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Erster Blatt

172. Jahrgang

Donnerstag, 6. Juli 1922

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

Druck und Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch und Steindruckerei H. Lange. Zchriftlettung, Gefchaftrftelle und vruckerei: Schulstrahe 7.

Annahme von Anzeige.! für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v. 34 mm Breit» ortlid) 150 'Pf., auswärts 180 Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 500 Pf. Bei Platz­vorschrift 20 °/0 Aufschlag Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Trist Blumschein; füp den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Giehen.

Der Dollar über 400 Mark!

Die ReichSban? zahlt in dieser Woche bereits 1500 Mark gegen 1400 Mark in der Vorwoche für ein Zwanzigmarkstück, aber sie bleibt damit hinter der Entwertung der Papiermark noch erheblich zurück, denn nachdem der Dollar jetzt über 400 Mark gestiegen ist, bedeutet das, das; unsere Valuta am Dollar gemessen, auf etwa den Hundert st en Teil entwertet ist.

Die Gründe für die Fortsetzung des Mark- schwundes liegen auf der Hand. Die neuen Mo­mente der TlnsicherHeit und Nervosität, die durch die Ermordung RatHenaus und die damit im engem Zusammenhang stehende Verschwörung gegen die Republik in die politische und wirt­schaftliche Lage h-ineingetragen worden sind, ge­sellt sich zu den schon vosther gegebenen Ursachen, dem Scheitern der 2lnleiheverhandlungen und der ^Inmöglichkeit einer Erfüllung der uns aufgehal­sten Reparationsverpflichtungen. während die Reichsbank sich gleichzeitig außer Stande sieht, durch Interventionskäufe den Devisenmarkt zu stützen, da sie ihre mühsam und teuer genug er­worbenen Bestände für die nächsten Reparations­zahlungen festhalten muh.

Es kommt hinzu, daß der Geldmarkt sich in Deutschland in scharfem Gegensatz zu der Liquidität der maßgebenden Geldmärkte im Ausland seit längerer Zeit ernstlich versteift hat, was wiederum eng mit der wachsenden Teuerungskalamität zu- sammxnhängt, welche auf der einen Seite die Kon­sumenten zur Aufzehrung ihrer Ersparnisse nötigt, während auf der anderen Seite die Industrie und zugleich der Staat (erhöhte Löhne und Gehälter, verteuerte Produktionsmittel!) verstärkte An­sprüche an den Geldmarkt stellen. Diesen An­sprüchen vermag auch die eifrige Arbeit der Roten­presse nicht nachzukommen. Zwar weist der letzte Reichsbankstatus eine Vermehrung des Roten- Umlaufs um mehr als zweiundeinhalb Milliarden OHarf auf; aber angesichts des Dvllarstandes von mehr als 400 Mark vermag die Rotenpresse mit dem Kapitalbedarf nicht Schritt zu halten, und und man muß sich heute mit einiger Wehmut er­innern, daß die Reichsregierung erst vor kurzem in ihrer Rote an die Reparationskommission die Stillegung der Rotenpresse versprechen zu können glaubte freilich unter der Vedingung des Zu­standekommens der Anleiheverhandlungen.

Aber noch eines anderen älmstandes muh man bei dieser Gelegenheit mit einem Schütteln des Kopfes gedenken, nämlich der Furcht unserer industriellen Kreise vor der Valutabesserung und der Vertröstung aus dasHeilmittel" der An­passung an die Weltmarktpreise. Jetzt sind wir bereits einigermahen in der Lage, die Probe auf das Exempel zu machen, und da fiJgt es sich, dah nicht nur die Konsumenten schwer unter dieser Anpassung leiden, sondern gleichzeitig auch die Produzenten, da besagte Anpassung eben mit einer wesentlichen Erhöhung nicht nur der im­portierten Rohstoffe, sondern g'eich'eitig der Löhne und Gehälter, also letzten Endes sämtlicher Pro­duktionskosten. verknüpft ist. Unter diesen Um­ständen rückt die Gefahr nahe, dah wir, wenn das Gebäude unserer kommerziellen Scheinkonjunttur zusammenbricht, auch bei der Fortsetzung des Valutatiefstandes in die Wirtschaftskrisis hinein- geraten.

