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bah bis Pefchurvigten auch, weiteMn uhb rntt denselben Metch-oden wie früher den Kampf gegen ü>fe Sowjetmacht führen würden. Die Angeklagten stellten sich den Kampf in Zukunft in anderen Formen vor, als in der Form des bewaffneten Kampfes. Zste Ausgabe der Partei der Sozial­revolutionäre beruhe in einer allmählichen müh­samen Arbeit zum Zwecke der Erziehung der Ar- beitermafsen. 3n dem Augenblicke, in welchem der Wille der organisierten Massen zum wahren Lüisdruck komme, werde der Bolschewismus ge­nötigt sein, den Grundsätzen der Demokratie zu weichen. T i m o f j e f f polemisierte in einer Re- Vlik hauptsächlich gegen Bucharins Ausfüh- mngcn über die Diktatur des Proletariats. Gotz erwiderte auf die gegen die Partei der Sozial­revolutionäre erhobenen politischen Anschuldigun­gen, welche Bucharin und Krylenko vorgebracht hätten.Wir erachten es," sagte er.nicht für möglich, ein -Urteil über unsere Genossen zu fällen angesichts einer Partei, gegen welche wir kämp­fen. Wir 'haben nie auf den bewaff­neten Kampf verzichtet und werden auch nie auf ihn verzichten. Der Kamvf muh aber in verschiedenen Formen geführt werben. 3m gegen­wärtigen Zeifpunkt stehen wir auf dem Stand­punkte, dah wir auf bewaffneten Kampf und Auf­stände verzichten." Aach einer kurzen Replik Ra- kvvs führte O e l o n o v aus. dah die Beschuldig­ten, da sie nicht gemeingefährlich seien, keiner Strafe unterlägen, denn das Sowjetstrafgesetzbuch verfolge nicht die sttafbare Absicht, sondern bloß Sttaftaten.

3n der Bormittagssitzung vom 4. August for­derte der Vorsitzende des Gerichtshofes die Be­schuldigten auf, eine Erklärung abzugeben, wie sie sich verhalten würden, falls der Gerichtshof sie freisprechen würde. Es sei wichtig, zu wissen, ob die Beschuldigten den Kampf gegen die Sowjet­macht fortsehen würden. Hierauf sprachen Don- s k o j, U g o t> und Timofjeff, welcher erklärte: Wir kämpfen gegen Euch als Leute der Zukunft." Frau 3 w a m o w sagte, sie billige vollkommen die Tätigkeit der Mitglieder des Zentralausschus­ses der sozialrevolutionären Partei, für welche sie auch bei ihrem nächsten Kongreß stimmen / würde. Zlobin erklärte, er könne kein Ver­sprechen geben, dah er sich in Zukunft nicht an den Parteiarbeiten beteiligen würde. Aahezu dieselbe Erklärung gaben alle übrigen Beschuldig­ten ab, wobei sie auf ihre revolutionären Ver­dienste in der Vergangenheit hinwiesen.

Moskau, 5. Aug. (Wolff.) Gestern wurde im Kreml die allrussische Konferenzder kommunistischen Partei eröffnet. 3n der Eröffnungsansprache sagte Kamenew. Lenin gewinne nicht nur seine Gesundheit zurück, er sei tatsächlich bereits gesundet.

Erne neutrale Zone an der Tschataldfcha-Linie.

Athen, 7. August. Die Vertreter Griechenlands, Großbritanniens, Brankreichs und Italiens haben ein rotokoll unterzeichnet, durch das eins neutrale Zone zwischen der griechischen Armee und den alliierten Streitkräften an der Tschataldscha-Linie errichtet wird.

Aus dem Reiche.

Die Kohlenkrise.

Derlin, 8. Aug. Aach demVorwärts" beschäftigte sich gestern eine Chefbesprechung in der Reichskanzlei mit der Kohlenkrise ^und der Entscheidung der Reparationskom- -mission bezüglich derHerabsetzung" der Re­parationskohlenlieferungen von 19 auf 17 ^Millionen Tonnen.

