Ausgabe 
8.12.1922
 
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Uns dem Reiche.

Sie Erhöhung bet Postgebühren.

Berlin, 7. Dez. (WTD.) 3m Post- gebührenauSschuh des Reichstags wurde die Erhöhung der Post- und Telegra­phengebühren nach den Vorschlägen des Reichsrates, die im wesentlichen eine Verdop­pelung der bisherigen Gebühren vorsehen, angenommen. Der Antrag, die Pressetele­gramme nicht nur um die Hälfte, sondern auf ein Drittelherabzusetzen, wurde abgelehnt. Die Erhöhung der Telephongebühren mit Schonung der Grundgebühr wurde nach der Regierungsvorlage (2900 Prozent) gegen die Stimmen der Deutschnationalen und der Deut­schen Volkspartei angenommen. Ferner wurde eine Entschließung zur Erleichterung von An­meldungen für Pressetelgramme angenommen.

Aus Hessen.

Gegen die Ausdehnung des Ausländertums an -en hessischen Hochschulen.

rm. Darmstadt, 6. Dez. Die Landtags- ftaktionen der Deu t s chna t ivn a l en Und des Bauernbundes richteten folgenden Antrag an den Landtag: Eine immer mehr ans chwel - lende Zahl von Ausländern, insbeson­dere von Russen und Japanern, genießen auf Kosten des hessischen Staates die wissenschaftlich hervorragende Ausbildui^ unserer Hochschu­len. Der kleine Balutazuschlag, den sie zahlen müssen, steht in keinem Verhältnis zu den riesigen Ausgaben des Staates für ein Institut, das trotz aller Aufwendungen immer mehr verarmt. Der Zuzug ausländischer Studenten ist in jeder Be­ziehung, zum mindesten gegenwärtig, sehr un­erwünscht, mag man die sozialen oder die völ­kischen, oder wissenschaftlichen oder die politisch- wirischaftlichen Gesichtspunkte mehr beachten. Wir beantragen daher: Der Landtag möge die Regie­rung um eine Verordnung folgenden Inhalts er­suchen : 1 Eine Ausnahme von Ausländern an den Hochschulen darf erst erfolgen, wenn zuvor alle Wünsch? der für die Institute in Frage kommen­den Volksdeutschen Studenten und Dozenten für ihre wissenschaftlichen Arbeiten befriedigt sind. 2. Aufnahme und Vorlesungsgebühren sind für Ausländer stark zu erhöhen. 3. Ausländer dürfen nicht, wie z. B. in Gießen, zu kaum erhöhten Preisen in Studentenheimen essen. 4. Wohnungen dürfen an ausländische Studenten nur dann abgegeben werden, wenn alle deutschen Srudenten untergebracht sind. 5. Jeder Dozent hat das Recht, einem unerwünschten Ausländer Vorlesungen und Hebungen zu verweigern

Die Regierung soll ferner ersucht werden, sich bei der Reichs regierung dafür emzusetzen, daß die Hochschulen für Russen solange gesperrt bleiben, als Rußland nicht die ungehinderte Ein­reise deutscher Studenten gestattet.

Aus dem besetzten Gebiet.

Die Bedrohung deS Rheinländer durch Frankreichs KolonialimperialisamS.

Heber dieses aktuelle Thema handelt eine Sondernummer der WochenschriftRheini­scher Beobachter", die seit Jahresfrist den unermüdlichen Kampf für den deutschen Rhein und das Selbstbestimmungsrecht des deutscl>en Volkes führt. Gerade in diesem Augenblick, da die neue drohende Gebärde der französischen Macht- Politik eine Panik ohnegleichen in der wehrlosen deichen Bevölkerung der Rheinlande verursacht, totnt der Inhalt dieses gehaltreichen Heftes be­sonders erschütternd und trägt hoffentlich dazu bei, daß man im unbesetzten Deutschland die Rot des besetzten Gebietes in ihrer vollen Ausdehnung würdigt.Gebt unsere rheinische Hei­mat frei", das ist das Thema eines gehaltreichen Appells, den Reichstagsabgeordneter Anton Erkelenz noch einmal in letzter Stunde an das Gewissen der Welt richtet. Dr. Peter Rohden unterrichtet in einer außergewöhnlich kenntnisreichen Abhandlung über das Wesen des französischen Imperialismus, das sich auf die farbigen Truppen stützt, und die Gefahr, die dieser französische Kvlonialimperialismus für die Zu­kunft Europas bedeutet. Weitere Beiträge von Rudolf Presber. Dr Heinrich Teipel, Hans Wulf (Düsseldorf), Nikolaus Schwarzkopf, Karl Maria Weber, Ernst Lissauer, Ludwig Mathar, Reden von den Abgeordneten Dr Dreitscheid und S o l l m a n n, sowie zahlreiche temperamentvolle politische Rachrichten und Glossen tragen dazu bei. die wichtigen Rheinlandprobleme von allen Seiten her nachdrücklichst zu beleuchten.

