Nr. 61
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Erster Blatt
172. Jahrgang
Montag, 15. März 1922
GiehenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Das Ergebnis der Pariser Finanzkonferenz.
Paris, 12. März. (WTB.) Nach Beendigung der letzten Sitzung der Konferenz der alliierten Finanzminister wurde folgendes amtliches Cornmuniquö herausgegeben: Die Finanzminister haben eine Regelung der schwebenden Fragen vorgenvmmen und kamen zu einem vollkommenen Einverständnis über die Verteilung der deutschen Zahlungen. 3m Lause der Verhandlungen haben die Finanzminister auch die a l I g e m e i n e Frage der Reparationen besprochen und sie sind zu der ^leberzeugung gelangt, daß nach dem Versailler Fricdensvertrage und nach den Erklärilngen der Regierungen diese Frage ausschließlich zu den Befugnissen der Re- parationslom Mission gehört. Sie haben aber einmütig anerkannt. Ivie wichtig cs sei, daß die Regierungen ihren Delegierten in der Repa- rationskommission die Notwendigkeit begreiflich machen, so rasch wie möglich eine bestimmte Lösung ins Auge zu fassen, um die Reparationszahlungen sicherzustellcn, sei es durch Sanierung der deutschen Finanzen und durch eine effektive Kontrolle, oder sei es durch die Ausgabe ausländischer Anleihen durch Deutschland, die durch die Zolleinnahmen oder durch andere Einnahmequellen, die die Reparations- kommission auswählen wird und die dazu dienen sollen, einen Teil des Kapitals der deutschen Schuld zu tilgen, sichrrgestellt werden. Die Minister beschäftigten sich auch mit der Regelung der von den alliierten europäischen Mächten untereinander kontrahierenden Schulden.
Ueber den Abschluß der Verhandlungen der alliierten Finanzminister wird r/nn der Agentur Haras folgende halbamtliche Auslassung verbreitet: Das Abkommen, das von den alliierten Finanzministern gestern unterzeichnet wurde, wird dem französischen Parlament zur Ratifizierung unterbreitet werden. Die Konferenz hat dem Status quo bei verschiedenen Punkten des Eanneser Abkommens auirechterhal'.en. Die Entscheidungen bedeuten in keinem Punkte einen Rückschritt, sie bieten dagegen für Frankreich sehr anerkennens» werte neue Vorteile, namentlich in der Frage des genehmigten Pauschalshstems für die Te» sahungskvsten. Finanzminister L a st e y r i e hat auch die Annahme des Antrages, die Kosten für die Mobilisierung der Jahres- klasse 1919 Deutschland zu Lasten zu schreiben, erreicht. Man erinnert sich, daß bic Ct b ru u 'g dieser Wahres klasse k urch tie Ve'.- stä rinn gen der französischen Rheinarmee zum Zwecke der Besetzung von Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort bewirkt war, die von der Londoner Konferenz im März 1921 wegen der Nichterfüllung der Bedingungen durch Deutschland beschlossen wurde. Die französische Regierung hatte entgegen der Meinung, die in gewissen alliierten Kreisen vertreten wu:de. immer behauptet, daß die Kosten für die Mobilisierung der Zahresklasse 1919 in die Kosten für das Be- sahungshecr einbegriffen werden müßten. Diese Ausfassung ist heute als gerechtfertigt anerkannt worden und der französische Standpunkt wurde gebilligt. Die Frage der Verteilung der bereits geleisteten deutschen Zahlungen ist durch eine Verständigung freundschaftlich erledigt worden, so daß die Finanzminister die allgemeine Frage der Reparationen ins Auge fassen konnten. Auch