Konflikte im Vrrchdruckgrwsrbe.

Frankfurts. M., 7. Aug. Die hiesigen Buchdrucker sind wegen Lohnforderun­gen heute abend in den Ausstand getre­ten. Sämtliche Zeitungen, auch die sozialistischen, erscheinen nicht.

Solingen, 7. Aua. Die im Solinger Industriebezirk erscheinenden Zeitungen sind heute wegen Ausstandes der Buch­drucker nicht erschienen.

Gehaltsaökommen im Ruhrbergbau.

Essen, 7. Aug. Zwischen den Vertre­tern des Zechenverbandes und den Angestell­tenverbänden im Ruhrbergbau wurde eine Vereinbarung getroffen, der zufolge auf die Zuligehülter eine Zulage von 35 Prozent gewährt wird.

Abschaffung der Rettungsmedaille.

Berlin, 7. Aug. Der preußische Mi­nister des Innern hat eine Verfügung er­lassen, in der mitgeteilt wird, daß die Ver­

leihung der früheren Rettungsmedaille grund­sätzlich nicht mehr in Frage komme. Diesen Personen, die sich durch Rettung von Mitmenschen unter Gefahr des eigenen Lebens verdiennt machen, soll künftig die An­erkennung der Staatsregierung in Form einer Dankurkunde ausgesprochen werden.

Bayern und das Reich.

Berlin, 7. Aug. Der bayerische Mi­nisterpräsident Lerchenfeld wird zusam­men mit dem bayerischen Innen- und dem bayerischen Iustizminister am Mittwoch früh in Berlin zwecks Verhandlungen mit der Reichsregierung eintreffen.

Zur Verabschiedung eines Regierungs­präsidenten.

Münster, 6. Aug. Beim Abschied von seinen Beamten teilte der Regierungspräsident Graf v. Merveldt mit, dah er die Nachricht von seiner Verabschiedung am 20. Juli durch seine Frau erfahren habe, die ihm die Zei­tung hereingebracht habe; der Oberpräsident Grvnowsti habe die Nachricht au feiner Reise ebenfalls aus einer Zeitung erfahren. Gründe für seine Verabschiedung feien ihm nicht mit­geteilt worden. Mit gehobener Stimme er­klärte er, er mühte em ehrloser Mensch und ein treuloser Christ sein, wenn er das Gehalt von der Republik angenommen und nicht ge­treu und gewissenhaft die Anordnungen der Staatsregierung ausgeführt hätte. Er habe keiner politischen Partei ange­hört und habe es verschmäht, überhaupt nur eine politische Versammlung zu besuchen, well er geglaubt habe, seinem Vaterland am besten damit zu dienen, wenn er über den Par­teien stünde. Er scheide als ehrlicher, offener, aufrechter Mann mtt dem Dewuhtsein, selbst unter Hintansetzung seiner eigenen Familie, seine Kraft dem Staat gewidmet zu haben. Er sei bereit, sich zu rechtfertigen, wenn man ihm nur die Gelegenheit baju biete, worauf er, wenn auch nicht nasch den gesetzlichen Be­stimmungen, so doch moralisch einen Anspruch habe. Er versicherte weiter, daß er bald wie­der in alter westfälischer Treue und Zähigkeit seine Kraft dem Vaterland widmen werde in einer Beschäftigung, die er sich noch wählen müsse. ----------

Aus Hessen.

