Ausgabe 
7.10.1922
 
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EBcarranx

Eine Feststellung der ReparationsAommisston.

Paris. 7. Oft. (WTD) Die Repara- tionskom Mission veröffentlicht ein Cvm- munique, in dem darauf Hin gewiesen wird bah die von der Kommission veröffentlichte Tabelle u^r die von Deutschland geleisteten Zahlungen srch nur auf die Deutschland aus Teil 8 und 9 erwachsenden Verpflichtungen bezieht und keine vollständige Darstellung der von Deutschland ge­leisteten Zahlungen enthalt. Es seien darin nicht enthalten der Wert von den Vesahungsbehörden requirierten Papiermark (571 Millionen Gold- mark), ebensowenig seien aufgeführt die staat­lichen Requisitionen und Dienstleistungen für das Desahungsheer, die von der deutschen Regierung bezahlt wurden und die auf 1 Milliarde Gold- mark geschätzt werden müssen, und ferner die Zählungen an die alliierten Ausgteichsämter für Ae Privatschulden (546 Millionen Gvldmark) Endlich sei in der Tabelle keine Abschätzung des Wertes des Staatseigentums in Oberschlesien mitgeteilt, das an Polen abgetreten wurde und evtl. Deutschland gutzuschreiben sei.

Aus LtQdL und LmrD.

Gießen, den 7. Oktober 1922.

Ein grotzziigiqcS Hilfswerk in Gießen.

Am Donnerstag fand unter Vorsitz des Oberbürgermeisters Keller im Siadtver- °5«netier^<IaIe eine Desprechung der Vertreter zahlreicher hiesiger Vereinigungen aus den Krei­sen der Industrie, der Vankeii, des Ha-.rdels und Gewerbes statt. Die Einberufung dec Versamm- lung war auf Anregung hiesiger Kaufleute des Vekleidungs- tznd Lebensmittelzweigs erfolgt deneii die bittere Rot großer Teile der Tevölto vung ^'lich sichtbar vor Augen tritt. Man liest stch dav.i leiten von dem Gedanken, ein groß­zügiges Hilfs werk von Industrie, Danken, Handel und Gewerbe einzu- lerten, um den besonders bedrängten, vor allem

geren Brüder gestanden hätten. Der Zeuge wird hierauf vereidigt. Dann wird die Vernehmung des Angeklagten fortgesetzt.

Der Angeklagte Gustav Steinbeck hat dem deutsch-völkischen Schuh-Truhbund, dem Ver­band nationalgesinnter Soldaten und anderen nationalen Verbänden, aber nicht der Organisa­tion C angchört. In Dresden war er ehrenamtlich im Bureau des deutschnationalen Iugendbundes, der unter Leitung des Kapitäns v. 'Abendroth stand, tätig. Am 18. Juni sei Brarid gekommen, um mit ÄBendroth zu verhandeln, von Rathenau sei nicht die Rede gewesen. Brand habe bei ihm übernachtet, am nächsten Tage zusammen mit Techow. Auf seine Frage, was sie in Dresden wollten, habe Brand geantwortet, darüber könne er keine Auskunft geben. Aus dem Rundschreiben über die Gefangenenbefreiung im besetzten Gebiet habe er geschlossen, daß es sich um diese Ange­legenheit handele. Seine Andeutungen habe Brand nur mit einem verschmitzten Lächeln be­antwortet. Späterhin erllärte sich der Angeklagte bereit, seine früheren Aussagen über die Be­sorgung des Autos zu berichtigen, weitere Aus­sagen zu machen und unter Beweis zu stellen. Auf 2kitrag des Verteidigers Lütgebruns, bei diesen Bekundungen im Interesse des Staats­wohls die Oeffentlichkeit auszuschließen und zu­nächst in nichtöffentlicher Sitzung zu beschließen, ob ein Grund hierfür vorliege, wurde gegen 103/4 älhr die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Rach Wiederherstellung der Oeffentlichkeit verkündete der Vorsitzende die Ablehnung des Vorschlags auf Ausschluß der Oeffentlichkeit. Der Gerichtshof habe sich nicht davon überzeugen können, daß die Sicherheit des Deutschen Reiches durch die Aussagen der Angeklagten gefährdet werde. Steinbeck sagt aus, es habe "sich um . Waffenschiebungen gehandelt, die frühere Aus­sage, daß es sich um Gefangenenbefreiung handele, habe er nur gemacht, damit die Ange­legenheit nicht in die Presse und damit zur Kenntnis der Entente komme. Er bleibe dabei, daß die Autpbeschaffung mit der Ermordung Rathenaus nicht das geringste zu tun hatte.