hier ist während der viertägigen Beratung ein großer Fortschritt erfolgt Die alliierten Minister waren der Ansicht, daß die Rolle der Reparationskommission durch die Tagungen ugd Entscheidungen des Obersten Rates etwas beiseite geschoben war. Sic haben sich deshalb dahin entschieden, der Reparationskommission wieder alle ihre Rechte zuzuerkennen. Da sie aber ein Ausführungsorgan ist. schien es doch notwendig. daß die alliierten Regierungen ihren Vertretern bei der Reparationskommission gemeinsame Weisungen geben. Lieber diesen Punkt ist eine Einigung erzielt worden. Die Gemeinsamkeit der Ansichten trat durch die Annahme des Aktionsprogramms in Erscheinung, das dazu bestimmt sein soll, die deutschen Finanzen zu sanieren und Deutschland die Ausführung seiner Verpflichtungen durch Ausgabe einer Anleihe im Auslande zu erleichtern. Was die Kontrolle der deutschen Finanzen betrifft, so ist es wahrscheinlich. daß die Machtbefugnisse des Garantieausschusses verstärkt werden. Die deutsches Anleihen sollen dazu dienen, das Kapital der deutschen Schuld zu tilgen; sie können nicht dazu dienen, die Zahreszahlungen zu decken, die Deutschland zu entrichten hat. Auf diese Weise wird der Zahlungsplan aufrechterhalten. Was die Pfänder für die Anleihen anbelangt, so hat man außer an die Zolleinnahmen, die in Gold entrichtet werden können, an die Aufrechterhaltung den 26prozentigen Ausfuhrabgabe gedacht. Diese Abgabe hat im Jahre 1921 ungefähr eine Million Goldmark ergeben, ein Betrag, der ausreichend erscheint, um eine Anleihe in Höhe von 13 bis 14 Milliarden Goldmark zu verbürgen. Natürlich soll nicht die Reparationskommission die Anleihe auflegen, vielmehr soll diese Operation durch ein Finanzkonsortium erfolgen. Die Operation wird abhängig sein von der Aufhebung der allgemeinen Hypothek, die auf den Einnahmen Deutschlands ruht. Die alliierten Minister haben alsdann als letztes wichtiges Problem die Frage der internationalen Schulden aufgerollt. Eine Lösung ist noch nicht erfolgt, allem Anschein nach wurden aber gewisse Vorschläge besprochen, so die Rückzahlung der Schulden durch die Obligationen der Serie C. Wenn dieses Vorgehen von den europäischen Alliierten angenommen wird, so ist nicht zu zweifeln, daß es auch opm
der Regierung der Vereinigten Staaten gebilligt wird.
Paris, 11. März. (WTD.) Die Havas- agentur veröffentlicht den wesentlichen Inhalt des heute von den alliierten Finanzministern unterzeichneten Abkommens. Das Schriftstück hat folgenden Wortlaut: Was die Desehungs- kosten nach dem 1. Mai 1922 anbetrifft, sind die von Deutschland zu zahlenden Summen an die betreffenden Länder wie folgt festgesetzt worden: 102 Millionen belgische Franks für Belgien, 2 Millionen Pfund Sterling für England, 460 Millionen französische Franks für Frankreich. Die Verteilung der deutschen S a ch l e i st u n> gen im Jahre 1922 wird nach dem Beschluß der Reparationskvmmission so erfolgen, daß 65 Prozent an Frankreich und 35 Prozent an die anderen Mächte fallen. Die unterzeichneten Regierungen stimmen dem Wiesbadener Abkommen auf drei Jahre unter dem Vorbehalt zu, daß der Betrag, dessen Begleichung aufgeschoben wird, nicht über 350 Millionen Goldmark im Jahre 1922, über 750 Millionen im Jahre 1923 und über ebenfalls 750 Millionen im Jahre 1924 hinausgeht. Auch die anderen Mächte, die an den Reparationen Anteil