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Hessische Lanvwirtschasts- kammer.

rm Darmstadt, 11. DeA.

Die yef fische Landwirts chaftskam- mer Vielt beule Im Kammersitzn rgssaale unter bcm TorHt) bei fte((t>ertie:cnben Präsidenten, Oekonomierat Hahn- Hestloch. ihre 22 Seicral- txnfammlung ab, in der yunddjft nach 'Bcgrüfaing der 2tegierung6ixrrtreler dem verstorbenen ver­dienstvollen 1. Präsidenten Walther Worte bet Dankbarkeit und Anerkennung gewidmet wur­den Das Haus ehrte ihn in bei üblichen Form.

£unt Punkte Präsidentenwahl wurde nach lurzcr Aussprache der Vorschlag deS Vor- fianbed angenommen, dast mit Rücksicht auf die bemnäd/t zu eiioartcnben allgemeinen ÄcuwahLen zur ^aildwirtschltstskammer vorerst vo.t einer QlrunclX des Vorsitzenden QI b ft a n b genom­men werden soll.

Heber den nächsten (3*egenftanb: .Verkehr mit landw. Grundstücken" berichtete Eexe- ralbkeftor Dr. Hamrnann. Danach wurde ein Antrag angenommen, nach dem geförtert wird, dast die Zwangswirtschaft im GrundstückSverkehr vermieden und die Grenze der Grösten anders, alS in dem Gesetzentwurf vorgesehen, vvrgenom- men wird. Die Fälle, in bcnei bte Genehmigung ve.saat livrben kann, sollen genau feflgelegt wer­den, der Grundstücksverkehr mit Verwandten falle nicht unter das Gesetz, die Genehmigung darf nicht an Auslagen gebunden wertet. Pachtver­träge unterliegen nicht ter Genehmigung, ebenso die Beschränkung der Benützung und Teraxrtung deS 3nventari.

Generaldirektor Dr. Hammann berich'ete bann übet ben Antrag deS Vorstandes bett, die Getreiden m läge, wonach ter Staatspräsi­dent und daS Gesaintrninliterrurn ersucht irerben, für freie Getreidewirtschaft und evtl, für Her­absetzung der Umlage bei ter ReichZrcgierung einzutreten, soweit aber Getreide a (»geliefert wird, dieses derart zu ixrgüien, dast die Landwirtschaft nicht nur die Erhaltung, sondern auch die Steige­rung der Erzeugung herbeiführen kann. Weiter soll die Reichsregierung auf Beschiffung der hierzu erforderlichen Hilfsmittel hinarbeiten. Es entspann sich eine längere Aussprache, in der von allen Seiten auf die Mängel des Gesetzes hin­gewiesen wurde Präsident Hebel gab in länge­ren Ausführungen die Stellung ter Regierung hierzu bekannt und machte QUitteilung über die zahlreichen Schritte aller Art, die man bis jetzt SweckS Herabsetzung der Umlage gn der maß­gebenden Stelle getan hat. Es tarn dann in der Debatte zum Ausdruck, daß die bisherige schlechte Ablieferung aus die späte Zustellung der Qln- foibevuixgen der Umlage zurückzafüh.en ist. An vielen Plätzen Oberhessens könne überhaupt nichts abgvliefert werten. Die Vorschläge mit verschiedenen Zusatzanlrägen sanden Annahme.

Damt sand der mit 60 203 0C0 Mk. abfchlie- f»enfce Rachtragsvoraix schlag Annahme. Hierbei kam auch die Schaffung ci-ne3 LandeS< arbeitsamteS zur Sprach?. Es wurde weiter ein Vorschlag angenommen, die Staatszu- fchüsse entsprechend der jetzigen Geldentwertung zu erhöben.

Schließlich teilte der Generaldirektor noch mit, daß man burxf.'e günstige Verhältnisse jetzt 'in dev Lage sei, die S ch w e i z e r S ch u l d, die jetzt noch etina 17 00? 000 Mk. betrage, durch eine einmalige Umlage abzudecken: ekn sprechender QLntrug des Vorstandes wurde angenommen.

