Ausgabe 
6.10.1922
 
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Keuag, b. ©Bob« 1922

General-Anzeiger für Oberheffen

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_____ r 172. Jahrgang

GietzenerAnjeiger

Hr. 255

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Die neue Markbaisse. I

Nachdem eS eine Zeit lang den Anschein ge­habt hat, als ob die Mark sich freilich auf Grund des trostlosen Status von einem Dollar gleich 1400 stabilisieren wollte, hat einiger­maßen unerwartet eine neue Devisenhausse eingesetzt, die lebhaft an die schwarzen Lage im August erinnert, wo der Dollar (an dem anseligen 24 August) den betrüblichen Rekord 1973 amt­licher Notierung und bis zu 2400 im Freiverkehr erreichte Es klingt fast wie ein Märchen, wenn man sich heute erinnert, daß der Dollar im Mai 1920 mit 35 Mark, im Mai 1921 mit etwa 60 Mark bezahlt wurde, und daß er noch im Qanuar dieses (Zahres unter 200 notierte, um erst im März die ominösen 300 zu überschreiten, die man damals vielfach als nicht überbietbaren Tiefstand ansah.

Seitdem ist die Mark nicht langsam, aber sicher weiter gefallen, um, wie schon erwähnt, im August den katastrophalen Tiefstand zu erreichen, dem wir uns nach einer sehr dürftigen und kurzen Erholung leider mit Riesenschritten wieder zu nähern scheinen. Welche Ursachen hat nun die neueste Devisenhausse? Irgendwelche ernsten poli­tischen Momente liegen für die Markbaisse jeden­falls nicht vor; denn wie unklar und prekär auch die Lage au) dem Gebiete der inneren wie der äußeren Politik sein mag, so hat sie sich doch jedenfalls in den letzten Lagen nicht so zugespiht, um diese Deviserchausse za rechtfertigen. Die Ur­sachen müssen also auf wirtschaftlichem oder auf finanztechnischem oder auf rein spekulativem Ge­biet liegen, oder es können auch alle drei zu- sainmenwirken. Und sie tun es.

Darüber kann kein Zweifel bestehen, daß sowohl die Industrie wie der Großhandel als­bald nach dem letzten Rückschlag auf dem Devisen­markt beflissen waren, sich erneut einzudecken, da sie angeblich für Jmportzwecke dringlich einer Ausfüllung ihrer zusammengcschmolzenen Devisen­reserven bedurften. Demgegenüber wird behaup­tet, dah Industrie und Großhandel vielfach einer Seoisenrestaurierung huldigen, was natürlich da unsere passive Handelsbilanz ohnehin schon un­günstig auf die Valuta wirkt, zu einem starken Druck auf die Mark führen muß. Es ist hier immer wieder dieselbe Erscheinung festzustellen, daß der tiefgehende Valutapessimismus sofort einsetzt, wenn der Kurs der Mark sich nur ein wenig senkt, und die Furcht vor dem Mark- inten führt auf diesem Wege automatisch zum Warksturz.

Diese Entwicklung wird leider außerordent- ich begünstigt durch den groben, wiederholt festgenagelten Mißbrauch der neuerdings seitens einzelner Industrie- und Drohhandelskreise mit der Kalkulation und Fakturierung in fremden De­visen betrieben wird. Zwar haben derReichs- vcrband der deutschen Industrie" und derZen­tralverband des deutschen Großhandels" gegen die Zwangsregulierung in ÄttrslandwäHrung bei In- jlandkäufen Stellung genommen, aber anscheinend ohne sonderlichen Erfolg; denn es mehren sich die Beschwerden aus den Handelskreisen, daß zahl­reiche Fabrikanten immer noch in erheblichem Umfang Bezahlung in Auslanddevisen verlangen, wodurch natürlich die Kursbildung erheblich be­lastet wird. Zu alledem gesellt sich noch die wilde Spekulation, die sich gleich den Hyänen des Schlachtfeldes ansammelt, sowie sie beim Stei­gen der Devisen Gewinnchancen wittert. Es kann diesmal kein Zweifel darüber bestehen, daß neben den schon erwähnten Momenten, wozu sich auch noch etliche Markverkaufe im Ausland gesellt haben mögen, die reine Devisenspekulation in nicht unerheblichem Maße an der neuen Marlbaisse be­teiligt ist, die um so gefährlicher ist, da wir uns ohnehin in einer Zeit Der allgemeinen Preishausse befinden, die dadurch in ein noch schnelleres Tempo gebracht zu werden droht. Schon aus diesem Erunde erscheint es als dringend notwendig, daß die Regierung endlich einmal mit den so oft an» gekündigten Maßnahmen gegen den wilden De­visenhandel wobei vor allem an die Einfüh­rung einer Dedarfsnachweisepslichl für den An- l kauf von Devisen und Roten gedacht wird

