Ausgabe 
10.5.1922
 
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Nadek als Mittelsmann in Berlin.

Berlin, 9. Mai. (MB.) 3m Hauptaus- schnffe des Landtages erklärte Ministerp. äsident Braun aus eine Anfrage von kommunistischer Seite, das) Radek in Berlin als Mittelsmann zwischen der Sowjetregierung und den russischen Vertretern in Ge:rua tätig sein solle und ver­sprochen habe, bei seiner Anwesenheit in Deutsch­land nicht agitatorisch tätig zu sein. Menn er sich gleichwohl propagandistisch betätige, müsse er sich gefallen lassen, dass diese Tätigkeit ihm unter­sagt werde.

Die neue deutsche Reparationsnote.

Berlin, 10. Mai. Wie die Blätter thören, wird die Antwortnote der Reichs- Regierung auf die Rote der Reparattvnskom- mission vom 13. April, in der sich die Repara- tivnökommission bereit erklärte,jede praktische Erwägung zu prüfen, die von der deutschen Regieimng zur Lösung der Schwierigkeiten, in der sie sich befindet, dorgebracht werden könnte", heute der Reparativnskonrmission überreicht werden. Die deutsche Antwortnote, die den Blättern zufolge einen Weg zu weiteren Verhandlungen eröffnet, war gestern Gegenstand einer Besprechung jbcr Parteiführer in der Reichskanzlei. Mi- mister Dr. Hermes erklärte in großen Zügen die Antwortnote.

Die Ernährungsfragen im Hauptausschuh des Reichstages.

Berlin, 9. Mai. (MTB.) 3m weiteren Verlaufe der Sitzung des Hauptausschusses des Reichstages sprach sich Reichsminister Fehr gegen dir Zwangsbewirtschaftung der Kar- tosseln aus. Ebenso wandte er sich gegen die Kartoffelumlage. Dir Sicherung der Versorgung müsse durch Lieferungsverträge erreicht werden. 3n schärferer Meise müsse die Konzessionierung des Kartosselhandels durchgeführt werden.

Zum Schlüsse seiner Rede erklärte Reichs- minister Fehr, daß Vorkehrungen getroffen seien, um die Stockungen und Störungen des Trans­wortes während der Erntezeit zu vermeiden.

Der Hauptausschuh nahm eine Zentrums- r e s o l u t i o n cm, die den Abschluß von Privat- belieserungsverttägen über Kartoffeln zwi­schen Erzeugern und Verbrauchern unter Mitwir­kung der Landwirtschaftlichen Berufsvereinigun- gen, Genoffenschaften und Konsumvereinen in großzügiger Meise fordert. Für Kartoffeln, die von den Ci-zeugern für Minderbemittelte, nament­lich für kinderreiche Familien, zu ermäßigten Prei­sen geliefert werden, soll eventuell Frachtmin­derung bewilligt werden. Weiterhin wurde ein Zentrumsantrag angenommen, wonach die Ge­treideumlage in der bisherigen Form nicht möglich sei, da sie die notwendige Vermehrung der landwirtschaftlichen Erzeugung hindere. Zur Sicherung und Versorgung der breiten Massen der Bevölkerung mit Brotgetreide müsse eine ge- Knügende Drotreserve unter Verbilligung der .Brotpreise für Minderbemittelte verlangt wer- Len. Die Landwirtschaft müsse hierfür mit ihren Vertretern einen zu vereinbarenden Preis fkfjern.

3m Hauptausschuh des Reichstages wurde ferner eine Entschließung des Zentrums angenom­men, die Reichsregierung zur Vorlage eines Ge­setzentwurfes aufzufordern, wonach in Zukunft Verkäufe von Grund und Boden (Lände­reien) an Ausländer von 1/4 Hektar Größe an wie bisher der Genehmigung der Regierung be­dürfen. Meiterhin wurde eine Zentrumsresolution angenommen, die Reichsregierung zu ersuchen, die Ausfuhr von Gemüsekonserven nur für die Bedürfnisse des Saarlandes und des Frei­staates Danzig zuzulassen, und für diese Ausfuhr Sicherungen Lu treffen, welche die Weiterver­schiebung in das Ausland unmöglich machen.

