Ausgabe 
13.2.1922
 
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Nr. 3?

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Montag, l3. Februar 1922

Erstes Blatt

112. Iahrgang

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberhesten

vnrck und Verlag: vrühl'sche Untv.-Vuch- und 5teindruckerei TL Lange. Schnftleltung, Sefchäftsstelle und Druckerei: Zchulfttaße 7.

Die Vertrauensfrage des Reichskanzlers Dr.Wirth.

Die Aussprache des Reichstags hat zu vielfacher Kritik des Reichskabinetts, beson­ders auch der persönlichen Haltung deS Reichskanzlers, geführt. Die beiden Rechtspar­teien formulierten, nicht nur aus Gründen, die vom Verkehrsstreik hergeleitet werden, offene Mißtrauensanträge. Dazu verweigert auch die gelomte radikale Linke dem Kabinett das ver­trauen. Die Regierungsparteien verfügen zu­sammen über 220 Stimmen; der Reichstag zählt aber 469 Abgeordnete. Dr. Wirth ver­langt eine offene Abstimmung, die am näch­sten Mittwoch vor sich gehen soll.

Die Lage sieht für den Reichskanzler recht kläglich aus, denn er hat auch in den Reihen des Zentrums und der Demokraten manchen Freund und Bewunderer endgüllig verloren, so daß dieFrankfurter Zeitung" ihm die Ab­sicht unterlegt, er wolle vor allem auch im La­ger der Regierungsparteien selbst die Luft rei­nigen. Als unersetzlich wird der unentwegte Streiter, der durch Ungeschicklichkeiten die von allen in Frage kommenden Gruppen ge­wünschte große Koalition verdorben hat, wohl nicht einmal von seinen Parteifreunden an­gesehen werden. Die Zukunft liegt aber dun­kel und verwickelt vor uns, weil mit der Ka- binettSkrisis natürlich auch die Empfindlich-, Zeiten der Parteien untereinander gewachsen sind und es an Persönlichkeiten fehlt, die mit Aussicht auf Erfolg eine arbeitsfähige Mehr­heit zustandebringen könnten.

Berlin, 12. Febr. Zur innerpolitischrn Lage drücken die Blätter der beiden Rechts­parteien in der Mehrheit die. Hoffnung aus. daß der Reichskanzler am Mitt­woch gestürzt werde, wenn auch dasDeut­sche Tageblatt" und derReichsbote" überein­stimmend betonen, daß die Gelegenheit, das Kabinett zu stürzen? welche gestern günstig war, verpaßt worden sei. Die Blätter der Regierungsparteien begrüßen, daß der Reichskanzler den Mut zur Entscheidung zeigte und ein klares Bertrauensvotum for­derte. DieDeutsche Allgemeine Zeitung" meint, daß es den Anhängern Wirths viel­leicht doch noch gelingt, die jetzige Krise, die die schwerste für das Kabinett Wirth sei, zu vermeiden. DasBerliner Tageblatt" und die Bolkszeitnng" betonen die Notwendigkeit, den Reichstag aufzulösen, falls er Wirth das für Genna erforderliche Vertrauen nicht aus­spreche. DieBpssische Zeitung" glaubt, den Unabhängigen könne nichts daran liegen, die Aktionsfähigkeit des Kabinetts zu schwächen, deren Außenpolitik sie billige. Sie müßten des­halb die Frage der Aufrechterhaltung deS persönlichen Mißtrauensvotums gegen Wirth noch einmal nachprüfen. DieFreiheit" hält ein Kompromiß mit der BolkSpartei bis Mitt­woch für wahrscheinlich und ruft:Sttnnes steht vor den Toren!" DieRote Fahne" er­blickt den einzigen Ausweg in einer Arbei­ter-, Angestellten- und Beamtenregierung.

Berlin, 13. Febr. Den Blättern zu­folge hat die durch die Erklärung deS Reichskanzlers in der gestrigen Reichs­tagssitzung geschaffene Lage im Laufe des Sonntags keine Aenderung erfahren. Es ha­ben gestern nur unverbindliche Be­sprechungen zwischen einzelnen Par­lamentariern stattgefunden.

Meßet die Haltung der Bayrischen BolkSpartei, die bei der Erwägung der Stimmenverhältnisse eine wesentliche Rolle spielt, erfährt derLokalanzeiger", daß die Fraktion bisher noch keinen 'Beschluß gefaßt hat. Sie werde wahrscheinlich die Abstim­mung freigeben. Selbst wenn die Baye­rische BolkSpartei geschlossen für das Ver­trauensvotum stimmen würde, würde das Kabinett nur eine ganz geringe Mehrheit haben.