Kirche und Schule.

** Wiedereintritte in d i e Kirche. Sin intcrcffanlc? Zeichen der Zeit find die sich stetig mehrenden Rücktritte früher Ausge­tretener zur Kirche. Man zählte rund 8000 in allen deutschen Landeskirchen, in Preußen 4750; doch bezog sich dxese für 1921 gemeldete Zahl auf 1 92 0. Die Gesamtziffer von 1921 steht noch nicht fest, doch ist schon so viel zu übersehen, daß sie beträchtlich höher fein wird. 3n der Provinz Sachsen ist sie auf 5627 ge­stiegen, von 906 im Vorjahr 1920. Schlesien zählte 1920: 1038 Rückwanderer zur Kirche, 1921: 2017. Westfalen 1920: 550, 1921: 1194. Schleswig-Holstein 1920 erst 151, 1921 aber schon 1070. Mitteldeutschland (Thürin­gen, Sachsen und Anhalt) war besonders von der KirchenauStrittSbewegung in Mitleiden- *g_!l _____in

schaff gezogen. Auch va setzt die gegenNNUxge Bewegung ein. 3n ganz Thüringen betrug die Zahl der Rückwanderer 1920 erst 538, 1921 betrug sie in Reuh jüngerer Linie allein sck)on 2661. Anhalt hatte 1920: 430, 1921 aber be­reits 1134 Rückwanderer. Es i|l anzunchmen, toenn in anderen Landeskirchen eme ähuliche Bewegung sich durchsetzt, datz die Zahl der voreilig Ausgetretenen, die wiedk-rlommen, nicht viel hinter 4050 000 im Zahr zurück- bleiben wird. --------

Dermischres.

Drei Viertel Milliarden Mark gestohlen.

Berlin, 11. Dez. Rach einer Meldung derD. Z." wurde einem in Berlin auf der Durchreife sich aufhaltenden, aus dem Osten zugereisten Kaufmann die D r i e f t a f ch e aus dem Mantel gestohlen. 3n der Brieftasche befanden sich 50 000 Mark in deutschem (Seide, 200 Dollar in Roten, und drei Scheck­bücher mit offenen, von einer amerika­nischen Bank ausgestellten Schecks. Der ®c- samtverlust ist auf rund dreiDiertelMil- liaröcn Mark zu beziffern. Der Diebstahl hat sich wahrscheinlich bei der Fahrt mit einem Autoomnibus ereignet.

Werte von etwa 10 Millionen Mark gestohlen.

Berlin, 11. Dez. Ein Brillant- schmuck und ausländische Bankno­te n im Werte von etwa 10 Millionen Mark wurden nach einer Meldung des Zwvlf-Uhr-Mittagsblatis" einer in einem großen Hotel in der Rähe des Potsdamer Platzes wohnenden Deutschamerikane- r i n gestern! auf der Heimkehr vom Theater im Auto-Omnibus von Taschendieben g e - stöhlen, die ein künstliches Gedränge inszeniert hatten.

Kaninchen mit ThphuSbazillen gestohlen.

Berlin, 11. Dez. Rach einer Meldung aus Rostock wurden aus dem dortigen U n i« versitätSkrankenhause 17 Kanin- chenge stöhlen, die zu Versuchszwecken mit Typhusbazillen geimpft waren.

Handel.

