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Nr. 213

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172. zahrgang

Montag, ii. September 1922

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhesfen

vrvck tmb Verlag- vrLHI'sche Univ.-Vuch- «nd Steinöruderei R. Lange. Schriftleitung, Sefchästsstelle und Druckerei: Schulftratze 7.

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brauche sie nicht zu nennen,

gelöst sind, das Gleichgewicht

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Wirth eine Aebenregierung auf den Hals zu Hetzen, die sie zwingen werde,Die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen". Wir brauchen wohl nicht anzudeuten, worauf dieses rein kommu­nistische Manöver hinausläuft. Wir wollen viel­mehr, wie vorhin aus derGegenversammlung", ein bedeutsames Eingeständnis herausziehen. Der

Der Streit um die Teuerung.

Sin volkswirtschaftlicher Mitarbeiter schreibt Ans:

Die Berliner Bäckermeister verlangen vom heutigen Montag ab für ein markenfreies Brot die Summe von 80 Mk., für ein Weihes Brötchen

hat der Völlerbund die Mög- hat sie noch, grobe Werke zu

Heutiger Stand des Dollars

10 Uhr vormittags: Berlin 1600, Frankfurt a. M. 1580.

in einigen Fragen lichkeit gehabt und ... ~

vollbringen; so tn der österreichischen Frage. Wenn wir hier Erfolg haben, wird

Die DölKerbundsversammlung.

Phrasen des belgischen Vertreters.

Genf, 9. Sept. (Wolff.) Die heutige Sitzung brachte eine grobe Rede des belgi­schen Vertreters und Ratsmitgliedes HY- man 8 über die allgemeine Frage der Dölker- bundspolitik und ihre Einstellung auf die gegen­wärtigen Probleme. Zunächst rühmte er, wie fast alle Redner in dieser Versammlung, die hervor­ragende und gerechte Lösung der oberschlesi­schen Frage durch den Völlerbundsvat und führte auch als Beispiel für die segensreiche Wir­kung des Rates seine Entscheidungen in den häu­figen und angesichts der Sachlage unvermeid­baren Streitfällen zwischen Danzig und Polen an, die er als die b e st e n Kunden des Völkerbundes (!) bezeichnete. Bei dieser Gelegenheit sprach er dem Völkerbunde selbst für seine Mithilfe bei der Lösung all dieser Probleme Anerkennung und Dank aus. Hierauf ging Hymans auf den eigentlichen Zweck seiner Rede ei.t und wies die Tendenz zurück, die vom

Vorläufige Unterbrechung der Verhandlungen mit Belgien.

Berlin, 9. Sept. (WTB.) Die Be­sprechungen mit den Vertretern Der belgischen Regierung in der Krage der Schatzwechsel ist heute zu

Berichterstatter des kommunistischen Abends wies | xiuf das Experiment von Groh-Hamborn hin, wo durch die Bildung eines Kontrollausschusses die Herabsetzung der Lebensmittelpreise um 40 und der Textilwarenpreise um 20 Prozent errungen worden sei. Allerdings, so muhte der Redner kleinlaut hinzufügen, habe der Kontrollausschuh feine Maßnahmen wieder aufheben müssen, weil Hamborn infolge dieses Vorgehens de" Betriebs- -räte nicht mehr mtt Lebensmitteln und Waren beliefert wurde.... Sehr einfach und leicht zu erklären- Die Läger der Kaufleute wurden durch den bolschewistischen Trick zwar schnell geräumt, aber die Wiederanschaffung neuer Waren ist un­möglich geworden, weil nicht genug Geld zum Reueinkauf einging. Hier steckt das ganze Ge­heimnis. Hier entwickelt sich das Problem: Ist der Verkauf einer Ware zu den Wiederteschas- fungskosten als W u ch e r anzusehen? Der Haupt- ausschuh bei der Preisprüfungsstelle Berlm hat kürzlich mit zwei Stimmen Mehrheit beschlossen, diese Frage zu verneinen. Der Magistratsver­treter hat den Beschluß beanstandet, weil er un Widerspruch steht mit den Anweisungen des Reichswirtschastsministeriums und mit ter Recht­sprechung des Reichsgerichts. (Letzter^ gestatLet nur einen Zuschlag, der dem Steigen der Index­ziffer entspricht.) In dieser Woche beginnt der große Feldzug der Preisprüfungsstellen gegen die neue Teuerung. Wenn dabei endlich emmctt fest- gestellt werden könnte, wo der Wucher steckt und was wirklich unvermeidliche Währungsfvlge ist, wäre man schon einen Schritt weiter.