Aus den Ausschüssen.

rm. Darmstadt 7. Aug. Der Finanz­ausschuß des hessischen Landtags erledigte heute die Regierungsvorlage über die Hinter- bli ebenenbe r f orgitng der Staatsbeamten, sowie den Nachtrag zum Staatsvvranschlag, Kap. 44, freir. die Kunststrvßenverwalbung. Angenommen wird dir Regierungsvorlage betr. die Abände­rung des Gesetzes über die DrückMgelder und Ueberfa'ßrten, sowie der Antrag des Abg. Reiber hierzu, ferner die Regierungsvorlage über die Neuregelung des Dienstes in den Heil- und Pflege-Anstalten mit verschiedenen Aenderungen. Die hierzu vorliegenden Vorstellungen werden da­durch für erledigt erklärt. Die Anträge der Abgg. Reiber u. Gen., Hoffmann-Alzey, Dr. Schian, sowie die Vorstellung der Bürgermeisterei Hun­gen betr. Uebernal-me der Kosten der höheren Bürgerschulen in Sprendlingen, Seligenstadt, Hun­nen usw., werden gutgehrißen. Der Antrag der Abgg. Sturmfels und Gen., betr. die Verringe­rung der Schutzpolizei, wird der Regierung als Material überwiesen.

Der Gesehgebungsausschuß nahm heute den Anttag deS Abg. Neumann an, die Re­gierung zu veranlassen, eine Verordnung zu erlas­sen, damit für ansteckungsfähige Lungen- und Kehl- kopstuberkulofe eine Anzeigepflicht eintritt. Sie Vorstellung des Ehr. Joseph zu König i, O. betr. bedingten Straferlaß einer Gefängnisstrafe wird genehmigt. Lebhafte Aussprache führte der Antrag der Abg. Kaul und Gen. über den Erlaß eines Gesetzes über die Rechtsverhältnisse der Richter herbei. Der hierzu von der Regierung borgeleate Entwurf wird gutgeheißen, doch sollen über die Zuständigkeit der Spruchkammern, bzw. des Disziplinarhofs noch Abänderungen erfolgen. Uefrer Den Antrag derselben Abgeordneten betr. die Schaffung eines Gesetzes über die Disziplinär- Verhältnisse der nichtrichterlichen Staatsbeamten wurde nach eingehender Debatte keine Verständig­ung erzielt, und die Regierung wird beauftragt, bis zur nächsten Sitzung, die voraussichtlich Diens­tag oder Mittwoch stattsindet, geeignete Vorschläge zu machen. Die Regierung legte weiter einen Ent­wurf bett, die Vereidigung der öffentlichen Be­amten vor, dem im Prinzip zugestimmt wird; Ein- zelheiten sollen dem Plenum der Kammer Vorbe­halten bleiben.

Wettere Maßregelung?

E rba ch r. O 7. Aug. Auch derKreis - direktvr des Kreises Erbach Dr. Merck, ist anscheinend wegen der letzten Vorgänge bei der Demonstrattvn zum Schutze der Republik vom Amte suspendiert und durch den Regierungsrat Haberkvrn ersetzt, der die Dwnstverrichtungen übernommen hat. H. war zuletzt am Kreisamt Offenbach. Dr. Merck soll sich deshalb mißliebig gemacht haben, well er wegen evtl, zu befürchtender Unruhen, ge­rade zu der Zett, als der Zug über den Markt­platz kam, die Schupo aufmarfchieren lieh.

Aus StQdt und Land.

Gießen, den 8. Aug. 1922.

Die Gebühren im Post- und Tele- graphcnverkehr mit dem Ausland.

Der deutsche Gegenwert des Goldfranken bei der Gebührenerhebung im Auslands- Paket- und Telegrammverkehr so­wie für Ferngespräche nach dem Aus­land ist mit Wirkung vom 7. d. Mts. an auf 160 Mk. festgesetzt worden. Dieses Amrechnungsverhältnis ist auch für die Wert­angabe aus Paketen und Briefen sowie auf Kästchen mit Wertangabe nach dem Auslande maßgebend. Nähere Auskunft erteilen die Postanstalten. Postanweisungen kosten nach dem Stande vom 1. d. Mts. nach England 1 Pfund 3871 Mk., je 100 d er fremden Währung nach Argentinien 83 633, Belgien 8166, Dänemark 18 612, Deutschösterreich 2, Finnland 2194, Frankreich 8117, Griechenland 3040, Island 18 612, Ja­pan 41340, Luxemburg 8186, Mexiko 100626, Niederlande 41411, Norwegen 14 838, Schwe­den 22680, Schweiz 19 073, Spanien 15 528, Tschechoslowakei 2240, Ungarn 43 Mk.

