nage tag folgender Sachverhalt zugrunde: Etwa tm Oktober 1920 hatte eine Xante der Qfaigtflag- ten etne TBitroe X in Bvbetthausen. heünlich au verehelich geboren. Die Leiche des Ärrtbeä, das angeblich tot zur Welt gekommen sein soll, axirbe damals beiseite geschafft Die Angeklagte hitte kurz nach der Geburt, ohne zu wissen, waS vorgegangen war, die Wohnräume ihrer Xante betreten und hn Hinteren Zimmer einen Blick in einen Timer geworfen Sie fay im Timer eine Kindesleiche liefen Doller Aufregung eilte sie zu einer Rachbaaeift-au, ber Zeugin Dm'er, und erzählte dieser, was sie soeben gesehen Auf Grund einer anonymen Anzeige nxiröe tm Herbst diese» Zcchres gegen die Krau X em Verfahren wegen Kindestötung ein geleitet, in dem die Angeklagte Heulhcck vor dem Amtsgericht Ortenberg eidlich vernommen worden ist Sie beschwor dort, sie habe nicht in einen Timer hineingeschaut, tw einer KürdeSleiche habe Re nichts gesehen, auch habe Re der Frau Winter feine berarttge Angaben gemacht. Dieser Eid war falsch. Die Angeklagte gab die» zu Ihre Familienverhältnisse waren feine erfreulichen Sie hat den falschen @ti> offenbar geleistet, während sie unter schweren ü-eüfdjen Depressionen stand Auch scheint die An- gefiagte unter fremden Kinslüssen gestanden zu haben. Die Geschworenen erkannten sie nur de» fahrlässigen Falscheides schuldig. 2InbernfalU hatte die Angeklagte mit Zuchthaus bestraft werden müssen. Das Gericht verurteilte sie entsprechend dem Geschworen en spruch wegen fahrlässigen Falscheides zu 8 Monaten Gefängnis.
©erichtsfaaL
Der Darmstädter Landfrieb-.'nsbrrrch vor Gericht.
Darmstadt, 7. Dez. (Wolff.) Am heutigen dritten Derhandlungstage wurde die Beweisaufnahme zu Ende geführt. Sie ergab wenig Neues, so das) auf eine Reihe von Zeugen verzichtet werden konnte. Die Angeklagten waren bis auf einen g c ft ä n bi g, nur bestritten sie die Absicht der Schädigung: sie'wollen vielmehr alle schützend ein gegriffen haben, was jedoch durch die Zeugenaussagen glatt widerlegt i'l. Der Fall gegen den Angeklagten Eifenbahnschaffner Huthmann muhte heute, da der Angeklagte schwer erkrankt ist, abgesetzt und vertagt werden. Der Angeklagte tnurbe aus der Haft entlassen und kam in das Krankenhaus. Der Fall wird später besonders verhandelt. Der Staatsanwalt wies in seinem Plädoyer auf die politische Bedeutung der Angelegenheit hin und auf die Tatsache, bah diese Darmstadter Dorfälle nicht mir einzelne Personen geschädigt, sondern dem Ansehen des ganzen deutschen Volkes im Auslande Abbruch getan haben. Er beantragte Bejahung sämtlicher Schuldfragen und für zwei Angeklagte Zubilligung mildernder Um» ftänbe. Morgen Fortsetzung der Derhandlung.
Vermischtes.
Flugzeog-Adstürze: 10 Personen getötet.
Berlin, 7. Dez. Aach einer Blätfermeldung aus Stralsund stürzte in der Nähe von Franzenhkhe ein von den Stralsunder Luftfahr- zeügfubriken hergestelltes, mit 4 Mrnn besetztes Flugzeug aus etwa 300 Meter Höhe In» Meer. Die Insassen konnten nur als Le iche n geborgen werden.
London, 7. Dez. (Wolff.) Reuter meldet au» Aewport-Dews, bah bei dem Zusammen st ost zweier Flugzeuge zwei Ofsizieree und vier Soldaten getötet worden sind.
ilrnfteRungen in der Tabakindustrie.
