Ausgabe 
9.9.1922
 
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des dem 15er Ausschuß der Berliner Be­triebsräte erklärte, er werde keine Reichs - bet.iebsräteversammlung etnberufen, beauf­tragt die Vollversammlung den sich bildenden Ausschuß, vom Vorstand deS Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes Antwort innerhalb Siner Frist von 5 Tagen zu ver­langen. Lehnt der Allgemeine Deutsche Ge- werkschaftSbund die Einberufung bis zum 22. Oktober ab, so soll der Reichsausschuß sofort die Wahlordnung und die Tagesord­nung des Kongresses bekanntgeben und die Einberufung vollziehen.

Die Verhandlungen mit Belgien.

Berlin, B. Sept. (WTB.) Die bel­gischen Delegierten haben heute nach­mittag 5 Uhr im Reichsfinanzministerium mit Minister Hermes und den Staatssekretären Bergmann und Schröder verhandelt. Der belgischen Delegation wurden be­stimmte Vorschläge vorgelegt. Diese wurden erörtert und die notwendigen Auf­klärungen darüber gegeben. Die belgischen Delegierten erklärten, daß sie sich wegen der Vorschläge mit chrer Regierung in Verbin­dung setzen mühten und dah sie voraussicht­lich in der Lage sein würden, am SamStag ihre Antwort zu geben. Am Samstag, 9. Sep­tember, werden also wahrscheinlich die Ver­handlungen ihren Abschluß finden.

Berlin, 8. Sept. DerB. Z." zufolge übermittelten die belgischen Unterhändler gestern den von deutscher Seite gemachten Vorschlag, die deutsche Industrie an der Garantierung der deutschen Schatzwechsel zu beteiligen, tele­graphisch nach Brüssel und baten um neue Weisungen. Die Antwort ist bis zur Stunde noch nicht eingetroffen. Anstelle der ursprüng­lich erwogenen Teilnahme Englands an der Diskontierung der Schatzwechsel wird jetzt die Fühlungnahme mit Holland ausgenom­men. Im Falle einer Einigung mit den Bel­giern besteht, derB. 3- zufolge alle Aus­sicht, daß durch Vermittlung des Bankhauses Mendelssohn holländische Danken statt der englischen sich an der Diskvntterung beteiligen.

Die Siegesbeute der Türken.

Paris ,9. Sevt. (WTB ) Rach einer Ha- vasmeldung aus Angora beträgt die Sieges- beute der Türken am 4. S"v*emben 1910 Geschütze, 12^0 Lastautos, 5000 Maschinengewehre und über 4^ 000 Gemetzre. Die Zahl dar Gefan­genen übersteigt an diesem Tage 20 000.

Wie Hava? aus Angora berichtet, wird von kemalist sicher Seite erklärt, daß die griechi­sche Armee, die ursprünglich 200 000 Mann zahlte, die Hälfte ihres SssektivbeHan­des verloren hat. Die griechischen Streit­kräfte, die sich in Unorbnung vor der türkischen Reiterei xurück^ishen, betragen noch nicht 50 000 Mann. Der Vormarsch der Türken dauert an. Rach den letzten Meldungen sind sie vor der Stadt M a n i s s a angekvmmen.

Wie Havas aus Athen meldet, berichten die dufter daß die Gefangennahme des griechischen Oberbefehlshabers und seines Stabes am 2. Sep-- tember durch türkische Kavallerie erfolgt ist.

v Athen, 9, Sept. (WTB.) Die im Auslande verbreiteten Gerüchte, daß in ganz Griechen­land Unruhen ausgebrvchen seien, entbehren jeder Begründung. Im ganzen Land herrscht Ruhe. In keinem Teil des Königreiches ereig­nete sich irgendein Zwischenfall

P a r i s, 8 Sept, (WTB) Rach einer Havas- meldung aus Adana gcchi das Gerücht, daß der B?fehlshader der türkischen Vorhut, die sich gegen­wärtig ungefähr 40 Kilometer vor Smyrna befin­det, den Befehlshaber der griechischen Ar­mee in Smyrna ausgefordert hat, zur Vermeidung unnützen Blutvergießens sich den Türken zu ergeben. Ec habe au derbem die Versicherung abgegeben, daß die Bevölkerung von Smyrna unter der kemalistischen Besetzung feine Gefahr lause.