Ernst macht Man weiß zwar, daß seitens der Bank-, Industrie- und Handelskreise allerlei Be­denken gegen eine solche Maßnahme geltend ge­macht werden, aber es ist schon so manches durch» «führt worden, wogegen Bedenken rn Hülle und Fülle vorlagen. Unt> hat doch genützt! . . .

Pros. Cinstein über die Not der Geistesarbeiter.

- London, 5. Okt. (WTB.) Die heutige erste ' Ausgabe des WochenblattesNews Leader" bringt Ausführungen des Professors Ein­stein über die wirtschaftlichen Verhält­nisse in Deutschland, die ein grelles Licht auf die Rotlage besonders der geistigen Arbefter in Deutschland werfen und als bemerkenswerte Er- flärungen des hervorragenden Gelehrten von der 1 englischen Tagespresse übernommen worden sind.

-Einstein schreibt, die Uitterernährung sei fast all­gemein unter den Kopfarbeitern und Studenten in Deutschland. Außerdem seien die Bücher so teuer geworden, daß das geistige Leben und die Entwicklung der Heranwachsenden Jugend ernstlich Darunter leide. Die Existenz wissenschaftlicher und künstlerischer Einrichtungen, insbesondere der Theater unb Zeitungen, sei mehr und mehr ge­fährdet. Einige seien schon untergegangen. Der Kampf um das Dasein unter den unabhängigen Künstlern, Musikern und Schriftstellern sei ver­zweifelt.

Eine Programmrede des französischen Finanzministers.

Paris, 5. Oft. (WTB.) Auf einem Fest­wahl, das die Pariser Handelskammer heute Ver­

des Räheren die Steuerpolitik der Regie-

un

dann tung

tage man seine

und ging schließlich auf die Reparations­ein. Er sagte, seit drei Iahten erlebe Enttäuschung auf Enttäuschung. Anstatt Verpflichtungen zu erfüllen, ziehe e s

Die Hilfe für Oesterreich.

Bern, 6. Okt. (WTB.) Der BundeS ° rat hat sich grundsätzlich bereit erklärt, sich an der Hilfsaktion für Oesterreich bis zum Betrage von 20 Millionen Franken zu be­teiligen. Ueber die formelle Seite der Frage, ob die Kreditaktion durch BundeSbefchluh oder auf dem Wege der Ermächtigung an den Bun­desrat oder eventuell durch Staatsvertrag zu regeln fei, ist kein Beschluß gefaßt worden.

erzielen.

Paris, 5. Oft. (WTB.) Havas meldet aus Smyrna, dah Dort Dreschen aus Mudania vor­liegen. wonach zwischen den alliierten Generalen Ab den türkischen Delegierten ein Abkommen getroffen worden sei, das folgende Grund-

Die Politik des amerikanischen Bankierkongreffes.

Reuyotk, 6. Oft. (WTB.) Der Resolu- iionsausschuh hat dem Da n k i e r k o n g r e ß empfohlen, zu verlangen, daß ein amerika­nischer Vertreter zum Mitglied der Reparativnskommission ernannt wird und dah die amerikanische Regierung unverzüg­lich eine Erklärung abgibt betreffend Die Grund­sätze, nach Denen sie mit Den anderen Ländern für die Wiederherstellung Europas Zusammenwirken werde. Ferner wurde empfohlen, Präsident H a r » ding zu ersuchen, von seiner Machtbefugnis Ge­brauch z,i machen, Die ihm Durch das Zolttaris- geseh verliehen wurde, und das Notwendige für Die Wiederherstellung des Handels zu tun, bis die Rationen imstande seien, die Waren, die sie in Den Vereinigten Staaten kaufen, zu bezahlen.

