ist
des
geschrieben.
1. Satz: Kyrie.
unter Leitung Professor
Gesangverein'
.Messe in F
Trautmanns die große
und ver-
Die Messe besteht aus 5 Teilen, dem Kyrie, dem Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei, ür gem. Chor, vier Solostimmen unb Orchester
**VonderAniversität. Im Som- mersemester 1922 wird Professor Dr. Gries- bad) für Hörer aller Fakultäten und Inter- essenten aller Derufsarten einen Zyklus von 10 unentgeltlichen Vorlesungen über Beziehungen zwischen Berus und Erkrankung hal-
führt zur Mifereregebärde des Kyrie zurück. Cs beginnt wie das Anfangskyrie in Moll, wendet sich bann zu dem sanften F-Dur. welches die Friebensbitte „dona nobis pacem — gib uns Frieben" in inniger, zuversichtlicher Weise zum Ausdruck bringt.
fernster beabsichtigt aus einige Tage nach Berlin zu kommen, doch ist der Zeitpunkt für diese Reise noch nicht bestimmt. Don dem Charakter der zu machenden Mitteilungen wird es abhängen, ob der Reichskanzler seine Ausführungen im Auswärtigen Ausschuh ober vor einem anderen Gremium machen wirb.
Berlin, 6. Mai. (Wolff.) Om Haupt - ousschuh bes Reichstages wurde heute der Etat für die Ausführung bes Friedensvertrages behandelt. Don Regirrungsseite wurde dazu in einer Dorbemerkung zasaminrn- gefäht, dah die Deckung der Ausgaben für die Ausführung des Friedensvertrages aus den allgemeinen Reichsmitteln erfolge, und zwar, insoweit der ordentliche Haushalt die Mit el dazu bietet, aus diesen, im übrigen aus Anleihemitteln. Rach dem Zahlungsplan des Londoner älltimatums vom 5. Mai 1921 betrage die Gesamtschuld des DeutfchenReiches und seiner ehemaligen Derbrmdeten 132 Milliarden Golbmartt. Rach Artikel 4 des Zahlungsplanes in Derbindung mit der Rote der Reparationskommission vom 21. Marz auf das Sürndungsgesuch her deutschen Reg.e ung habe Deutschland im Kalenderjahr 1922 folgende Verbindlichkeiten zu erfüllen: a) Barzahlungen tn Höhe von 720 Millionen Goldmark und b) Sachleistungen im Gegenwert von insgesamt 1450 Millionen Goldmark. Reben den Beipflichtungen aus dem Zahlungspläne vom 5. Mai 1921 für die Reparationen, blieben aber noch die anderen Belastungen aus dem Friedensvertrage, abgesehen von einem Teile der Desatzungskosten, bestehen. Für 1922 allein werden die Ausgaben auf rund 226 V> Milliarden veranschlagt. Au, eine Anfrage des Abg. Dr. Dem bürg (Dem.), wieviel bisher an Sachleistungen geliefert worden sei, erwiderte Staatssekretär Müller, daß in ben Monaten Januar bis März 1922 von Deutschland insgesamt Sachleistungen tn Höhe von 80 Millionen Goldmark an die Entente abgeführt worben seien. Rach einer ausführlichen Debatte über bie Rück- unb Ersatzlieferungen wurde ber gesamte Hauskaltungsplan für bie Ausführungen des Friebensvertrages vom Hauptausschuf) verabschiedet.
roitwen) sowie der Waisen von Offizieren und Unteroffizieren baldigst in einer ben jetzigen Der- hältnissen entsprechenden Weise heraufzusehen.
Gehaltseirrstufungen der Gememdrbeamten.
Der Abg. Dr. W e r n e r hat unterm 28. April in der Kammer folgende Anfrage gestellt:
Dem Landtage ging folgender Antrag Abg. Dr. Osann zu:
Die allen hessischen Militär-Witwen
Aus dem Reicke.
Aus der Aeichsgewerkschaft Deutscher Eisenbahnbeamter.