Aus dem Reiche.

Die Neuordnung der Deanttenbesoldung.

Berlin, 9. Mai. (WTB.) Der Reichs- tot nahm den Ergänzungsetat mit der Neu­ordnung der Beamtenbesoldun­gen unverändert an. Insgesamt wird der Etat mit 15 Milliarden mehr belastet, wovon 7,5 Milliarden auf das Reichsverkehrsministe­rium, 4,5 Milliarden auf das Reichspvst- ministerium, 3 Milliarden auf die allgemeine Finanzverwaltung entfallen. Der zuletzt ge­nannte Dettag soll durch höhere Steuererttäg- nisse gedeckt werden, während die Mehraus­gaben der Betriebsverwaltungen von diesen selbst aufzubrrngen sind; d. h. durch neue Tariferhöhungen.

Aus Hessen.

Geburtenzahl und Säuglingssterblichkeit in Hessen.

Nachdem im Jahre 1920 die Zahl der 'Lebendgeborenen in Hessen wieder auf die Friedenszahl, 32 549, gestiegen war, ist sie im Zahre 1921 auf 31 050 gesunken, was in An­bettacht der vielen jung geschlossenen Ehen einen bemerkenswerten Rückgang bedeutet, der aber im Hinblick auf die schwierigen wirtschaft­lichen Verhältnisse der jetzigen Zeit begreif­lich ist. Im ersten Lebensjahr starben im Jahre 1921 2838 Kinder, so daß auf 100 Le- bendgeborene 9,2 gestorbene Säuglinge kom­men. Es ist dies eine recht niedrige Sterblich­keit, wie sie für Hessen noch nicht zu verzeich­nen war. Im Jahre 1920 betrug sie 10,1. Die niedrigste Säuglingssterblichkeit in Hessen hat stets die Provinz O b e r h e s s e n; sie be- ttug 7,5 im Jahre 1921.

Aus dem besetzten Gebiet.

Der französische Militarismus und die Mainzer Wohnungsnot.

Wie dieDeutsche Allgem. Ztg." hört, wurde von der Stadtverwaltung in Mainz trotz der bis auf das Aeußerste gestiegenen Wohnungsnot die Stellung von Räumlichkei­ten für die Unterbringung hon 1 00 Mili­tärpersonen, darunter auch -Unteroffiziere Mit Familien, verlangt. k

Aus Sladt und Land. |

Gießen, den 10. Mai 1922.

** Der Gleibergverein hielt seine diesjährige, vom besten Wetter begünstigte Ge­neralversammlung ab. Der 1. Vorsitzende, Pro- Vinzialdirektvr Dr. Usinger, konnte infolge dienstlicher Verhinderung an der Versammlung nicht teilnehmen. Geh. Hofrat Prof. Dr. König eröffnete als 2. Vorsitzender die Generalversamm­lung und setzte die Tagesordnung: Rechnungs­ablage für 1921/22, Geschäftsbericht 1921/22 und Feststellung des Voranschlags 1922/23 unter Zu­stimmung der Erschienen fest. Bei dem Punkt: Neuwahl des ausscheidenden 1. Vorsitzenden schlägt der 2. Vorsitzende für den als Provinzial­direktor nach Mainz versetzten Geh. Rat Dr. Usinger, Prvvinzialdirektor Matthias als 1. Vorsitzenden vor. Die Versammlung erhebt diesen Vorschlag einstimmig zum Beschluß. Pro­vinzialdirektor Matthias nimmt mit Freude von diesem Beschlüsse der Versammlung Kennt­nis und den 1. Vorsitz dankend an. Geh. Hofrat Prof. Dr. König, wie auch der Vertreter der preuh. Aufsichtsbehörde, Geh. Reg.-Rat Landrat Dr. Sartorius würdigten unter Zustimmung der Versammlung die Verdienste des ausgefchie- denen 1. Vorsitzenden, Geh Rat Dr. Usinger, um die Erhaltung der Burg während seiner 12jährigen Geschäftsführung. Aus dem Ge­schäftsbericht war zu ersehen, mit welch ungeheu­ren Schwierigkeiten der Verein in der Verwirk­lichung seines idealen Zieles, der Erhaltung der ehrwürdigen Burgruine, zu kämpfen hat. Wenn nicht von Zeit zu Zeit Freunde der Sach? durch namhafte Geldspenden die eine oder andere un­umgänglich notwendige Unterhaltungsarbeit mög­lich machten, würden die knappen Geldmittel des Vereins kaum die nötigsten Reparaturen An­lassen. Interesse an der Erhaltung des Gleibergs, dieses Wahrzeichens des Gießener Lahntales, sollte immer weitere Kreise ziehen und dem .Verein weiter neue Mitglieder und damit neue Mittel zuführen. Ganz besonders in der .gegenwärtigen Zeit ist, wie auch der 1. Vorsitzende näher aussührte, ein Aufsehen zu den Baudenkmälern unserer Vorfahren und ein Fest halten in den überkommenen Zeugen besserer Zeiten notwendig, um daraus die Kraft für den mühevollen Weg, der uns noch Vorbehalten ist, schöpfen zu können.

