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Nr. 106

Erscheint täglich, außer Sonn» und Feiertags, mit derSamstaosbeilage: GießenerFamilienblätter Monatliche veznqrpreise: Mk 18. und Mk. 2. Trägerlohn,durch dieDost MK.20., auch bei Nicht, erscheinen einzelner Num­mern infolge höherer Gewalt.- Ferniprech. Anschlüsse: sürdieSchrift- leilung 112; für Verlag und Gelchaftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach. richten: Anzeiger Sietzen.

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Samstag, 6. Mai 1922

Erstes Blatt

172. Jahrgang

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bu zum Nachmittag vorher ohnejede Aerdindllchkeit. Preis für 1 mm höbe für Anzeigen v 34 mmBreite örtlich 120 Pf., auswärts 150 Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 450 *Pf. Bei Platz- Vorschrift 2O.Aufichlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil fiarl Walther; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Siefzen.

GiehenerAnjeiger

General-Anzeiger für Gberhessen

Vrvck «nd Verlag: vrühl'sche Unio.-Yuch- und Stchtöruderei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstrahe 7.

LZochenrückblick.

Wir halten so lange nichts mehr gehört von den politischen Hebungen jener Gruppen, die das Ehavs erobern und darauf ihre kvm- 'munistischen Triumphbögen errichten wollen. Der Spaltpilz hatte sie befallen, und niemand 'weih mehr so recht die Teile der Finster­nis auseinanderzuhalten, die seit 1918, der großen Rätezeit, der Mutter Nacht den alter Rang und Raum streitig macht. Doch die Teilt haben fid) noch einmal zu gemeinsamer Tal versammelt. Es war leider nur wieder ein Krawall von der übelsten Sorte. Die städtischen Arbeiter Berlins, die eine neue Lohnerhöhung forderten, was man am Ende als ihr gutes Recht betrachten kann, sind zum größten Teil sehr stark politisch radi° kalisiert, und als man im Berliner Rathaus sich nicht recht über die Deckungsfrage der neuen Finanzbelastung einigen zu können schien, da organisierte man wieder einmal eine der allzubekannten Strabenkundgebungen. ES erfolgte eine Rathausbelagerung, gegen welche die Polizei Vorsichtsmaßregeln treffen muhte, um Tätlichkeiten zu verhindern und eine möglichst unbeeinflußte Sitzung der Stadt­verordneten sicherzustellen. Als der Platz ab­gesperrt wurde, drängte der Mob dennoch da­gegen an, ein Polizist wurde an der Kehle ge­packt, und darauf machte die Schutzpolizei not­gedrungen Ernst, indem sie mit Anwendung der Waffe den Platz räumte. ES gab auf bei­den Seiten einige Verletzungen, aber keine Toten. Das wäre also eine der alten, unleid­lichen Gewaltszenen, über die man, indem die Leidenschaften verrauchen, schließlich schnell hinwegzukvmmen vermochte. Run aber kommt das Schlimmste und Widerwärtigste: das poli­tisch-parlamentarische Rachspiel, das die Bolksleidenschaft nicht in ihrer Raturgewalt, sondern in einer krankhaften Rachäffung und abgemergelten Verkümmerung aeigt. Wir ha­ben über die vorgestrige Skandalsihung des preußischen Landtags nicht ausführlich zu be­richten vermocht, weil uns dazu der Raum fehlte; eS genügt eine kurze, nachträgliche Be­trachtung, zumal die Komödie nur ein treuer Abklatsch von früher her bekannter Muster ist. Kommunisten und Unabhängige wüteten mit vereinten Kräften gegen die Polizei und die Regierung, die deren Eingreifen deckte. Cs gab pöbelhafte Auftritte, grobe Beschimpfungen bürgerlicher Redner, und eine Weile mußte die Sitzung unterbrochen werden, als die Schmäh­flut gegen einen Obersten der Schutzpolizei brandete, der, was durchaus kein ungewöhn­licher Vorgang war, als Kommissar am Re­gierungstisch Platz genommen hatte. Rament- lich der Kommunist Katz produzierte alle Künste und SCniffe ordinärer Radaumacherei und leitete diesen Rückfall in jene wüsten Praktiken, von denen sich heute auch der größte Teil der Arbeiterschaft angewidert fühlt, nach­dem die Sozialdemokratie am eigenen Leibe empfindet, was sie ehemals im Hochgefühl ihrer UnterwühlungSpvlitik derBourgeoi­sie" zu kosten gegeben hatte. Jetzt ist es der sozialdemokratische Polizeipräsident, auf den die Wut der Straße gelenkt wird, und die auS dem sozialdemokratischen Lehrgebäude ausgebrochene Idee des Proteststreiks, und der Volksaufhetzung, die auch aus diesem Anlaß wieder raste und ihr Opfer haben wollte, in ihrer Sinnlosigkeit aber schon in den Anfängen erstickte, kompromittiert auch die so­zialistische Mutter- und Regierungspartei.

