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Erster Blatt

Montag, 8. Mal 1922

172. Jahrgang

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen v 34 nunBreite örtlich 120'Pf., auswärts 150 Pf.; für Reklame > Anzeigen von 70 mm Breil« 450Pf. Bei Platz» Vorschrift20Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Barl Walther; für den Anzeigenteil: Hans'Beck, sämtlich in (Biegen.

GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Steinönitferei R. Lange. Schriflleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulftrahe 7.

Drohender Abbruch der Genueser Konferenz.

(Eine Unterredung zwischen Barthou und Lloyd George.

Genua, 6. Mai. (Spezialbericht des Der- treters des WTB.) Barthou hatte heute nach­mittag eine Unterredung mit dem italienischen Auhenminister S ch a n z e r. Hierauf begab er sich nach der Billa de Alberti, too er von 5 bis 7 Uhr mit Lloyd George kpnfcrierte. Dar- thou führte hierbei, wie von englischer Seite mitgcteilt wird, aus, er habe bei seiner Ankunft in Paris die öffentliche Meinung sehr besorgt ge­funden über den Abschluß des deutsch-russischen Vertrages und die Schwierigkeiten, die sich in­folge der Vichtunterzeichnung des Memorandums an Ruhland durch die Belgier ergeben hätten. Die Stellungnahme der französischen Regierung werde durch die Haltung der Belgier und durch die Auffassung der französischen öffentlichen Mei­nung beeinflußt. Er sei mit der Instruktion seiner Regierung zurückgekommen, dah Frankreich dem russischenMemorandum nicht zu- stimmen könne, wenn die Belgier auf ihrem Standpunkte beharrten. Er, Barthou, glaube indessen, dah es möglich sein werde, eine Formel zu finden, um die verschiedenen Gesichtspunkte miteinander in Ein­klang zu bringen. Er fügte hinzu, abgesehen von der Frage des Art. 7 des Memorandums sei die französische Regierung und die öffentliche Mei­nung in Frankreich der Konferenz durchaus günstig gesinnt. Man dürfe die öffent­liche Meinung Frankreichs nicht nach den Artikeln beurteilen, die in ge­wissen Zeitungen veröffentlicht wür­den Wenn er nicht persönlich davon überzeugt wäre, dah die öffentliche Meinung Frankreichs der Konferenz günstig gesonnen sei. würde er nicht zurückgekommen sein. Er werde alles tun, um der Konferenz Mu einem Erfolge zu verhelfen.

LloyD George nahm diese Erklärung zur Kenntnis und sagte, gegenwärtig sei die Lage folgende: Das Memorandum sei an die Russen abgesandt worden und jetzt müsse man erst die Antwort der Russen abwacten; vorher sei nichts weiter zu tun. Gr erwähnte noch, dah französische Blätter Kommentare über die Frage der ^Ein­berufung der Obersten Rates nach Genua" ver­öffentlicht hätten. Er, Lloyd George, habe nichts derartiges angeregt, er habe lediglich gesagt, dah es sehr zweckmähig sein würde, eine Tlnterredung zwischen den Unterzeichnern des Ver­trages in Genua herbeizuführen. Barthou erwiderte, die französische Regierung habe diele Anregung vollkommen verstanden. In der Presse sei der AusdruckOberster' Rat" nur irrtümlich gebraucht worden. Hierauf fragte Lloyd George, welches die Ansichten der französischen Regierung in dieser Frage seien. Barthou erwiderte, er habe bereits dem italieni­schen Auhenminister Schanz er mitgeteilt, dah die französische Regierung sich dieser Be­sprechung vor dem 31. Mai widersehe. (Sine neue Besprechung Lloyd Georges

mit Wirth nnb Rathenau.

Berlin, 6. Mai. Wie dieBossische Zeitung" aus Genua meldet, wurden Reichs­kanzler Dr. Wirth und der Minister des Aeuheren Dr. Rathenau nach der Unter­redung zwischen Lloyd George und Barthou, die zur Mittagszeit noch andauertc, zu Lloyd George nach der Billa Alberti geladen.

