«SummeruS, der ungarische Bischof D. Raffel, Pastor Julius Junger aus der Ukraine und Pastor Wehr! von der deutsch-evangelischen Kirche Nordamerikas. Bei der Parallelver- sammlung im Bvlksgarten sprachen Vertreter der norwegischen, estnischen, österreichischen, holländischen und lutherischen Kirchen Nordamerikas. 2ln diese Begrüßungsfeiern schlossen sich heute ein Festzug und ein Festgottesdienst in der geschmückten Stadtkirche (Luthers Predigtkirche im Jahre 1922). Die Staatsbehörde war durch den preußischen Kultusminister Dr. Dölitz vertreten. Bischof D. Gum- meins aus Bvrga in Finnland hielt die Festrede.
Bauerscher Gesangverein Metzen
Konzert am Sonntag, 5. März 1922.
Denn in der Kunst sich die Kraft der Begeisterung gestalten kann, so geschah es in den Darbietungen dieser trefflichen Sängerschar. Aber Kunst ist auch Sprache der Sehnsucht, Stimme der Hoffnung. Wir hoffen auf den großen deutschen Meister, der auch der Chorkomposition mächtige neue Impulse geben, sie mit der Fülle wirklich befruchtender, in der Erde d. h. im Volkslied wurzelnder Erfindung überschütten möge. Der CQIännergefanq ist in der Thorkomposition der neueren Zeit ein besonders lockendes Feld gewesen, z. T. weil er aus geselligen Gründen gepflegt wird, mehr noch aber vielleicht, weil er ein Problem in sich schließt, das Problem des geringen Tonumfanges (von knapp 3 Oktaven), welcher dem Komponisten beengende Fesseln anlegt. Die Erschöpfung der natürlichen Möglichkeiten führte zur stereotypen Wiederholung einmal gefundener und erprobter Formeln. Der Schweizer Friedrich Hegar, welcher die Gefahren und Geschmacklosigkeiten des Liedertafelstils mit wirklichem, dauernd wachsendem Erfolg bekämpft hat, ist der Führer der gegenwärtigen Richtung und hat auf dem Gebiet des Kunstliedes außerordentliches geschaffen, das ganz besonders durch die Kühnheit der Konstruktionen imponiert. Wir erinnern uns, daß. von dem Verein in früheren Zähren „Die beiden Särge" von Hegar ausgezeichnet zu Gehör gebracht wri'de. Auch diesmal gruvpierte sich die Vortragsfolge um eine Schöpfung dieses realistisch- illustrierendon. tonangebenden Stils: „Sturmerwachen" von M. eRumann. Mit wahrhaft kongenialer Einfühlung ist der Komponist der bildkräftigen und fast dramatisch stürmenden Schilderung der jüngst verstorbenen Marburger Dichterin Anna Ritter nachgegangen und hat allerdings mit mancherlei Willkürlichkeiten der Stimmführung und hart bis an die Grenze des Möglichen gesteigerten Anforderungen an die Aus- führenden ein fast suggestiv wirkendes Tongemälde geschaffen. Als ein recht anspruchsvoller Chor er- wies sich auch „Das Heldengrab" von H. Ferreau. wenn er auch entfernt nicht mit der Fülle des
Aus dem besetzten Gebiet.
Koblenz, 5. März. (WTB.) Die tnter- alliierte Rheinlandkvmmission hat die von 'Seneral Liman von Sanders beabsichtigte BortragSreise ins besetzte Gebiet 'mit der Begründung verboten, daß diese Vorträge geeignet seien, in der Bevölkerung einen Geist hervorzurufen, der die öffentliche Ordnung und die Sicherheit der Besatzungstruppen beeinträchtigen könnte. Das von der interalliierten Kommission erlassene Verbot gegen das „Darmstädter Tageblatt" wird damit begründet, daß die Zeitung einen Artikel brachte, die der Würde der Besahungstruppen Abbruch getan haben.