LonDon. 5. Okt. (WTB.) Einer Exchange» Meldung zufolge erklärte ein offizieller Wort­führer der amerikanischen Regie­rung erneut, dah, bevor Die Vereinigten Staa­ten Direkt mithelfen würden., Europa finanziell toi^erherzustellen, Die Ausländer sich bereit er­klären mühten 1. zu einer größeren Vermin­derung der Ausgaben für militärische Streit­kräfte. 2. zur Preisgabe von ungefähr 60 ProzentderdeulschenReParationen und 3 zur Preisgabe Der habgierigen imperia­listischen Bestrebungen, die zu einer Beunruhigung und zum Kriege führten. Auf Die Frage, ob Die Vereinigten Staaten es sich leisten könnten, einen Teil oder den Gesamtbetrag oder mehr als elf Milliarden Dollars, Die den Vereinigten Staaten geschuldet werden, zu streichen, erwiderte der Wortführer Der amerikanischen Regierung mit Dachdruck; Rein! Welchen Zweck hat es, Die große, dem amerikanischen Volke geschuldete Summe aufzugeben? Würde die Streichung Der Summe Europa reformieren, würde sie zur Auf­gabe Der großen Kriegseinrichtungen führen, würde die Preisgabe unserer Forderungen mili­tärische und politische Intrigen beseitigen?

R e u y o r k. 5. Okt. (WTB ) Präsident Sj a r- Ding hat an Den Kongreß Der amerikanischen Bankvereinigung eine Botschaft gerich­tet. in der er betont, dah die Kongreßmitglieder sich bemühen sollten, das Voll zur Befolgung einer wirtschaftlichen Politik zu veranlassen Von inter­nationalen Fragen ist in Der Botschaft nicht Die | Rede.

an stattete, hielt Finanzminister de La­st e Y e r i e eine Programmrede. Der Fi­nanzminister erklärte, die Richtausführung des Friedensverttages von Versailles sei die ilr- ache Der finanziellen Schwierigkeiten, und suchte nachzuweisen, Daß, da die Deutschen keinerlei Zah­lung auf das Reparationskonto geleistet haben, der französische Staat gezwungen worden sei, ich auf dem Wege der Anleihe die für das Wie- deraufbau-Badget notweirdigen Summen zu be­schaffen. Nachdem Der Finanzminister von Den Ersparnissen gesprochen hatte, die seit dem (Zahre 1919 erzielt worden sind, betonte er die absolute Friedfertigkeit Frankreichs, das fortfahren werde, sein Heer herabzuseyen. Jedenfalls sei es von allen Großmächten eine Derjenigen, die ihre Aus­gaben für Die nationale DerteiDigung am stärksten ymabgeseht habe. De Lasteyerie begründete als-

Die Konferenz von Mudania.

Paris, 6. Oft. (WTB.) Der französische Oberkommissar veröffentlicht folgende Verlaut­barung : Die alliierten Generale haben gestern nachmittag Ismid Pascha den Text einer gemeinsamen, in weitgehendstem Geiste des Entgegenkommens abgefahten Konvention über­reicht. Im Laufe der Rachmittagssitzung hat Is- mid Pascha bei verschiedenen Punkten ziemlich kategorisch Einwendungen vorgebracht, welche Die alliierten Generale prüfen in dem Wunsche, zu einem Ziel zu gelangen, um das türkische Interesse mit dem Mindestmaß der unerläßlichen Bedingun­gen in Einklang zu bringen. Man habe Die Hoffnung, heute eine befriedigende Lösung zu