(Kitte Vermittlung Italiens.

Rom, 8. Sept. (WB.) Wie die Blätter mel- Len, hat die italienische Regierung bei den Regierungen Frankreichs und Englands einen Schritt unternommen, um sie von der Aotwendig-' leit zu überzeugen, Griechenland und die Türkei zu einer Konferenz einzuladen, die in Venedig ftattfinben soll, und auf welcher die Friedenspräliminarien erörtert werden sollen. In der Zwischenzeit soll aus Gründen der Mensch­lichkeit Vorsorge getroffen werden, daß ein Wasienftillstand geschlossen wird, oder die Kriegs- Handlungen unterbrochen werden.

Rücktritt des griechische» Kabinetts.

Paris, 8. Sept. (WTB.) Rach einer HavaSmeldung aus Athen ist das grie­chische Kabinettzurückgetreten. Der König hat K a l o g e r o p u l o s mit der Bil­dung des neuen Kabinetts beauftragt. Rach einer Meldung desInttansigeant" ist Sku - l u l l e S zum Ministerpräsidenten ernannt worden.

Paris, 6. Sept. (WTB.) Havas meldet: Obgleich in den diplomatischen Kreisen Zurück­haltung betreffend den Inhalt der französischen Antwort auf die britische Rote wegen eines griechisch-türkischen Wa fs e n st i l l st a n- d e s gewahrt wird, kann man sich nach den um­laufenden Gerüchten eine Vorstellung von'ihrem Inhalt machen. Die französische Regie­rung dürfte erklärt haben, daß sie durchaus der Meinung ist, dah der Kampf zwischen den Grie­chen und Türken so schnell wie möglich beendet und weiteres Blutvergießen verhindert werden soll. Weiterhin soll erklärt worden fein, dah die fränkische Regierung im Augenblick kaum die Möglichkeit sehe, einen direkten Druck auf die Re­gierung von Angora auszuüben, um eine Ein­stellung der Feindseligkeiten zu ermöglichen. Sie fei jedoch vollkommen bereit, jede praktische An­regung in diesem Sinne günstig aufzunehmen. Die französische Rote soll weiterhin zu verstehen gegeben haben, dah die beste Lösung wahrscheinlich darin bestehen werde, daß die Generalstäbe der Griechen und Türken sich direkt miteinan­der m Verbindung setzen, um schnell die Be­dingungen eines für beide Teile annehm­

baren Waffenstillstandes zu oeretn» baren. Wenn die Angaben richtig find, so heißt es in der Havasmeldung, ist die ftanzösische Re­gierung bereit, im Einvernehmen mit ihren Alliierten die Dolle eines Vermittlers zu übernehmen, ohne sich indessen endgültig zu verpflichten, und ohne eine formelle Zusage zur Intervention zu machen.

Die Oberkasseler Vorfall in belgischem Licht.

Brüssel, 8. Sept. (Wolfs.) DieQlgence Belge" teilt mit: Von der Staatsanwaltschaft, die die Erschießung der beiden belgischen Soldaten in Oberkassel untersucht, sind wichtige Fest­stellungen gemacht worden. Aus den ersten Er­mittlungen der Ätchverständigen geht hervor, dah die am Tatort gefundenen beiden Patronen von der Pistole herrühren, die der belgische Sergeant in Händen hatte, als er niederfiel, daß aber die Gewehrpatrvne, die gleichfalls am Tatort gefun­den wurde, Don der gleichen Art ist wie diejenigen, die die deutschen Polizeibeamten besitzen. Diese Feststellungen geben zu neuen Nachsorichungen Anlaß. Man muß indessen anscheinend schon jetzt den Verdacht fallen lassen, der auf den Gästen beä Cafes ruhte. Sie wurden infolgedessen in Freiheit geseCtzt, ebenso der Wirt und seine Frau. Der Sohn des Wirts, der Drohungen gegen den Ser­geanten ausgestoßen hatte, bleibt in Haft. Es wird ein Deutscher gesucht: man glaubt, daß er nach Kassel geflüchtet ist. Es ist nicht richtig, daß der Sohn des Wirts erilärt haben soll, er habe jemand auf die Wache schießen sehen. Rach den bisher festgestellten Tatsachen scheint es sich nicht um eine im Alkoholrausch be­gangene Ta t zu handeln. Die Umftänbe des Dramas bleiben dunkel.