Paris, 4. März. (WTB.) Rach einner HavaSmeldung aus Koblenz Hai die interalliierte Oberkommission in den Rheinlanden gegen die Einstellung von sieben Zollbeamten und zwei Lehrern, die aus dem rechtsrheinischen Gebiete stammen, ihr Det o Ä'egt. Beide Lehrer, Namens Lahn und Fedke, angeblich keine genügende Sicherheit dafür geboten, daß sie die rheinische Jugend in dem gewünschten Geiste unterrichten In Der Meldung wird behauptet, daß die Bevölterung des Ortes Klein-Billesheim gegen die Anstellung des Lehrers Fedke protestiert hätte.
Chemisches Untersuchungsamt für die Provinz Qberhessen.
Aus dem für das Jahr 1921 herausgegebenen Tätigkeitsberichte ist zu entnehmen, daß eine weitere Steigerung des Dienstbetriebes eingetreten ist. Dieamlliche Kontrolle derRahrungs- und Genußmittel und Gebrauchsgegenstände, vor allem die Milchkon- trolle, wurde in den Kreisen Gießen, Friedberg, Büdingen sehr viel schärfer ausgeübt, was den Erfolg hatte, daß die Milchfälschungen in diesen Kreisen erheblich zurückgegangen sind. Bedauerlicherweise konnte in den Kreisen Alsfeld, Lauterbach und Schotten eine regelmäßige Kontrolle gar nicht oder nur in geringem Maße ausgeübt werden, da diese Kreise für diesen Zweck keine ausreichenden Geldmittel aur Verfügung gestellt hatten. Die Zahl der im Berichtsjahre aus- geführten UnterstiLdangen betrug 25(7, außerdem wurden für Mollereien der Provinz Oberhessen 1084 Milchfettbeslimmungen nach Gerber aas- geführt.
• Die Untersuchungen verteilen sich auf sol- genbe Gruppen: a) auf RahrungL- and Genaß- Littel 2277 Proben mit 434 Beanstandungen, t£) auf Gebrauchsgegenstände 15 Proben mit f Beanstandung, c) auf hygienische, physiologisch- chemische und gerichtliche Untersuchungen 64 Proben und d) auf technische Untersuchungen 221 Proben und keine Beanstandung. Größere Gutachten wurden 135 erstattet.
Dem Milchverkehr wurde wieder ganz besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Es wurden 1548 Vollmilch-, 15 Magermilch-, 5 Buttermllch- und 1 Trockenmilchprobe untersucht. Von den Vollmilchproben unterlagen 350 einer Beanstandung und zwar: a) wegen Wasserzusahes 125 Proben, b) wegen Fettentzuges 157, c) wegen Wasserzusatzes bei gleichzeitigem Fcktentzuge 3, d) wegen anormaler Beschaffenheit 65. Die Wasserzusätze waren vielfach sehr hoch, in einem Falle betrug der Wasserzusah über 100%. Am häufigsten war wieder der Fellentzug oder das Vermischen von Magermllch mit Vollmilch feststellbar. Der hohe Butterprels reizte immer wieder gewissenlose Elemente, der Mllch ein Teil
spiethause (Bahnhofstraße) wissenschaftliche Film-1 Vorführungen. Das Gewerkschastskartell hat Ein-1 tritts karten zu ermäßigtem Preis erhalten. Diese ’ Karten gelangen im Gewertschaftshause zum Verkauf und müssen mindestens 2 Stunden vor Beginn der Vorführung gelöst werden. Die Vorführungen werden durch den Vortrag eines hiesigen namhaften Facharztes erläutert.
— Von dem Verei n der Deutsche n i Demokratischen Partei wird uns ge-1 schrieben: Die für den 3. Februar angezeigte, in letzter Stunde wegen des Streiks abgesagte öffentliche Versammlung, in der Reichstags abgeordneter K o r e l l über „Die Regierung Wirth-। Rathenau und die Lage im Reich" sprechen sollte,, findet am Dienstag, den 7. März, im Hotels Großherzog statt. |
Wettervoraussage
für Dienstag:
Wolkig, meist trocken, mild, nachts kühler, südwestliche Winde.
Das atlantische Tief ist ostwärts abgezogen. Da die Zugstrahen der Depressionen nunmehr weiter nördlich verlaufen, werden wir nur UN», wesentlich von ihnen beeinflußt Das Wetter bleibt wolkig, doch meist trocken.
