Ausgabe 
7.11.1922
 
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ine eine Vergewaltigung der begründeten Rechte der schwachen Staaten durch die starken in sich schließe. Sie könne auch ernstliche Befürch­tungen erwecken, ob die Absicht, die Rechte des türkischen Volkes sowie seine Souveränität auf seinem Gebiete und in seinen Gewässern wieder- herzustellen, den einladenden Mächten nicht fremd sei. Der Beschluß, gerade Rußland von einer Teilnahme an der allgemeinen Regelung mit der Türkei auszuschließen. zeige, daß die Entente­mächte entschlossen seien, das türkische Volk um die Früchte seiner Siege zu brin­ge n. Die russische Regierung glaute an der Konferenz teilnehmen zu müssen, und zwar be­sonders, um sich für die vollständige Wiederher­stellung der souveränen Rechte der Türkei ein­zusetzen, als notwendige Vorbedingung für eine stabile Regelung im Rahen Osten, an der Ruß­land unmittelbar interessiert sei. Die Verwirk­lichung dieses Grundsatzes auf militärischem Ge­biete sei erforderlich, um den Frieden im Schwar­zen Meer, um die Sicherheit der Küsten Ruß­lands, der Likraine und Georgiens zu gewähr­leisten. Rach Auffassung der russischen Regierung sei die Regelung der Meerengenfrage untrennbar mit der Gesamtregelung der Angelegenheiten des Rahen Ostens verbunden. Wenn die Ententemächte wirllich einen dauerhaften Frieden schaffen woll­ten, so würden sie nicht versuchen, Rußland im Augenblick der Lösung der Frage des Rahen Ostens von den internationalen Vereinbarungen auszuschließen. Die russische Regierung bestehe kategorisch auf der vollen und uneinge­schränkten Teilnahme Rußlands, der LIkraine und Georgiens an der Konferenz über den Rahen Osten, und zwar mit den glei­chen Rechten wie die übrigen Konferenzteil­nehmer. Die russische Regierung ersuche die ein­ladenden Mächte um baldigste Antwort, damit die russische Delegation rechtzeitig zur Konferenz ein­treffen könne.

Ein Straferlaß in Rußland.

Moskau, 6. Rov. (Wolff.) DieRufs. Telegraphenagentur" meldet: Anläßlich des fünften Jahrestages der Oktober-Revolution wird eine allgemeine Amnestie er­lassen, die je nach der Art des bestraften Verbrechens in einer Herabsetzung der Straf­zeit auf die Hälfte oder Vs besteht. An Stelle der Todesstrafe tritt die nächstmildere Strafe, die wegen des Kronstädter Aufftan- d e 6 Verurteilten erhalten mit Ausnahme des Führers des Aufstandes und der Offiziere vollkommene Straffreiheit.

Graf v. Brockdorff-Rantzau bei Tschitscherin.

Moskau, 6. Rov. (WTD.) Die Russi­sche Telegraphenagentur meldet: Gestern hat der neue deutsche Botschafter Graf v. D r o ck- üorff-Rantzau Tschitscherin einen Besuch abgestattet und hatte mit ihm eine längere Llnterhaltung.

Das Ergebnis der sächsischen Landtagswahlen.

D res den, 6. Rov. (Wolff.) Das Gesamt- ergebnis der Landtagswahlenin Sach­sen ist folgendes: Wahlkreis Dresden: Sozial­demokraten 419 087, Kommunisten 51 556, Deutsch- nationale 190 422, Demokraten 81938, Zentrum 1^ 730, Deutsche Volkspartei 162 275, Deutsch- Svztale Partei 10 200, Wirtschaftspartei 5201. ^Wahlkreis Leipzig: Sozialdemokraten 264 918, Demokraten 57 383, Zentrum 3554, Deutsche Bolks- Darter 152 919, Deutsch-nationale 132 718, Kom­munisten 82 957. Wahlkreis Chemnitz: So­zialdemokraten 374 195, Kommunisten 131 850, Deutsch-nationale 166 982, Demokraten 74 656, Zentrum 3023, Deutsche Vollspartei 158 844 und Deutsch-Soziale 1161 Stimmen. Es stehen noch aus in den Wahlkreisen Dresden und Chemnitz je ein kleinerer und im Wahllreise Leipzig vier kleine Orte.

