Ausgabe 
8.2.1922
 
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Erster Blatt

172. Jahrgang

Druck und Verlag: vrühl'sche Unio.-Vuch- und Stelndruckerei H. Lange. Zchriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulstratze 7.

Ausbehnun

einer Politik der

wird, nachdem der Reichskanzler seinerseits

Lloyd George über Deutschland und Frankreich.,

Annahme von Anzeigen für die lagesnummcr bis zumJlad)m:ttag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen v 34 mm Breite örtlich 70 'Pf, auswärts 90 pf.; für Reklame« Anzeigen von 70 mm Breite 3 0Pf. Bei Platz« vorschr>p20Aufschlag Hauprfchristleiter: Aug. töoetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Äarl Walther; für den Anzeigenteil: Hans Berk, sämtlich in Dietzen.

reichs bis zum Rhein

in der 2lrt einer Annexion von Gebietsteilen auf

Bevorstehender Abbruch des Eisenbahnerstreikes.

Berlin, 7. Febr. (WTB.) Die Be­sprechungen, die zwischen der ReichS- regierung und Vertretern der Gewerk­schaften wegen der Beendigung des Eisen­bahnerstreiks geführt wurden, haben heute abend 9Uhr zu einem positiven Ergebnis ge­führt. Nachdem auch zwei Vertreter der Reichsgewerkschaft deutscher Eisenbahnbeamten zu dieser letzten Aussprache hinzugezvgen worden waren, wurde über folgende Erklärung Uebereinstim- mung erzielt: Die Reichsgeweölschaft gibt die Erklärung ab, daß sie noch heule abend den Streik der Eisenbahner für beendet erklären

Kassel. 7. Febr. (Amtlich.) Durch Her­anziehung von Arbeitswilligen ist eS gelungen, den Güterverkehr in stär­kerem Umfange durchzuführen, insbeson­dere die Beförderung von Lebensmitteln und Kohlen. Der Dienst auf den großen Rangier- bahnhöfen konnte gleichfalls ausgedehnt wer­den, so daß die bisher abgestelltcn Frachten bald abgefahren sein werden. Die Kvhlen- versorgung der Industrie wird im Benehmen mit den notleidenden Werken nach Möglich­keit durchgeführt. Der Personenverkehr ist weiter ausgebaut, so "bafe jetzt auf jede, Strecke mehrere Züge in jeder Richtung ver­kehren, und der Anschluß auf den UebergangS« stativnen an die Rachbardirektionsbezirke tun« lichst gewahrt wird.

Magdeburg, 8. Febr. (WTB ) Die Eisen- bahndirektion teilt mit: Wesentliche 21. n* derungenin der Streiklage sind k id>t erngetreten. Arbeitswillige Bed e-'st te kehren in den verschiedenen Orten nach ihrer Dienststelle zurück, um die 2Tbeit toie'e auszu­nehmen. 3n den letzten 24 D.u den tourie.i Im Tirettionkbezirt 3 Milchzüge, 48 Güter ü,c 22 Kohlenzüge und 99 Perch.renzüge ge ah en. E e wesentliche Erweiterung ist zu erwarten, sobald die aus Süddeukschland überwiesenen and bereits unterwegs besindlichnr 150 Lvkomotivfüh er rin­ge troffen sind. 3nebe andere wird t>le Zahl d.r Kohlenzüge vermehrt werden, um D tr.cb ein stet- lungen in der Industrie zu vermeiden. Dar Un­wille der Bevöttermng über die streilenden Eiscn- bahner zeigt sich allerorts. 3n Oebisfelde bot)- Eüttterte die Kaufmannschaft die streikenden Eisen­bahner.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

empfindet. Wenn man Frankreich Vertrauen gibt, so gibt man ihm Ruhe. Frankreich ist im Zeitraum eines Jahrhunderts drei­mal verwüstet worden; das rechtfertigt seine Be­sorgnisse. Eine der wirklichen Gefahren für Eu­ropa, vielleicht nicht während der nächsten 20 Zahre, aber vielleicht für die folgende Generation, besteht darin, daß die deutsche 3u g e n d im Geiste der Revanche auferzogen werden und heranwachsen könne. (Zuruf von feiten der Arbeiterpartei: Hub die f ran-

gung seiner Rechte zu sichern.