** Beruf und Erkrankung. Gestern abend begannen im großen Hörsaal derUniversität die populären Vorträge über Beziehungen zwi­schen Berufstätigkeit und Erkrankung für Stu­dierende aller Fakultäten und Angehörige aller Berussklassen. Zahlreiche Hörer beiderlei Ge­schlechts hatten sich eingefunden. Der Vortragende stellte zunächst an der Hand von Beispielen den Hnterschied zwischen Berufsunfällen und Berufserkrankungen fest und betonte, dah sich die Vorträge auf letztere und die durch sie verursachten, mehr oder weniger hochgradigen Störungen beschränken würden, die oft ein vor­zeitiges Altern des Individuums bedingen. Nach Hinweisen auf die Bestrebungen der Aerzte früherer Jahrhunderte, den Berufskrankheiten und ihren Folgen vorzubeugen, wurden die Versuche Brown-Sequards und seiner Anhänger geschil­dert, die Einwände seiner Gegner besprochen und die Steinachschen autoplastischen und homo- plastischen Verjüngungsmethoden einer Kritik unterzogen. Hierbei kam die Rede auf die endo­krinen Drüsen, deren Hormone im Leben des Indi­viduums eine wichtige Rolle spielen. Lichtbilder und Tabellen erläuterten die Ausführungen des Vortragenden. Der nächste Dienstagvvrtrag wird sich nebst ergänzenden Bemerkungen über die Schul- und Hochschulzeit mit den Erkrankungen der wissenschaftlichen und Künstlerberufe be­schäftigen.

"NeaeDrot-undMehlpreise. Noch einer amtlichen Bekanntmachung werden mit Wir­kung vom 16. Moi infolge weiterer Erhöhung der Mahl- und Backlöhne die Preise für auf Brot­marken abzagebende Backwaren wie folgt fest­gesetzt: Brot für /Jen 4 Psd.-Loibi 14,20 Mk., Bröt­chen 0,50 Mk. für 50 Gramm, Weizenbrotmehl 4,20 Mk., Roggenbrotmehl 3,95 Mr. für 1 Pfand.

** Sorgfältige Gepäckaufliefe­rung. Noch immer ist, wie das Publikum oft glaubt, der Verlust eines Gepäckstückes auf Dieb­stahl zurückzuführen. Sehr oft trägt der Absender die Schuld an einer Verschleppung und schließlich an dem Verlust selbst, wenn er das Gepäckstück nicht durch Angabe der Abresse des Reisenden sowie der Abreise- und Zielstation so fest und deutlich äußerlich gekennzeichnet hat, daß es fernen rich­tigen Weg bei der Eisen ba hn g ehen muß. Für die Signierung der Gepäckstücke eignen sich am besten Signierfahnen aus Blech, Leder, dicker Pappe oder Holz, die nicht leicht abreißen können, zumal wenn sie mit geglühtem Draht oder gutem Bindfaden fest angebunden sind. Die gleichen Angaben über Adresse, Abgangs- und Bestimmungsstation folg­ten auch im Innern des Gepäckstückes durch Ein­legen eines Zettels erkennbar gemacht werden. Alte Beklebzettel müffen vor jeder Reise sorgfäl­tig entfernt werden, weil sie leicht zur Verschlep­pung Anlcch geben. Auch die sorgfältige Auf­lieferung von Stückgütern fei eingeschärft. Handel wie Industrie können nur immer wieder darauf hingewiesen werden, wie wichtig eine dauerhafte Signierung der Güter ist. Eine Kiste, ein Faß, efn Ballen, auf deren Brettern oder Verpackung Zeichen und Nummern der Signatur übereinstim­mend mit dem Frachtbrief dauerhaft und deutlich ausgemalt ist, sonstige Güter, besonders Maschi­nen und lose Eisenteile, an denen gute Anhänger aus Weißblech an geschützten Stellen dauerhaft angebracht sind, werden dem Empfänger fast immer sicher zulaufen. Alte Signierungen müssen aber auf jeden Fall entfernt werden, sie geben häufig zu Fehlläufen Veranlaffung und erschweren den Ausgleich bei Verschleppungen.

Umsatzsteuer von möblierten Zimmern. Heber die Hmsatzsteuerpflicht bei Vermietung eingerichteter Räume durch Privat­personen hat der Reichsfinanzhof ein wichtiges Urteil gefällt. Der Gerichtshof billligt die Rechts- auffaffung, daß die entgeltliche Vermietung ein­gerichteter Räume durch Privatpersonen eine ge­werbliche Tätigkeit im Sinne des Hmsahsteuer- gesetzes darstellt, wenn sie auf die Dauer berechnet ist. Sie unterliegt dann grundsätzlich der Steuer, auch wenn die Vermietung durch die Zwangs­wirtschaft veranlaßt ist. Es kommt dabei nicht darauf an, ob ein Gewinn erzielt werden soll. Die Dauer, auf die die Tätigkeit gerichtet ist, braucht nicht unbegrenzt zu sein; vielmehr kann sich die Absicht, tätig zu sein, auf eine ganz be­stimmte Gelegenheit von vornherein begrenzter Zeitdauer abftellen, z. B. auf die Dauer der Wohnungszwangswirtschaft.

Bornotizen.

Tageskalender für Mittwoch. Astoria-Lichtspiele, ab heute:Das Panzer­geschoß", 5. Teil:Des Leidens kein Ende" und Die Liebschaften des Hettor Dalmore". Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Christus".

Aus dem Stadttheaterbureau. Nach langen Bemühungen ist es der Direktion des Stadttheaters gelungen, den vielbegehrlen, allseits stark beliebten Borttagskünstler Jo­seph Plaut für einen zweiten Abend zu verpflichten. Plaut, der auch hier anläßlich seines ersten Heiteren Abends im März viele Freunde gewonnen hat, darf wohl am Diens­tag, den 16. Mai, ein volles Haus erwarten. Der Kartenverkauf findet statt am Sonntag (11121 A), Montag (101) und Dienstag von 101 und 3725 Ahr.

Das FilmwertChristas" wrrd nur noch heute im Lichtspielhause tn der Dahn- hvfsl ra -e gezeigt. Ein Besuch der eigenartigen Darbietung kann empfohlen we.den.

Landkreis Gietzen.

Nonnenrot h, 9. Mai. Einen raschen Tod sand gestern der in den 60er Jahren stehende hiesige Gemeinderechner Rinker. Er hatte auf einem Pflugkarren, vor den ein Fohlen gespannt war, Platz genommen. Als das junge Tier mit einem plötzlichen Ruck anzog, wurde R. von seinem Sih geschleudert und schlug mit dem Kops so unglücklich gegen eine Mauer, daß der Tod infolge der schweren Verletzungen am Diens­tag eintrat.

Kreis Schotten.

