Ausgabe 
13.3.1922
 
Einzelbild herunterladen

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)

Nr. b( Zweites Blatt

Montag, 13. März 1922

Die Erhöhung

der Wohnungsabgabe.

Das nahezu völlige Darniederliegen der Dau- tätigfeit und der dadurch verursachte immer fühl­barer werdende Wohnungsmangel haben dazu geführt, neue Wege einzufchlagen. um wenigstens dem dringendsten Bedarf an Wohnungen ab^u* helfen Wittel für die Neubautätigkeit tollten zunächst durch die Erhebung einer W oh n un gs - abgabe auf Grund des Gesetzes über die Er- Hebung einer Abgabe zur Förderung des Woh- nungsbaues vom 26 1921 (des sog. Qirietä«

sieuergefehes) ausgebracht werden. Das Ge'ey sah vor, datz die Länder und Gemeinden je 5 Prvz. des Nutzungswertes der Gebäude, berechnet nach dem Stande vom 1. 3uli 1914, als Abgabe zu erheben haben. Ein gewisser Teil der A gäbe war an das Reich abzuliefern, und aus ihm wurde ein Ausgleichsfonds gebildet, der vom Reichs- arbeitsminister verwaltet wurde. Zur Zahlung der Abgabe war verpflichtet, wer zum Gebrauch eines Gebäudeteils berech'igt war, d. h. also in erster Linie der Mieter. Es erwies sich jedoch, hast mit dieser geringen Abgabe der vorgesehene Zweck auch »ächt annähernd erreichbar war. Eine Er­höhung der Wohnungsabgabe wurde sowohl vom Reichstag in einer Entschließung vom November 1921 wie vom Vorläufigen Reichswirtschaftsrat empfohlen. Die Reichsregierung legte daraufhin den gesetzgebenden Körperschaften einen ent­sprechenden Gesetzentwurf vor. der eine Erhöhung der Abgabe auf 50 v. H. vorschlug. 3n der Be­gründung wurde ausgeführt, das) man für die Neubau tätigest des Jahres 1922 mindestens eines Betrages von sechs Milliarden Mark 6c- dürfe. Die unmittelbare Ausbringung der Mittel, hätte eine Erhöhung der Wohnungsabgabe auf 100 Proz. des Friedensmietwerts bedeutet. Durch eine derartige Erhöhung hät e das gesamte notwendige Kapital aufgebracht werden können, so bab es nicht erforderlich gewesen wäre, zur Deckung der Baukosten Anleihen aufzunehmen. Die Erträgnisse der Wohnungsabgabe hätten lediglich zur Verzinsung und Tilgung dieser An­leihen verwendet werden können. Mit Rücksicht Darauf, das) die gestiegenen Aufwendungen des Hausbesitzes für die Verwaltung und Rinderhal­tung der Gebäude sowie die zu erwartende Er­höhung der staatlichen und kommunalen Grund­steuern eine nicht unbeträchtliche Steigerung der Miete notwendig machen wird, hat jedoch die Reichsregierung sich ^darauf beschränkt, eine Er­höhung der Wohnungsabgabe auf insgesamt 50 v. H. des FriedensmietwerteS vorzuschlagen. Der Reichstag hat den Gesetz­entwurf am 22. Februar 1922 angenommen. Die Regelung ist danach folgende:

Vom Lande und von der Gemeinde muh eine Wohnungsabgabe von je 25 v. H. bisher 5 v. H. des Gebäudenuhungswerteö erhoben werden. Mit Zustimmung der obersten Landes­behörde kann die Gemeinde die von ihr erhobene Abgabe erhöhen. 5 v. H. des Ertrages der Abgabe sind an daZ Reich für den bereits erwähnten Ausgleichsfonds abzuliefern Aus sozialen Grün­den kamt die Abgabe erlassen werden, u. a. wenn baß steuerbare Jahreseinkommen des Abgabe­pflichtigen für das der Veranlagung voraus­gehende Rechnungsjahr 20 000 Mk. bisher 10 000 Mk. nicht übersteigt oder wenn die Erhebung der Abgabe wegen Krankheit oder Er­werbslosigkeit des Abgabeschuldners oder aus sonstigen Gründen eine besondere Härte bedeuten würde. Der Ertrag der erhöhten Abgabe wird nach Abzug der Erhebungskosten und der ein­tretenden Ausfälle von der Reichsregierung auf etwa 2 Mililarden Mark geschätzt. Hiermit können etwa 60 7 0 0 0 0 Wohnungen bergest eilt werden, eine Zahl, die angesichts der grohen Wohnungsnot allerdings nur sehr gering ist. Es ist damit zu rechnen, dast die Woh­nungsnot und die weitere Entwicklung der toirt- schastlichen Verhältnisse bald eine weitere Er­höhung der Wohnungsabgabe notwendig machen werden. ---

