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10.7.1922
 
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llr. 159 Zweites Blatt

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Die Nachklänge der Darmstädter Ausschreitungen im Reichstag.

Die Interpellation der Fraltion der 5*0111d>en Dollspartei im Reichstag über die Darmstädter 2lusschreitungen hat folgenden Wortlaut:

Am 27. Juni 1922, nachmittags 3 Uhr, sollte aus Anlaß der Ermordung des Ministers Rat Henau auf dem Marktplatz zu Dar m st ad i eine Kundgebung stattsinden. zu der ein gemein­schaftlicher Aufruf der demokratischen, der Zen- tr-ums- und der sozialdemokratischen Partei in dein amtlichen Organ der hessischen Landesregierung eiulud. Rachträglich hat übrigens unseres Wissens baa< um erklärt, daß seine Unterschrift ohne sei unter die Einladung gekommen sei.

^..--zeitig erschien in dem sozialdemo­kratischen Blatt eineM o b i l m a ch u n g" über­schriebene Aufforderung, die in aufreizender, den inneren Frieden gefährender Weise auf diese Kundgebung hinwies. Infolgedessen wurden be­reits am Wend des 26. und noch am Bonnittage des 27. Juni Regierung und Polizeidirektivn ge­warnt und darauf hingewiesen, daß aus Anlaß dieser Kundgebung Wsschreitungen vorkommen tonnten. Trotzdem beurlaubtedas hes fische Ministerium des Innern von der 50C Köpfe zählenden Sicherheitspolizei 400 Beamte, damit sie in Zivil an der Demon­stration teilnehmen könnten. Der Polizeidirektion Darmstadt standen deshalb zur Aufrechthaltung der Ordnung nur 100 Qllann Sicherheitspolizei neben 120 Mann blauer Polizei zur Verfügung. Was befürchtet worden war, traf ein.

Rachdem der Mehrheitssozialdemokrat Dr. Strecker, der frühere hessische Unterrichtsmi-- nister, bei seiner Rede auf dem Markte, als er die Fvagc der Schuld an der Ermordung Rathe- naus erörtert hatte, das Wort geprägt hatte: ..Was Helff er ich in Berlin, sind hier Dingeldeh und Dr. Osann" (Führer der Deutschen Botlspartei im Hessischen Landtage) zogen von der Marktversammlung Menschen­haufen nach den Wohnungen von Dr. Osann und Dingeldeh. Osann entkam nur durch einen be­sonderen Glücksumstand der Wut der Menge, dagegen wurde seine Wohnung zerstört, die Haus- einrichtung verwüstet und zerschlagen und teil­weise geplündert. In der Dingeldeyschen Woh­nung wurden sämtliche Fensterscheiben einge­schlagen, Dingeldeh selbst aber wurde etwa zwei Stunden lang unter Faust- und Steinschlägen durch die Straßen Darmstadts geschleift. Auf dem Marcktplah sollte er schließlich mit einem Strick an einer Later ne aufgeknüpft werden. Rur im letzten Wgenblick konnte er von einer Anzahl Polizeipersonen in die Polizei­wache gezogen werden. Ferner wurden an dem­selben Rachmittage durch andere Menschenhaufen noch zwei weitere Privatwohnungen sowie die Redaktionen und Druckereien der Hes­sischen Landeszeitung und des Täg­lichen Anzeigers vollständig zerstört und verwüstet. Die Polizei war bei ihrer geringen Anzahl der Wenge gegenüber machtlos. Es ist ohne weiteres klar, daß 220 Polizisten, die noch dazu meist alle ohste Schiehwafsen ausgerüstet waren, nicht in der Lage waren, in einer Stadt wie Darmstadt eine mehrtausendköpfige, aufge- hehte und ausgeregte Bevölkerung zu überwachen und Ordnung zu halten.

Wir fragen an:

1. Sind der Reichsregierung diese Verhältnisse bekannt?

2. Welche Mahnahmen wird sie treffen, damit die von ihr finanziell unterstützte Schutz­polizei auch wirklich so eingesetzt daß das Leben und Gut aller deutschen Staatsbürger gegen Angriffe von Ruhe­störern geschützt ist?

3. Billigt sie die Beurlaubung der Schutz­polizei bei der gespannten Lage in Darm­stadt?

4. welche Maßnahmen gedenkt sie zu ergrei­fen, um dafür zu sorgen, daß die schweren Sachschäden, die das Versagen von Regie­rung und Polizei verschuldet haben, aus öffentlichen Mitteln erseht werden?

(gez.) Dr. Decker (Hessen), Dr. Wunderlich. Dr. Stresemann und Fraktion.

*

In einer Berliner Zuschrift an dieK ö l n. Zeitung" heißt es: Die unerhörten Vorgänge in Karlsruhe und ganz besonders in Darm­stadt, wo, wie gemeldet wird, die Abgeord­neten Osann und Dingeldeh der Plünderungs-

Sie

m 9im.

Roman von Ernst Schertet.

9. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Und glauben Sie nicht, daß wir hier diesen Mittelpunkt haben?" fragte Eduard.

Keine Idee davon", gab der Doktor zurück. Das hier ist eine kleine Filiale, das Zentrum liegt sicher weit oben im Gebirge."

Haben Sie gar keine Anhaltspunkte dafür, wie es bei diesem Kult herging und also heute noch hergeht?" erwiderte Eduard und sah Per- zelius gespannt an.

Ganz im ungewissen tappe tch natürlich auch da nicht", meinte dieser hieraus, während er mit dem Finger den hervorquellenden Tabak in seiner Pfeife niederdrückte,sicher ist, daß em ungeheures Zeremoniell drum und dran hängt und daß ein solches Kultfest mehrere Wochen in Anspruch nimmt. Der eigentliche Augenblick der Tötung des Opfers wird langsam und umständlich vor­bereitet. Ich glaube den Rachrichten aus dem Altertum entnehmen zu können, daß dabei Die Erzeugung somnambuler Zustände eine große Rolle spielt Der zu opfernde Mensch ist ja Der Stellvertreter der Gottheit, und nicht nur das. er wird durch den Einfluß der magischen §anb= hingen selbst zu dieser Gottheit. Der für den ^.od Auserlesene muß also vorher auf irgendeinem Wege es sei durch Räucherungen, durch Ge­tränke oder durch eine Art Hypnose - in einen Zustand versetzt werden, in welchem nach dem Glauben dieser Leute die Verschmelzung mit dem Geisterreiche möglich ist. Während nun der oder die Unglückliche von diesem künstlich erzeugten Rausche ergriffen wird, um schließlich in totahn- licher Starrheit niederzusinken, beginnt für die ©cnoffen des Festes die Stande, wo die Gottheit leibhaft unter sie tritt und wo jeder von ihnen durch die Vermittlung des Opfers an ihr teil-

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

und Mordlust des Ianhagels ausgesetzt waren,1 haben nicht nur bei allen anstänoigen Leuten und Parteien gerechte Entrüstung erregt, sonde.n auch in den Kreisen der Reichsreaie- r u n g mißbilligt man, wie uns von zuständiger Seite versichert wird, die pöbelhaften Ausschrei­tungen selbstverständlich aufs lebhafteste, und zwar um so mehr, als sie gegen Abgeordnete einer Partei g ritztet waren, di: aui) nicht im geringsten im Veroacht stehen kann, daß sie mit der Mord­hetze und der ungesetzlichen Agitation gegen die Republik sympathisiere. Die Verwilderung unserer politischenSitten hat nachgerade einen Tiefstand erreicht, daß ein uunachsichtiiches Durchgreisen unerläßlich ist auch gegen links. Der Regierung wie den Gesetzgebern dürfte der Zusammenhang zwischen dem unaushallsamen Marksturz und der Gefährdung unserer inneren Ruhe und Sicherheit nicht entgangen sein. Cs liegt deshalb im dringendsten Interesse des Reiches, Ordnung und Ruhe mit allen Mitteln wieder herzustellen, und auch die Führer der Millionen, die am Dienstag zum Schuh der Republik auf die Straße gerufen wurden, werden sich dieser Erkenntnis nicht verschließen können. Gerade in ihre Hand ist die Stabilisierung der Mark gelegt. Sehen sie immer noch mit verschränkten Armen zu. wie unserer Valuta das Grab geschaufelt wird, und begnügen sie sich noch Länger mit dem einseitigen Drohschrei:Der Feind steht rechts," dann werden sie sich auch gefallen lassen müssen, daß die Mark weiter fällt und der Brotpreis weiter steigt.

