Ausgabe 
13.10.1922
 
Einzelbild herunterladen

getan, wenn Stern lehren Plan nicht ausgeführt hätte- Die Frage stellen, heiße sie beantworten. Die Verhandlung wurde auf Freitag vor­mittag vertagt.

Aus dem Reiche.

Die Kartoffelversorgung.

Berlin, 12. Oft (WTD.) Der Wirtschafts- politische Ausschuß des Reichswirtschafts­rates nahm einen eingehenden Bericht des Hnlevausschusses für Landwirtschaft und Ernäh­rung über die Kartoffelversorgung ent­gegen. Sn der sich hieran anschltahenäm Erörte­rung betonten die Vertreter der Landwirtschaft, daß für die zur Zeit wieder wie im Vorjahre einsetzende Preis st eigerung seitens der Landwirtschaft kein Anlaß gegeben wird, da dre Ernte gut und das An­gebot reichlich ist. Die Erzeugerpreise sind bisher mäßig, so in Schlesien z. B. nicht über 300 Mk. der Zentner, älnregelmäßigkeiten in der Versorgung sind jedoch von der mangelhaften Wagengestellung seitens der Eisenbahn zu be­fürchten. Sn der letzten Zeit würde nur ein Fünftel der angeforderten Wagen gestellt. Hier­nach faßte der Ausschuß folgenden Beschluß:

I. der Entwicklung der Kartoffelhandels- preise in den nächsten Wochen besondere Aufmerk­samkeit zu schenken,-

2. dahin zu wirken, daß die Reichseisenbahn­verwaltung in erhöhtem Maße Wagen vor Ein­tritt des Frostes für den Kartoffelversand zur Verfügung stellt:

3. zu erwägen, ob nicht eine Ausdehnung der Sperre für den Versand der Fabrikkartoffeln

den 15. Oktober 1922 hinaus angebracht ist.

Erhöhung der Getreideumlagepreise.

Derlin, 12. Okt. (WTD.) DecReichs- rat nahm in seiner heutigen Sitzung unter dem Borsitze des Ministers Fehr ohne Er­örterung mit 47 gegen 18 Stimmen eine Vor­lage an, welche die Preise für das erste Drit­tel der Getreideumlage erheblich er­höht. Der Preis für eine Tonne Roggen soll von 6900 auf 20 500 Mark, Weizen von 7400 auf 22 500 Mark, Gerste von 6700 auf 19 000, Hafer von 6600 auf 18 000 Mark erhöht wer­den. Als Preisbemessung ist das Sndexverfah- ren zugrunde gelegt. Der Hmlagepreis wird immer nur noch ein Fünftel des Preises auf den freien Markt vom 10. Oktober betragen. Angenommen wurde ferner eine Verordnung über die Erhöhung der Teuerungszu- schüsse für Militärrentner und eine solche über eine weitere Erhöhung der An­waltsgebühren.

Die Anschluhbestrebungen in Meiningen.

Berlin, 13. Oft Sn Meiningen ist, nach einem Telegramm desDerl. Tage­blatts", eine Vereinig un g gegründet worden, deren vorbereitender Ausschuß den Beschluß gefaßt hat bei der Reichsregierung den Antrag zu stellen, einen Volksentscheid in Sachsen-Meiningen herbeizuführen, zwecks Angliederung an ein anderes Land.

Ein Wechsel im badischen Kabinett.

.Karlsruhe. 12. Okt. (Wolff.) Staats­präsident Dr. Hummel hat heute dem badischen Kabinett von seiner Absicht Mitteilung gemacht, nstt Ablauf seines Staatspräsidiums sein Amt <46 Anterrichtsminister niederzule­gen. Er ist zu diesem Entschluß lediglich aus tom Grunde gekommen, weil er ein Angebot nicht zurückweisen zu dürfen glaubt, das ihn wieder auf das Gebiet seiner eigentlichen wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Sntereffen zurückführt Dr. Hummel wird nach Rücktritt von seinen Aemtern unter Beibehaltung seines Landtagsmandats in die chemische Großindustrie übertreten.