Die Aussichten des englisch-französischen Ausgleichs.

Paris, 6. Febr.Oeuvre" schreibt zu der Anwesenheit des Londoner französischen Botschafters in Paris: Trotz des OpttmiSmus der letzten halbamtlichen Mitteilungen des Foreign Office und des Quai d'Orsay hätten sich unzweifelhaft die französisch-englischen Meinungsverschiedenheiten sowohl in der Orientfrage wie in bezug auf den Entwurf des DarantiepakteS dermaßen zugespitzt, daß ein Ausgleich schwieriger als je er­scheine. Die Note, in der am Donnerstag Pvincarg von der englischen Regierung eine Aenderung deS Konferenzprogramms für Genua gefordert habe, sei schlecht ausgenom­men worden. Lloyd George und Lord Curzon wollten an der in Cannes am 6. Januar fest­gesetzten Tagesordnung keinerlei Aenderungen vornehmen. Sie seien gegen die Einmischung des Völkerbundes in die Arbeiten des Kon­gresses für den europäischen Wiederaufbau. Das Gesagte ist nach dem Blatte das Wesent­liche der Unterredungen, die der französische Botschafter in London Jn den letzten Tagen mit den Vertretern der englischen Regierung gepflogen hat und über die er dem französi­schen Ministerpräsidenten Bericht erstattete.

Nr. 35

Der Gießener Anzeige» erscheint täglich, außer Sonn, und Feiertags. Monatliche Bezugspreise: Mk. 9.50 einschl. Träger« lohn, durch die Post Mk. 10.- einschl. Bestell­geld, auch bei Nichterschei­nen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. F e r n s p r e ch - Anschlüsse: fürdieSchriftleitung 112; für Druckerei. Verlag und Geschäftsstelle 5L Anschrift für Drahtnach­richten: Aineiaer Stehen.

poftschecttonto:

Frankfurt a. M. 11686.

London,?. Febr. (WTD.) Unterhaus. Rach der Rede ClyneS' nahm Lloyd George Las Wort zu folgenden Ausführungen: 2llle auf den letzten Haager Konferenzen gefaßten Be­schlüsse hatten einen allgemeinen Charakter und find im Weltkriege wirkungslos geblieben; ba- ceaen sind in Washington präzise De- schlüsse sefaßt worben, in denen bestimmte Zahlen für die Kriegsschiffe, die Geschütze und die Besatzungen festgesetzt wurden. Was dieTatig- feit des Obersten Rates betrifft, so hat er die Entwaffnung Deutschlands burchge- führt, die Dienstpfticht tn Deutschlanb abge- schafft unb Mahnahmen getroffen, damit Frank­reich sehr beträchtliche Summen als Reparationen erhält. Diese Ergebnisse sind im Verlaufe der ersten Konferenz des Obersten Rates erhielt wor­den. Man ist schrittweise borgegangen, man hat aber ein großes Ergebnis erreicht, nämlich dafür gesorgt, daß Konflikte nicht zu Kriegen aus- arten. Frcuirdschaft bedeutet nicht Ünterorbnung ober Gehorsam, sondern ehrliche Zusammenarbeit zwecks Erreichung gemeinsamer Ziele. (Das die Frage des Garantiepak- tes betrifft, so ist es notwendig, daß Frankreich Gefühl hat, daß es ni i ^amen fer Reichsregierung ausgeführt SS? ei ne* 1 ap s°r l laH$u rcht | Mt, datz bet !°f°rttgem Abbruch de- L.r-ttcs

die Disziplinierung nach den vom Gesamtkabinett aufzu st eilenden Regeln erfolgen wird. Die Reichsregierung wird bei sofvrttgem Abbruch des StteikeS in der Anwendung und Durchführung der Disziplinarmaßnahmen von Massendiszi- plinarverHandlungen und Massen- entlassungen absehen. Die Dertteter der ReichSqewerkschaft erklärten, noch am Abend an ihre Organisationen im Lande tele­graphisch die Weisung zum Abbruch deS Sttei­keS ergehen zu lassen.

