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Donnerstag, U- IHai 1922

1Z2. Jahrgang

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v 34 mmBreite örtlich 120 Pf, auswärts 150 Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 450Pf. Bei Platz. Vorschrift 20Ausschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Karl Walther; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in G»etzen.

Nr. YO

Erscheint täglich, außer Sonn, und Feiertags, mit derSamstaqsbeilage: GießenerFamilienblätter Monatliche vezuoepreife: Mk 18.- und Mk. 2. Trägerlohn,durch diePoft Mk. 20.. auch bei Nicht, erfcheinen einzelner Num- mern infolge höherer Gewalt. - Fernsprech- Anschlüsse, für dte Schrift- leitung 112, für Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drohtnach. richten: Anzeiger Gietzen.

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General-Anzeiger für Oberhessen

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Eine Totenwanderung.

Don V.Otto Everling, M. d. R., RikolaSsee.

Die französische Regierung hat die Heimschaffung sämtlicher in DeutschlandbeerdigterFranzosen nach Frankreich beschlossen und will diesen Beschluß in den nächsten Monaten aus- führen. Etwa 20 000 Franzosen aus dem Welt­kriege liegen in Deutschland beerdigt, die in Lazaretten oder Gefangenenlagern gestorben sind. So werden also durch unser Vaterland in den nächsten Monaten Züge um Züge rollen mit den Gebeinen der 20 000 Franzosen eine Lotenwanderung, die voraussichtlich wie­der viel Erregung und Haß gegen Deutsch­land in Frankreich lebendig machen wird. Der Wunsch der Angehörigen, im Kriege Gefallene oder Verstorbene in her Heimat zu beerdigen, ist an sich begreiflich. Und doch habe ich stets die Empfindung gehabt, selbst wenn pietät­volle Sehnsucht das Grab aus Feindesland in die Heimat verlegte: wäre eS nicht besser, man ließe die Toten ruhen. Die Möglichkeit der Lieberführung der vielen hunderttausende Deutscher, die in Feindesland zur letzten Ruhe gelegt sind, ist selbstverständlich ausgeschlos­sen. Wenn im Vertrag von Versailles die Zu­rückführung gegenseitig gewährleistet wird, so hat dies für die Deutschen keinen durchschla­genden Wert. Viel wichtiger wäre es uns, zu wissen, daß die zahllosen Gräber draußen pietätvoll bewahrt würden, wie wir gewiß sind, daß die Franzosengräber in Deutschland mit der Ehrfurcht, die wir auch vor den toten Feinden haben, getteulich behütet werden.

Wenn nun trotzdem unter Poincärs die französische Regierung diesen Entschluß gefaßt hat, so werden wir uns seine Wirkung klar machen müssen. Die Franzosen senden Kom- Missionen mit Särgen in zahlreiche deutsche Orte. Allerhand Reibungen können bei allem Entgegenkommen nicht ausbleiben. Auch Schwierigkeiten werden nicht fehlen, da es sich vielfach um Ausgrabungen handelt, die bis zu acht Jahren nach der Beerdigung stattfinden. Trotz der sorgfältigen Registerführung in deut­schen Lazaretten und Gefangenenlagern ist es nicht ganz ausgeschlossen, daß hier und da Verwechslungen vorkommen und die Aeber- reste eines Russen oder des Angehörigen einer anderen Ration statt eines Franzosen in die französische Heimat reisen.

Die Frage der Gebühren der Tleberfüh- rung von Leichen, die in verschiedenen Ge­meinden verschiedenartig geordnet sind, wer­den Weiterungen veranlassen. Hat doch schon der Reichsminister des Innern sich wegen Ab­änderung der Vorschriften und Herabsetzung der Gebühren mit den Ländern und Gemein­den in Verbindung setzen müssen. And ent­gegenkommend, wie nun einmal die Deutschen sind, hat der Reichsverkehrsminister bereits die Ermäßigung um die Hälfte der tarifmäßi­gen Fracht bei der Zurückführung der fran­zösischen Leichen in Aussicht gestellt.

Aber all diese Schwierigkeiten sind nicht das Hauptbedenken, das bei dieser französi­schen Maßnahme auftaucht. Das besteht darin, daß voraussichtlich neben der Beunruhigung in mancher deutschen Stadt durch das Erschei­nen der französischen Kommission eine Welle der Erregung und des Hasses in Frankreich wieder geweckt wird an allen den 20 000 Orten, in denen mah die zurückgeführten Leichen bestattet. Man kann sich vorstellen, daß die Wagen an der Grenze mit Ehrenpforten und Reden emp­fangen werden, daß in den einzelnen Gemein­den die neue Beisetzung unter großer Auf­machung stattfindet. Käme dabei nur die pie­tätvolle Dankbarkeit für den tapferen Toten zum Ausdruck, der für sein Vaterland sich hin- gegeben hat, man würde keinerlei Einwen­dungen erheben dürfen. Aber aus allem, was wir aus ähnlichen Veranstaltungen hören und wissen, steht zu befürchten, daß die große weltgeschichtliche Lüge von der Schuld Deutschlands bei solchen Gele­genheiten wieder neue Verhetzung und Auf­regung der Gemüter herbeiführen wird. Pie- täwvller Schutz der Kriegergräber diesseits und jenseits der Grenze hätte mit der Zeit Verständigung und Versöhnung finden kön­nen. Wir meinen deshalb, daß die französische Regierung mit dieser geplanten Totenwande­rung kein gutes Werk tut, und daß es die Pflicht der früheren Bundesgenossen wäre, Frankreich wie von so vielem anderem Anheil- vollen auch von diesem .Schritt zurückzuhalten.

Die Reichsregierung an die Reparationskommission.

Berlin, 10. Mui. (Wolff.) Die Reichs- regierung richtete unter dem 9. Mai an den Präsi enten der Reparationskommission nachstehende Rote, die heute In Paris übergeben wird:

Rach den vorangegangenen Defprechungen glaubt dj,e deutsche Regierung aus der Rote der Reparationskommistion vom 13. 2IpriI entnehmen zu können, daß der Reparalionskommission ebenso wie ihr selbst daran gelegen ist, gewisse Miß­verständnisse, die über die vorher gewech­selten Roten entstanden sind, zu beseitigen und durch eine vertiefte Besprechung der Lage auch tn sachlicher Hinsicht zu hären. Am diese Arbeiten zu fördern, beehrt sich die deutsche Regierung fol­gendes mitzuteilen:

1. Cs entspricht der Auffassung der deutschen Regierung, daß es grundsätzlich notwendig ist, die gesamten in Papiermark entstehenden 6 aatsaus- gaben durch die Einnahmen aus den Steuern und den inneren Anleihen ohne Vermehrung der Geld­inflation zu decken. Die deutsche Regierung erkennt auch an, daß es notwendig ist, alsbald weitere Schritte für die Durchführung dieses Grundsatzes zu tun. Änderet seits wird es mit Rücksicht auf die Lage der deutschen Wirtschaft und auf die deut­schen finanziellen Verpflichtungen gegenüber dem Auslande unumgänglich notwendig sein, daß er­hebliche vom Reich in ausländischer Währung zu leistende Zahlungen durch äußere Anleihen beschaftt werden. Mit Rücksicht auf die erst in letzter Zeit beschlostene außerordentliche Erhöhung der Steuern ist es nicht möglich, dem Ver­langen der Reparationskommission auf Einführung tociterc r Steuern im Betrage von 60 Mil­liarden vor dem 31. Mai 1922 zu entsprechen. Die deutsche Regierung ist aber bereit, vor diesem Tage der Reparationskommission einen eingehen­den Plan mitzuteilen, der das Ziel verfolgt, dem eingangs gestellten Grundsatz Rechnung zu tragen.

