Ausgabe 
7.1.1922
 
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Mark Geldstrafe verurteilt worden.

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7?//» Rose Rubn e r gut deckungen, daß die erste öffentliche Bekannt.

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Tiefatemüdungen machen. Dabei mutz Vie Ttalen- ntmunq neübt tverd-»n. b b burdh bie 'TTof-' die 2uft langsam und tief einziehen, dabei die Arme seitlich wagerecht hochheben, durch den leicht

Die Jrenfraqe.

London, 6. Ian. (WTB.) Zu dem Rücktritt Devaleras, der heute aus Dublin gemeldet wird, wird weiter berichtet: Bei der Eröffnung der offiziellen Sitzung des Sinnfein.Parlaments erklärte De- valera, durch die Unterzeichnung des Abkom­mens in London fei die vollziehende Autori­tät des Sinnfein-Parlaments unwiderruflich untergraben worden. Devalera sagte, das Ka­binett werde mithin zurücktreten müssen. und wenn das Sinnfein-Parlament ihn wieder­wählen sollte, so werde es seine Pflicht sein, ein neues Kabinett zu bilden. Die Politik dieses neuen Kabinetts würde dann sein, für die irische Republik einzutteten. die im Jahre 1919 konsolidiert worden sei und diese mit allen Kräften nach außen hin zu verteidigen sowie den britischen Vorschlägen auf dieser

Die Bolschewisten unb die Karelier.

Kopenhagen. 7. Ian. (WTB.) Rach einem Helsingforser Telegramm der ..Ratio­nal Lidende" haben die Karelier neuer­dings Eostamus besetzt, wodurch sich ihre Lage verbessert hat. DiePrasnaja Gazetta" schätzt den Wertverlust der Russen auf 1 300 000 Goldrubel. Die Karelier beschlag­nahmten 400 000 Tonnen Getreide. 270 000 Kilogramm Fleisch, 16 000 Kilogramm Zucker. Bei den Kämpfen bei Majalhti und bei Por- muf und Oulanvansum wurde das Kirchspiel Oulaga von den Bolschewisten befreit. In den

Streit mit Frankreich befinde, könne keinem Gcldoeber Vertrauen einflöhen. Aus diesem Grunde sei eine S ttspannung notwendig, nid) nur für die oeiüen Rationen, sondern aud) für das materielle Leben aller Länder. Das könne jedoch nur gescheiten, wenn das Problem der Reparationen gelöst sei. Deshalb müßten sich England und Frantreich gegenseitig für den Fall eines deutschen Angriffes ihre Sicher­heit garantieren. Ferner müsse Deutschland den englisch-französischen Abmack)ungen bei­treten. indem es fick) aus freien Stücken verpflichte, die Entmilitarisierung des Rheitt- landes zu respektieren und indem es das Ver­sprechen entgegennehme, daß nichts gegen die Unabhängigkeit und Integrität des Reiches unternommen werden würde.

Rückreise Nathenans.

Paris. 6. Jan. (HavaS.) Der frühere deutsche Minister Rathenau hat heute abend 7 üf)r Paris verlassen und sich nach Berlin begeben.

Sitzung des Cbcrftcn Rates.

Paris, 6. Jan. Der heute vormittag abgehaltenen Sitzung des Ober st en Rates wohnten bei: Bon französischer Seite Ministerpräsident Briand. die Minister Doo° mer und ßoucheur. von englischer Seite Llvhd George, der Minister des Auswärtigen Lord Eurzon, der Handelsminister Sir Robert Horne und der Kriegsminister Sir Forthington Evans, von Üalienifd)er Seite Ministerpräsi­dent Bonomi, Außenminister della Toretia und Wiederaufbauminister Raineri, von japa­nischer Seite der Botschafter in London Hahanthi und der Botschafter in Paris Vi­comte Iehii, von belgischer Seite Minister­präsident Theunix und Außenminister Jasper, endlich als offiziöser Vertteter der Vereinigten Staaten der amerikanische Botschafter in Lon­don Harvey.

zeichneten Mächte erklären sich damit einverstan­den, daß Li ses Verbot sie bereits jetzt unle.ein­ander bindet, und ersuchen die anderen Völker, ihm zuzustimmen. Der Ausschuß vertagte ' ' auf morgen 11 älhr.

