Ausgabe 
11.11.1922
 
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zu einer provisorischen Stabilisierung unternom­men werben. Die erste Stabilisierung sollte wie folgt eingeleitet werden.

" Da es vor allem erforderlich ist. daß die Geldbank, der die Leitung der Operationen ob­liegen wird, über genügende Kräfte verfügt, um allen Gegenströmungen entgegentreten zu formen, sollte der Geldbank bzw. dem Komitee: 1. der ge­samte ausländische Kredit, 2. wenigstens ein glei­cher Betrag vom Golde der Reichsbank zur Ver­fügung gestellt werden. Mit Hilfe dieser umfang­reichen flüssigen Mittel sollte die Geldbank Mark- guthaben und ckuf Mark lautende Banknoten aus- raufen, vornehmlich durch Konzentration ihrer Tätigkeit auf die ausländischen Märkte. Durch eine zweckentsprechende Aktion glauben wir allen möglicherweise eingd.iteten Gegenoperationen totrtfam entgegentreten zu können. Eine sehr we­sentliche Besserung des Markkurses dürste auf den ausänldischen Markten zu erreichen sein. Die Erreichung der Aufwärtsoewegung der Mark ist einer der Hauptzwecke, da der jüngste Sturz der Mark insbesondere auf eine Vertrauenskrises zurückzuführen ist, die nach ihrer Beseitigung rasch eine Gegenströmung nach sich ziehen kann.

Die endgültige Anpassung der Arbeitslöhne an den neuen inneren Wert der Mark wird einen mehr oder weniger längeren Zeitraum, wahrend essen sehr ernste Schwierigkeiten zu überwältigen sind, beanspruchen, und ein fühlbarer Preis- .ibbäit wird die natürliche Folge sein. Die durch die Stabilisierung herbeigeführte bessere Wirt­schaftslage wird auch der Regierung die Der- o'gung einer gesunden Wirtschaftspolitik er­leid', fern. Die zu treffenden Maßnahmen müssen unverzüglich veranlagt werden, da sonst zu be­fürchten ist, daß die Aktion zu spät kommen wird, um Aussicht auf Erfolg zu haben.

Die Umbildung der Regierung.

Berlin, 11. Rov. Den Blättern zufolge empfing der Reichskanzler gestern die Füh­rer der Koalitionsparteien sowie der Deutschen und der BÄYerischen BolkSpartei xuv Fortsetzung der Aussprachen über ein wirtschaftliches Aktionsprogramm. Hau tgegensiand der Besprechung, an der fast sämtliche Mitglieder d -V ReichSregierung teilnahmen, bildete jedoch !?:.< Frage der Regierungsumbildung. Der ReichS- tanzler machte längere Ausführungen, in denen er erklärte, dah der Reichspräsident ihn mit der Umbildung der Reichsregie­rung nunmehr beauftragt habe, Gr wolle dieses Problem sofort in Angriff nehmen und zu diesem Zweck mit den ihm geeignet er- fcij.iii.nben Männern der Wirtschaft in Berhand- fungen eintreten. Es liegt also, wie dieVoss.

und dasTageblatt" schreiben, nicht in ber Absicht des Reichskanzlers, die sogenannte prcfic Koalition mit Einschluß der Deutschen ^olispartei eventuell auch dec Bayerischen Volks­partei Lu' verwirklichen, sondern vi lmehr unter Hinzu iehung von sührenden Persönlichkeiten der Wirtschaft, die z. 2. der Deutsch m VolkSpartei nrhestehen, ein Kabinett des wirtschaftlichen Wie­deraufbaues zu bilden.

DieVoss. Ztg." berichtet, der Reichskanzler habe zum Ausdruck gebracht, dah zur Zeit nur zwei Sitze im Reichskabinett frei seien, das Außenministerium und das Ministerium des Wie­deraufbaues und dah das Kabinett eventuell noch durch einen Minister ohne Portefeuille erweitert werden könne. Den Blättern zufolge soll für den Posten des Außenministers den Generaldirektor der Hamburg-Amerika-Linie, Geheimrat Cuno, in Lfussicht genommen sein.

Die Abreise

1 der Reparationskommifsion.