Paris, 9. Sept. (WTB.) Wie derPetit Parisien" aus Brüssel meldet, ist gestern der Mini st errat zusammengetrcten, um sich über die Vorgänge in Oberkassel zuu besprechen. Man soll sich, wie bereits gemeldet wurde, einem geheimnisvollen Drama gegenüber befinden. Jedenfalls scheint aber sicher zu fein, dah die Deutschen keinerlei Verantwortung für die Vorgänge tragen. Die Untersuchung wird fortgesetzt, und man erwartet das endgültige Er­gebnis.

Rußland und die Türkei.

London, 8. Sept. (Wolff.) In Konstanti­nopel crüs Angvra ein getroffene Berichte besagen, daß der Vertreter der Sowjetregie- ru n g dem Premierminister der kemalistischen Re­gierung Rauf Bey eine Botschaft sandte, in der die nati nalisttsche Regierung zu t/rem mili­tärischen E. folge beglückwünscht wird. In der Botschaft wird die Bedeutung der Tatsache hervorgehoben, daß die Hindernisse auf dem Wege nach Konstantinopel im lMcch.- beiadgt s.i-n und daß das Schwarze Meer von neuem jetzt ein russisch-türkisches Meer geworben sei, was das Zusammenarbeiten zwischen Sowjetruh­land und der Türkei bedeu end erleich ern würde. Die imperialisttschen Mächte würdcm auf eine vereinte Front von der Ostsee bis zum Indischen Ozean stoßen.

Aus dem Reiche.

Der ReichLtagsausschuß für auswärtige Angelegenheiteu.

Berlin, 8. Sept. (WTB.) Der ReichStagsausschuh für auswär­tige Angelegenheiten trat heute vor­mittag unter dem Vorsitz Stresemanns zusammen. Der Reichskanzler gab in großen Zügen ein Bild von der betonteren Bedeutung der augenblicklich schwebenden deutsch-belgischen Verhandlun­gen. In der anschließenden längeren Aus­sprache kam der gute Wille zum Ausdruck, zu einer Einigung zu gelangen soweit sich nur einigeermaßen für uns tragbare 'Bedingungen erreichen lassen. Besondere Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Auf Wunsch aus Abgevrdneten- kreisen schilderte der Leiter des Wiederauf­bauministeriums, Staatssekretär Müller, in eingehender Darstellung den Vertrag S t i n - nes-Lubersac. An den Bericht schloß sich eine längere sachliche Aussprache, in deren Verlauf u. a. Stinnes das Wort zu ausführ­lichen Erläuterungen ergriff. Nächste Sitzung unbestimmt.

Der StaatsgerichtShof.

Leipzig, 8. Sept. (Wolff.) Der Staatsgerichtshvf tritt am 19. Septem­ber zu seiner konstituierenden Sitzung zusam­men. Die ersten Verhandlungen finden gegen den Museumsdiener F r a u b - Potsdam, den Fleischermeister Robert P r e u s ch o f f -Sten­dal, und den Schriftsteller Paul Kört-Dre- men statt, die angeklagt sind, die Reichs- flaggebeschimpftzu haben. Der Termin für den Rathencm-Prvzeß ist noch nicht an- gesetzt. Die Verhandlung dürfte jedoch nicht vor Ende September oder Anfang Oktober stattfinden.

Der Ausverkauf Deutschlands.