Dienstzeit oder Arbeitszeit".

Als Erwiderung auf den Artikel in Rr. 41 vom 17. v. M.Dienstzeit oder Arbeitszeit" er­halten wir von der Eisenbahndirektion Frankfurt folgende Zuschrift:

Vie Pforte öes Paradieses.

Roman von Ingeborg Bollquartz.

Berechtigte Uebetfefcung au-3 d m Dänischen.

9. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Doch, da ist leicht za helfen!" rief Rora, entzückt darüber, endliche einmal eine Art von Zustimmung erreicht za haben.Wenn du mei­nem Rate folgen willst ich weist gut, was das einzige ist, das Jens helfen kann. Selbstverständ­lich mutz er in ein Irrenhaus oder wenig­stens in eine Rervenheilanstalt. wenn dir das lieber ist."

Tlein, Rora," erklärte Frau Dorris und stand auf Ihre sanfte Stimme klang beinahe heftig und in den graublaaen Augen erschien ein Ausdruck der Entschlossenheit.Wie kram Jens auch werden mag und ich will zageben, bah sein Geist zuweilen kraut ist so soll er bodji niemals aus seinem Heim fortgebracht wer­den, solange er selbst vorzieht, da^uoleiben."

Keinem Kranken gefällt die Kur. die er durchmachen soll," erklärte Rora;namentlich nicht, wenn er so krank ist wie Jens. Darum müssen wir Gesunde für ihn denken und die Starken fein."

Ich. weist, Rora, bah öu mit ihm darüber geredet hast," sagte Frau Borris, und es lag ein Hauch von Vorwurf in ihrer Stimme. _ .Das hättest du nicht tun sollen, denn das qaalt ihn und drückt ihn nieder. Er meinte, ich halte dich gebeten, ihn .txorgubereiten4, wie er sagte, und es hat lange gedauert, bis er mir glaubte, bah da ihm den guten Rat auf eigene Rechnung gegeben hast. Das allerärgste war ihm der Gedanke, von hier weg zu müssen, und toeim man das weist, ist es unrecht, ihn damit zu quälen, dast man ihm jagt, das einzig Richtige für ihn wäre, von hier fortzugehen."

Kannst du denn gar nicht stark fein, Ingen Lenk doch, wie glücklich ihr alle miteinander wäret, venn er gehellt zurückkäme!"

Ich habe dir bereits gesagt, Rora, bah ich. ihn damit nicht quäle, wenn er nicht selbst fort will."

Unb das heistt sich Liebe!" rief Rora em­pört.Ich heihe das Schwäche!"

Die Auffassung des VerfassersDienstzeit oder Arbeitszeit" Rr. 41 vom 17. v. M. des Giehener Anzeiger-" ist nicht zutreffend. Der Gedanke des schematischen Achtstundentages ist in den Fabrik- und ähnlichen Betrieben ent- standen, in denen jeder Arbeitnehmer während seiner achtstündigen Arbeitszeit voll beschäftigt werden kann, was bei der Eisenbahnverwaltuna beim besten Willen an vielen Stellen nicht möglich ist. Schon vor dem Rovember 1918 war auch bei der Eisenbahnverwaltung für eine grobe Zahl von Beamten und Arbeitern ein achtstündiger Dienst eingerichtet worden, z. D. für stark beanspruchte Betriebsbeamte, Fahrdienstleiter, Weichensteller, Rangierer auf groben Bahnhöfen usw. Erst das Gesetz über den Achtstundentag brachte die mehr oder weniger schematische Einführung für alle Dienstzweige, auch für solche, die in feiner Weife mit Fabrikarbeitern verglichen werden können. Hierin liegt, abgesehen von den wesentlichen finanziellen Folgen, eine grobe Ungerechtigkeit gegenüber den stärker beanspruchten Angestellten. An einen Schlosser in der Werkstätte oder einen Rangierer auf dem Rangierbahnhvs z. B. werden während seiner achtstündigen Arbeitsschicht fort­gesetzt schwere körperliche Anforderungen gestellt, an die die Tätigkeit eines Schrankenwärters einer nicht stark befahrenen Eisenbahnstrecke niemals heranreichen kann.