Oiten, in denen die Roten Hausen, ist die Rot groß. Alle Pferde und Männer wurden fort-

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geschleppt.--

Aus dem Reiche.

Braunschweig vor den Wahlen.

Braunschweig. 6. Jan. Die

mann und der 29jährige Schlosser Dietrich Dickmann zu acht bzw. vier Monaten Gefäng­nis. der 21jährige Wilhelm Brinkmann

. feststellen zu müssen, daß

ein Teil der Zuhörer wohl den Sinn des Spieles nicht recht erfaßt hatte; zu lachen gibts bei Ibsen doch wahrlich nichts. Das kunstverständige Pu­blikum dagegen und man möchte meinen daß in einer Stadt wie Gießen es daran nicht fehlt - sollte es sich angelegen sei-n lassen, die Theater­leitung durch regsten Besuch In dem Bestreben zu fordern, in unserem Stadttheater die seichte Tages­ware so selten wie möglich, wirklich Gediegenes aber recht oft zu bieten. Die gestrige Aufführung hatte eS verdient, ausverkauft zu sein; sie war c3 leider nicht.

* . *

Darwins Rivale.

(3u Alfred Rüssel Wallaces

10 0. Geburtstag.)

ES ist eins der merkwürdigsten Zusammen- tteffen In der Geschichte der menschlichen Ent-

Giehener Stadttheater.

Henrik Ibsen:Hedda Gabler«.

Gießen, 7. Jan. 1922.

Gabler" gehört zu den Werken des großen Rorwegers, in denen im Gegensatz zu seinen vorhergehenden Dramen neben der genialen Wlrll^chke.t ze.ch^ u-ig drS P ychvlogisch-Syrnbo- llsche mehr hervortritt. Eine Tragödie von Men­schen, die aneinander gebunden sind, ohne daß einer zum andern gehört und die teils zu schwach tells zu feige sind, chr Schicksal zu ändern, selbst zu gestalten, ist dieses Schauspiel. Auch hier ver­mißt man wohl, wie überhaupt nicht selten bei Ibsen, die Lösung der von ihm aufgerolllen Fra- gen wird aber durch das dem Dichter eigene fein­fühlige Rachspuren in Seelen und durch seine scharfsinnige Gedankenführung voll in den Dann des Spiels gezogen. Es ist eben für den Natu­ralismus typisch, daß es seinen Meistern - man denke an unseren Gerhart Hauptmann zwar nicht oder nur in geringem Maße gegeben ist Charaktere aus sich heraus zu bilden und Ideen zu weisen, daß sie aber in den Werken, die ihnen gelangen, mit treffender Schärfe Menschen, wie sie sind oder doch sein können, zu zeichnen verstehen.

Arme leicht heruntersinken lassen. Wer irgend kann, meide menschenerfüllte Räume, EaseS, Kinoö Theater, Eisenbahnfahrten. Auch sorge man für gute Luft in Werkstätten. Wohn- und sonstigen Arbeitsräumen, insbesondere In den Schlafräumen. Kleider und Betten müssen in sol­chen Zecken besonders gelüftet, geklopft, gereinigt und wenn irgend möglich, gesonnt werden. Haut­pflege treiben, vor allem Hand-, Mund- und Gesichtspflege. OTlan reinige die Hände oft und gründlich, das gleiche gilt für Mund und Zahns Warme Vollbäder mit ganz kurzer kalter Ab- reil ung sind außerordentlich wertvoll. Zede Woche sollte man vorbeugend einmal schwitzen, aber immer mit nachfolgender kurzer kühler Ab­waschung.

Vornoten.

Tageskalender für.Samstag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, heute urfo" morgen: Herzogin Satanella".