Der Notbetrieb.

D e r 11 n, 8. Febr. (Priv.-Tel.) Wie den Blät­tern vom Aeichsverkehrsministerium mitgeteilt wird, ist es durch die Einrichtung des Rot­betriebes gelungen, in den letzten 24 Stunden in den S t r e i k b e z i r k e n annährend 2000 Züge zu fahren. Durch weiteren Aus­bau des Rotbetriebes wird es gelingen, das Wirt­schaftsleben auch bei einer weiteren Anbauer des Stteikes vor dem Erliegen zu bewahren.

Berlin, 7. Febr. (WTD.) Heber den Einsatz der Technischen Rothilfe in den städtkschenWerkenBerlins wird mit- geteilt, daß von ihr als dringendstes Bedürf­nis zunächst die Wasserversorgung Groß-Ber­lins sichergestellt worden sei und im Anschluß daran mehrere Elektrizitätswerke in Betrieb gesetzt worden sind, in welchen Strom in stei­gendem Umfange erzeugt wird. Lieber den Einsatz der Technischen Rothilfe zur Unter­stützung der Eisenbahndirektionen im ganzen Reich wird ferner mit geteilt: Die Tech­nische Rothilfe stellt sich nach dem Stand von heute morgen den Eisenbahndirektionen im ganzen Reich zur Verfügung. Es wurden Führerpersonal für rund 1000 Züge, 1200 Mann De triebspersonal und weit über 5000 Mann Personal für DetriebSwerkstätten, Stellwerke, Weichenanlagen und die sonsttgen Arbeiten gestellt.

Die Lage in Berlin.

Berlin, 7. Febr. Rach einer Meldung derV. 3. legten auf die Nachricht vom Stteik der Berliner städtischen Arbeiter die Belegschaften des Saarkraftwerkes Golpa-Zschvrnewitz, das einen großen Tell von Berlin mit elektrischer Kraft versieht, die Stromversorgung zum allergrößten Tell lahm. Da ein großer Tell der Berliner Ar­beiter und Angestellten wegen Fehlens von Verkehrsmitteln nicht zu den Arbeitsstätten gelangen konnte, ist ein großer Tell der Perliner Fabriken gezwungen, zu schließen. 2luch der Wasser- und Kohlen­mangel führte in mehreren Werken bereits zur Einstellung des Betriebs. Die Groß-Berliner Däckerinnungen und Brotfabriken teilten dem Magistrat mit, daß infolge des Eisenbahner­streiks und des Ausstandes der städtischen Arbeiter die Drotversorgung Ber­lins zusammenzubrechen droht. Die Brotfabriken haben keine Kohlen mehr, und durch die (Stillegung der Wasserwerke ist die Teigbereitung unmöglich gemacht. Auch die kleineren Bäckereien, die tells Dampfbetrieb, teils elektrischen Dampfbetrieb besitzen, können nur noch wenig Brot liefern. Wegen Kohlen- mangels wurde heute morgen der größte Tell der städtischen Schulen Groß-Ber­lins geschlossen und die Schüler bis zur nächsten Woche beurlaubt. Infolge Wasser­mangels detDot die Feuerwehr sämtlichen Ber­liner Theatern die Aufführung wegen FeuerS- gefahr. Anter dem Personal der Hoch- und Antergrundbahn findet heute nachmittag eine Urabstimmung über die Frage des Eintritts tn den Streik statt. Sollte sich eine Mehrheit für den Stteik ergeben, so soll der Dettieb zwar heute noch fahrplanmäßig durchgeführt, dagegen morgen früh nicht mehr ausgenom­men werden.

