Ausgabe 
12.5.1922
 
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Hl m Zweiter Blatt

Deutscher Reichstag.

Berlin, 11. Mai 1922.

207. Sitzung, nachmittags 1 Uhr.

Fortse^ung der zweiten Lesung des

Haushalt» deS AeichSverkehrtministeriumS.

2Tbg. Dr. Q uaa h (D. Vp.) teilt den Op­timismus deS Ministers nicht. Gewift hätten sich die Leistungen, der Eisenbahn im letzten Jahre gebessert, aber ihre eigentliche Aufgabe, die Güter­verteilung am rechten Orte und zur rechten Zeit, bade sie nicht erfüllen können. Dies gelte be­sonders von der Stöhle. Außerdem sei der 'Jfcr- sonal bestand der Eisenbahn im Verhältnis zum Rückgang der Kilometerl i'kung ganz en rm ge­stiegen: nämlih von 740 ^OJ ouf 1 380 0.0 Be­schäftigte. 5>cr Ausbau d s Ei-enb h nehes fei dringend erforderlich und der kaufmännische Geist müsse stärker als bisher betont werden. Auch für das Kleinbahnwesen, das sich namentlich in Rord- deutschland in eiiem geradezu bejammernswerten Zustande befinde, müsse mehr getan werden Der Aebner wandte sich dann noch gegen Schluss seiner Ausführungen in scharfen Morten gegen die TarhpLlltll des Ministers. Früher hätten die Beiräte bei den Darifverhandlungen noch mit- gewirkt, heute würden diese Beiräte nicht mehr gewählt, sondern ernannt und somit laufe das Ganze auf die präfekte Wirtschaft hinaus, wie man sie in Frankreich gehabt habe. Das sei ein Rückschritt tm Zeitalter der Demokratie.

NeichSderkehrSminister Gröner:

sichert zunächst für die Zukunft eine schnellere und regelmähigere Erstattung der Geschäftsberichte zu uud betont, daft er sich von seinem Optimismus nicht abbringen lassen werde. Er Hube in die Angestellten, Beamten und Arbeiter der Eisen­bahnverwaltung das unbedingte Betrauen, daft sie ihn unterstützen werden, die Eisenbahn wieder vorwärts zu bringen. Zweifellos sei der ganze Apparat der Eisenbahnverwallung jetzt nicht in der Lage, dem Dalutagüterverkehr voll und ganz zu genügen. Industrie und Handel sollten sich aber nicht der Eisenbahnverwaltung als Gegner gegenüber fierten, sondern sich gemeinsam mit ihr bemühen, den Aebelstand zu beseitigen, wie es beispielsweise die Hamburger Kaufmannschaft in dankenswerter Weise getan hab. Das Defizit von 1920 in Höhe von 15,6 Milliarden brüde noch heute auf unsere Verwaltung. Als das Defizit schon aus etwa 5 Milliarden herabgemindert war, kam die neue Valutawerte und lieft es auf etwa 11 Milliarden ansteigen. Das laufende Jahr werde aber wesentlich günstiger abschlieften. So­lange aber Arbeiterlöhne und Materialpreise das Ergebnis der Eisenbahn weiter als Schraube ohne Ende beeinflussen, sei eine ruhige Entwicklung nicht möglich. Gröner geht sodann auf die Per- sonenpolitik ein und meint, daft diese in erster Linie von der Wohnungsfrage abhänge. 3m übrigen müsse der GrundsatzDem Tüchtigen freie Dahn" ohne Rücksicht auf das Dienstalter gelten. Eine Aebernahme der Mitropa und der Reichs- bureaus auf die Reichseisenbahnverwaltung ist noch nicht denkbar. Die Verhandlungen mit den Gewerkschaften über die Dienst- und Ruhezeit wurden in diesen Tagen zu einem befriedigenden Abschluh kommen. Was das Streikrecht angehe, so seien die Beamten noch kurz vor dein Eisen­bahnerstreik darauf hingewiesen worden, daft ein solches ihnen nicht zuslehe. Die für die Diszipli­nierung der am Streik beteiligt gewesenen Beam­ten herausgegebenen Richtlinien würden loyal gehandhabt 105 Fälle seien auf dem Difziplinar- wege erledigt worden, weitere 4050 Fälle seien noch in der Schwebe, und 168 Kündigungen seien ausgesprochen worden. Diese geringe Zahl fiele gegenüber den etwa 100 000 am Streik beteiligt gewesenen Leuten kaum ins Gewicht. Bei den Beförderungen kämen allerdings die Disziplinier­ten nicht in Frage. 3m übrigen werde aber der Streik von der Verwaltung als etwas Vergan­genes abgesehen, um das Vertrauen zwischen Beamtenschaft und Verwaltung wieder herzu- stellen.