4 Mk. Begründet wird diese neueste Steigerung mit der Erhöhung der Gesellenlöhne von 2000 auf 3000 Mk. wöchentlich, sowie mit den Kohlen­preisen. Das Backen des früheren 50-Pfennig- brotes erfordere heute schon allein 4 Mk. an Kohlen und 5 Mk. an Lohn. So die Bäcker. Wendet man em, daß bei einem Drotpreis von 80 Mk. also 71 Mark auf Mehl und Däckerver- bienst entfallen, eine überraschend groß erschei­nende Summe, so lautet die Antwort: Denken sie doch an den Dollar! Run, der Dollar ist um nahezu ein Drittel seiner letzten Chimbo- rassohöhe gesunken, ohne daß man auf dem Rah- rungsmittelmarkt auch nur die kleinste finan­zielle Erleichterung verspürt hätte. Irn Gegen­teil, die Preise steigen nicht mehr von Tag zu Tag, sondern von Stunde zu Stunde. Butter, Zucker, Fleisch, alles klettert und bleibt nicht stehen, geschweige denn, dah es mit dem Dollcn- wieder etwas zurückginge. Um das Publikum mit diesem Zwiespalt auszusöhnen, veranstaltete am Freitag voriger Woche der Verband deutscher Großhändler der Rahrungsmittel- und ver­wandten Branchen zusammen mit den Kleinhan­delsorganisationen einen Informationsabend für die Berliner Presse. Dabei erfuhr man merk- z. D.» der von Butter

sich aber nicht den Ernst der Lage. Es scheine kaum Hoffnung darauf zu bestehen, dah die Deut­schen neue Vorschläge unterbreiten werden. Bevor weiteres gesagt werden könne, müsse zunächst der Deschluh des belgischen Kabinetts abgewartet werden.

England und der Stinnes-Vertrag.

London, 9. Sept. (Wolff.)Morning Post" berichtet, dah nach «den Umfragen in der Cityes den Anschein habe, dah die britischen Industriellen keinen starken Verlust in ihren Handelsgeschäften für den Fall erwarten, dah der französische Vertrag mit Stin- n e s wegen der Lieferung von Material zum Wiederaufbau der zerstörten Gebiete Frank­reichs durchgeführt wird. Die englischen In­dustriellen hätten niemals viel Gelegenheit ge­habt, sich mit dieser Frage zu beschäftigen. Es sei ein interessanter Punkt, dah die deutschen Firmen es schwierig gefunden hätten, alle bei ihnen vom Auslande gemachten Bestellungen auszuführen. In manchen Fällen seien diese Bestellungen ausländischer Firmen von den deutschen Fabriken aufgehoben worden. Wenn eine weitere Belastung der deutschen Fabriken eintrete durch die Rotwendigkeit, für die ver­wüsteten Gebiete zu produzieren, so werde ihre Fähigkeit, ihre vorhandenen Auslandsverträge durchzuführen, weiter vermindert. Daraus müsse sich eine Gelegenheit für britische Fir­men ergeben, einige Teile des Weltmark- t e S wieder zurückzugewinnen, auf denen Deutschland augenblicklich besonders erfolg­reich sei. Dagegen erkennen die britischen In­dustriellen an, dah das Verlangen nach deut­schen Waren in Frankreich die Stellung Deutschlands dort stärken und es den Deutschen ermöglichen werde, in Rvrdfrankreich Ge­schäftsverbindungen zu erlangen, aus denen sie wieder zu verdrängen sehr schwierig, wenn nicht unmöglich sein werde.