D e r Anlauf von Gold für bas Reich durch die Reichsbank und Post^ erfolgt in der Woche vom 6.—12. März ds Zs. zum Preise von 850 Mark für ein Zwanzigmarkstück, 425 Mark für ein Zehnmarkstück. Für die ausländischen Goldmünzen werden entsprechende Preise gezahlt.
** Aenderungen im Orts- klassenverzeichnis. Nach Dlattcrmel- dungen ist in parlamentarischen Kreisen bereits das kürzlich abgeänderte Ortsttaffenver.- zeichnis bekannt. Wie berichtet wird, sollen in der Provinz Oberhessen folgende Orte höher gestuft worden sein, wobei allerdings eine amtliche Bestätigung abzuwarten bleibt: Von Klasse C nach B: Butzbach, von Klasse D nach C: Bad Salzhausen, Nidda,Griedel.
"UeberdenDerkehr mitKraft-l f a h r z e u g e n in der Stadt Gießen besagt eine Polizeiverordnung, daß die Mäusburg und die Marktstraße mit Kraftfahrzeugen ! nicht befahren werden dürfen, und daß der Durchgangsverkehr mit solchen Fahrzeugen in den innerhalb der Anlagen gelegenen Stadtteilen verboten ist.
** Preußisch-Süddeutsche Staatslotterie. Die Lose zur 4 Klasse müssen unter Vorlegung des Vorklafsenloses bis zum 8. Marz eingelöst werden.
Landkreis Gießen.
tt. Treis a. L., 5. März. Bei der D e r =• Pachtung der hiesigen Pfarrwiefen von insgesamt 12 Morgen wurden nahezu 10 000 Mark jährliche Pacht erlöst, also beinahe 900 Mk. für den Morgen. Die Pächter sind wieder wie bei der kürzlich erfolgten Verpachtung der Pfarräcker mit mir wenigen Ausnahmen Arbeiter
Kreis Büdingen.
4- Bingenheim, 5. März. Diese Woche kamen die beiden bei der Firma Rincker in Sinn gegossenen Bronzeglvcken auf dem Dahn- Hofe Gettenau-Bingenheim an und wurden durch einen Festzug abgeholt und .aufmontiert. Beim Probeläuten stürzte die alte Glocke ab und wurde vollständig zerschmettert: zum Glück brach jedoch die Decke nicht. Da die Glockenteile zum Umguß einer neuen Glocke versandt worden! sind, muß die Einweihung, die für heute vor-1 gesehen war, verschoben werden Die • neuen Glocken haben das ansehnliche Gewicht von 32 Zentner, der Anschaffungspreis beträgt 100 000 Mk.
)( Ortenberg, 5. März. Ein be- > bäuerlicher An f a l l ereignete sich im i hiesigen Ohmtalbasaltwerk. Durch vorzeitiges i Losaehen eines gesetzten Reinigungsschusses wurde der allseits beliebte Bruchmeister Aug. i Fahrenbruch schwer im Gesicht verletzt und । ihm zwei Finger der reckten Hand abgerissen. Der Arzt ordnete die sofortige Aebcrführung des Verletzten in die Klinik nach Gießen an. Erst vor kurzem war der langjährige Bohr-
und Schießmeister des Werkes im Spitak in Büdingen einer schweren Erkrankung erlegen.
Kreis Lauterbach.
Zj. Lauterbach, 5. März. Eine Versammlung der B ü r_g e r ni c i ft e r des Kreises fand unter dem Vorsitze des Kreisrats von Werner statt. Es wurde über die Holz- Versorgung der Krcisinsassen beraten. ES wurde beschlossen, an alle Minderbemittelte im Kreise das Brennholz zum Tarifpreise, 110 All., abzugeben. Außerdem soll in jeder Gemeinde so viel Holz gefällt werden, daß mindestens vier Raummeter auf die Familie kommen. Nach den Ausführnngen des Riedeselschen Forstrats Zentgraf, der erklärt, es sei genügend Holz vorhanden, soll jede Gemeinde für sich Versteigerung abhalten, jeder Bürger darf aber nicht mehr als seinen wirklichen Bedarf steigern. Was übrig bleibe, könne dann an die Meistbietenden versteigert werden. Forstrat Zentgraf und der Vorsitzende machen wiederholt daraus aufmerksam, daß nur die Steigerer durch unerhörtes Bieten die Preise zu solcher Höhe gebracht hatten.