Wir erhalten auf eine durch das Wolff- Bureau verbreitete und auch von uns übernommene Rotiz folgende Berichtigung:
Unter Hinweis auf § 11 des Preßgesetzes bitten wir um Aufnahme folgender Berichtigung: On Rr. 103 Ihrer Zeitung vom 3.5.22 veröffentlichten Sie eine Mitteilung, nach welcher der Vorsitzende der Fachgewerkschaft II, Howe, das Verbleiben seiner einen großen Teil der Fahrbeamten (Schaffner, Oberschaffner, Zugführer) umfassenden Fachgewerkschaft in der Reichsgewerkschaft deutscher Eisenbahn- beamten und Anwärter davon abhängig gemacht hat, dah die beiden Führer Menne und Scharfschwerdt von ihren Posten zurücktreten. Diese Mitteilung ist in allen ihren Teilen unrichtig. Howe hat keine derartige oder ähnliche Erklärung abgegeben. Howe. Landies.
Aus Hessen.
Die Rotlage der Pensionäre.
-Waisen befinden sich in einer geradezu zweifelten Lage. Die Offizierswitwen erhallen eine jährliche Zuwendung seitens des Staats tn Höhe von 516—1544 Mark. Die Witwen von älnteroffizieren jährlich 118—286 Mark. Die älteste dieser Witwen steht int 93., bie jüngste im 60. Lebensjahre, sie sind also vollständig arbeits- unb erwerbsunfähig. Derartige Pensionen bedürfen unbedingt einer ganz außerordentlichen unb möglichst schnellen Erhöhung. Och beantrage deshalb: bie Pensionsbezüge ber alten hessischen Militärwitwen (Offizierwitwen unb llnteroffizier-
Don feiten der Abgg. R u h und H a t t e m e r dem Landtag folgender Antrag zugegangen:
Der Landtag wolle beschließen, die Regierung ^11 ersuchen, auf geeignetem Wege dafür Sorge zu tragen, dah umgehend die große Härte beseitigt wirb, daß ber bei der Brsoldungsneu- regelung vom 1. April 1922 eingeführte Frauenzuschlag den Witwen verstorbener . Staatsbeamten nicht gewährt werden soll, sowie dafür, baß auch denjenigen Pensionären der Frauen- zuschlag ober ein Aequivalent zuteil wird, die als Witwer einen selbständigen Haushalt führen unb zu biesem Zweck erwachsene Töchter, für die kein Kinderzuschlag mehr gewährt wird, oder eine Haushälterin in ihrem Haushalt aufzunehmen gezwungen sind. — Begründung: Die in unserem Antrag angeführten Härten treffen die notleidenden Pensionäre in dieser überaus teueren Zeit sehr schwer. Eine baldige Abhilfe ist dringend geboten, soweit dies nicht inzwischen ge
schehen sein sollte.
Pensionen der hessischen Offiziere sowie Offizier-Witwen und -Waisen.
Die Steigerung der Lebenshaltungskosten.
Berlin, 6. Mai. (WTB.) Die Steigerung der Lebenshaltungskosten setzte sich int April weiter fort. Die vom Statistischen Reichsamt auf Grund ber Erhebung über ben Aufwand für Ernährung, Wohnung. Heizung und Beleuchtung einer fünfköpfigen Familie berechnete Reichsindexziffer für Lebenshaltung stieg im Aprll auf 3175, sonach fast das 32fache gegenüber 1913/14. Ein Vergleich mit dem Vormonat ist diesmal nicht ohne weiteres gegeben, da nach den Deschlüsien der statistischen Qtentter wesentliche Aenderungen in ber Berechnungsart der Reuerungszahlen für April eintreten mußten, die auch eine Reuberechnung ber Grunbzahlen für 1913/14 nötig machten. Zugleich wurde die Zahl der für die Berechnung ber Reichsinderziffer herangezogenen Gemeinden von 48 auf 71 erhöht und eine neue Wägung der Teuerungszahlen der 71 Gemeinden vorgenommen, die den kleineren Städten ein angemessenes Gewicht bei der Be- i«hnung ber Reichs Indexziffer gibt. Berechnet k man die Märzzifser nach ber neuen Methode, so -beträgt sie 2639 gegen 2302 nach der alten Methode. Die Steigerung ber Lebenshaltungskosten , beträgt also von März auf April 20,3 Prozent. 'Die Reichsinderziffer für bie Ernährungskosten beträgt im Durchschnitt bes Aprils 4356. Legt man auch hier für März die neuen Berechnungs- Vorschriften zugrunde, so ergibt sich für April eine Ernährungsinderziffer von 2603 gegenüber der alten von 3152. Die Kosten für Ernährung sind sonach int Reichsburchschnitt von März auf April um 20,9 Prozent gestiegen. Zur Erhöhung der Lebenshaltungskosten trugen mehr ober minder fast alle Lebensmittel bei; nur Eier unb Spinat sind der Jahreszeit entsprechend etwas billiger geworden. Hier unb bvrt zeigt sich auch geringes Rachlasfen der Preise für Fette wie Butter und Margarine sowie Fische, ohne jedoch
Oibipus.