Hierin Besserung und Ausgleich zu schaffen, bezweckt das Arbeitszeitgeseh.

Aus Hessen.

Deamtenwünfche.

Man schreibt uns: Vom Vorstande der hie­sigen Ortsgruppe der Deutschna'.ionalen Volks- Partei wurde beschlossen, die zu der Partei Wählen­den Abgeordneten des Hessischen Landtages und des Reichstages zu ersuchen, bei allen kommenden Beamtengesetzen dafür einzutreten, bab die neuen Besoldungen einschl. Teuerungs- usw. Zulagen den im Ruhestand befindlichen Beamten (gege­benenfalls auch den Offizieren) in derselben Weise zugebilligt werden wie den noch Dienst tuenden.

Die hessischen CanDtagdabgeorDneten unserer Partei sollen ersucht werden, dafür einzulreten, bab die jeweiligen neuen Gehalts- usw. Zulagen jedesmal späte,.eas in 4 Wochen allen Beamten ausbezahlt werden; sollte das aber nicht möglich sein, sondern die Auszahlung in Teilen erfolgen müssen, so ist der Rest den Empfängern zu ver­zinsen.

In der Besprechung wurden eine Anzahl von Fällen zur Kenntnis gebracht, die em merk­würdiges Licht auf die Auszahlung einzelner Ge­hälter werfen. So wurde über einen Beamten mit­geteilt, bah er zwar über ein Dekret über feine vor einem Vierteljahr erfolgte Anstellung ver­füge, aber noch keine Mitteilung habe über die ihm zustehenden Bezüge, so bah er von Vor­schüssen lebe. Auf die Rachzahlung über die durch Vorrücken von Gi.sten in Ortsgruppe b entstandene Gehaltserhöhung ist manchem Be­amten bisher nur eine Abschlagszahlung gewor­ben u. a. m.

LcmdtagSangelegenheiten.

Gegen einen angeblichen Häuserverkauf in Dad-Rauheim richtet sich eine Anfrage des Abgeordneten Lux (M.S.P.), die folgenden Wortlaut hat: Ist der Regierung bekannt, dab die Firma Meguin-Duhbach und bje Geschäfts­leitung des Rejormbundes der Gutshvfe zahl­reiche Villew in Bad-Rauheim angeblich zur Un­terbringung ihrer Beamten und Angestellten käuf­lich erworben haben? Und was gedenkt die Re­gierung zu tun, um die Interessen des Bades zu wahren und derartige Vorkommnisse für die Zu­kunftzu verhindern.

Mit der Einrichtung eines Luft- und Lichtbades zu Bad-Salzhausen beschäftigt sich folgende Vorlage des Finanz­ministeriums: Zur Ausgestaltung des DadesDad- Salzhausen ist Vorgesetzen, ein Lust- und Lichtbad mit Sole^usche einzurichten. Die Einrichtung der Anlage wird zumal in Verbindung mit einer Soledusche als ein wichtiger Heilfaktor von ärztlicher Seite dringend empfohlen. Sie erfor­dert einen Kostenaufwand von 71 000 Mark, der sich zusammenfetzt, wie folgt:

Und du hast ja auch natürlich ganz recht," sagte Frau Dorris mit einem etwas bitteren Lächeln.Aber alte Menschen lassen sich nicht mehr erziehen; Jens und ich wir werden getoih nicht mehr anders, als wir nun einmal sind."