Deutschland vor, bankerott zu ma­chen. Es finde Geld, seine wirtschaftliche Aus­rüstung zu verstärken und Eisenbahnen und Ka­näle zu bauen, es finde aber kein Geld, um die Alliierten zu bezahlen. Die Frage hätte in den Zeiten, Die Der Inkraftsetzung Des Frie- Densvertrages gefolgt seien, wenn nicht Durch den Fliedensvertrag selbst geregelt werden müssen. Hätte man Damals Die Einrichtung einer Schuldenkvm» Mission in Berlin verlangt unD eine ernsthafte Kontrolle der deutschen Finanzen orga­nisiert, Dann hätte man zweifelsohne viele Schwie­rigkeiten nicht erlebt und regelmäßig Zahlungen erhalten. Die jüngst geschlossenen Abkommen, das von Wiesbaden und Das Lubersac-Stinnes-Ab- kommen, beDeuteten einen wirklichen Fortschritt zur Regelung des Reparationsproblems durch Sachlieferungen. Die Durchführung dieser Abkommenmüsse man sicher st eilen und sie durch neue über die Ausführung großer öffentlicher Arbeiten durch Deutsch­land vervollständigen, andererseits aber müsse man Deutschland zwingen, Ordnung in seine Geschäfte zu bringen, damit es ausländische Anleihen abschliehen könne Das sei die einzige I Lösung, durch Die sich das französische Schatzamt in naher Zukunft Bargeld verschaffen könne Er verkenne Die Schwierigkeiten Des Unternehmens | flicht; sie seien auf die so ernste Lage im I Innern zurückzuführen, in Die sich Deutsch­land durch seine Finanzpolitik gebracht habe

De Lasteyerie sprach alsdann von der Repa­rationskonferenz in Brüssel und er­klärte, dah dort die französische Regierung ein konkretes Programm Dorlegen werde. Er hoffe als­dann, daß bei dieser Gelegenheit auch das Pro­blem der interalliierten Schulden angeschnitten werde. Für das Konto Deutschland habe man Ausgaben gemacht, die sich bis zum 1. Januar auf 80 Milliarden beziffert hätten, und Die am 31. De­zember jedenfalls 100 Milliarden übersteigen wür- I Den. Rach Ansicht des Finanzministers könne von einer rächen Deflation in Frankreich nicht Die Rede fein, solange Deutschland nicht mit feinen Zahlungen begonnen habe. Frankreich habe im Jahre 1919 51 Milliarden 331 Millionen geliehen, 1920 42 Milliarden 822 Millionen, 1921 31 Milli­arden 120 ^Mllionen, im (Zähre 1922 würden es aber nur noch 20 Milliarden fein. Frankreich mache augenblicklich wundervolle Anstrengungen zur wirtschaftliche Wiedererhebung. Schon könne man Den Augenblick voraussehen, an dem die wie­deraufgebauten Provinzen ihren Platz als Fakt Or­der nationalen Produktion wieder einnehmen wür­den. Die Eisenbahneinnahmen hätten sich nn Vergleich zum (Zähre 1920 um 6 0 0 Mill, gesteigert. Auch die Arbeitslosigkeit habe nachgelassen und die Sparkassen stellten eine fortgesetzte und regelmäßige Steige­rung der Einlagen fest. Durch die Wieder­aufnahme der Geschäfte, durch die Entwicklung des öffentlichen Reichtums, durch die Arbeit and Energie werde Frankreich dazu gelangen, seine ! finanzielle Lage wieder auszurichten. Zweifelsohne werde es in diesem Jahre 67 Milliarden weniger ausgeben, als im (Zähre 1921. Die Steuern würden 2 Milliarden mehr einbringen. Im gan­zen werde der Haushalt des Jahres 1922 Dem französischen Staatsschatz eine Erleichterung von etwa 89 Milliarden bringen.

Mac Kennas' Rede.

P a r i s, 5. Oft. (Wolff.)Rew Dorf He­rold" meldet: Mc. Kenna erklärte zwar bei feiner gestrigen Rede auf dem Bankierkon- greß, er sprechenurfür seinePerfvn, man nehme jedoch an, daß feine Erklärungen die Ansicht des britischen Schatzamtes widerspiegeln und der englischen Delegation, die unter Führung von Sir Robert Horne binnen kurzem zu Verhandlungen mit der amerikanischen Schuld ensundierungSfommis - sion In Neuyork ankommt, den Weg berei­ten soll.

Der Nachfolger Dubois'.