Eine Sophokles-Aufführung in Gießen.
Gießen, 7. Mai 1922.
Auf Veranlassung ber „Vereinigung ber Sreunbe bes humanistischen Gymnasiums" ging, ausgeführt durch Mitglieder der Gießener Waldbühne, am Samstag die Tragödie des Sophvlles „O i d i p u s" in Szene. Es war eine hohe Aufgabe, an die man sich herangewagt hatte: grölte Anforderangrn wurden an sämtliche Mitwirkenden in technischer wie darstellerischer Hinsicht gestrllt. Es ist erfreulich, feststellen zu können, baß das Unternehmen über alles Erwarten hinaus in glücklichster Weis» gelang. Das Hauptverdienst fällt hierbei wohl dem rührigen Leiter der Waldbuhne, Profesior Berndeck, der keine Mühe scheute, um etwas wirklick) Gediegenes zu bieten, unb Adolf Tele kh zu, der seinen bewährten künstlerischen Geschmack und fein reifes Können als Spielleiter in den Dienst der Sache gestellt hatte. Wenn man bedenkt dah nur Liebhaber als Darsteller tätig waren, muß man dem, was man zu sehen bekam uneingeschränkte Anerkennung zollen. — Von den' Darstellern bot Dr. Hans Kling in bet Titelrolle die beste Leistung tn Spiel wie tn Sprache Ria Hochstetter traf die Iikaste gleichfalls in gelungenster Weise. Zu nennen sind ferner der Kreon (Karl Heinz Hoof), Trr- resias (Dr. Günther Goldschmidt) \mb der Bote Helmut Pütgers. Doch auch Fritz Schmidt. Hans Arbeit. August Balzer sowie aus dem Chor Christian Rauch, Frttz Heichelheim unb Josef Heißler trugen jeder an seinem Teil zum Gelingen des Abends bei. Mit besonderem Lobe möchten wir wegen seines ausdrucksvollen Spieles schließlich noch ein reizendes Blondköpfchen aus der Schar ber Kinder hervorheben, dessen Ramen uns bei der Hauptprobe eine Anweisung des gestrengen Herrn Spielleiters zutrug (Bertltes Hornberger).
Des Dantes aller, denen bie klassische Kinst etwas bedeitet unb zu sagen hat. können Veranstalter wie Mitwirkende sichet sein. —r. f
Moll" von Anton Bruckner zu Gehör bringen. Heber Anton Bruckner erschien anläßlich seines 25jährigen Tobestages (gest. 11. Oktober 1896) ein längerer Artikel im »Gießener Anzeiger", so daß jetzt nur wenige Worte über ihn genügen werden. Am 14, September 1824 in Oberösterreich als Lehrersohn geboren, wurde er int Stift St. Florian zum Lehrer unb Organisten ausgebildet. Ganz zur Musik übergehend, studierte er in Linz unb Wien, wohin er 1869 als Lehrer ans Konservatorium berufen wurde und b's zu seinem Tobe verblieb. Er hatte schwer um Anerkennung zu ringen, ba er als Anhänger Wagners dessen Gegner, an ihrer Spitze Ed. H a n s l i e k, als erbitterte Feinde gegen sich hatte, die seine Werke „als Modergeruch, ber aus ben Mihklängen dieses verwesungsfüchtigen Kontrapunlls in unsere Rasen bringt..bezeichneten. Erst als Bruckner im Auslanb ge- toürbigt und eine Berühmtheit wurde, hielten es die Wiener für nötig, sich mit seiner Musik näher zu befassen, und den ersten Erfolg hatte er mit dem „Ted e um". Aber erst unserer Zeit war es vergönnt, die ganze Große des Drucknerschen Wertes zu erfassen und zu erleben. Reben Hugo Wolf. Hans Richter, Klindworth unb Mottl war ein Hauptförberer Brucknerscher Musik Kapellmeister Hermann Levi in München, ein Gießener Kinb.