2. Die deutsche Regierung nimmt gerne davon Kenntnis, daß die Reparationskommission die Souveränität Deutschlands bei der Feststellung seiner öffentlichen Ausgaben sowie in den Fragen der Besteuerung und in der all­gemeinen Finanzpolitik anerkennt. Sie nimmt ferner davon Kenntnis, daß die Kommission den Wunsch hat, die deutsche Regierung bei der Ord­nung der Reichsfinanzen zu unterstützen. Sie wird zu diesem Zweck der Reparattonskommission alle Möglichkeiten für gewünschte Auskünfte er­öffnen. Sie wird deshalb auch für die Dauer ihrer Zahlungsverpflichtungen, wie sie die Ent­scheidung der Kommi'sion vom 21. Mürz vorsieht, mit der Reparationskommission über die von ihr geplanten gesetzgeberischen Schritte auf dem vor­her bezeichneten Gebiet der Finanzgebarung sich ins Benehmen sehen.

3. Die deutsche Regierung wird sich im übrigen nach Kräften bemühen, den von der Reparations­kommission in ihrem Brief vom 21. März ausge- sp ochenen Bedingungen zu entsprechen. Sie hält indessen an der Auflassung fest, daß einige dieser Anforderungen unerfüllbar sind. In diesem Zusammenhänge bezieht sie sich auf das im Schreiben vom 13. April gemachte Angebot, jeden praktischen Vorschlag zu prüfen, der von der deutschen Regierung zur Behebung der Schwierigkeiten, in denen sie sich befindet, gemacht wird. Da wegen der Konferenz von Genua mehrere Mitglieder der Reichsregierang geraume Zeit von Deutschland ferngehalten wur­den, ist es der deutschen Regierung zu ihrem Bedauern nicht möglich gewesen, verschiedene im Brief vorn 21. März gestellte Fristen inne- zuhalten. Sie ersucht die Reparationskommission, sich mit einer angemessenen Verlängerung dieser Fristen einverstanden zu erklären.

3n Vertretung (gz.) Dauer.

Der Eindruck in Paris.

Paris. 11. Mai. (WTB.) Die deutsche Rote an die Reparationskommission wird von der Morgenpresse veröffentlicht. DerOlt a t i n" ist nicht befriedigt von der Antwort, da die Rote weder über die Frage der Einschränkung der Aus­gaben, noch über die allgemeine Finanzpolitik, stoch über die für eine äußere Anleihe zu liefern­den Garantien konkrete Vorschläge unterbreite.

SerPetit Parisi en" nennt die Rote befriedigender als die vorausgegangenen, aber sie äußere keine befriedigenden Vorschläge Sie über- lasse diese offenbar Reichsminister Dr. Hermes und habe nur den Zweck, dem letzteren ein gün­stiges Terrain vorzubereiten.

DasEcho de Paris" vertritt den Stand- punft, in Wirklichkeit handele es sich nicht um eine endgültige Antwort, sondern um den Aus­druck des Wunsches, die von der Rcparationskom- Mission gestellten Bedingungen zu befriedigen. Deutschland entferne sich allo nicht von dem Standpunkt, den es feit den Tagen eingenommen habe, die der Anterzeichnung des Versailler Frie­densvertrages vorausgegangen seien, und wolle, daß an Stelle des ausgezwungenen Friedens ein ve handelnder Friede gesetzt werde. Arn eine Dis­kussion zu erzielen, schlage die deuflche Regierung einen fon?jliantcren Ton an. Es handele sich offenbar jedoch darum, nicht mit Handlungen, son­dern mit Worten und Despre^ingen Befriedi­gung zu geben. Ze schöner diese seien, desto mehr mühten sie das französische Mißtrauen erwecken.

DerFigaro" vertritt den Standpunkt, das deutsche Dokument bestehe aus einer Serie von Schwankungen; diese gingen von der harten Wei­gerung bis zur bedingten Annahme. Die Gesamt­note mach: den Eindruck einer heimtückisch en Herausforderung.

DerExcelsior" sagt, was die deutsche Regierung vor allem verlange, sei ein neuer Auf­

schub. Die souveräne Reparationskommission habe nunmehr zu entscheiden, ob man ihn annehmen wolle oder nicht.

3m Gegensatz zu den französischen Blättern glaubt die amerikanische, in Paris erschei­nende Zeitung ,E h i c a g o T r i b u n e" feststellen zu können, ba& infolge des versöhnlichen Cha­rakters der deutschen Rote jede Gefahr, daß die alliierten Mächte gezwungen fein könnten, am 31. Mai militärische Sanktionen zu ergreifen, als geschwunden betrachtet werden könne.

Criiie neue Note wegen der Aufstands- schaden in Cbcrtd)lcficn.

Berlin, 10. Mai. (Wolff.) Auf die Rote der Botschafterkonferenz vorn 14. März, die den von der deutschen Regierung gestellten Anttag auf Tragung der Aufstandsschä- den in Oberschlesien durch die Alliier­ten ablehnle, hat die deutsche Regie­rung nunmehr den Kabinetten in London, Rom und Paris eine neue Rote zugehen lassen, in der sie zu einer neuen Prüfung der Lage auffvrdert, da die erste Rote gegen den Wortlaut und den Geist des Versailler Ver­trages verstößt. Die Qlote der Botschafter« Konferenz stützte sich auf einen Passus, der nur eine Bezahlung für die Verwaltung und die Besatzungsttuppen aus den örtlichen Einnah­men vorsieht. Aufstandsschäden formten nicht hinzu gerechnet werden. Die Bezahlung der Aufstandsschäden ist dringend geworden, weil sich die Rvtlage in Oberschlesien verschärft hat. Zahlreiche Existenzen sind dem Ruin nahe. Rur eine schnelle Aktion der interalli­ierten Regierungen kann das Schlimmste ver­hüten.

Französischer Spott über Lloyd George.

Paris, 10. Mai (WTB.) Einzelne Pari­ser Blätter sehen trotz der verschiedenen Wider­rufe, die von englischer und französischer Seite erfolgten, ihre Polemik in Bezug auf die Be­merkungen, die Lloyd George am letzten ©onnabenb dem französischen Delegierten B a r - thou gegenüber getan haben soll, fort:

So schreibt dieLibertö": Kaum habe Lloyd George feine innersten Gedanken enthüllt, fo bekomme er Angst. Auch er wolle nicht beschuldigt werden, etwas verbrochen zu haben. So verlange er also von Barchou die Beschei­nigung, daß eia gewisser Lloyd George nicht ge­sagt habe, er hätte genug von der Entente Cor» diale. Aus dem gleichen Gefühl heraus unter- fchreibe Darthou eine, nebenbei bemerkt, übertrie­bene Bescheinigung, durch die sich niemand täu­schen lasse. Der Entente Cordiale gehe es dadurch nicht besser, aber man wolle es nicht zugeben.

Auch der3 n t r a n f i g e a n t meint, Lloyd George habe sich faktisch eine ganz unnütze Mühe gegeben, wenn er die ihm zuges hriebenen Aeuße- runqen über die Rotwendigkeit neuer Freund­schaften habe dementieren laf'en. Zedermann wisse heute, daß er fie getan habe. Ohne Zweifel habe er fie ©firmunt und an­der e n gegenüber im Vertrauen nur deshalb getan, weil er hoffte, daß fie den Franzosen alsbald hi verbracht würde. Rur feien inzwischen diese Drohungen mit dem Bruch der Entente, die nur tangiert wurden, um auf die fran­zösischen Vertreter einen Druck auszuüben, nicht vertraulich geblieben, sondern von der Presse in alle Welt verbreitet worden und hätten solche Er­regung hervorgerufen, daß der englische Premier­minister genötigt worden sei, sie offiziell abzu­leugnen.