Aus Stabt unb Land.

Gießen, den 8. Dezember 1922.

Weihnachtsspenden für unsere bedürftigen Mitbürger.

Den hochherzigen Spendern von Weihnachts­gaben für die bedürftigen Kreise unserer Stadt schließt sich das städtische Lebensmittel- a m t wiederum an. Infolge günstigen Einkaufs ist es in der Lage, an gemeinnützige Anstalten und bedürftige Personen, wie Kleinrentner, Kriegs­beschädigte, Kriegerhinterbliebene usw., als Wfth- nachtsgabe 200 Zentner Weizenmehl für Backzwecke kostenlos zur Verfügung zu ftellen. Die Verteilung erfolgt durch das städtische Wohl­fahrtsamt unter Hinzuziehung der Lebensmittel­deputation. Auch das städtischeDrennftoff- amt will für feinen Teil zur Linderung der Rot r der wirtschaftlich Schwachen beitragen. Es hat dem

WvhksahrtSamt 200 Zentner Braun - kvhlenbrikettszu einem ganzniedrig en Preis zur Verteilung an Kleinrentner über­wiesen.

** Eisenbahn-AuSnahrnetaris für Weihnachtsbäurne. Die Reichs­bahn führt einen vom 7. bi« 31. Dezember gültigen Ausnahmelarif für Weihnachtsbäume ein, wodurch die Fracht zu den Sätzen der 'Be­stimmungen der Klasse E statt C berechnet wird. DieS entspricht einem Fr achtnach - l a ß von rund 30Prozent.

< D i e Monatskartenpreise der Eisenbahn werden seit 1. Dezember nach 18 (bisher 14) Fahrten berechnet, wobei der ab­gerundete einfache Fahrpreis zugrunde gelegt wird. Für Schülermonatskarten und Wochenkarten verblettU es bei dem bisherigen Grundsatz, dem­zufolge die Schülermvnatskarten zur Hälfte, die Wochenkarten zum vierten Teil des Monats­kartenpreises unter entsprechender Aufrundung berechnet werden. Von demselben Tage ab werden als Mindestfahrpreise für Einzelreisekarten und Zeitkarten die Sätze erhoben, die sich nach der Entfernung von 11 Km. ergeben.

< Die Reparaturpreise für Schäden an Pers onenwag e n haben sich neuerdings Um das Zehn- bis Fünf­zehnfache erhöht, so daß z. D. die Zertrümmerung einer Fensterscheibe Reparaturkosten in Höhe von 1000 bis 1500 Mk. (je nach Lage und Größe) verursach.