Bruckner hat neben seinen anderen Werken drei Messen geschrieben, zwei Heinere in D- und ll-Moll unb seine große Messe in F-Moll, voll- enbet 1868, zum ersten Male 1872 in Wien aufgeführt. Die ersten deutschen Aufführungen waren 1896/97 in Tübingen unter Emil Kauff- inann und die auf dem Mannheimer Musikfest 1903 unter Felix Mottl. Dann ruhte bas Werk fast völlig — in Berlin z. B. kam nicht eine Ausführung zustanbe —, um im Gedenkjahr 1921 seine leuchtende Auserstehung zu feiern.
Bruckners Messen sind in erster Linie liturgisch gedacht. Sie setzen den Priester am Altar voraus, unb doch sind sie nicht „flerifnte“ Musik, sie sinb reine Bekenntnismusik, eine Confessio im überkonfessionellen Sinne.
Anton Bruckners große Messe
(f-Moll).
Zur nächsten Veranstaltung des Gießener Konzertvereins wirb uns von mufikver- ftänbiger Seite geschrieben:
Am 11. Mai wirb ber „Akademische
Vielfältig klingt die Brucknersche Kyriebitte, vom ersten zaghaften Bitten bis zum rückhaltlosen Vertrauen. Er geht dem ilrfinn des Ausrufs „Herr erbarme dich unser, Christus erbarme dich unser" nach, er empfindet als sündige Seele. Dreimal wirb der Herr, dreimal Christus an- gerufen, unb die Anrufungen Christi (As-Shir mit Violinsolo) bilden ben Gesangssatz bes Kyrie. Die Ditte wird bann ‘ stürmischer, die Weiterführung geschieht in melodischen Wellen, die Bewegung wirb erregter, Solostimmen rufen dazwischen. Plötzlich flüstert ber a-capeNa-Chor in äußerster Innigkeit, bas Cello nimmt bas Klagemotiv des Anfangs auf unb ber Chor ber Beter murmelt psalmobierenb auf ber Quint 6 zum F-Moll-Abschluß des verhallenden Orchesters.
2. Sah: Gloria.
Das Gloria schildert den Ruhm des Herrn. Der Text gehört zu ben ältesten Bestandteilen der Messe. 3n G-Dur, doppelt hell nach F-Moll, erstrahlt ber Frauenchor, wuchtig Hingt ber Männerchor ,,Gloria in excclsis Deo“ — Ehre sei Gott in ber Höhe! Wie Hammerschläge sausen Epitheta: domine — rex coelestis — pater — hernieber, die Chorstimmen kauern sich beim „Adoramus tc — Wir beten dich an“ ehrfürchtig zusammen und raffen sich beim „Gloriticamus te = wir verherrlichen dich" zu Enthusiasmus auf. Das „Gratias — Dant sei dir" schwebt aus Fvauenmund in größerer innerer Ruhe dahin, dann wird die Danksagung inbrünstiger, wird zur bildhaften Anschauung des „Pater ommpotens = allmächtiger Vater", flüstert ben Ramen Christi unb schließt unisono „Filius Patris = Sohn bes Vaters". Run folgen ber Adagiosah „Qui tollis peccata mundi — ber bu trägst bie Sünden ber Welt" unb die 1 erkürzten Chorausrufe „Suscipe deprecationem nostram — nimm an unser Flehen". Man fühlt, dies Flehen (E-Dur mit Hörnern unb Trompeten) unb das furchterfüllte Psalmodieren „miserere nobis = erbarm dich unser" muß zum Himmel bringen. Der Mittelteil „Quoniam tu solus sanctus = denn bu allein bist heilig" nimmt Motivik bes „Gratias" wieder auf, „Cum sancto spiritu — mit dem heiligen Geist" reiht die Stimmen zum ekstatischen llnifonovaf empor, bann folgt ein Einschnitt unb nun beginnt, alle Kräfte zusanunenraffend, dir
die GesamtenLenz der Aufwärtsbewegung auch dieser Lebensmittelpreise wesentlich gu beeinflußen. Rindfleisch unb Schweinefleisch sinb im ganzen um über 25 Prozent gegen den Vormonat gestiegen. auch die Kartoffeln zogen weiter im Preise an. Sehr bedeutend ist die Erhöhung der Preise für bie Brennstoffe, nicht nur für Kohlen und Briketts, sondern auch für Holz unb Torf. Dagegen sind bie Preise für Gas unb Elektrizität ziemlich gleich geblieben. Wesentlich trug auch die Erhöhung ber Zuschläge zu ben Wohnungsmieten zur Steigerung der Lebenshaltungskosten bei. 3m großen unb ganzen zeigt diesmal bie Teuerung in.größeren Städten noch stärkeren Steigerungsgrad als in Heineren.