Eine englische Kritik der Ententepolitik.

London, 12. Febr. (Wolff.) Sn der »Fort« läghllh Review" unterzieht der englische Publizist D i l l v n in einem ArtikelEuropa und der Bol­schewismus" die Politik der alliierten Regierun­gen, insbesondere in der Frage deS Wiederauf­baues, einer scharfen Kritik. Er schreibt:Die Führer der interalliierten Koalition seit dem Kriege verletzten den Crundsatz, den sie alle von Anfang bis Ende verkündeten, nämlich den der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten der anderen Staaten, systematisch jedesmal, wenn es in ihrem Snteresse lag. Nachdem sie den Krieg gegen die Tolschewistcn in Mußland geführt hat­ten, sprechen sie heute von einer Snteroention in Rußland mit Abscheu, weil eine solche ihren Grundsätzen widerspreche. Bei Deutschland und M n g a r n setzcm sie sich jedoch über diese Grundsätze hinweg. Eine Rhein republik und andere Miniaturstaaten wurden, ohne

daß man sich ein Gewissen daraus macht, aus i dem Deutschen Reicheherausgerissen, nicht mir widerstandslos von Seiten der Entente, ondern sogar mit ihrer hilfreichen Mitwirkung. Gewalt ist Trumpf. Moralität nur Dor­wand. Das englische Dolk sicht, daß es nicht gedeihen, ja nicht einmal lange bestehen kann unter den augenblicklichen Derhältnissen der Welt, an deren Schaffung seine eigenen Staats­männer einen wesentlichen Anteil haben. Sie gelangten zu der Meber^eugung, daß Deutsch­land das sie bisher methodisch zermalmten, chnell' wieder in die Höhe gebracht, in seiner Stellung als solventer Kunde Großbritanniens wiederhergestellt wird und in den Stand gesetzt werden muß, zur Aufrechterhaltung des britischen Haedels und der britischen Industrie beizutragen. Selbst ein Sklave muß gefüttert und arbeitsfähig erhalten tre den. Deutschlands Aktions - eld ist jedoch durch den Versailler Vertrag auf einen Umfang herabgesetzt, der Deutschland ür die ihm zugedachte Rolle so gut wie unfähig macht. Cingesperrt in ein Gebiet, das für Deutsch­lands wach ende Bevölkerung zu klein, seiner Kolonien, eines großen Teils seiner Kohlen und anderer Hilfsquellen beraubt, nähert sich Deutsch- land rasch dem Zusammenbruch.

Unter den augenblicklichen politischen Bedin­gungen ist Rußland das einzige Feld für reutsche Unternehmungen. Der fein erdachte Plan, von dem emgenommen wurde, daß er allen inter­essierten Parteien zusagen werde, ist baßer der: Die Bolschewisten werden formell anerkannt, die Deutschen Erhalten Ellenbogenfreiheit für ihre wirtschaftliche Entwicklung und die Befähigung für die höheren Rassen, die in die Lage gefetzt wer­den, ihr Geschäft wie gewöhnlich weile.-zuführcn und Reichtum zu erzeugen. Lloyd Georges letzter Plan für den Wiederaufbau Europas ist zu be­zeichnen als Plan der Ausbeutung des am Boden liegenden Rußlands durch Deutschland in der Ab­sicht, Deutschland für die Ausbeutung durch die Entente reif zu machen.

Dillon schreibt weiter: Gegen die Deutschen, als die künftigen Neugestalter Rußlands, be­stehen in Rußland nicht die geringsten Einwände und brauchen auch nirgends za bestehen. Die Deutschem kennen das russische Volk, seine Sprache und die Gebräuche Rußlands besser als jebe an­dere europäische Nation. Die Deutschen finb die leistungsfähigen Organisatoren m Europa mb für die schwierige Ausgabe wunderbar geeignet. Man muß jedoch von einem ganz anderen Aus­gangspunkt an die Aufgabe herantreten mb sie unter günstigeren B:d.n Zungen b. ginnen. Dkl Ion berichtet aus eigener Anschaumg über die in- leugbare Tatsache, Laß in Deutschland heute die Lage weit beunruhigender fet, als von den Nach­barn Deutschlands angenommen werde. Wenn die bisher von der Entente befolgte Politik fort­gesetzt werde, wenn auf dem Pfund Fleisch bestan­den werde, dann werde eine nicht gutzumacher.de Katastrophe herbeigeführt. Durch das diploma tifdjc Werkzeug, den Versailler Vertrag, hätten die Ententenationen Deutschland seiner Existenz- mittel und "feiner politischen Souveränität be­raubt. Wirths Ausgabe sei, den Versailler Ver- tiag durch seine Ausführung aa absurdum zi führen.