Betriebsrätevolitik.

Berlin, 8. Febr. (WTB) Von der Groß- BerlinerBetriebsräteversa mm lung wurde gestern nachmittag eine Resolution an­genommen, in der angesichts des Kampfes der Eisenbahnbeamten um ihre Existenz die Prvllamie» rung des Generalstteikes für ganz Deutschland ge­fordert wird.

Eine Urabstimmung in Frankfurt.

Frankfurt a. M., 8. Febr. (WTD.) Dei einer 11 r ffb ft i mmu n g, die heute die Mit- glieder des Eisenbahnerveröandes, Ortsgruppe Groß-Frankfurt unb Umgebung, über die Fort­setzung des Streikes Vornahmen, stimmten 2554 für unb 428 Eisenbahner gegen den Streik

Dom deutschen Parieiwesen in Polen.

3n ebnem Leitartikel spricht dieGobjct Freie Presse" über die Parteizersplitte- rung der Deutschen in Kongrehpolen. Die Deutschen in Polen seien im allgemeinen durchaus apolitisch. Erst die Sejm- unb ötabt- verttetungswahlen hätten einen gewissen Zu­sammenschluß gebracht. So entstand in Lodz die »Vereinigung körperlicher unb geistiger Arbeiter", auf dem Lande dieDeutsche Vollspartei". Die mit der Assimilierung Liebäugelnden grünbeten eine eigene Partei der ,deutsch-polnischen Demo- fraten, die allerdings von vornherein wenig Mitglieder zählte und es zu keiner Debeutung brachte. Die beiden erstgenannten Vereinigungen konnten je einen Vertreter in den Sejm entsenden. 3n die Lodzer Stadtvertretung entsandten die Vereinigung 6 Vertreter, die Demolraten einen Dertteter. Rach den Wahlen starben die drei Vereinigungen eines unrühmlichen Todes. Für den neuen Wahlkampf (Sejm-Wahlen im Herbst, Lodzer Stadtverordnetenwahlen im Februars tre­ten wiederum neue Parteien auf: dieArbeits­partei mit sozialistischem Programm, der die Deutsche sozialdemolratische Partei" mit dem Hauptsiy in Drvmberg unb mit bem Programm der reichsdeutschen Mehrheitssozialiften entgegen­tritt, indem sie ihren Sih nach Lodz verlegen unb dort ihr Dromberger Organ herausbringen will. Diese deutschen Sozialdemottaten werden von den polnischen So-staldemottaten (P. P. S.) unterstützt. Als dritte Partei gründet der der­zeitige Sejm-Abgeordnete Spickermann eine Art Wiederholung i>er Vereinigung geistiger unb körperlicher Arbeiter, d. h. aller Kreise des werk­tätigen beutschen Volkes. Ferner ist einePartei der Parteilosen" in der Gründung begriffen, deren Hauptträger deutsche Fabrikanten sind, und die Deutsche, Polen unb Huben umfassen soll. Es sott eine bürgerliche Partei fein, der sich an* scheinend ziemlich viele deutsche Kreise des Mittel­standes angeschlossen haben. Diese Partei habe als Stadtpräsidenten einen polonisierten deutschen Großindustriellen in Aussicht genommen. Ferner ist eineevangelische Partei" in der Gründung begriffen, deren geistiger Vater der General­superintendent Dursche, derungekrönte evange­lische Dischof" von Polen, ist, den unsere Leser aus seiner bisherigen Haltung ja zur Genüge kennen. Diese Partei spekuliert durch ihren Ramen namentlich auf das 3ntereffe der Landbevölke- rung. Ihr wird versucht, eine ©egengrünbung in berDeutschen Vollspartei" entgegenzustellen, die die "Rachfolgerin ber einst so gut empor ge­blühten Partei gleichen Ramens werben soll. Doch ist ber Plan erst vorhanben, zu seiner Aus­führung scheint noch nichts unternommen wor­den zu sein. Das erwähnte Dlatt ruft beshalb die Deutschen zu hräftiger Organisationsarbeit auf.