Das3 du rna I des Debats" schreibt: Daß Lloyd George so hartnäckig daraus besteht, die Darthou und verschiedenen anderen Personen gegenüber getanen drohenden Aeuherungen de­mentiert zu wissen, beweist, daß er das Ziel ver­fehlt hat. Es wäre zu wünschen, daß diese Er- närungen ihn veranlaßten, auf d ie Taktik zu verzichten, die er seit 1919 an« wendet. Während der Friedenskonferenz ist es, wie gestern in Genua, borgefommen, daß er in heftigen Zorn geriet, wenn man seine Pressions- versuche blohsteilte. Damals und später hat er sich gegenüber den französischen Ministern ständig desselben Verfahrens bedient: Er versuchte, sie durch verlockende Sprüche für seine Kombinationen zu gewinnen und durch vertrauliche Drohungen. Aber er wollte nicht haben, daß die Drohungen bekannt würden. Er legte Wert darauf, daß un­sere Minister lediglich der Don dem eng­lischen Moses gepredigten Vernunft nachzugeben schienen. Deshalb schleuderte er auch feine Dlitze gegen die Journalisten, die feine Ma- notier zu entschleiern wagten. Aber diesen Zo.tr- naliflen geht es darum nicht weniger gut. So ist es auch heute. Lassen wir uns also durch solche Donnerschläge keinen Schrecken einjagen. Das Ge­witter geht vorüber.

DieTimes".

Derlin, 10. Mai. Der Chefredakteur der Times". Steeb, telegraphiere heute seinem 'Blatte, daß er trotz des Dementis Lloyd Georges seinen Bericht über die Besprechung zwischen Lloyd George und Darthou dem 3nhalte nach voll aufrecht erhalte. Wie in Genua mitgeteilt wird, forderte Lord R o r t h c l i s f e feinen Ver­treter in wiederholten dringenden Telegrammen auf. die Quelle seiner SnfDonationen um jeden Preis bekanntzugeben. Da Steeb dieser Auf­fassung nicht nachgekomrnen ist, erhielt er heute vormittag telegraphisch seine Entlassung.

<Kin neuer Protest Barthons.

Berlin, 11. Mai. Wie die Blätter aus Genua melden, hat Darthou in einem Schrei­ben an Facta gegen die Verzögerung der lieber- gäbe der russischen Antwortnote protestiert. Die französische Delegation könne sich mit der Verschleppung nicht einverstanden er Hären.

3n den gestrigen Abendstunden hat eine Konferenz zwischen Lloyd George. S ch a n z e r und Tschitscherin über die Ant­wortnote ftattgefunben.

Eine Sitzung dereinladenden" Mächte.

Genua, 10. Mai. (Spezialbericht deS Ver­treters des WTB.) Die Qkrtroter der ein­ladenden Mächte sind heute vormittag unter dem Vorsitz von Facta zusammengetreten, um mehrere Gesuche, die an die ilntcrlommiHioncn der ersten Kommission gerichtet wurden, zu prüfen und festzustellen, ob sie mit dem Programm der Konferenz zu tun haben, und ob es insolgedesien angebracht i.ft sie zu erörtern. Es wurde be­schlossen. die von Georgien. Armenien und Aser­beidschan eingereichten Gesuche aus der Debatte auszuschließen, weil diese Staaten nicht zu Europa gehörten. Ein von den Einwohnern des Saar­gebietes an die Kommission gerichtetes Me­morandum wurde ebenfalls ausgeschlossen, weil für die Frage, um die es sich handelt, der Völ­kerbund zuständig ist. Dine Rote der Regie­rung von Angora wurde ebenfalls nicht zur Erörterung zugelasien.

Französische Freunde im englischen Nntcrhansc.