Kurt Eisner und das Versailler Diktat.

Berlin, 11. Febr. (Priv.-Tel.) Wie die Blätter aus München melden, beendete nun­mehr der vvm bayerischen Landtag mit der Erforschung, Sammlung und Bearbeitung der bayerischenDokumente zum Kriegs­ausbruch beauftragte Borsitzende der derno- kratischeir Landtagsfraktivn, Stadtarchivar Dr. Dirr seine Dokumentensammlung. Den Aus­gangspunkt der Feststellungen bilden die Ent­hüllungen, die der frühere bayerische Minister­präsident Eisner am 23. November 1918 durch die offiziöse Korrespondenz Hoffmann verbreiten ließ. Der Dirrsche Bericht stellt Eisners Auszug aus dem bayerischen Gesandt­schaftsbericht den Originalen gegenüber und beleuchtet dann die Auswirkungen des Aus­zuges auf das Bersailler Friedensdiktat. Die Gegenüberstellung ergibt, daß Auslassungen und Streichungen, die Eisner vvrnahm, den Zusammenhang und Sinn der Dokumennte wesentlich entstellt i)nb Deut schla nd einseitig belastet. Eisner glaubte, durch rückhaltlose Dokumentterung der mora­lischen Schuld eine Verständigung mit den bisherigen Gegnern herbeizuführen. Das Bersailler Diktat sttafte dann den pvli- ttschen Opttrnisrnus grausam Lügen, stützte sich jedoch in der Manteltwte vom 29. März 1919 u. a. auch auf die Eisnerischen Enthül­lungen, um Deutschlands Schuld am Kriegs­ausbruch darzutun.

Ein mangelhafter Beitrag Sassanows zur Schuldfrage.

Paris, 12. Febr. (HavaS.) Der ehe­malige russische Minister des Aeußern Sa­sonow richtete an denT e m p S" folgendes Schreiben: Seit einiger Zeit veröffentlichen deutsche Presseorgane eine neue Reihe von Artikeln bezüglich des Ursprungs des Weltkrieges. Zn diesen Artikeln gesellen sie meinen Damen denen von Poincare und Zswolöki bei, denen sie die Verantwortung an dem großen Unheil zuschieben wollen, das an

der Menschheit im Jahre 1914 begangen wurde. Die Sammlungen von Kautsky und Montgelas sowie das Rotbuch von 1919 sagen uns genug, genug, daß wir wissen können, was wir von dem Wert derfriedferttgen Gesin­nung" zu halten haben, welche nach der Deut­eten Presse in den hohen Sphären Berlins geherrscht habe zur Zeit des österreichisch-ser­bischen Konfliktes. Man will die bisher nicht herausgegebene Korrespondenz zwischen 0S- wolski und mir aus der Zeit des Beginns der Feindseligkeiten veröffentlichen. Zch weiß nicht, auf welche Dokumente sich diese Schrift be­ziehen will. Aber von vornherein will ich Der» ichern, daß Zswolski während seiner po- litischeil Tätigkeit in Paris sich zu keiner Zeit des Verbrechens schuldig gemacht hat, dessen ihn die Gegner bezichtigen, die chm höch- tenswegenseinerzugroßenWach- amkeit und wegen seines klaren Blickes abgeneigt sein können. Hätte er es übrigens gewollt, so wäre die Luft, die er in Paris atmete, wo sich die ausführende Ge­walt in so fester und loyaler Hand befand; ür eine Angriffspolitik nicht günstig gewesen.

Die Wirkung

der französischen Note.