* Vortrags-Vereinigung. Wenn das deutsche Volk wieder genesen und in der Well geachtet werden will, dann muß es sich mit Liebe in feine reiche und stolze Vergangenheit vertiefen, um aus ihr zu lernen für die Gegen­wart und Zukunft. Unter dieser Parole stand auch der gestrige Vortragsabend der Vortrags- Vereinigung, der es einem außerordentlich zahl­reichen Publikum ermöglichte, unter der fein­sinnigen, die strenge kunsthistorische Gelehrsam­keit mit goldenem Humor würzenden Führung des Geheimrats Schmid-Burgk aus Aachen einen weiten Blick in die hehre Geschichte der alten deutschen Kaiserstadt Rürnberg zu tun.Aus Alt-Rürnbergs Blütetagen" sah man da die mannigfaltigsten und eindrucksvollsten Zeug­nisse. Man durchschritt die imponierenden 'Be­festigungsanlagen, die der Stadt vor Jahrhun­derten Sicherheit und Wohlstand gewährleisteten, man erblickte die reizvollen und vielgestaltigen Schönheiten der Burg, man sah in die Kirchen mit ihrem reichen Schmuck von heimischer Kunst- handwerkevaroeit, die pietätvoll erhaltenen Stra­ßen und Gäßchen, man lernte das Haus des reichen Alt-Nürnberger Handelsherrn, wie das der ein­fachen Leute keimen, die heute noch gleichermaßen Zeugnis geben von dem hohen Kunstsinn und dem schlichten Wesen, die ihre Schöpfer und Rach­kommen beseelt, und man beendete schließlich die erhebende Umschau bei Albrecht Dürer, diesem kernigen deutschen Manne. Mit Recht wies der Vortragende am Schlüsse seiner Führung darauf hin, daß der Hauch einer großen Vergangenheit die Zuhörergemeinde hier berühre, daß die Er­innerung an die gute alte deutsche Zeit, an die -Zeit des aufrechten deutschen Bürg^stvlzes Früchte für das Heute tragen müsse. Und gewiß, die Fäden, die sich bei diesem tiefen Blick in die Geschichte der Stadl der Albrecht Dürer und Hans Sachs' zur düsteren Gegenwart her­über f pannen, sie werden die Seele derer nicht verfehlt haben, die gestern mit ganzem Herzen und empfänglichem Gemüt Rückschau hielten. Der Abend, der wohl bei vielen den Wunsch lebendig werden ließ, diese ehrwürdigen Stätten deutscher Geschichte mal durch Augenschein kennen lernen zu können bei den heutigen hohen Eisenbahn- fahrpreifen allerdings für viele ein schöner Traum!, war dank der trefflichen Führung des Geheimrats Schmid-Burgt ein hoher Ge­winn. Der Dank der Zuhörer, die in der Reuen Aula der Universität alle Plätze füllten und den lebendigen Schilderungen des Dorttagenden mit größter Spannung folgten, beku ldete sich mit Recht in starkem Beifall. den wir auch auf die Dorttags -Vereinigung als der Schöpferin dieses vortrefflichen Abends ausdehnen möchten.

** Der Dühnenvolksbund eröffnet gestern abend seine diesjährigen Vorstellungen mit den beiden ersten Teilen der Wallenstein- ttilogie. Auf die Aufführung und die Beurteilung der Stücke selbst braucht hier nicht näher ein­gegangen zu werden, sie sind bereits gebührend gewürdigt worden. Wir begnügen uns mit der Feststellung, daß auch gestern abend das Theater ausgezeichnet besucht war, obwohl doch ^Wallen­steins Lager" und diePiccolomini" bereits mehr- fach gegeben worden waren, gewiß ein Zeichen dafür, daß der Dühnenvolksbund feine schlechte Wahl getroffen hatte. Insbesondere war die Jugend stark öertreten. Die Künstler unseres Stadttheaters gaben auch gestern toieber ihr Bestes, so daß man mit der Aufführung voll zu­frieden sein konnte. Das kam auch zum Ausdruck tn dem langanhaltenden Beifall, durch den die Zuschauer den Künstlern ihren Dank abstatteten. Wir dehnen diesen Dank wohl auch im Ramen der Zuschauer aus auf die Leitung des Bühnen- vvlksbundes, der seinen Mitgliedern die genuß­reichen Stunden verschafft hatte.r.

** Dom Gießener Konzertversin wird uns zum dritten Konzert am nächsten Sonn­tag geschrieben: Der nächste Solistenabend in diesem Winter, am Sonntag, 10. Dez., vermittelt uns die Bekanntschaft zweier junger Künstler, die unter der Aegide von Fritz Dusch - Stuttgart (jetzt Dresden) musikalisch herangebildet sind und zur Zeit in ganz Deutschland ehre hervorragende künstlerische Rolle spielen, Max Strub, ein Mainzer Kind, den Busch als 1. Konzertmeister mft nach Dresden nahm, und He r ma nnDr ews,