Es folgt die Vernehmung der Garagebe- fitzer Schütt und Deistel. Schütt sagte aus, er fei durch Voß und Günther mit Kern, Fischer und Techow bekannt geworden. Die Herren woll­ten bei ihm ein Auto unterstellen, zu welchem Zwecke, habe er nicht gewußt. Es habe sich um eine geheim zu haltende Sache gehandelt. Wie lange das Auto bei ihm bleiben sollte, da­nach habe er nicht gefragt. Es sei ihm auch nicht gesagt worden. Daß es sich um ein Verbrechen handele, habe er nicht geahnt. Die Herren hätten bei ihm noch übernachtet; es sei von Kriegserleb- kissen erzählt worden, aber von Rathenau habe N nichts gewußt. Er habe angenommen, es seien Leute, die auf der Flucht seien, etwa Kriegsver­brecher. Unter vier Augen habe Kern zu ihm gesagt:Verräter gehen bei uns um die Ecke." Der Wagen sei am nächsten Vormittag gefahren worden. Techow habe gegen I oder V/$ ilbr auf dem Hof das Auto repariert. Als er zu ihm trat, habe er erklärt:Wir (oder sie, das wisse er nicht mehr genau) haben Ra- tfjenau erschossen." Werner Techow bemerkt, er habe gesagt, sie haben Rathenau erschossen Schütt sagte weiter, er habe Techow lebhafte Vorwürfe gemacht. Am Abend sei Hans Gerd gekommen. Techow habe gesagt, die Kappen im Auto müßten beseitigt werden. Da er, Schütt, selbst nicht in die Gavage gehen wollte, habe sich Diestel dazu erboten. Daß die Kappen ver- bvaimt werden müßten, habe er nicht gesagt. Er wollte nicht gern in eine Angelegenheit ver­wickelt werden, zumal er sich vor der Drohung Kerns, Verräter gehen um die Ecke, fürchtete. Er habe nichts getan, um das Auto zu beseitigen, weil er die Straffolgen nicht verhindern wollte. Auf die Frage, ob Schütt eingeweiht gewesen sei, bemerkte Werner Techow, er wollte Schütt eigentlich nicht einweihen. Seine Aeuherung habe

oer verschämten Armen für den nähenden Winter zu helfen. Verschämte Arme sind auch so viele, die durch mühevolle Arbeit eines ganzen Lebens sich ein sorgenfreies und behagliches 'Aller ge­sichert zu haben glaubten. Auf diese Rot wiesen der Vorsitzende und der Berichterstatter, Bei­geordneter Dr. Frey, nochmals eindringlich hin. Mit e r f r e u l i che r Einmütigkeit sicherten alle Erschienenen namens ihrer Vereinigungen 'tatkräftige H i l f e zu, trotz der Bedrängnis, in der viele Geschäftszweige sich schon der Kredit- nvt wegen befinden. Man stellte Geld- und Warenspenden in Aussicht, wie auch Liefe­rung der nötigen Waren, in die das Geldsammel- ergebnis umzusetzen sein üurde, zum Selbstkosten­preis. Es wurde ein Auss chu h gebildet, der in der nächsten Woche erstmalig zusammentreten soll. Dis 20. Oktober werden die Vereinigungen Art und Höhe ihrer Beteiligung dem Oberbürger­meister melden. Der Ausschuß wird dann über die Verwendung der Mittel beschließen. 'Fest­gestellt wurde aber auch, daß es nicht möglich gewesen war, alle in Betracht kommenden Bereini­gungen und Einzelfirmen rechtzeitig zu ermitteln, da bei der Grüße und Dringlichst der Rot schnell geHandelt werden mußte. Es wurde der Wunsch ausgesprochen, daß auch bisher Anbetei­ligte dem Hilfswerk beitreten möch­ten. Sie können bis 20. Oktober ebenfalls ihre Meldung einreichen oder an der Ausschußsitzung am 12. Oktober, vormittags 10 Ahr, Garten- strahe 2. Obergeschoß, Zimmer Rr. 16, ohne be­sondere Einladung teiknehnien. Alle Anzeichen lassen ein gutes Gelingen des Hilfswerkes er­hoffen.

