Ausgabe 
7.10.1922
 
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vrvck mrt Verlag: Vrühl'sche Univ.-Vnch- unö Steinbruderct N. Lange. Schriftleitung, SeschSftrflelle und Druckerei: Schulflrahe 7.

Eine Unterbrechung der Konferenz von Mudania.

I

nüge zu tun.

Der Prozeß Rathenau

keine man

fein Mörder, er habe nur den Wagen gefahren, von der Tat aber nichts gewußt. Bei sich hatte er nur eine Brieftasche und ein Notizbuch. Auf

gewonnen, das) er zweifellos von der Mordabsicht wußte, aber nicht glaubte, daß die Tat an dem Morgen begangen werden solle. Aach schweren Kämpfen sei Behrens zu dem Entschluß gekommen, daß es für Ernst Werner am besten wäre, ihn der Kriminalpolizei zu übergeben, da er sonst vielleicht gelyncht würde. Auf eine Frage des Oberre'.chs- ancralts erklärte der Zeuge nochmals, Werne, habe von dec Mordabsicht gewußt. Er habe er- zählt, am Abend vorher habe Kern ihm gesagt.

Einfluß gehabt. Damals sei der Unterordnurrgs-- geisl in ihm entstanden: er habe eine überaus stark entwickelte patriotische Gesinnung. aAch seiner Entlassung widmete er sich mit ehrlichem Fleiß Nächte lang dem technischen Studium, während dieser Zeit habe er zweifellos an den Treibereien nicht teilgenommen. 3m Oktober stand er vor dem letzten Examen, fei aber, weil er das Aoh-

nug sind, um uns die allgemeine Achtung in Brüssel wiederzugewinnen.

die Frage des Zeugen, ob er kein Geld und Pässe bekommen habe, antwortete er:Aein, hat mich einfach gehen lassen, ich stehe ganz allein. Darauf habe der Zeuge den (Sinbrucf

Evening Standard" meldet. General Harr i n g' ton bleibe bis nach der Zusammenkunft zwischer Curzon und Poincarö in Konstantinopel.

Eine engiisch-sranzöstsch- italienische Konferenz in Paris.

Paris. 7. Oft. (WTD.) Gestern abend kam Lord Curzon im Quai d'Orsay an und hatte sofort eine Unterredung mit dem Minister­präsidenten PoincarS, der unterstützt tourbc von Direktor Peretti de la Facca und dem Refe­renten für die asiatischen Angelegenheiten. Lord Curzon war begleitet von seinem Sekretär Sittart und von dem britischen Botschaften in Paris Lord Hardings. Etwas später erschien der italie­nische Geschäftsträger Galli, der eben­falls an den Beratungen teilnahm. Die Konferenz ging um 2,15 ilfjr heute früh zu Ende. Lord Curzon erklärte nach Schluß den 3ournaliflen. Wir haben heute abend gute Arbeit verrichtet. Wir werden morgen früh um 9 Uhr unsere Beratungen fortsetzen. Aach dem Journal" ist der Hauptzweck der Konferenz ge- wesen, den Engländern zu zeigen, daß sie sich vielleicht eine Übertriebene Einbildung gemacht haben von dem, was die T Ü r k e n unter Besitz­ergreifung Thraziens innerhalb von 30 Tagen verstehen. Bon einer mllitärischen Be­setzung könne nicht die Aede sein. Das Abkommen vom 23. September sei nach dieser Richtung hin formell. Es handele sich nur um die Wieder einsehung der Zivilbehörden und um die Organi­sierung der Gendarmerie. Das Blatt glaubt, in dieser Frage sei man grundsätzlich zu einer Lösung gekommen, die die Wiederaufnahme der Kon­ferenz von Mudania unter günstigen Be­dingungen gestatteten. Heute vormittag wurden die Instruktionen, die den alliierten Generälen von ihren Regierungen zu senden seien, ausge­arbeitet.