Somit bleibt als einzige Hoffnung nach wie vor eine Sanierung unserer Wirtschaft durch die Stabilisierung der Valuta, die eben nur durch eine internationale Kredit- Hilfe zu ermöglichen ist. Aus Paris erfährt man jetzt, daß Morgan im Zusammenhang mit seinem Kreditplan eine Reparationsregelung in dem Öhme vorgeschlagen hat, daß Deutschland dreiß'g Zahreszahlungen ohne Zinsen, beginnend mit 2 Milliarden und endigend mit 4 Milliarden, leisten solle, die man in Paris als unannehmbar bezeichnet. Gleichzeitig erfährt man aber, dah gerade jetzt von Washington und London aus ein verstärkter Druck auf Frankreich auf dem Umwege der Mahnung zur Zahlung der fran­zösischen Kriegsschulden an England erfolgt ist. Es bleibt abzuwarten, wie weit dies Druckmittel die von London und Washington aus erneut ein» geleiteten Bemühungen zu einer Regelung des Reparations- und Kriegsschuldenproblems, das schlechthin das Problem Europas ist, zu fördern vermag. Das aber .steht fest, dah die Lösung um so schwieriger und die französischen Repa­rationshoffnungen um so geringer werden, je weiter die doch unaufschiebbare Sanierung der deutschen Wirtschaft hinausgeschoben und je gründlicher inidealer Konkurrenz" damit die deutsche Valuta zerstört wird. Deshalb sollte die Fieberkurve der Mart ein Menetekel für die Al­liierten darstellen.

gur Frage der Regierungserweilerung.

DerVorwärts" meldet: Am gestrigen Mitt­woch mittag begannen die ersten Der hanMungen zwischen den bürgerlichen Koalitionsparteien und der sozialdemokratischen Partei über die Erweite­rung der Aeichsregierung nach links. Die Ver­handlungen trugen unverbindlicher Charakter. Sie sollen im Laufe des heutigen Tages fortgesetzt werden. Wie dieFreiheit" schreibt, wollen die Demokraten bei ber Volkspartei s o n- dieren, um nach rechts statt nach links die Regierung zu erweitern. Alle Meldungen über eine beabsichtigte Verteilung der Ministerposten feien müßige Kombinationen.

DieRote Fahne" veröffentlicht einen Aufruf der Zentrale der K. P. D. an

das kämpfende Proletariat, in dem zum Schuh gegen die Reaktion gefordert wird. Sofortige Verhaftung aller monarchistischen Führer, sofortige Unterdrückung aller monarchistischen Verbände, sofortiges Verbot aller monarchistischen Hetz­blätter, sofortige Säuberung aller Behörden, ins­besondere der Reichswehr und der Gerichte von den Monarchisten und Amnestie für alle proletari­schen Kämpfer.

Frankfurt a. M., 5. Juli. Die U.S.P. Frankfurt hielt gestern eine Versammlung ab, in der auf das schärfste gegen den Eintritt der U. S. P. in die Regierung Einspruch erhoben wurde. Die Versammlung sprach der Reichstags­fraktion außerdem das Recht ab, derartige, die Existenz der Partei in Gefahr bringende Be­schlüsse zu fassen. Ein solches Recht könne nur dem Parteitag zustehen.

Der Entwurf eines Gesetzes zum Schutze der Republik

sieht in Paragraph 1 des ersten Teiles die Todes­strafe oder lebenslanges Zuchthaus für Personen vor, die an einer Vereinigung teilnehmen, von der sie wissen, dah es zu ihren Zielen gehört, Mit­glieder der im Amte befindlichen oder früheren republikanischen Regierung zu töten, ferner für Personen, die in Kenntnis der vorbezeichneten Ziele eine solche Vereinigung durch Zuwendungen unterstützen. Dritte Personen, die um das Dasein einer solchen Vereinigung wissen, werden mit Zuchthaus und bei mildernden Umständen mit Ge­fängnis bestraft wenn sie es unterlassen, sowohl der Behörde als auch der durch ein Verbrechen bedrohten Persomunverzüglich Kenntnis zu geben. Keine Anwendung findet die Vorschrift auf Geist­liche bei Ausübung der Seelsorge. Paragraph 2 bestimmt: Mit Gefängnis von 3 Monaten bis zu 5 Jahren, woneben auf eine Geldstrafe bis zu fünf Millionen Mark erkannt werden kann, wird be­straft: 1. wer öffentlich Gewalttaten gegen die republikanische Staatsform des Reiches oder des Landes oder gegen Mitglieder der amtierenden oder früheren republikanischen Regierung ver­herrlicht oder ausdrücklich billigt, oder wer solche Gewalttaten belohnt oder die Täter oder Teil­nehmer begünstigt, oder wer verstorbene Mitglie­der einer solchen Regierung, die einer Gewalttat zum Opfer fallen, verleumdet oder öffentlich be­schimpft; 2. wer zu Gewalttaten gegen die repu­blikanische Regierung des Reiches oder Landes auffordert oder solche Gewalttaten mit anderen verabredet; 3. wer Mitglieder der amtrerenben oder früheren republikanischen Regierung ver­leumdet oder öffentlich beschimpft; 4. wer öffent­lich die verfassungsmäßige republikanische Staats­form des Reiches oder Landes oder die Reichs­oder Landesfarben beschimpft; 5. wer an einer Verbindung teilnimnn oder durch Zuwendungen unterstützt, die bezweckt, die republikanische Staats­form zu untergraben. In besonders schweren Fäl­len wird auf Zuchthaus erkannt. Das Gesetz be­stimmt ferner, daß den Verurteilten der Aufent­halt in bestimmten Teilen ober an bestimmten Orten des Reiches auf bie Dauer bis zu fünf Jah­ren verboten wirb. Gegen Ausländer ist Aus­weisung statthaft.

Weitere Ausschreitungen.

Magdeburg, 5. Z ali. <WTB.) Zu dem Ueberfall in Sommerschenburg wird noch ergänzend gemeldet, fca1? bei der Schießerei ein Kind getötet unO sieben P.rso ci ver­wundet worden seien. Die Schießerei barere noch fort.

Wiesbaden, 5. Juli. (WTB.) Rach Schluß des gestrigen Umzuges kam es, nachdem ber Zug sich aufgelöst hatte, mehrfach za A as- s ch l. e i t u n g e n bei M nge, t i an verschiedenen Geschäftshäusern die Hoflieferanten- s ch i l b e r herunterriß and Demolie­rungen anrichtete. Aach vor derWies­badener Zeitung" kam es za einer Kand- gebung. Die Menge sachte in das Geschästshaas ein,zudringen. was aber .richt gelarg Statt dessen drang sie in den Vorgarten ein, riß die Schilder herunter and verursachte ci vige sonstige De^chädr- gungen. Rechts kam cs vor dem Polizei- gebäube za AuZchr itangen, wobei Feaster- scheiben eingeworfen uab ras le; Merg.- auch geschossen wurde. Die P !izn schritt h er em und machte von der Wach: Gebrauch. ootixit bisher bcltinnt, sind bei den Ausschreitungen 19 Personen verwandet mb eine getötet worden.

Mannheim, 5. Juli. (Welfs.) Die gestri­gen Demonstrationen zum Schutze der Republik sind nickt so ruhig verlaufen, wie es ursprünglich den Anschein hatte. An verschiedenen Stellen der Stabt ist es vielmehr zu Ausschreitun­gen gekommen, so daß die Polizei eingreifert Mußte. Ein Trupp D>m nstran en drang ix einen Waffenlosen ein und erbeutete eine Kiste mit Revolvern srw.e Munition Polizeibeamt? wur­den verschiedentlich mik handelt und verletzt. Es wurden einige Ve. Has tun gen vor genommen.