haben, tonnen, wie Frankreich, Abmachungen treffen, ähnlich dem Wiesbadener Abkommen unter dem Vorbehalt einer Begrenzung des Gesamtwertes der Sach- lieferungcn, die Deutschland daraufhin bewirken würde. Keine Macht braucht für die im Jahre 1922 von ihr bezogenen Sachlieferungen Zahlungen in bar zu leisten. Die Lieferungen werden in Rücksicht gezogen bei der Bestimmung des Anteils jeder Macht an den von Deutschland geleisteten Reparationszahlungen im Jahre 1923 und den folgenden Jahren. Was die Kohlenlieferungen anbetrifft, erklären sich die alliierten Regierungen damit einverstanden, daß Frankreich für deren Gesamtumfang nur mit dem deutschen Inlandspreis belastet wird. Sie erklärt sich ferner geneigt. Italien zu unterstützen, das von Deutschland dieselben Vorteile in bezug auf die Kohlcnliefcrungen verlangen wird wie Frankreich. Die erste Milliarde wird wie folgt verteilt: 500 Millionen an England zur Deckung eines Teiles seiner Besahungskosten im Jahre 1921, 140 Millionen Goldmark an Frankreich für den gleichen Zweck. Der Rest wird zur Deckung der belgischen Priorität bestimmt bis auf eine Summe von 172 Millionen italienische Papierlire, die Italien zusällt. • Der Rest der Forderungen Englands und Frankreichs für ihre Besahungs- kosten bis 1. Mai 1921 werde man nach Erledigung der belgischen Priorität von den ersten Dareinnahmen der Reparationskommission zurückerstatten. Was die Saargruben anbetrifft, werde Frankreich im Jahre 1922 mit 300 Millionen Eoldmark belastet. Wenn die Reparationskommission für die Gruben einen höheren Wert festseht, werde der Mehrbetrag auf den Anteil Frankreichs an den Obligationen der Serie C berechnet. Die Frage der Rückzahlung der belgischen Schuld werde gegenüber den Alliierten mit den früheren Vereinbarungen geregelt. Die Verteilung der Reparationszahlungen der ehemaligen Verbündeten Deutschlands werde gemäß der Fi- nanzablommen vom 13. August 1921 aufgestellten Grundsätze geregelt.
Amerikas Anspruch aus Desatzungskosten.
Die amerifmnfdic Note.
Berlin, 11. März. (WTB.) Das von den amerikanischen Delegierten gestern den Finanzministern von England, Frankreich, Italien und Belgien überreichte Memorandum hat folgenden Wortlaut: Ich habe noch heute vormittag ein Kabeltelegramm aus Washington erhalten, das mir die Instruktion erteilt, Ihnen zu erklären, daß die Ausgaben für das amerikanische Besatzungsheer bis 1. Mai 1921 sich aufungefähr241 Millionen Dollar belaufen. Die alliierten Regierungen, mit Ausnahme vielleicht von Großbritannien, haben ihre gesamten Okku- pativnSkosten bis 1. Mai 1921 zurückerhalten und wahrscheinlich wird die Ausgabe für das britische Heer vollkommen durch das bevorstehende Abkommen gedeckt. Unter Würdigung dessen wünscht die Regierung der Bereinigten Staaten die lückenlose Zurücker st at- tung der Ko st en für das Desatzungsheer mit Zinsen bis 1. 5. 1921 zu erhalten, bevor irgendein Anteil hiervon verteilt wird. Was die laufenden Kosten anbetrifft, lautet meine Instruktion dahin, zu erklären, daß die Regierung der Bereinigten Staaten ihre volle Zahlung verlangen wird, daß sie aber, wenn sie hierfür eine Zahlungsversicherung erhält, kein Hindernis sieht, sich auch über die praktischen Einzelheiten der Zahlung zu verständigen.
(gezeichnet): Bohden, nichtoffizieller Bertreter der Bereinigten Staaten in der Reparationskommission.