matiE ist für bie Forschung von heute eine w-.si rn- schaftliche Pharmakologie unb Arzneimittellehre überhaupt nicht mehr bentbur. — Buchheims rast losen Bemühungen war auch die Begründung des Do spater pharmakologischen Laboratoriums zu banken, zu einer Zeit, wo in Deutschland kaum für die Physiologie, geschweige denn für Pharmakologie wissenschaftliche Institute vorhanden waren. Dies ermöglichte 2ä ihm. einen außerordentlich großen Kreis von Schülern und Mitarbeitern an seiner Forschungsarbeit um sich zu sammeln. Zn den zwei Jahrzehnten seiner Dorpater Tätigkeit sind über 100 Disertationen, fast alle auf Grund experimenteller älntersuchun- gen unter Buchheims Leitung ausgearbeitet worden, und auch nach Buchheims Weggang hat die Dorpater pharmakologische Schule noch lange in hohen Ehren in der medizinischen Welt ge- stanben. Trotz der ihm in Dorpat zuteil geworbenen Anerkennung unb Auszeichnungen wurde in dem leidenschaftlich an seinem Vaterland«-hängen- ben Manne bie Sehnsucht nach Rückkehr in die Heimat mit ber Zeit übermächtig. Rachbem er noch 1863 eine Berufung nach Breslau audge» schlagen, faßte er in der Folge den Entschluß, einem erneuten Rufe an eine beutsche MniDerfität, welche es auch sei, ohne weiteres nachzukommen. Als 1866 gleichzeitig Rufe nach Bonn unb Gießen an ihn hm antreten, entschieb er sich für unsere Luboviciana, weil er hier am ersten auf die Errichtung eines pharmakologischen Institutes rechnen bürste — dessen Fertigstellung sollte freilich ber bescheidene Gelehrte, ber sich in seiner eigenen Wohnung ein provisorisches OabonitM rium einrichtete, nicht mehr erleben. Die notgedrungene Einschränkung sei..er OaboratoriumS- tätigfeit unb die bebrütende Verringerung der Zahl seiner Schüler, bie bie ileberfieblung nach Gießen mit sich brachte, wurde für Duchheim Anlaß zu um so eifrigerer literarischer Tätigkeit. In erster Linie galt sie ber Bearbeitung ber 3. Auflage seines „Lehrbuchs", in der er die Frucht seiner langjährigen Forschungen nieder- legte (1878). Als pharmazeutischer Examinator hatte er erst lebhafteres Interesse an ber Pharmazie und Pharmakognosie gewonnen; auch auf diesen Gebieten hat er sich in Gießen schriftstellerisch betätigt. Daneben fand er doch noch Zeit zur Wiedmaufnahme seiner physiologischen Forschungen, wobei ihn sein wissenschaftlicher Eifer die Wirkungen ber Arzneistoffe oft sogar am eigenen Körper erproben lieh. Auch in ben Ferien würbe Buchheims Forschertätigkeit nur selten unterbrochen.
Im Privatleben zeichnete sich Duchheim durch eine außergewöhnliche Anspruchslosigkeit unb De- scheidenheit aus. Wahrhaftigkeit, Treue unb feurige Vaterlandsliebe waren Grunbzüge seines Wesens. Seine Erholung suchte er ausschließlich in seinem ihm aufs innigste verbundenen Familienkreise. Die Pflege der Musik, für die auch seine Kinder hohe (Begabung zeigten, hat ihm besonders glückliche Mußestunden bereuet. In Gießen hatte sich Duchheim bald zufrieden eingelebt: eine Zurückberufung nach Dorpat wurde von ihm ohne weiteres Besinnen ausgeschlagen.