T a g e s k a l e n de r für Sonntag: Stadttheater, 3älhr:Sneewittchen und die sieben Zwerge"; öy2 Plhr:Die Tanzgräfin". Reue Aula, 5 Uhr: 5. Konzert des Gießener Konzert- vereins.

Der Deutschvölk Ische Schutz- und Trutzbund veranstaltet am kommen­den Dienstag im Hotel Großcherzog einen Vor­tragsabend, auf dem Studiemat Kauer (Wey-» lar) überDie deutschvölkische Bewegung und ihre Gegner" spricht.

Stenographie. Der Gabelsber- ger Stenographenverein von 1861 und der Da­menverein Gabelöberger eröffnen am Montag, dem 9. d. M., abends 7 Ußr, in der Dezirks- schule (West-Anlage) wiederum einen An­fängerlehrgang für Damen und Herren. Da die Stenographie heute ein unentbehrliches Hilfs­mittel für alle schreibenden Berufe ist, sei auch an dieser Stelle darauf aufmerksam gemacht. (RähereS siehe heutige Anzeige.)

DerKaninchenzuchtverein begeht heute abend (7. Januar) im Katholischen Vereins- Haus bes Theater, Gesangsfort rügen, Konzert, Verlosung und Tanz seine Weihnachtsfeier.

Kreis Friedberg.

Wölfersheim, 5. Jan. Vorletzte Rächt wurde das Barackenlager des hiesigen Elektrizitätswerkes durch einen Brand vollständig vernichtet. Die zahlreichen in den Gebäuden wohnenden Arbeiter konnten nur das nackte Geben retten.

Starkenburg und Nhernhessen.

e. Offenbach a. M., 6. Jan. Die Zahl der Erkrankungen an G r i p p e ist hier ständig im Wachsen, so daß die Ferien an den Schu­len anfänglich bis zum 9., und jetzt bis zum 16. Januar verlängert tüurbcn. Aerzte und Apotheken sind außerordentlick) stark in An­spruch genommen. Wenn auch die Krankheit meistens gut verläuft und nach 10 bis 14 Ta­gen behoben ist, so ist dock) auch schon eine ganze Reihe von Todesfällen vorgekommen, verursacht durch hinzutretende Lungenentzün­dung oder Kopfgrippe. Auch eine noch red).1 ju­gendliche Krankenschwest-"- wurde im über­füllten Städtisck)en Krankenhause ein Opfer ihres Berufs. Viele Betriebe sind durch die Massenerkrankungen in ihrer regelrechten Ar­beit empfindlick) gestört.

mc. Worms, 6. Jan. Gegen die Verunreinigung des Rheins, na­mentlich zwischen Mainz und Worms, soll jetzt mit aller Energie durch Strafen Front ge­macht werden. Die Fabriken werden sämtlich angehalten, Kläranlagen zu errichten. Auch der Auffrischung der Fischbestände soll lebhaf­tes Augenmerk geschenkt werden, da sonst mit dem völligen Eingehen der Fischerzunft in wenigen Jahren gerechnet werden muß.

Hessen-Nassau.

fpd. Frankfurt a. M., 6. Jan. Der Kri­minalpolizei ge'ang am Lonrerstagabend nach langer Arbeit ein großer Fang. Sie wußte, daß sich in Frankfurt die Dmte aus einem großen Ledcrd ebstall re bergen befand, und trat in geschickter Weise als Kau e ii bei den Hehlern auf, die auch promvt auf die ihnen gestellle Falle hereinficlen. In dem Augenblick, als in einer Mansarde der Lederlauf vollzogen werden sollte, traten wie von ungefähr Kriminal eirnte in den Raum, nahmen die ganze Gesellschaft fest und beschlagnahmten für mehr als 5 00000 Mk. Leder. Ferner fand man eine Fülle von mo­dernsten Einbrecherwerkzeugen, Strickleitern, Sauerstoffgebläse und Deelleidungen aller Art.