T Berlin, 10. Rov. (Priv.-Telegr.) Die Delegierten der ReparationSkommis- ion sind heute mittag nach Paris <*b» gereist.

Der Ausschutz

für auswärtige Angelegenheiten.

Berlin, 10. Rov. (Wolff.) Der AeichStagS-AuSschuftfür auswär­tige Angelegenheiten trat heute vor­mittag unter dem Borsitze des Abgeordneten Dr. Stresemann zu einer Sitzung zusam­men. Er beschäftigte sich mit der Lage, wie sie sich durch die Verhandlungen mit der Reparationskommission und die Anhörung des internationalen Sachverständigenausschusses gestaltet hat. Re i ch s kanzle r Dr. Wirth legte in einer einführenden Rede die Stellung­nahme Ler Regierung dar. An der weiteren Aussprache beteiligten sich die Abgeordneten v. LerSner (D. B.), Graf Westarp (Dn.), Dr. Dernburg (Dem.), Hermann Müller (Soz.) und Dr. Spahn (Zentt.). Beschlüsse wurden nicht gefaßt.

Gießener Stabtttyeater.

Wallensteins Lager und Die Piccolomini. Bon Friedrich v. Schiller.

Gießen, den 11. November 1922.

Solange Schillers Geburtstag noch immer ein Gedenktag bleibt, an dem sich eine Gemeinde begeisterter Verehrer ^tes hochfinnigen Dich'ers zur Feier vereinigt, kann auch der Sinn für wahr­haft Edles und Schönes nicht in unserem Volke erstorben fein. Freilich, dieser Freundeskreis ist enger und enger geworden. CS wird in literarisch interessierten Kreisen vielfach zum guten Ton gerechnet, mit der glühendste Verehrung für Goethe eine völlige Rich.achtung Schillers zu verbinden. Richt die weltüberstrahlende Bedeu­tung Goethes, um den uns alle Kulturvölker be­neiden, ist Schiller zuzusprechen. Sein Idealismus ift etwas so spezifisch Deutsches, dah er nur im Vaterlands volles Verständnis finden konnte und, so ist zu hoffen, immer finden wird. Sollte man einst sagen müssen: Schiller gehört ausschliehlich der Vergangenheit an, so wäre die Zeit zu be° uagen, ter er nichts mehr sein kann, nicht der ^erdings ist schon heute sestzu- stellen: Die Gegenwart denkt und fühlt realistischer ate jene 3eit too ber Klassizismus in seiner Dlute fl<mb ^Damitbixmch nicht das Verständ­nis für Schillers Schöpfungen unterbunden zu L"'"«^?re Wirksamkeit auf eine breitete Masse droht beeinträchtigt zu toerben

Dieser Gefahr, ter heutigen Geschmacksrichtung nicht ganz zu entsprechen, ist von allen Dramen Schellers berWallenst e^n" am wenigsten ausgesetzt. Besonders die beiden ersten Teile der Trllogie zeigen daS Leben in seiner rauhsten Wirk­lichkeit. In imposanten Gemälden zieht die Tragö- die eines Feldherrngenies an uns vorübe RM den Fähigkeiten eines Rapoleon ausgerüstet, ist

Barthou über das Ergebnis.

Paris, 10. Rov. Die Agentur Havas ver­öffentlicht folgende Aeuherungen, die Barthou ihrem Berliner Vertreter gegenüber gemacht hat: Heber die Lage haben wir vieles erfahren, was uns sonst unbekannt geblieben wäre. Indessen haben unsere Bemühungen es nicht dahin ge­bracht, dah wir die Vorschläge erhielten, die wir mit Recht erwarten durften. 3n Deutschland ist die Flucht vor ber Verantwortung nicht weniger groß als die Kapitalflucht. Die Roten der deutschen Regierung über die Stabili­sierung ber Mark gleichen nu rsehr entfernt dem genauen Plane, den sie uns versprochen hatte. Ich weih, dah ein Gläubiger seinen Schuldner nicht ruinieren darf, aber ich weih auch, dah ein Gläubiger sich nicht zum Vorteil seines Schuldners ruinieren soll. Riemand kann von Frankreich er­warten, dah es Mähigung bis zur Aufopferung treibt.