Während alle Anstrengungen deutscher Staatskunst und das höchste Interesse unseres Volkes dem außenpolitischen Wetter­leuchten zugewendet sind, das gleichermaßen von Genua und von Paris aus die Welt in Atem hält, sind solche innerpolitisch-m Störun­gen doppelt widerwärtig. Sollte der Reichs­kanzler wirklich, wie er es Lloyd George an­geblich sagte, seine Anwesenheit in Ber­lin für dringend nötig halten, nachdem Herr Poincare seine Drohungen ausgesprochen hat? Ist es so unerläßlich, daß der Reichstag in wenigen Tagen zusammenttitt? Trotz aller unfruchtbaren Schwankungen, die sich in Genua geltend machen, mochten wir der dor­tigen Konferenz doch gerne noch einige Sage deS Ausharrens gönnen. ES mag fein, daß die Reparat'.vnSkow.mission in ihrer neuen, gegen den Vertrag von Rapallo gerichteten Rote die deutsche Regierung in eine Arbeit verwickeln mochte, die sie abseits von der Konferenz­stadt, und nach Hause führt. Diese Institution, der ja auch England noch angehört, schert sich den Teufel was um die Genueser Probleme; sie ist noch ganz eingeschworen auf die strikte Aufgabe der mehr oder weniger gewaltsamen Durchsetzung des Versailler Verttages. Die in Genua versammelten Mächte haben, mit Aus­nahme Frankreichs, erklärt, der durch den deutsch-russischen Verttag herbeigeführte Zwi­schenfall sei erledigt, die juristischen Sachver­ständigen haben keinen Verstoß gegen das ^Versailler Paragraphenbuch entdecken können

die Reparationskommission schwimmt je-1 doch vollständig im Fahrwasser PoincareS und hat offenbar von den tönenden Weltreden Lloyd Georges nicht einmal Rotiz genommen. Trotzdem sitzt der stärkere und mächtigere He- bet der Weltgeschichte zweifellos in Genua. Lloyd George kann den Pariser Riesenbrand nicht vollends löschen; so läßt er denn manche ocheunen einfach abbrennen und die deut- che Regierung sollte eS auch so machen und hr Hauptaugenmerk aus Genua richten. Dott liegen die Zukunftsmöglichkeiten versammelt, uno nichts wäre verkehrter, als wenn Deutsch­land dort nicht zu retten und zu lenken ver- uchen wollte, was zu retten und zu lenken ist Lloyd George hat, wie heute gemeldet wird, unseren beiden obersten Vertretern Klugheit und Mäßigung ungeraten. Man wird den wvrtgewalf.gen Briten genau ins Auge fassen müssen: will er etwa wirklich die französische Sanktionspolitik mit in seinen großen Frie- denSpakt hineinnehmen, so muß Deutschland so handeln, tote Frankreich in der Frage des russischen Memorandums gehandelt hat, das heißt, eS muß seine Unterschrift zurückhalten und Verwahrungen einlegen. ES schweben aber so viele Differenzen zwischen Lloyd George und Poincaro in der Luft herum, daß Deutsch­land und Rußland sich die nötige Zeit neh­men können, um zu entscheidenden Entschlie­ßungen zu kommen. ES war dabei ein Gewinn, daß Kanzler und Außenminister jene zwei­stündige Audienz bei Lloyd George hatten, denn bei dieser Gelegenheit konnte diesem denn doch nachdrücklich erklärt werden, daß die Spule des deutschen Geduldfadens nicht mehr allzulange mitmachen wird.

Herr Poincare, der so manchen Torpedo­schuß auf die Genueser Konferenz abgegeben hat, läßt Herrn Barthou doch noch einmal das große Schiff hinaufklettern. Von dessen heu­tiger Unterredung mit dem britischen Kabi- nettschef werden große Entscheidungen zu er­warten sein. Wenn wir die neuesten Erörte­rungen in der englischen und französischen Presse lesen, besonders die Auffassungen über die deutsch-englischen Besprechungen, so hal­ten wir eS doch nicht gut für möglich, daß auch diesmal wieder, wie schon so oft, die Kompro­mißnadel zusammenhalten wird, was an so viel Ecken und Enden auseinander will. Lloyd George soll schon ausgerufen haben: entweder nimmt Poincar« die belgische Freundschaft oder die englische! Entweder, Oder! In dem den Russen überreichten Memorandum war nur ein Ersatz der von den Sowjetleuten beschlagnahmten Besitztümer durch Ausgabe von BondS vorgesehen, wogegen die Belgier die wohl von Pvin- carl aus taktischen Gründen vorgeschoben sind nicht nur Entschädigung, sondern auch Wie­derherstellung und Rückgabe der bettefsenden Besitztümer fordern. In diese Frage spielen auch amerikanische Interessen hinein. Eine englisch-holländische Handelsgesellschaft soll mit der Sowjetregierung die Ausbeutung der Petroleumquellen von Baku verabredet haben, wodurch die Interessen und die Vorherrschaft der amerikanischen Standard Oil Company gefährdet erscheinen. Auf diese Weise sollen die an sich schon vorhandenen onttbolsche- toisttschen Tendenzen der Washingtoner Re­gierung eine Verstärkung erfahren haben. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß Frankreich und Belgien auf ihrem gemeinsamen Wider­spruch beharren werden. In diesem Falle wer­den jedoch die übrigen EntwederOder-Fra­gen um so drohender. Der Vertrag von Ra­pallo wird gleichartige Rachläufer haben; Ita­lien steht nach den letzten Meldungen schon mitten in Verhandlungen mit Tschitscherin und seinen Leuten. Wahrscheinlich wird auch Eng­land zu selbständigen Verträgen mit Rußland zu gelangen suchen. Das bedingt dann freilich auch eine andere Orientierung der brittschen Politik. Poincare, durch eine illusionäre Hoffnung auf amerika­nische Beihilfe etwas gestärkt, wird vermut­lich auch die von Lloyd George gewünschte Reparationskonferenz vor dem 31. Mai ver­weigern. Das ttübt die Sympathien weiter­hin so, daß auch der geplante große Friedens­pakt nicht einmal ein auch nur halbwegs wür­diges Aeußeres annehmen würde.

Es gilt, das Unvermeidliche abzuv^ar- ten. In wenigen Sagen schon werden die For­derungen einer neuen Aera sichtbar werden!

50 Millionen Goldmark am 15. Mai.

Paris, 6. April. (WTB.) DerTemps" berichtet, Deutschland habe die Repara­tionskommission wissen lassem daß es a m I 5. M a i die in dem Memorandum vom 21. März vorgesehenen 50 Millionen Goldmark lei­sten werde.

Die Schwisrigkeiten in Genua.

Franrösisch-bclgischcs Einlcukcu? Neutraler, italienischer und

deutscher Einflust.

L o n d o n , 6. Mai. (WTB) Eine aus Genua kurz nach 12 Uhr heute nacht abgesanbte Reuter­meldung besagt, es werd« allgemein angenom­men, daß der belgische Außenminister I a s P a r nicht bei seiner Haltung verharrer werde, und daß daher die französische Unter- rühung für Belgien nicht in Straft zu treten brauche. Man erwarte auch, daß Frankreick, und Belgien das Rußland übergebene Me - morandum in seiner augenblicklichen Gestalt annehmen würden. Wenn es nicht angeom- men werde, so sei es wahrscheinlich, daß L l v y t George unverzüglich nach London zu­rückkehren werde.

London, 6. Mai. (WTB)Daily Chrv- nicle" berichtet aus Genua, daß Benes che Tätigkeit in der Frage des Paktes sowie auch sein Einfluß geringer geworden seien. Innerhalb der letzten Sage sei neutraler, italienischer und deutscher Einfluß in Erscheinung getreten, und es sei vollkommen klar, daß ein Pakt, der die Friedensverträge be­tätige, keinerlei Aussicht auf allgemeine An­nahme habe. Denesch habe auch einen Vorschlag gemacht. Sein Vorschlag scheine jedoch nicht aus Bereitwilligkeit gefloßen zu sein.

DerTemps" über die Unterredung Lloyd Georges mit den Deutschen.

Paris, 5. Mai. (WTB) DerTemps" bespricht in seinem heutigen Leitartikel die gestrige Unterrebung Lloyd Georges mit dem Reichs­kanzler Dr. Wirth und dem Reichsminister Dr. Rathenau, den er ganz besonders als Unterzeich- ner des Vertrages von Rapallo kennzeichnet. Weil Frankreich Belgien verteidige und weil es das Besitzrecht verteidige, also Zivilisation, beeile sich Lloyd George, ostentativ der deutschen Regierung die Hand zu rei­chen. Das Blatt fragt, ob das Ministerium viel­leicht zwischen Brüssel und Paris Einmütigkeit wolle Es handelt sich vielleicht darum, England in die russisch-deutsche Konvention eintreten zu lassen. Was könne England bieten ? Seine finan­zielle Unterstützung Rußland und feine politische Unterstützung Deutschland zu gemeinsamem Schutz der deutschen und britischen Industrie. _ Aber gegen wen rächtet sich die politische Unterstützung? Unvermeidlich gegen Frankreich. Das Blatt will das Recht haben, sich das einzubilden, wenn man die Ereignisse in Genua in Betracht ziehe. Die Rach rächten aus Genua würden ihm keine weitere Betrachtung aufnötigen, wenn man nicht jetzt Dr. R a t h e n a u eine sehr seltsame Erklärung zu­schreiben würde. Bei dem Hinweis auf eine mög­liche Besetzung des Ruhrgebietes durch die Franzosen hatte Rathenau einen .blutigen Widerstand" Deutschlands angekün­digt. Würden die deutschen Industriellen, die Fabriken und Bergwerke im Industriegebiet be­sitzen, und die im Falle eines Kampfes ihren kost­baren Besitz zerstört sehen würden, dies auch annehmen? Was aber Frankreich anlange, so könne man nicht recht begreifen, warum Dr. Ra­thenau eine Besetzung des Industriegebietes ins Auge fasse, d. h. die Sanktionen, die einen beab­sichtigten Vorstoß Deutschlands in dem Augen­blick zur Voraussetzung habe, in dem die deutsche Regierung ihre Unterhändler nach Paris ent­sende, um mit der Reparativnskommission zu ver­handele. DerTemps" hofft, daß Dr. Rathenau Aeußerungen, die man ihm zuschreibe, bald de­mentiere. Denn unter den augenblicklichen ihn- ständen gewinnen sie den Anschein einer Provo­kation. {21 nm. des Wolffschen Korre­spondenten: Der Sonderberichterstatter des ..Temps" gibt die angeblichen Aeußerungen Dr. Rathenaus mit ausdrücklicher Reserve wieder und dementiert sie dadurch eigentlich selbst, so daß eine Erörterung dieser Falschmeldung sich eigentlich erübrigen sollte.)

Berichterstattung des Reichskanzlers.

Berlin, 5. Mai. Wie die Blätter aus Genua melden, beabsichttgt der Reichs­kanzler, zu Beginn der kommenden Woche für einige Sage nach Berlin zu reisen, um im Auswärtigen Ausschuß Bericht zu erstatten. Der Aufenthalt des Kanzlers in Berlin werde nur wenige Tage dauern. Dr. Wirth werde voraussichtlich Ende der Woche wieder nach Genua zurückreifen.

Eine Note Barröres an Facta.

Genua, 5. Mai. HavaS meldet: Bar - röre hatte heute nachmittag dem Präsiden­ten der Konferenz, Facta, eine Verbal­note übermittelt, in der die französische Dele­gation der Konferenz offiziell mitteilt, daß die französische Regierung beschlossen habe, ihre Anterschrist zu dem Memorandum an die Russen solange nicht zu geben, bis Belgien die (einige nicht zu geben gewillt ist.

Englische Stimmungsberichte.

London, 5. Mai. (WB.) Reuters Sonder­berichterstatter meldet aus Genua, es bestehe guter Grund zu der Qhmaßme, daß Lloyd Georges Unterhaltung von gestern mit Dr. Wirth und Dr. Rathenau von großer Be- deuiuna war. Der drMjche Premierminister habe

nachdrücklich .Klugheit und Mäßigung" klüglich der am 31. Mai fälligen deutschen Ver­pflichtungen angeraten.

Der Genueser Sonderberichterstatter des Manchester Guardian" schreibt zu ten Beratungen zwischen Lloyd George und den Deut­schen, Deutschlands Rück.-ehr in den inneren Ra I der Konferenz sei bc- merkenswert. Es sei klar, daß Llovd George eine letz e Anstrengung unternehme, um etwas Lohnendes au5 Genua Hera usz.ch^ len. Die ab­lehnende Haltung der französischen und belgischen Delegation in der Frage des russischen Memo- undums habe sich verstärkt. Die Zugeständnisse 2lot>b Georges an die Belgier und Franzosen eien vergeblich gewesen und die Absichten Ruß­lands, Sonterabkvmmen mit jeder Ration auf der Konferenz abzuschließen, wurden verstärkt.

DieTimes" billigt die Haltung Belgiens und die Unterstützung, die ihm Frankreich zuteil werden läßt.

W estminster Gazette" schreibt, eine Aussicht auf ein allgemeines europäisches Über­einkommen mit Rußland komme jetzt nicht mehr in Frage. England dürfe jedoch die Verhand­lungen mit Rußland nicht abbrechen, denn für England sei es nötig, daß Rußland wieder in den ZHreis der mit England Handel treibenden Länder gebracht werde. Lloyd George würde nach Ansicht der liberalen Kreise, wenn er auf sich allein angewiesen wäre, das Risiko über­nehmen, Rußland einen Kredit anzubieten. Lloyd George müsse aber mit seinem Schatzkanzler und den anderen Kollegen rechnen.

Westminster Gazette" schreibt, als Ration wäre England gerne an Frankreichs Seite geschritten. Man könne jedoch nicht länger die 'Tatsache übersehen, daß b e i de Völker s i ch nicht mehr in Sympathie mitein ander befinden, nicht, weil sie irgendeine Ursache zi> Meinungsverschiedenheiten untereinander hätten, sondern weil beide Rationen eine verschie­dene Vorstellung von der Zukunft Europas haben und ihre Haltung darin von Genua zurückgeleitet werden müsse.

DieM o r n i n g P o st" läßt sich au« Berlin melden, in gewissen deutschen Kreisen zögere man angeblich nicht, zu erklären, Lloyd George benutze Unterredungen wie die mit den Deutschen Delegierten als Lin mildes Druckmittel auf Frankreich,

Barthou und Lloyd George.

Genua, 5. Mai. Wie HavaS meldet^ wird Barthou schon morgen vormittag mit LloydGeorge zusammentteffen. Im Laufe dieser Besprechung soll die Entscheidung über eine gemeinsame Zusammenkunft mit Wirth und Rathenau getroffen werden.

Genua, 5. Mai. (Epezialbericht des Ver» treterd des WTB.) Lloyd George ßatt heute Unterredungen mit Lord Dirken' head und Worthing von Evans, wobek die gesamte Lage in allen ihren Entwickelungen und mit allen ihren Möglichkeiten erörtert wurde. Später empfing der diätische Premierminister den polnischen Ministerpräsidenten S k i r rn u n t und den jugoslawischen Außenminister Rintschitsch.

Barthou wird morgen vormittag 9 Ubt hier eint reffen. Wie von mglischer Seite mit­geteilt wird, hat er darum ersucht, Lloyd George sobald als möglich zu sprechen. Man nimmt an, daß es sofort nach Ankunft Darthvus zu einet Unterredung zwischen den beiden Staatsmänner» kommen wird.

Paris, 5. Mai. (WTB.) Barthou ist heute kurz vor Mittag nach einer kurzen Unter» rebung mit Poincarä nach Genua zurück gereist. *

Ein deutsch-amerikanischer Vertrag?

Paris, 6. Mai. (WTB) Havas erfährt aus Reuhorker offiziellen Kreisen, daß Ver­handlungen mit Deutschland im Gange seien, um eine gemischte Kommission einzusehen, beftebenb aus einem Amerikaner, einem Deutschen und einem 2leu traten, die sich über die Folge­rungen aussprechen soll, die sich aus der Konfis­zierung der deutschen Vermögen in den Vereinigten Staaten und der am e - rikanischenDermögeninDeutschlan d ergeben werden, sowie über die Folgerungen aus Grund des Unterganges der Lusitania Diese Fragen sollen zum Gegenstand eines Ver­trages zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten gemacht werden. Jedoch glaubt man nicht, daß er so zeitig fertig­gestellt sein werde, daß et dem Senat noch in dieser Session zugehen kann.

Die Reparatiousfrage.

London, 5. Mai. (Wolff.) Der Korre­spondent derDaily RewS" berichtet, daß die von ihm gesandte Meldung bezüglich der Aebermittelung eines Memorandums nach Paris, in dem Frankreich der Vorschlag un­terbreitet wird, das Reparationsproblem im Zusammenhang mit den interalliierten Schul­den zu erörtern, von amtlicher britischer Seite in Abrede gestellt worden ist. Dem Be­richterstatter zufolge hatte Barthou nur mündliche Anregungen nach Paris mitgenom- men und der Blackett-Plan sei, weil er von der Mitwirkung der Vereinigten Staaten ab­hängig und weil keinerlei Aussicht bestehe, die Vereinigten Staaten zu ersuchen, auf irgend­welche Forderungen zu verzichten, in den Hin­tergrund getreten. Großbritannien und