- Demnach können als gewähll betrachtet wer­den: 40 Sozialdemokraten, 10 Kommunisten, 20 Deutsch-nationale, 18 Deutsche Volkspartei und 8 Demokraten. Zentrum, Wirtschaftspartei und Deutsch-Soziale Partei erhalten keinen Abgeord­neten. Im letzten, 1920 gewählten, Land­tag hatten die Mehrhettssvzialiften 27, Llnab- hängigen 13, Kommunisten 9, Deutsch-nationalen 20, Deutsche Vollspartei 18, Demokraten 8, Zen­trum 1 Abgeordneten.

Dresden, 6. Rov. (Wolff.) Rach neuer­licher Zahlung bei den gestrigen Landtags- Wahlen in Sachsen wurden für die Soziald^no- kraten insgesantt 1 059 131, Kommunisten 266 755, Deutsch-nationalen 490 375, Deutsche Vollspart ei 474 484, Demokraten 214190, Zentrum 22 288, Deutsch-Sozialen 11361 und Wirtschaftspartei 5201 Stimmen abgegeben. Es erhallen die So­zialdemokraten 41, die Kommunisten 10, die Deutsch-nationalen 19, die Deutsche Volkspartei 18 und die Demokraten 8 Sitze.

Bei den Landtagswahlen vom 14. Rodember 1920 wurden bei einer Wahlbeteiligung von 70,12 Prozent 2 072 339 Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf die Mehrheitssozialisten 587526, die Lin abhängigen 286 984, die Kommunisten 117 359, die Reukommunisten 60111, die Deutsch-nationale Dollspartei 434 293, die Deutsche Volkspartei 385 810, die Demokratische Partei 159 801, das Zentrum 22 731 und die Wirtschaftliche Vereini- crung 17 724 Stimmen.

Der englische Wahlkamps.

London, 7. Rov. (WTB.) Acht Mi­nister der gegenwärtigen Regierung und der Sprecher des bisherigen Llnterhauses werden ohne Gegenkandidaten gewählt. Bemerkens­wert ist, daß Llohd George, der früher niemals ohne Widerstand m das Parlament gewählt wurde, keinen Gegenkandi­daten hat, während allen anderen Partei­führern wie Bonar Law, Clhnes und Cham­berlain Gegenkandidaten gegenüberstehen, und aus 613 Wahllreisen sind nicht weniger als 244 zu verzeichnen, für die drei oder mehr Kandidaten aufgestellt sind.

Eine Stiftung

für das deutsche Schrifttum.

Berlin, 6. Rod. (Wolff.) Die s ch w e i- -erisch-deutsche Hilfskommission,

Die sich durch ihre HUfeleistung für Die not­leidenden deutschen Kinder besondere Ver­dienste erwarb, stellte dem Reichspräsidenten 25 Millionen Mark zur Linderung des Rotstandes unter den Angehörigen des deutschen Schrifttums zur Verfügung. Der Reichspräsident nahm die Spende mit herzlichem Dank für die durch sie bezeugte humanitäre und freundnachbarliche Gesinnung an und wird Über ihre Verwendung im Be­nehmen mit den zentralen Organisationen des deutschen Schrifttums seine Entscheidung treffen.

Eine deutsch-evangelische Kirche in Rom.

Rom, 6. Rov. (Wolff.) Linier starker Be­teiligung deutscher, italienischer und fremder Pro­testanten Roms fand gestern die Einweihung einer deutsch-evangelischen Kirche statt. Den deutschen Kirchenausschuß vertrat Geheimrat Pro­fessor Rendiorff (Leipzig), welcher in der Weihe­rede auch der italienischen Regierung den Dank für die Rückgabe des Kirchengebäudes aussprach. Der Feier wohnten Vertreter der italienischen Be- sörten, sowie dje Diplomaten Deutschlands, der Schweiz, Schwedens, Dänemarks, Hollands und Finlands bei.