Rein, das ist ja gerade das Verztoeislungs- vvlle!" riefRora klagend.Du weiht recht gut, dah wir Menschen nie müde Weden sollen zu lernen. Ich versichere dir, es vergeht kein Tag, an dem ich nicht fühle, dab ich etwas gelernt habe und klüger und einsichtsvoller geworden bin. Und du willst also durchaus nicht, bab ich noch einmal mit ihm rede so recht eindring­lich?"

Rein, Rora; ich bitte dich herzlich, darüber nie mehr mit Jens zu.reden. Tas muht du mir überlassen."

Tu solltest aber auch an die Kinder denken; für die wäre es viel besser, toeim er nicht tm Haus wäre."

Ich habe um seinetwillen den Kindern viele Opfer gebracht," sagte Frau Dorris ernst.

Aber er liegt ja wie ein schwerer Truck auf allen," wandte Rora ein.

Wenn das der Fall ist, so müssen sich die Kinder eben darein finden," erklärte Frau Dorris, und wieder Hang ihre sanfte Stimme merkwürdig hart und bestimmt.Ich kann leider nur recht wenig für Jens tun, und ihn aus dem Haus jagen, wenn er lieber dableiben will, das tue ich nicht und wenn die ganze Welt sagt, dab es das beste für ihn wäre."

Mutter, Grobtante hat herun'ergcschickt. ob du nicht ein wenig zu ihr hinaufkommen könntest," berichtete Ellen, die hastig ins Zimmer trat.

Geht's ihr schlechter?" fragte Frau Dorris besorgt.

Tas treib ich nicht, Marthe sollte nur fragen, ob du nicht hinaufkommen könntest."

Sage, ich käme in einer Viertelstunde."

Und sage Marthe, sie möchte ihre Frau fragen, ob ich mitkommen soll," sagte Tante Rora, und dann blieben beide still sitzen und horchten, während Ellen hinauflief und dem Mädchen De- icheid sagte.

Grosstante lässt sagen, sie sei zu müde, um außer Mutter noch jemand sehen zu können;

für Einfriedigung der Anlage 8 000 Mk. für b^lliche Herstellungen 42 003 Mk. für Wasterzu- und -ablritung 21 003 Mk.

Um eine zu stark einmalige Anforderung zu vermeiden, soll der Detrag ratenweise auf vier Jahre verteilt und in den Staatsvoranschlä- den 1922 usw. (Kapitel 7 B) eingestellt werden. Für 1922 werden 18 000 Mark vorgesehen. Die Anlage soll bis zum Beginn der Kur- und Tobe «eit 1922 betriebsfertig sein. Die nötigen Anpflanzungen sind daher vor Eintritt der Frost- Periode bereits vorgenornmen worden. Mit den übrigen Olussührungen soll alsbald begonnen wer­den. Aus diesen Gründen muh der Betrag als­bald verwendet und einstweilen vorlagsweise ver­ausgabt werden, bis er nach Mahgabe der raten­weisen Bereitstellung in den Staatsvoranschlägen verfügbar wird.

Unter Bezugnahme auf Artikel 56 der Ver­fassung setzen wir den Finanzausschuß hiervon ergebens! in Kenntnis unter der Voraussetzung seines Einverständnisses mit der vorgedachten Mahnahme.

Ein Schlag gegen die SozialisierungSidee."

Darmstadt, 11.März. Der frühere demo­kratischeMinister" und jetzige Sozialdemokrat Dr. Strecker bemüht sich eifrig, als Schrift­steller zu betoeifen. bab ihm die Schlagworte seiner neuesten Weltanschauung in Fleisch und Blut übergegangen sind. ImHess. Vollsfreund" (Rr. 56 vom 7. März) schreibt er einen Artikel mit der UeberschriftSin Schlag- gegen die Sozialisierungsidee". Man ist gespannt, zu wissen, worin dieserSchlag" bestehen mag. Es ist das nach Streckers Olussührungen die Steuerpflicht der Genossenschaften und Konsumvereine, die im Steuerkomvromib ausgesprochen ist. Ueberflüffig, zu sagen, dab sich der genannte Herr als eifriger Vertreter des Mittelstandes aufspielte, so lange er noch Demokrat war. Hetzt jammert er herz­zerbrechend, weil den sozialdemokratischen Kon­sumvereinen dieselbe Umsatzsteuer auf er legt wird, wie dem selbstärrdigen Geschäftsmann. Äatürlich ist daran nur die böse Deutsche Vvlkspartei und ihr Abg. Dr. Decker schuld. Diese wird mit Ge­nugtuung den Zorn Dr. Streckers vernehmen und gerne bereit fein, ähnlicheSchläge gegen die Sozialisierungsidee" überall zu führen, wo sich nur irgendwie Gelegenheit bietet. Dab Dr. Strecker im übrigen in demagogischer Weise über die Grobindustrie, Stinnes usw. herfällt, mag ihm verziehen sein. Er ist ja noch ein Anfänger in der sozialistischen Laufbahn. Aeltere Gewerk- schastler und Sozialdemokraten wissenselbst" über Stinnes sehr vernünftige Ansichten auszusprechen.

Aus Stobt und Land.

Sieben, den 13. März 1922.

L.U. Von der Landesuniversität. Die venia legendi bei unserer Landesuniversität wurde erteilt dem Studienrat Lic. theol. Dr. phil. Heinrich Adolph bei der theologischen Fakultät für das Fach der systematischen Theologie; dem Dr. Walter K 1 üpfel bei der philosophischen Fakultät für das Fach der Geologie, dem Dr. Paul Kö11gen bei der philosophischen Fakultät für das Fach der-geologischen Dodenkunde und dem Dr. Theo Spira bei der philosophischen Fakultät für das Fach der englischen Philosophie. Der «überplanmäßige autziei-vrdentliche Professor für Ohren-, Rasen- und Halskranktzeiten an unserer Universität Dr. Alfred Brügge mann hat einen Ruf an die Stelle des nach Berlin gehenden ordentlichen Professors Dr. Carl von Eicken er­halten und angenommen.

** Dom Polizeiamt Dieben. Regie­rat Lauteschläger wurde vom Ministerium des Innern vertretungsweise mit der Leitung der Dienstgeschäfte des Polizeiamts Darmstadt beauftragt. Den Dienst des Vorstands des hiesigen Polizeiamts hat Regierungsassefsor v. Gemmingen übernommen.

** Der Ankauf von Gold für das Reich durch die Reichsbank und Post erfolgt in der Woche vom 13. bis 19. März d. I. un­verändert zum Preise von 850 Mk. für ein 20- Markstück, 425 Mk. für ein 10-Markstück. Für ausländische Goldmünzen werden entsprechende Preise bezahlt.

Exprebgutbeförderung zur Frühjahrs in efte 1 92 2 in Frankfurt. Zu. der vom 2. bis 8. April ds. Is. währenden Frühjahrsmesie tre.ben in der Zeit vom 28. Rlärz bi- 4. April täglich besondere Wagen von Derlin, Leipzig und Köln für die beschleunigte Beförde­rung von Mestgütem, zu denen solche Güler als beschllunig es Cilgui au g li-tert werden können, na<b Frank u t te.kch.en. Die Wagen werden wie folgt befördert: ab Berlin 11,53 abends mit Zug 6100; Ankunft in Frantfurt a.M. 8,16 am nächsten Abend, ab Leipzig 9.41 abends mit Zug 6134 und geht unterwegs auf den Zug 6100 von Berlin über, ab Köln 10£6 vormittags mit Zug 1328; Ankunft in Frankfurt a. M. 6,13 abends am gleichen Tag. Die genannten Züge nehmen auch unterwegs Messegüter auf.

Landkreis Giessen.