A Schlitz, 5. März. 3m abgelaufenen Jahre wurden vier Familienhäuser von der Heimstättengefellschast erbaut Da auch dieses Jahr wieder Neubauten geplant sind, io beschloß der Stadtvorstand, der Gesellschaft bei "iwaigem Antrag abermals Zuschüsse zu bewilligen. — Die Stadt liefert noch billige Elektrizität, der Strompreis für Licht betragt 4,20 Mark, für Kraft 2,50 Mark für die Kilowattstunde.
z? Schlitz, 5. März. Die Anlage der K r i e g e r g e d ä ch t n i s st ä t t e aus unserem Bergfriedhofe geht nun ihrer Vollendung entgegen Die Namen der Gefallenen sind bereits an den Emporen bei alten Totenkirche von Kirchenmaler Veite (Nieder-Ramstadt) angebracht worden. Am Totensonntage des vergangenen Jahres tonnte die Totenkirche durch eine schlichte Feier bereits geweiht werden. Dieser Tage, nun wurde mit der Aufstellung des Denkmals begonnen, das als Obelisk gedacht ist. 3n den Grundstein des Kriegerdenkmals wurde eine Urkunde eingemauert, die in schlichten Worten die Bau- geschichte enthält. Die Urkunde schließt mit folgen* * den Worten: „Es sind schwere Zeiten, in denen mir und die ganze Weltwirtschaft nach dem Kriege stehen. Der Zentner Korn kostet 400 Mk., der Zentner Weizen 600 Mk., der Zentner Kartoffeln 150 Mk., der Laib Brot 12.50 Mk., das Pfund Ochsensleisch 22 Mk. Unser Papiergeld, von dem wir einige Proben beilegen, da wir kein Gold und Silber mehr haben, hat nur noch ein Zehntel bis ein Dreißigstel Kaufkraft. Der Dollar gilt 224 Mk. Aber wir verzagen dennoch nicht. Der alte Gott lebt noch, und auch aus diesem Zusammenbruch wird es mit seiner Hilfe einen Ausstieg geben.“
Kreis Schotten.
' 4? Michelbach, 5. März. Der im Armen» haus wohnende Konrad Theis, in dessen Be- baufung Feuer ausgebrochen war, wurde t o t aufgesunden. Wahrscheinlich ist er im Schlafe erstickt. Die Kleider waren bis auf wenige Fetzen verbrannt.
Kreis Wetzlar.
fpd. Wetzlar, 5. März. Die Arbeitgeber und die Arbeitnehmer in der Wetzlarer Metallindustrie haben den Schieds- spruch über die neue Lohnregelung angenommen.
Kreis Friedberg.