der als Pianist und Dbcrnbingent in Stuttgart tätig ist. Die Werke, die sie Sonntag zu Gehör bringen, sind teils klassisch, teils modern: Bach Mozart, Reger Haas. Die große O - Moll- Sonate (für Dioline allein) von I o h. Seb. Bach, die wir einst von Havemann hörten, sowie die liebliche 8-Dur-Sonate von Mo­za r t, setzen wir als beLtrmt voraus Regers S-Moll-Sonate (Violine und Klavier), die d:n Abend eröffnet, gehört als op. 139 in jene Schaffensperiode des Meisters, die als die reifste uui> abgeklärteste bezeichnet wird, in die der letzten Lebensjahre, in jene Zeit, der wir auch das herrlicheKlavierquartett ^-Moil", dasKlari­nettenquintett", das uns im, nächsten März das Wendlingquartett zum Gedächtnis des 50. Ge­burtstages (17. Marz) des verstorbenen Meisters bringen wird, und die zwei wundervollen Ehvr- werkeDer Einsiedler" und dasRequiem" ver­danken. Die Sonate beginnt mit einem groß ge­steigertencon passione", dem ein schattenhaft dahinschwebendes, weit ausgesührtes Scherzo und ein Adagio, gleichsam ein wundersam tiefes Gottes- gefpräch folgen. Letzteres lieh Adolf Busch, bei Regerä Beisetzung, drm toten Meister und Freund als Avschiedsgruß erklingen Den Schlußsatz bilden neun Variationen, deren vierte, sechste und ganz besonders achte (^s-Dur) von ergreifender Schön­heit sind. Für unsere Konzertbesucher dürfte es von Interesse sein, daran erinnert zu werden, daß dieses Werl und das Klavierquartett -^-Moll die letzten Werke waren, die Reger kurz vor seinem Tode uns hier gemeinsam mit Prof. Wollgandt und dem Gewandhausquartett vermittelte. Als Klaviemummern folgen dieDeutschen Rei­gen und Romanzen, op. 51 von Josef Haas (zur Zeit Professor an der Akademie in München), dem bedeutendsten Regerschüler: teils zart empfundene, teils kraftvolle Klavierstücke Sie wurzeln bei voller Selbständigkeit in der Erfindung und des Stils (der hin und wieder Regersche Einflüsse zeigt) in der Empfindungs­welt, der Rob. Schumanns zu Herzen gehendes Phantasiewerk entsprossen ist: im deutschen Ge­mütsleben. r.

Bornotizen.

Tageskalender für Freitag. Stadttheater, 7 Uhr:Der letzte Walzer." Großer Hörsaal des Phhsikal. Instituts, 8 Uhr: Lichtbildervorttag überWärmeverwendung im Haushalt." Lichtspielhaus, Bahnhosstt., ab heute:Von der Großstadt verschlungen", Hier wird 'n Ding gedreht" undBrasiliens Kampf gegen die Schlange".

Evangelischer Bund Am nächsten Sonntag findet in der Ioha nnes ki r che der erste Familien-Abend dieses Winters statt. Es ist dem Vorstand gelungen, Professor D. Dr. Rie­be r g a l l - Marburg zu einem Vvrttage über D i e gegenwärtige Lage des Pro- te stautismus" zu gewinnen. Der Redner, der nach längerer Tätigkeit in Heidelberg vor kurzem ngch Marburg berufen wurde, ist nicht nur Fachgelehrter von anerkanntem Ruf, sondern auch ein Mann, der die gesamte deutsche Kultur und das moderne Geistesleben in gleicher Weise kennt und beherrscht. Gesangliche Darbietungen werden den Vortrag umrahmen. (Räheres siehe Anzeige.)

Wettervoraussage

für Samstag:

Bewölkt, Regen, etwas wärmer, Südwestwind.

Die Depression im Eismeer bildet neue Aus­läufer, die von der Atlantik her über das Fest­land hinwegziehen werden. Das wechselhafte Wetter wird Wetter anhalten.