sicher glänzende Geschäfte macht, gab zu, dah die deutsche Duttererzeugung für die Sättigung des deutschen Marktes ausreiche. Also steigt der Preis nicht infolge des Mangels an Ware? Die Höhe des Dutterpreises, so sagte der Herr, erkläre sich zum Teil aus der Aotwendigkett des Bezuges von ausländischen Futtermitteln, und er plauderte auch ein wenig aus der Schule, indem er über die Butterauktionen klagte. Diese seien überaus preistteibend und schädlich. Als der Reichswirtschaftsminister Schmidt sich einmal eine Butterauktivn ansah, seien die Preise absichtlich (!) nicht übersteigert worden und des­halb habe der Minister nichts gegen die Auktionen getan. Und nun kommt das schönste: Die Butter- Preise, so verkündete dieser König im Reiche des Fettes, werden weiter steigen und ein groher Teil der Devöllerung könne die Preise auch tragen!!

Diese Zuversicht in die Geduld der Ver­braucher rief auch in den Reihen desgesättigten" Rahrungsmittelgrohhandels ein Schütteln des Kopfes hervor. Denn unter dem stolzen Dau der jetzigen Lebensmittelpreise vernimmt man deutlich das Grollen vulkanischer Mächte, die die allgemeine Ratlosigkeit und teilweise Verzweif­lung zu einer politischen Explosion treiben möchten.

Smyrna von den Türken besetzt.

Paris, 9. Sept." (Wolff.) Havas. Die Türken besetzten Smyrna.

Paris, 10. Sept. (WTB.) Die Agentur Havas berichtet Über die Einnahme Smyrnas, daß die in der Stadt befindliche griechische Armee von den Türken gefangen genommen worden sei. Auch sei es den Grie­chen nicht gelungen, das in Smyrna -angehäuste Kriegsmaterial zu retten.

der Friede und der Völlerbund gesichert sein. Was den griechisch-türkischen Krieg betrifft, so ist der Augenblick gekommen, toieter an die Frage zu denken, die in der ersten! Völkerbundsversammlung so viel bewegte Reden hervorrief, nämlich das Schicksal des unglück­lichen armenischen Volkes. Der Döller- bund steht den Mächten für die Organisation einer armenischen Heimstätte weiter zur Ver­fügung. Die Mächte, die demnächst dn die Festi­gung des Friedens im Orient herantreten wer­den, mögen dabei des Schicksals Armeniens und seiner Forderungen gedenken. Am Schlüsse seiner Rede betonte Hymans die Rotwendigkeit für den Völkerbund, in allen Ländern moral i s ch e Er­oberungen zu machen. Aus dem Kriege sei eine tiefe Mißstimmung zurückgeblieben, die» zu einer Wirtschaftskrise verstärkt, zu einer mo­ralischen Krise geführt habe.. Die lleberwindung dieser moralischen Krise sei eine erste Aufgabe für den Völlerbund.

Eine Rede Hanantanx.

Genf, 9. Sept. (WTB.) In bey heutigen Sitzung der Volkerbundsversammlung, in der Hy- mans-Delgien, Streit-Griechenland, Loudon-Hol­land, "Askenash-Polen und Rmtschitsch-Iugo- slawien längere Reden zum Ratsbericht hielten, schloß sich I ler französische Delegierte Hanau- tau? in längeren, beifällig aufgenommenen Aus­führungen den Erklärungen Balfours über die Saarfrage an und sagte der Regierungskommission die Unterstützung des Döllerbundes zu. Im wei­teren Denauf seiner Ausführungen erinnerte er nut deutlichen Anspielungen auf die von den Vor­rednern berührte Frage der Erweiteruim des Völkerbundes durch Eintritt der ihm noch nicht angehörenden Staaten an die Aufnahmebedingun­gen des Paktes und erklärte, daß der Völker­bund sich aus denen zufammensetze, die ent­schlossen sind, ihre internationalen Verpflich­tungen zu erfüllen und diesen Eid tn der festen Absicht schwören, ihn zu halten.