ss. Friedberg, 5. März. Der im ver* uangenen Jahre gegründete „Verein für Feuerbestattung" hielt im Ratskeller eine gut besuchte Mitgliederversammlung ah. Die Mit- gllederzahl betragt bereits 80, die durch Neu- anmelbungen während der Versammlung auf nahezu 90 stieg. Der wichtigste Punkt der Tagesordnung bildete die Bildung einer Unterstütwngs- falle, aus der den Angehörigen Verstorbener eine Deihilse zu den Einäscherungskosten gewährt werden soll. Die von dem Vorstandsmitgliede Beigeordneten Kühn entworfenen Satzungen sanden einstimmige Annahme,' die Höhe der Dei-- hilse ist vorläufig auf 400 Mk. festgesetzt. Der seitherige Vorstand wurde durch Zurus wieder- gewählt: erster Vorsitzender ist Buchhändler Scriba. Der Vorstand war in der angenehmen Lage, eine Ernräßigung der Dereinsbeiträge um ein Drittel der seitherigen Hohe Vorschlägen zu können
ihres Felles zu entziehen und auf Butter za verarbeiten. Da die Milche ehe sie der Konsument in der Stadt erhält, durch viele Hände (Milchprrduzent, Milchfuhrmann, M.lchsammler, Mölleret, Milchousträger) geht, hielt es oft sehr schwer, die Milchsälscher herauszufinden. 3m all gemeinen ist, besonders in den Kreisen, in denen eine scharfe Kontrolle ausgeführt wurde, eine Besserung im Milckvertehr zu verzeichnen. Desnn dend haben in dieser Richtung auch die in letzter Zeit von den Gerichten bet Milchfälschangen ausgesprochenen Freiheitsstrafen gewirll, sowie die Veröffentlichung des Urteils tn den Lokalblättern. Während im Zahre 1920 36,2 Prozent der im Verkehr erhobenen Milchproben beanstandet wurden, unterlagen in dem Berichtsjahre 27,9 Prozent der im Verkehr erhobenen Proben der Beanstandung. Diese Beanstandungszisfer ist immerhin noch sehr hoch und bet der Bedeutung der Milch als Nahrungsmittel, speziell bet der Kinderernährung, ist eine scharse Kontrolle weiter dringend geboten. Der durchschnittliche Fettgehalt der Milch, einscht. der beanstandeten, betrug 3,24 Prozent gegenüber 3,5—3,6 Prozent der Vorkriegszeit. Der durchschnittliche Fettgehalt der Stallmilchproben betrug 3,4 Prozent. Von den untersuchten Buttermilchproben hatte eine Probe einen Wasserzusatz von über 100 Prozent erhalten.
Wiederholt wurden bei der Kontrolle Butterproben angetroffen, deren Wassergehalt ein übermäßig hoher war. 3n 2 Fällen wurde fest gestellt, - daß die als seinstck Landbutter feilgehaltene Butter aus Margarine bestand.
Die in früheren (Zähren selten beobachteten Fälschungen von Mehl hatten in dem Berichtsjahre ganz erheblich zugenommen. Von 100 als verdächtig ein gelieferten Mehlen wurden 31 ve- anstandet. Besonders häufig wurde ein Zusatz von Bohnenmehl in Höhe von 3—20 Prozent fest- gestellt. Wiederholt enthielten als „garantiert" rein bezeichnete Weizenmehle erhebliche Mengen von Gersten-, Hafer- Roggen- oder Maismehl
3n Wurstprooen wurde häufig ein viel zu hoher Wassergehalt oder die Verwendung von Stärkemehl feftgefteilt.
Weitere Beanstandungen betrafen Als „voll- fett" bezeichnete Käse, deren Fettgehalt zu gering teer; Mineralwasser, das Blei enthielt: Marmeladen, die verdorben waren; Branntweine, deren Alkoholgehalt zu gering war und die schärfende Stosse «Schwefelsäure) enthielten; Gewürze, die mit Sand verfälscht waren; Schokoladenpalver, das einen Zusatz von Mehl erhalten hatte; Biere, bei denen der Stammwurzegehalt zu gering war; 3rbene Töpfe, deren Glasur erhebliche Mengen von Blei abgaben. Bei Brunnen- und Queliwässern konnte wiederholt festgestellt werden, daß dieselben durch organische Zer- setzungsprodukte oder faucheartige Zuflüsse verunreinigt waren.
Tas Wasser der Gießener Leitungen tturbc auch im Derichtsfahre einer eingehenden chemischen und bakteriologischen Untersuchung unterzogen. Gegenüber dem Vorfahre hatte cs fid? in feiner Zusammensetzung nicht verändert. Es entsprach in jeder Beziehung den Anforderungen, die man an ein gutes Trink- wasser stellt.
Menschliche und tierische Organe waren häufig auf die Anwesenheit von Giften oder sonstigen schädlichen Stoffen zu untersuchen. Zn Hunde-, Enten- und Gänsemagen konnte wiederholt Strychnin nachgewtesen werden. Verschiedene Arzneimittel teuren auf ihre Zusammensetzung und ihren Gehalt an wirksamer Substanz zu untersuchen.