gestaltet. Ihre Hedda war am besten wohl da wo sich in ihrem Spiel der Konflikt zwischen ihr und der Gedankenwelt ihrer Umgebung auftat Ruch die Frau Elvsted Karla Kellers zeugte davon, daß diese in den Geist ihrer Rolle voll eingedrungen war, wobei die Zeichnung des Gegensatzes zu der Ratur Heddas besonders ge-

Wolf L e u t h e i s e r gab seinem Tesman eine Reihe recht fein beobachteter Züge; Wladimir Brandes verdient A'erkennung sür den Ejleri Für das erkrankte Fräulein Marcks war Frl' B a l l i n vom Hanauer Stadttheater als Julia Tesman eingesprungen; man lernte in ihr eine tüchtige Darstellerin kennen.

und die 'Beschlagnahme verzichten und dem Han- delsschcff erlauben, seinen Cökj weiter fortzusehen. Iie unterzeichne en Mäch e fordern alle anderen Hiülific ten Völker auf, ihre Zustimmung zu den Forderungen des Menschenrechtes zu ge'.en, da­mit auf der ganzen Welt ein klares und öffent­liches Otbfommcn über die einzunehmende Hal­tung bestehen kann, auf Grund dessen die öffent­liche Rieinung der Welt über tünftige Krieg­führende ein Urteil fällen kann. 3. Die unten» e chneten Mäch e erkennen die praktische ilnmäg- llch.eit an, die Linkerseeovote als Vernichter des Handels zu verwenden, ohne dadurch, wie es cm Lause des Krieges 1914 18 geschah, die all­gemein von den zioili teilen Völkern jum Schutze C-cr Reutialen und Richtkämpfec angenommenen XejeLi zu verletzen. Sie fordern, daß das Ver­bot der Verwendung 6er Ünterfecboote als Zer­störer des Handels allgemein als eine Forderung der Menschmrachte anc damit werde. Dir umer-

Wenn man eine Würdigung der gestrigen Aufführung geben will, so ist man tietlucrt, nur das au rühmen, waS Adolf Telekh bot. Sein Brack war bis in die kleinste Geste hinein eine fv vollendete Leistung, daß sie dem ganzen Abend den Stempel aufdrückte. Der Künstler gab aus eigenstem Können jeder Szene, in der er anftcat, seine per önliche Rote; man mußte ihm diesen Ich-Menschen glauben.

machung der Darwinschen Theorie vor derselben Körperschaft und an demselben Tage erfolgte, an dem zugleich die Abhandlung eines anderen eng­lischen Gelehrten vorgelegt wurde, der unabhängig von ihm zu ganz ähnckchen Ergebnissen gekommen war. Am 1. Juli 1838 wurde In der englischen Linne-Gesellschast Darwins Abhandlung über die Veränderung der Arten und die natürliche Aus­lese vorgetragen, und in derselben Sitzung kam ein Aufsatz von Alfred Rassel Wallace zur Er­örterung, der sich mit derTendenz der Abwei­chung der Arten vom originalen Typus" beschäf­tigte. So wurde Wallace, her große englische Naturforscher, dessen 100. Geburtstag auf den 8. Januar fällt, zumRivalen Darwins", aber er hat deshalb dem großen Meister seinen Ruhm nicht geschmälert, denn die Priorität Darwins steht heute unzweifelhaft fest, da er schon viele Jahre vorher seine Theorie seinen wissenschaft­lichen Freunden auseinandergesetzt hatte. Lieber- Haupt ist durch diese Zusammenstellung mit Dar­win die Bedeutung Wallaces in ein falsches Licht gerückt worden, denn seine Stärke lag nicht in dem theoretischen Aufbau eines Systems,'in der logisch scharfen und mehr philosophischen Vertie­fung eines Einzelfalles zu einem allgemeinen Gesetz, sondern er war ein Forscher, den gerade die Fülle der Einzelheiten, der vielgestaltige ver­wirrende Reichtum der Ratur zum Studium, zur Sammlung und zur Darstellung anregte. Als be­schreibender Zoologe, als kühner Forschungsreisen- der und Sammler hat er Unrergängliches geleistet, feitbem er sich im Jahre 1818 auf seine erste wissenschaftliche Expedition nach Brasilien begab. Auf dieser Reife enthüllte er als. Erster den

Die Antwort des WLeder- Herstellungs-Ausschusses.

Berlin, 6. Jan. (WB.) D e R e i> a r a» tionskom Mission erteilte txute auf die von drr Kriegsla st enkom Mission am 3 Ja­nuar übergebene Rote folgende An two rt: Dce Reparationskommission beehrt sich, der Kriegslastenkommission den Eirp ang ihres Schrei­bens vom 3. Oaruar zu bestätigen, in dem mit» geteilt wird, daß die deu sche Regie ung es für arg.zeigt craJ.t:t sich im gegenwär lgen Au-cn- blick einer A.u erung auf die in dem Schreiben der Kommission vom 16. Dezember genannten Fragen JU enthalten. Demg genubsr kann die Kommission nur die Erklärung ohne Kommentar und ohne zu den von der K iegslastenkommission angezogenen Gründen Siel u g zu nehmen, wieder­holen, die sie den Vertretern der deu.schm Re­gierung^ am 29. Dezember mündlich abgegeben Oabe, nämlich, daß die deutsche Regierung allein berufen ist, die Zweckmäßigkeit einer Antwort oder die Hinterlassung einer Antwort auf das Schreiben vom 16. D:zember sowie die Frage des Zeitpunktes einer Antwort, sofort od.'r später, zu beurteilen, daß aber immerhin das in d m Schreiben der d Nischen R g crung vom 14. De­zember vorgebrachte S undangsgesuch von der Kommission erst nach Empfang der in dem Schrei­ben vom 16 Dezember bezeichneten Erläu erun- gen wurden geprüft werden tämen. Die Ste« parationskommission weist die deu sche R gterung darauf hin, daß sie durch Abgabe dieser hierdurch wiederholten Erklärurg ihr volle Verantwort­lichkeit für ihre Entschließungen überlassen hat.

Anm. d. Red.: In der Rote der Kriegs­lastenkommission vom 3. Januar wurde die Er­wartung ausgedrückt, daß die Reparationskom- mission damit einverstanden sein werde, wenn die deutsche Regierung sich im Augenblick einer weiteren Arußerung zu den bekannten drei Fra­uen enthalte, die in der Rote der Reparations­kommission vom 16. Dezember geftlelt worden sind. Die vorliegende Antwort der Revarations- kvmmission vom 16. Dezember gestellt worden Zeitpunkt der Beantwortung, indem sie darauf aufmerksam macht, daß die ^Prüfung des Stun­dungsgesuches der deutschen Regierung vor der Beantwortung von drei Fragen ihrerseits nicht erfolgen könne. Wie bekannt, sind die alliierten Regierungen seit längerer Zeit mit der allge­meinen Prüfung der Reparationsfrage befaßt worden. Die Antwort der Reparationskommifsion greift dem Ergebnis dieser Prüfung nicht vor und stelll eine sachlich nicht zu beanstandende Antwort auf das Schreiben der Kriegslastenkommissivn vom 3. Januar dar.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 7. Jan. 1922.

** Futterplätze für Vögel. Die seitherige milde Witterung kam ganz beson­ders den gefiederten Sängern in Feld und Wald zustatten, sie fanden noch immer ihren Tisch gedeckt. Mit dem fortgesetzten Schnee­fall ist aber für unsere Lieblinge in Wald und Flur bittere R^t hereingebrock)en. Schwer ha­ben sie nun um thr Leben zu kämpfen, und Hun­ger und Kälte werden viele Opfer unter ihnen fordern. Um die Tiere wenigstens soviel' wie möglich vor dem Hungertode zu bewahren, sollte man überall, wo es angängig ist, Futter- Plätze errichten. ra.

** D i e Volkshochschule kann, wie uns mitgeteitt wird, alle Kurse, die in der Oberrealschule und imRealghm- n a s i u m stattfinden, noch nicht wieder begin­nen, da die Schulen noch geschlossen sind.

** Wäschedieb st ah l. In der Rächt zum 5. d. M. wurden in hiesiger Stadt auö einem Wäsche-Trockenraum vier weißlcinene, wertvolle Bettücher, drei davon gez. ß. H., das övierte ohne Zeichen mittels Rachschlüssels ge­stohlen. Dor Ankauf wird gewarnt.

* Oeff entliehe Bücherhallle. Im Dezember wurden 1468 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 873, Zeitschriften 146, Iuaendschriften 141, Litera­turgeschichte 8, Gedichte und Dramen 26, Län­der- und Völkerkunde 48, Kunstgeschichte 15, Geschichte und Biographien 57, Kunstgeschichte 9, Raturwissenschaft und Technologie 65, Heer- und Seewesen 4, Haus- und Landwirtschaft 2, Gesundheitslehre 6, Religion und Philosophie 32, Staatswissenschaft 5, Sprachwissenschaft 16, Fremdsprachliches 15 Bände. Rach aus­wärts kamen 32 Bände.

** W i e schützt man sich vor der Grippe? Man kann über die stlrsachen der Grippe verschiedener Meinung sein, sicher ist aber, daß die Verbreitung zunimmt bei trübem, feuch­tem, nebligem Wetter, und daß die Krankheit ab­flaut, sobald der Himmel wieder klar ist, sobald die Sonne wieder scheint und trockenes Wetter

Die Washingtoner Konferenz.

Neue Beratungen im ^-lottenansschnft.

Washington, 6. Jan. (WTB.) Havas. Die F l o 11 e n ko m m i s f i o n hat heute nach­mittag mit der Desvrechung der älteren Ent» Schließung R o o t s, die nunmehr in die erste und zweite Entschließung zerfällt, begonnen. Schan- 3er erklärte, ihr unter den bekannten Vor­behalten zuzustimmen, und verlangte, daß man gleich festlegen solle, was unter Handels­schiffen zu verstehen sei. Die Engländer erllärten, daß die englischen und italienischen Gesetze den Handelsschiffen eine schwache Be­waffnung gestatteten, aber nur insofern, als sie zu Kriegsschiffen umgebildet würden. Schanzer stimmt dem zu. Die Besprechung wird fort­gesetzt, um sestzustellen, was ein bewaffneter Dampfer ist. Lord Lee sprach sich dann gegen bie Verwendung von Flugzeugen zu Angrissen auf Handelsdampser aus. öarraut er­klärte dann, daß Frankreich der ersten und zwei- sten Entschließung Roots zustimme. Beide wur­den einstimmig angenommen.

Annahme einer Entschliessung.

r W a s h i n g t o n, 6. Jan. (WTB ) Bei Be­endigung der heutigen Sitzung des ®e;amt|lotten- jMu»;d)uf|e3 wurde dn offizielles K ommu- n t q u e veröffentlicht. Die folgende vom Dor- ' sitzenden des ülnterausschusses für die Fertig­stellung des Wortlauts der Entschlie'mnq Roots vorgesch'agene Resolution bezüq ich der Unter- feebote wurde nach einer Aussprach? cinftim- mig angenommen: 1. Die unterzeichneten Machte wollen die von den zivilisierten Rationen zum Schuhe des Lebens der Richtkämpfer zur See in Kriegszeiten angenommenen Krieqsregeln wirksamer gestalten. Sie erklären, daß die fol­genden Regeln als vom Menschenrecht gelottert 8U betrachten sind: 1. Bevor ein Handelsschiff beschlagnahmt wird, muß ihm Zeit genesen wer­den, sich einer Llntersuchung zu unterwerfen durch die seine Eigenschaft festgest llt wi d. Ein' Han­delsschiff darf nur angegri fen werden, wenn es sich weigert, eine älntersuchung zuzugeben, und dann erst nach Warnung. Es darf ferner ange­griffen werden, wenn es sich lveigert nach den gegebenen Dorschristen zu fahren. Rach der Be­schlagnahme darf das Handelsschiff nicht ver­nichtet werden, wenn nicht zuvor die Besatzung und die Passagiere in Sicherheit gebracht worden stnd. 2. Die kriegführenden Unterseeboote sind in feiner Weise von den allgemeinen Regeln ent­bunden. die hier aufgeführt sind. Wenn ein ilnterfeeboDt dadurch, daß es sich an diese Regeln und das bei den Völkern bestehende Gesetz hält nicht kapern kann, so muß es auf den Angriff

fassungsgebende Landesversamm­lung hielt heute ihrs letzte Sitzung vor den Wahlen ab. Das Haus nahm gegen die Htimmen der Bürgerlichen das Gesetz, durch welches die Altersgrenze der Richter auf 68 Jahre festgesetzt wird, an. Dann er­folgte anläßlich der neuen Verfassung die Annahme eines Gnadenerlasses für politische Straftaten und die geringen Vergehen, die mit einer Strafe bis 6 Monaten bedroht werden, ferner für Vergehen der Abtreibung. Weiter genehmigte die Landesversammlung noch die Aufnahme einer Staatsanleihe von 30 Mill. Mark für unterstützungsbedürftige Kleinrent­ner, 150 000 Mk. zur Unterstützung hilfsbe­dürftiger, begabter Studenten. Darauf schloß der Präsident die verfassunggebende Ver­sammlung.

DaS Attentat auf Stresemann.

Berlin. 7. Ian. Rach einer Meldung derZeit" aus Hagen sind wegen der Re­volverattentate auf Stresemann in Lüdenscheid der 30jährige Ofenarbeiter Gustav Schmidt, der 42jährige Arbeiter Karl Drink­

erstaunlichen Reichtum an Tieren unb Pflanzen in den ilrmalbgebieten des Amazonenstroms unb des Rio Regro. Auch ein Vokabularium der indianischen Sprachen des Amazonengebietes brachte er mit heim. Seine wichtigste Forschungs­reise trat er 1851 nach den damals noch völlig unerforschten Inseln des Malaiischen Archipels an" und blieb hier 8 Jahre, von Insel zu Insel fahrend und seine Forschungen bis nach Reu-Guinea aus­dehnend. Er brachte eine Sammlung von mehr als 100 000 Insekten und über 8000" Vögel mit, und unter den zoologischen Reuhelten, die er der Wissenschaft schenkte, waren die ersten genaueren Angaben über die Lebensart des Orang-Utang und der erste befriedigende Bericht über den bis dahin von so viel Mystik umhüllten Paradies­vogel. Sein Reisewerk, das aus dieser Expedition entsprang,Der Malaiische Archipel, das Land des Orang-Utand unb des Paradiesvogels", ist ein klassisches, noch heute unveraltetes Werk der wissenschaftlichen Reiseliteratur. Im Verfolg dieser zoologischen Forschungen war er auch aus den Ge­danken von der Veränderlichkeit der Arten ge­kommen, durch den er sich mit Darwin berührte, und er hat noch später, im Jahre 1870, sehr be­deutsameBeiträge zur Theorie ber natürlichen Auswahl" veröffentlicht, die die Arbeiten des Meisters in wesentlichen Punkten ergänzten. Sein wissenschaftliches Hauptwerk dürfte wohl die Ar­beitUeber die geographische Verteilung der Tiere' sein, die gleichzeitig im Englischen, Fran- zwischen und Deutschen erschienen. Wallace war übrigens auch ein eifriger Spiritist, und nach ihm hat man ja noch verschiedentlich gefunden, daß gerade Raturwissenschastler sich besonders eifrig in die Welt des aleberlrdischen unb Wunderbaren vertieften*