Die VöllerbundsVersammlung schloß Heute die Generaldebatte übgr den Bericht des Völkerbundsrütes und genehmigte, dah die Anträge, die in der Debatte eingebracht worden waren, auf die Tagesordnung gesetzt und den einschlägigen Kommissionen der Versamm­lung zur Beratung überwiesen werden. Es han­delt sich dabei um zwei Anträge zur Minder­heitenfrage von Murray-Südafrika und weiter Lettland, um einen Antrag zur Bekämpfung der Sklaverei in Afrika von Steel-Maitland, ferner um einen Antrag Ransens, der die ilebertoeifang der Mandats frage an eine Kommission fordert, und außerdem um einen Antrag des Delegier­ten von Haiti, Bellegard. der eine Untersuchung der jüngsten Vorgänge tn dem früheren Deulsch- Südwest-Afrika verlangt. Außerdem ging im Laufe der Sitzung ein Resolutionsentwurf der chinefifchen Delegierten ein, über dessen Auf­nahme in die Tagesordnung noch entschieden werden soll, und der die Kommission für Pakt­änderungen aufforteit, die Wahl der vier nicht­ständigen Mitglieder endgültig zu regeln, damit die dritte Völkerbundsversammlang die bevor­stehende Anerkennung neuer Rats Mit­glieder nach den bestimmten festgesetzten Vor­schriften vornehmen kann. Irgendwelche Anträge, in denen der Gedanke eigener Initiative des Völkerbundes zu den gegenwärtigen Strei fragen zum Ausdruck kam, wurden nicht eingebracht. Da verschiedene Kommissionen der Versammlung in ihren Arbeiten noch nicht bis zu einer Be­richterstattung gediehen sind, wurde beschlossen, dah die Völkerbundsversammlung bis auf ax.° teres nicht im Plenum tagen soll.

Am selben Abend, an dem die Größen der Magenversorgung tagten, veranstalteten die radika len Betriebsräte Berlins wieder eine ihrer aufregenden Versammlungen im großen Saale derCKeuen Welt". Diese wilden Männer ^stehen in schärfster Opposition zu der sreigewerk- schaftlichen Detriebsrätezentrale. Ihr Ziel ist, gegen den Willen der Gewerkschaftsinstanzen den Reichsrätekongreß einzuberufen und, wie sich der Hauptredner ausdrückte, der Regierung g ierung auf den Hals t werde,Die notwendigen

Für Oberschlefien.

Berlin, 10. Sept. (WTB.) Die unter dem Protektorat des Reichspräsidenten stehende Wohltätigkeitsveranstaltung zum Besten des Oberschlesischen Hilfsbun- des hat heute unter der künstlerischer Leitung des Intendanten Profesior Dr. v. Schillings im staatlichen Opernhause stattgefunden und einen wahrhaft erhebenden Verlaus genommen. Der Reichspräsident nahm von seiner Loge aus das Wort zu einer Ansprache, worauf sich Die Anwesenden spontan von ihren Sitzen erhoben und das vom Orchester intonierte Deutschland­lied stehend mitsangen. Später sprach der preu­ßisch? Ministerpräsident Braun, um insbeson­dere seiner Freude über das am vorigen Sonn­tag erfolgte Bekenntnis Oberschlesiens zu Preu­ßen Ausdruck zu geben.

Heute nachmittag fand im Anschluß an die Veranstaltung des Oberschlesischen Hilfsbundes im staatlichen Opernhaus ein Empfang beim Reichspräsidenten statt.