Wo bleibt die Leserschaft?

Unter dieser Ueberschrift lesen wir imEvan­gelischen Pressedienst" folgenden beherzigenswerten Appell an die Zeitungsleser:

Das Zeitungs sterben geht unaufhaltsam weiter. Ist die eigentliche Ursache der Katastrophe der Versailler Friede, der dem deutschen Doll auf allen Gebieten die Lebens- und Arbeits- moglichkeit nimmt, so ist doch auch von den maß­gebenden Stellen in Deutschland nichts Durch­greifendes geschehen, die Katastrophe abzuweaden. Und vor allem: Wo bleibt die Leser­schaft? Sie bezahlt, das ist ar^uerkennen, die steigenden Bezugsgebühren. Aber im übrigen ist es eine merkwürdige und für den Freund der Presse recht schmerzliche Beobachtung, mit welcher Ruhe und Gleichgültigkeit weiteste Kreise der Bevölkerung ein Blatt nach dem andern und damit einen Kulturträger, einen Bildner politi­schen Willens nach dem andern in den Abgrund versinken sehen. Der Zeitungsverleger findet, bad muh einmal ausgesprochen werden, in seinem Daseinskampf bei der Leserschaft nicht die tätige Anteilnahme und Unterstützung, auf die er an­gesichts der tatsächlichen Leistungen der deutsch«: Dresse und ihrer Unentbehrlichkeit als Organ der öffentlichen Meinung Anspruch zu machen hat. Wie ganz anders wirksam mußten z. D. seine Forderungen an die Regierung sein, wenn sie getragen wären von einer starken öffent­lichen Meinung, die in Partei und Verein, in Versammlung und Presse deutlich bekundete, daß sie nicht gewilll ist, sich auch noch die Tages­presse von der Rot der Zeit rauben zu lassen, und daher von Regierung und Parlament erwartet, daß sie endlich, in letzter Stunde, den Entschluß finde zur Tat. Bei hundert Anlässen sonst ist man mit dem Protestieren rasch bei der Hand. Hier, wo politische und kulturelle Belange von größtem Gewicht auf dem Spiele stehen, schweigt man und läßt den Dingen den Lauf. Und doch ist die öffentliche Meinung, wenn sie sich auf ein Ziel hin zusammenschließt, eine Macht, der der Erfolg nicht leicht versagt bleiben tont. Darum, tua res agitur, deutscher Zeitungsleser! Ist alles vergebens und nimmt das Schicksal unabwendbar seinen Lauf, so sollst du dich wenigstens nicht an dem traurigen Ende als mitschuldig bekennen müssen"

Wichtig für die Radfahrer in Gießen.

Das Polizeiamt veröffentlicht im neuesten Amtsveikündigungsblatt eine Polizeiverordnung, in der die Straßen, Gassen und Fußwege ge­nannt werden, die der Radfahrer nicht befahren *oarf.

Danach ist das Radfahren verboten auf dem GäßchenAuf der Dach", Dammstrahe (enger Teil) zwischen Haus Rr. 22 und Walltorstraße, Dreihäusergasse, Erlengasse (enger Teil) zwischen dem .Haus Rr. 7 und Sonnenstrahe, Essiggasse, Rittergasse (enger Teil) zwischen Mäusburg und Haus Rr. 13, Sandgasse (enger Teil) zwischen Marktstraße und Haus Rr. 5 Wege in den städti­schen Anlagen, Fußweg über die Oberhessische Dahn zwischen Wetzlarer Weg und Bahnhof,