V ___ -m

Aus Stabt und Land-

Gießen, den 13. Oktober 1922.

Städtische Notstandshilfe.

Heber die Verwendung der von der Stadtver- verordnetensammlung bewilligten 72 Millionen Mark für Wohlfahrtszwecke hat die Wohl. fahrts-Deputation am 10. ds. Mts. Entschließung gefaßt. Ein Tell der Summe soll verwendet wer­den, um die Winterbeihilfen an die Rent­ner der Sozialversicherung zu ermöglichen. Die hierfür ausgeworfenen Mittel des Reichs und des 53anöed werden nur unter der Bedingung ge­geben, daß auch die Stadt einen Zuschuß leistet. Das gleiche gilt von der Winterhilfe für Ka- Pitalkleinrentner. Auch hierfür müssen Mittel abgezweigt werden. Der hiernach noch

: verbleibende Hauptteil der städtischerseitS be­willigten Mittel wird in gleicher Weise wie im Vorjahre zu einer Dahrlehenshilfe für die mindestbemittelte Bevölkerung verwendet An dieser Darlehenshilfe nehmen jedoch diejenigen nicht teil, die in einer Sonderfürsorge stehen nach deren Maßstab und Aichllinien sie bedacht werden, wie Sozialrentner und Kleinrentner. Auch diejenigen kommen nicht in Frage, die mit einer gewissen Regelmäßigkeit Hnterstühungen zum Lebensunterhalt aus der Armenkasse der Stadt be­ziehen. oder in letzter Zeit bezogen haben. Für sie sorgt, wie früher, die Armenkaffe, indem sie Kar­toffeln und Brennstoffe in kleinen Mengen in Ratur abgibt Die Schwerkriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen nehmen jedoch an dieser Darlehnsfürsorge teil, da die ihnen vom Reiche zugebilligte Sonderfürsorge für diesen Winter nicht ausreichend erscheint. Sie sollen, soweit bedürftig, sogar den Vorzug genießen, daß auf Rückzahlung der Darlehnssummen von vornherein verzichtet wird.

Der Notftandshilfe von Handel, Industrie, Banken und Gewerbe

hat sich nunmehr auch die Landwirtschaft an- geschlossen. Erfreulicherweise kann berichtet werden, daß sich der Reformbund der Gutshöfe und der Hessische Bauern­bund mit unentgeltlicherLieferung erheblicher Mengen von Kartof­feln beteiligen werden, die voraussichtlich den notleidenden Kleinrentnern, dem Studentenheim und den bedürfti­gen Schwerkriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen zugute kommen werden.

Ein Aufruf an die Landwirte

zur Abgabe von Kartoffeln und anderen Lebensmitteln für die notleidende Bevölke­rung in den Stabten ist von den landwirtschaft­lichen Organisationen ergangen. Den Appell ha­ben unterschrieben: die Land Wirtschaftskammer für Hessen, der Hessische Bauernbund, die Freie Rhcinhessischie Bauernschaft, die Landwirtschaft­liche Zentralgenossenschaft Darmstadt, der Ver-» band der hessischen landwirtschaftlichen Genossen­schaften, der Hessische Bauernverein Lorsch (Hess.), der Reformbund der Gutshöfe und die Ein- und Derkaufsgenossenschaft des hessischen Bauernver­eins Lorsch (Hessen).