Wettervoraussage

für Mittwoch:

Veränderlich, Niederschläge, zeitweise Auf­klärung.

Von der atlantischen Depression lösen sich Teilwirfel los, die mit mäßiger Geschwindigkeit über den Kontinent ziehen. Die Wetterlage bleibt veränderlich.

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** Oeffentliche Bücherhalle. Im Juli wurden 1716 Bände ausgeliehen. Davon kamen auf: Erzählende Literatur 1052, Zeitschriften 58, Iugendschriften 171, Li­teraturgeschichte 17, Gedichte und Dramen 29, Länder- und Völkerkunde 69, Kulturgeschichte 26, Geschichte und Biographien 73, Kunst­geschichte 7, Naturwissenschaft und Techno­logie 77, Heer- und Seewesen 6, Haus- und Landwirtschaft 11, Gesundheitslehre 22, Re­ligion und Philosophie 41, Staatswissenschaft 9, Sprachwissenschaft 17, Fremdsprachliches 31 Bande. Nach auswärts kamen 44 Bände.

** Der Voranschlag der Stadt Gießen für das Rechnungsjahr 1922 liegt, wie im heutigen Anzeigenteil bekannt gegeben wird, von heute ab eine Woche im Stadchaus, Bergstraße, offen.

** Der Herb st markt i n Gießen findet in der Zett vom 24. September bis 1. Oktober statt. Im heutigen Anzeigenteil wird auf die Bedingungen für die Ueberlas- sung von Plätzen aufmerksam gemacht.

** Anlagenkonzert findet Donnerstag mittag 12 Uhr am Kiebigdenkmal statt. Muiik- folge: 1.Kürassier-Parademarsch Nr.2 (O.Simon). 2. Wotanö Abschied von Drünhilde und Feuer­zauber aus dem MusikdramaDie Walküre" (A. Wagner). 3. Ungarische Tänze Nr. 5 und 6 (Ioh. Brahms). 4. Fantasie aus Der Oper:La Bo­heme" (G. Puccini). 5. Parademarsch des ehem. 18er Husarenregiments für Heroldstrompeten (O. Müller).

Vornottzcn.

Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater, 7 Uhr:Der Raub der Sabine- rrnnen". Astvria-Lichtspiele:Wildes Blut" undDie Kette der Schuld". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Frioericus Rex", 1. und 2. Teil.

Der Vortrag des Physikers Larsen, der am Donnerstag abend im Caf6

Leib stattftnvet, hat bisher in der auswärtigen, und besonders in der Berliner Presse, große Anerkennung gefunden. (Siehe Anzeige.)

Oberhessischer Kunstverein. Die Otto Ubbelohde-Gedächtnis- Ausstellung ist täglich, außer Samstags, von 111 Uhr und am Mittwoch auch nachmittags von 35 Uhr geöffnet.

Eine Verfassungsfeier wird am 11. August im Stadttheater veranstaltet. Näheres ist aus dem heutigen Anzeigentell zu ersehen.

Landkreis Gießen.

i. Ettingshausen, 7. Aug. 3n förper- Itqjer und geistiger Frische beging freute Allbürger- meister Jakob G ö r n e r t I. seinen 90. Geburtstag.

dessen Mitglied Görnert feit Einführung der Kirchenverfassung von 1874 ist, begab sich gestern nach dem Hauptgottesdienst '®t)frmin9 des Jubilars, um ihm seine Glückwünsche auszusprechen und ihm die Ernen­nung zum Ehrenkirchenvvrsteher der evang. Gemeinde Ettingshausen zu überbringen.

f Klein-Linden, 7. Aug. Sein erstes Fest beging der Radfafrrer.verein gestern ln~ dem schönen Garten zur Burg. Zwölf aus­wärtige Vereine und die hiesigen Vereine nahmen am Feste teil. Vormittags fand Strahenwett- fahren statt. Nachmittags 2 Uhr bewegte sich ein stattlicher Festzug durch das Dorf. 3m (Burgi garten begrüßte H. Gärtner die Gäste. Die Gesangvereine trugen mehrere Chöre vor. 3m Korsofahren erhielt der Verein Hungen den ersten Preis. »

Wirberg, 6. Aug. Das Missions- f e st auf dem Wirberg war von den KirchspiÄ» gemeinden und den Nachbargemeinden gut be­sucht. Begünstigt von dem Wetter konnte sowohl die Hauptfeier als aiufr die Nachversammlung im Sandgarten an der Stelle, wo früher das Kloster stand, abgöhalten werden. Der Posaunenchor Bersrod stellte dankenswerter Weise die musi­kalische Begleitung. Bei der Hauptfeier sprach nach einer Einleitung des Orispsarrers. Missionar Walther- Beuern, in der lllachversammlüng hielten Frl. Steiner, die über 18 Jahre in in 3ndien unter der Frauenwelt gearbeitet hat und Missionar Walther Ansprachen. Beide er­zählten aus ihrer Arbeit. Das Schlußwort, aus- klingend in ein Wiedersehen übers Jahr, sprach der Ortspfarrer. Die Kollekte ergab 1000 Mk., außerdem wurden für etwa 400 Mk. Mission^ schriften verkauft.

Kreis Schotten«

lp. Gedern, 7. Aug. Heute morgen wurde die Frau des verstorbenen Wacht­meisters Bleibtreu aus Wenings, der vor kurzem infolge eines unheilbaren Leidens frei­willig aus dem Leben schied, als Leiche aus dem Großen See geländet.

Saubach, 6. Aug. Der hiesige Fuh- fralb- VereinTeutonia 1914 hielt freute eingrohesFußball-Pokal-Tur- n i er auf dem Sportpatz an der Freienfeer Straße ab. Als Teilnehmer traten in die Schran­ken die 1. Mannschaft F. D. Lauterbach 1919, die 1. Mannschaft F.-Cl. Alsfeld 1906, die Liga- Reservemannschaft Gießen, Sportllub 1900. Die Vorspiele begannen vormittags 101/2 Übt; um 2V2 älhr bewegte sich ein stattlicher Festzug durch die Stadt. Von 3 llfrr ab wurden die Entschei­dungsspiele ausgefochten. Der Pokal wurde von Lauterbach errungeh. 3m Entscheidungs­spiel siegte Lauterbach gegen Alsfeld, Laubach gegen Gießen. Alsfeld spielte sehr fein. Der Kampf blieb lange unentschieden. Schließlich siegte Lauterbach durch die Wucht seines Angriffs. Jedenfalls zeigte das Turnier daß alle teil­nehmenden Vereine gute Fortschritte gemacht haben.

S Laubach, 6. Aug. Gestern abend fand olmser Hof" unter dem Vorsitz von Dr. Anderhub aus Köln eine sehr stark besuchte Versammlung ehemaliger Schüler des Gymnasiums Fridericanum statt: auch zwei frühere Professoren der Anstalt hatten sich eingefunden. Sogar von auswärts (Schotten und Ruppertsburg) waren einige Herren erschienen. Man traf die Vorbereitungen zur Gründung einer Vereinigung früherer Schüler des Fridericianum". Als Termin für die Gründung des Bundes, der die Tradition der im vorigen Jahre ein- eingegangenen humanistischen Lehranstalt erhalten soll, wurde einstweilen der August 1 92 3 in Aussicht genommen. Nach eingehender Beratung wurde die Bildung der einzelnen Ausschüsse für die Veranstaltung der Tagung in die Wege gleitet. Zum Ehrenvorsitzenden wurde eorg Graf zu Solms-Laufrach, zum

M »Wen m Mos.