London, 10. Mai. (WTD.f 3m Unter- hause fragte Sir Frederick Hall, ob Eng­land mit den Alliierten in Gemeinschaft verant­wortlich sei für die Entscheidungen der Repara- tionskommissivn hinsichtlich der von Deutsch- land zu leistenden Entschädigungszahlungen. und tvelche Schritte hie Regierung angesichts der Häufung von Beweisen dafür, daß Deutsch­land imstande, aber nicht willens fei, feine finanziellen Verpflichtungen z u erfüllen, zu tun gedenke, um die Erfüllung der vertraglichen Verpflichtungen zu erzwingen, die Deutschland eingegangen sei. Chamberlain antwortete:

Die für den Fall, daß Deutschland nicht er­fülle, zu ergreifenden Maßnahmen werden ©egen- ftanb der Erwägung der alliierten Mächte sein.

Hall fragte, ob die Regierung nicht der Meinung sei. daß Deutschland in einer großen Anzahl von Fällen die älisähigkeit zur Erfüllung feiner Verpflichtungen hinsichtlich der Repara­tionen heuchele.

Chamberlain Erwiderte, et g'aufc nicht, auf eine Frage solcher Art eine nutzbringende Antwort erteilen zu können. Er fügte hinzu, daß. falls Deutschland durch die Reparationskommission eines Verstoßes schuldig befunden würde, die zu unternehmende Aktion der Gegenstand der Alliier­ten sein werde. Chamberlain bedauerte, daß die alliierten Mächte nicht bereits eine Zusammen­kunft abgehalten ober verabredet hätten, um zu erwägen, was in solchen Fällen getan werden soll. Daran sei aber England nicht schuld.

Wedgwood Den fragte, ob es einer alliier­ten Macht zustehe. allein ohne Zustimmung anderer Alliietter die Sanktionen zu erzwingen.

Chamberlain erwiderte. Den werde nicht er­warten, daß er diese Frage ohne vorherige De- nachrichtigung beantworten werde.

Neuer Kreuzzug gegen die Tyrannei der rohen (Gewalt".

London. 10.Mai. (WTD.) Lloyd orge hat auf eine Botschaft, in ber ihm bie fongregationalen Vereine von England und Wales ihre ilnterf1üt)ung zusagten. mit einem Telegramm geantwortet, in dem es heißt: Die Humanitären: Kräfte der Welt schließen ihre Reihen mit einem neuen Kreuzzuge gegen die Thrannel der rohen Gewalt. Genua hat die Friedens- glvcken erfllngen lassen, wir werden nicht ruhen, bis der Krieg zu Ende ist.

London. 10. Mai. (WTB.) Der Bericht- erflatter desStar schreibt: Die politische Meinung sei in bezug auf die Frage der Stel­lung Frankreichs geteilt. Sowohl in liberalen als auch in Arbeiterkreisen herrsche die Ansicht, daß die Franzseon Lloyd George nicht verstehen. 3n liberalen Kreisen werde erklärt. Lloyd Ge­orge werde gut tun. Lord Grey. D o - na r Law und einen Vertreter der Ar­beit e r zu bitten, mit ihm zusammen eine Kon­ferenz mit vier französischen Staats- männern abruhalten. Dieser Schritt trüge dazu , die Möglichkeit zu verhindern, daß Frankreich eine unabhängige Aktion am Ende des Monats ergreift, wenn Deutschland seinen Verpflichtungen nicht nachkommt. Dem Berichterstatter zufolge flehe man wegen der Frage, was geschehen werde, wenn die Genueser Konferenz vorzeitig abgebro­chen werden sollte, am Vorabend einer neuem Debatte wegen der deutschen Zahlungen. Weder Unterhaus noch das englische Volk tverde einen gemeinsamen Einmarsch britischer und französischer Truppen in das Ruhrgebiet billigen, falls Deutsch- lanb am 31. Mai nicht zahle.

Die Neutralen

und der Burgfriedenspakt.

Genua 11. Mai.' (WB) Die Vertreter Dänemarks, Rorwegens, Hollands. Spaniens. Schwedens uno d:r Schweiz sind gestern vormittag in Pcgli zafam meng etre en, um den Punkt ,Durgfriedenspatt za er-