Berlin, 8. Sept. Unter Ausnutzung des Marksturzes wurden an der b e l g i s ch e n und holländisch en Grenze die deut­schen Geschäfte von valutastarken Ausländern fast völlig ausgekauft. Viele Läden waren nach demB.T." genötigt, zu schließen, weil keine Ware mehr vorhanden war. Die vor einigen Tagen vom Oberpräsidenten der Rheinprovinz erlassene Verfügung über die Beschränkung des Einzelhandels für Auslän­der erwles sich als wirkungslos, da die frem­den Käufer vielfach durch Deutsche gegen Provision ihre Einkäufe besorgen lassen.

Wettervoraussage

für Sonntag:

Wechselnd bewölkt, zeitweise Niederschläge, kühl bei vorwiegend nördlichen Winden.

Die Depression, die gestern über der Ostsee zu erkennen war, hat sich vertieft und an Ausdeh­nung zugenommen. Sie wird dir Witterung wei­terhin beherrschen. Die Druckverteilung begünstigt das Eindringen kalter Luftmassen aus dem Nor­den, so dah mit einer Aenderung der Tempera­turen nicht zu rechnen ist

Aus Stabt imb Land.

Gießen, den 9. Sept. 1922.

Etwas zum Nachdenken über die Zeitung.

Sellen ist der folgerichtige Gang der Gestal­tung unserer Wirtschaftsverhältnisse so verkehrt angesehen worden, wie heute den Zeitungen gegen­über. Während alle Well die ganz außerordent­lichen Preissteigerungen auf den verschiedensten Gebieten des täglichen Bedarfs als etwas gcmz Selbstverständliches hinnimmt, während sogar für wirklich überflüssige Dinge widerspruchslos immer mehr Geld aufgewandt wird, glauben manche Leute den Leitungen, diesem überaus wich­tigen Faktor unseres öffentlichen Lebens, gegen­über eine andere Einschätzung anwenden zu können. Rach der Ansicht dieser Leute müßte die Zeitung in ihrer Preisentwicklung ganz einfach ftUIflefjen, ja sie müßte womöglich sogar billiger werden. Dabei ist doch zur Genüge bekannt, daß die Preise für die Rohstoffe des Blattes und auch dessen übrige Herstellungskosten ganz bedeutend gestiegen sind! Wir erinnern nur an das Druck­papier, das für den September nicht 71 Mark je Kilo, wie kürzlich mitgeteilt, sondern nach einer neueren Nachricht sogar 85 Mark je Kilo kostet' wir weisen auch einmal darauf hin, dah doch auch die in den Zeitungsbetrieben beschäftigten Per­sonen, von den Redalleuren herab bis zu den jüngsten Lehrbuben, f o bezahlt werden müssen, wie die heutigen schweren Zeitverhältnisse es als unumgänglich notwendig für die Lebenshaltung erforbern. Unb trotz biefer hanbgreiflichen Wirt- schaftstatsachen jene sonderbare Logik, die wir oben in kurzen Worten anbeuteten.

Erfreulicherweise ist jene verkehrte Ansicht nicht die der Mehrheit unserer Volksgenossen und Mitbürger, aber immerhin, sie ist doch so weit verbreitet, daß man nicht umhin kann, ihr einmal einige Merkmale aus der neuesten Wirtschaftslage der Presse entgegeiv-ühalten. Hier sind sie in Ge­stalt einiger beachtenswerter Vergleiche:

Einkauf:

Papier im Juni 1914 21 Pf. je Kilo

1922 = 1650 = das80fache Sept. 1922 = 8500 = 405

Verkauf:

Bezugspreis im Juni 1914 = 0.75 Mk.

1922 20. = das 26fache

Sept. 1922 = 75.-,, --- 100

Der September-Papierpreis beträgt also das 405fache, der September-Bezugspreis des »Gießener Anzeigers" aber nur das 1 0 0 fache des Friedenspreises. Die Differenz um das 305- fache steht also zugunsten des Beziehers und zu Lasten unseres Verlags.

Ein anderes Beispiel. Dor dem Kriege be­zahlte man auf dem Lande die Butter mit 75 Pf. je Pfund. Dasselbe kostete damals derGießener Anzeiger". Heute löst der Landmann 220230 Mk. für ein Pfund Butter, mithin das 3 0 0 fachx; derGießener Anzeiger" kostet heute 75 Mk., also nur das 1 OOfache. Wir gönnen dem Landmann den Mehrbetrag für seine Erzeugnisse gewiß von ganzem Herzen, denn wir sind uns bewuht, dah der landwirtschaftliche Dettieb in allen seinen Teilen auch ein Vielfaches an Aufwendungen gegenüber ''ber Vorkriegszeit erfordert, daß die Düngerpreise, Material kosten usw. ziffernmäßig turmhoch über den Preisen von 1914 stehen. Auf ber anberen Seite darf man aber auch nicht über­sehen, daß ebenso in den 3eitung6betrieben die Herstellungskosten in einem noch nie dagewesenen Ausmaß gewachsen sind, in einer Weise, die un­bestreitbar katastrophalen Anstrich hat. Unb wie es in dem einen hier gezogenen Vergleich aussieht, so überall. Mari vergleiche nur einmal das An­wachsen ber Preise aller beliebigen Waren mit ber Erhöhung bes Zeitungsbezugspreises, unb man wirb finben, daß die Zeitung verhältnis- mäßig noch immer das Billigste ist.

Verschiedentlich muß man auch die sehr ver­wunderliche Meinung hören, daß man ja alles andere eben brauche, aber die Zeitung doch nicht, dah man sie entbehren könne. Nichts ist verkehrter als diese Ansicht. Ist es nicht gerade die Zei­tung, die das Publikum über alles Wichtige im Leben des Volkes, den Einzelnen über das für ihn Bedeutungsvolle fortlaufend unb sorg­fältig unterrichtet? Wer bringt die Kunde von der Bewegung der Preise aus den verschiedenen Warenmärkten die doch für die weitesten Volks­kreise die größte Bedeutung hat? Ist es nicht die Zeitung? Wer unterrichtet, um ein anderes Beispiel zu wählen, dir Oesfentlichkeit von dem Austauchen falschen Geldes, damit sich jeher vor Schaden bewähren kann? Ist es nicht die Zeitung? Wer macht, um einen anderen Gesichtspunkt zu zeigen, die Allgemeinheit vertraut mit den Be­kanntmachungen der Behörden unb setzt dadurch jeden in den Stand, den Anordnungen rechtzeitig Folge leisten zu können? Ist das nicht das Werk ber Zeitung? Unb wer bringt dem Publikum einen in der breitesten Oeffentlichkeit beachteten An- unb Verkaufsmarkt? Ist das nicht die Zeitung mit ihren kleinen Anzeigen, die dem Einzelnen so viel­fache Möglichkeiten des An- und Verkaufs ver- mittell? Diese kurze Reihe von Beispielen läßt sich mit Leichtigkeit beliebig verlängern, aber wir wollen es bei den hier gezeigten wenigen Gesichts­punkten bewenden lassen.

Klarheit dürfte nach tiefen wenigen Beispielen und ©egeirüberftellungen wohl darüber bestehen, daß die Zeitungen heute mit ganz außerordent­lichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, unb daß sie keineswegs über das erträgliche Mah hinaus im Preise gestiegen sind. Und für manchem wmiger Nachdenklichen wird nun wch! auch dar­über Klarheit gewonnen sein, dah die Zeitung tatsächlich eine Lebensnotwendig­keit für jeden Einzelnen ist, deren Nicht- beschasfung er über kurz oder lang mit empfind­lichen Nachteilen zu büßen haben würde. Aus dieser Erkenntnis solllen alle diejenigen, die bisher noch über den Bezugspreis ber Zeitungen murr­ten ober die den Wert ber Presse verkannten, die Schlußfolgerung ziehen, dah es auch ihre Pflicht ist, die Presse in ihrer schwersten Zeit zu unter­stützen, damit, zwischen ihr unb ihren Lesern eine No tgemeins chaft entsteht, in der ein Teil den anderen stützt und fördert.