Poinear^s Erwiderungen in der französische» Kammer,

Paris, 10. Rov. (WTB.) In der Kammer sagte heute bei ber Interpellationsdebatte über die allgemeine Politik der Regierung Minister­präsident P o i n c a r £, er vertrete den Stand­punkt, dah eine große Anzahl von Abgeordneten in der Kammer den Wunsch habe, das Ministerium zu stürzen. Er sei aber überzeugt, dah in ber Kam­mer eine ungeheure Mehrheit von guten Bürgern fei, die den republikanischen Einrichtungen treu bliebe. Poincare spricht alsdann von ber Aufgabe, bte in Lausanne erfüllt werden müsse. Frank­reich wolle in engster Fühlungnahme mit seinen Alliierten Vorgehen, aber das bedeute nicht, dah es seine Politik einer anderen Politik unterordnen werde. Er fei glücklich, daß Lord Curzon an ber Spitze des Fvreign Office geblieben sei, im Ministerium Donar Law, der zu allen Zeiten ein aufrichtiger Freund Frankreichs gewesen fei. Frankreich werde keine Initiative verfolgen, um eine so kostbare Entente zu schwächen, die nicht nur für Frankreich, sondern auch für Europa und die gesamte Menschheit erforderlich sei.

Poincare will sich in der nächsten Sitzung am Freitag über die Repar a t io ns f rage aussprechen.

Drockdorff - Rantzau über seine Mission in Rußland.

Moskau, 11. Rovbr. (WTD.) In einer Unterredung mit dem Vertreter der russischen TelegraphLnag ntur äußerte der neue deutsche Botschafter in Moskau Graf Brock» dorfs-Rantzau seine grobe Befriedigung über den ihm von Tschitscherin und Kalinin bereiteten Empfang. Die jetzigen Letter des Staatswesens der ^owjetrepublu seien gerade Leute, deren Ruhland am meisten bedürfe. Seine Mission bestehe in der Schaffung einer Atmosphäre größten Vertrauens und größter Herzlichkeit zwischen den beiden Völkern. AuS feinen Begegnungen mit den Vertretern ber Sowjetmacht, aus dem Eindruck, den er von der Feier beS Gedenktages der Oktolerrevv:ution. den Volksdemonstralionen und der Parade der Roten Armee ge­wonnen habe, sei ec z über Lieberzeugung gelangt, daß die Sowjetrepublik unerschütterlich sei und daß dem russischen Volke eine große Zukunft b e v o r st e h e. Deutschland sei gegen­wärtig geschwächt und könnte Rußland keine ma­terielle Hilfe leisten. Er werde aber alle Mittel ergreifen, um die technische Hilfe zu verstärken und das wirtschaftliche Band zwischen den beiden Staaten zu befestigen. Der in Vor­bereitung befindliche deutsch-russische Handclz- vertrag werde die gegenseitigen Beziehungen ber beiden Länder fest umreiben und ihre wirtschaft­liche Verbindung erleichtern. Drockdorss-Rantzau hob schließlich noch hervor, dah ec 3 Jahre lang dem diplomatischen Dien ftfemgcultejen sei, daß er seine Einwilligung nur zur Uevernahme deS Boischasterpostens in Moskau gegeben habe und daß er entschlossen sei, in Rußland zu bleiben und alle Möglichkeiten zur Annäherung der beiden Länder auszunützen.

Eine Aentzerung Bonar Laws

London, 10. Rov. (Wolff.) Donar Law erschien gestern abend wegen Erkältung erst nach Beendigung des Banketts in der Guildhall. In seiner Rede bezeichnete er die Ansicht, dah Eng­land seine eigennützigen Interessen in der Repa- rativnsfrage milde gegenüber Deutsch­land gestimmt hätten, weil es mehr als andere Rationen vvnt Außenhandel abhängig und daher die Wiederherstellung Deutschlands und dis Wie­derherstellung des englischen Handels mit Deutsch- land ein eigennütziger Vorteil für das britische

