seit dem für sie so günstigen Ausfall der sächsischen Wah- i len an Mut und Stoßkraft stärker geworden. | Sie lassen es auf jede Kraftprobe ankommen.

Täglich wird In der sozialdemokratischen Presse auf Neuwahlen hingedrängt, um eine Klärung der Lage zu erzielen. Daß Neuwahlen bei der jetzigen ttostlosen Auhensituation zur Katastrophe führen müßten, kommt den radi­kalen Parteipolitikern offenbar nicht zum Be­wußtsein. Oder glauben sie, daß Poincire, Donar Law und Mussolini warten, bis das , deutsche Volk in einem neuen Reichstag seine konzenttierten Kräfte" herausdestilliert hat? Die politische Welt Deutschlands ist gerade jetzt über das Wahrungsproblem in zwei La­ger gespalten. 3n dem einen Lager heißt das Feldgeschrei: Erst mutz der Mark geholfen werden; über das andere kann man später re­den. Die andere Seite sagt: Zuerst muß Deutschland der Entlastung von außen, der Produktionsvermehrung im Innern gewiß sein; dann hilft sich die Mark selber. Die erste Gruppe ist von der Sozialdemokratie ge­führt, die zweite von der Deutschen Volkspar­tei. Der Gegensatz hat bereits zu den heftig­sten gegenseitigen Beschimpfungen geführt. Am besten wäre es wohl, das Gesamtkabinett würde zurücktreten, und neue Persönlichkeiten ! versuchten, eine neue Politik einzuleiten.

Berlin, 11. Rov (WTB.) Wie den Zei­tungen mitgeteilt wird, besteht keine Regie- i rungskrisis; ein offizieller Auftrag zur Um- , bildung des Kabinetts liegt nicht vor.

Berlin, 11. Rov. Heute vormittag haben die Einzelbesprechungen des Reichs­kanzlers mit dem Führer der Koalitions­parteien, der Deutschen Dolkspartei und der Bayerischen Dolkspartei über die Umbildung des Reichskabinetts begonnen. Rach einer Mitteilung desBerliner Tageblatts" soll die allge­meine Meinung dahin gehen, daß das ganze Kabinett zum Rücktritt ver­anlaßt und dann gegebenenfalls Dr. Wirth mit der Reubildung des Kabinetts beauftragt wird.

DerVorwärts" hat gegen die Begehung der offenen Ministerien mit geeigneten Männern der Wirtschaft nichts einzuwenden, dagegen müsse, wie das Blatt schreibt, gegen jede Umbildung der Regierung in der Richtung, daß der Stinnes-- Polittt ein erhöhter Einfluß gewährt wird, Pro­test eingelegt werden.

Berlin, 12. Rov. Die Frage der U m - bildung des Reichskabinetts bildet . auch gestern nachmittag den Gegenstand weiterer | Gespräche zwischen dem Reichskanzler Wirth and den Parteiführern. Zuerst empfing der : Reichskanzler die Führer der nichtsozialistischen Parteien mit Ausnahme des Zentrums, bann die j Sozialdemokraten, zuletzt die Zentrumsführer. In I den Besprechungen hat der Kanzler die Partei­führer ersucht, ihm Männer vorzuschlagen, die ihnen zur Besetzung der Mlnisterposten geeignet erschienen, wobei er sich das Recht der ^Aus­wahl vorbehalten will. Wie dieVossische Ztg." hört, haben die Parteien der Arbeitsgemein- ; fchaft dem Reichskanzler das umgekehrte Ver- I fahren dorgeschlagen. Er solle aus eigener Ini- ! tiattoe Ministerien besetzen und dann die Ver-

trauensfrage stellen. DemBerliner Tageblatt zufolge dürfte neben Besetzung der freien Mi- nisterpl sten und Umbesrtzung der wirtschaftlichen Ministerien auch eine Veränderung in der Lei­tung des Reichsfinanzministeriums zu erwarten sein. Der Reichskanzler hatte gestern nachmittag auch eine längere Aussprache mit Hermes. Rach Informationen des Blattes seien die beiden Hauptpunkte des Programms, nach em der Reichs­kanzler die Hinzuziehung von Wirtschaftsleuten in das Kabinett erwägt, die Frage der Mark- ftabilifierung und die Produktionsvermehrung. Rach dem »Vorwärts" haben die Vertreter der Sozialdemokratie dem Reichskanzler keinen Zweifel darüber gelassen, daß ihrer Auffassung nach ein gemeinsames Programm mit der VolkePartei, und damit mit der großen Koalition, unmöglich sei. DieDeutsche Allgemeine Zeitung" will wissen, daß bisher über die Personalfragen noch nicht gesprochen worden sei. Morgen treten säntt- liche Fraktionen des Reichstages zu Sitzungen zusammen, am sich mit der Frage der Regie­rungsumbildung zu beschäftigen.

Einiguug

aus ein Wirtschaftsprogramm.

Berlin, 13. Rov. Am gestrigen Sonntag hat im Reichstag der von den Parteiführern ein­gesetzte Ausschuß zur Aufstellung eines wirt­schaftspolitischen Programms getagt Rach Mitteilung derllNontagspost" soll es dabei gelungen sein, alle fünf Im Ausschuß vertretenen Parteien außer den Regierungsparteien die Deutsche Volkspartei und die Bayerische Volls­partei auf gewisse einheitliche Leitsätze zu einigen. Wie das Blatt schreibt, scheint es sich um eine mehr akademische Auseinandersetzung zu handeln.

Stiunes über die Stabilisierung der Mark.

Berlin, 11. Rov. (Wolff.) Rach einer in derNorddeutschen Allgemeinen Zeitung" ver­öffentlichten Rede von S t i n n e s vor dem wirt- schafts- und finanzpolitischen Ausschuß des Reichswirtschaftsrats führte Stinnes zur Frage der Stabilisierung der Mark aus, es sei kein Zweifel, daß jeder, der in der Industrie stehe, den dringenden Wunsch haben müsse, daß die jetzigen Inflationszustande aufhvren und daß es zu einer Stabilisierung der Mark komme. Ver­schieden seien die Meinungen in Deutschland in der Frage, wie und unter welchen Bedingungen man stabilisieren könne. Wenn die Sache als Pump" geschäst ohne wirkliche Behebung der Fehler und ohne Sanierung der hiesigen Verhältnisse versucht werde, komme man nie zum Schluß. Es sollten Maßnahmen auf einer vernünftigen Basis gemacht werden, wie sie jeder Geschäftsmann machen würde, würde man bald einig sein. Dann gingen die Hoff­nungen und Interessen von allen parallel, näm­lich dahin, daß wir möglichst rasch eine stabilisierte Mark und eine anständige Währung haben müssen.. Was die Arbeitsfrage angehe, so sei das ferne spezielle Arbeiterfrage, sondern überhaupt eine Frage der Produktivität. Die Frage des Achtstundentages bliebe zweckmäßig nicht erörtert. Aber nachdem die ganzen Instrumente der Wirtschaft in unserer verzweifelten Lage auf den Achtstundentag, so wie er ausgeübt werde, nicht eingestellt seien, sei es eine Frage von Leben und Sterben, haß man diese Instrumente so aus» nütze, daß damit genügend Güter erzeugt würden und daß wir leben konnten.

Gegen die Kriegsschuldlüge.

Hamburg, 11. Rov. (WTB.) Die (Bürger- schäft nahm gestern nach lebhafter Aussprache über die Schuld am Weltkriege einen dernokratisch-sozialdemok-atisien Antrag an, worin der Senat ersucht wird, bei der Reichsregie­rung dahin zu wirken, daß die Lüge von der Alleinschuld Deutschlands am Ausbruch des Well­krieges schärfer als bisher bekämpft werde. Diese Lüge bilde, wie sich immer mehr herausstelle, die moralische Rechtfertigung des 'Versailler Vertrages. 3vte Widerlegung vor der ganzen Welt sei daher eine Vorbedingung für die Befreiung Deutschlands aus der heutigen Lage und für die Herbeiführung eines wahrhaften Friedenszustandes.

Der Waffenstillstands- gedenktag.

In Frankreich.

Paris, 12. Rov. (Wolff.) Havas: Mille­rand führte gestern vormittag bei der ©rinne- rungsfeier zum Gedächtnis des Waffenstill­standes in Paris am Triumphbogen den Vor­sitz. Mehrere Minister, die Marschalle Iosfre und Fvch, viele Parlamentarier und eine Ab­ordnung vcn K iegst i re mer.i wvh. ten der F ier bei. nach der sich Millerand zum Grabe des -Un­bekannten Soldaten" begab. Ein Kanonenschuß gab das Zeichen zum Schweigen, das eine Minute dauerte und von allen Anwesenden beachtet wurde. Die Marseillaise und Artilleriesalven beschlossen die Feier.

Millerand und die Minister begaben sich als­dann nach Rethondes bei Coinpiögne, wo nachmittags zwei Denkmäler zur Erinnerung an die Unterzeichnung des Waffenstillstandes ent­hüllt wurden. Es wurden mehrere Reden ge­halten, darunter eine von Poincarä. Dem englischen Admiral Wehm wurde die Mili­tärmedaille überreicht.

Paris, 11. Rov. (WTB.) Bei Cvmpiögne. an der Stelle, wo vor vier Jahren der Waf­fenstillstand unterzeichnet worden war, ist heute ein Gedenkstein errichtet worden. Der

Enthüllung wohnten der Präsident der Republik sowie Vertreter der alliierten Re­gierungen und Ministerpräsident P o i n c a r e bei, der eine Rede hielt. Rach einer Darstellung der Verhandlungen, die der Waffenstillstands- Unterzeichnung vorangegangen waren, sagte Poin- car£, vergeblich habe Deutschland behauptet, daß es nicht militärisch besiegt worden sei, sondern daß nur innere Unruhen es gezwungen hätten, die Waffen zu strecken. Poincarö sprach auch von der Kriegsveraniwortllchkeit und behauptete, daß weder die umfangreichen Veröffentlichungen der Sowjets noch diejenigen einiger preußischer Pro­fessoren die Bedeutung verlleinern könnten, die das Eingreifen so vieler Völler im Kriege gehabt habe. 27 Rationen hätten sich gegen Deutsch­land gewandt. Deutschland hätte sich sagen müssen, erklärte Poincarö, daß die Blldung einer solchen internationalen Liga" eine eklatante Verurtei­lung der kaiserlichen Politll sei.

In England.

London, 11. Rov. (WTB.) Am Vierten Jahrestage des Abschlusses des W a s f e n still­st a n d e s fand heute vormittag in Anwesenheit einer gewaltigen Menschenmenge am Grabmal desUnbekannten Soldaten" in Wh i t ch a l l eine Feier statt, welcher der König in Be­gleitung seiner beiden Söhne, des Prinzen von Wales und des Herzogs von Bork beiwohnte. Mit dem Glockenschlag 11 trat für zwei Minuten eine vollkommene Stille ein, und der ganze Verkehr stockte. Zur gleichen Stunde wieder­holte sich diese Kundgebung der Achtung vor den Toten" im ganzen britischen Reiche. Es wurde eine Liste der verliehenen Auszeichnungen auf Vorschlag des früheren Premierministers Lloyd George veröffentlicht, u. a. wurde Lord Birken­head der TitelEarl" verliehen.

London, 11. Rov. (WTB.) Während am heutigen Vormittage jede politische Tätigkeit mit Rücksicht auf die W a f f e n st i l l st a n ds f e i e r ruhte, setzte am Nachmittag die Wa hlkam- p a g n e mit erneuter Energie ein. Im ganzen Lande wurden zahlreiche, stark besuchte öffent­liche Versammlungen abgehalten. In Manchester sprach an Stelle des erkrankten Donar Law Lord Derby. Lloyd George unternimmt gegenwärtig in einem Extrazuge eine Gewalltour durch Wales und hält auch aus einzelnen Bahn­stationen, um in Walliser Sprache zu reden. Nächste Woche wird er die letzte Tour durch Lancashire unternehmen.

Teilung Oesterreichs?

Wien, 11. Nov. (Wolfs.) Zu einem Ar­tikel desPopolo d'Italia", worin die Idee eines neutralen Alpen st aates propa­giert wird, der Nordtirvl, Vorarlberg, Salzburg, Kärnten und Steiermark umfassen soll, erhalten dieInnsbrucker Nachrichten" von besonderer Seite Ausführungen, die die Möglichkeit des Be­stehens solcher Absichten auf Grund verschiedener Anzeichen darlegen. Auch bei der Zusammen­kunft zwischen Dr. Denesch und Schanzer soll von der T e i l u n g Oesterreichs in eine tsche- choslowali ch? und italienische Interessensphäre die Rede gewesen sein.

In dem Artikel des Blattes heißt es: Miß­länge die Sanierungsattion, so können wir ge­wärtig sein, daß die in Venedig in großen Zügen festgelegte Teilung Oesterreichs von unseren Nachbarn durchgeführt oder durchzuführen ver­sucht werden wird. Italien hätte dann mit einem Male die direkte .Berührung mit Deutschland durchgesetzt. Für uns Grenzdeutsche in Oester­reich, so schließt das Blatt, erwächst angesichts dieses Anschlages auf unser Volkstum die Pflicht, die Sanierunasattion des Bundeskanzlers zu för­dern, denn wir wissen, welch? Gefahr uns droht.

Hierzu schreibt dieDiener Allgemeine Ztg.": Aus der Aeuherung des Organs Mus­solinis erhält man den Eindruck, daß ein ähn­licher Plan zum mindesten noch vor ^kurzem exi­stiert hat, und daß er in demselben Moment aktuell werden könnte, wo, die Sanierungsaktion schrttert. Daraus erq:bt sich ganz deutlich wie überflüssig und verfehlt die großen Worte von unserer angeblichen Freiheitsberaubung durch die Völkerbundskontrolle sind. Man hat jetzt die Vorstellung, wie eine tatsächliche Versllavung aus­sehen würde, sollte das Sanierungswerk scheitern. Sein Gelingen also, und mrs-dieses bedeutet Mi­sere Freihett.

Der Anschlutzgedanke in Oesterreich.

Wien, 11. Nov. (WTD.) Der Kam­mer tag, eine aus Berttetern aller Han­delskammern Oesterreichs bestehende Körperschaft, hat eine Sitzung abgehalten, um sich mit dem Sanierungsprogramme der Re­gierung zu befassen. Die Vertreter der Länder­kammern bezeichneten als endgültiges Ziel des politischen und vollswirtschaftlichen Stre­bens Oesterreichs die endliche Bereinigung mit dem deutschen Bolle.

Englische Forderungen zur Tagung von Lausanne.

Paris, 13. Rov. (WTB.) Der Londoner Korrespondent desPetit Parisien" meldet seinem Blatte, er glaube sagen zu können, daß di? eng­lische Regierung immer noch entschlossen sei, sich in Lausanne nur bann vertreten zu lassen, wenn die drei Großmächte vor­her die Einheitsfront wiederher­gestellt hätten, die nach dem Zwischenfall

von Tfchanak allein die Situation gerettet habe. Diesen Entschluß habe das Kabinett Bonar Law Lestern gefaßt, und es werde ihm, dem Berichterstatter, von sehr gut unterrichte er Seil? erklärt, daß dieser Entschluß unwiderruflich fei Cs tpürde nichts nützen, wenn man sich verheim lieben wolle, daß zwischen London und 'SariS In diesem Augenblick eine sehr carke Spannung bestehe und daß die Entente eine sehr ernste Krise durch- mache. Peinlich überrascht sei man in amtlichen englischen Kreisen davon, daß der französisch Oberkommissar in Konstantinopel, General Pelle, vom Quai d'Orsay nicht ermächtig, toor- :>en sei, sich den beiden anderen Oberkommissa ren hinsichtlich der etwaigen Verhängung bes> Belagerungszustandes über Konstantinopel air zuschließen. Dem Berichterstatter wurde versichert, daß die englische Regierung ihren Botschafter m Paris beauftragt habe, sich bei Poincar > zu erkundigen, ob er geneigt wäre, selbst z u Verhandlungen mit Lord Curzon nach London zu kommen.

Paris, 12. Rov. Wie die Agence Havas mitteill, ist der Vertreter der Regierung von A -. gora in Paris heute mittag offiziell durch den Quai d'Orsatz von der Verschiebung der Lausanner Konferenz bis zum 2 0. No­vember in Kenntnis gesetzt und ersucht worden, den auf der Reise nach Lausanne befindlichen Vertreter Angoras Ismid Pascha davon zu unter­richten. Ismid Pascha werde die Tage bis zum Beginn der Konferenz nicht in Lausanne ver­bringen, sondern nach Paris Weiterreisen.

Bern, 13. Rov. (WTB.) Die türkische Delegation für die Friedenskonferenz ist am Samstag in Lausanne eingetroffen.

Paris, 11. Rov. (Wolfs.) Rach einer von den Morgenblättern wiedergegebenen Meldung aus K o n st a n t i no p e l hat die Rational- Versammlung von Angora den Kompromiß- Vorschlag zurückgewiesen. der von Ri - s a a t Pascha zusammen mtt den alliierten Regie­rungen ausgearbeitet worden sei, um die alliierte Okkupation mit den Forderungen der National­versammlung in Bezug auf die Besitzergreifung der Regierung von Konstantinopel zu verhindern. In alliierten Kreisen werde die Lage als sehr emft bezeichnet.

Hinrichtungen in Konstantinopel.

Paris, 12. Nov. Nach einer HavaSmel- dung aus Konstantinopel find am9.No­vember acht wegen Hochverrats an­geklagte Personen hingerichtet worden.

Die Antwort der Entente an Rußland.

London, 11. Rov. (WTD.) Die alliierten Regierungen haben die Antwort auf die letzte Rots der russischen Sowjetregierung betreffenb die Forderung aus Teilnahmen nderLausan- ner Konferenz abgesandt. Die Verbündeten betonen, daß ihre Länder sich noch nicht im end­gültigen Friedenszustande mit der Türkei befan­den und daß die Konferenz eben der Herstellung eines Friedenszustandes dienen solle. Die Svwjet- belegiertcn würden Gelegenheit haben, bei der Er­örterung der Meerengenfrage an den Verhand­lungen and Beschlüssen teilzunehmen, und habet ihre Auffassung über die verschiedenen Setten die­ser Frage auszusprechen. Es stehe der Sowjet- regterung frei, hierbei Vertreter der HEraine und Georgtevs nach dem Dorbilde von Genua in ihre Delegation aufzunehmen.

Ein neues Strafgesetzbuch in Rußland.

Paris, 11. Roo. (WTD.) Havas berichtet aus Moskau, daß zur Zeit ein neues Straf­gesetzbuch für Sowsetruhland au:gearbeitet werde. Darin solle der Privatbesitz rechtlich nicht an­erkannt werden. Es solle aber dieses Recht ein­zelnen Privatpersonen ausnahmsweise in dem Falle zugebilligt werden, wo der Staat nicht auf die private Initiative ^verzichten zu können glaubt.

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Die Wirkung der amerikanischen Neuwahlen.

Paris 11. Rov. (WTD) DerRew Bork Herald" berichtet aus Washington, es feien in politischen Kreisen Gerüchte über die Erschüt­terung der republikanischen Partei im Umlauf, die den Zusammenbruch ihrer bis­herigen Organisation befürch en lasse. Eine Reihe angesehener Führer werde au'gefordert werden, zurückzutteten und ihre Stellungen jüngeren Parteimitgliedern zu räumen. Dabei würden die republikanischen Parteigrundsätze eine weit­gehende Auslegung erfahren. Das fort­schrittliche Element innerhalb der Partei, insbesondere im Senat, werde ausschlag - gebend werden. Unter anderem kündigt das Dlatt den Rücktritt des Vorsitzenden der Partei, Adams, und des Führers der republikanischen Mehrheit im Senat, Lodge, an; mit dem Rück­tritt Lodges werde auch die Dildung eines neuen geschäftsführenden Ausschusses und die völlige Reorganisation in der Führung der revublllani- sch n Partll im Repräsentantenhaus nöllg werden, trete, werde die republikanische Mehrheit neue Vorsitzende für den Finanz- und Zusttzausschuh bestimmen, um die nicht wiedergewählten Mtt- glieder Fordney, Dolstead und Campbel zu er­setzen.

Die radikale Gruppe innerhalb der republikanischen Partei, zu der u.a. die Senatoren Borah, La Follete, Johnson und NomS gehören.