Rur wenige Jahre ungestörten Schaffens waren Duchheim in seinem neuen Wirkungskreise beschießen. Schon 1874 hatte ihn eine Augenerkrankung, die auf ein ernstes Herzleiden hinwies, ans Dunkelzimmer gefesselt. Im Sommer 1879 erlitt er einen Schlaganfall: nach zeitweiliger Desserung machte am 25. Dezember 1879 ein wiederholter Anfall dem Leben des nerbtenten Gelehrten ein Ende. Seine bahnbrechende wissenschaftliche Dedeutung hat durch B. Hirsch und O. Schmiedeberg eingehende Würdigungen gefunden, von denen im Vorstehenden Gebrauch gemacht werden konnte, ebenso wie von dem Lebensbilbe Buchheims, bas R. Boehm im ersten Bande der „HessischenBiographien" entworfen hall H H-
Aus Stabt unb Land.
Gießen, den 8. Mai 1922.
Rudolf Buchheims Lebeusgang und wissenschaftliches Lebenswerk.
Rudrlf Duchheim. an besten Gießener Wohn- und Sterbehause, tote wir berichteten, eine Gedenktafel angebracht wurde, wurde am 1. März 1820 zu Bautzen als Sohn eines auch als ärztlicher Schriftsteller tätigen sächsischen Kreisphysikus geboren. Schon vor seiner Promotion in Leipzig (1845) wurde ihm eine Assistentenstelte an der dortigen anatomisch-physiologischen Anstalt übertragen. So konnte er schon 1845 Minna Peschet aus Zittau heimführen, die ihm eine verständnisvolle treaforgenbe Lebensgefährtin wurde unb ihm sechs Kinder schenkte. In Leipzig war er gleichzeitig als Arzt, auch auf dem Gebiete der Geburtshilfe, tätig; redigierte daneben das „Pharmazeutische Zentralblatt" und hatte sich bald durch feine wissenschaftlichen Arbeiten einen so bekannten Ramen gemacht, daß er im Mai 1847 als Professor ber Arzneimittellehre, Diätetik and Geschichte der Medizin nach Dorpat berufen wurde. Diese Auszeichnung war umso beb? it- samer, als die Dorpater mebizinische Fakultät in bezug auf bie Vollständigkeit der Lehrfächer unb auf die wissenschaftliche Bedeutung ihrer Vertreter damals auf einer Höhe stand, wie kaum eine andere Fakultät deutscher Junge. Gerade heute nach dem Zusammenbruche des deut- feben Universitätswesens im Daltenlanbr maß daran erinnert werben, daß die Vertreter der Medizin auf jenen äußersten Vorposten deutschen Geisteslebens auf einer Reihe von Forschungsgebieten eine hervorragende, vielfach führende Stelle einnahmen. Ihnen reihte sich Duchheim würdig an. indem er durch seine Forschertätigkeit die Arzneimittellehre zu einer wissenschaftlichen. auf experimenteller Grundlage beruhenden Disziplin erhob. Dis dahin Hutten auf jenem Gebiete durchaus unwistenschastliche. der Grundlage der Erfahrung entehrende Auffassungen geherrscht, bie naturphilosophischen Dogmen unb kritikloser Uebemabme von Iahrhun- berte hindurch fortgeerbten Arzneimitteln und zum Test rein phantastischen Rezeptformekn ihren Ursprung verdankten. Demgegenüber stellte Duchheim als Erster sich als Aufgabe bie Erkenntnis des Wesens der Arzneiwirkungen mit Hilfe der experimentellen Untersuchung - ber physikalischen unb chemischen Eigenschaften der Stosse, ihres Verhaltens in ben Organen des lebenden Körpers und ber Mmteanblungen, die sie beim Durchgang durch den Organismus erfahren. Die Ergebniste feiner Arbeit hat er tn seinem klassischen „Lehrbuch der Arzneimittellehre" zu- scrmmengesaßt, das von 1856 bis 1878 in bret Auflagen erschien unb nach Duchheirns Tob die Grundlage des Harnackschen Lehrbuches (1883) bildete. Die besondere unb bleibende Bedeutung dieses Wertes lag in ber erstmaligen Begründung eines natürlichen Systems der Arzneimittel, die er nach ihren pharmakologischen Wirkungen klassifizierte. Ohne biete Duchheimsche Syst?--
Ist es ber Regierung bekannt, daß bie Ge° Haltseinstufungen der Gemeinbebeamten in Heinen unb großen Gemeinden ohne Rücksicht auf die staatliche Besoldungsordnung unb die bestehenden Vorschriften burchgeführt werden? Ist die Regierung in der Lage, hier Abhilfe zu schaffen?
Belieferung von Kohlen an Bäckereien.
Die Abgg. Hoffmann- Alzey unb Knoll haben an bie Staatsregierung folgende An- frage gerichtet:
Von vielen Bäckermeistern wirb bitter geklagt über die unregelmäßige unb unzulängliche Belieferung mit Kohlen. Die Preise für Saarkohlen unb Holz sinb derart hoch, dah es bei ben von den Kvmmunalverbänben festgesetzten Brot- preisen bem Däckergewerbe nicht möglich ist. eine solche Belastung zu ertragen. Wir fragen daher an. welche Maßnahmen bie Regierung zu ergreifen gebenft, um für die Bäckereien als lebenswichtige Betriebe eine regelmäßige unb zulängliche Belieferung mit Kohlen zu sichern?
große Fuge „In gloria L)ei patris, Amen = in ber Herrlichkeit Gottes des Vaters. Amen!"
111. Sah: „Credo".
3m „Credo“ läßt Bruckner das volle 'Bekenntnis des Priesters vom Chor fingen. Das Fortissimo, die Markigkeit ber Linie geben dem Crebonwtiv den Ausdruck felsenfester llner- schütterlichkeit. Es wird bei jedem ber brei göttlichen Personen angestimmt, dazwischen werden mit Ehrfurcht die Attribute ausgemalt. Das größte Wunder des Glaubens „Et incartus est de spiritu sancto" ----- empfangen von dem heiligen Geist" folgt in mystischer Verklärangs- form. Violinsynkopen zeigen bie Angst beim „Cruci- tixus = gekreuzigt", ergriffen klagt ber Chor „Passus et sepultus est — litt unb begraben ward".
Daraus folgt eine Szene voller Glanz „Et resurrexit — unb auferftanben“, und Jesu Auffahren gen Himmel. Drohende Däsfe verkünden die Wiederkunft „zu richten bie ßebenbigen and bie Toten". Oes-Dur bricht em unb das Bild des „cum glona = in Herrlichkeit" thronenden Richters geht auf. Es folgt bie Ausmalung des Königtums Christi unb barm beginnt der Schlußteil, der sich mit bem vollen Credomotiv brr britten Person zawendet. Mit den Worten „et vitam venturi saeculi, amen — unb ein ewiges Leben, Amen" wäre ber Mrsfetext zu Ende, aber es beginnt noch eine Art Coda, in ber sich bie Bekenntnisleidenfchaft Bruckners noch einmal zu einem machtvollen „Credo“ auswächst.
IV. Sah: „Sanctus“.
Das „Sanctus ---- heilig" stimmt der Chor leise unb ehrfürchtig mit den Engeln, deren seraphische Stimmen das hochgelagerte Orchester andeutet, an. Erst beim „Dominus Deus Sabaoth — Gott Sabaoth" erheben sich bie Stimmen zu voller Kraft. Rach bem „Pleni sunt coeli et terra gloria tuo = Himmel unb Erde sind benies Ruhmes voll" löst sich eine etnzekne, helle Sopranstimme los in fröhlichem Jubel „Hosanna in cxcelsis_ = Hosianna tn der Höhe". Sie reißt alle Gläubigen mit tn ben Iubelrus.
5. Satz: Benedictus.
Ganz Sehnsucht, ganz Anbetung zeigt bas „Benedictus qui venit in nomine Domini — Gesegnet, ber ba kommt im Ramen des Herrn". In der Seligkeitstonart, As-Dur beginnend, wandelt sich im zweiten Teil die Innerlichkeit in F-Moll zur Mystik.
6. Sah: Agnus Dei.
Das „Agnus Dei — Lamm Gottes" wird liturgisch von flehenllichen Gedanken bestimmt und
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