Deutsche Wahlerfolge in Polnisch-Oberschlcsien.

Berlin, 7. Rov. Wie mehrere Blätter aus Breslau und Danzig melden, haben die deutschen Parteien in Polnisch-Ober­schlesien bei dem Sejmswahlen gute Erf olge gehabt. So entfielen in Königshütte von 28 380 abgegebenen Stimmen 22 225 auf die deutsche Liste. Auch in Kattowitz, Myslowitz und Tamowitz wird die deutsche Liste an erster Stelle stehen. 3n Bismarckhütte, Rybnik und Sorau folgt die deutsche Liste in kurzem Abstand der Liste Korfanth.

dem Reiche.

Der 9. Rovernber.

03 er [in, 7. Rov. Der Gewerkschafts­ring deutscher Arbeiter», Ange stell­ten- und Beamtenverbände (Hirsch- Denker) erläßt eine KuiWgebung, in der es heißt. Die dem Gewerkschaftsring angeschlossenen Orga­nisationen lehnen dieArbeitsruhe am 9' Rovernber a 6 und überlassen es ihren Mitgliedern, ob sie an diesem 'Tage an Abend- sei.rlich.eiten teilnehrnen wollen. Die christlichen Gewerkschaften sagen in einer Erklärung, daß für ihre Mitglieder der 9. Rovenrber fein Feiertag ist- Eine Versammlung des nationalen Verbandes deutscher Berussverbände in Berlin nahm ein­stimmig eine Aufforderung zur Arbeit am 9. Ro­vern der an.

Unterstützung gemeinnütziger Anstalten.

Berlin, 6. Rov. (Wolff.) Im Haus­haltsausschuß des Reichstages wurde der Eintrag des sozialpolitischen Unter­ausschusses auf Gewährung von einer Milliarde Mark zur Unterstützung ge­meinnütziger Anstalten genehmigt. Mumm (D.-Ratl.) wies darauf hin, daß Braunschweig, Thüringen, Sachsen den Art. 173 der Reichs- terfaffung fälschlich dahin auslegen, daß sie den Religionsgesellschaften ziffernmäßig die­selben Staatsleistungen wie früher gewähren, ohne der Geldentwertung Rechnung zu tragen. So gebe es Pfarrerswitwen, die monatlich 100 Mark erhalten.

Die parlamentarische Lage in Bayern.

München, 6. Rov. (Wolff.) Dte politische Krise in Bavern hat nach denMünchner Reuesten Rachrichten' noch keine endgültige Lösung gefun­den, da die Besprechungen zwischen den Koali- ttonsführern und innerhalb der Fraktionen am Samstag noch nicht beendet waren. Die Fraktion der bayrischen Mittelpartei gelangte nämlich be­züglich der Kandidatur Dr. v. K n i l l i n g s noch zu keiner Beschlußfassung, behielt sich aber die Entscheidung bis zu der auf Dienstag einzu- berufenden Fraktionssihung vor. In parlamen- Varischen Kreisen wird jedoch angenommen, daß die Fraktionen der Mittelpartei und der Deutschen Bolkspartei doch dem Vorschlag der bayrischen Volkspartei beitreten werden. Der bayrische Land­tag wird am 8. Rovernber zur Wahl des neuen Ministerpräsidenten zusammentreten.

München, 7. Rov. (WTD.) Die nächste öffentliche Sitzung des bayerischen Landtages findet am 8. Rovernber statt. Auf der Tagesordnung stehen geschäftliche Angelegen­heiten und die Wah l des Ministerpräsi­denten. Gemäß § 8 der Verfassung ist zur Gültigkeit der Wahl die Zustimmung der Mehr­heit der gesetzlichen Mitgliederzahl erforderlich.