Kreis Alfeld.

r Unter-Sorg, 6. Dez. In unserem klei­nen, nur 70 Einwohner zählenden "Dörfchen ist, derOberbeff. Ztg." zufolge, ein S ch u l st r e i k ausgebrochen. Die Schulkinder, acht an der Zahl, besuchten, wie ihre Eltern und Großeltern, die Schule zu Hopfgarten. Run sollen nach Ver­fügung des Landesamts für das Bildungswesen die Kinder vom 1. Dezember ab die Schule in Ober-Sorg besuchen. Da sie mit diesem Wech­sel nicht einverstanden sind, traten sie kurzerhand in den Streik und besuchen gar keine Schule. Die 3 Fortbildungsschüler sind mit den Schülern einverstanden und haben den Sym­pathiestreik angetrelen.

Kreis Friedberg.

* Friedberg, 7. Dez. Die Stadtver­ordnetenversammlung bewilligte für die Schaf­fung eines verbilligten Mittags- tischeS der Studierenden des Poly­technikums einen Kredit von 100 0 00Mark.

< Bad-Rauhei m, 7. Dez. Bei einem nachts in der Richtung nach Friedberg fahrenden Güterzuge entgleiste zwischen hier und Friedberg infolge Achsenbruchs ein Güter­wagen, der auf eine längere Strecke neben dem Gleise herlief und es erheblich beschädigte. Iw- folgcdessen mußten alle Züge auf etwa zwölf Stunden zwischen Friedberg und Dad-Rauheim eingleisig verkehren, was bei der starken Zugfolge zu mehr oder weniger großen Derspä- tungen führte. Personen wurden bei dem Unfall nicht verletzt.

* Dad-Rauheim, 6. "Seg. Die Pforten des Kurhauses sind jetzt auf einige Monate ge= schlossen worden. Die Zfffer des Badebe- suches ist auf annähernd 40000 hinaus- geschnellt. Davon waren 26 289 Deutsche und 11241 Ausländer. Diese Ziffer der Ausländer belief sich somit nur auf ein Drittel des Gesamt­besuches. Von den Ausländern entfielen aus: Afrika 100, Amerika 1056, Asien 18, Australien 2, Belgien 280, Bulgarien 59, Dänemark 272, Frei­staat Danzig 95, Estland 95, Finnland 365, Frank­reich 474, Griechenland 48, England 424, Hol­land 1221, Italien 110, Jugoslawien 276, Lett­land 205, Litauen 159, Luxemburg 178, China 2,

Monaco 6, Rorwegen 218, Oesterreich 676, Polen 1291, Portugal 99, Rumänien 373, Rußland 182, Schweden 855, Schweiz 985, Spanien 147, Tschecho­slowakei 738, Türkei 43, und Ungarn 585.

Hessen-Nassau.

fpd. Frankfurt a. M., 6. Dez. Heber eine schon vor Jahresfrist gemachte Entdeckung von großer geschichtlicher Bedeutung wird jetzt Näheres bekannt. Es handelt sich um die Re sie einer von den Römern angelegten Drücke über den Main. Bei dem vorjährigen Wassertiefftand des Mains entdeckte ein Bankbeamter zwischen der Obermainbrücke und dem Neubau der Alten Brücke mehrere, aus starken, tiefschwarzen Eichenholzpfählen be­stehende Pfahlgruppen, die den Strom genau rechtwinklig kreuzten. Diese fünf Pfahl- gruppen blldeten die Reste einer Brücke, die römischen Ursprungs ist und fast mathematisch genau in dem Brennpunkt der von Norden und Süden her bei Frankfurt zusammenstrahlen- den Römerstraßen liegt. Von dies« Drücke gingen Straßen aus nach Nida, dem heutigen Heddernheim, nach Derkersheim, nach Vilbel, nach Schwanheim, Groß-Gerau, Dieburg und Darmstadt. Die Frankfurter Drückenreste stimmen in ihren Abmessungen genau mit den römischen Drücken bei Mainz, Köln, Koblenz, Trier, Kostheim und Krotzenburg. Die Dedeu- tung dieser Drücke erkennt man daran, daß die Romer sie durch ein Kastell gesichert ha­ben, das wahrscheinlich auf dem Dvmhügel gestanden hat. Das Ende der Drücke dürfte mit dem Ende der Römerherrschaft im rechts­rheinischen Germanien zusammengefallen sein. Die Pfahlreste waren nur wenige Tage sicht­bar und verschwanden bei dem steigenden Wasserstand bald wieder unter den Wellen, konnten aber noch zur rechen Zett vermessen werden.

[1 Marburg, 6. Dez Die Stadtverordneten beschlossen den Bettritt zum Glektrv-Zweck- verband Mitteldeutschland und bewil­ligten zum Großkraftwerk Borken die Haftung bis zur Höhe von 29,15 Millionen Mark. Der An­trag, zur Deckung der Mehrausgaben des Haus­haltsetat u. a. auch eine Rachtragsumlage von 300 Prozent zur Gewerbesteuer zu erheben, wurde abgelehnt: ebenso ein Antrag, ein Besitztum im nahen Dorfe Ockershausen zum Preise von l1/, Millionen Mark zwecks Einrichtung eines Försterhaufes zu erwerben.

Schwurgericht.

Gießen, 4. Dez.

Unter dem Vorsitz des Landgerrchtsrais Trürnpert wurde gegen den Heizer Hein­rich Theiß von Lehn heim wegen Urkunden­fälschung verhandelt. Die Anklage vertrat Staats­anwalt Fischer die Verteidigung führteRechts- antoatt Eng i sch Die Bewersaufnayme ergab, daß Theiß im Winter 1921/22 von der Gemeinde Grünberg 6 Meter Holz für 725 Mk. gekauft Hatte. Da er es bei seinem Wegzug von Grünberg nicht mttnehmen tonnte, verkaufte er es weiter, und zwar für 1425 Mk. Dabei behauptete er bem Käufer gegenüber, er selbst habe soviel bezahlt und legte, zum Bewei« dafür, die von der Stadt­kaffe ausgestellte Quittung vor, auf der er die Zahl 725 MJ. in 1425 Mk. verändert hatte. Die Geschworenen sprachen im Gegensatz zu der Straf­kammer die die Sache an das Schwurgericht ver­wiesen hatte, weil Verfälschung einer öffent­lichen Urkunde vorliege, den Theiß nur der Verfälschung einer Pr iva turkunde in Gewinn­absicht schuldig. Theiß wurde zu 2 W o ch e n Gefängnis verurteilt.

Gießen, 5. Dez.

Am 2. Schwurgerichtstag wurde gegen die Witwe Katha rina Stumpf aus Gießen wegen Lvhnabtreibung und gegen die Ehefrau Ka tharina Weber aus Gießen wegen Bei­hilfe dazu hinter verschlossenen Türen verhandelt. Zwei Schwestern, von denen die eine in anderen Umständen war, kamen fremd von auswärts nach Gießen, erkundigten sich nach einer Kartenschlä­gerin. wurden an die Angeklagte Weber ver­wiesen und trugen dieser ihr Anliegen vor. Rach anfänglichem Sträuben nahm die Angeklagte Weber die Mädchen bei sich auf und gewann die Angeklagte Stumpf, die verbotene Handlung in ihrer Wohnung vvrzunehmen. Die Geschworenen verneinten die Frage nach Lohnabtreibung, bejah­ten aber die nach einfacher Abtreibung, worauf das Gericht die Stumpf $u 10 Monaten, die Weber zu 5 Monaten Gefängnis unter Anrechnung der erlittenen Untersuchungs­haft verurteilte. Die beiden Mädchen hatten be­reits durch Urteil der Sttafkammer vom 7. Ott. 1922 Gefängnisstrafen von 6 und 3 Monaten er­halten. Den Vorsitz führte Landgerichtsrat Stümper t, die Anklage vertrat Staatsanwatt Locher, verteidigt wurde die Angellagte Stumpf von Iustizrat Katz, die Angellagte Weber von Rechtsanwalt Dr. Katz.

Gießen, 6. Dez

Unter der Anklage des Meineides hatte sich die Berta Heulheck geb. Theiß aus Doben- Hausen I vor dem Schwurgericht zu verantworten. Vorsitzender war Landgerichtsrat Trürnpert, Anklagevertreter: Amtsoer ichtsrat Dr. Wv- daege, z. Z. an der Staatsanwattschaft, Ver­teidiger: Iustizvctt Dr. Grünechald. Der An-

Heutiger Staub des Dollars

10 Uhr vormittags:

Berlin 7925, Frankfurt a. M. 7775 7825.

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