Roman von Ernst Scheitel.

29. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Eduard hob mit großer Anstrengung den Kopf noch mehr, um weiter llmschau halten zu können. Er gewahrte Scharen halbnackter Men­schen, mit Gliedern wie aus Dro.rze mb Eben­holz, dicht gedrängt Kopf an Kopf und eingekeilt zwischen Pfeilern und übermenschlichen Statuen, lind gleich Felsen im O^ean ragten aus diesem Meer von Leibern die Häupter von Elefanten und Kamelen, zwischen denen gleich riesigen Or­chideen die mattroten Hälse von Flamingos schwankten.

Nur In der Mitte der Halle war ein breiter Raum freigelassen, auf dem ein gewaltiger Scheiterhaufen loderte mb einen erstickenden Qualm verbreitete. Hinter diesem flammenden Berg wuchs, wie geboren aus dem unterirdischen Dunst, das Bild eines vorweltlichen Tieres, halb Krokodil, halb Nilpferd, ganz aus schwarzem Basalt gemeißelt, über dessen glänzende Ober­fläche verstreute Lichtreflexe irrten. DaZ scheuß­liche Untier stand aufrecht, wie ein höllischer König, sein Haupt schien die Decke zu berühren und zwischen seinen Kiefern hing der Körper eines geschlachteten Menschen, ganz aus Gold gebildet

Dor dem Scheiterhaufen aber war ein prunt- voller Altar errichtet aus Porphyr, Lasurstein und Kupfer mb auf dieser gleißenden Lade lag ausgestreckt und von dem rötlichen Schein der Flammen umspült, ein Mädchen, dessen im Tobe rstarrte Glieder nur ein dünnes alitzerndes Ge- ebe umhüllte.

Kraftlos vor Entsetzen sank Eduards Kop, zurück, denn der blüfrenbe Körper, der hier feine Seele ausgehaucht hatte, tonnte niemand anderem gehören als dem göttlichen Kinde, das er einen Tag lang hatte lieben dürfen, um dann grausam von seiner Seite gerissen zu werden unb es nun als Leichnam wieder zu erblicken.

Sillhs Antlitz war bleich unb die Züge starr wie auS Alabaster. Aber eine überirdische Schön­heit lag darüber gebreitet, als wäre sie aus einem tiefen Schlof 'sanft hinübergeglitten in die Regionen des Todes. 3hr goldenes Haar fiel künstlich geflochten herab gnb umrahmte ihr Haupt wie ein kostbares Schmuckstück. Die Arme waren an den Körper gelegt, als warteten sie nur auf die M.imienbinben, und ein Ring mit einem strahlenden grünen Stein, den Eduard vorher nie an ihr gesehen hatte, zierte ihren Finger. Eine große blasse Perle hing über ihre Stirn, und goldene Reifen umspannten die zarten Knöchel ihrer Füße und Handgelenke. All ihre Nägel schimmerten golden.

Ein Priester, fast völlig nackt, aber am gan­zen Körper mit kunstvoller Bemalung bedeckt, stand neben ihr. Er hatte feine Arme über der Brust verschränkt und hielt feine Argen unver­wandt auf das Antlitz des Mädchens gerichtet.

Silly lag da wie eine köstliche, fremde Blume inmitten all des barbarjschen Prunkes und höl­lischen Spektakels. Es war, als ginge ein Leuch­ten von ihr aus, daS gleich einem mächtigen Zauber alle gefangen nahm, die hier atmeten, ihre Seele schwamm fühlbar durch den Raum wie ein geheimnisvoller Duft, den alle tranken und in sich sogen, um reich zu werden mb voll von göttlichem Leben.