Berlin, 7. Dez. Wie die „Deutsche Allgemeine Zeitung" meldet, stellen infolge
Rückganges der Zigarettenfabrikatton mehrere thüringische Zigarrenfabriken Ihre Betriebe teilweise um auf die Herstellung von Textilwaren.
Erne exemplarische Strafe.
Berlin. 7. Dez. Wie daS .B. T ° auS K v 11 b u « meldet, wurde ein Kaufmann, der einen ausgiebigen Handel mit Brillanten und Gold ohne AuSfuhrbewiltigung nach Amerika betrieb, zu 6Z0 000 Mark Umlatzsteuer, einer Gefängnisstrafe von 6 Wochen, einer Geldstrafe von 2 500 000 Mark sowie zur Einziehung eines Wuchergewinns von 1500 ODO Mark verurteilt.
Unglück le der Nordsee.
Hamburg, 7. Dez. ^WTB.) Der englische Dampfer .Balmore", von England ^ach Stettin unterwegs, wurde auf der Höye
Für unsere Postbezieher ist die Frist zur Nachzahlung der erhöhten BezugSgebübr für Dezember abgelaufen. Wer den Mehrbetrag von
275 Mark
noch nicht an uns eingefänbt hat, be- nuhesofortdie heute nochmals beigefügte Zahlkatte, um seiner Nachzahlungspflicht zu genügen. Dom 12. Dezember an stellt die Post die Weiterlieferung der Zeitung ein, wenn der Mehrpreis bis 9. Dez. nicht entrichtet worden ist.
Verlag des Gießener Anzeigers.
von Borkum treibend gesichtet. Don Cuxhaven lief ein Schleppdcunpfe- aus. um den Dampfer zu suchen, muhte jedoch unverrichteter Sache zurückkehren.
Ausländische Dampfer im bereiften Petersburger Hafen.
öt. Petersburg. 7. Dez. (Russische Telcgrapheuagcntur.) Gestern sind die zwei er st en Züge ausländischer Dampfe r in dieser Sisperiode im Petersburger Hafen eingelaufen. Sie wurden von zwei Eisbrechern in den Hafen gebracht.
Kirchliche Nachrichten.
2fr. Religionsgemeinde. Gottesd. i. d. Synag. (Südanl.l. Samstag, 9. Dez. Dorabd. 4,30, morg. 9. Abds. 4,35 u. 5,15.
Sandel.
Berlin, 7. Dez. (Wolff.) Der Börsenvorstand hat beschlossen, bis Ende dieses Monats wie bisher nur Montags, Mittwochs und Freitags Wertpapierenbörsen stattfinden zu lassen. An den übrigen Tagen werden nur Avisen und Roten notiert.
Berlin, 7. Dez. Am Devisenmarkt machte sich eher eine etwas günstigere Beurteilung der Londoner Konferenz geltend Die Kurse gaben etwas nach der Dollar ging später an der Börse auf ziemlich 8000 zurück, das Geschäft hielt sich aber bei vorwiegender Zurückhaltung der Interessenten in r-echt engen Grenzen.
Frankfurt a. M^ 7. Dez. Börsen- stimmungSbild. Die Wertapapierbörse blieb heule in Aebereinstimmung mit den übrigen deutschen Börsenplätzen geschlossen. Am
Devisen- und Aotemnartt blieb das Geschäft klein. Der Dollar zeigte folgende Bewegung. 8250, 8400. 8300 und gab an der Börse bis 8050 nach. 3m Verkehr von Bureau zu Bureau zeigte sich eine unregelmäßig-.' Tendenz. Starke Nachfrage bestand für Chemische Wette SchiffahrtSaktien beachtet. Montan- und Elekrrvaktien unterlagen Sck)wankunueu. Das Geschäft auf dem Effektenmärkte blieb stiller.
Märkte.
Berliner Prvduktenmarkt.
Berlin 7 Dez Sie Haltrnrg deS Pro- duttcnmurktes lief) keine ausgesprochene Lendenz eitenncn Weizen wurde nur wenig u «gesetzt i daS Angebot war gering, aber fetten S der Mühlen zeigte «ich einige Kauflust. Auch das Roggrn- gc|d;äft bewegte sich in engen Grenzen, das sich z T. noch um die Erfüllung der Käute der Reichs- gcttübcl'tellc drehte Die Preise stellten sich eher um Kleinigkeiten höher als gestern Don Gerste konnte nur gute Ware, von der aber wenig angeboren ist. untergebracht werden Hafer schwächte sich im Zusammenhang mit dem groben Umfang der eingetroffenen oder baE> zu erwartenden Warenmengen ab. MaiS war für spätere Sichten mehr begehrt. Das Meblgeschäft war tu big; auS zweiter Hand lagen weitere jfagebole vor Für Ocifaatcn, Hülse irsrüch^ und Futterartikel bestand wenig Interesse. Weizen, märkischen 15 300 -15 600 Mk. (etwas matter»,Roggen, mäikischen 13 500—13 600 Mk (rubig), Sommergerste 12 600 -13 100 HEI., oborschlof 12 000 biS 12 300 Mk lmartert, Hafer märt. 13 300—13 500 Mk. vommersch 13 000 Ottt. l still), Mais, La Plata, loco Berlin 15 300—15 600 Mk (etwas matter), Weizenmehl (100 Kg ) 40 000-46 000 Mk. (Eg). Roggenmehl (100 Kg ) 36 000—39 000 Mk. < ruhig), Wcizenllcie 8000 Mk (still), Rvugentieie 80)0 Mark (still), Raps 24 000—26 000 Mk < beraubtet), Rübsen 28000—31000 Mk. (ruhig». Leinsaat 28 000—29 000 Mk, Diktoriaerbsea 24 000 bis 25 500 Mk, Futtererbsen 16 500—17 500 Mk. Peluschken 15 000—16 000 Mk, Ackerbohncm 21 C00 Mark, Wicken 17 000-18 000 Mk, Lupimm, blau 39 500 Ml., Rapskuchen 9200 -9500 Mk., Trocken- 21 000—23 000 Wk, Seradella. alt 33 500 bi« schnitzel 6400—6600 Mt Rauhfulter: Weizen- und Roagenstrvh, drahtgeb 5903—6100 Mk., Haf erst roh. drcchtgeyreßt 5900—6100 Mi, Stroh, ftrobfeilgebündelt 5500—5800 Mk, Wiesenheu, gut. gefund und trocken, Dvrmahd 4500—4700 Mk., Rachmahd 4100—4400 Mk (Soweit kein anderes Gewicht genannt, verstehen sich alle Preise pro 50 Kg )
Frankfurter Schweine» und Kleinviehmarkt.
Frankfurt a. M., 4. Dez. (Amtlich.) Marktverlauf: Am Kleinviehmarkt wird flott gehandelt und ausverkauft. Am Schweinemarkt langsames Geschäft und Aeberstand. 3m einzelnen ist zu bemerken: Aufgctrieben waren 647 Kälber, 490 Schafe und 416 Schweine. An Preisen wurden angelegt p. Ztr. Lebendgewicht: Kälber, beste Qualitäten, 34 000 bis 36 000 Mk.. mittlere Qualitäten 31 000 bis 34 000 Mk., geringe Qualitäten 25 000—30 000 Mark. Schafe 16 500—30000 Mk. Schweine unter 80 Kilogr. Lebendgewicht 45 000 bis 53 000 Mk., von 80—100 Kilogr. Lebendgew. 53 000—58 000 Mk., von 100—120 Kilogr. Lebendgew. 58 000—60 000 Mk., von 120 bis 150 Kilogr. 58 000—60 000 Mk. Fettschweine über 150 Kilogr. Lebendgew. 53 000—60 000 Mark. Sauen und Eber 40 000—52 000 Mark. Außerdem wurden 116 Rinder ohne amtliche PreiSnotterung gehandelt. Die Preise liegen um so viel über den Stallpreisen, als 'sie die nicht unerheblichen Gewichtsverluste, Spesen und Händlergewinn in sich schließen.
BtUherttsch.
— Stendhal, Elf Liebesabenteuer, ins Deutsche übertragen von Franz Blei (Paul ©teegemann, Verlag, Hannover.) — Das kleine Buch führt sehr gut in die stofflichen Interessen und die Schrxubart des groben französischen Romanciers ein, die Anewolen find verschobenen feiner Werke entnommen, und Franz Blei, der ilcberfe&er, fügt am Schlub einige treffende literarische Bemerkungen hinzu
— „S p i e l z e u g", ein malerisch und sachlich wirksames, in feinem Buntdruck ausgeführteck, heiteres und belehrendes Buch von O. S e y s f e r t und W. Trier. Auf Anregung des Deutschen Bundes für Heimatschutz entstanden Wiedergabe alten, deutschen, .hausgemachten" Spielzeugs. Verlag Ernst Wasmuth, Berlin.
- Cervantes, .Don Quixote". Nacherzählt von H Pankow. Verlag C Flemming und 6. T. Wistott, Berlin. — Der altbekannte Ritter von der traurigen Gestalt mit all feinem grotesken Geistes- und Lebens Iprü na en und seiner abgründigen Lebensweisheit für Den. der ibn recht zu verstehen weih. Das berühmte Buch der spanischen, eines der berühmtesten der Weltliteratur. da- jedem Zungen bekannt sein nuh-
- Albrecht Janssen. .Der Deichgraf". Richard Hermes Verlag, Hamburg 37. — Unter den jüngeren friesischen Dichtern steht wohl Albrecht Janssen an erster Stelle. Sein neuer Roman ..Der Deichgraf beweist wieder, bah er ein Meister ist in der Darstellung friesischen Lebens, friesischer Taten und Helden. Wenn der neue Roman auch auf geschichtlichem Hintergründe spielt, so ist er doch nicht ein Kostümfest, sondern Menschen und 3been treten vor uns, die auS landschaftlicher Enge und zeitticher Gebunden- heil losgelöst sind, und überraschend erkennen wir endlich unsere zerrissene Zeit' aus dem Roman von friesischer Rot wurde so ein Roman von deutschem Leid.
— Der Vogel im Käfig, Roman von Lisa Wenger. (Verlag von Grethlein & Co., Leipzig.) — Die Heldin des Romans ist Rahel, das Kind auS ungewünschter Ehe. das durch Fa- milienhindernisse. Irrungen und Wirrnisse den Flug ins Weite sucht, gelockt durch Ungeduld und heih pulsierendes Dlut, bis es aus Mitleid das Leben eined Blinden an das feine fettet. Lisa Wenger ist eine begabte Gestalterin des Frauen- strebens und -lebens, und ihre sympathische Gemütsrichtung muh ihr Schaffen erfolgreich machen.
(In einem Teil der Auflage wiederholt.) Das Urteil im Neustadter Landfciedensbruch- Prozeß.
Zweibrücken, 7. Dez. (WTB.) 3n dem Prozeß gegen die wegen LandfriedenS- bruchS in der Billa H e l f f e r i ch in Neustadt angeklagten Kommunisten-wurde heute vormittag V-6 Ahr, nachdem die Verhandlungen die ganze Nacht hindurch angedauert hatten, das Urteil verkündet. Zwei der neun Angeklagten wurden der Anklage gemäß für schuldig befunden und zu einem Zahr bzw. 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Die übrigen sieben Angeklagten wurden freigesprochen. Die beiden Verurteilten wurden sofort in Haft genommen.
lotffoC
Weihnachten 1922
Zum Backen, zum Kuchen
Zum Feste
Einst Mandeln, Tittvnen
Das Beste.
Heut' Wiste, stnd vorzuzieh'n
Backöle von Dr. Neppin „Wttermanbef, Zitrone" „Zimt", „Rum'Aroma" „Backpulver" „Ban.-Zncker"
Dom Kolonialroarenhöndler! tTr. yieppin & Co., Leipzig 12)
Die Herrveghs.
Eine rechtsrheinische Geschichte
von L i e s b e t Dill
56. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Der Saal befand sich wie im Fieber, jeder batte feinem Nachbar etwas zu sagen. Zwischenrufe ertönten und verwirrten die Zeugen, und jeder Zeuge entschuldigte Herwegh. statt ihn anzuklagen.
3a. er verteidigte ihn auch noch.
.Es ist einfach pathologisch." fanden die Re° fertndare. sie standen an den Türen, weil kein Platz mehr im Saal war. Ein Richter nach dem anderen kam herein, um zuzuhören, alle Rechtsanwälte waren anwesend und alle sagten: u6o was tst noch nicht bagetoefen. Man glaubt es mit Irrsinnigen zu tun zu haben."
Der Angeklagte war der einige, der unbeweglich blieb, mit verschränkten Armen starrte er auf die Sonnenflecke an der Wand, die matt hin und her zitterten.
,Wie bleich er ist, “murmelten die Damen. ^Wie verändert er aussieht." sagte die Cellotante. lEr hat sehr abgenommen in dem Gefängnis, der Arme."
.Angeklagter, ich muh Sie doch einmal bemühen, mir eine Frage etwas ausführlicher zu beantworten." nahm der Präsrdent wieder das Wort. .Wie verhielt es sich damals mit dem Schreiblifchdiebstabl in bet Nacht vom 23 September, als Sie gerade hier ein gezogen waren, Mainzer Straße 4 . .
Das war etwas für die Damen, die Huftedern nickten und die Hälse reckten sich das Weib vor Herbert zitterte vor Begierde, und es machte ihm ein platonisches Vergnügen, sich taut zu räuspern, ms sie unwillig sagte: .Halten Sie doch endlich den Wund." Er kannte diese Geschichte bereits auswendig. Aber nie hatte er sie so kurz und
ttvcken gehört wie jetzt aus dem Munde seines Vrtck>ers, der nur Tatsachen gab
Das Geld war in den Umzugstagen in den Schreibtisch gelegt worden, seine Mutter hatte die Schlüssel abzuziehen vergessen, die Fenster zu dem Salon, wo der Schreibtisch stand, war offen geblieben und vom Vorgarten aus formte man bequem in die Er dgeschoßräume einsteigen, dazu brauchte man nur turnen zu können Es war eben gestohlen worden. .Uno für diesen Diebstahl hat sich niemals ein Verdachtsmoment gesunden?" fragte der Richter und sah Herwegh fest an
.Nein. Nie. Hausleute hatten wir keine, das Dienstmädchen ist noch heute bei meiner Mutter und steht außerhalb jeden Verdachts."
Emst hatte sich hingesetzt, als wolle er damit alle weiteren Fragen abfdxneiben, aber zum erstenmal hatte Herbert in der Stimme feines DruderS ein leichtes Zittern bemerkt.
Die Verhandlung nahm ihren Fortgmrg, neue Zeugen traten auf. Herbert begann sich über Emsts Unbeweglichkeit zu ärgern Sein Gesicht sah ehern aus, als ginge ihn. alles nichts mehr an, und könnten ihn diese Beweise von Anhänglichkeit seiner Klienten weder rühren noch interessieren.
Wenn erst die Rede kommt, dachte der Lüm- mel, und er war erleichtert, als endlich der letzte Zeuge seinen Eid abgelegt hatte und der große Augenblick gekommen war. Die Luft war zum Schneiden dick und die Zuhörer pressten sich erwartungsvoll gegeneinander.
„Haben Sie etwas zu Ihrer Verteidigung zu sagen. Angeklagter
EEich!
Der Rechtsanwalt erhob sich und alles im Saal hielt den Atem an. Das Gemurmel ebbte ab. lautlose Stille entftanb. Die Richter saßen unbeweglich wie Marionetten hinter den schwarzen Tischen, der Staatsanwatt hatte das Monofel eingeklemmt, es sah in seinem breiten, von Schmissen durchquerten Gesicht wie eingeschnitzt.
die Gerichtsdiener kamen aus den Ecken hervvr- geschlürst und die Federn und Blumen auf den Kapotthüten der Zeugenbänke hielten still. Eine Tür wurde vorsichtig ins Schloß gezogen, ein Richter hatte sich noch in den überfüllten Saal gedrängt und nickte feinen Kollegen zu. Herwegh würde sprechen . . .
Wenn Herwegh aufstand, um jemand zu verteidigen, machte er immer erst eine kleine Pause. Die Handrücken auf den Tisch gestemmt, sah er sich um und fahte noch einmal Saal und Publikum und bann den Angeklagten ins Auge, Und aus diesem Blick schöpfte dieser arme Mensch der auf ihn wartete wie auf den Retter, der uns vor dem Ertrinken einen Strick ins Wasier wirft, feine Hoffnungen.
.Warte nur —“ sagte der Blick des Anwalts. Und dann sprach er, ruhig, fast ohne Betonung, chne Phrasen, kurz und klar. Er hatte ein wunderbares Organ, er sprach nie laut, und doch füllte es die hohen Räume, und schon beim ersten Wort wußte er, er hatte seine Zuhörer in der Hand. Auch jetzt, da er sich zu seiner Verteidigungärede erhob, hingen alle Blicke an feinem Mund in atemloser Erwartung. 31 nb Herbert spürte zum erstenmal in seinem Leben Herzklopfen, er reckte seinen langen Hals, um sich kein Wort entgehen zu (affen. Na los, Emst, dachte er, er tonnte es fast nicht ettoarten, wie der Bruder sie nieder- schmettern würde, diese Bleichgesichter in ihren schwarzen Talaren und den dicken Staatsanwatt, des so spöttisch dasaß, den Esel von Verteidiger, dem sie jedeSmal, toerm er sich erhob, ein« auf den Kopf gaben Da stand er, die Handrücken auf den Tisch gestützt, ganz ruhig, und ließ den Blick durch den Saal schweifen. Da erblickte er Herbert, feinen Bruder, der. an die Wand gedrückt, ihn anstarrte, als erwarte er etwas Großes von ihm. Und dieses Gesicht erweckte ihn aus einer dumpfen Betäubung, in der er während vieler Stunden hiergesefsen und den verschiedenen Stimmen zu-
gehört hatte. Er schloß die Augen, um etwas abzuwehren, das ihn befiel. Um etwas nicht mehr zu sehen, das er sah. Er kämpfte mit einer ungeheuren Bewegung, die ihn plötzlich übermannte.
Er dachte an seine Mutter . feine Jugend, fein Elternhaus, an seine Brüder, seine Schoester, an seinen verstorbenen Vater, dessen ernstes Bild ihn aus dem Rahmen übet dem Klavier anzuschauen schien. Wie auS weiter Ferne sah er dtese flarcn Augen auf sich gerichtet, als wollten sie ihm sagen: Sprich, verteidige dich . . . reiß dich heraus aus deiner Schuld Aber, dachte er, wie kann ich das? Um mich zu entschuldigen, muh ich andere anklagen Ich kann mich nicht reinwafchen, ohne anderen die Schuld aufzubürden und das würde meine Mutter treffen.
Et rang etwas nieder, das mit Gewalt in ihm aufstieg. Dann sagte er mit fester Stimme: „Nein."
Und er setzte sich
Eine solche Gleichgültigkeit kam über ihn, daß er weder das Summen der Stimmen vernahm, noch die verständnislosen Gesichter sah, die ihn von den Zeugenbänken und Hütter der Schranke an flarrten
Der ganze Saal war fo verblüfft, daß erst tiefe» Schweigen entstand Was hat er gefagt? fragte man sich. Er hatte nicht« gesagt, er hat gesagt, er habe nichts zu sagen zu seiner Verteidigung.
Und die Spannung, die Schwüle, die Atemlosigkeit löste sich in Gelächter.
Der berühmte Redner, der alle Verbrecher der Stadt und des Umkreises verteidigt hatte und sich mit feiner Kraft, fernen Nerven, feiner Ehre für sie eingesetzt, der soviel Geist, Schärfe und Witz darauf verwandte, einen Gegner abzutun. feine Klienten zu befreien, fand zu seiner eigenen Verteidigung nicht ein einziges Wort.
(Fortsetzung folgt.)
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Henkels puh- und Scheuerpulver, für Hausholh Gewerbe und Industrie — unentbehrlich.
HUHU • Ce. DQSSILMW.