Jur Linderung der Not hessischer Hilfsbedürftiger, rm. Darmstadt, 6. Rov. Die von dem Finanzausschuß des Landtags angeregte, von dem Ministerium des Innern sofort in die Wege geleitete Hilfsaktion für die notlei- dende Einwohnerschaft Hessens füllte heute im Sihungssaale des Landtags einer Sitzung, die von Kammerpräsident Adelung geleitet wurde. Außer dem Staatspräsidenten, den Mmistern, zahlreichen Regierungsvertretern, Angehörigen aller m Frage kommenden Körper­schaften, Vertretern der Städte usw. waren viele Abgeordnete, zusammen Wohl an hundert Per­sonen, erschienen. Ministerialrat Emmerling leitete die Aussprache durch die Auszählung ge­eigneter Vorschläge ein. Es ergab sich in der Aussprache der Wille aller in Betracht kom­menden Faktoren, so ausreichend und so rasch wie möglich helfend einzugreffen, um hie vorhandene große Rot zu linterrn. Einzelheiten werden noch bekanntgegeben. Wir erfahren, daß u. a. die Landwirtschaft sich berell erklärt hat, größere Mengen Kartoffeln gratis zur Verfügung zu stellen, es wird sich nur darum drehen, geeignete ausreichende Kräfte zum Ausmachen herbeizuschaffen. Die Sammlung und Verteilung der Kartoffeln hat die Landwirt­schaftskammer in die Hände genommen. In den Städten ist die Rot besonders groß: so kommen für Darmstadt etwa 1500, für Mainz etwa 500 Pensionäre, Sozialrentner usw. in Frage.

Was die Regierungen bisher getan haben.

Eine Anfrage in dieser Hinsicht hat die Re­gierung wie folgt beantwortet: Die Rotlage der Sozial- unb Kleinrentner wird sowohl von der

Reichsregierung, als auch von der Regierung des Landes vollkommen gewürdigt. Die Reichsregie­rung hat bereits für eine außerordentliche Rot­standsaktion zugunsten der Sozialrentner eine Milliarde Mark zur Verfügung gestellt, von der auf Hessen etwa 21 Millionen Mark entfallen. Zu diesen Reichsmitteln müssen bestimmungsgemäß das Land und die Gemeinden beitragen. Eine diesbezügliche Vorlage an den Finanzausschuß ist unterwegs. In der selbstoer- ständlichen Erwartung, daß der Finanzausschuß die LIebernahme des auf das Land entfallenden Zehntels der Kosten der Rotstandsaktion geneh­migen wttd, haben wir den Landesanteil aus dem zu unserer Verfügung gestellten freien Zuschuß 1/10 der 21 Millionen vorschußweise an­gewiesen, datzzit die Auszahlung der zur Be­schaffung von WlMervorräten, Heizstoffen usw. dienenden Gelder keintz Verzögerung erleidet.

Auch wegen der Llnterstühung der Klein­rentner ist bereits das Erforderliche geschehen. Reben den bereits am Anfang des Etatsjahres bewilligten Mittel 500 Millionen Mark sind weitere 500 Millionen Mark für die Rvtftands- maßnahmen vorgesehen. Die ersteren 500 Millio­nen Mark sind bereits ganz, die zweiten zur Hälfte ausgeschüttet. Der hessische Anteil aus Reichsmitteln an der Milliarde beträgt etwa 19'/»Millionen Mark, zu denen noch Land- und Gemeindeanteile von gleicher Höhe treten. Soweit die vom Lande bereits für diese Zwecke bewillig­ten Mittel nicht ausreichen, ist bereits eine ent­sprechende Vorlage an den Finanzausschuß aus­gearbeitet.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 7. Rovernber 1922.

Ekfaß-Lothringische Woche.