* Ruppertsburg, 9. Mai. Ver­mißt. Am Sonntag abend wurde eine hie­sige Familie in große Angst und Leid versetzt durch das Ausbleiben des Hausvaters Land­wirt Konrad Diehl L, der noch am Nachmit­tag gemeinsam mit seiner Familie den Kaffee trank und dann ins Feld gegangen war. Die Begleitung seiner Frau, die den Spaziergang gemeinsam mit ihm machen wollte, hatte er abgelehnt und hat sich allein entfernt. Es wurde noch am Abend von vielen Leuten nach ihm gesucht, man fand ihn aber nicht. Am gestrigen Morgen wurde die hiesige Pflicht­feuerwehr alarmiert, die Stteifen durch die Felder und sämtliche umliegenden Waldungen machte, aber auch ohne Erfolg. Das Bedenk­liche ist, dah Der Mann, der immer als braver und fleißiger Arbeiter gegolten hat, in den letzten Jahren durch Krankheitsanfälle seelisch gelitten hat.

Kreis Friedberg.

i. Butzbach, 9. Mai. ilnter Leitung des Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Butzbach Licher-Eisenbahngesellschaft, Medizi­nalrat Dr. Vogt, fand im hiesigen Rathause eine Besprechung über den neuen Fahrplan statt, zu der die Vertreter der an der Strecke liegenden Gemeinden eingeladen waren. Einstim­mig wurde die Einstellung eines Abendzuges von Lich bis Queckborn verlangt. Nur dadurch sei dem Personenverkehr Rechnung getragen. Dieser Zug könne auch einen Teil des gesteigerten Güter­verkehrs auf der Strecke bewältigen, so dah die Tageszüge entlastet würden und ihre Fahrzeiten besser einhalten konnten. Gerade in den letzten Wochen war der Mißstand, dah Züge Verspätun­gen von einer Stunde hatten, wieder sehr ein­gerissen und als rechtes 'Verkehrshindernis emp- sunden worden. In nächster Zeit soll wieder eine Besprechung mit dem Vertreter der Firma Lenz u. Co. in Berlin, die Besitzerin der Bahn ist, stattsinden, in der hoffentlich die berechtigten Wünsche der Gemeinden erfüllt werden.

Starkenburg und Rheinhessen.

im. Darmstadt, 9. Mai. Die Zentrale für Mutter- und Säuglingsfürsorge in Hessen hielt in den Räumen des Landtags­gebäudes unter dem Vorsitz des Geh. Medizinal- rat6 Ba lser ihre aus allen Landesteilen gut besuchte Hauptversammlung ab. Der Vor­sitzende erstattete eine allgemeine Hebersicht über die umfangreiche Tätigkeit der Zentrale, worauf Dr. Polligkeit - Frankfurt einen aufklären­den Dorttag über:Das ReiHsjugendwohlfahrt- geseh nach der letzten Lesung", erstattete, wobei insbesondere die Bildung und Zusammenseh rng der Jugendämter interessierte. Dann wurde der vorgeschlagene Satzungsnachtrag zu § 8 1 be­raten :Der Landtag, die Gesamtheit der Kreise und gemeinsam die 5 größten Städte des Landes können je drei Vertreter mit Stimmrecht in den Ausschuß und die Hairptversammlung entsenden." Die Abgg. Delp und Neumann beantragen hierzu eine stärkere Vertretung der Arbeiter­schaft, bzw. der Gewerkschaften. Heber die Frage entfpinnt sich eine ausgiebige Aussprache. Da eine Verständigung über die Zusammensetzung des Ausschusses nicht zu finden war und verschie­dene Dermittelungsvorschläge feine Gegenliebe sanden, mußten die Verhandlungen wegen der vorgerückten Zeit abgebrochen werden. In einer demnächst zu berufenen neuen Versammlung soll diese Frage wie auch der Rest der Tagesordnung (Srlebigung finden.

rm. Darmstadt, 9. Mai. Der Mörder des Wachtmeisters Günther ist trotz aller Nachforschungen und der durch die hessischen Mi­nisterien ausgeschriebenen hohen Belohnung bis­her nicht ermittelt worden. Der mit großem Eifer verfolgte berüchtigte Ein- und Ausbrecher Phil. Riedel, der wegen der in der Mordnacht ver­übten Einbrüche wegen der Mordtat in Verdacht kam, wurde gestern im Frankfurter Gerichtsge- sängnis durch einen Darmstädter Kriminalwacht-- meifler, der hie benachbarten Gefängnisse durch­streifte, unter einem falschen Namen entdeckt, wo er schon seit dem 8. April nach einem verübten Einbruch festgenommen war. Für die Diebstähle, sowie den Mord kann er also nicht mehr in Frage kommen. Ebenso wahrscheinlich ist es aber doch, daß der Mord mit den Einbrüchen in Verbin­dung steht.

* Offenbach, 9. Mai. Einem Kriminal­beamten gelang es gestern vormittag, ethen Fahrrad marder auf frischer Tat abzusas- sen. Der Beamte beobachtete, wie ein ihm ver­dächtig vorkommender Bursche sich an em Fahr­rad, das der Eigentümer wenige Augenblicke vorher vor den Bureauräumen der Allgemeinen Ortskrankenkasse unbeaufsichtigt abgestellt hatte, heranmachte. Als der Bursche sich auf das Rad schwingen wollte, sprang der Beamte auf ihn zu. Ser Dieb versuchte schleunigst auszurnßen, konnte ober aber bald eingehvlt und dingffft gemacht werden.

* Aus Rheinhessen, 9. Mai. Dec rheinis ch« W e i n b a u i m F i l m. (Sine Ber­

liner Filmgesellschaft will das rheinische UBetne baugebiet filmen. Man ist zu diesem Zwecke be­reits an eine Reihe von besonders berühmten Weinorten Ij-eroirgetreten, um namhafte Zuschüsse zu erbaten, da man von der Filmaufführung für den Weinbau eine zugkräftige Reklame gerade dieser bevorzugten Orte erwartet. Einzelne Ge­meinden, wie Ober-Ingelheim und anbe e, haben den Zuschuß aus Gemeindemitteln abgelehnt und verweisen die Gesellschaft an die Weinbaainttr-' essenten, die von dem Film ja auch den Nutzen hätten.

tob. Mainz, 9. Mai. Gestern nachmittag gegen 3 Hhr entstand in der Schaltung des elektri­schen Stromversorgungsnetzes unter dem Musik­tempel auf dem Schillerplatz Kurzschluß. Die Explosion setzte die Isolierung der Kabel in Brand, toeiche schmolzen. Durch den Kurzschluß wurde für einige Zeit die Stromversor g u-n g.jz n t e r * b ro chen, so daß die Straßenbahn und auch der größte Teil der Stadt ohne Strom und Licht waren. Die Hrsache ist anscheinend in der Berührung eines Fremdkörpers, möglicherweise eines Steins mit den blanken Teilen der Drähte zu suchen. Der angerichtete Schaden ist nicht erheblich.

* Rüsselsheim, 9. Mai. Aus tra» gische Weise im Main ertrunken ist das 7jährige Söhnchen des Wagners Adam Diel. Dem Kind war beim Spielen der Ball in den Fluß gefallen, als es diesen herausholen wollte, stürzte es in den Strom und ertranf.

Hessen-Nassau.

tot). Höchst a. M., 9. Mai. Auf der hiesigen Station stürzte am öonntagmorgen aus einem von Frankfurt nach Wiesbaden fahrenden Zug ein junges Mädchen, das sich mit einer Gesellschaft offenbar auf einem Sonntagsausflug befand. Es geriet unter den Wagen und tourbe sofort getötet. Der «Unfall ist anscheinend dadurch entstanden, daß man vorzeitig die Wagentür öffnete, an die sich das Mädchen mit dem Rücken angelehnt hatte.

* Philippsthal b. Kassel, 9. Mai. Mit seiner Braut im Tode vereint wurde der Major von Sch. in Philippsthal. Er han- tierte mit einer Pistole, die sich plötzlich entlud und ihn tätlich verletzte. Bor Schrecken und Gram wurde seine Braut, die er in wenigen Wochen heimführen wollte, so schwer leidend, dah sie bald danach starb.

fpd. Fulda, 9. Mai. Auf bem Kreuz­berg, dem hochragenden Wächter der Rhön, wurde unter gewaltiger Beteiligung der Rhön­bevölkerung das 40 Meter hohe Kreuz durch Bischof Dr. ©enger aus Bamberg feierlich eingeweiht. Don den Spenden für die Neu- a.kfrichtung des Kreuzes ist ein größerer Heber« schuß verblieben, der dem Vernehmen nach für den Ausbau des aißer Betrieb gesetzten Obser­vatoriums zu einem Aussichtsturm Verwendung finden soll.