Eduard war feiner Sinne nicht mehr mächtig.

3n Folterqualen irrten feine Blicke durch dir Hallen und bohrten sich in die finsteren Ecken, fern Gehirn zermarterte sich, ob denn keine Ret­tung möglich, ob nicht ein gütiges Schicksal ihm wenigstens vergönnen möchte, den angebeteten Leichnam zu bergen ihn aus dieser Hölle empor­zutragen an das Licht und ihm ein Grab zu bauen in der heimatlichen Erde. Er wandte feinen Blick nach der Seite, wo Perzelius lag. Viel­leicht konnte dieser Rettung bringen.

Die Augen des Doktors waren mächtig ge­weitet und aus den pergamentfarbigen Aepfeln starrten die Puplllen. Gr schien zu Leben mb alles um sich herum wahrzunehmen. Sein Kör­per wand sich in zuckenden Bewegungen, als wollte er sich befreien aus den Verschnürungen, die seine Glieder gefesselt hielten.

Wenn ich nur eine Hand frei bekäme," zischte er durch den Lärm zr Eduard herüber, ich wollte die ganze Rotte ersäufen."

Eduard verstand nicht ganz, was der Doktor meinte.

Sehen Sie dorthin!" fuhr dieser hastig weiter und 'wies durch eine Bewegung seines Kopfes in den dämmerigen Qualm.

Eduard strengte seine Augen an, um in jener Richtung etwas zu erkennen, aber er gewahrte nur ganz ganz hinten an einer Wand einen mäch­tigen Schwebebalken der ihm den Eindruck eines monströsen, vorsintflutlichen Fotterinstrumentes machte. Er wollte eine Frage an den Doktor richten, doch da wurde feine Aufmerkfamkrit wie­der abgelenkt.

Der ohrenbetäubende Lärm war plötzlich ab­gebrochen, eine unheimliche Stille lastete drückend auf dem Ganzen, das soeben noch unter den Sturzbächen von Tönen erzittert war. Noch ge­

waltiger schienen sich jetzt die nächtlichen Rämms zu dehnen, wie aifatmenb nach der furchtbaren Erschütterung.

Der Priester, welcher >iner Bildsäule gleid) bei Silly gestanden hatte, bewegte langsam unb in einem eckigen Rhythmus seine Arme,inb eine ungeheure Spannung begann sich auf allen Gesichtern zu malen.

Immer noch loderte der Scheiterhaufen 'und beleuchtete flackernd die schwarzen G.i'der des haushohen Götzen, der dayintsr stand. Aus dem bräunlichen Qualm aber, der dort alles 'um- branbete trat jetzt ein Zug von Frauen, während eine Flöte unb ein fremdartiges Saiteninstru­ment eine dünne, zarte und berückende Weise zu spielen begannen. Es klang wie das Gezirpe von Grillen, über das sich der Sang einer fernen Nachtigall erhob.

Die Frauen waren reich gekleidet tn golb- durchwirkte hauchzarte Dyssusg wäidrr und jcde von ihnen trug einen kostbaren Gegenstand in beu Händen, seltsame große Blumen, goldene Henkel' kreuze reichverzierte Urine Musikinstrumente und Perlenschnüre unb Edelsteine. Sie zogen erst tn leiser Tanzbewcgung un den Altar herum, dann stieg eine nach der andern die rötlichen Stufen empor unb legte ihre Gabe an Sillys ©rite nieder. Der Körper der jungen Toten war schließ­lich umstarrt von Gold unb glitzernden Steinen unb Eduard krampfte sich das Herz zusammen, als er seine Geliebte so umgeben sah von Glanz unb Verehrung, einer Göttin gleich aber leblos und blaß.

(Fortsetzung folgt)