Paris, 13. Febr. (WTB.) Wie der Havas- kvrrespondent in Landon berichtet, wirb sich bas engü|d;<*Äabinett heute mit der französischen Note über die Konferenz von Genua beschäftigen. Lloyd George sei bis heute immer noch gegen eine Verschiebung der Äon- eien;;. Man müsse sedvch in Betracht ziehen, baß einige feiner Ministerckollegen entgegengesetzter Ansicht seien. Cs sei wohl möglich, baß sich inne.halb pes britischen Kabinetts eine Meinungs­verschiedenheit zeigen werbe, da gewisse Ansichten ich geltend machten. Man wolle versuchen, zwi- chen ben Kabinetten von London und Paris zu einem Kompromiß zu gelangen. Zn der Mel­dung wird ferner erklärt, man habe mit Unrecht angekündigt, das englische Ministerrum fet ge­neigt, einem englisch-französisch-italienischen Sach» verstandigenausschuß die Diskustion der Fragen an-uvertrauen, die das französische Memorandum auf werfe. Dtts sei eine Verwechslung. Der Oberste Rat in Cannes habe sich schon Hahin geeinigt, Sachverständigen von England, Italien, Frank­reich, Belgien und Japan, und zwar den Sach­verständigen dieser Mächte und nicht nur solchen Der ersten drei Mächte, die Mission anzuvertrauen, die finanziellen uitb wirtschaftlichen Fragen vor Beginn der Konferenz zu studieren. Diese Sachverständigen hätten keine Befugnis, die politischen 'Fragen zu be­handeln. Uebrigens sei auch diese Zusammen­kunft noch nicht ins Auge gefaßt. Man habe also keineswegs die Absicht das Studium der fran­zösischen Note einer Kommission von Sachver­ständigen anzuvertrauen.

Paris, 13. Febr. Nach einer Meldung der «Chicago Tribüne" aus Washington hat sich der Senatsausschuß für auswärtige Angelegen­heiten nach einer Vorbesprechung über das Dier-Mächte-Abkvmmen bis nächsten Donnerstag vertagt. Es sei jetzt wahrscheinlich, daß nicht vor 3 Wochen dem Senat über den Vertrag Bericht erstattet werde.

Frankreich und der Anfbanplan für Rußland.

Paris, 11. Febr. (WTB.) DasZ our- nal de Debats" erklärt, französischerseits könne man die Hoffnung der Engländer nicht teilen, durch Ueberttagung deS r u s s i s ch e n Wiederaufbaues an Deutschland ihre alle deutsche Kundschaft wieder kaufkräftig zu machen, und dann im wiederhergestellten Rußland mit Nutzen zu arbeiten. Die Mittel, die Deutschland für diesen Wiederaufbau ver­wende, würden den Reparationszahlungen entzogen werden, die es den Alliierten schulde, und eS wäre ein schlechter Scherz von Frank­reich zu verlangen, daß es warte, bis Deutsch­land in Rußland reich genug geworden wäre, um einen Teil seines Gewinnes abzugeben. An dem Tage, wo Deutschland auf seine Art Rußland wieder aufgebaut hätte, würde es sich stark genug fühlen, der Aufforderung der Entente kategorisch Widerstand zu leisten. Der Wiederaufbau Rußlands durch Deutschland führe unvermeidlich zum Kriege.

Englischer Kredit für Ccftrrrctdi.

Wien, 11. Febr. (WTB.) Der englische Gesandte überreichte der österreichischen Re­gierung eine Note, in der mitgekeilt wird, daß die englische Regierung beschlossen habe, Oe st erreich einen Kreditvvrschuß von zwei Millionen Pfund Sterling zu geben. Die Einzelheiten des Kreditvvrschusseö werden durch Notenaustausch geregelt.

Das Kabinett Bottomi.

Rom, 11. Febr. (WTB.) 3m Mi­ni st e r r a t stellten die Minister dem Prä­sidenten die Portefeuilles zur Verfügung, um ihm für eine eventuelle Umbildung des Kabi­netts, wenn er sie für nötig hielt', freie Hand zu lassen. Bonomi dankte, lehnte aber ab

und erklärte, er wünsche, daß das Ministerium sich dem Parlament geschlossen vorstelle.

Llrbeitcransfpcrrnng in Dänemark.

Kopenhagen, 11. Febr. (WTB.) Dn Verhandlungen zwischen den dänischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern führten zu keinem Ergebnis. Nachdem die Organisation der Arbeiter den Vermittlungs­vorschlag der Schiedsinstttution abgelehnt hatte, erklärte heute nachmittag der Arbcitt geberverein die Aussperrung der betei­ligten Arbeiter, deren Tarifverträge abge-- laufen sind. Die Zahl der Ausgesperrten be­trägt etwa 100 000 Mann.

Kopenhagen. 12. Febr. (Wolff.) Don der angetünbigten Aussperrung Der 21 r - beiter, die am 14. Februar avenbs eintreten soll, finb ausgenommen die Wasserwerks-, ©leb trizitäts-, Gasarbeiter usw., sowie der Hol> inbufliiearbeiterberbanb, Der Schnei c ocvla.ro, der Gürtler-, ber Fvrmerverbanb und die Heizer, welche den Vermittlungsvorschlag angenommen haben. Trotzdem die Aussperrung auch cie Kopen­hagener Buchdrucker betrifft, sind die Zeitungen davon ausgenommen. Die Aussperrung umfaßt 170 003 Mann, von denen 90 000 bereits arbeits­los sind.