Abg. Wieland (Dem.) sagt: Die Eisen­bahn müsse wieder zum Rückgrat unserer Finan­zen werden. Die Ausschufta.r träge bewegen sich in dieser Richtung. Das Arbeitszeitgesetz muft die bestehenden Mift stände beseitigen. Cs geht nicht länger an, das; die Norddeutschen weniger arbeiten als die Süddeutschen. Andererseits darf gegen die am Streik beteiligt gewesenen Beamten keine Radelstich-Politik getrieben werden. Wie steht es mit der Wa ftengestellung "i Vor allem mit der De "sorgung S ddeutschlands? Jedenfalls müftte die Tarifpolitik in engerer Fühlu:g mit den Privatwirtschaftskreisen, besonders Srrddealsch- lands, geführt werden. Gemischt-wirtschaftliche Betriebe wären die für die Reichsbahn geeig­nete Detriebsform.

Verkehrsminister Gröner: Das Gutachten des Aeichsverbandes der Industrie schätzt den

DieSakramenlshex.

Roman von Marie Kerschen st einer.

18. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Lind nun fiel ihm em, daft die Mutter ihm beim letzten Händedrua einen Brief zugescho­ben hatte, mit der Bitte, ihn in der ersten nachdenklichen Stunde nach der Trennung zu lesen. Er entnahm das Schreiben seiner Tasche, ent­faltete es und las:

.Mein lieber Sohn! Run bist du von mir gegangen und dieser Abschied lastet schwer auf mir, so klar ich ihn m seiner Anabänderlichleit seit Jahren kommen sah. And fast will, es mir scheinen, als ob Dein Weggang noch einschneidender in mein Leben sei, als es der Tod Deines Vaters damals gewesen ist. 'Denn unsre Wege sind eins gewesen und so sehr Dein Vater mir auch vor- aneilte, ich folge ihm nach und jeder neue Schritt weist mir die Spur seines Fuftes, in die ich trete. Dem Vater hat mich nicht verlassen, wenn er auch gestorben ift Du aber wirst dem Leben gehören und mich dennoch verlassen. Richt lied- los oder in ilneftrerbietigteit, sondern einem Gesetz des 'Da eins folgend, dem keiner entgeht: Der flügge Vogel löst sich vom Rest. Auch Du muftt Däne eigenen Wege gehen, Zielen ent­gegen, die abseits von meiner Strafte liegen. Rar mein Auge wird Dir folgen, solange leben­dige Kraft in ihm wohnt. And wenn es sieht, daft Dein Weg aufwärts führt, dann wird mein Herz jubeln und segnend bei Dir sein! And Dein Weg wird auswärts gehen! Denn ich hab» Dich gelehrt, Gott und das Andenken des Vaters in Ehren zu holten und ich gab Dir das Beispiel

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)

Personalbedarf zu niedrig ein. Wir sind aber bemüht, das Personal aus das notwendig- May 3*»_ vermindern. Die Kohlenversorgung fort in Kürze sichergestellt werden, lieber die Schwierig­leiten der Wagengesiellu.ig sind wir zetzt h.naus, letzt müssen auch die Gruben mit allen Kräften fördern. Die Haldenbestände samme.n sich nicht allein wegen Wagenmangel an, sondern es müs­sen auch die Handelskräste zum Verladen vor­handen sein. S.it dem 1. April sind die Haldrn- bestände auch wesentlich zurückgegangen. Die Kriegsschäden an den Lokorno iven w rden dis zum 1. Aprll 1923 vollständig beseitigt fein 3n der Frage der Tarifpolitik wird der neu; Reich;- eifenbohnrat seine Beratungen am 1. Zull aus- nehmen. Die auf niedrigere Haltung der tßcr- fonentarife gerichteten Wnnsche werde ich weyi wollend prüfen. Für be,' i.nmte b grenz e Auf gaben bin ich auch ein Freund gemischt-wirtschasl licher Betriebe. Wie weit dies aber aus die Reschscisendahn Anwendung finden kann, biei.l sehr zu überlegen.