Sn der Kundgebung heißt es u. a_: Die wirtschaftliche Rot bedrängt weite Bevölkerungs­kreise, so alte Kleinrentner, Witwen, alleinstehende nicht voll arbeitsfähige Männer und Frauen, Kriegshinterbliebene, Erwerbsunfähige und Ge­brechliche. sowie kinderreiche Famllren. Das Ein­kommen dieser Kreise reicht nicht mehr aus, nur das Mindeste an Rahrung sich zu beschaffen, ganz abgesehen von der ebenso dringlichen 2hr= schasfung von Kohlen, Kleidern, Schuhen und sonstigen Dedarfsstoffen des täglichen Lebens. Wenn hier nicht geholfen wird, gehen viele dieser, einen stillen Kampf gegen Hunger und Entbeh­rung führenden Personsn. die ost in der schwersten Seit unseres Vaterlandes diesem ihr Letztes ge­geben haben, dem Tode entgegen. Hier ist es vaterländische Pflicht und das Gebot der Nächstenliebe, daß mildtätige Menschen helfend und unterstützend eingreifen. Die unterzeichneten landwirtschaftlichen Körperschaften und freien Or­ganisationen haben deshalb beschlossen, sich durch diesen Ausruf an unsere Landwirte zu wenden mit der (Bitte um kostenlose Ab­gabe von Nahrungsmitteln aller Art, besonders aber von Kartoffeln. Die Genannten sini> überzeugt, daß sie nicht vergebens an die Mildtätigkeit unserer Landwirte appellieren und daß diese zu weitgehender Hllfe bereit sind. Sn den einzelnen Gemeinden werden Sammellisten allen Landwirten vorgelegt zum Cinzeichnen derjenigen Rahrungsmittelmengen, die die Landwirte abzugeben bereit sind. Die so zur Lieferung bereitgestellten Nahrungsmittel. beson­ders Kartoffeln, werden alsdann durch einen aus Vertretern aller landwirtschaftlichen Körperschaf­ten und Organisationen sowie der Wohltätig­keitsvereine gebildeten Ausschuß in den Städten zur Verteilung gebracht. Die Landwirte können versichert fein, daß die gelieferten Nahrungs­mittel wirklich nur in berufene Hände und zwar in diejenigen gelangen, die sie wirllich dringend benötigen. Heber die Verteilung, Lieferung und den Transport ergeht befonbere Mitteilung. So hoffen wir, die Standwirte nicht vergebens auf­zurufen zur Linderung der Rot im hessisc^m Land. Gebt rasch und reichlichl

Eine neue Erhöhung der Postgebühren in Sicht. 100prozentiger Zuschlag ab 1. Dezember.

Vom ReichSpostministerium wird mit­geteilt, daß die fortschreitende Geldentwer­tung zu einer weiteren Erhöhung der

Post-, Postscheck-, Telegraphen und Fern­sprechgebühren nötigt. Die Vorbereitungen sind jetzt zu einem gewissen Abschluß gelangt. Der Verkehrsbeirat soll zum 24. Oktober ein­berufen werden. Als spätester Zeitpunkt der Einführung der neuen Gebühren ist der 1. Dezember in Aussicht genommen wor­den. Sn Frage kommt im allgemeinen ein 100prozentiger Zuschlag zu den seit dem 1. Oktober gültigen Gebühren. Beim Pa- kewerkehr denkt man jedoch an eine Gewichts- ftaffelung von Kilogramm zu Kilogramm, und beim Telegraphenverkehr an eine Beseitigung der Mindestgebühr für 10 Wörter.

*

** Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurden aim 5. Oktober: der Lehrer Karl O st e r h e l d zu Schotten zum Lehrer an der Volksschule zu Großen-Vuseck, Kreis Gießen: der Schulamtsanwärter Karl Fehh aus Düßfeld zum Lehrer an der Volksschule zu Bellersheim, Kreis Gießen: der Schulamtsanwärter Franz Roll aus Mainz zum Lehrer an der Dolls- schule zu Rieder-Roden, Kreis Dieburg: der Schulamtsanwärter Karl Ott aus Birllar zum Lehrer an der Volksschule zu Munster, Kreis Gie­ßen. Durch Entschließung des Hessischen Lan­desamts für das Bildungswesen wurden die ©tubiencefecenöare Dr. Karl Büttner zu Gie­ßen, Dr. Georg Durst zu Mainz, Hans E r t e l zu Gießen, Erich Kurz zu Gießen, Dr. Friedrich Maurer zu Gießen, Christian Rausch zu Gießen, Dr. Friedrich August Röschen zu Gießen, Georg Schmidt zu Darmstadt und Peter Schnell zu Mainz mit Wirkung vom 1. Oktober 1922 ab zu Studienassessoren ernannt.