Die 221 ausgeführten technischen Untersuchungen erstreckten sich auf die verschiedensten Gegenstände des täglichen Bedarfes.
Aus Stadt und Land.
' Gießen, den 6. März 1922.
Bornotizen.
— Tageskalender für Montag: Astoria-Lichtspiele, ab heute: „Das Geheimnis der Spielhölle" und „Der Henker und seine Tochter". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, ab heute: „Der gelbe Diplomat" und „Der Katzenkvpf".
— Der Hessische Landesverband zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten veranstaltet am 7., 8. und 9. März 1922, nachmittags Vs5 Uhr. im Licht-
Konstruktiven belastet ist und in glücklicher Melodik aus der Stimmung des Gedichtes hervorwächst, so zeigt er doch — um nur ein Beispiel heraus- zugreifen — in der stellenweise außerordentlich hohen Lage der Tenöre (genau wie „Sturm- erwachen"), wohin das Ueberschreiten der natürlichen Grenzen führen kann. Durchaus innerhalb der (Singbarfeit hielten sich die übrigen dargebotenen Chöre, worunter der „Despergesang" von K. Kumpf und „Glückliche Lieb" von E. Hansen durch ihre gewählten Harmonisierungen und feinen Kontrastwirkungen besonders angenehm ins Ohr fielen. „Aus, zum Fandango!" von H. Jüngst darf darf man wohl wegen seines frischen Volkstones, der eines leicht humorvollen Einschlages nicht entbehrt, als Treffer im besten Sinne des Wortes bezeichnen. DaS Lied muhte, der Erfolg beweist es, wiederholt werden. Goethes Mailied — Ph. Gorrs geschmackvolle und schön charatterisierende Vertonung mihsälll mir nicht — hätte mich nicht zu einem Männerchor angeregt. (Dieses durchweg lyrische Gebilde dürfte sich meines Erachtens nur dem Sinzellied erschließen.) Noch weniger allerdings, die Volksweise von Andreas Hofer, da die bekannte Melodie wohl kaum verdrängt werden dürfte. In der Komposition Hannemanns stört mich der an das Sentimentale streifende Refrain.
Den Leistungen des Chores wird man wohl am ehesten gerecht wenn man die Persönlichkeit des Chormeisters fest ins Auge zu fassen sucht. Herr Otto Görlach versteht es, die an und für sich spröde Materie, wie sie ein Mannerchor bar» stellt, ganz seinen Absichten gefügig zu machen. Mit einer durchaus zurückhaltenden, dadurch aber desto toirtfameren Direktionsweise, überträgt er seine Auffassung, sein jeweiliges musikalisches Erlebnis auf seine ibm begeistert folgende Sängerschar, die er allerdings durch eine rastlose, planmäßige Chorerziehung zu einem sehr tüchtigen, erfvlgsicheren Klangkörper herangebildet hat. Der Verein verfügt über hervorragendes Stimmmaterial, bas sich auch im allgemeinen recht befriedigend untereinander ausgleichen läßt. Auf seine ersten Tenöre unb zweiten Bässe kann er besonders stolz fein! Erstaunlich war die Tress- sicherheit. die Exaktheit der Einsätze. Was besagen ein paar kleine Schwebungen und leichte
Trübungen hie und da gegenüber den äußerst fein verteilten dynamischen unö ogvgischen Abstufungen und den groß angelegten Steigerungen. Möchte der Verein auch weiterhin befruchtende Anregungen vom Kunstgesang empfangen unb seine echt deutsche Gesinnung, mit welcher er so erhebend fein Konzert ausllingen ließ, vor allem in der Pflege des deutschen Volksliedes bekunden. Dann werden die wohlverdienten und so begeistert aufgenommenen Erfolge ihm treu bleiben.