Abg. 21 u f ft ä u f e r (Anabh. Soz.): Der Kampf um die Reichseifenbahnen spiegelt deut­lich die wieder erstarkende Macht des Privat­kapitals wider. Der Reichsverband der Industrie arbeitet still, aber wirksam an der Aeberführung der Dahnen in Privatbesiy. Darüber lassen auch die Ausführungen Dr. Reicherts keinen Zweifel, und die Erklärungen des Ministers waren mehr als flau. Die Misserfolge der Eisenbahnen sind nicht auf die neue Staatsform zurückzuführen, sondern auf diejenigen, welche den Krieg und seine Folgen verschuldet haben. Die Denkschrift des Reichsverbandes der Industrie ist ein dema­gogisches Machwerk, ba£ in der Angabe der Arsache des Defizits die Tatsachen aus den Kopf stellt. Die eigentliche Anterbilanz der Eisenbahnen hängt nicht mit der bureaukratischen Verwaltung zusammen, sondern mit den Kriegsfolgen. Die Mitropa" zahlt heute geradezu lächerlich geringe Pachtverträge. Das muft geändert werden. Die Personalausgaben fallen gegenüber den eigenen Materialpreisen kaum ins Gewicht. Eine stärkere Kontrolle der Industrie mit Rücksicht auf die Interessen der Allgemeinhell könnte die sach­lichen Ausgaben wesentlich zurückschrauben. Die Sozialisierungskommission hat die richtigen Wege zur @ntbureaufratifierung der Eisenbahnen ge­zeigt. Erst toemi die Rohstoffquellen in ftaat- lichen Besitz übergeführt worden sind, werden die Eisenbahnen die Erträge abwerfen, deren wir bedürfen.

Der Redner behauptet sodann, daft trotz aller Versprechungen die Vergeltungspolitik we^en des Streikes im polten Gange sei und daft infolge­dessen die Privatindustrie den Achtstundentag abzubauen beginne.

Abg. Sauer (Bahr. Vpt.) wendet sich gegen jede Zentralisierung des Deschasfungswesens für die Eisenbahn.

Abg. Daartz (K.) richtet heftige Angriffe gegen die Verwaltung wegen der Maftregelungen der am Streik beteiligten Eisenbahner und gegen das Arbellszellgeseh, das einen Angriff auf den Achtstundentag darstelle.

Damit schliesst die allgemeine Aussprache.

Morgen mi tag I Ahr Einzelberatung und Anfragen. Schluft 8V2 Ahr.

Aus 5iat)t und Land.

® i e ft e n, den 12. Mai 1922.

Vorauszahlungen ans die Umsatzsteuer für das Kalenderjahr §922.

Dom Finanzamt Gieften wird uns geschrieben: Es ist nunmehr von jedem Amsatzsteuerpflich- tigen, für den der Steuerabschnitt mehr als ein Vierteljahr beträgt, eine Voranmeldung (Zahl­karte) innerhalb eines Monats nach 2rt>lauf eines Kalendervierteljahres bei der zuständigen Kasse abzugeben. Zinsen kommen erst dann zur Er­hebung, wenn der Detrag 50 Mark übersteigt. In der Voranmeldung (Zahlkarte) ist der Gesamt­betrag b£r im vergangenen Kalendervierteljahr vereinnahmten Entgelte, soweit sie nach dem Am- sahsteuergesetz steuerpflichtig sind, anzuführen, ge­gebenenfalls getrennt nach den verschiedenen Steuersätzen.

Gleichzellig mit der Abgabe der Voranmel­dung hat die Vorauszahlung nach Maftgabe des Gesamtbetrags der Entgelte oder Leistungen zu erfolgen. Cs beträgt beispielsweise die allgemeine Amsatzsteuer 2 Prvz., die Luxussteuer 15 Proz. der Entgelte. Die Qtbgabc der Zahlkarte hat bei derjenigen staatlichen Kaffestelle zu erfolgen, die für die Erhebung der Einkommensteuer zuständig ist: für die Erhebung der erhöhten Amsatzsteuer (Luxussteuer usw.) fommen jedoch nur die Be­zirkstassen und die mit der Wahrnehmung von Dezirkskassengeschäften betrauten Kassen in Be­tracht. Bei denjenigen Steuerpflichtigen, für die

der Pflicht. And trotzdem zittert meine Hand, die der Deinigen sich enttoinöet, aus daft Du fortan allein wandern mögest. Denn Dir fehlt der Vater, des Jünglings innere Kämpfe männ­lich Kl>. beraten. Anberaten lass' ich Dich ziehen! Aufs gute Glück taucht Dein Schiff einst in die Wogen ber Leidenschaft. Wird ein glücklicher Impuls Dich leiten, die gefahrvollen Klippen unbeschadet zu umgehend Ich kann es hoffen, wissen tonn ich es nicht! So höre, was die Sorge der S',u:rde mich von Dir fordern läftt: Wo immer eine Frau über Demen Lebensweg geht, achte in ihr die Würde Deiner 2Hutter alle­zeit! Last eines Menschen Leib Dir heilig setn, denn er ist seiner Seele Haus und damit Gottes Eigentum. Auch wird Dir des Lebens Irrsal Rot und Schmerzen bringen, in Schuld Dich za verstricken, soll ihr nie gelingen! Versprich es mir, so zu handeln, daft Dein 2luge sich nie in Scham senken nm- vor einem Weib! Daft nie eines Kindes unschuldiger Mund vergeb­lich den Daternamen ruft, durch Deine Schuld! Hart hat mich Deines Vaters Tod getroffen, aber noch härter träf mich das Leid, das der Sohn mir bereitet, indem er Gottes Seelen zertritt! Du wirst es mir nicht antun! Versprich es mit! And [oft dieses Versprechen das Pfand Deiner Sohnesliebe sein, auch wenn ich nicht mehr bim

Deine Mutter."

Tiefernst barg Heiner den Brief auf feiner Drus!. stützte die Ellbogen auf die Knie and vergrub das Gesicht in die Hände. Deutlich stand so das Bild der Muter vor feiner See e er sah sie, das früh gealterte Ku .merge icht auf die nie versiegende Stickarbeit gebeugt, mit der - sie ihr Brot verdiente. Sah die bescheidene Stade.1

der Steuerablchnitt ft/.Iahr oder weniger beträgt (z. B. Lurussteuer) gilt die für das Vierteljahr abzugebendc Steuere.ck.ärung als Voranmeldung. Die Steuerpflichtigen haben daher den sich aus der Steuererklärung ergebenden Eteuerbetrag spätestens am Ende des 1. Monats nach Ablauf des Steuer­abschnitts als Do rausza blusig abzuführen, es fei beim, daft fie vorher veranlagt worden und den Steuerbescheid erhalten h tbcn. Für das 1. Viertel­jahr des Kalenderjahres 1922 war somit die Amsatzsteuer spätestens Ende April d. I. zu ent­richten. Die nicht rechtzeitig eingehenden Voraus- Zahlungen werden ohne weiteres im Zwangswege Ablauf des ersten Monats nach dem Kalender- beigetrieben. Sie find außerdem für die Zeit vorn Vierteljahr mit 5 Proz. zu verzinsen, erstmalig somit vom l.Mai d. I. an. Die entsprechenden Vordrucke sind noch nicht eingetroffen und werden demnächst den Pflichtigen zugestellt. Es bleibt ihnen jedoch unbenommen, schon jetzt Vorauszah­lungen zu leisten. Wenn die am Schlüsse des Steucrabschnitts z. D. bei der allgemeinen Amsatzsteuer nach Schluft des Kalenderjahres vorgenommene Veranlagung den Gesamtbetrag der Vorauszahlungen um mehr als 20 Proz. über­steigt, demnach zu geringe Vorauszahlungen ge­leistet worden sind, wird ein Zuschlag xur Steuer in Höhe von 10 Prvz. des Anterschiedsbetrages zwischen der veranlagten und tatsächlich geschul­deten Steuer und den Vorauszahlungen erhoben, soweit dieser 20 Prozent der Vorauszahlungen übersteigt.

** Folgen der hohen Gebühren. Die Erhöhung der Telegrammgebühren hat nicht nur keine höheren Einnahmen gebracht, sondern macht auch der Post fortgesetzt Schwierigkeiten. Das Publikum spart auch im einzelnen Telegramm mit Worten viel mehr als früher. Die Zahl der eingehenden Telegramme mit ungenügender Auf­schrift ist so graft geworden, daft bei gröfteren Aemtern ernste Detriebsschwierigkeiten aufgetre- leit sind. Es wurde deshalb bekanntlich eine Ge­bühr von 4 Mk. für die Ergänzung der Auf­schriften eingeführt. Die Pvstanstalten haben aber, päpstlicher als der Papst, diese Gebühr auch erhoben, wo der Empfänger ohne viele Mühe zu ermitteln war. Das Reichspostministerium hat deshalb jetzt wieder neue einschränkende Bestim­mungen getroffen. Die Gebühr soll nur in beson­deren Einzelsällen erhoben werden. Es soll alles unterbleiben, was verkehrsseindlich wirkt. Un­nötige Härten sind zu vermeiden. Die Sonder- gebühr gilt nur für Inlandstelegramme. Für mehrere Telegramme wird sie nur einmal für den Desteilgang erhoben. Sie soll zunächst nur eingezogen werden, wenn die berussmäftige Orts­kenntnis der anwesenden Abfertigungsbeanllen oder ein einfaches Rachschlagen in den Qlbferti- gungsbehelsen nicht genügt. Sie soll nicht er­hoben werden, wenn bisher keine nennenswerte Mehrarbeit nötig war, auch nicht für Telegramme an Behörden, Handelskammern, Reichsbank, Kon­sulate, Zeitungen, Industrie- und Handels- verbände, Groftbanken, Krankenhäuser, gemein­nützige Anstalten usw.

Kreis Friedberg.

2£ Bad-Rau heim, 10. Mai. In erfolg­reicher praktischer Arbeit bemüht sich die S t i ö t - Verwaltung seit Jahren um Behebung der Wohnungsnot, die hier recht empfind­lich wirkte. Durch Reubauten und Ankauf von Häusern wurden bereits zahlreiche Wohnungen geschaffen. Sv wurde im Herbst ein Reubau voll­endet, dessen Wirtschaftsrechnung mit 265 000 Mk. von der gestrigen Stadtverordnetenversammlung genehmigt wurde. Ein weiterer Reubau kann demnächst bezogen werden. Eine umfangreiche Bautätigkeit fort noch in diesem Jahre einsetzen. Die Stadtverordneten bewilligten auch wieder gröftcre Summen für Instandsetzung von Häusern, so 203 000 Mark für ein städtisches Gebäude in der Bismarckstrafte und 104 000 Mark für Ar­beiten zur Verschönerung des Krankenhauses. Die Gebühren der Friedhofs- und Begräbnis­ordnung erhalten gegenüber dem Friedenspreis einen Zuschlag von 500 Prozent. Festgesetzt wurden folgende Preise für Wasser und Beleuchtung: Gas 4,50 Mk., elektrisches Licht ab 1. Juni 8Mk., Wasser 2,50 Mk. Angeregt wurde in der Stadtverordnetenversammlung die Einführung einer Fremdenwohnsteuer, wie man sie in anderen Städten schon erhebt.

Hessen-Nassau.

* Limburg, 10. Mai. Der Bund der Kaufmanns fugen di im D. H. V. «Kreis Rhein-La'm) veranstaltete hier feinen diesjähri­gen Kreistag Die Ortsgruppen aus dem be­setzten Gebiet waren besonders stark vertreten. Der Kreisjugendobmann F. Höfel- Limburg be­grüßte die Erschienenen und gab der Hoffnung Ausdruck, boft die wenigen Stunden den jungen Freunden aus dem besetzten Gebiet Kraft and

in der sie ihr stilles Heldentum durchgekämpst, viel länger, als Heiner zurück zu denken ver­mochte. Denn sein Vater war heimgegangen, be­vor der Sohn geboren war. And doch tannte und liebte Heiner diesen Vater, well "die Mutter frühzeitig ein strahlendes Bild von ihm tn des Sohnes Herzen au gerichtet, so aller Schönheit Doll,' taft Heiner, wenn er als Kind neben der Mutter in der Kirche kniete, meinte, nur das Bild des Herrn Jesus könnte dem des Vaters ähmlich sein.

And plötzlich wurde sich Heiner der vielen Liebes taten dewuft t, die er fein Leben Lang von der selbstlosen Frau hingenommen patt», acht­los, als verstünde es sich von selbst. Heift stieg die Dankbarteit in ihm au), ein heft ges Ver­langen, diesen aubeitserprabten Händen den Feierabend w bereiten, dieses Herz, in dem die Sorge der tägliche Gast war, frei ou1"atmen zu lassen, soweit es in feiner Kraft stand. Die Heide, dieser stille Erdenfleck dünkte ihm ge­rade der richtige Ruheort für die Mutter. Es war ihm zumut, als hätte die "Vorsehung ihn eigene zu dem Zweck hierher geführt, der Mutter ein friedliches Obdach zu bieten, sobald seine Anstellung, die einstweilen noch widerruflich war, endgültig geworden wäre Wie wollte er ar­beiten und rührig sein, dies bald zu erreichen: Er spra g mit einem Satz auf die prüfte. Ein namenloses Kraftgefühl lieft ihn die Arme uus- breiten, der Weite entgegen, die sich vor ihm ins Anbekannte verlor. In überschcumendem Zu­gendmut ft/tte er das Vorgefaßte der Zukmft entreißen und die Gegenwart damit erfüllen mö­gen. Laut und feierlich sprach er in die Hstde hinein: .Mutter, ich verspreche es dir, dich nicht

Srcitcg.lZ. Mai (922

Mut geben möchten, damit sie kdicht rr ihre Bürde trogen können Der Krei-Vorsteher Stricker- Diebrich sprach von den Leiden und Lasten der Mitglieder jenseits des Rheins, von der Treu- wacht, die trotz der Grenzen stets eins bleiben wlld mit dem groben lk u schen Vaterland. 3m weiteren Verlau, der Sa^ung fanden Wellschrei- den in Kur schri t, Wetuämp c auf -sportlichem Gebiet, Sonderst mgen von Driefmarkensamm- [ern, Rotgeldsammlern, Brieswech e bünd ern u w. statt. Rach eiiem Rundgi.g rurch di? Stadt fchloft ein Festabend .D.u.iches Schickai", drsfen 1. Tert: 3m Spiegel der Vergangenu a. die Aufführung des Theaterstückes Königin Luise" und im 2 Teil. Ars dem Dunkel tnS Licht, die .Ruttlt-Szene" aus Schiller Wtthelm Teil'brachte, die K sistagurg. Sie 5. Gau - lagenbtagung des Bundes der Ka ifmanns» jugend im D.H.D. (Gau Main-Weser) findet Pfingsten in Marburg statt.

Turnen, Sport und Spiel.

DaS Deutsche Derby auf 303 000 Mart erhöht. 3n Anbetracht der fortgeschrit­tenen Teuerung hat der Hamburger Rennkluv für das am 25. Juni zur Entscheidung gelan­gende Deutsche Derby die Getdpr.ise ganz be­deutend heraufgefeftt. Die Ge amtpreiftlumme be­trägt letzt 300 000 Mk. u.td zwar erhall davon der Sieger 225 000 RU., der Zweite 40 000 Mk.. der Dritte 20 000 Ml., der Vierte 10 000 Mk. und der Fünfte 5000 Ml. Die früheren Preise be­trugen 160 000 Mk., 25 000 Mk.. 10 000 Mk. 4000 Mk., 1000 Mk. Durch die Erhöhung deS Graften Preises von "Berlin aus 225 000 21lf. war eine Heraufsetzung der Prei e un Derby un­vermeidlich, wenn das Rennen feinen Rumen als wertvollste deutsche Zuchtp.üsU g b.holten sollte.

Das erste Entscheidungsspiel um die Berliner Fuftballmei st er­schuft, das am Mittwoch aoenb auf dem B. S. V.-Platze in Schmargendorf zwischen den beiden Abteilungsmeistern Anion-Charlottenburg und Rorden 2lordwes'. zum Austrag kam, endete mit 4:2 zugunsten des Rordvereins, der schon bei der Pause mit 3:0 führte Die zweite Be­gegnung geht am Samstag auf dem Preuften- Platze in Martendorf vor sich.