Glühende Heimatliebe, in der Zeit des natio­nalen Llnglücks und der schwersten Rot eines von brutalen Feinden entrechteten deuts chen Volksteiles von diesem stärker denn je betont, und selbstbewußtes, kernhastes Bekenntnis zum deut­schen Baterlande, von dem allein man eine Wendung zum Bessern für die geliebte Heimaterde erhofft, sie bildeten die Leitgedanken des gestrigen heimatfrohen und doch wehmütige Ernp- fintungen auslösenden Abends der Gießener Elsaß-Lothringischen Woche. Der Ver­lauf dieser Veranstaltung bedeutet einen starken gewinn für dieelsah-lothringischeIdee, die, wie Dr. L i st mit Stolz und vollem Recht betonte, marschiert, die eine Sache des ganzen deutschen Volkes ist.

Eingeleitet wurde die Feier, zu der sich ein außerordentlich zahlreiches Publifam im großen Hörsaal des Physikalischen Instituts versammelt hatte, durch zwei recht wirkungsvolle Gedicht­vorträge des Frl. Trude Heß, denen Dr. List eine kurze, packende Ansprache folgen lieh, die ein Treubekenntnis zur deutschen elsaß-loth­ringer Heimaterde, ein Treubekenntnis zum deut­schen Vaterlante war, und die ausklang in der sachlich gut begründeten Feststellung, daß die elsaß-lothringische Idee in den deutschen Landen gut marschiere. Lind in der Tat darf und wird das deu.sche Volk niemals das elsaß-lothringische ßanb und seine Bewohner vergessen, ebensowenig wie es jemals vergessen kann, welch h immelschreiendes Llnrecht an dem deutschen Oberschlesien verübt worden ist. Rach zwei weiteren, auf den innigen Ton der Heimat- und Vaterlandsliebe gestimmten Gedichten, die wieder von Frl. H e h in trefflicher Weise zum Vortrag gebracht tourten, fesselte ter zweite und Hauptteil des Abends, ter Vortrag des Herrn Adrian Mayer-Frankfurt a. M, früher 'm Straßburg L E., die zahlreiche Zuhörer­schaft in starker Weise. Der Dorttagende, ein fesselnder Redner, beleuchtete zunächst in kurzer Betrachtung das wechselvolle Schicksal des elsaß- lothringischen Grenzlantes. Er wies besonders hin auf den starken Einfluß, den die französische Rachbarschast in diesem Lande stets gehabt, ter aber bisher doch nicht vermocht habe, die Tat­sache zu beseitigen, daß da-s »elsaß-lothringische Volk auf Grund aller Llrsprünglichkeiten zu Deutschland gehört, und er machte schließlich und vor allem Wilson den bitteren, jedoch nur allzu berechtigten Vorwurf, daß dieser zu­gegeben habe, daß trotz ter überzeugend nach- getoiesenen Zugehörigkeit Elsaß-Lokhringens zu Deutschland dieses Stück Erde an Frantteich aus- geliefert wurde. Trotz des Vertrages von Ver­sailles werte aber ter Gedanke des deutsch>en Elsaß-Lothringen hochgehalten werten, denn mit ter Gewalt, die ein Clemencsau an­wandte und die ein Wilson gleichgültig hinnahm, trotz seiner feierlichen Versprechungen von der Respektierung des Selbstbestimmungsrechts der Völker, sei diese Frage nicht entschieden. An­schließend an seine ausgezeichneten Worte zeigte der Vortragende in einer langen und abwechs­lungsreichen Folge von Lichtbildern die Schön­heiten dieses blühenden Landes, damit die Effchie- nenen, soweit siedas Ländle" nicht aus eigener Anschuaung kennen, doch erführen, mit wem sie es zu tun hätten. Eine große Zahl guter und außerordentlich vielseitig auf genommener Bilder aus den Vogesen zog am Auge der sehr stark interessierten Besucher vorbei, angenehm unter­brochen durch zahlreiche Bilder aus Stadt und Land und Ausnahmen von farbenfrohen, Präch­tigen Trachten der weiblichen Bewohnerschaft. Die Worte des Politikers erfahren durch die wunderbaren, klaren Photographien des heimat­liebenden und naturschönheitskundigen Wan­derers e'me ausgezeichnete Belebung. Wort und Bild vermochten es, die diesmal verlorene südwest­liche Grenzmark und ihre Bewohner auch dem Andersstämmigen, der diese Ecke seines deutschen Vaterlandes bisher noch nicht kennen gelernt hat, recht nahe zu bringen.