", Reue Gebührensätze für amts- iierärztliche D i e n st v er r i ch t u n g e n werden vom Ministerium des Snnem im neuesten Amtsverkündigungsblatt veröftenllicht. Diese Be­stimmungen gellen mit Wirksamkeit vom 1. Ok­tober ab Sntereffenten seien hiermit besonders daraus aufmerksam gemacht.

** Heberdie Abgabeder Steuer­erklärungen für die Gewerbe­steuerveranlagung des Steuerjahres 1922 ist eine Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil veröffenllicht, deren Bestimmun­gen von den Steuerpflichtigen genau beachtet werden müssen.

* Der hiesige Mieterverein hüll heute abend 8 Hhr im Katholischen Vereinshaus eine öffentliche Mieterversammlung ab. Die Versammlung ist, so schreibt man uns, von besonderer Wichtigkeit, weil darin den Mie­tern die Zuschläge zur Grundmiete, die zur Ein­führung gelangen sollen, befarmtgegeben werden. Die Berechnung der zukünftigen Miete sowohl als auch der Hntermiete wird an verschiedenen Beispielen gezeigt werden. Auch gilt es für die Mieter, zu diesen Prozentsätzen Stellung zu nehmen.

Bornotizen.

Tageskalender für Freitag. Stadttheater, 7 Hhr:Der Bürgergeneral" undDer eingebildete Kranke". Gasthaus zum Augustiner, 57s Hhr: Hauptversamm­lung des Deutschen Seevereins. Kath. Ver- einshaus, 8 Hhr: Oeffentliche Mieterver­sammlung. Postkeller 81/» Hhr: Mitglieder­versammlung der Deutschnationalen Volkspar- tei. Physikalisches Snstitut, 87« Hhr: Vor- ttag überDer Segelflug der Vögel und die Flüge in der Rhön". Astoria-Lichtspiele: Der maskierte Reiter", 3. und 4. Teil. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Der Graf von Monte Christo".

Aus dem Stadttheaterbureau. Auf die heutige Abonnementsvorstellung von GoethesDürgergeneral" und Molieres »Der eingebildete Kranke" sei auch an dieser Stelle hingewiesen. Die Titelrollen werden von den Herren Volck und Goll gegeben. Die beiden Stücke werden auch am kommenden Sonntag nachmittag bei kleinen Preisen als Schülervorstellung aufgeführt. Die erste Ope­rettenaufführung am nächsten Sonntag abend bringt das beim hiesigen Publikum sehr beliebte Schwarzwaldmäde l". Die neue Operetten­soubrette, Fräulein Lu Wander, wird sich als Därbele dem Publikum vorstellen, die übrige Besetzung des Werkes ist die von früher her bekannte.

- VolksHvchschultagung. Das Pro­gramm der morgen beginnenden Veranstaltungen tft im heutigen Anzeigenteil veröffenllicht.

Der Gvang. Ar bei t er verein er» ,öffnet den Reigen seiner Winterveranstallungen mit einem Lichtbildervortrag, den Pro­fessor K o o b am Sonntag abend im Markussaal rar ... m».- iiwaannEioiiinw.

über tnvSternenwelt" hälr. Dnde dieses Monat» ist ein Volksunterhaltungs abend in der Turnhalle geplant, 6:i dem das Drama in 5 AktenDer Wilderer" von Fr. Cerstäcker von Mitgliedern des 'Vereins zur Aufführung gelangt (Stahe Anzeige.)

Die Palast-Lichtspiele beginnen morgen ojit der Vorführung der Filmoperette Heinrich Heines erste Liebe", die nach dem gleichnamigen Singspiel Wilhelm Linde­manns von Friedel Köhne und Lissy Reincke für den Film bearbeitet wurde.

"

Wettervoraussage

für Samstag:

Rebelbildung, Tags meist heiter, Rachtfrost» gefachr.

Ein Hoch liegt über Deutschland. Das kühle, trockene Wetter 'hält an.

Landkreis Gießen.

* 2ich, 12. Oft Am Sonntag fand hier die Herbstbezirksvertreterversammlung des Bezir­kes Gießen Gabelsberger Steno­graphen, verbunden mit einem Wettschrei- ben von 60 Silben aufwärts, statt, wozu sich zirka 300 Stenographen aus der näheren und weiteren Hingebung unseres Städtchens zusam­mengefunden hatten. Am Preiswettschreiben nah­men §twa 185 und am Schon- und Richtig- schreiben fünf Personen teil. Rachmittags ver­einigte die Stenographen ein gemütliches Bei­sammensein in Sterns Saalbau. Dank der rast­losen Arbeit der Preisrichter konnte die Preis­verteilung noch in den Rachmittagsstunden ver­kündet werden. Zur Belohnung der besten Ar­beiten standen 13 von der hiesigen Bürgerschaft der Stenographen - GesellschaftGabelsberger" Lich gestiftete wertvolle Ehrenprerse zur Ver­fügung. Zwei Preise hiervon errang der Verein Lich. Den Schluß der Veranstaltung bilbete der Fest ball am Abend in Steins Saalbau. Snfolgc der mangelhaften Zugverbindungen konnten jedoch die auswärtigen Gäste leider hieran nicht teil- nehmen. Die Gesangsabteilung der Gesellschaft Gemütlichkeit" dahier, die durch Gesangsvor­träge 2X16 Fest verschönern half, erntete reichen Beifall. Hnfer noch junger Ortsverein berechtigt zu den schönsten Hoffnungen.

Kreis Alsfeld.

* Alsfeld, 12. Oft. Die Kreisgruvpe Als­feld des Hessischen Bauernbundes stimmte einem Anträge des Ren tn er bu n d e s um Belieferung mit verbilligten Ka r to f feln zu. Der 'Bedarf des Rentner­bundes tourbe zum Preise von 200 Mk. pro Zentner sichergeftellt.

Hesseu-Nassau.

fpd. Franksurt a. M.. 12. Oft. Die Stadt­verordnetenversammlung genehmigte heute eine abermalige Erh oh ung d erStraßenbahn- fahrpreise um 25 Prozent. Die durch die neuerliche Erhöhung zu deckenden Fehlbe­träge der Dahnverwallung sind auf 2 2 8 Mi l° lionen Mark angewachsen. Sn den Kreisen der Stadtverordneten macht sich eine starke Stim­mung für die Wiedereinführung der Monats­karte bemerkbar. Auch die Bahnverwaltung steht ihr freundlich gegenüber, nachdem sie eingesehen hat, daß ihr durch ben Fortfall erheblicher Scha­den erwächst. Die Versammlung beauftragte so­dann den Magistrat, bei ber Reichsregierung sofort vorstellig zu werden, daß die immer kata­strophaler sich gestaltende Versorgung mit Kartoffeln in geregelte Bahnen geleitet, und daß zur Bekämpfung des Wuchers die sofortige Einführung von Höchstpreisen für Kartof­feln verfügt wird. Der Staatsbahnverwollung wurde der Vorwurf gemacht, daß sie für die Be­schaffung ausreichenden Wagenmaterials nicht rechtzeitig Sorge getragen hat. - Der Magistrat lehnte auf eine Anfrage es ab, die Woh­nungsbauten des in Schwierigkeiten gerate­nen Po ft-Siedlungsvereins zu vollen­den und begrünbete dies damit, daß das Reich 2>azu verpftichtet fei, die Wohnung en feiner Be­amten zu vollenden. Es handelt sich um, eine Summe von annähernd 3,8 Millionen Mark, die die an den Bauten beteiligten Handwerker zu fordern haben. Die Sjadt habe zudem soviel von ben Wohnungsabgaben an den Staat ge­geben, daß sie jetzt nicht in der Lage fei, der artige Zuschüsse zu leisten.

fpd Frankfurt ä. M. 12. Oft Snmitten einer sehr reichen Ernte herrscht hier seit einigen Sagen eine große Kartoffelnot so bafi

Heutiger Stand des Dollars

10 Hhr vormittags:

Berlin 2712, Frankfurt 27002750.

Die Herrveghs.

Eine rechtsrheinische Geschichte von Liesbet Dill.

14. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Shr Schützling, em cellospielender junger Künstler. «Sie haben ihn gewiß schon im Kurhaus gehört", dem sie das Geld zum Studium gegeben hatte, war von einer Frauensperson verführt worden, die nun auf Alimente klagte. Man konnte ihr zwar auch andere Männerbekannt- schäften nachweifen, aber sie war nun einmal dar­auf versessen, von dem Künstler geheiratet zu weichen, und drohte sonst mit einem Skandal. Herwegh nahm sich der Sache an und ordnete die Angelegenheit zur Zufriedenheit aller Par­teien. Das Mädchen wurde abgefunden, und Frau Rumpf konnte nun wieder beruhigt in den Kur­garten gehen und wahrend des Cellosolos trium­phierend wie eine aufgeregte Henne den Musik­pavillon umkreisen, wo der junge Mann feine Kunststücke auf der Kniegeige ausführte.

Shre DanDarkeit dem jungen Anwalt gegen­über äußerte sich darin, daß sie diesen nun aud> mit ihren geschäftlichen Angelegenheiten betraute. Vor allem mit einem Prozeß, der schon so lange lief, daß er keinen Benschen mehr interessierte außer Frau Rumpf. Es war eine kniffliche ju­ristische Sache, die sich um ein von ihr gekauftes Haus drehte, in dem sich nachträglich der Schwamm herausgestellt hatte. Der ehemalige Besitzer der Villa Trocadero war unterdessmi gestorben und der Prozeß zuungunsten der Willm Rumpf entschieden worden. Sie hatte dagegen

Berufung eingelegt, und siehing noch immer mit dem verdammten Haus in der Luft", denn hineinziehen konnte sie schon wegen ihres Rheu­mas nicht.

Run hatte Jic endlich einen Mieter dafür gefunden, einen Herrn Kottenhan, der aus Ruß­land kam und Größenwahn hatte, und Zimmer­wände einreißen ließ, um eine Orgel einzubauen. Dieser Rarr hatte nun auch etwas von dem Schwamm" gehört und hatte sie verllagt, denn sie hatte ihn gleich mit einem zehnjährigen Kon­trakt festgenagelt.

Daraus hatte sie wieder Kottenhan verllagt, well er die Wände eingeriffen hatte, ohne sie darum zu fragen.

Es war ein Rattenschwanz von Klagen und Berufungenin Sachen der Witwe Rumps", aber Herwegh machte sich guten Mutes dahinter.

War nun dieser endlose Prozeß in der Tat reif geworden, oder hatte sich das hohe Reichs­gericht anders besonnen, jeden.falls hatte nach einigen Wochen Frau Rumpf diesen Prozeß ge­wonnen.

Shre Dankbarkeit strömte auf Herwegh über.

Shre sämtlichen Freundinnen, eine Schar älterer Witwen, die nachmittags die roten Samt­banke des Kurhauses füllten, kamen nun mit ihren Hypotheken, Aktien und Beschwerden zu ihm.

Es strömten allmählich Goldquellen in das Herweghsche Bureau, daß es dem braven Herrn Bantelmann angst und bange wurde.

Es galt als abgemacht, Prozesse, die Hera>egh führte, gewann jnan.

Er wurde schon bei Gericht gefurchte!.

Er hatte die Rede in einem Maße in der Gewalt, daß die Hörer- wie hypnotisiert lauschten.

Er gab sich nie eine Bloße und behandelte alle Menschen gleich menschlich.

Aber er sieht alles durch em rosa Glas," sagte Liane.

Run, ist es nicht besser, als die Welt so nüchtern anzusehen wie du mit deinen dreiund­zwanzig Zähren?" sagte die Mutter. Aus sie fiel nun ein doppelter Glanz zurück: der Reichtum der Schwiegertochter und die Siege ihres Sohnes am Gericht.

Vielleicht wäre es besser umgekehrt," er­widerte die Tochter.Aber es ist nun mal so." Sie ahnte eine Gefahr.

»Er ist für diese vielen verwickelten Geld­geschäfte zu unerfahren und zu anständig."

Man kann nie zu anständig sein," sagte die MamaBesonders als Zurist"

Aber Liane blieb dabei,H embrasse trop de choses , und fte blickte dem bläulichen Rauch ihrer Zigarette gedankenvoll nach.

Die Eppeirhausener Ziegelei arbeitete ihrem Bankrott entgegen. J

Ernst al« juristisch« D-ir-ck im Aus. ,ichtsr«t -m<M Einblick in dir D-schäst- belommen batte, sah er, daß nur eines helfen konnte, nämlich bie Konkurrenzsabrrk auf-ukausen und sie mit der anderen zu bereinigen. Win ter ich war dagegen, nnA m^rnrn^n batten keine Lust,

noch mehr Geld in dieses zweifelhafte Hnter- nehmen zu stecken. Winterich schlug vor, eine bessere Konjunktur abzuwarten und die unge- Luldtgen Aktionäre einstweilen mit drei Prozent aoguipeijen.

» Aer Herwegh war nicht für solche Flickereien. ®r gab den Kampf so leicht nicht aus, wochenlang

gingen die Verhandlungen hin und her, bis end- ttch eine Generalversammlung über das Schicksal öcr Fabrik entschied. Er hatte die meisten Stim­men auf feine Seite bekommen, und der Kauf' j ^toelten Fabrik wurde beschlossen. Sie war nicht billig, der Hnternehmer, ein Verwandter Goldenbergs, war fest bei seinem hochgeschraubten Preise geblieben.

Winterich legte fein Amt als Leiter nieder und kündigte die Hypothek.

Das war em schwerer Schlag. Herwegh hatte chn aber erwartet. Die beiden, Kaufmann und Surrst, standen sich von vornherein als Gegner gegenüber. Herwegh sah die Grunde der fort­währenden (Streifs der Arbeiter in ihrer Un­zufriedenheit mit den elenden Wohnungen in tonen sie lebten. Sn Eppenhausen wurde so' gut wie ga? nicht gebaut man flickte an den alten bauialhgen Däusern herum, kroch unter, wo ge­rade Platz war, das Städtchen vergrößerte sich nicht. '

, Ppn den Wohlfahrtsbestrebungen Herweghs aber hielt Wrnterich nicht viel, wenigstens würde totoi mchts Ersprießliches herauslommm, weder für Mttonare noch für Herwegh, denn Dank hatte man doch nie davon.

Olber Herwegh beanspruchte keinen Dank.

Er batte billiges Gelände erworben, und die Heinen Häuschen der neuen Kolonie begannen mta bem Boden emporzuschießen wie frische Pllze. Rur brauchte man dazu neues Kapital.

Sein Schwiegervater wollte nichts mehr von dieser Fabrik hören, aber Goldenberg fand sich endlich bereit, die Hypothek zu stellen.

(Fortsetzung folgt./