Freiburg, 5. Juli. (WTB.) Bei der gestrigen Demonstration in Singen am Hohentwiel kam es durch unlautere Elemente zu Ausscbro'.tltngen. Während die Menge vor dem Hause eines früheren Offiziers demon­strierte. wurde aus dem Rachbarhause, das von einem Major Scherer bewohnt wird, auf die Menge geschossen. Mehrere Demonstranten erlitten schwere Verletzungen. Bei dem sich entspinnenden Tumult wurde Major Sche­rer erschossen. Die Ruhe wurde wieder­hergestellt.

In Offenburg versuchten Demonstran­ten in das Gerichtsgebäude einzu­dringen, da von den Rednern erklärt wor­den war, daß die Verfolgung der Erzberger­mörder absichtlich verhindert worden sei. Es gelang jedoch, die Demonstranten von Aus­schreitungen abzuhalten.

Stratzenkämpfe in Zwickau.

Zwickau, 5. Juli. (WTB.) Anschließend an die Demonstration entwickelten sich gestern abend im Innern ber Stabt unb bis hinein vor bie Kaserne ber Sicherheitspolizei lebhafte Strahenkärnpfe, bie mehrere Opfer for- berten. Die Demonstranten, bie bas Rathaus ft ü r m t e n, um bie Polizeihauptwache zu ent­waffnen, bemächtigten sich ber barin befinblidjen Waffen. Darauf würbe Schupo eingesetzt, um den Marktplatz zu säubern, wobei bie ersten Schüsse fielen. Ein Arbeiter würbe burch einen Bauch­schuß getötet. Die Demonstranten gaben gleich­falls Feuer unb verwunbeten eine Anzahl Poli­zeibeamten zum Teil schwer Später zog bie Menge vor bie Kaserne unb forberte bie Polizei zur Herausgabe ber Waffen auf. Diese würbe verweigert, worauf sich eine neue Schießerei ent­spann. Die Demonstranten erlitten sehr schwere Verluste. Auch seitens ber Schupo würben mehrere Mann verwunbet. In bas Stadtkrankenhaus würben 18 Verwundete eingeliefert, bar- unter 10 Arbeiter unb 8 Polizei- beamte. Einige Verwundete befinben sich im Lazarett. Ein Polizeibeamter ist heute nacht ge­storben, so bah im ganzen zwei Tote zu be­klagen finb. Die hiesigen Zeitungen erscheinen nicht, weil ber Generalstreik proklamiert würbe. Ein Aktionsausschuß setzte ben Stadtrat von Zwickau als Geisel fest, um dadurch von ber Regierung bie Zurückziehung ber Schupo zu er­zwingen.

Schwere Zusammenstöße in Dortmund.

Dortmund, 4. Juli. Hier ist es zu schweren Zusammenstößen zwischen den Kundgebern und der Polizei gekom­men. Aus dem Zuge heraus wurden mehrere Stoßtrupps gebildet, die schwarzweihrote Fah­nenstangen und Firmerlschilder absägten oder herunterr/ssen. Zwei dieser Personen wurden festgestellt und zur Hauptwache gebracht. Dar­aus zog eine tausendköpfige Menge vor das Stadthaus, um die beiden Ver­hafteten zu befreien, die aber inzwi­schen nach Feststellung ihrer Personalien ent­lassen worden waren. Die Menge zog dann zum Hansaplatz und zum Tew nach der Brück-- straße, wo das Waffengeschäft von Rickelt geplündert wurde. Da die Menge eine bedrohliche Haltung einnahm, machten die Pvlizeibeamten von ihrer Hiebwaffe Gebrauch und trie­ben die Kundgeber auseinander. Auf dem Hansaplatz wurde aus der dort versammelten Menge geschossen, und die Polizeibeamten wurden mit Steinen und andern Wurfgeschos­sen bombardiert. Die blaue, die grüne und die Kriminalpolizei griffen zur Waffe und säu­berten den Platz und die angrenzenden Stra­ßen, die daraufhin abgesperrt wurden. ES »wurden viele Personen leicht verletzt. (Köln. Ztg-)

Hmdenburg über die Verwerf­lichkeit des politischen Mordes.

Hannover. 5. Juli. (WTB.) DerHan- not>crfd;e Kurier" veröffentlicht eine Erklärung Hindenburgs, in ber er grunbfählich zum politisch:n Morb Stellung nimmt. In der Er­klärung haßt es:Auch der politische Morb bleibt Morb. Er ist doppelt verwerflich, weil er nid; ': r.ur ein Menschenleben vernichtet und mehr oder weniger große Kreise in Trauer unb Schmerz verseht, sondern auch bie ruhigere Entwicklung des Staates gefährdet. Je mehr biesw der Ge­sundung bedarf, desto großer ist das Verbrechen. Deutschland ist sehr krank. Wer will es sterben laffen? Es bedarf zur Genesung dringend der Einigkeit. Wer will Zwietracht säen? Mord ist feige? Wer will feige fein? Sicherlich keiner, der sein Vaterland mit kühlem Kopf, aber mit warmem Herzen treu unb selbstlos liebt."

Das Attentat auf Harden.

Berlin, 5. Juli. (WTB.) Amtlich. Wie bekannt, ist der Mordanschlag auf Harden nicht auf einen selbständigen Entschluß der bei­den Täter zurückzuführen, sondern pc sind zu der Tat durch hinter ihnen st eh enden rechtsrrdikale Persönlich kett en bestimmt worden. Die Ermittelungen der Berliner politischen Polizei ergaben, daß die Hintermänner in Oldenburg sitzen. Meh­rere dorthin entsandte Beamte haben darauf in Oldenburg Durchsuchungen und Verhaftungen vorgenommen. Sobald das Material und die Festgenommenen in Berlin eingetroffen sind, wird über das Er­gebnis der polizeilichen Maßnahmen näheres mitgeteill.

Eine deutsche Note über die Kohlenlieserung.

Berlin, 5. Juli. «Wolff.> Eine zuständige Seite teilt mit, daß deutscherseits eine Rote an bie Reparationskommission gerichtet worben ist, in welcher über bie Ablösung unserer Kohlen- tieferungen burch englische Kohle verhandelt wirb. Ein solcher Vorschlag würbe den Mitgliedern der Garantiekommission gemacht und von ihnen nach Paris weitergeleitet.

Die von Deutschen auszusührenden Arbeiten in Frankreich.

Paris, 5. Juli. (Wolff.) Havas meldet noch aus der gestrigen Sitzung des Minister» r a t s bezüglich des ersten Abschnitts der von Deutschland auszuführenden offen!' lichen Arbeiten: Der Anteil Deutschlands an der Regulierung der Rhone beträgt 268 Mil­lionen, ber französische Anteil 595 Millionen Francs; für bie Regulierung ber Truyere sind 120 Millionen Francs an französischer Arbeit, für die Dorbogne 185 Millionen Francs deutsche unb 185 Millionen Francs französische Arbeit, für ben Vogesen-Tunnel 65 V2 Millionen Francs an beut scher unb eine halbe Million Francs an fran zosischer Arbeit, für ben Seine Mosel-Kanal unb ben Seine- Maas - Kanal 502 Millionen Francs deutscher unb 88 Millionen Francs sran zosischer Arbeit, für den Maas Schelde Kanal 360 Millionen Francs an deutscher unb 591 Mi! lionen Francs an französischer Arbeit vorgesehen Die Regulierung der Rhöne erfordert 12 000 Ar­beiter mit zehnjähriger Arbeitszeit, d. h eine Ausgabe von 1200 Millionen Francs an Löhnen für Deutschland unb von 100 Millionen Francs für Frankreich, biejenige ber Truyere 1800 Ar­beiter während vier Jahre gleich 55 Millionen Francs an Lohnen. Die Regulierung ber Dor­bogne verlangt 2500 Arbeiter für vier Jahre Der Voaesentunnel braucht 600 Arbeiter für vier Jahre, bie Verbinbung ber Seine unb Mosel 290 Millionen Francs an Lohnen. Die Arbeiter werben in Arbeiterstätten untergebracht. Die so ziale Gesetzgebung wirb bie ber deutschen Lager sein. Ein bedeutender Teil der Lieferungen unb des Materials wird ben französischen Industriel­len Vorbehalten unb andererseits wirb man Deutschland bitten, Frankreich Lizenzen auf deut sch r Patente für Ersatz stücke unb Material zu geben.

Französischer Botschafterwechsel in Berlin.

Paris, 5. Juli. (WTB.) Havas. In pol'- tischen Kreisen spricht man von der unmittelbar bevorstehenden Ernennung des Verwaltungs­direktors im Ministerium des Aeußern Maurice Herbette zum französischen Botschafter in Berlin als Ersah für Charles L a u v c n t. der um Enthebung von feinen Amtspflichten ersucht hat.

Interpellationen über die Kriegsschuld in der französischen Kammer.

Paris, 5. Juli. (WTB.) Die Kammer hat heute vormittag die Diskussion über die In­terpellation der Kommunisten, be­treffend die Aufhebung ber Pressefreiheit in den französischen Kolonien und in den französischen Protektorats- und Mandatslän- bern, die gestern burch ben Zwischenfall Vailland- Couturier unterbrochen wurde, fortgesetzt. Da bie Debatte am Vormittag nicht zu Ende geführt wurde, nimmt sie auch noch bie Rachmittagssitzung in Anspruch. Im Verlaufe biefer Sitzung ergriff Poincare das Wort, um auf bie Einwen­dungen ber kommunistischen Abgeordneten zu ant­worten. Er besprach in ber Hauptsache ein kom­munistisches Manifest, das in den Kolonien her- gestellt wurde. Er sagte, es fei in Moskau DiNiert unb in Berlin gedruckt worden Cs enthalte Beleidigungen der Republik unb des Ministerpräsibenten. Zu Beginn der Sitzung teilte ber stellvertretende Kammerpräsident Andre L c - fevre mit, baß außer ber Interpellation des Abg. Villencaut über bie Kriegsverantwortlich­keit weitere Interpellationen eingegangen finb von dem Kommunisten Abg. Lafaut über bie Politik des Ministerpräsidenten vor, während unb nach bem Kriege, von bem kommuklistischen Abgeordneten Marcel Cachin über die Balkanpolitik wählend des Welt­krieges unb über bie Gefahren, bie dadurch entstanden seien, daß Poincare wieder die Ministerpräsidentenschaft über­nommen habe, von dem kommunistischen Ab­geordneten Vaillaut über die Gefahren, denen ber Friede durch Poincare ausgesetzt sei, eines Mannes, dessen Politik dazu beige­tragen habe, ben Krieg vorzuberei- ten und zu verlängern. Endlich hat ber sozialistisch: Abgeordnete Leon Blum eine Inter­pellation über bie Erklärung des Ministerpräsi­denten über bie Verantwortlichkeit für den Krieg unb über ben Ursprung des Krieges auf Grund seiner Rede, die er am Samstag abend im Co mite Mascouraut gehalten, eingebracht. Es wurde ein­stimmig beschlossen, diese vier Interpellationen mit der Interpellation Dillenaut zu verbinden.

Rachdem Ministerpräsident poincare Er­klärungen über Frankreichs Politik in Tunis ab­gegeben und die Kammer der Regierung mit 507 gegen 364 Stimmen das Vertrauen aus» gesprochm hatte, begann die Beratung der