Wochenmarktbericht.

Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten Weißkraut das Pfund 2,303.00 Mk., Wirsing 2,303,00 Mk., Rotkraut 3,506,00 Mk., Blumen­kohl 420 Mk., Unterkohlrabi 1.302.00 Mk., Oberkohlrabi 11,50 Mk., gelbe Rüben 45 Mk., rote Rüben 23 Mk., Stangenbohnen 56 Mk., gelbe Dohnen 67 Mk.. Salat, Kopf 12 Mk., Endivien, Kopf 34 Mk., Kürbis, Pfund 0,80 bis

1 Mk., Zwiebeln, Pfund 1015 Mk., ßalatgurfen das Stück 210 Mk., Tomaten, Pfund 1215 Mk., Aepfel, Pfund 46 Mk.» Dirnen 37 Mk., ZWet­schen 57 Mk., Kartoffeln 3,704,00 Mk., Butter 260290 Mk., Eier 1113 Mk.

Bei genügend Angebot bei arten Gegenstän­den hielten sich die Preise auf den angegebenen. Höhen. Es muß nach wie vor die Beobachtung gemacht werden, daß ein großer Teil Schuld dem kaufenden Publikum tzuzuschreiben ist, das durch Ueberbieten die an sich schon hohen Preise noch weiter in die Höhe treibt.

** Eisenbahndiebstähle. Dm ver­flossenen Donnerstag wurde hinter dem Schützenhause, unweit der Eiscnbahnsttecke GießenFulda, im Walde ein Lager von etwa 1 00 Kistchen Zigarren und einem Paket mit Suppenwürfeln entdeckt. Da nach der aufgefundenen Verpackung die Waren nut* von einem Eisenbahndiebstahle herrühren konnten, so wurde der Platz über­wacht. Kurz darnach erschienen einy Mann und eine Frau mit einem Wagen und wollten die Sachen abhvlen. Trotzdem bas Pärchen be­hauptete, die Sachen dort nur gefunden zu ha­ben, wurde es feftgenvmmen. Durch die so­fort angestellten Ermittelungen wurde fest- aestellt, dah ein in Wieseck wohnender Gisen- oahnbeamter die Waren aus einem Güterzug herausgeworfen unb feine Helfershelfer mit dem Verkauf beauftragt hatte. Der Beamte war nicht etwa als Begleiter des Zuges tätig, sondern des Diebstahls wegen hatte er den Zug bestiegen unb ist nach Ausführung btt Tat von bem fahrenben Zug wieder abge- sprungen. In drei solchen Fällen konnten die Beschuldigten überführt werden. Offenbar ha­ben sie noch mehr derartige Diebstähle auS- geführt, was die Untersuchung noch ergeben wird. Die bei den Durchsuchungen vorgefun­denen Waren lassen mtt Bestimmtheit bar auf' schließen.

Amtliche Personalnachrichten, ©rnannt wurde der Oberzvllinspektor Hch. Dörr in Mainz zum Zoll rat unter Verleihung der Stelle des Vorstehers beim Hauptzollamt WormS. Er­nannt wurde am 24. Iuli der Lehrer Georg Hof­mann zu Vielbrunn zum Lehrer an der Volks­schule zu Gensingen, Kreis Dingen.

** Dom Kraftwerk Wölfersheim. Das rynie Kesselhaus des Kraftwerks Wölfers­heim ist betriebsbereit fertiggestellt. Die Kohlen­bunker werden zur Zeit gefüllt, so dah die An- heizung der neuen Kessel in den nächsten Tagen erfolgen kann. Die Uebergabe der Neuanlage an den Betrieb hat eine wesentliche Steigerung der Leistungsfähigkeit unb eine erhöhte Sicherung der Energielieferung des Werkes zur Folge.