Wahl kann in den Bahnen ruhiger Gewissens- Überlegung, ohne allzu hefttge Erbitterung, geführt werden, weil es sich nicht darum han­deln kann, Eberts einwandfreie Persönlich­keit herabzuziehen, sondern nur dem rein s ich- lichen Moment politischer Ueberzeugung Ge-

Leipzig, 6. Olt. (WTD.) 3n der heu­tigen Verhandlung des Rathenau-Pro- z e s s e s wurde mit dec Zeugenvernehmung be­gonnen. Zunächst wurde der Onkel der beiden Brüder Techow, Gutsbesitzer Behrens aus Dciegen, vernommen. Er sagte aus, auf Ernst Werner habe seine Freikorpszeil einen großen

Aus dem besetzten Gebiet.

Vergehungen belgischer Soldaten.

Berlin, 6. Oft. (Privattelegr.) Wie die Blatter aus dem besetzten Gebiet melden, wer­den erst jetzt, nach Abschluß der amtlichen. Feststellungen, schwereAusschreitun- gen belgischer Soldaten in Straeten (Regierungsbezirk Aachen) bekannt, die am 14. September während der belgischen Ma­növer begangen wurden. Als gegen 12 Ahr nachts der Wirt eines Gasthauses in Sttaeten eine Anzahl Unteroffiziere und Mannschaften aufforderte, das Lokal zu ver­lassen, well er schließen wolle, versuchte ein anscheinend angettunkener belgischer Unter­offizier die beiden Töchter des Wirtes bei sich zu behalten. Die Eltern, die die Töchter in Schutz nehmen wollten, wurden von den Bel­giern niedergeschlagen. Er versuchte darauf, in das im oberen Stockwerk gelegene Schlafzim­mer der Mädchen einzudringen. Diese konn­ten, nur notdürftig bekleidet, durch die Fluch! über die Dächer sich retten. Der Unteroffizier konnte schließlich verhaftet werden.

Aus dem Reiche.

Die Regimentsfeiern wieder gestattet.

B e r l i n, 7. Oft. Der preußische Minister des Innern hat die Regimentsfeiern auch außerhalb gedeckter Räume wieder ge­stattet. Waffen darf nur die Gewehrsektion mit sich führen. Aufteizende Bezeichnungen sind verboten.

DaS neue Beamt en recht.

Berlin, 7. Oft. Unter dem Borsitz des Präsidenten des OberverwaltungSgecichtS, Staatsministers a. D. Dr. Drews fand eine Verhandlung über das neue Beamten- r e ch t statt, an dec neben Regierungsvertre­tern Delegierte der Spitzenvrganisationen der Beamtenschaft teilnahmen. ES fand der Vor­schlag beifällige Aufnahme, die Beamten­eigenschaft durch Aushändigung einer Be- stallungsurfunde zweifelsfrei festzustellen. Da­neben soll aber auch eine Anstellung auf Zeit möglich sein. Das Ausscheiden eines Beamten auS dem Dienst soll auf seinen Wunsch jeder­zeit möglich sein. Bei pvlittschen Beamten soll die Versetzung in den einstweiligen Ruhe­stand jederzeit möglich sein. Die Verhandlun­gen werden heute fortgeführt werden.

zum Nachmittag vorher ohnejed« Verbindlichkeit.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v 27 mm Breite örtlich 400 Pf., auswärts 500 Pf.: für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite ItzOOPf. Bei Platz- Vorschrift 20 °/e Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz: für den übrigen Teil. Ernst Blumschein; für den Anzeigente,l: Hans Beck, sämtlich in Dietzen