Paris. 12. März. (WTD.) Der sozialistische Führer Leon Blum schreibt im .Populaire". bfc deutschen Zahlungen hätten schon nicht genügt. die Besetzungskosten Belgiens. Englands und Frankreichs zu decken. Wenn die nicht geringen amerikanischen Desetzunqs- k o st e n noch hinzukämen, die jedermann durch den Ausgleich von Gewinn und Verlust als erledigt geglaubt habe, [o fei man übel daran.
Jahre könnten vergehen, bevor das Deschungs- konto gedeckt sei und die deutschen Zahlungen für ihren eigentlichen Zweck verwendet werden könnten, d. h. für die Reparation der verwüsteten Gebiete. Das sei die Lage, der das plötzliche Auftreten der Vereinigten Staaten eine neue ernste Wendung gebe. Werde die öffentliche Meinung endlich begreifen, daß die ganze Leistungsfähigkeit Deutschlands auf die eigentlichen Reparationen konzentriert werden müsse, wenn man reparieren wolle, daß man aber die Besetzung einstellen müsse, wenn die Reparationen durchgeführt werden sollen? Werde man endlich inne werden, wo die Narren seien und wo sich die Verräter an den Interessen Frankreichs befänden.
Andre Tardieu bezeichnet im „Echo National" den Schritt des amerikanischen Vertreters bei der Reparationskommission als ein unfreundliches Vorgehen, das die Bemühungen für die Organisation Europas unfruchtbar mache. Es fei unfreundlich, weil es die Forderung der Qlermften J^or die des Reichsten stelle.
NitLi über die Lage Italiens.
Rom. 12. März. (WTD.) Der ehemalige Ministerpräsident N i 11 i hielt heute in Melfi in Süditalien eine Rede über die Lage Italiens. Er sprach zunächst über die schwierigen finanziellen Verhältnisse Italiens und hob hervor, daß durch die Entwertung des italieni=< scheu Geldes die italienische Industrie gefährdet sei. da durch den Rückgang der Kaufkraft des Geldes der Bezug von Rohstoffen äußerst erschwert würde. Die demagogischen Finanzmaßnahmen hätten die Grundlagen eines Teiles der Industrie vernichtet, als sie sic aller für die-. ilrnfteUung der Kriegszeit erforderlichen Reserven beraubten. Kein Land in Europa biete ein solches Beispiel für den Inbegriff unsinniger Maßnahmen, die die gesamte Produktion lahmten. Statt der notwendigen größten Sparsamkeit würden durch eine Unmenge von Gesehen die Ausgaben fortgesetzt gesteigert. Zur auswärtigen Politik äußerte Nitti, wenn Italien sich nicht wieder als mitteleuropäisches Land fühle, und wenn es den Verkehr mit Rußland nicht wieder aufnehme, so werde es keine sichere Grundlage haben. Ohne wahren Frieden werde niemals ein neues Gedeihen kommen, ohne gröbere} Gerechtigkeit niemals wahrer Friede. Die italienische Politik zeige seit einiger Zeit Mangel an Verständnis für den Islam. Sie habe die Türkei, verstimmt, ohne die Griechen zu gewinnen. An den Flanken Italiens habe sich die Kleine! Entente gebildet, der wahrscheinlich auch Griechenland beitreten werde. Nitti verlangte für Italien eine in Wahrheit nationale, ihren eigenen Weg gehende auswärtige Politik. Rußland müsse anerkannt werden. Italien sei Frankreichs aufrichtigster Freund. Zwischen Italien und Frankreich gebe es keine Interessengegensätze, die nicht leicht zu überwinden wären. Schließlich betonte Nitti, daß er auch dem neuen Kabinett solange Vertrauen schenken werde, als es nicht zu sehr von den von ihm zum Heile der Nation als notwendig erachteten Maßnahmen abweiche.
Stegerwald darf im Saargebiet nicht sprechet».