Wallenstem vom Glück weniger begünstigt als dteser. Ungleich rascher lassen ihn Selbstüber­hebung und Ehrgeiz in das Verderben rennen. Nicht Schicksalsfügungen führen feinen Untergang herbei äußerlich betrachtet bleibt noch immer die Möglichkeit für ihn offen, sich in ein beschau­liches Leben in der Stille zurückzuziehen, son­dern fein Charakter läßt ihn nicht von bem ver­hängnisvollen Wege abweichen: er muß feinen hochfliegenden Plltesn folgen. Diese innerliche Rot- toenbigielt hat schiller tm dramatischen Aufbau seiner Trilogie meisterhaft durchgeführt. Die un­geheure Macht des Feldherrn zeigt sich in Wallensteins Lager". Söldner aus allen Ländern Europas werden durch die Persönlichkeit des Feldherrn, den sie mit schwärmerischer Ver­ehrung lieben, geeint zu dem furchtbarsten Heere der damaligen Zeit. Wallenstein weiß, dah er in ihnen ein blindlings gehorchendes Werkzeug sei­nes Wittens besitzt. Wie die Soldaten, so schwören deren Führer aus ihren General. Das offenbart sich in denPiccolomini". Muh diese Er- tenntntS nicht einen Charakter wie Wallenstein zu den verwegensten Plänen verleiten? Kann sich dieser Mann beiseite schieben lassen, weil man seine Macht fürchtet? Rem, er wird auf den Weg des Verhängnisses gedrängt, um seine Ziele zu er­reichen. Und feine Absichten sind an sich nicht un­edel, aber sie werden durch selbstsüchtige Motive und die Art der Verwirklichung getrübt. Wallen­stein begeht einen Verstoß gegen das sittliche Recht durch den Verrat an dem Kaiser, so sehr dteser Schritt auch durch die Umstände erklärt wirb. Rach Schlllerschcr Auffassung muh die sittliche Ordnung triumphieren. Ihr Werkzeug ist Ottavio. Am Ende derPiccolomini" ist bereits das Schicksal Wallen- I flehte entschieden Mit dem vollzogenen 4?.trat bleibt nur noch die Möglichkeit ei,res tragischen I Ausgangs bestehen. Es war eine große Auf­

Reich sei, als völligen Irrtum. Es fei voll­kommen wahr, dah es int Interesse der ganzen Welt liege, dah sich Zentraleuropa erhole. Deutschland sei jedoch, obwohl ein großer Lite nehmer, auch ein großer Rivale Englands. Es fei vollkommen sicher, daß, fowett materielle Interessen in Betracht kämen, die Erholung Deutschlands von diesem Standpuntt aus min­destens ebenso nützlich für Frankreich wie Eng. land sei.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 11. Rovember 1922.

Die Teuerungszahlen in Hessen.

Die Teuerungszahlen sind berechnet auf Grund der Preisevom2 5. Oktober 192 2, für den Vormonat (in Klammern beigefügt) vom 23. Sep­tember 1922. Mainz 22 582 (11 269); Darmstadt 21119 (11 161), einschl. Bekleidung 28 843 (15 786); Offenbach 22 648 (11 556); Worms 21 872 (11 030), einschl. Bekleidung 29 789 (16 313); Gießen 20 903 (11 161), einschl. Bekleidung 27 521 (15 170); Durchschnitt der fünf größten Städte 21 845 (11 235), einschl. 'Bekleidung 29 266 (15 874); Reu-Isenburg 19 501 (11 449); Fried: er g 21 763 (10 843); Öampertl.eim 23 884 (11 105); Bad- Rauheinl 22 435 (11 711); Viernheim 18 9-0 (10 767); Bensheim 23 089 (11055); Bingen 18440 (11168); Alzey 18 941 (10 4C2); Rüsselsheim 21487 (11187); Heppenheim 17 484 (10769); Dieburg 19 834 (11 729); Groß-Gerau 21519 (11551); Als­feld 17 806 (10498); Butzbach 19 581 (11 461); Öaucerbad) 17 549 (10 792); Oppenheim 22117 (11107); Büdingen 16 458 (10 341): Erbach 24 643 11 076): Schotten 22279 (10 278); Durchschnitt der 24 Gemeinden ausschl. Bekleidung 20 580 (11061), einschl. Bekleidung 28 001 (15 700). Die Teuerung ausschl. Bekleidung ist vom September auf Oktober um 83 Prozent und einschl. Bekleidung um 78 Prozent gestiegen.