Dic Krönung Pins XI.

R o m, 12. Febr. (Wolfs - Heute vormittag fand in der Peterskirche die feierliche Zeremonie der Krönung Vius Xi statt, an der außer der Familie und den kirchlichen Würdenträgern beim päpstlichen Stuhl das beglaubigte diplo­matische Korps und nahezu 50 000 andere Per­sonen teilnahmen.

Aus dem Reiche.

Die Preissteigerungen.

B e r l i n, 11. Febr. (WTB.) Die Desamt- handelsmdexziffer des statisttschen Reichsamtes ist von 3487 im Durchschnitt des Dezembers auf 3665 im Durchschnitt des Januars ge­stiegen. Die Preissteigerung betrifft in erster Linie die landwirtschaftlichen Erzeugnisse, bic Lebens- und Genußmittel, und zwar stiegen Getreide und Kartoffeln von 3127 auf 3363; Zucker, Fleisch, Fette und Fische von 3106 auf 3555; Kolvnialwareü von 4652 auf 4819; land­wirtschaftliche Erzeugnisse und Lebensrnittel zusammen von 3229 auf 3509. Von Zndustrte- ftoffen sind zunächst Häute und Leder von 40o4 auf 4668 gestiegen, während Textilien von 6158 auf 5939 und Metalle von 4379 aus 4313 zurückgegangen sind. Kohle und Eisen stiegen von 3298 auf 3307. Der Dollar- kurs blieb im Durchschnitt des Januars mit 191,81 fast auf der Höhe des Vormonats (19193) während vorwiegend im Zalande er­zeugte Waren nicht unerheblich, und dttxn, von 3170 auf 3383 gestiegen sind.

Konrad Haußmann f.

Stuttgart, 12. Febr. (Wolff.) Der Reick:- tagsabgeordnete Konrad Haußmann trr= fiarb heute Nacht nach etwa vierzehnlagigem Krankenlager an ber Grippe.

Konrab Haußmann wurde am 8. Februar 1857 in Stuttgart geboren. Sein Vater Julius Hauß- mann war ein alter 48er, ber feinen grvß-dcuischcn 3ugenbtraum mit drei Zähren Festungshcht auf bem Hohenasperg büßen mußte und bann Reba.- teur des demokratischen »Beobachter" in otvt;- qart wurde. Der Sohn Haußmann besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt, studierte in Zu r o München und Berlin Rechtswissenschaften un) LJ- sick dann 1883 in Stuttgart als Rechtsanwalt lie­ber. Er wandte sich, in den Spuren seines Vaters wandelnd, auch ber politischen Tätigkeit zu und würbe 1889 in Balingen in ben wurttembergrschen Landtag gewählt, dem er seither ununterbrochen angebörV Auch Mitglied des Reichstags, ist er seit 1890. Haußmann gehörte zu den Begründern der Wochenschrift _März", deren eifriger Mit­arbeiter er ist. Als Redner seiner Partei im Reick-stag behandelte er insbesondere Fragen der auswärtigen Politik und zwar von einem poli­tischen Standpunkt aus, den er als Mitglied ber Vereinigung für internationale Verständigung einnahm.

Aus Hessen, Gebuhrenerhöhungen auf dem Der- ordnungSweg.

Man schreibt und: Mehrfach war die Regie­rung in den letzten Jahren genötigt, Gesetzesmaß­nahmen durchzuführen, die ben Zweck haben, Otc Sätze älterer Abgabegesetze unb Geb.chrenve.ord nungen in bem Maß zu erhöhen, bas erheb­lich gesunkenen Geldwert und damit yj.fammep- hängenden erhöhten Aufwand Sraates für Die betreffenden Leistungen entspricht. 5-3 vt anzu- nehmen, daß auch in ber Zutunfl das Bedürfnis nach gleichem Vorgehen wiederholt unb bringem- hervortreten wird. Ilm nun einerseits das Vcr fahren zu vereinfachen und andererseits rascher, als es auf dem umständlicher..g der <>efep' gebung möglich ist, dem Bedürfnis gerecht zu werden, hat die Regierung dem Landtag^,- Vorlage unterbreitet, durch die da- - - -

Ministerium ermächtigt werden soll, Erhöhung