Saarbrücken, 11. März. (Wolff)Lau- „Saarbrücker Zeitung" hat die Regie- rungskommission für das Saargebiet dem Borfitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Stegerwald, die nachgesuchte Erlaubnis, an verschiedenen Orten des Saargebietes Borträge halten zu dürfeir, mit der Begründung verweigert, daß inr Allgemeinen außerhalb des Saargebiets wohnenden Rednern die Erlaubnis zu ösfentlichen Versammlungen nicht erteilt werde. Das Blatt findet es sehr seltsam, daß ausgerechnet einem Manne wie Stegerwald, der sein ganzes staatsmännisches Können für den Wiederaufbau Europas und die Versöhnung der Völker eingesetzt habe, das Auftreten im Völkerbund - land „Saargebiet" verweigert werde, während es anderen Rednern früher gestattet worden sei.
Gunaris und seine europäische Mission.
Athen, 10. März. (Wolff.) In der Nationalversammlung berichtete Ministerpräsident Gunaris über feine Reise nach Paris, London und Rom. Er sagte. Briand habe ihm auf das entschiedenste versichert, daß Frankreich weder durch das Abkommen von Angora noch durch ein geheimes Zusatzabkommen eine Her- pslichtung zur Hilfeleistung an die Türkei übernommen habe. Briand habe geraten, Schroffheiten zu vermeiden; er sehe bei den Türken Anzeichen von Versöhnlichkeit und glaube. Griechenland empfehlen zu sollen, gleichfalls eine versöhnliche Haltung einzunehmen, um auf diese 1-eise die Wiederherstellung des Friedens im Nahen Osten zu ermöglichen. Auch Lord Curzon habe ihm auseinandergesetzt, wie sehr der Friede für Europa, für England und Griechenland notwendig sei, und die Gründe dargelegt, aus welchen ein gemeinsames Vorgehen der drei alliierten Mächte unumgänglich ist.
Gunaris wies darauf hin, daß er Lord Curzon der Zustimmung Griechenlands zu der vor- geschlagenen Aktion der alliierten Mächte versichert habe und daß er der englischen Regierung eine besondere Denkschrift überreicht habe, in der die Anschauungen der griechischen Regierung über
E bei den Verhandlungen erwogenen Fragen £ftgclegt seien. — Heber die in London wegen d s Abschlusses einer Anleibe geführten Verhandlungen berichtete Gunaris, sie gediehen so weit, daß nur noch die Uebcrnabmc und die Kontrolle der Verwaltung der als Sicherheit für den Anleihedienst dienenden Einkünfte durch die internationale Kommission und die Zustimmung der Regierung der Vereinigten Staaten ausstehen, um das Anleiheabkommen in die Wege zu leiten Da die notwendigen Schritte bereits getan seien, sei das Abkommen demnächst zu erwarten.
, In Rom fand er, so erklärte Gunaris weiter, bet Bonomi und della Torretta dieselbe Stimmung in der Frage des Friedens im Nahen Osten wie bei Briand und Curzon. Pvincarö er- flärtc ihm nach einem Rückblick, den er selbst nur als einen historischen bezeichnete, der. wie er betonte. keinen Einfluß auf die Politik feines Kabinetts haben dürfe, daß die französische Regierung bereit sei. auf einer dernnächstigen Konferenz zusammen mit der englischen Regierung eine Lösung zu suchen, die einen gerechten und dauernden Friedei, im Orient sichere. Leider kam es noch nicht zu dieser Konferenz der drei alliierten Außenminister. Gunaris nahm weiter Bezug auf die Denkschrift der französisci-en Regierung, in der diese ihre Ansicht über die Art, wie das Eingreifen der drei alliierten Mächte stattfinden könne, darlegt; er erklärte, nach Ansicht der griechischen Re- gierung müsse Griechenland die Ergebnisse der Konferenz der drei alliierten Außenminister abwarten, in der Zwischenzeit jedoch alle Maßnahmen finanzieller und anderer Art ergreifen, um jeder Eventualität begegnen zu können. Der Finanzminister werde Finanzmaßnahmen ein- führen, die angesichts der gegenwärtigen Lage und bis zum Abschluß einer äußeren Anleihe nötig seien, um die Finanzlage zu Bessern. Gegenüber den Gegnern der gegenwärtigen Regierung betonte Gunaris schließlich, daß die Regierung ihr Werk mit der Autorität fortsehen werde, die ihr das ston der Kammer abzugebende Urteil zu- billigen werde.