London, 6. Oft. (WTD.) 3nfolge des LerOgebnislosen Verlaufs der bis­herigen Verhandlungen in Mudania hat sich die Krisis im nahen Osten verschärft. Den Dlättern zufolge ist die Kriegsgefahr tote* der aufgelebt. Von amtlicher britischer Seite wird die Lage als sehr heikel bezeichnet.Pall Mall and Globe" schreibt: Krieg und Friede im nahen Osten liegen wieder auf des Messers Schneide: die Konferenz der Generale in Mu- dania ist gescheitert. Die Berichte, die heute von General Harrington eingetroffen sind, besagen, daß der türkische Vertreter in anmaßen­der Haltung den Standpuntt eingenommen habe, daß die Angora-Regierung den Alliierte,t ihre dingungen diktieren könne und Forderungen un­terbreitet habe, die vollkommen außerhalb der Konferenz von Mudania liegen. Die Konferenz sei wegen politischer und nicht wegen militäri­scher Fragen zusammengebrochen. Die Türken hätten Bedingungen .aufgestellt, die weit über die in der Pariser Rote zugestandenen hinaus- gingen, ohne sich selbst bereit zu erflären bte Bedingungen dieser Rote auszuführen. Die Aus­sicht auf Wiederaufnahme der Verhandlungen scheine in ziemlicher Ferne zu liegen.

Paris, 6. Oft. (WTD.) Wie dasJournal des Debats" meldet, haben die nach Konstanti­nopel zurückgekehrten alliierten Generale bort heute eine wichtige Unterredung mit den alliierten Oberkommissaren gehabt. Daß die Kon- fererrz von Mudania heute nachmittag wieder zusammentreten könne, nehme man nicht an. Trotz der pessimistischen Kommentare der englischen Presse von heute morgen scheinen nach dem Blatte die Aussichten auf eine Verständigung, sowohl hinsichtlich des Wafsenstillftandes, als hinftchtlich der endgültigen Friedensregelung nicht merklich in die Ferne gerückt zu jein; keinerlei fundamen­taler Grundsatz erscheine in Frage gestellt. Aur die Einzelheiten der Durchführung, insbesondere hin­sichtlich Thraziens bildeten anscheinend den Gegenstand der Erörterungen.

London, 5. Oft (WTD.) Reuter erfährt von unterrichteter Seite, daß Folgendes die Gr- flärung der plötzlichen Aenderu ng der Lage im nahen Osten ist: Anscheinend gin­gen die Verhandlungen in Mudania bis gestern abend ziemlich gut von statten, obgleich die Türken so viel wie irgend möglich zu er­halten strebten. Gestern jedoch wurden sie sehr anspruchsvoll in der ostthrazischen Frage und verlangten die sofortige Besetzung, wollten jedoch keinerlei Bürgschaften für die Minderheiten usw. geben. 5)led führte zur Auf­werfung einer politischen Frage, die die Muda- niaoknserenz nicht befugt war, zu behandeln. 3n- folgedessen kehrten die drei alliierten Generale nach Konstantinopel zurück, um die Angelegenheit dem Obeckom- missar zu unterbreiten. Der britische Oberkommissar hat jetzt die letzten türkischen For­derungen nach London übermittelt, um Weisun­gen zu Abalten. Soweit in London bekannt ist, ist die augenblickliche Schwierigkeit nicht durch die Haltung der griechischen Generale verursacht wor­den, sondern allein durch die unnachgiebige Hal­tung der Türken. Soweit Griechenland in Be­tracht kommt, ist noch nicht bekannt, welches die Haltung der griechischen Regierung oder des griechischen Volkes ist. Deniselos hat London verlassen, nachdem er dem Grundplan des Pa­riser Abkommens so gut wie zugestimmt hat, mit anderen Worten, er hatte sich in das Unvermeid-

Wochenruckblick.