Die Schuldfrage.

Paris. 8. Juli. iW^lis ) Das Organ von Iouchoux, das GewerkschaftsblattLePeuple". schreibt zur Debatte über die Verantuortlichleit am Kriege: Das Geschichtsproblem gehört nicht .zur Zuständigk.it einer notwendiger'reise parteiischen Versammlung. Seine Prüfung ge­winnt nichts, wenn es nach den Methoden einer öffentlichen Vollversammlung behandelt wird. Inwiefern farm also die von Poineare erzielte Wstimmung den Schatten eines Beweises be­deuten? Es handelt sich um eine wenig nützliche Debatte, von der man nicht einsieht, wie sie den Interessen Frankreichs bienen soll, aber auch um eine etwas komische Debatte durch das Ein­greifen Vivianis. der dem Ministerpräsidenten einen Teil des Erfolges wegschnappte, den er für sich selbst erwartet hat. Ha. es handele sich um eine groteske Debatte, wenn man die Rolle ins Auge saht, die die 5tDmmimiften dabei ge­spielt haben. Wenn Poincars vom Pazifismus Frankreichs gesprochen Hat bann hat e besonders von seinem eigenen Pazifismus gesprochen, was viel weniger überzeugend ist, wenn die gesamte Politik, die man betreibt, nicht gerade darauf hinausläust. den Frieden zu feftiqen. Der Friede verwirklicht und verteidiqt sich doch anders als durch persönliche Rechtsertigungsreden. Wenn Poineare tatsächlich guten Willen beweisen will, muh er die ganze Stellung ändern, in die er Frankreich vor anderen Ländern gebracht hat.

LautPopulaire" sagte Leon Blum, der Führer der sozialistischen Kammerfraktion in der Aachtsihung der Kammer, worin die Schuld am Weltkriege erörtert wurde, u. a. noch folgendes: Die Vevantwvrtlichkeit der Männer, die die Kriegsgefahr herbeiführten und derer, die sie in Wirklichreit umsehlLn, kann man unmöglich ver­gleichen. Zwischen denen, die die Zündstoffe auf» häuften und denen, die den Feuerbrand entfachten, werden wir ewig eine ünterfdjeidung machen. Diejenigen, die das Feuer legten, sind die wirk­lichen Verbrecher. Ihr Verbrechen ist unerhört, selbst wenn sie erklären, sie hätten nur einen Präventivkrieg geführt; denn Präventivkrieg ist ein Krieg, dessen Stunde vorgerückt wurde. Aber gerade diese Stunde hätte genügen können, um den Frieden zu erhalten. Ich glaube bestimmt, dah sich in den Zah ren nach 1911 e t wa s in der französischen Politik änderte. Diese ist lange von dem Grundsätze geleitet worden, daß das Interesse am Frieden allen anderen Interessen vorangehen müsse, es sei denn, es handle sich um Leben oder Tod. Außer in diesem Falle und ich will zugestehen, daß es sich hierbei ebenso um moralische wie politische ilnabbängigfeit der Ration handeln iann; alles eher als 'Krieg! Aber nach 1911 erkenne ich etwas Reues in unserer Politik. Man sagt nicht mehr: Alles eher- als Krieg - man sagt viel­mehr: lieber Krieg, als die Verminderung der Würde Frankreichs, lieber Krieg, als daß

Deutschland auch nur einen Punkt gewinnen könnte 1912 fragte Iswolsli Poincars:Wenn Rußland Krieg führt, werden Sie chn auch führen?" Poineare antwortete:Za, wenn ein easus foederis vorliegt?" Alm was handelte es sich damals? Man stand am Schlüsse des ersten Balkantrieges. Es handelte sich darum, zu wissen welchen 2Iiiteil Serbien an der Deute erhalten tollte, ob man ihm einen Hasen am Adriatischen Meere zusprechen solle. Iswolski befürchtete einen bewaffneten Druck Oesterreichs. In dieser An­gelegenheit stand die Ehre Frankreichs nicht auf dem Spiele, aber Poineare begnügte sich zu antworten: Za wenn einBündnis- falt vorliegt, marschieren wir.

Rach Blum hätte inan antworten müssen: Frankreich nehme den Gedanken des Krieges nicht an wegen eines Hafens, der Serbien zugeteilt werden solle. Später habe Poincarö in einem Briefe an den französischen Botschafter in L o n- den nach seiner ersten Reise nach Rußland die Doppelzüngigkeit nicht nur von Iswolski, sondern auch von S a s a n o w aufgezeigt, die Frankreich Geheimverträge zwischen Rußland und Bulgarien verheimlichte. Leon Blum fährt fort:Sie Herr Ministerpräsident, selbst sagten in diesem Briese, ras seien Kriegsabkommen. Wenn man weiß, daß solche Dokumente verheimlicht werden, dann genügt es nicht, den casus foederis anzurufen, dann muß man klar erklären: wenn wir uns in einen Krieg verwickeln, dann Fann es nur wegen uns bekannter Tatsachen geschehen!"

Poineare erklärt:Im Großen und Ganzen haben Sie recht!" Blum sagt weiter:Frankreich wollte nicht den Krieg, aber es nahm die Am­pulle rung nicht an, die ihm der Friede von Frank­furt auserlegte. Diese Haltung brachte uns um alle Vorteile des Friedens, denn sie konnte dahin resümiert werden, daß wir eine gute Gelegenheit der Geschichte abwarteten, um die notwendige Reparation zu erhalten. Wir warteten auf den Zug, wo eine unvorsichtige Geste Deutschlands uns gestattete, die gebotene Gelegenheit zu er­greifen. Poincares Politik war ein Zurück- geben auf die Politik nach 1 870.Sie nahmen", sagt Blum zu Poinearedie Haltung des Mannes an. der nicht Krieg will, ihn auch nicht erklären wird, ihn aber annimmt, wenn er ihm im günstigen Augenblick Reparationen ver­spricht. Das ist der Sinn Ihrer 'Rede in Straß­burg. Ihnen gebührt der Ruhm diefer Politik - nehmen Sie auch die Verantwortung dafür aus sich denen gegenüber, die glauben, daß die Ehre und Sicherheit einer Ration darin besteht, den Krieg auszurotten und für den Frieden zu ar­beiten!"

Statistisches vom Memelland.

Das Memelland, das durch den Versailler Vertrag von Deutschland losgerissen wurde, wird in einem Aufsatz der ZeitschriftWirtschaft und Statistik" behandelt, aus dein E. W. Reumann in derRaturwissenschaftlichen Wochenschrift" interessante Zahlen mitteilt. Das Memelgebiet ist ein Streifen von 270 813 Hektar, aus dem zur Zeit etwa 150 000 Einwohner leben. Mit Ausnahme der Ostseeküste ist der Boden frucht­bares Ackerland; große 'Waldbestände liegen in allen Gegenden verstreut. Etwa 90 Prozent der Gesamtfläche wird land» und forstwirtschaftlich genutzt; doch überwiegt allgemein der bäuerliche Betrieb. Das Gebiet ist mehr zum Futter anbaa als zum Anbau von Körnerfrüchten geeignet, und seit jeher ist die Vrehzucht die Hauptbeschäftigung der Bevölkerung. Rach einer Zählung im De­zember 1920 gab es im Memelland 31 471 Pferde, 69 956 Rinder. 23 052 Schafe, 76 980 Schweine und 255 000 Stück Geflügel. Handel und Indistrie sind für das Gebiet von wesentlicher Bedeutung; im Zähre 1920 betrug der Eingang von Schiffen im □Hemeler Hasen 790, der Ausgang 795. so dav die Zahlen von 1913 damit ungefähr errei1-'" wurden. 1913 stellte sich der Gesamtwert l Ein- und Ausfuhr aus 113,4 Millionen Marc. Der Handel mit Holz, für den der heimische Waldbestand die Grundlage bildet, nimmt die wichtigste Stelle ein. Von den 150 000 Ein­wohnern spricht fast die Hälfte Ittanisch als Muttersprache, jedoch in einem Dialekt, der von dem in Kowno wesentlich abweicht. Die Stadt Memel zählt 31 000 Einwohner. Von den Er­werbstätigen gehören 60,5 Prozent der Land­wirtschaft, 13,7 Prozent der Industrie und 8,3 Prozent dem Handel und Verkehr an.

haben kann. Das Opfer wirkt also hier als eine Art Medium. Es ist ja bekannt, daß somnambule Erregungszustände eine merkwürdige Verände­rung im Organismus herbeisühren, sozusagen ein Ausströmen des Seelenstoffes verursachen, wäh­rend die im Traumzustande befindliche Person völliger Hilflosigkeit anheimfällt. Diese Person ist vollkommen ihrer Umgebung ausgeliefert und kann es nicht verhindern, daß ihr der letzte Funke von Lebenskraft ausgesogen wird, bis der Tod eintritt Man nennt das Od-Danrpßrismus. Die alten Völler waren in diesen Dingen viel be­wanderter als wir, und bevor sie zum Drand- opfer schritten, setzten sie sich in Besitz der seeli­schen Substanz des zu opfernden Wesens. Run bin ich der Ansicht, daß wir in den Mumien, die Sie soeben gesehen, derartige arme Opfer vor uns haben. Diese befinden sich sozusagen in einem Zwischenstadium, denn allem na h, was ich jetzt beobachtet habe, folgt die Verbrennung und damit endgültige Vernichtung des Opfers nicht unmittelbar auf jene Zeremonie der magischen Tötung. Die Körper werden vielmehr nach ihrer Entseelung mumifiziert, um sie längere Zeit aus» bewahren und dann bei einem späteren Fest be­liebig der Verbrennung anheimgeben zu können. Diesen Raum hier Halle ich für einen Aufbewah­rungsort für derartige Zwecke, der eigentliche Tempel, in welchem die Orgien stattfinden, muß anderswo liegen.

Rach diesen Worten des Archäologen verfiel Eduard in ein dumpfes Schweigen. Er sah grau» sige Bilder vor sich aufsteigen und konnte ihnen nicht einmal die tröstliche Gewißheit entgegen» hallen, daß das ja alles längst vergangenen Zei­ten angehöre, denn er sah nur zu deutlich alle Anzeichen vor sich, daß noch in seiner Zeit und in seiner unmittelbaren Rähe die Dämonen der Finsternis ihre Zähne fletschten. Aber wie er Dollor Perzelius inmitten dieser Schrecknis so gleichgültig rauchend auf dem Steinsarge sitzen sah, übermannte ihn der Gedanke, bau dieser

hochmütige Gelehrte nur einen sträflichen Scherz mit ihm treibe.

Ich denke, wir kehren um", sagte er deshalb mißmutig zu dem Doktor, und dieser ließ sich steif von seinem kühlen Sitz herabrutschen und begann, während er seine Pfeife wie ein grinsender Toten- kops zwischen die Zähne kniff, den hölzernen Deckel über die Oeffnung des Sarges zu legen

Dann horchte er plötzlich gespannt wie ein Iagdhund in die Finsternis.

Was ist?,' fragte Eduard.

Doktor Perz'l u? brimmte etwas vor sich hin, fahr aber ruhig in feiner Arbeit fort.Wir wollen heimgehen." ttxr.idte er sich bann an Eduard, nahm die Lampe vom Boden aif jnb ging lern schmalen Aue gang za.

Eduard atmete aaf, als er sich ti>i?ber ui der geräumigen Halle sah, die trotz des Grauens, das in jedem Winkel lauerte, immer noch weniger bedrückend wirkte als das enge Grabgemach. Doktor Perzelius setzte sich auf einen der herum» liegenden ©tei le und begann eine Zeichnung der ganzen untertzdischen Ailage zu enttee fen. Er schritt von Zeit zu Zeit aufmerksam die einzelnen Teile ab und notierte die Zahlen auf seinem Papier.

Tiefes Schweigen umgab die beiden Männer, und das einzige, was Eduard hörte, war das Sausen seines Blutes in den Ohren.

Aber plötzlich schra» er zusammen. Es ttxir ihm. als hätte er d wlich das tat schende Ge­räusch von vchritten gihört, bi? sich durch Das Geröll berwärts arb.it ter Er sah mit einer angstvol e. Frage im G sitzt auf Doktor Pe - zelius. Auch di?ser Hütte sich aufgniche inb horchte. Der Ton schien aus dem Loch an der Schmalseite des Raumes zu kommen. Per-elius löschte die Lampe und schlich auf den Zehen nach der Oeffnung. Das Geräusch war nun ganz deut­lich zu hören und näherte sich unerwartet rasch

Wll sind entdeckt . nun auer schnell!" zischte der Doktor, und" (Eduard' fühlte nur, daß

Montag, 10. Juli 1922

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 10. Iuli 1922.

Anträge aus Gewährung von ^ahrprci^erlnästigungcn.

Von der Eisenbahnbireklion' Frankfurt a. Rkain wird uns geschrieben: Beim Reichsver- kehrsministerium gehl täglich eine außerordent­lich große Zahl von Anträgen aus Gewährung von Fahrpreisermäßigungen für die bevorstehende Reisezeit ein In welchen Fällen Fahrpreisermäßigungen zulässig sind, ist cn den Tarifen genau feftgelcg! Abweichungen hiervon find nach § 6 der Verkehrsordnung nicht gestattet. Die Dienststellen und die Eisenbahn» direftionen kennen diese Vorschriften und ihre Anwendungsmönllichkeit genau. Da alle beim Reichsverkehrs mini st erium ei gehen­den Anträge an die nachgeordneten Stc llcn tut Erledigung abgegeben werden, entsteht durch die unmittelbare Einsendung der Anträge an den Reichsverkehrsminister nur unnötiger Zeit­verlust, der sogar, wenn sich die Entscheidung infolge der Wellergabe über die Zell des Reise­antritts hinaus verzögert, den Beteiligten Rach­teile bringen kann. Cs dürfte sich daher emp­fehlen, derartige Anträge unmittelbar an bie Eisenbahndienst stellens Fahrbuten­ausgaben, Bahnhöfe) oder an die zuständige Cisenbahndirektion zu richten.

Weitere Erhöhung des (tzoldankanssPreLses. Der Ankauf von Gold für das Reich durch die Reichsbank und Post erfolgt in der Woche vom 10. bis 17. Juli d. Zs. zum Preise von Mk. 1700 für ein Zwanzigmarkstück, Mi. 850 für ein Zehnmarkstück. Für auslän­dische Goldmünzen werden entsprechende Preise gezahlt. Der Ankauf von Reichssilbermünzen durch die ReichS- bank und Post erfolgt vom 10. bis 17. Juli d. Zs. bis auf weiteres bis zum 40fachen Be­trage des Aennwertes.

L.U. Aus Anlaß des 50jährigen Doktor-Jubiläums der Herren Geh. Baurat Dr. Otto von R i t <j c n in Charlotten- burg, und Gymnasialdirektvr a. D. Dr. Ludwig Schädel in Baden-Baden, hat die Philo­sophische Fakultät der Landes-Aniversikät das Doktordiplom erneuert.