In dieser Tatsache und in ter zielbewußten Weckung und Vertiefung des Verständnisses ter Idee Elsaß-Lothringen kann man den wert­vollsten Gewinn des gestrigen, wohlgelungenen Abends erblicken. Allen Trägern der Veranstal­tung gab der starke Beifall des Publikums zu erkennen, in welch hohem Maße sie sich um diese gute Sache verdient gemacht haben.

* *. Zur Durchführung der Ge- meinderatswahlen. Für die Gemein­den, in denen, wie imGießener Anzeiger" vom 1. Rovember berichtet, keine Wahl­vorschläge zur Gemeinderatswahl ein­gereicht wurden, ist nach einer Entscheidung des Ministeriums des Innern ein neuer, besonderer Wahlterm in für die Wahl zum Gemeinderat anzuberaumen. Diese Wahl soll möglichst noch im Dezember stattfinden. Hinsichtlich der Kreistags- und der Provin-

zialtagswaylen bleibt es auch für diese Ge­meinden bei der bisherigen Anordnung, d. h. die beiden Wahlen werden am 19. November, vorgenommen. In Gemeinden, wo ein Wahl­vorschlag mitwenigerNamen vorliegt als Sitze im Gemeinderat vorhanden sind, ist nach Artikel 30 des Wahlgesetzes zu verfahren. Hiernach gilt dieser Vorschlag ohne Wahl­handlung einfach als g e w ä h l t. In bezug auf die Rachwahl der dann noch fehlenden Ge­meinderatsmitglieder hat sich das Ministerium weitere Entscheidung Vorbehalten.

* * Oberhessischer Kun st verein. Die Wanderausstellung der hessischen Ar­beitsgemeinschaft für bildende Kunst ist mor­gen außer der Zeit von 111 LIHr mittags noch von 35 Llhr nachmittags geöffnet.

* * Das Fest der silbernen Hoch­zeit feiern morgen, Mittwoch, der Post- assistent Ioh. Emig und Frau Helene, geb. Drückmann, Hillebrandsttahe 1.

** Lichtspielhaus. Das Filmsingspiel Es kommt der Tag" von Karl-Otto Krause kaim man als eins ter geschmackvollsten feiner Art bezeichnen. Zwar ist die Handlung nur die Bariattvn eines alten Themas, aber sie spielt sich in so ergreifenden und lebenswahren Bil- tem ab, daß sie nicht ohne nachhaltigen Ein­druck vorüberzieht. Dieser Erfolg ist zum großen Teil den Darstellern zu verdanken, unter denen sich vor allem Margit Bamah mit ganzer Seele in das Schicksal ter unglücklichen grau eingeführt hat. Die musikalische Begleitung, die geftent eine recht ansprechende Wiedergabe fand, ist mit feinem Verständnis aus Werken bekannter Mei­ster zusammengestellt und tragt dazu bei, die wechselvollen Stimmungen zu erläutern und zu vertiefen.

Bornotizen. e

TageSkalender für Dienstag» Stadttheater, 7 Llhr:Verliebte Leute". Großer Hörsaal ter Universität, 8V2 Llhr: Goethe-Vortrag. Oswalds glarten, 8 Llhr: Zirkus Henny. Astoria-Lichtspiele: -Weltstadt­banditen" undHerrn Arnes Schatz . Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Cs kommt ter Tag".

Aus dem Stadttheater- Bureau. Zum Dorttagsabend Roda Roda, der am kommenden Donnerstag um V28 Ufa beginnt, sei noch folgende auswärttge Pressesttmme angeführt:Roda Roda ist ein unüberttefflicher Causeur. Die Hörer mögen lange nicht so reichlich und herzlich gelacht ha­ben wie bei all seinen launigen Geschichten." Es sei nochmals darauf hingewiesen, daß die Freitag-VorstellungW a l l e n st e i n S Lager" undDie Piccolomini" zu Schillers Geburtstag außer Abonnement statt- sindet. Die letzte diesjährige Aufführung des KinderstückSFrau Holle" am kom­menden Samstag beginnt auf vielsettigen Wunsch nachmittags um Vr4 Ufa, damit auch den auswärtigen Besuchern Gelegenhett ge­geben wttd, das mit so starkem Beifall auf­genommene Märchen kennen zu lernen.