Die Solisten boten wertvolle unb willkommene Abwechslung. Anstelle des verhinderten Hofopern- längere Nicola Geisse-Winkel (Wiesbaden) fang Herr Kammersänger Troitzsch (Darmstadt) vier seltener gehörte Lieber von Schubert (Schatzgräbers Begehr; Die Krähe (aus der Winter- reife); Die Stadt; Die Taubenpost). Mit feinem klangvollen Bariton, der unter dem Zeichen einer kleinen Inbisposition anfänglich hin unb wieder etwas formiert herauskam, wußte er besonders den düsteren Stimmungen ergreifenden Ausdruck zu verleihen. Am befien lagen und gelangen seinem beträchtlichen Charakterisierungsvermögen die drei Balladen von Loewe: Harald, das Hochzeitslied von Goethe (eines der berühmten Probestücke für Zungengeläufigkeit) unb bas zugegebene „Erkennen". Für Bruchstücke aus Wagneropern im Konzertsaal kann ich mich nicht begeistern, zumal wenn nur Klavierbegleitung zur Verfügung steht. Diesmal war aber bie übrigens trefflich gelungene Ansprache des Hans Sachs ganz tm Sinne des Programms, das in einem Bekenntnis zum Deutschtum ausllinyen sollte. Die freudigste Ueberraschung bot nur jedoch Fräulein Anni Delp (Darmstadt). Sie enthüllte sich nicht nur als eine äußerst begabte Violinistin: sie ist vielmehr ein wirklich echtes, ursprüngliches Geigentalent. Ich schließe das nicht daraus, daß sie so glänzende Perlen der Violinliteratur, im tiefsten Sinne Prüfsteine des Könnens, tote La Folia von Corelli oder den als Zugabe gewährten ungarischen Tanz von Brahms-Joachim mit erstaunlicher Technik und Auffassung barbvt; ich schließe das vielmehr aus Dingen, die man nicht erlernen kann, die einfach da sein müssen als besondere Begnadung einer reichen Natur. Die grunbmufU kalische Art des Musizierens, die unfehlbar sichere
Rhythmisierung, das stürmisch ausgreifende Temperament find bie entscheidenden Zeichen einer auf eine große Zukunft hinweisenden Begabung, die, wie die breit unb wunderbar innig hingesungene Cantilene im Abagio der 3. Suite von Fr. Ries bewies, in einem äußerst sein reagierenden Seelenleben verankert ist. Fräulein Delp kennt ihr Rüstzeug, das über eine wie selbstverständlich wirkende Dvppelgrisf-, Dogen-, Stak- latotechnit. usw. verfügt, zu genau, um nicht zu wissen, wo es noch zu feilen gilt. Die Künstlerin, die noch drei der allerschönsten und charakteristisch- ft en „Kabinett" stücke von Reger spielle, wurde von ihrem Bruder, Herrn Eberhard Delp, mit stilsicherer Anpassung begleitet Es war das Miteinandermusizieren zweier verwandter Seelen. Dies grundmusikalische Geschwisterpaar wird mir sobald nicht aus der Erinnerung kommen; es hat sich mir tief ins Herz hineingespiell. Auch bem Gänger lieh Herr Delp seine wertvolle pianiftische Unterstützung, die besonders in der Filigranarbeit der Loewe-Balladen eine schlacken- los entwickelte Spieltechnik verriet Mit allem Nachdruck möchte ich an dieser Stelle guf den hervorragenden, offensichtlich geborenen Begleiter Hinweisen, der mir übrigens vor Tagen an anderer Stelle auch als Solist von stark persönlicher Eigenart unb vornehmer Kultur des Klanges begegnet ist. Dr. Heinrich R o e s e.
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Schubert-Abend. Am letzten SamStag fanden sich in der Aula des Gymnasiums eine Reihe von jugendlichen Musikfreunden zu einem Schubert-Abend zusammen. Stud. Heil hielt einen Dortrag, in dem er den Zuhörern das Leben und die musikalische Gröhe Schuberts vor Augen führte. Hierauf fang der Referent verschiedene Lieder mit Klavierbegleitung, die bet den Zuhörern großen Anklang fanden. Kurt Wel- t e r spielte wirkungsvoll einige Tänze von Schubert — Es besteht die Absicht, die Hugenb, die sich für gute Musil und Literatur interessiert, zu sammeln und ähnliche Abende zu veranstalten.