** D i c Einweihung des neuen Bootshauses der Gießener Ruder- gesellschast 1 87 7 fand am gestrigen Sonn­tag unter großer Beteiligung statt. Die Feier begann mit der Schlüsselübergabe an den Vor­stand der Gesellschaft Rach kurzen Worten des Dantes und der Würdigung des Tages durch Stadtverordneten K r a i I i n g und Proß Geyer, die als Vertreter des Vorstandes das Haus übernahmen, öffneten sich die Pforten, und die Festversammlung begab sich in den geschmückten Saal im Obergeschoß des Aeubaues. Hier be­grüßte Herr Riemann die Gäste. Zu längeren Ausfüh ungen über den geschichtlichen Werdegang der Gießener Rudergesellschaft 1877 nahm Dann Herr Reiber das Wort. Mit seinem Humor entwarf er ein Bild von den überaus bescheidenen Anfängen der Gesellschaft, die aber dann durch zielbewußtes Streben sportlich sich vervollkomm­nete und an Zahl zunahm. Im Jahre 1889 wurde an Stelle der baufällig gewordenen Holz- baracfe das frühere Bootshaus errichtet. Doch auch dieses entsprach im Lause der Zell nicht mehr den Bedürfnissen, so daß trotz der größten Schwierigkeiten das nun vollendete Werk in An- | griff genommen wurde. Herzlicher Dank und größte Anerkennung verdiene vor allem Archi­tekt Georg M o h r, dessen unermüdlicher Tätig­keit und künstlerischer Begabung es vor allem zu verdanken sei, daß das Haus diese Gestatt annähm. Doch auch allen übrigen Freunden und Gönnern sei an dieser Stelle der Dank für die Unterstützung ausgesprochen. Von den Gästen ergriffen zunächst Provinzialdirektor Staatsrat Matthias, Beigeordneter Dr. Frey und Di­rektor Schnell das Wort. Ihnen folgten die Vertreter des Latzn-Regatta-DerbandeS, der Turn», Spietz mb Sportvereinigung, des Wetz­larer Rudert'kabs, des Limburger Rudervereins des Weilburger Ruderklubs, des Vereins Ruder­sport 1913, der Ruderblubs Hassia, des Ruder- Vereins Kassel, des Ruderklubs Ku:h:ssen-Kassel, des Rudervereins Marburg, der Hellas-Ofsen- bach, des Kami-Klubs Gießen und des Auto-

ifyn dieser am Arm ergriff und jTigc'iüm vor­wärts drängte. In i k i > rannte er mit, stol­pernd und tauschend aus dem unsicheren, schutt- bedeckten Bodeil hin nach dem Gang, durch den sie gekommen waren. Stockfinstere Rächt um­hüllte alles, und nur an dem dumpferen Hall seiner Schritte erkannte Eduard, daß der unter» ttdische Stollen ihn und den Doktor a.ifgenommen hatte. Wer um so näher und schauerlicher poch en auch die Trttte der Verfolger und mit Ent­setzen bemerkte Eduard, daß die Finsternts uird die älnebenhell des Bodens Doktor Perzeltus zwangen, (in immer langsameres Tdmpo anzu- schlagen. Man konnte bereits das G b ul "der herannahenden Gegner ve nehmen u d i i blu­tiger Fackelschein verscheuchte brutal die schützende Dunkelheit.

'2kun doch alles verloren war, ließ auch Per zelius seine Lampe aufflammen, um rascher vor- wärtsdlingen zu können. In sürch erlichen Span­nung vecstrtch'Minute um Minute, einige Schuss« fielen, näher und näher, und wie ein wildes Heer, das sich jeden Augenblia verdoppelte, leuchte, jöhlle und trampe.te dfe verfolgende Horde.

Der Schweiß rann Eduard vom Körper und seine Kniec und Hände waren zersetzt vom Hin- fallen auf dem spitzen Gestein. Immer wieder hielt er sich an dem Doktor, dessen Gesicht asch­fahl leuchtete, aber mit f i_c Fiber z:ckte.

Kon'.men Sie, kommen ci? zu den Pf er« den!" rief Perzelius unaust örlich,wir haben noch nichl die Hälfte des Weges."

Halb ohnmächtig schleppte sich Eduard weiter, während er beim Rückschauen bereits jede Gestalt der Feinde unterscheiden konnte. Es waren schwarze Kerle in wallendem Burnus, mit fürch­terlichen Augen und drohend erhobenen Schwer­tern. Es muhte jeden Augenblick zu einem Hand­gemenge kommen, und bann war er und der Doktor verloren.

(Fortsetzung folgt)