* Lich, 9. März. Die neue OrtSsatzung über die Vergnügungssteuer bestimmt, dab die Steuer für jede ausgegebene Einrelkarte bei einem Preis o£er Entgelt bis einschüeblich 1 Mark 25 Pfennig, von mehr als 1 Oltar! 25 v. H be­trägt. Für Veranstaltungen, bei Denen der künst­lerische oder vollsbildende Eharakter überragt, kann die Steuerstelle eine Ermäbigung bis zur Hälfte gewähren, es fei denn, dab wahrend der Veranstaltung Speisen oder Getränke gegen Be­zahlung verabreicht werden oder geraucht wird.

is. Steinbach, 12. März. Gestern ereignete sich hier ein Unfall, Dem beinahe ein Menschen­leben zum Opfer fiel. Der Landwirt Karl Hom VII. hatte in der fürstlichen Waldung beim Albacher Hof einen Wagen Holz geladen. Der Weg ist sehr eng und neben demselben ein steiler Abhang, so das) man nur in einer Wagen­spur fahren rann. Horn lief neben dem Wagen am Abhang und leitete die Pferde. Plötzlich rutschte er aus und kam so unglücklich unter die Aäder, dab ihm beide Deine gebrochen wurden. Hätte er nicht den Kopf noch zur Seite geworfen, dann hätte er jedenfalls fein Leben eingebübt.

Starkenburg und Nstciuhcnen.

tob. Oll a i n a, 11. März. Am vergangenen Donnerstag touroen durch zahlreiche Kriminal­beamte aus Frankfurt bei den hiesigen Spedi­tionsfirmen Erhebungen angcflellt über zahlreiche grobe Sendungen chemischer Farb­stoffe, die von Frankfurt nach Mainz gingen, hier umdeklariert werden sollten, um dann über verschiedene Seehäfen ins Ausland ausgeführt zu werden. Absender soll ein Kaufmann auS Hamburg fein, der unter Umgebung der erforder­lichen Ausfuhrgenehmigung die Waren ausführt. Diese Frage ist jedoch noch nicht gefiärt. Die Farben im Werte von mehreren Millionen Mark, sind beschlagnahmt worden.

tob. Mainz, 11. März. Der Streik bet Metallarbeiter dauert unverändert an. Roch immer sind alle Arbeiter ausständig. Am vergangenen Donnerstag sanden unter dem Vor­sitz des Ministers Raab Verhandlungen zwi­schen den Arbeitgebern und den Vertretern der Arbeitnehmer statt, die noch nicht zu einer Eini­gung geführt haben. Am heutigen Samstag wer­den die Verhandlungen fortgesetzt.

tob. Worms, 11. März. Wegen Mord­versuchs wurde ein 22 Jahre alter Fabrik­arbeiter aus der Frankenthaler ©trabe verhaftet. Er hat in der Absicht, feine beiden Schwestern im Alter von 19 und 21 Jahren zu ermorden, in der Rächt vom 1. auf 2. ds. Mts. während die Schwestern schliefen, die Gashähne in deren Zimmer geöffnet. Durch das Hinzukommen der Mutter wurde die Tat rechtzeitig entdeckt, und fein Vorhaben vereitelt. Streitigkeiten mit einer der Schwestern waren die Veranlassung zu seinem Verbrechen.

Hessen-Nassau.

mc. Frankfurt a.QU., 12.März. Für den Verlagsbuchhandel soll noch zur Früh­jahrsmesse ein neues Haus erstellt wer­den, das den RamenHaus Duchmesse" führt. Die Kosten werden von den Oterlegern auf­gebracht.

Landwirtschaft.

Vom landwirtschaftlichen Ge­nossenschaftswesen. Man sch eibt uns: In den beiden verstrichenen Mona en de,es Jahre-

aber sie läfrt dich vielmals grüben, berichtete Ellen.

Rein, natürlich, aus mir macht sich niemand etwas, und das ist mir, weil ich nicht den leichten, oberflächlichen Sinn habe," nagte Tante Rora, sobald Ellen wieder zur Tür brauhen war.Gott mag wissen, was sie von dir will, Inge?"

Wahrscheinlich will sie nur ein wenig mit mir plaudern; zuweilen bittet sie mich, ihr etwas vorzuspielen; sie ist übrigens in den letzten Tagen recht elend gewesen."

Meinst du, es gehe dem Ende zu?"

Rein aber das kann man -ja nie genau wissen."

Hast du keine Ahnung, wie es mit dem Testament steht wer von uns bedacht ist?"