(Siebener Waldbühne. Man schreibt uns: 3m Mittelpunkte ter am Sonntag, 12. Rovernber, vormittags 11 Llhr, imEinhorn" flattfintenten Schillergedächtnisfeier steht ein Vorttag über den jungen Schiller, den ter Darmstädter Dichter Hanns Werner Lan­ger halten ]piri>. Langer ist kein Llnbekannter mehr, namentlich auf dem Gebiet neuer Tonkunst deutscher Art. Den Vortrag werten musikalische und rezitatorische Darbietungen begleiten, ferner die Aufführung einer Szenenfolge aus dem Don Carlos, ter Schillers Iugend in gewissem Sinne abschließt. (Siehe Anzeige im gefangen Blatte)

Dem Kath. Frauenbund, Zweig­verein G i e h e n, ist es gelungen, P. Friedrich Mu cker mann aus Bonn, Herausgeber des Gval", zu einem Vorttag auf Donnerstag, 9. Ro­vember, abends 8 Llhr, int Kath. Otereinshaus, Liebigstvahe, zu gewinnen. P. Muckermann, ter in allen großen Städten Deutschlands Dorttäge hüll und im Kriege in russischer Gefangenschaft war, wird als bedeutender Literat Interesse erregen. Eintrittskarten sind im Vorverkauf bei Challier zu haben. Der Saal ist geheizt. Räheres im An­zeigenteil.

Wettervoraussage

für Mittwoch:

Wechselnd bewölkt, zeitweise Regen, westliche Winde.

Die Depression ist nordostwärts gezogen und schwächer geworden. Ihre Randwirbel reichen aber noch weit in das Festland hinein und ben wirken wolliges, wechselhaftes Wetter.

Landkreis Gießen.

X Wieseck, 6. Rov. Rach ter neuen Krrchenderfassung erhalt unsere Gemeinde zehn Kirchenvorsteher. Gestern wurden zu den sieben seitherigen: Bürgermeister Schomber, Wil­helm Schäfer ll., Heinrich Weller XII., Rektor i.R. Döll, Philipp Heinrich Mank, Heinrich Will und Ludwig Ihm I. neu hinzugewählt: Lehrer i. R. Müller, Bahnsteigschaffner Ludwig Oßwald und Rektor Dr. Rein.

Starkenburg und Rheinheffen.

rm. Darmstadt, 6. Rov. Der frühere Oberbürgermeister von Wiesbaden, Geh. Finanzrat G l ä s s i n g, der bekannttich von den Franzosen aus dem besetzten Gebiet ausgewiesen wurde und jetzt Präsident des Landesfinanzamtes in Darmstadt ist, wurde von den städtischen Körperschaften m Wiesbaden zum Ehrenbürger der Stadt ernannt.

Heffen-Naffau.

fpd. Franksurt a. M., 6. Rov. Die Rach- fvrschungen ter Polizei in der Raubmord­sache Sauerwein haben ergeben, daß als Täter drei junge Leute in Frage kommen, die in Frankfurt den Zug verlassen haben. Es hat stch jetzt ein Zeuge gemeldet, der kurz vor ter Abfahrt des Zuges das Abteil des Majors Sauerwein betreten hat und den Major in eine Decke gehüllt auffand. Der Amerllaner habe den Eindruck eines Betrunkenen gemacht, da er fort­während in singendssm Tone Laute in ausländi­scher Sprache von stch gab. Im Abteil habe ein schlanker junger Mann gestanden, ter sich mit

Heutiger Staub des Dollars

10 Llhr vormittags:

Berlin 7800, Frankfurt a. M. 7800.