** Zur Begründung der neuen Milchpreisforderung der Landwirt- schäft geht uns von dem Verband landwirt­schaftlicher Arbeitgeber für Hessen und Nachbar­gebiere eine Zuschrift zu, deren Angaben die neue Preisforderung verständlich machen sollen. Es wird darin unter der Ueberschrift. Warum er­höhter Milchprets?" mttgeteilt: .Welche Anforde­rungen an die Milcherzeuger heute gestellt wer­den, ist daraus zu ersehen, daß die Stall- schweizer wiederum an die Arbeitgeberverl»ände um Lohnerhöhung von 100 Proz. berangelreten sind. Die Stallschwet,;er erhalten zur Zell n den einem Darlohn von 151800 Mk. monallich fol­gende Naturalien für sich und ihre gan^c Familie vollständig kostenlos: freie Wohnung trete3 Licht, freien Brand, freies Gartenland, jährlich 48 Ztr. Kartoffeln, jährttch 10 Zentner Drotuet ettc oder Drot, jährlich 2 Zentner Weizen. jährlich ein Schwein von 2 Zenlner Lebendgcwiht, täglich 4 Liter Wllch. Man sollte meinen, da > derjenige, der alles dies in Natur kostenlos erhält, unter der Preissteigerung nicht wohl zu leiden habe. Trotzdem Lohnerhöhung von 100 Prozent oder Streik."

** Oberhessischer Kunst verein. Die Otto Ubbelohde - Gedächtnis - Ausstel­lung ist nur noch morgen, Sonntag, von 11 bis 1 Uhr geöffnet. Dieser Tag ist Volkstag; der Eintritt beträgt statt 5 nur 2 Mk. Von Montag an bleibt die Ausstellung ge­schlossen. Die Räume des Kunswereins wer­ben dem Fröbel-Seminar bis zum 20. b. M. zu einer Ausstellung überlassen. Am Sonntag, 24. b. M., wirb der Kunstverein eine Ausstel­lung von Werken von der Wiesbadener Ge­sellschaft für Grabmalkunst bringen, zugleich aber auch eine Kvllektton Landschaften, Mo- twe aus der hiesigen Gegend, von dem be- kannten Künstler Fritz Riemschneider-'Berlin.

* In der Gießener Kunstsamm­lung im neuen Schloß, Eingang Senckenberg- strahe, wurden neu ausgestellt Werke von G. Eilers, Hoffmann von Fallersleben, Th. Frank, R. Friese, Lvistikow, K. Oenike Bleistift- und Tuschzeichnuna-en von R. Koch (t) und L TRartln- Alsseld, die Motive aufn>eifen von Büdingen, Nidda, Alsfeld, Ortenberg, Schotten unbötorn- sels. Im Ritgen-Kabinett wurden eine Anzahl Aquarelle zur Ausstellung gebracht, welche noch nicht gezeigt wurden.

* Um den Schiffender a. Man teilt uns mit: Die Vertreter einer größeren Anzahl von Wander- und anderen gemeinnützigen Ver­einen hatten sich gestern abend zu einer gemein­samen Sitzung zusammengesunden, utm zu der Angelegenheit ^6 ch i f s e n d e r g" Stellung zu nehmen. Sie sind einmalg in dem Bestreben, die Interessen der Bürgerschaft unserer Stadt auf das tatkräftigste zu wahren. Zu diesem Zwecke haben sie eine Eingabe an das Ministe­rium der Finanzen, wie auch an die Stadtverwaltung gerichtet. und geben sich der Hoffnung hi», daß es gelingen möge, den Schifsenberg als das zu erhalten, was er seit Jahrhunderten unseren Einwohnern, unserer Stu­dentenschaft und allen Natursreunben aus Stadt und Land gewesen ist.

DaS Belegen von Plätzen in der vierten Wagenklasse. Das Reichsvec kehrS- miniftertum teilt über das Belegen von Plätzen in der vierten Wagenrtasse folgeiwes mit: Vielfach herrscht Unklarheit über das Einnehmen von Plätzen in Wagen der vierten Klasse. Wenn auch in den mir mit Bänken für einen Teil des reisenden Publikums versehenen Wagen vierter Klasse Plätze nicht belegt werden dürfen, so er­werben doch Reisende, die bei Abfahrt des Zuges