Rein, Rora, davon weih ich nichts. Davon haben Tante Ellinor und ich niemals gesprochen."

Olein, natürlich nicht," zischte Rora und stand auf, um Abschied zu nehmen.Ob sie uns nm etwas hinterlässt ober nicht du jedenfalls hast ja den leichten hellen Sinn, der dir über alles hinweghilft. Du solltest nur einmal fühlen, tote es tut, trenn man so veranlagt ist, wie ich. Aber wir sind ja grundverschieden, ilnb das) Du mir ein andermal nicht wieder solch einen Schrecken einjagfi, das bitte ich mir aus." fügte sie hinzu, als Inger keine Antwort gab, sondern ihr nur stumm in den QUantel half.Und sage meinem höflichen Drüder einen Grub von mir. Wer Ernst und Tiefe hat, von dem will niemand etwas. Jedermann hat Angst vor der Wahrheit and davor, etwas lernen za müssen, alle wollen nur belustigt und unterbau en sein. Ra, gute Rächt, Inger und denke immerhin ein wenig über das nach, was ich gesagt habe."

Rachdem Tante Rora, von Orla begleit2t, fortgegangen war. eilte Frau Dorris zuerst in das Zimmer ihres Mannes. Einen Augenblick blieb sie vor der Tür stehen, als überlege sie, was sie sagen wollte; aber er muhte sie gehört haben, Denn plötzlich wurde die Tür ganz leise ausgemacht, und da stand er dicht vor ihr.'

Komm herein und seh dich," bat er.

Ja. aber nur einen Augenblick, Jens. Tante Ellinor hat nach mir geschickt, und ich möchte sie nicht gerne warten lassen."

.Rein, natürlich nicht," sagte er and ging

wieder hin und setzte sich auf den Sofa hinter Dem groben Mahagonitisch, wo er vorher gesessen hatte.

Ist es dir nicht recht, Jens, wenn ich hinauf­gehe?" fragte Inger erstaunt.

Olein, nein," wehrte er ab.Ich begreife wohl, Dab sie dich gerne um sich hat."

Du weiht aber, dab ich nirgends lieber bin als bei dir, Jens."

Ja, natürlich," nickte er, sah aber dabei au-, als denke er an etwas ganz andres.

Rora war etwas gehäuft Darüber, dab du nicht hereingekommen bist," sagte Frau Inger nach einer Neinen Pause.

Das kann ich mir denken," entgegnete Der Hauptmann scharf.Hatte sie etwas mit mir vor?"

Frau Dorris lächelte abwehrend.

Sie hatte es wieder mit uns allen zusammen vor, lieber Vater: du kennst ja Tante Rora."

Warum schägst Du in Den Wind, was sie sagt?" fuhr er heftig auf.Du soll est r»«b*r Deine aufrichtige Meinung über ihren Vorschlag sagen."

Die habe ich dir ja gesagt, Jens." Frau Inger begegnete Dem unruhigen Dlick ihres Mannes ohne Furcht, und vor ihrem klaren und aufrichtigen Dlick schlug er Die Augen nieder.

Du weiht Doch, Inger, Dah ich gerne gehen will, toeim Du es für das Richtige hälft."

Ich toill aber nicht, Dab Du gehst," ver­sicherte Frau Inger.

Es ist ja richtig, was sie sagt. Dah ihr es viel ruhiger und besser hättet, wenn ich nicht da wäre," fuhr der Hauptmann fort und schaute seine Frau mit einem sonderbaren, halb lauern­den. halb forschenden Dlick an, a[ß wollte er aus ihrem Mienenspiel ihre geheimsten Gedanken er­raten.

älns geht es gut, Jens, toeim es nur dir git geht."

Das heistt also, wenn es mir nicht gut geht, dann geht es euch auch nicht gut?" sagte er hart. Wie kommt es denn. Dah ihr alle zusammen, höchst vergnügt lachen und schwatzen könnt, bis ich zur Tür hereinkomme Dann werdet ihr plötzlich still und ängstlich vielleicht von meiner Olngit angesteckt? (Fortsetzung folgt)