Die deutsch - polnischen Verhandlungen.

Genf, 7. Febr. Arn 10. Februar tritt in Genf dir Vvlkskvnferenz zwischen den deutschen und polnischen Bevoll­mächtigten unter dem Vorsitz des Präsi­denten C a l v n d e r zusammen. Die Konferenz dürfte etwa bis Ende d. MtS. dauern, ohne daß darüber bestimmte Angaben gemacht wer­den können. Präsident Calvnder wttd morgen hier eintteffen. Die polnische Abordnung hat ihre Ankunft auf den 9. Februar angestrqt. Was die deutschen Vertreter betrifft, so pofst man, daß ihr Eintteffen nicht durch den Elsen- bahnerstteik verzögert wttd, weil diese Ver­schleppung der Verhandlungen schädlich und ^höchst bedauerlich ist und tm übrigen ein Ab-

zösische Zugend ebenfalls!) 3ch sage, wenn die deutsche Jugend an den Gedanken ge­wöhnt wird, das alte Prestige, den früheren Ein­fluß unb bie ehemaligen Besitzungen des Kaiser­reiches wieberzuerlangen unb bie Sieger für bie Deutschland zugefügte Riederlage zu bestrafen und den deutschen Rationalstolz zu verteidigen, so liegt darin eine große Gefahr, ber bas zu­künftige Europa ausgesetzt ist. Deutschlanb muß bie Ueberjeugung erhalten, bah biese Kriegs- politll ihm keinen Vorteil bringen würde, und daß es einem Rachekriege gegen Frankreich nicht nur Frankreich, sondern auch andere Rationen gegen sich hätte. Es gibt aber noch einen weiteren Grund für den Garantiepakt. 3n Versailles hat man die Verbindlichkeit übernommen, um Innung Frank- (einer Politik, etwa

dem linken Rheinufer) Widerstand zu lei­st e n. Diese Verbindlichkeit war dazu bestimmt, Frankreich Sicherheit zu leisten. Präsident Wil­son und Balfour haben eine Garantie gegeben, und angesichts dieser Garantie hat man auf bie erwähnte Polllik Verzicht geleistet. Da nun Frankreich dies getan hat, handelt es sich in dieser.Angelegenhell um eine Ehrenschuld.

Hierauf kam Lloyd George auf den Vorschlag zu sprechen, als Maßnahme für den allgemeinen Wiederaufbau der Welt die Kriegsschulden zu annullieren. Er sagte: Grohbritan- nien ist bereit, die Frage zu erörtern, vor­ausgesetzt, bah alle Gläubiger- unb Schulbner- nationen bereit sind, dasselbe zu tun. Aber es würde ungerecht sein, zu verlangen, dah Groh- britannien allein auf bie ihm geschuldeten Gelder verzichten soll. Heber bie ägyptische Frage sagt Lloyd George: Für den Augenblick kann ich keine vollständige (Srflärung geben, da die Re­gierung sich erst mit dem auf bem Wege nach London befindlichen Marschall Allenby beraten muh.

Poincar« über dieSanktionen".

Paris, 8. Febr. (WTD.) 3m Heeres- und Finanzausschuß der Kammer sagte Ministerpräsi­dent Poincars über die Sanktionen.^ die Frankreich gegebenenfalls zu nehmen genötigt wäre, um Deutschland «u zwingen, seine Ver­pflichtungen zu halten: Ich habe weder die Ab­sicht, noch den Wunsch, zu Sanktionen zu schreiten, aber man darf nicht vergessen, bah ber Vertrag von Versailles das Recht gibt, die Derücksichti-

Nochmals die Regierungsbildung in Hessen.