Völkerbund eigene Initiative in den gegenwär­tigen Weltideen verlange. Cs sei ein erstrebens­wertes Ideal, daß der Völkerbund sich allen Fragen widme, aber das sei der ferne Gipfel der Entwicklung, den man nicht sprungweise, sondern nur langsam und mit vorsich­tigen Schritten erreichen könne. Die Anhänger einer kühnen Völkerbundspolitik vergäßen den Grundchavatter dieser Einrichtungen, des Rates sowie der Versammlung. Weder der Rat noch die Versammlung seien unabhängig, sondern ein­fache Vertreter ihrer Regierungen. Die Mitglieder dieser Körperschaften haben im wesentlichen die Mandate und Instruttionen ihrer Regierungen zu erfüllen, was sie nicht nur bindet, sondern auch die Regierungen. Das ist eine Schwäche, aber auch eine Stärke, denn wenn wir nicht unsere Regierungen binden würden, was wären wir dann? Rur ein Kongreß, auf dem Reden gehalten werden. Da wir aber Vertreter unserer Regie­rungen sind und für diese Regierungen bindende Beschlüsse fassen, können wir nicht unseren Regie­rungen ihre Aufgabe aus der Hand nehmen und gesondert die Initiative ergreifen. Die Initiative zu den gegenwärtigen Ereignissen müsse von den Regierungen ausgehen. Wir müssen von ihnen zur Intervention auf gefordert werden, wie es in der oberschlesischen Frage und jetzt auch in der öster­reichischen Frage der Fall war.

Hymans erinnerte daran, dah, als er und die anderen Gründer des Völkerbundspaktes im Hotel Grillon tn Paris unter dem Vorsitze W11- sonsdie Grundlagen für den Völkerbund schufen, sie das Gefühl hatten, daß der Frieden der Welt organisiert .fei. Aber gestehen wir uns offen, so rief Hymans aus, wir haben den Frieden unterzeichnet, aber der Frieden ist nicht da. In gewissen Ländern herrscht noch der Kriegsgeist. Das Gefühl des Friedens kommt nicht auf weil das Gefühl der Sicherheit noch nicht vorhanden ist und die moralische Abrüstung sich noch nicht vollzogen hat. So bestehen große Probleme ich brauche sie nicht zu nennen, denn jeder weiß, ivas ich meine, die noch nicht gelöst sind, und wir wissen auch, daß, so lange sie nicht gelöst sind, das Gleichgewicht in der Welt picht hergestellt werden kann. Aber

Ende geführt worden. Ein a b f ch l i e - ' ßendes Ergebnis ist noch nicht er- reicht. Während in wesentlichen , Punkten eine Einigung erzielt werden konnte, hat die Frage der Verlängerung der Lauffrist der Schatzwechsel über sechs Monate hinaus Schwierigkeiten ergeben, da die Ver­längerung nach der Auffassung der belgischen Regierung über den Rahmen der Entscheidung der Reparativnskommission hinausgeht. Die belgischen Vertreter werden morgen mittag nach Brüssel zurückreisen, um ihrer Regierung Bericht zu erstatten. Sie betrachten ihr oben umschriebenes Mandat augenblicklich als be­endet, was jedoch einer Wiederaufnahmeder Verhandlungen nicht entgegensteht.

Der Reichskanzler über dieLage.

Berlin, 10. Sept. (WTB.) Reichskanzler Dr. Wirth J)ielt heute nachmittag anläßlich eines Empfanges des oberschlesischen Hilfskomitees beim Reichspräsidenten eine politische Ansprache, in der er auf die außen­politische Lage Deutschlands und insbesondere auf das Reparativnsproblem einging. Die tiefe Be­deutung der Reparationsfrage liege darin, den Gedanken des Wiederaufbaus Europas in der Welt aus den Händen der Rachepolttiker hin­überzuschieben auf ein Gebiet, wo eine nüchterne, wirtschaftliche, rechnerische Erwägung die Vor­herrschaft hat. Trotz der gemachten Fortschritte werde dieser Gedanke immer wieder verdunkelt. So habe die belgische Regierung eine Einigung in der Frage der Verlängerung der Schatzwechsel vorläufig unmöglich gemacht, weil sie sich an den Buchstaben der Entscheidung der Reparativnskommission klammert und erklärt, über die Lauffri st von sechs Monaten nicht hinausgehen zu können. Was helfen Deutsch­land aber Schahwechsel auf sechs Monate, die im Februar nächsten Jahres, wahrscheinlich in der schwierigsten Zeit, die Deutschland zu durchlaufen haben wird, fällig werden?! Roch einmal also seien politische Erwägungen vor die ökonomischen getreten. Deutschland und die deutsche Wirtschaft tonnten jedoch nur tragen, was ökonomisch mög­lich ist. Dis diese Erkenntnis in Europa sich durch­gerungen habe, müsse Deutschland alle staatliche Energie aufbringen und in einem Zusammen­wirken aller Kräfte von Rord und Süd als eine einige Ration die schwere Aufgabe meistern. Im Vordergrund aller deutschen Sorgen stehe das große Problem der Erhaltung der deutschen Ration. Die Rede des Reichs­kanzlers wurde von der Versammlung mit leb- i Haftern Beifall aufgenommen.