Das 1. Süddeu ts che Gaukegeln findet in den Tagen vom 10.18. Juni d. I. in Frankfurt a. M statt. Gekegelt wird nach den Regeln des Deutschen Kegler-Bundes bei beiden Du smarten. Asphalt und "Bohle. Einladungen an die einzelnen Verbände sind bereits ergangen, es ist mit dem Besuch vieler Kegler auS Holland zu rechnen. Ebenso zeigen Schweizer Verbände groftes 3ntereffc an dieser Veranstaltung, so daft auch die Teilnahme eidgenössischer Kegler er­wartet werden darf Zur Teilnahme sind berech­tigt alle dem Deutschen Kegler-Bund angeschlosse- nnen Verbände, Vereine und Einzelkegler.

Landwirtschaft.

Groft -Karben,11. Mai. Gestern fand hier die ordentliche Generalversamm­lung des hessische niDauernvere ins statt. Dr. Dauer- Darmstadt berichtete über den Rechenschaftsbericht. Aus einem kurzen Bericht über die Versicherunqsabteilung geht hervor, daft das BersicherungSkapital 6l/t Millionen Mark betrage. Der Fürst von Isenburg-Birstein sprach zum Schlüsse überwichtige TageSftagen^.

Kirche und Schule.

Reifeprüfungen für Richtschüler" und Richtschülerinnen sinden für Hessen im Herbst 1922 statt. Der mit 1,50 Mark stempel- pflichtigen Meldung, die bei dem Landesamt für bas Bildungswesen einzureichen ist, sind hinzuzu- fügen: Lebenslauf, Leumundszeugnis, Olachweis des Bildungsganges und der Dorberellung zur Prüfung, sowte die letzten Schul- und Pr-ivat- zeugnissc. Genaue Angabe der Anschrift ist nötig. Zu den Prüfungen werden in der Regel nur solche zu gelassen, die durch Geburt oder Wohnort der Eltern dem Dollsstaat Heften an­gehören oder seit mindesteits drei Jahren darin ihren ständigen Wohnsch haben oder feit min­destens drei Jahren die hessische Staatsangehörig­keit besitzen. Richthessen bedürfen für die Zu­lassung der Genehmigung der Schulverwaltung des zuständigen Landes. Bei der Meldung für die Prüfungen können Wünsche wegen Zuweisung an eine bestimmte Anstalt vorgebracht werden, die nach Möglichkeit berücksichtigt werden sollen. Bei der ebenfalls stempelpfsichtigen Meldung für eine Prüfung zur Erlangung der Reife für Prima ober Obersekunda genügt die Vorlage des Lebensganges, Leumundszeug-

zu betrüben! 3ch will ein Mann sein, start un Kämpfen, rein im Lieben, unerschütterlich im Worthaltenl" And das Bllb des Vaters trat da­bei vor ihn hin und gab dem Augenblick die letzte Weihe.

Mit einem energischen Ruck schickte sich Hetner jetzt zum Wellerwandern an. Eine Weile schlen­derte er, Derfunlen in Erinnerung und Hoffnung, achtlos dahin, doch allmählich besann er sich auf die Wirklichkeit. Wo lag nur das Dorf? Jede Himmelsrichtung bot die gleiche Möglich­keit. Orientierungspunkte gab es da nicht. Rat­los sah er sich um. Du kam ein leichter Windstoy und kämmte die Gräser der Heide, ihre gesenkten Aehrchen glänzten tote Blondhaar t n Son.ien- sicht. Heiner, einer Eingebung folgend, schlug die Richtung des Windes ein. Aber kaum war rr hundert Schritte gegangen, da blieb er stuhetzd stehen. Er hatte durch das Gestrüpp hindurch etwas blinken sehen, was sich ausnahm, tote ein blitzendes Augen paar. Anverwand: starrte es ihn an. War es ein Reh. oder ein Luchs, drr auf Beute ausging? Heiner nahm den Stock fester in die Ha id und ging braut z t.

Da schnellte ein menschliches W» en aus dem Dickicht empor und sprang in hastigen Sitzen über die Etilapolster. Katzen.geschmeidig duckte es sich hinter em Wachholdergebusch, wo es regungs­los verharrte. Wieder sah Heiner das glän­zende Augenpaar halb in Schrecken, halb in Neu­gierde auf sich gerichtet. Roch ein Schritt und er erkannte, das; es einem halberblühten Wetbc angehörte.

Wo liegt das Dorf?" rief er es an, froh, eine Auskunft zu erhalten.

(Fortsetzung folgt)