Sturz des Kabinetts.
Athen, 11. März. Das griechische Kabinett Gunaris ist mit 162 gegen 155 Stimmen gestürzt worden, als Gunaris nach Abschluß der Diskussion die Vertrauensfrage ftellle.
„Eduard der Friedliebende".
Paris, 12. März. (WTD.) Heute ist iit Biarritz ein Denkmal Eduards VII. enthüllt worden. Der anwesende, die englische Königsfamilie vertretende englische Botschafter Hardt n g e sagte in feiner Rede, das deutsche Argument fei immer gewesen. Deutschland sei in den Krieg getrieben worden durch die Einkreisungspolitik Eduards VII., in dessen Ziel es gelegen habe. Deutschland zu vernichten. Diese Theorie sei absolut ohne Grundlage, denn König Eduard VII. habe den Krieg gehaßt und den«Frieden mit allen Nachbarn gewünscht. Den Titel, den er geliebt habe, sagte Hardinge, und den er wohl verdient habe, fei gewesen: Eduard der Friedliebende. Der französische QHarinc- minifter Raiberti. der im Namen der französischen Regierung sprach, sagte unter anderem, bei Beginn der Herrschaft Eduards VII. habe er zwischen Frankreich und Deutschland zu wählen gehabt. Er habe Frankreich gewählt und den Plan einer Annäherung an Frank» reich entworfen. Dies habe nicht nur dem Interesse Frankreichs und Englands entsprochen, es habe dies auch eine Weltfriedensgarantie sein sollen.
Die Kammerwahlen in Rumänien.
Bukarest. 12. März. (WTB.) Nach dem bisher bekanntgewvrdenen Ergebnis der Kammerwahlen sind 260 Anhänger der Regierung und 97 oppositionelle Kandidaten gewählt worden. Bon den notwendig gewordenen Stichwahlen sind sechs für die liberale Partei aussichtsreich, die über mehr als Zweidrittel der Kammersitze verfügen wird. Somit erscheint die Annahme der neuen Berfassung gesichert. General Averescu ist gewählt, dagegen Marghilvman unterlegen.
Streik in Südafrika.
London, 11. März. (WTB.) Die Aach- richten aus dem südafrikanischen Streikgebiet lauten sehr ernst. In Be- noni, im östlichen Teil des Randgebiets, kam es zu lebhaften Kämpfen. Flugzeuge und Maschinengewehre nahmen, daran teil. Auf beiden Seiten gab es Tote und Verwundete. Die Streikenden haben die Arbeiterzenttale in Johannesburg mit Sandsäcken verbarrikadiert. Später kam es in Johannesburg selbst zu Kämpfen mit einigen „Kommandos" der Stteikenden von Fordsburg. Rach den bisherigen Meldungen sind vier Polizisten und dreizehn Streikende verwundet und ein Streikender getötet worden. Eine bisher noch nicht bestätigte Meldung besagt, die Stteikenden hätten das Bergwerk von Kerakpan angegriffen und hierbei neun Hilfspolizisten sowie den Direktor des Bergwerks getötet. In Äew- land seien 27 Polizisten gefangen genommen worden. In Durban sei der Generalstreik er- llätt worden.
Eine weitere Meldung vom 10. d. MtS. besagt: Gestern abend und heute ereigneten sich im Randgebiet sechs Explosionen. Sofort nach der Proklamation des Belage-