Paris, 5. Oft. (WTB.) Im heutigen Ministerrat wurde der Vorschlag des Mini­sterpräsidenten Poincare, Zustizminister Barthvuals Rachfolger Louis Dubois' zum französischen Delegierten in der Reparations- kvmmission zu ernennen, angenommen. An Stelle Barchous wird der Llnterstaatssekretär beim Ministerpräsidenten, Eolrat, (Zuftizrnini- ster. Der Unterstaatssekretärpvsten beim Mi­nisterpräsidenten wird aufgehoben.

lagen habe:

1. Meerengen und Konstantinopel. Die Alli­ierten und Die Türken werden das für neutral erklärte Gebiet Der Dardanellen räumen. Die Alli­ierten werden weiterhin Konstantinopel während der Dauer der bevorstehenden Friedenskonferenz besetzt halten und Der Wiedereinsetzung einer nationalistischen Zivilregierung in Den Bezirken von Konstantinopel und Tschanak zustimmen.

2. Thrazien. Thrazien wird von Den griechi­schen Truppen binnen einer Frist von neun Tagen, Dom Tage Der Ratifizierung Dieser Entscheidung an Die Athener Regierung, geräumt werden. O st - thrazien wird von den nationalisti­schen Truppen besetzt. Aber eine Zone von zehn Kilometer Breite auf beiden Alfern Der Maritza wirD für neutral er­klärt und von Den Alliierten beseht .Derben. Die Verwaltung von Thrazien wird unverzüglich wieder Den Rationalisten übertragen.

3. Zwangsmaßnahmen, die möglicherweise er­griffen werden, falls die Griechen Den oben­erwähnten Entscheidungen Widerstand entgegen­setzen. Die Alliierten werden den türkischen Trup­pen erlauben, über die Meerengen zu gehen, um Ostthrazien zu besetzen. Die Alliierten werden diplomatische Schritte bei der Regierung von Athen unternehmen und Maßnahmen ergreifen, um diese zur Annahme der Beschlüsse Der Mu- daniakonferenz zu bringen.

Die Bedingungen dieses Abkommens sollen den griechischen Delegierten mitgeteitt worden sein. Diese hätten ihre Alnzufriedenheit ausgesprochen und erklärt, sie hätten nicht die nötige Macht- | befugnis, um im Damen ihrer Regierung eine

Antwort zu erteilen. Sie müßten um Instral tionen aus Athen ersuchen.

Die Griechen leisten Widerstand?

P a r i S, 6. Oft. (WTB.) HavaS berichte' aus Konstantinopel, man fündige an dah zwei griechischeMilitartranS- Porte Salonifi verlassen haben der Bestimmung nach Adrianopel.

Gin englischer Vorschlag über Palästina

Gens, 5. Oft. (WTB.) In der gestrigen Geheirnsitzung des Dölkerbundsrats legte Lord Balfour eine englische Denkschrift mit Dor schlügen über die in Artikel 14 des Palästina - Mandats vorgesehene Kommission für die hei­ligen Stätten vor. Aus einer Mitteilung, Die heute abend das Dölkerbundssekretariat hier­über veröffentlicht, geht hervor, dah es nicht zu einer Einigung über die englischen Vorschläge kam. Die Verschiedenheit der politischen und reli­giösen Interesien sowie die Rivalität unter den verschiedenen religiösen Gemeinschaften machten, tote es in der Mitteilung heißt, eine sofortige Lösung unmöglich, so dah Lord Balfour nicht auf einen Vorschlägen beharrte. Er forderte Die anDeren RatsmitglieDer auf, sich für Die lieber- toinDung Der bestehenden Schwierigkeiten nach Kräften einzusehen Die Vertreter Frankreichs, Italiens und Spaniens versprachen, in diesem Sinne zu wirken.

Die neuen Eisenbahnlaris-

erhöhungen.

Berlin, 6. Ott. In der gestrigen Sitzung des ständigen Ausschusses des R e i ch s e i f en - bahnrates wurden Die Vorschläge Der Vew toaltung auf Tariferhöhungen gegen zwei Stim­men angenommen. Danach erhöhen sich die Gü­tertarife zum 15. Oktober um 60 Prozent der derzeitigen Sähe, ausgenommen die Notstand* tartfe für Kartoffeln und Obst, dik in ihrer bis­herigen Höhe bestehen bleiben. Die P er f o n e n tarife, die zum 1. Rovember um 100 Prozent erhöht werden, werden zum 1. Dezember um weitere 50 Prozent gesteigert, so dah sie i m D e - zember das Dreisache Der jetzigen Sätze betragen. In der Aussprache wurde eine Beschleunigung der organisatorischen und tech­nischen Maßnahmen zur Hebung der Wirtschaft- lichkett des Unternehmens, namentlich nach der Stei­gerung Der Arbeitsintensität, gewünscht. Zur An gleichung Der Personentarife an Die Gütertarife soll zum 1.Januar eine weitere ©telge- rung der Personentarife erfolgen, so daß dann in Der Dritten und vierten Klasse die Erhöhung etwa das Hundertfache des Friedenspreises be trägt. Der Ausschuß beschäftigte sich sodann mit der Frage eines Valutazuschlages für Ausländer im inneren deutschen Personenver­kehr. Es wurde schließlich ein Antrag angenom­men daß die seit alters her im internationalen Verkehr gebotenen Grundsätze über Die gleich­mäßige Behandlung Der Ausländer mit ten In ländern auch in Zukunft beizubehalten sind.

Die neue Kohlenpreiserhöhnng.

Berlin, 6. Okt. Die vereinigten AuS- schüffe des Reichskohlenrates und des Reichskohlenverbandes beschäftigten sich gestern mit den neuen, auf Grund der kürzlichen Lohnerhöhungen gestellten Anträ­gen auf Erhöhung der Kohlenpreise. Es wurde beschlossen, am 1. Oktober folgende Erhöhun­gen eintreten zu lassen: Für Fettförderkohle des rheinisch-westfälischen Steinkohlenreviers 639 Mark, des Aachener Reviers um 860 Ml., für Sachsen um 996 Mk., Riederschlesien um 867 Mk., und Niedersachsen um 891 Mk. Für Braunkohlen betragen die Erhöhungen: Halle: Rohbraunkohle 127.25 Mk., Briketts 321 Mk. Nach der neuen Erhöhung würden sich die Preise für westfälische Fettförderkohle auf 5000 Mk. einschließlich Steuer ab Zeche stel­len Der Preis für Rohbraunkohle würde ein­schließlich Steuer 1241 Mk., für Braunkohlen­briketts 3907 Mk. die Tonne ab Zeche be­

tragen.

Der Prozeß Rathenau.

Leipzig, 5. Ott. (Wolff.) In der heu­tigen Verhandlung irn R a t h en au - P r ° 4 wurde das Untergebenenverhaltnis Er n Ü Wer­ner Techows zu Kern näher erläutert. Auf die Vorhaltung des Vorsitzenden, warum Techow sich Kern gefügt habe, obwohl er von seinen Gründen nicht überzeugt gewesen sei, erflarte Der Angeklagte, er habe Kern gegenüber unter einem gewissen Druck gestanden. Er habe Kern sein Ehrenwort gegeben und deshalb seine später auf- tauchenden 'Bebenfen unterdrückt. Kern habe auch keinen Widerspruch auf kommen lassen.

Der Angeklagte Hans Gerd Techow sagte aus, Kern habe zu ihm geäußert, sein Bruder sei insofern unwissend gewesen, als er nicht gewußt habe, daß die Fahrt Der Ermordung Rathcmaus galt.

Hierauf begann die Vernehmung des Ange- flagten Günther. Der Verteidiger, Dr. G o l - m i ck beantragte, dem Nervenarzt Professor Dr Schulz die Anwesenheit zur Beobachtung Der Psyche Des Angeklagten zu gestatten. Er habe Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit Des Ange­klagten. Die Auskunft seiner Kameraden, daß er nicht richtig im Kopfe sei. Deute Darauf hin, auch sein planloses Verhalten. Dem Einträge tour De stattgegeben. Günther sagte aus, Stube n r a u ch hätte Den Plan gehabt, Rathenau im Reichstage