Eine neue Scharfmacherrede Poinearss.

Paris, 10. Sept. (WTB.) MinistErpräsi- dent P o i n c a r d hielt bei einer Feier zur Er­innerung an die Marneschlacht in Meaux eine Rede, in der er über die Repara­tionsfrage u. a. erklärte: Es hätte uns schlecht angestanden, eine Kompensation abzulehnen, die von unseren belgischen Freunden nicht nur an­genommen, sondern sogar vorgeschlagen wurde. Das Brüsseler Kabinett hat übrigens Wert dar­auf gelegt, uns zu versichern, dah die Bedingun­gen, die es von Deutschland verlangen würde, nicht die Wirkung haben würden, ein bemänteltes I Moratorium zu schaffen. Wenn Deutschland sich den legitimen Forderungen entziehen wolle, dann würde es sich in den Zustand der Verfehlung versehen, und es würde nur noch übrig bleiben, von einer Handlungsfreiheit Gebrauch zu machen, die wir nicht aufgeben werden. Wenn man uns den Vorwurf macht, dah wir das, was man uns schuldet, verlangen, und daß wir unser Recht zu scharf ausüben wollen, so werden wir demgegen­über wiederholen, daß wir auf unsere An­sprüche nicht verzichten können, ohne Frankreich zu ruinieren, und dah der Ruin Frankreichs für gaM Eurova die schreck­lichste Katastrophe wäre. Wenn man uns nicht bei unserer Wiederherstellung unterstützt, dann werden wir uns selbst helfen.

Deutschland, Deutschland über alles."

Paris, 10. Sept. (Wolff.) Havas. Man weih, schreibt derMatin", dah das Reich be­schlossen hat,Deutschland, Deutschland über alles" als Ra t i ona l h Y m n e einzuführen. Da I dieses Lied im Rheinland verboten sei, wandte man sich an die Rheinland! o m - Mission. In Beantwortung einer amtlichen Mitteilung der Reichsregierung durch den Reichs- kvmmissar hat die Hohe Interalliierte Rhrnu- landkommission einstimmig beschlossen, ihr Verbot nicht zurückzunehmen. Sie hat erflärt, dah Deutschland, Deutschland über alles", das vier Ihhre lang tn den Ohren der Bevölkerungen des besetzten Frankreichs und Belgiens geklungen habe, von ihr als ein Lied aggressiven Charakters bettachtet werde, das den Geist der Eroberung und ter Herrschsucht atme, ter sich an den Ufern ter Maas bis zur Etsch aus- tehnen möchte. Die Alliierten ziehen daher vor, aus Grünten ter Sicherheit Europas diese Ge­bärde ter Herrschsucht zu beseitigen.

Das Verhalten Belgiens.

London, 11. Sept. (WTB.) DieTimes" melden aus Brüssel, dah die Abreise der belgischen Delegierten aus Berlin nicht -als ein endgültiger Abbruch ter Verhandlungen angesehen werten dürfe. Die belgischen Delegier­ten kehrten zurück, um sich mit ihrer Regierung zu beraten, und Ministerpräsident Theunis werte heute dem Ministerrat die Frage unter­breiten. In ministeriellen Kreisen verhehle man