Der französische Finanzminister de Ba­ffe bei te konnte am Donnerstag seinem s Bolle ein günsttgeS Bild innerer wirtschaft­licher Verhältnisse malen eS ließe sich mit keinem Gedanken auf die deutschen Ge­staltungen und Aussichten übertragen. Trotz­dem tun die ftanzösischen Staatsmänner fort­gesetzt so, als spiele Deutschland einen betrü­gerischen Bankrott, indem eS nebenbei in gro­ßen Zügen seine Wirtschaftsanlagen ausbaue und verbessere. Da war es gut, daß Mac K e n n a, der frühere brittsche Schatzkanzlerund Chef der vornehmsten englischen Bank, auf dem Kongreß der amerikanischenBan- kierS einmal ausführlich auseinandersetzte, was bei der Dettachtung Deutschlands Schwindel, und was Wahrheit ist.Z u k e i - ner Zeit wird Deutschlands ausführbarer Ueberschuh genügen, um es in den Stand zu setzen, die in dem Londoner Ultimatum gefor­derten IahreSzahlungen zu leisten, und daß Deutschland das heute tun kann, ist völlig ausgeschlossen." DaS ist also eine vernichtende Kritik der Versailler Politik. Mac Kenna lei­stete unS aber noch einen größeren Dienst. Er wieS nämlich nach, daß es eine Unwahrheit ist, Deutschland habe absichtlich seine Währung entwertet. Auch höhere Steuern würden seine Gläubiger nicht befriedigen, denn es muh D e- oisen kaufen, um Entschädigungen zu bezah­len Und diese Praxis entwertet die Mark immer mehr. Sehr wichtig war, was der eng­lische Finanzmann über die Aus land - werte sagte, die zahlreiche Deutsche besa­hen; er schätzte sie auf nicht weniger als eine Milliarde Dollar, einen Bettag, den Key­nes, der sich zu der Rede bereits geäußert hat, als viel zu hoch angenommen bezeich­net. Ein zwangsweiser Verkauf dieser AuSlandwerte sei nicht durchzusetzen. Sie seien zu einem bettächtlichen Maße der Er- ttag von Verkäufen in Mark, die von Deut­schen auf den ausländischen Markt geworfen wurden, unter der wohlbegründeten Befürch­tung, daß der Druck der Entschädigungszah­lungen ihren Wert rasch vermindern werde. Beseitigt diesen Druck", m7~ Kenna aus,unddieMarkwirdsichsv-

liche geschickt.

Kabinettsrat in London.

London, 6. Oft. (WTD.) Das Kabinett trat heute mittag um V,12 Uhr zusammen, um die Lage zu erwägen. Lloyd eorge führte den Vorsitz: zahlreiche Minister nahmen an der Sitzung teil. Rach ihrem Ende reiste Lord Curzon un­verzüglich um 2 Uhr nachmittags nach Paris ab, um sich mit der ftanzösischen Regierung zu beraten. Die Lage wird augenblicklich als kritischer denn je angesehen, selldem Mustapha Kemal Pascha in die neutrale Zone einge­drungen ist. Die Kemalisten glaubten, die er­strebten Ziele sicherer durch Kampf zu erreichen, als durch Verhandlungen. Erne gut unterrichtete britische Seite erklärt, es sei jetzt ziemlich klar, daß der von französischer Seite auf die Türken ausgeübte Einfluß nicht gerade der günstigste zu sein scheine und daß die plötzliche Versteifung der Haltung der Türken auf diesen Einfluß zurückzuführen sei. Die Dlätter erflären, der Einfluß Franklin Douillons habe sich, wie verlaute, gegen einen Erfolg der Konferenz gerichtet. Lloyd George soll ausgedrückt haben, daß er für den Fall des Schetterns seiner Demühungen für den Frieden dem Könige unverzüglich anraten werde, beid Häuser des Parlaments zusammenzuberufen. ekamen zu früh machte, durch ministerielle Ver­fügung nicht zugelassen toorben, das habe nieder­druckend auf ihn gewirkt. Seit dieser Zeit habe sich der Einfluß Günthers geltend gemacht. Ernst Werner sei stets ein bescheidener offener Kerl ge­wesen, der die Kameradschaft pflegte: es sei ihm, dem Zeugen, unfaßbar, wie dieser sonst so weiche Jüngling zurBeteiligung an einer so ungeheuer- liehen Tat kommen konnte. Einige Tage nach dem Morde fei der Zeuge mit seiner Frau nach seinem Gute zurückgekommen, und habe Ernst Werner dort vorgefunden. Am nächsten Morgen sei die Zeitung gekommen, in der die Dcüder Techow genannt wurden. Er habe seinen Re­volver genommen mit der Absicht, ihm den­selben zu geben, damit er sich erschieße. Sein Reffe fei kreidebleich geworden. Er sagte, er sei