Wettervoraussage

für Donnerstag.

Bewölkt, leichte Niederschläge, käller, nord­westliche bis westliche Winde.

Durch ein starkes westliches Druckgefälle hoben uns falte Luftmassen, die von Norden her vor- brangen, Abkühlung und Nieberschläge gebracht. Die Witterung bleibt unbestänbig.

Vermischtes^

Der Fähnrich von Hirschfeld.

Der frühere Fähnrich Oltwig v. Hirsch» selb,, der wegen seines Attentats auf Erz­berger zu einer längeren Gefängnisstrafe ver­urteilt worben war, ist den Blättern zufolge infolge eines ärztlichen Gutachtens für g e 1 ft e s- front erklärt worden. Es soll der Antrag gestellt werden, Hirschfeld mit Rücksicht auf feinen Zustand aus der Strafhaft z-u entlassen. Seine Strafe wäre im Februar verbüßt gewesen, wenn sein Aufenthalt in der Irrenanstalt auf die Straf­zeit angerechnet worben wäre.

Ein Fälscher Md Hochverräter.

Berlin, 9. Mai. (WTB.) In Berlin ver­haftete bie Polizei einen gewissen Erich Ans­pach, der gewöhnllch als Dr. Anspach auftrat unb in größtem Ausmaße politische Dokunkente (z. B. angebliche Geheimberichte verschiedener Mi­nisterien, angebliche Protokolle des Reichsfabi- netts usw.) fälschte unb diese Hrkunden den En­tentestaaten in die Hände spielte.

Eisenbahnräuber.

Plauen i. V, 9. Mai. (WTB) 3m Mün­ch e n - B er l i n e r 0° Zug ist in der Nacht zum Dienstag im Abteil zweiter Klasse auf einen olleinreifenben Herrn von zwei Personen, die in Schwandorf eingeftiegen waren, ein Raubüber­fall versucht worden. Die beiden Räuber be­gaben sich in das Abteil, dessen Tür sie ver­schlossen, und versuchten den Herrn zu erwürgen. Durch das Röcheln des Heberfallenen wurden die Insassen des Nebenabteils aufmerksam. Als die Räuber sich entdeckt sahen, sprangen sie aus dem Fenster des fahrenden Zuges.

Die Bergung derLusitania".

Philadelphia, 9. Mai. (WTB.) Sme Expedition zur Bergung derLusitania" unb anderer Schiffe, die in den letzten Jahren ge­sunken finb, wirb am 25. Mai von hier abgehen. Don der zwecks Bergung derßufitania gegrün­deten Gesellschaft wurde der DampferDlakeleh" gechartert. Hier wird nicht angenommen, daß der Hebung derLusitania" große Schwierig­keiten entgegenstehen, da die Lage .genau be­kannt ist.

Theaterbrand än Paris.

Berlin, 10. Mai. Wie bie Blätter Poris melden, zerstörte gestern nachmittag ein Großfeuer die gesamte Bühneneinrichtung des Theatersdu Casino". Der Schaden be­läuft sich auf über 100 Millionen Mark.

Kunst und Wissenschaft.

Professor Hbbelohde f.

ls Marburgs .Mai. Der bekannte Hessen- maler, Prof. Dr. Otto Hbbelohde, Ehren­bürger der Hniversität Marburg und Ehrendottor der Hniversität Gießen, ist gestern abend im nahen Dorfe Goßfelden, wo er seit vielen Jahren sein Heim ausgeschlagen, einer tückischen Krank­heit erlegen. Im Jahre 1867 in Marburg als Sohn des Hniversitätsprofessors Hbbelohde geboten, erhielt er seine künstlerische Ausbildung auf der Akademie in München. Die Motive zu seinen schlichten stimmungsvollen Land'chaften sind zum weitaus größten Teile seiner hessischen Heimat entnommen. Daneben genoß er als Ra­dierer einen hervorragenden Ruf, ebenso schasste er im letzten Jahrzehnt viele kunstgewerbliche- Entwürfe. Eine seiner letzten groben, Arbeite