Berlin, 11. Dez. Vorsenstimmungs- bild. Die Rachrtchten über die Londoner Kon­ferenz ei öffneten noch keine Aussichten auf eine baldige befriedigende Lösung der Reparations­frage. Daraufhin jogen die Devisen ziemlich scharf an, der Dollar bts 8650. 3m Zusammenhang hier­mit war auch der Efsektenmartt fest, aber das Ge­schäft weniger umfangreich als sonst, da die Hn- gewlhheit über die weitere Entwicklung der polt- tischen Lage vielfach Zurückhaltung Der anlabte. 3ndustriewerte waren im allgemeinen einige 100 Prozent höher und x. T. bis 2000 Prozent ge­steigert. Daneben wurden aber einzelne Werte, an­geblich auf Kaufe des Auslandes um mehrere 1000 Prozent höher aus dem Markte genommen. So fliegen Siemens und Halske über 5000 Proz, Ber­lin-Kar IS ru her Industrie 9000 Proz., Oren stein und Koppel über 3000 Prvz., Salzdetfurt um über 2000 Proz., Chemische Griesheim über 3000 Proz. Dalutapapiere stellten sich entsprechend der Devisensteigerung beträchtlich höher, insbesondere Mexikaner um mehr als 2000 Prvz., Hngarische Goldrente um 3000 Prvz.

Frankfurt a. M^ 11. Dez. Börsen- st i m m u n g S b i l d. Der Dollar, der im Vor­mittagsverkehr mit 84008500 genannt wurde, konnte sich an der Börse auf 8450 behaupten. Die Effektenbörse nahm zunächst eine ruhige Haltung ein, da man in Börsenkreisen eine neue Diskonterhöhung der Reichsbank um 2 Prozent erwartete. Da diese aber bis zur Stunde noch nicht erfolgt war, schritt die Spe­kulation zu Deckungskäufen. Am Montan­aktienmarkte waren verschiedene Kurserhöhun­gen zu verzeichnen. Vereinzelte Maschinen­aktien fanden rege Beachtung. Bei den chemi­schen Aktien konzenttierte sich das Interesse auf Anilinwerte. Höher stellten sich Zellstoff- und Zuckerwerte. Um 1 Uhr wurde der Dollar 8450 genannt.

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(trnnHurt a. M. Berlin

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Märkte.

Frankfurter Gctreidemarki.

Frankfurt a. M, 11. Dez. Der Getreide» marft zeigte heute einen stillen Verkehr. Die Tcndery blieb gegen die letzten Rotie.ungen gut behauptet, für W.izen fest. Roggen. Hafer. Gerste lagen tubia. Mehl ist wieder begehrter. Fatter- artikel finden zu höheren Preisen Aufnahme. Preis je 100 Kilogramm Wetzen 33 00034 000 Mark, Roggen 30 00031 003 Mk., Sommer­gerste für Brauzwecke 26 00328 000 Mk., Ha­fer, inländischer 25 00028 000 Mk, ausländi­sch-r 34000-36000 M!. Ma is, La Plata 31 500 bis 32 500 Mk, Mixed 31 50032500 Mk.. Wei­zenmehl. füdd. Special 0 48 000-56 000 Mk. bei Daggonbezug ab Mühlenstation. Roggen- mchl 38000-41 000 Mk.. W e i ze n - und R o g- genkl eie 14 25014 500 Mk, Erbsen je nach Qualität, für Speisezwecke 56 000 -64 000 Mk., Biertreber, getrocknet 9900 Mk.

Frankfurter Schlachtviehmarkt.

Frankfurt a. M., 11. Dez. sAmtlich) Marttvcrlauf: Grvhvieh und Schweine langsam gehandelt: Heberstand. Fettschweine auch über Rotiz gehandelt. Kleinvieh bei flottem Geschäft ausverkauft. 3m einzelnen ist zu bemerken: Auf- getrieben waren 2028 Rinder, darunter 283 Och­sen, 64 Bullen und 1681 Färsen und Kühe. Ferner 217 Kälber, 116 Schafe und 1131 Schweine. An Preisen wurden angelegt pro Zentner Lebend­gewicht: Ochsen 25 00038 000 Mk.. Bullen 25 000 bis 33 000 Wt., Färsen und Kühe 28 000 bis 35 000 Wk. für beste Färsen, 15 000-30 000 Mk. für geringe Färsen, Kälber 35 00038 000 Mk., für beste Qualitäten, 31 00034 000 Mk. für mitt­