Ankündigungen und Stimmungsberichte

Pariser Blätter.

Paris, 7. Mai. Die Abendpresse ist in ihren Betrachtungen über die Lage in Genua nicht weniger p e s s i m i st i s ch als die Morgenpresse. DerTemps" sagt, Minister Barthou habe gestern bei der Zusammenkunft mit Lloyd George davon gesprochen, man müsse eine neue Formel suchen, damit Frankreich und Bel­gien das Memorandum unterzeichnen könnten. Er habe zu verstehen gegeben, dah diese Formel Rücksicht auf die Sowjetregierung nehmen müsse. Lloyd George habe sich geweigert, eine Verständi­gung mit Frankreich und Belgien zu suchen, indem er erklärt habe, man könne am Memoran­dum nichts mehr ändern. Er habe voraussehen lassen, dah die Engländer selbst sich an Frankreich halten würden, indem sie ihm vorwerfen würden, England Belgiens wegen verlassen und das Ein­verständnis mit den Sowjets verhindert zu haben, durch das der Arbeitslosigkeit in England hätte ein Ende bereitet werden sollen. Diese Unter- redung entsprach, wie derTemps" glaubt, nicht der -Haltung der französischen Regierung, auch nicht der Erwartung der öffentlichen Meinung Frankreichs. Die französische Regierung ebenso wie die belgische haben nicht die Absicht, über den Grundsatz des Eigentumsrechts mit sich ver­handeln zu lassen.

Das »Journal des Debats" sagt, die Vachrichten seien in einem Punkte gleichlautend. Lloyd George sehe das Fiasko der Konferenz voraus und bereite sich darauf vor, die Ver­antwortung hierfür Frankreich und besonders Poincare aufzubürden. Vach demJournal des Debats" ist die Krisis derenglisch-frun- z ö f i s ch e n Btz Ziehungen unvermeid- l i ch geworden, seitdem Lloyd George es unter­nommen habe, die Wiederaufnahme des Welt­handels auf dem Verzicht Frankreichs auf Repa­rationen aufzubauen.

Die »Liberte" vertritt den Standpunkt, dah man in die Krisis der Allianzen eingetreten sei. Rian habe in Genua damit begonnen, die Kriegserinnerungen auszulöschen. Man sei auch über die Kriegsallianzen hinweggegangen Wie könne man sich also wundern, dah sie aus­einanderfielen und dah sich neue Gruppierungen bildeten. Hierzu habe das deutsch-russische Ab­kommen das Zeichen gegeben, und da diese ge­fährliche Vereinigung seitens der anderen Regie­rungen keine Reaktion ausgelöst habe, bilde sie den Ausgangspunkt, um den sich ein neues Europa für einige Zeit kristallisieren werde.

Paris, 8. Mai. (WTB.) Die Sonder­berichterstatter der Pariser Vachrichtenpresse sen­den auch heute pessimistisch gefärbte Berichte aus Genua. Am pessimistischsten äußert sich der »Pe - t i t Parisie n". Er stellt fest, wie die Dinge heute liegen, könne man einen Bruch zwischen England und Frankreich erwarten, der wenigstens für eine gewisse Zeit dem ein Ende bereite, was man die französisch-britische Entente nenne. Das sei wenigstens die Eventualität, die von Stunde zu Stunde bedrohlicher werde. Zweifelsohne dürfe man bis zum letzten Augenblicke hoffen, aber wenn nichts Unvorhergesehenes eintrete, erscheine der Bruch schwer zu vermeiden. Das Beste, was man tun könne, sei, sich darauf vorzubereiten. Auch dieser Berichterstatter glaubt, dah die Lage sich geftern insofern geändert habe, als der Der- tagungsantrag abgelehnt worden sei. Die eng­lische Delegation Ixibe sich ihm formell entgegen­gestellt. Die französische Delegation wird nach Ansicht des Berichterstatters sich auf feine Ver­handlungen einlaffen, da sie das Memorandum an Rustland als Ultimatum aufsaht. Wenn Eng­land, gefolgt von Italien und anderen Mächten, anders handle, so sei zu befürchten, dah Frank­reich sich von der Konferenz zurückzieh? und dah der Bruch dann da sei.