den Archon ins Gedränge, er schwört Jeder Partei, bestimmt zu ihren Gunsten entscheiden zu wollen. Es kommt zum llappen, der Archon hält keiner Partei den Eid, sondern sucht sich mit Ausflüchten zu helfen; er wird unter Prü­geln seines Amtes entsetzt, der Bürgerkrieg bricht los, und alles nur umdes Esels Schatten", richtiger um der Rechthaberei willen. Demokrits den die Hadernden jetzt in seinem gediegenen Werte erkennen und um Entscheidung anrufen, will sich in diese dummen Sachen nicht einmischen, er wird daraufhin gefangen gesetzt, und erst Kassander, der König von Makedonien, schafft wieder Ruhe aber auf seine Art. Er ver­leibt Mdera seinem Reiche ein, nimmt ihm alle Freiheiten und selbstgegebenen Gesetze, nur fein Wort und die von ihm gegebenen Gesetze allein haben Gültigkeit, Demokrit wird auf Iris' Bitten in Freiheit gesetzt, der Archon als makedonischer Verwalter wieder ins Amt gewiesen, die Kampf- Hähne müssen unter .Umarmungen, dabei wut­schnaubend, ihren Zwist begraben, Abdera als teeferer Bissen ist sein und die Revolution ist zu Ende. Die Abderiten aber gleichen begossenen Pudeln, ihre staatliche Selbständigkeit und Frei- pett ist futsch, doch das schmerzt sie nicht allzu sehr; für sie ist die Hauptsache die:1 den Demokrit, oer in dieser Stunde wieder in die Fremde zieht, und die Iris, die, von dem Demokrit verschmäht' dem Makedonierkönig folgt, sind sie los darüber freut /ich ganz Abdera und lebt fortan wieder seinem borniert'.H Hochmutsdunkel. Die fein poin- tierte Sprache der Dichtung verleiht dem munter daherrauschenden Strom von recht amüsanten Er­eignissen und (Situationen ganz famosen Aus- druck das Werk ist eine sehr anziehende und ^heaterkost, die das Publikum mit lebhafter Spannung erfüllt.

Die Darstellung unter der ausgezeichneten Geltung des Direktors Hermann S r e i n- goetter war recht zufriedenstellend. Rudolf Goll schuf einen ganz famosen Archon, Kitttz

Franke als feine Frau Leukippe stellte sich ihm künstlerisch gleichwertig zur Sette. Oskar F e i g e l als Arzt Struthion war voll und ganz Posten, Wolf Leutheiser (Subu- teuss, Martin Jacob (Lichas) und Georg De di n g (Klevphanes) führten ihre Rollen treff­lich durch. Cläre Türk (Arethufa), Lu Wan­der (Phila) und Elsa Engel (©laufe) waren gut; namentlich gefiel uns hier Cläre Türks schneidiges Spiel. Carl Juhnke gab den Philo­sophen Demokrtt ganz vorzügllch; an dieser künst­lerischen Leistung tonnte man sich sehr erfreuen Dasselbe ist uneingefchränkt von Karla Keller (Tänzerin Iris) zu berichten. Paul Schubert (Theopvmp, Ob rpriester der Aphrodite) und Heinz Bechstein (Agenor, Oberpriester der Pallas) erfüllten ihre Ausgabe zufriedenstellend. Adolf Telekh (Phhsignatos) und Karl Dolck (Kine- fias) führten ihre Rollen als Anwälte und Dema­gogen Jn Hieifterbaft herausgearbeiteter Weise durch. Die Partie des alten Richters Philippides fand in Paul Mehnert einen vorzüglichen Verkörperen Richard H e l l b o r n s Anthrax war eine stark wirkende Künstlerleistung, deren feine Gestaltung wir in allen Phasen des Spiels mit großer Befriedigung verfolgten. Eine Dlumen- spende wurde diesem Künstler als Auszeichnung auf die Buhne gereicht. Luise Rammel spielte als Anthrax Frau Gorgo befriedigend. Hans S r o m m a n n als König Kassander entledigte sich ferner Aufgabe in ansprechender Weise. Die In­haber der kleinen Partien und das Statisten­personal fügten sich glücklich in den guten Gesantt- bau der Darstellung ein. Die Bühnenbilder waren, wie gewohnt, vorzüglich

_ In der Gesamtheit gewertet kann man also den Eröffnungsabeyd der Wintersaison als sehr zu­friedenstellend bezeichnen. Das gut besetzte Haas quittierte denn auch sehr berechtigt mit starke» Beifallsbezeugungen.

Gießener §tcrdL1heatex.

Des Esels Schatten.

Lustspiel in 3 Aufzügen von Ludwig Fulda. Gießen, 6. Oft.

Das Stadttheater hat heute feine Pforten für die Winterspielzett 1922/23 geöffnet. Den wirtschaftlichen Widerwärtigkeiten dieser trüben Zeit wagefreudig die Stirn bietend, will die Theaterleitung cfudj in dem kommenden Spiel­halbjahre ihren Gästen die Freuden besten Kunst­genusses und der erfrischenden Unterhaltung be­reiten. Das wird ihr mit der Unterstützung ihrer trefflichen Mitarbeiter zweifellos gelingen, wenn nur das Publikum in der Bekundung seines opferfreudigen Interesses an seinem Theater Acht erlahmt. Möge die Bürgerschaft immer be» ftrebt sein, sich ihr Theater zu erhalten, e für etliche Stunden des Tages oder 7^ Woche allen Ballast dieser Zeit von sich werfen und ganz der Freude an den Musen leben kann!

i « F u I d a eröffnete den Reigen der ?^or?n der dieswinterlichen Stücke mit seinem o S19^ Fruhiahr d. I. uraufgeführten -D e s E s e l s Schatten". Die Hand- der goldener Humor in feingeschlisfener Gestaltung zum Ausdruck kommt, und die an Bühnenwirksamkeit nichts zu wünschen übrin räht lp-elt Mr Zeit des «äffischen ÄL^?n^r griechischen Stadt Abdera. Die Abderiten h»r Oberschicht Jinb öbeft SoSsteufet schlimmster Art Meffen, bad ei moralisch faul bis .WtefoM Demokrit gleich­falls ein Abdertt wettgereist, aber in die /elmat Mruckgekehrt, steht in seiner hochgeistig<L und chavaktervollen Art vereinsamt in Dieter Stadt der Hohlköpfe, deren führende Schicht ihn von oben herab behandelt und sich über ihn lustig macht. Rur e i n Menschenkind findet sich in Liebe

UnS^stem Versiegen zu ihm, die gleichfalls aus Abdera stammende, in Athen gefeierte Tän- xenn Iris. Die vornehmen Frauen Abderas, deren Moral genau so brüchig ist wie die ihrer Manner, behandeln dieses junge Weib freilich als -Unreine und Verworfene, und kennen nur eines, namte^ die Angst um ihre flatterhaften ff&Ä n 3ris mit Eifer, aber ohne Arfolg nachstellen, In diese verdorbene, moralisch oberfaule Gesellschaft platzt nun der Konflikt ber Streit umdes Esels Schatten". Kleine airfachen, große Wirkungen! Der Arzt Struthion reitet auf dem von dem Eseltreiber Anthrax ge- mieteten Esel in glühendem Sonnenbrand über i ?' feM sich unterwegs, da kein anderer Schutz In der Rähe ist, ermattet in den Schatten des Efels, um sich zu erholen, wird von Anthrax zur Zahlung der Miete für den Schatten auf­gefordert, verweigert diese, und es kommt zwischen den beiden zum grimmigen Streit, der in stür­mischer Sitzung von dem Richter Philippides ent­schieden werden soll. Dessen Spruch befriedigt feine Partei, und nun greifen die ruhmredigen und ränkesüchtigen Anwälte und Demagogen Phy-, signatos und Kinesias sofort ein. Die Bürger­schaft spaltet sich in zwei Lager und die An­wälte Hetzen die Bevölkerung, die Reichen (Partei der Schatten, geführt von Phhsignatos) einerseits, die Armen (Partei der Esel, geführt von Kinesias) andersetts, gegeneinander. Der die Stadt ver­zehrende Unfriede ist da. Das Stadtoberhaupt, der Archon, nach außen hin ein vollendeter Tugend­held, insgeheim aber ein gar schlimmer Don Zuan, soll, nachdem auch das Volksgericht als oberste Gerichtsinstanz mit seinem Spruch den (Streit nicht aus der Welt schaffen konnte, den Rechtsspruch fällen, um den schon schwer ge­fährdeten Bürgerfrieden zu reiten. Liebes-Techtel­mechtel mit der Frau des Eseltreibers Anthrax binden ihn nach derEselpartei" hin, und der ^Pfluh seiner sittlich auch nicht ladenreinen Frau anvettet zugunsten derSchattenpartei"; bringen

er nur in der Erregung gemacht. Hieraus trat eine Pause ein.

Danach sagte der Angeklagte Diestel, er kenne die Ereignisse erst vom Freitag an. Alle .seine Handlungen hätten darauf gezielt, die junge Firma nicht zu schädigen. Freitag habe ihm Schütt erklärt, es würden zwei Herren mit einem Auto kommen, das untergestellt werden müsse. Vielleicht seien Ghrhardtleute. Am nächsten Morgen 'habe Schütt die Vermutung geäußert, baß es sich um Kriegsverbrecher handele, was er aus der falschen Autonummer schloß. Techow fjabe nach feiner Rücllehr eine Schuld in Höhe von 1800 Mk. bezahlt. Seine Augen seien unstet gewesen. Den ganzen Rachmittag Hütten er und Schütt überlegt, ob sie die Sache nicht anzeigen sollten, seien aber au dem Entschluß gekommen, es nicht zu tun, da sie fürchteten, daß man Rache an ihnen neh­men werde. Am Abend habe er seiner Wirt­schafterin gegenüber angegeben, daß das bei ihm untergestellte Auto mit dem Morde in Verbin­dung stehe. Gr erklärte ihr, daß und weshalb von einer Anzeige abgesehen werden müsse. Was die Kappen betreffe, so habe er Techow gesagt, er solle fie mit Benzin begießen und verbrennen. Das habe er getan, obwohl ihm seine Wirt­schafterin davon abgeraten habe. Gr Habe das getan, um eine Verfolgung gegen sich selbst aus- zuschließen und nicht um ber Täter willen. Gegen­über einer Bemerkung Diestels habe Techow er­klärt, er habe nichts davon gesagt, daß die Be­wegung von Bayern ausgegangen sei, wohl abe., daß Kern und Fischer von außerhalb nach Ber­lin gekommen seien.

Im wetteren Verlauf sagte der Angeklagte Voß aus, Günther habe durch seine Vermitt­lung von Schütt die Garage gemietet. Günther habe ihn auch gebeten, ebn? Maschinenpistole zu besorgen. Auf Befragen erklärte der Angeklagte, er habe von vornherein den bestimmten Verdacht gehabt, bah die ganze Angelegenheit mit dem Auto und ber Pistole mit ber Ermorbung Okathe- naus zusammenhänge. Er habe Rathenau gewarnt, bem er wegen seiner Hilfe bei ber Befreiung aus englischer Gefangenschaft zu Dank verpflichtet gewesen fei Er habe ber Polizei jedoch keine Mitteilung gemacht, da er seine Derbachtsgrünbe nicht für schlagend genug ge­halten habe.

Alsdann begann die Vernehmung des An- .geklagten T i l l e s s e n, der ouSfagtc, daß er sich sehr viel mit Politik beschäftigt habe. Da der Angeklagte Günther von einem plötzlichen Unwohlsein befallen wurde, muhte die Verhand­lung um 3 ülhr nachmittags auf Samstag früh 9 ülhr vertagt werden.

sein Chauffeur habe ihn tm Stich gelassen, er müsse den Wagen fahren, um Rathenau zu er­morden. Aber, daß die Tat schon am anderen Morgen erfolgen sollte, habe er für undenkbar gehalten, da der Manometer defekt war. lieber Hans Verb befragt, sprach sich ber 3euge dckhin aus, er habe die Ueberjeugung gehabt, daß das Gift, das Günther eingeflöht worden worden war, nun die bösen Folgen hatte. Auf wettere Fragen erllärte der Zeuge, nach seiner lleberzeugung sei Werner nie der Gedanke ge­kommen, bah Rathenau ein Schädling sei. Er habe ganz unter dem Einfluß Kerns gestanden. Auf die Frage des Verteidigers Golmick, wie sich der unangenehme Einfluß Günthers geäußert habe, erwiderte der Zeuge: Werner habe ihm oft ge- llagt. unter wie schlechten Einflüssen seine jün-

Fuyweg zwischen Wilhelm- und Liebigstraße an ber Katholischen Kirche entlang, Fußweg zwischen Alice- und Dleichstrahe an der Wieseck entlang, Fußweg zwischen Roon- und Moltkestraße an der Wieseck entlang, Heinrich-Schreiber-Weg, Fuß­weg nach bem Philosophenwald von ber Ostanlage aus, die von der Fahrbahn abgetrennten Fußwege nach bem Schiffen berg entlang ber Kreisstraße und des Alten Steinbacher Wegs, Fuhwege im Philo­sophenwald. Fußweg nach ber hohen Warte.

Währenb ber Marktzeit ist auch das Radfahren über den Drandplah und die Marktlaubenstraße verboten, ferner darf ber PlatzOswalbsgarten" nicht als Ülebungsplatz für Radfahrer benützt werden.

Zuwiderhandlungen gegen diese Anordnung werden mit Geldstrafe bis§00 Mark ober mit Haft bis zu 14 Tagen bestraft.

Wochenmarktbericht.

Der heuttge Wochenmarkt war mtt allen Gegenständen gut befahren. Es war-v bemerken, daß die Preise teilweise gegen den letzten Markt angezogen haben, ohne daß hierfür ein sichtbarer Grund vorhanden ist.

Es kostete Weißkraut Pfd 2,303 50 Mk. aöirfing m. 2,30-3.50 Mk., Rotkraut Hfd 5,50 bis 8 Mk., DlumenkoM Stück 1220 Mk Dittter- WJßrb. 3,50-4 Mk., gelbe Rüben Pfd 3,50 bis 5 Mk., rote Rüben Psd. 2,503,50 Mk, Ober» köhlvabi Stück 23 Mk., ülnterkohlrabi Stück 1 50 bis 2,80 Mk., Zwiebeln'Pfd. 1315 Mk, Dohnen Pfd. 8 Mk., Tomaten Pfd. 2025 Mk, Sellerie Stück 510 Mk., Lauch Stück 23 Mk.,' Endivien Stück 24,50 Mk., Butter Pfd. 320^-360 Mk Gier Stück 1720 Mk., Aepfel Pfd. 3 506 Mk" Dirnen Pfd. 2,507 Mk., Z Wetschen Pfd 4 bis 5 TU., Kartoffeln Pfd. 4 Älk.

Wettervoraussage

für Sonntag:

Zumeist heiter, trocken, kühl, schwache nördliche Winde, leichte Rachtftöste.

Anter dem Einfluß eines starken Hoch­druckgebietes haben wir trockenes Wetter zu erwarten. Durch nächtliche Aussttahluna be­steht Aachtfrvstgefahr.

Bornottzen.

TageSkalenderfürSamStag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Sie und die Drei", undDom Äordkap ins Weihe Meer". Palast-Lichtspiele:Jenseits des Stroms", undChaplin im Glashause".

Tageskalender für Sonntag. Stadttheater, 7 Uhr:Das Jubiläum".

21 u 8 dem Stabttheaterbureau. 2lm morgigen (Sonntag findet eine Ausführung des SchwanksDas Jubiläum" von Bach und Arnold, den bekannten Verfassern vonDie spanische Fliege" undZwangseinquartierung" statt. Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen, daß das heitere Werk, bas nur einmal im Sommer gegeben toorden ist, im Abonnement nicht wie­derholt wirb.

Der Wartburg-Verein veranstal­tet morgen abend im Markussaal einen Licht­bilderabend, wobei unter anderem die Mär­chen vornBäumlein, das andere Blätter hat ge­wollt" (Rückert),Der Schmetterling" (Andersen), ^D5e«%toJfeIn (Heinz) undDie wandelnde Glocke (Wolsg. von Goethe) zum Vortrag Eom-

Wll>er find Original-Scherenschnitte von Minna Saalwächter und haben allenthalben, wo sie schon gezeigt wurden, tiefen Eindruck hinterlassen. (Räheres siehe Inserat.)

" Der Diehmarkt zu Gießen,der für Dienstag, den 10. Oktober, angesetzt war, ist wegen der Seuchengefahr verboten worden.

" Die Arliste für die Schöffen und Geschworenen liegt von heute bis nächsten Samstag auf dem Stadthause, Berg, sttaße, offen. Näheres ist in einer Bekannt­machung des heutigen Anzeigenteils enthalten.

** Amtliche Personalnachrichten Ernannt wurde am 28. März die Lknwärterin für das Lehramt an höheren Mädchenschulen Äilbe» Zard Schäfer aus Berlin zur Lehrerin an ber höheren Bürgerschule (Mädchenschule) in Din­gen. Ernannt wurde am 29. September der Lehrer Ewald F a l l s zu Krumbach, Kr. Heppen- heim, zum Lehrer an der Volksschule zu Gießen. Ernannt wurde am 3. Oktober

Heutiger Stand des Dollars

10 Ähr vormittags:

Berlin 2212, Frankfurt 22402250.