Ur. 2.56

Erscheint täglich, «ßer Sonn, und Feiertags, mit berSamstaqsbtilage ViehenerFamilienb lätter Monatlich« ver»L»preise: Mir. 102.- undMK. Z.- Trägerlohn,durch diePost Mk. 125. - .auchbeMtcht- «scheinen einzelner Num­mern infolge höherer Gewalt.- Fern sprech- AnschUisse: für dieSchrift- kitung 112; für Verlag gwb Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten^ Anzeiger Etetze».

post1che<ttomo:

Wolff-Bureau hat ausführliche Widerlegun­gen von deutscher Seite angekündigt. Wir wol­len hoffen, daß sie furchtlos und energisch ge

Erster Blatt 172. Jahrgang

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Die Veröffentlichung der Erinne­rungen des früheren Kaisers hat < bisher zur Kriegsschuldfrage noch nichts we- i sentlicheS beigettagen. Wir warten ab, was ) Wilhelm II. zu diesem Hauptkapitel zu sagen haben wird, aber wir werden uns kaum viel > davon zu versprechen Haden. Die Darstellun- , gen des ehemaligen Monarchen sind über­raschend oberflächlich. Man erkennt, daß er doch eigentlich ein innerlich unsicherer, in seinen Entschließungen vielfältig abhängi­ger Fuhrmann durch die Fluten politischer Bedrängnisse gewesen ist. Wie matt und äußerlich ist er in seiner Kritik des eisernen Kanzlers Bismarck, dem e r mangelnde Kennt­nis der Weltpolitik vorwirft! ES überwiegt der Eindruck: nüchterner EintagSdilletantismus stand dem überspannenden Staatsmannsblick des Reichsgründers gegenüber, der für sein Handeln immer die rechte Stunde wählte und der Mittelmäßigkeit unverständlich bleiben muhte. Auch die Aera Bülow und Bethmann- Hollweg werden durch die kaiserliche Beurtei­lung in einen mangelhaften Rahmen gestellt. Das rein Gesellschaftliche überwiegt und ent- bet. Bülow verletzt seinen Herrn, den er nach dessen eigenem Wort verwöhnt hatte, bei der Beilegung des Rovembersturms von 19O8, und Bethmann erhält ohne beweiskräftige , Begründung das Zeugnis der Unzulänglichkeit in seinem Amte. Etwas überraschend erklärt der ehemalige Kaiser, sowohl die Reichsver­fassung als auch die Praxis Bethmann-Holl- wegS hätten dem Monarchen nicht viel Raum und Möglichkeit zu eigner Initiative verstattet. Wilhelm II. lieh sich von Äußerlichkeiten lei­ten und mochte fühlen, daß ihm bei großen Entscheidungen der Mut eigner Verantwor­tung fehlte. Sein Buch wird bei etwa bevor- stek^nder Revision des Versailler Verttages dem deutschen Volke nicht viel Nutzen bringen.

Die innerpolitische Kraft der Deutschen wird überhaupt in der Gegenwart durch zu viel bittere Erinnerungen und Streitereien zer- legt und zersplittert. Der Prozeß Rathe- fn mH Mac uau vor dem Staatsgerichtshof freilich ver- *..... ' mag zu dem bekannten Tatbestand nicht viel

fÄrt horKsffom I hinzuzutun; die Jünglinge, die da vor den

f »nnnfAe Qß/effe äußerte im allae- Schranken stehen, sind in jeder Weise unreif, säSs fefen

«X nber anfanas nach- die endgültigen Friedensbedingungen wogt.