Der Sonderberichterstatter desEcho de Pari s" meldet aus Genua, im Lause der am 6. Mai abgehaltenen Unterredung zwischen Reichskanzler Dr. Wirth sowie Reichsminister Dr. Rathenau und LloydGeorge sei eine wichtige Entscheidung getroffen worden: D i e englische Regierung verzichte auf ihren Anteil an den deutschen Repa­rationen. Das werfe ein neues Licht auf den Meinungsaustausch, der stattgefunden habe, und gestern nachmittag hätten sich Lloyd George und Sir Worthington Evans zum deutschen Reichs­kanzler begeben. Gewisse Leute beeilten sich, hier­aus zu schließen, bafi, wenn das französische Mini­sterium sich am 31. Mai zu einer unabhängigen Handlung gegenüber Deutschland entschliehen würde, ein Separatabkommen zwischen EnglandundDeutschland geschlossen wer­den würde.

Eine italienische Darstellung der Lage.

Genua, 7. Mai. (Spezialbericht des Ver­treters des WTD.) Der Genueser Derichterstatter desCorriere della Sera" schreibt über die Meinungsverschiedenheiten zwischen Darthou und Lloyd George u. a.: Lloyd George scheine wenig geneigt zu sein, der von der französischen Regierung eingeschlagenen Taktik zu folgen, sich hinter der belgischen Delegation zu verschanzen. Lloyd George hätte geglaubt, dah Darthou mit größeren Vollmachten als zuvor aus Paris zu­rückkehren werde. Vun habe sich aber heraus- gestellt, dah er unter den gleichen, wenn nicht noch schlimmeren Dedingungen zurückgekehrt sei. Er sei nichts als der ilebermittler der aus Paris eintreffenden Befehle. Bei dieser Lage werde es der englische Premierminister nicht für zweck­mähig halten, Verhandlungen mit einer Dele­gation zu beginnen, die keine Vollmachten habe. Frankreich habe ihn wissen lassen, dah Frankreich es für überflüssig halte, auch nur in einem Ge­dankenaustausch die Lage zu prüfen, die sich er­geben würde, wenn Deutschland am 31. Mai die von der Reparationskommission vorgeschriebenen Dedingungen nj»ht erfülle. Lloyd George habe Darthou geantwortet, er beabsichtige im Augen­blick nicht, zu untersuchen, was nach dem Ein­treffen der russischen Antwort geschehen wird. Verteidigungsreden Barthous.

Genua, 7. Mai. (Spezialbericht des Ver­treters des WTD.) Darthou, der heute von den französischen Pressevertretern zu einem Früh­stück geladen worden war, hielt bei dieser Ge­legenheit eine Ansprache, m der er sagte: Ich lege Wert daraus, zu erklären, dah die Einigkeit unter den einladenden Mächten dem Anschein zum Trotz geblieben ist. Kürzlich haben sich Zwischenfälle ereignet Sie haben am vorigen Montag begonnen. Ich habe soeben mit unseren Kollegen von der englischen und amerikanischen Presse geplaudert unb die Meinungsverschieden­heiten erwähnt, die sich zwischen den einladen­den Mächten ergeben haben. Ich lege Wert dar­auf, zu sagen, dah die Mein ungsverschiedenhetten die Grundlage unserer Deziehangen nicht m Mit­leidenschaft gezogen haben. Zwischen Frankreich, Belgien und Japan formten es auseinandergehen- de Ansichten geben; aber ich möchte hier er- klären, dah, wenn Frankreich auch die Pflicht gehabt hat, zwischen zwei Grundsätzen oder zwei Thesen zu wählen, es nicht in der pein­lichen Lage gewesen ist, zwischen Freunden und Alliierten zu wählen. Cs hat dem heroischen Belgien die ihm gebüh­rende Huldigung dargebracht Aber die fran- zösische Delegation und die französische Regierung

haben keinen Augenblick die ungeheuren Dienste vergessen, die Grohbritannien der gemeinsamen Sache geleistet hat. Ich habe den Eindruck, dah die Konferenz sich tm gegen- tr-ärtigen Augenblick ihrem Ende zuneigt. Aber ihr Ende hängt weder von den einladenden Mäch­ten ab, noch von den Staaten, die sich auf un­serer Seite befunden haben. Es hängt von denen ab, an die wir das Memorandum gerichtet haben. Es ist Dache der Sowietdelegierten, ja oder nein zu sagen. Zwischen diesem Za ober Vein kann es kein Mittelding geben. Die französische De­legation ist mit der französischen Regierung und der französischen öfsentlichen Meinung darin einig, dah die Antwort nicht dilatorisch sein darf. Was man will, ist eine klare Lage. Es ist also nicht die französische Delegation, die hier "een Abreife­termin festsehen wird, sondern die Sowjetdelega­tion.

Zuvor hatte Darthou die englischen und ame­rikanischen Pressevertreter empfangen und vor ihnen eine ähnliche Erklärung abgegeben. In Er­widerung auf verschiedene Anfragen führte er aus: Die Russen müssen auf das Memorandum klar und deutlich mit Ja oder Vein antworten. Wir sind seit einem JHlonat in Genua. Es ist eine reizende Stadt. Aber wir haben andere Pflichten. Die Russen wissen, was wir wollen und es ist ihre Sache, zu sagen, was sie wollen. Ich hoffe, die russische Antwort wird Montag oder Dienstag vvrliegen und unzweideutig sein.

Auf die Frage, was geschehen würde, wenn die Russen eine Verschleppungstaktik befolgten, erwiderte Barthou, dann müsse die Antwort lau­ten: So geht es nicht weiter.

lieber den Durgfriedenspakt erwi­derte der französische Minister: Lautet die Ant­wort nein ober lautet sie ausweichend, so kann von dem Pakt keine Rede mehr sein. Es handelt sich ja nur um Ruhland. Alle anderen Mächte sind durch den Völkerbundpakt gebunden, auch Deutschland. Es ist zwar nicht Mitglied dieses Bundes, hat aber in Versailles mit dem Frie­densvertrag auch die Dölkerbundssahung unter­zeichnet.

Ein mysteriöser Plan Frankreichs.

Paris, 7. Mai. (WTD.) Der Sonderbericht­erstatter desIntransigeant" meldet unter aller Reserve, aber äuhersl mysteriös, er habe den Eindruck, dah es möglich sei, dah demnächst eine gemeinsame Anstrengung durch Frankreich, Del- gien, Italien und die kleine Entente unternommen werde. Aber der Gegenstand dieser Demühungen könne noch nicht bezeichnet werden. Wir haben alle hier, so sagt der Derichterstatter, den Ein­druck, dah etwas Bedeutendes hinter den Kulissen sich vorbereitet. Aber es ist noch schwer, zu sagen: Was.

In einer anderen Meldung berichtet der Korrespondent, dah englischerseits, wie es scheine, sich unangenehme Dinge für Frankreich vorbereiten. Jemand, der gut unterrichtet fei, habe ihm gesagt, Genua werde England die Gelegenheit geliefert haben, neutral zu werden und von nun ab als einfacher Zu­schauer die Revanchevorbereitungen an­zusehen. älebemehme Belgien nicht eine schwere Verantwortung dadurch, dah es die Vermittler­rolle aufgebe, die es bis jetzt gespielt habe? Andererseits meldet der gleiche Berichterstatter, er habe den Eindruck, dah das französisch-belgische Einverständnis nicht absolut sei. Es fehle etwas an dem Vertrauen und der Herzlichkeit von früher.

Italienische Dermittlungs- bestrebungen.

Berlin, 8. Mai. Wie bem Lokal unz." aus Genua gemeldet wird, hat der italienische Auhenminister Schanzer, um ein Scheitern der Konferenz zu vermeiden, seine Vermittler­rolle im Einverständnis mit Lloyd George wieder ausgenommen. Vor allem hatte er eine längere ilnterrcbung mit Tschit sche - r i n, den er eindringlich darauf aufmerksam machte, dah die Konferenzmächte in den Bedin­gungen des Memorandums die äuherste Grenze ihres Entgegenkommens für Ruhland erreicht hätten. Mehr dürfe die Sowjetregierung nicht erhoffen, da die Alliierten und die Ventralen nur mit äuherster Mühe sich bereitfinden liehen, in die Komprornihformel des Memorandums ein» .zuwilligen. Die Möglichkeit, von den Regierungen Darkredite für Ruhland zu erhalten, fchloh Schanzer von vornherein aus.

Die Petrolcumkonzcssionen.

Genua, 7. Mai. (Spezialbericht des Dertreters des WTB.) Der amerikanische Botschafter Child war heute bei Lloyd Ge­orge zum Frühstück. DerSecolo" spricht die Vermutung aus, dah dabei die Frage der Petroleumkonzessionen zur Erörte­rung gekommen sein dürfte.

Die Anleihemoglichkeiten.

Paris, 7. Mai. (WTD.) DieChicago Tribüne" berichtet aus Washington, die' Regie­rung der Vereinigten Staaten werde ferne Ein­wendung erheben gegen eine Anleihe ame­rikanischer Danken an deutsche Un­ternehmungen, die über den Betrag der Reparationsverpflichtungen hinausgingen. Die Regierung stehe auf dem Standpunkt, dah Anleihen, wie sie die Morgan- gruppe vorgeschlagen habe, der geeignete Weg seien, dm die amer.kunische Unterstützung Europa gegenüber einschlagen müsse. Sie würde jeden durchführbaren Plan einer Sanierung der Finan­zen Deutschland begrüben. Morgan, so fügte das Blatt hinzu, sehe vollkommen ein, dah eine An­leihe. die lediglich die Reparationsverpflichtungen decke, nur dazu führen würde, dah die Vereinigten

Staaten die französischen, belgischen und englischer Ansprüche bezahlten; er sei fest überzeugt, dah jede Anleihe an Deutschland, wenn eine Sicherheit für den Zinsendienst gegeben sein solle, so hoch sein müsse, dah sie auch die Organisation von Handel und Industrie ermögliche.

Tagung des Reichsverbanves der deutschen Presse.

München, 6. Mai. (Wolfs.) Der Reichs- verband der deutschen Press? eröffnete seine Tagung tm Barocksaal des Iustizpalastes. Der erste Vorsitzende des Landesverbandes der bayerischen Presse, Kajetan Freund (München) begrubtc in «einer kurzen Ansprache die Erschie­nenen. Hierauf nahm Ministerpi äsident Gras Lerchenfeld das Wort und sagte unter an­derem, die bayerische Regierung b grütze den Reichsverband der deutschen Presse in Bayerns Hauptstadt auf das herzlichste. Er versetzte die Anwesenden im Geiste tn die Zeit vor zweihundert Jahren zurück, wo es noch keine Presse gab und wo man die Geschehnisse und Taten der Herr­scher in allegorischer Darstellung durch farben­prächtige Deckengemälde zu schitdern pflegt?. Dte Künstler jener Zeit würde das heutige Ereignis, das München für einige Tage tn den Mittel­punkt des Kulturlebens rückt, durch ba3 Motiv Königin Iuslizic» empfängt den Prinzen Argus", dargestellt haben Antuüp end an tiife beiden Gestalten verbreitete sich Graf Lerchenfetd über die Aufgabe der Justiz und der Presse, der die Aufgab: zugewie en s?t, auf einer höheren Warte der Wahrheit zu dien?n. Mit dem Wunsche, datz sich die deutsche Presse als Gast in dem Hause der Gerechtigkeit heimisch fühlen, und auS dem Ernst des Ha tses den Ansporn zur gründlichen und ersptie lichen Beratung gewinnen möge, fchloh der Dliiatfier- präsident seine mit Beifall ausgenommene Red?. Die Versammlung begab sich darauf in den Schwurgerichchtösoal, wo der erste Vorsitzende RiPPler mit einer kurzen Ansprache dte Ta­gung eröffnete. Den Rechenschaftsbericht erstat­teten Derbandsdirektor Richter, und der erste Schatzmeister Mühner, denen Entlastung er­teilt wurde. Hierauf wurde zur Vorstand.-waht geschritten, deren Ergebnis wie folgt war: (Boeder (Berlin) erster Vorsitzender, Freund (München) zweiter Dorsitze.tder, K a r t h a u s (Düsseldorf) dritter Vorsitzender, Reumann (Berlin) vierter Vorsitzender