lere ChiaTttötm, Z3 00030 000 'JHT. sur grrnrgt Qualitäten. Schafe 16 50030 000 Mk. Schweine unter 80 Kilo Lebendgewicht 40 000 - 53 003 Mk., von 80100 Kilo 50 000-58 000 Mk. von 100 bis 120 Kilo 58 000- 63 000 Mk., von 120150 Kilo 58 000-60 000 Mk., Fettschweine über 150 Kilo 58 0000 000 Mk.. Sauen und Eber 40 000 bis 52 000 Mk. Die Preise liegen um soviel übet den Stallpreisen, als sie die nicht unerhebiicheir Gewichtsverluste, Spe'en und Händlergelvinn In sich schlieben. Des Weihnachts- und Aeujahrs- fesles wegen werden die Viehmäckte ron Qllontng, 25. Dezember auf Mittwoch 2 7. D e z e m b c r und von Montag, 1. Zanuar 1923 auf Diens­tag, 2. Qanuar 1923 verlegt.

(3n einem Teil der Auflage wiederholt.) Die französischen Gewaltpläne auf der Lon­doner Konferenz.

Paris, 11. Dez (WTB) Havas meldet aus London: 3m Laufe des gestrigen Aach- mittags hat P v i n ca r S ausgeführt, dastDeutsch- land allein für seine finanzielle Lage verantwort­lich sei. Seit zwei Zähren, so sagte et, sind Deutschland ohne Wirkung auf die Reparations­zahlungen Etieichterungen gewahrt worden. MaN müsse also jetzt die Meichode ändern und dürfe keine neuen Verschleppungen mehr dulden, obne bafür Pfänder zu erhalten, nämlich die Kon­trolle der Bergwerke und die Beschiagnalnne der Zölle. Zur Hnterstützung dieses Siandpunkies tat Poincar« hinzugefügt, die deutschen Vor­schläge von gestern feien so unzureichend, da st i-lchtsdesto'weniger die 2e'ch'agnachm-e kurchgeführt werden müsse, damit es erblich die deutsche Re­gierung und die deutschen Drostindustriellen emp­fänden, dal! die Geduld der Alliierten jetzt er­schöpft sei. Poincarö hat dann in großen Linien auscinandergeseht. wie er sich die Kontrolle denke, die /eine Verstärkung der alliierten Truppen erfordern würde. DvnarLawha' sich auster- ordentlich zurückhaltend gezeigt. Ohne Kritik üben zu wollen, hat er geqe i daS fran­zösisch: Projekt positive und allge-me'.ne Eincren- bungen rorgebracht, die sich wie folgt zu'ammen- f aff en laffen: Die englische öffentliche Meinung ist sich einig in dem Gedanken, dast Zwangsmast- nahmen kein Gelb einbrin^cn. Die belgische Regierung hat im Prinzip dem franzosischrn Plane zugestimmt, während Mussolini er­klärt 'bat, dast ihn vor allem die Streich.tng der interalliierten Schulden beschäftige. Angesichts der Entschlossenheit Poincarös hat bet englische Premierminister erklärt, er müsse zuvor seine Ministeriollegen befragen. 3n englischen Kreisen hat man gestern abend versichert, eS liege aller Grund zu der Annahme i>or. dast daS Kabinett bis zu der Besetzung des Rührgebietes nich'L werde beschließen können und der Besetzung ohne seine Hnterstützung ihrei Lauf lassen ar de. In letz e; Linie würde e ft b wohl ba-.u en schl sten aber nicht so dast die Besetzung eure Psanduig darstellen würde, sondern e5 werde möglicher­weise der Konferenz einen Kompromi st Vor­schlag unterbreiten, demzufolge die Besetzung des Ruhrgebietes, anstatt die zwei Jahre deS Moratoriums hindurch anzudaurrn, bereits auf« hören könnte, wenn Deutschland lo >al seine herab­gesetzten Verpflichtungen durchführen werde.

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