Die Kartosselversorgung unserer Stadt.

Wie uns von zuständiger Seite geschrie­ben wird, hatN: Kartoffelversorgung nach zeitweisem Stocken sich in den letzten Wochen günstig entwickelt. Es dürften nur noch wenige Familien vorhanden fein, deren Kartoffel-Lieferant noch säumig ist. Bedenken, daß nicht genügen!) Kartoffeln zur Versorgung zur Verfügung stünden, sind für die Stadt Gießen nicht begründet. Die allgemein um 23 Wochen verspätete Ernte und- das ungünstige Wetter haben das Ausmachen der Kartoffeln länger als in sonstigen Jahren bin- ausgezogen. Die noch vorzunehmende Bestel­lung oer Felder hat die Kartoffelanfuhr bei den Verbrauchern In der Stadt verzögert. Kartoffelgroß- und -kleinhandel haben sich die Versorgung der Bevölkerung angelegen fein lassen. S6 sind genügend Kartoffeln vorhan­den, um allen Lmforderungen zu entsprechen.

Doruotizeu.

Tageskalender für Samstag. Stadttheater, 3'/- Ute: »Frau Holle". Astoria- Lichtspiele, heute und morgen: Eddie Polo und Fatty. Lichtsvielhaus, Bahnhofstraße, heute und morgen:Der Gras von Monte Christo", 5. Teil:Schuld und Sühne" und»Wunterdogge Drownie".

TageSkalender für Sonntag. Stadttheater, 3lA Uhr:Schwarzwalbmädel , 7 Uhr:Im weiften Röhl". Saal der Palast- Lichtspiele, 11 Uhr: Morgenfeier der Gießener Waldbühne. Reue Aula, 3 Vs und 7*/? Uhr: Melodramen-Abrnd der Vortrag Z Vereinigung. Mälzer Hof, 9V2 Uhr vorm.: Mechanikerversamm- iung.

Aus dem Stadttheater- Dur e 2 u. Für den Konzert - und Vor­tragsabend, den die Genossenschaft Deut­scher Bühnen-Angehörigen, Ortsgruppe Gir- ßen, unter Mitwirkung des Deutschen Musiker- verbanteS, Ortsgruppe Gießen, am kommen­den Montag veranstaltet und dessen Dcsamt- erttag zum Besten des Hilfswerkes für Klein­rentner und verschämte Arme Gießens ver­wendet wird, haben erste Kräfte und ein aus 50 Musikern bestehendes Orchester ihre Mit­wirkung zugesagt.

Wettervoraussage

für Sonntag:

Wolkig, zeitweise Regen, kühl.

Em flacher Tiefausläufer eines über Island gelegenen Minimums ruft in Frankreich und an gäbe, die sich die. Spaltung unseres Stadtthea- terS mit ber Aufführung ber Wallen- stein-Drllogie gestellt hatte. Die Wiedergabe der beiden ersten Teile am gestrigen Abend wurde zu einer künstlerischen Tat ersten Ranges, die unser Ensemble aus der Höhe seines Könnens zeigte. Hofrat Steingoetter ließ InWal­lensteins Lager" ein farbenfrohes, bewegtes Bild von dem Lagerleben der Soldateska im 30jäh- rigen Kriege erstehen. Die bunte Menge der Gestalten wurde mit feinem Verständnis dirigiert, so dah unschöne Zusammenballungen vermieden wurden. Unter der großen Schar der Darsteller sind besonders zu erwähnen Karl Volck (Wachtmeister) als echter kerniger Haudegen, fer­ner Paul Schubert (Trompeter), Oskar F e i g e l (1. Holkscher Reiter) und Georg He - blng (Kürassier). Der Arkebussier Martin Jacobs lehnte sich in ber Maske zu sehr an die SvottbezelchnungGevatter Schneider" an, Adolf Teleky illustrierte die bejammerns­werte Lage des Bauernstandes während des Krie­ges sehr treffend. Als Kapuziner war Rudolf Goll am rechten Platze. Das Gleiche läßt sich im großen und ganzen auch von den obigen Dar­stellern sagen. Die Regie derPic­colomini" wurde von Adolf T e» lekh ebenfalls mit bestem Erfolge be­treut. Die Inszenierung aller Akte verdient uneingeschränkte Anerkennung. Vor allem die Bankettszene und die Zwiesprache der beiden Piccolomini erzielten durch die äußeren Rahmen die höchste Steigerung ihrer Wirksamkeit. Der Charakter des Ottavio Piccolomini wurde durch Adolf T e l e k y ins hellste Licht gerückt. Die Absicht deS Dichters, diesen Mann au8 Pflicht- bewuhtsem handeln zu lassen, wurde voll und ganz verwirklicht. Paul Schubert konnte man äußerlich wohl als Wallenstein gelten lassen,

der holländischen Küste bereits Regenfälle hervpr und wird wohl morgen seinen Einfluß auch bei unS geltenb machen.

L.U. Don der La nde S un iver sität. Die philosophische Fakultät unserer Landesuni­versität hat den Geheimen Staatsrat a. D. Lub- toig Wilhelm Wilbranb in Darmstabt, den langjährigen, verdienstvollen Leiter ber Ab­teilung für Forst- und Kameralverwaltung ür hessischen Finanzministerium, den kraftvollen Or­ganisator, den erfolgreichen Schriftsteller, den fein­sinnigen Pfleger ber Walbesschönhett", ehren­halber zum Doktor ber Philosophie ernannt. (Die Ernennung erfolgte am 9. Rov. anläßlich bes 80. Geburtstages Wilbranbs. 5>ct Gefeierte würbe im Jahre 1842 als Sohn dep Universitätsprofessors Wilbrand in Gießen ge­boren, studierte hier Forstwissenschaft und trat, nachdem er zehn Jahre lang der Oberförjterei Viernheim vor gestanden hatte, im Herbst 1880 als Vortragender Rat in die Ministerial-Forst­abteilung ein. Im Jahre 1897 wurde er deren Vorsitzender. Als er währenb des Krieges um feine Entlassung eingekommen war^rsucht? ihr. der Großherzog, dem Staate seine schätzenswerte Kraft in ber schweren Kriegszeit zu erhalten, und sv schieb er erst am 1. April 1919 aus bem Dienst.

** Amtliche Personalnachrichten. Ernannt würben: am 3. Rovember ber Regre rungsbaumeister Hermann Dönges zu Darnv stabt zum Stubienrat bei ber ßanbedbaugetoert schule zu Darmstadt mit Wirkung vorn 1. April 1922 an; der Regierungsbauführer des Hoch baufachs Alfred Sommer aus Stegen In West faten zum Regierungsbaumeister; der Schul­amtsanwärter Joseph Kranz aus RuhMrchen mit Wirkung vom 1. April 1922 zum Reallehrer an der Blindenanstalt in Friedberg; am 4. Ro­vember der Landwirtschaftsassessor Wilhelm Grimm zu Groß-Umstadt mit Wirkung vom 1. Rovember 1922 an zum Landwirtschaftsrat an der Landwirtschaftlichen Schule zu Groh-Umstabt; der Diener Heinrich Staubach zu Gießen mit Wirkung vom 1. April 1922 ab zum Amts- gehilsen an ber Landesuniversität Gießen; bte Pauline Böhm in Alzey mit Wirkung vom 1. April 1922 ab zur Küchen Haushälterin am Lehrerseminar in Alzey; am 6. Rovember ber Revisionsgehllfe Johannes Stapf au 8 Rauheim bei Groß-Gerau zum Oberrevisor bei der zweiten Abteilung des Revisionsamtes der Oberrech- nungfcfammer mit Wirkung vom 1. April 1922 an; ber Regierungsassessor Dr. Alfred Wolff aus Dannstabt zu.n Kreisamtmann mit der Amts­bezeichnung Regierungsrat mit Wirkung vom 1. Oktober 1922 an; der ehemalige Lehrer Jakob Dohauer zu Büdesheim zum Ltehrer an der BolkZschute zu Bubesheim, Kreis Bingen; die Schulamtsanwärterin Lucie Erbe aus Calv zur Lehrerin an ber Volksschule zu Laubach, Kr. Schotten; am Z. Rovember der Zollvberwacht- meister Konrad Wenzel zu Gießen zum Zollbetriebsassistenten; der Kriminalkommissar Wilhelm D e r z zu Darmstadt zum Steuerinspektor beim Landesfinanzamt.