Ter erste Derhandlungstag wurde vollftän- dig mit der Beratung der neu vereinbarten Reichsarbeitögerneinschaft der Deut­schen Presse, der Arbeitsgemeinschaft von Re­dakteuren und Verlegern, ausg fAlt. Zur An­nahme gelangte eine Resolution, worin der '.Ber- trclertog die Reichsaib i'lg in t -schäft an?rt nnt, zugleich ober ausspricht, dah in den Abmachun­gen eine Reihe wichtiger gi-undsätzlicher For­derungen noch unerfüllt geblieben ist und die Vertreter der Redakteure in der Arbeitsgemein­schaft ersucht, dahin zu wirken, dah in den wei­teren Verhandlungen diese während der Tagung zum Ausdruck gebrachten Forderungen haltt]ft durchgesetzt werden. Insbesondere wird erwart?!, dah die Arbeitsgemeinschaft sich mit allem Vach­druck bemühen wird, beim Abs-chluh von Tarif­verträgen dem Sinn der Vereinbarungen über das Einkommen der Redakteure (das ihrer so­zialen Stellung entsprechen und eine Prole5ari- sierung des Redakteurberu'es ausschlietzen foll- allgemein mehr Geltung zu verschaffen. Von der Presseabteilung der Reichsregierung nxir ein Begrühungstelegramm eingegangen, dcw die Hoff­nung auf ein da lern des, von gegenseitigem 'Ver­trauen getragenes Zusammenarbeiten ausfpricht.

München, 7. Mai. (WTB.) Bei Eröffnung der zweiten Sitzung des Reichsverbandes der deiitschen Presse wurden die anläh- lich der Tagung eingelaufenen Degrühlmgstelc- g ramme befanutgcgCren. Reichskanzler D r. Wirth telegraphierte aus Genua: Für die dor­tige Tagung des Reichsverbandes der deutschen Presse spreche ich meine besten Wünsche aus und hoffe, dah die Verhandlungen dazu beitragen werden, die schwierige Lage, in der die deutsche Presse sich gegenwärtig befindet, zu überwinden. Die Führung der deutschen Politik hat gerade in den letzten Wochen erneut Gelegenheit gehabt, die Mitarbeit der deutschen Presse am Veuaufbau des Vaterlandes dankbar anzuerkennen und zu würdigen. Sie vertraut in ihrem schweren Werke auch weiterhin auf fruchtbares, verständnisvolles Zusammenwirken.

Programm und Arbeit des Reichstags.

Berlin, 6. Mai < Wolff.) Der Ael» testenausfchuh des Reichstages he fchloh in feiner heutigen Sitzung, den Reichstag zur Plenartagung auf den 10. Mai, nachmittags 3 TIHr. einzuberufen. Es wird zunächst der Haus halt für Eisenbahnen, Post und Telegraph dn.ch- beräten werden. Die Beratung der übrigen Etats wird die darauffolgende Woche ausfüllen Die Konferenz von Genua wird zunächst nicht zur Besprechung kommen; solange der Reichs­kanzler nicht von dort zurückgekehrt ist. Mit der Beratung des Eisenbahneiats wird eine An zahl Cnlschliehungen verbunden werden, die sich auf eine Fahrpreisermäßigung beziehen. D?r Reichstag hofft, vor Pfingsten sämtliche Etats verabschieden zu können, ebenso die neue Ge­schäftsordnung für den Reichstag. Auch für die Zeit nach Pfingsten ist die Tagung des Plenums ins Auge gefaxt.

Heber die Berichterstattung des Reichskanz­lers über die Konferenz von Genua.konnte noch l nichts Bestimmtes fefiaelegt werden. Der Reichs-,