Herr LandtagSabg. Prof, v- M. Schian schreibt und:

Die Ausführungen des Herrn Iustizrats Weidemann in Rr. 31 des Gießener An­zeigers erfordern eine Erwiderung. Ich habsl nicht die Absicht, mich in eine lange Polemik einzulassen. Auf die Frage, ob die Darstellung des Herrn Obenauer in allen Punkten au» trifft, gehe ich nicht ein. Auch das Urteil des Herrn ZustizratS Weidemann über die allge­meine Haltung der Deutschen Volkspartei mag ich nicht kritisieren; die Leser werden sich selbst sagen, daß es durchaus vom Standpunkt einer anderen Partei aus gefällt ist. Aber Herr Weidemann fragt:Warum hat die Volkspartei das Zenttum in seinen Bemühun­gen um die Verbreiterung nicht dadurch un­terstützt, daß sie energisch ihren Eintritt in die Regierung forderte und sich rückhaltlos auf den Boden des Regierungsprogramms stellte?" Dazu ist zu sagen:

Erstens: Die Deutsche Volkspartei hat sowohl durch eine Zeitungskundgebung wie auch auf andere Weise nachdrücklich eine Be­teiligung der Rechten an der Regierung ge­fordert, und zwar gerade in den Tagen der Regierungsblldung. Der Sinn dieser Forde­rung war klar. Wer damals die Zellungen ge­lesen hat, muß das wissen. Außerdem weiß eS bie Zentrumsfraktion des Landtags ganz ge­nau. ES ist erstaunlich, dah eS Herr Zustiz- rat Weidemann nicht weih.

Zweitens: Es ist eine sehr sonderbare Forderung, daß die Deutsche Volkspartei sich hätte rückhaltlos auf den Bodendes Re- gierungsprvgramms" stellen sollen. Wel­ches Regierungsprogramms? Eine neue» Regierung muß doch ein neues Pro­gramm unter sich vereinbaren. ES gab also in jenem Augenblick überhaupt kein Regierungsprogramm, auf des­sen Boden sich die Volkspartei hätte stellen können; es wäre erst eins zu verabreden ge­wesen. Oder meint Herr Zustizrat Weidemann, daß die Deutsche Vvllspartsi sich auf das Programm der vorigen Regierung, wie es z. B. Herr Dr. Strecker dem Hessenlande so klar vor Augen geführt hatte, hätte stellen sollen? Rein das kann er doch wohl nicht meinen!

Diese Vorwürfe gegen die Deutsche Dollspartei sind also in jeder Hinsicht und in jedem Wort gegenstandslos.

Endlich eine kurze Bemerkung über die Haltung des Zentrums. Das Zentrum hatte die Entscheidung in der Hand. Ohne das Zentrum konnte die Sozialdemokratie keine Regierung bilden; dazu war sie auch mit der Demokrattschen Partei nicht stark genug. Es kam also darauf an, von welchen Bedingungen das Zenttum seinen Eintritt in die Regierung abhängig machte. Stellte es die Bedingung der Zuziehung der Deutschen Volkspartei, und hielt eS diese Bedingung fest, dann stand die Sozialdemokratte vor der Wahl: Verbreite­rung der Koalition oder Ausscheiden aus der Regierung. Das Zentrum hat es nicht für richtig gehalten, jene Bedingung zu stellen. Heber die Gründe will ich mich hier nicht unterhalten. Aber indem das Zentrum eine solche Bedingung nicht stellte, hat es das Zu­standekommen der alten Koalition ohne die Deutsche VollSpattei herbeigeführt. Das ist Tatsache.

Frankfurt a. M., 7. Febr. (WTD.) Der Stteik der dem Deutschen Eisenbahner­verband angehörenden Arbetter des Werk- stättenamtes Betzdorf ist beendet Die Werkstättenarbeiter nehmen morgen früh die Arbell wieder auf. 3m EisenbahndttektionS-1 bezirk haben sich heute 113 Lokomotivführer zum Dienst zurückgemeldet. 1