** Kleinrentnerfürsorge. Das im 1. Stock der WirtschaftZum Haberkasten" eingerichtete Zimmer für Kleinrentner bietet diesen einen in Jeter Beziehung angenehmen Aufenthalt. Den Besuchern ist Gelegenheit geboten, Handarbeiten, Stricken und Wäsche reparaturen zu besorgen, Schreibarbeiten $!' erledigen, oder sich mit Lesen zu beschäftigen Es ist zu wünschen, daß die Kleinrentner von ter Einrichtung ausgiebig Gebrauch machen, damit sie erhalten bleibt. Vielleicht finden sich noch Wohltäter, die die Sache durch (Stiftung von Büchern, Zeitschriften oder sonstige Spen­den unterstützen. Der Raum ist täglich (auch Sonntags) von nachmittags 3 9 Uhr geöffnet.

** Verschiedene Zahlungster­mine für Abgaben bei der Stadtka^se wer­den im heutigen Anzeigenteil bekanntgegeben.

** Oberhefs ischer Kunstverein. Die Wander-Ausstellung der hessischen Ar­beitsgemeinschaft für bildende Kunst kann nur noch 8 Tage, einschl. zweier Sonntage, hier verbleiben. Der Ausstellung, die von 111 Uhr geöffnet ist, wurden noch einige Arbeiten von H. G e i l f u S neu eingereiht.

"Das Fest der silbernen Hochzeit feierten gestern Herr Ludwig Klein und Fran Luise geb. Schuchardt, Hierselbst.

Heutiger Stand des Dollars

10 Uhr vormittags:

Berlin 8625, Frankfurt 83008400.

seinem Auftreten fehlte aber bte Überzeugungs­kraft, daß uns hier ein ungewöhnlicher, geistig überragender Mensch entgegentritt. Vielleicht wäre es glücklicher gewesen, die Rollen Paul Schuberts und Adolf Teletys miteinander zu vertauschen. Die übrigen Rollen erwiesen sich als trefflich besetzt. Max Piccolomini (Hans S ro m mann) wurde zu ber Lieblingsgestalt des Dichters mit ihrem ungetrübten Idealismus unter den übrigen realistischen Personen. Auch die innerlich gleich gerichtete Thekla wurde von Karla Keller mit bestem Erfolge dargestellt. Graf und Gräfin Terzky (Georg Heding und K i 11 v F r a nie) erschienen ganz als die fanatischen unb unseligen Ratgeber des Feldherm. Die Generale Wallen­steins wurden sehr fein individualisiert. Als solche sind hervorzuhebeii Oskar Feige! (Itto), R u b o I f ® o [ l (Ofolani), KarlIuhnkc (Buttler) und Heinz Bechstein (Tiefenbach). Des letzteren Trunkenheit in der Bankettszene war etwas stark aufgetragen. Karl Volcks Kviegsrat von Questenberg war eine bis inS kleinste herausgearbeitete Höflingsfigur. Aiigliste Mar ck s hatte sich in der Seele ber unheilahnenden Herzogin von Friedland mit ganzer Innigkeit eingelebt. Einen prächtig gelungenen Kellermeister stellte Richard Hellborn dar. P au l M e h- n e r t lief Gefahr, den Astroiwmen Seni als komische Figur erscheinen zu lassen. Die übrigen Rebenpersonen fügten sich bem Gesamtrahmen passend ein.

Das dicht besetzte Haus erwies ber vortreff­lichen Aufführung die verdiente Würdigung Der Beifall schwoll mehrfach zu ungewöhnlicher Stärke an. Leiter tourte eine der schönsten Szenen durch daS Aufbrechen ter auswärtigen Besucher emp­findlich gestört. Liehe sich dem nicht vielleicht in Zukunft durch früheren (Beginn Vorbeugen? tr.