«paraWDÖlem au» die Frage der

B®eÄ8 ÄÄS 2lber gibtin anderen Lagern Nichtmetalls nnfaN-n und !hm tiSw drückende Männer von Takt und -^°ntatw°r W,r. AbhängigkeitSpflichten auflegen wird, wie sie kung? Kann durch ietzt Oesterreich für die ihm gewährte inter- taten Eberts un <5al(e fcer Neuwahl die Prin nationale Anllik^ttägt/Herr^isteverie hat SiPielle Frage entschieden werden, welcher uns in dieser Ziehung Aussichten eröffnet, Weltanschauungsrichtung ^e Führung des von denen man noch nicht recht weiß, ob sie Reiches anverttaut werden soll? D^ Reichs- etwa auf dem alten Programm der Zerflei- regierung will dem AetchStag den Deze schung des deutschen Reiches erwachsen sollen, termin für tue Wahl dorschlagei^ unb bie Möge Amerika als ein tatkräftiger Mit- Parteien scheinen in ihrer Mehrheit gen^g arbeitet bei ber Regelung der internationalen sein, diesem Vorschlag zuzustlmmen. Die Finanzftagen baldigst gewonnen werden! Deutsche Volkspartei tritt für eme Verschie- $ y . Jt t . bung der Wahl deS Reichspräsidenten bis zur Der Reichskanzler Dr. W i r t h hat einen Neuwahl des Reichstags ein, die verfassungs­schüchternen Anlauf unternommen, bis zur mäßig im Jahre 1924 stattfinden muß. Man Brüsseler Tagung auch die Schuldfrage in d^sen Kreisen, wie dieNationallib. für uns besser zu stellen. Die Veröffentlichung Korresp." schreibt,eine tiefgehende Beun- neuer, d. h. bisher unbekannter russischer ruKtgung des ganzen Volkes und eine Er- Dokumente zum Ausbruch des Weltkrie- i)er politischen Erregung für unver-

aeS hätte chreS geradezu sensatlonellen 3n= weidlich-. Dieser Standpunkt ist berechtigt und Halles wegen durch unsere Relchsregierung ^angreifbar in seinen Motiven. Anersprieß- noch ausgiebiger nutzbar gemacht werden mus° Iid) in ber Zeit der Fremdherrschaft die sen. Iswolsky hat von Paris auS in der tritt» Aufwühlung innerer Gegensätze. Im Vorlie­schen Woche vor dem Kriegsausbruch nach ^enben Falle isteines vielleicht ttöstlich: Die Petersburg gebrahtel, Deutschlanb ' - ~

macf)e alle Anstrengungen, um ben serbisch-österreichischen Konflikt auf seinen Herb zu beschränken! ES fürchte den Eingriff einer weiteren fremden Macht, daS heißt Englands! Damit wird der Lüge von der zielbewußten Enffesselung des Krieges durch Deutschland der Todesstoß ver­setzt. V i v i a n i, der damalige französische Ministerpräsident, hat sich nun beeilt, auf die Feststellungen des Reichskanzlers wortreich zu erwidern, aber er bekundet, die erwähnten russischen Publikationen noch nicht zu kennen!

Dafür verschwendet er seine Beredsamkeit an den Gegenbeweis, daß Frantteich guten Wil­lens gewesen sei, der Welt die Katasttophe zu ersparen. Dieser Beweis entbehrt aber der Durchschlagskraft, denn die diplomatischen Zu- rechtmachungen und Vorsichtsmaßnahmen, die Diviani anführt, beweisen eben nichts. Das

Samstag, 7. Oktober 1922

Swnahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis